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Weler Meße Nachrichten

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Nummer 252. . Fernsprecher SSI und SSL Mittwoch, 1. Oktober 1913. Fernsprecher 951 und SSL 3. Jahrgang.

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hoher Persönlichkeiten

Zeit allen Festlichkeiten fern geblieben ist. Die neuerdings beobachtete starke Reizbarkeit des Großüerzogs bei Erkältungen hat zu F i e- berzuständen geführt, die den Patienten längere Zeit ans Bett fefleln. Um dem Groß- berzog die Teilnahme an der Einweihung des Völkerschlacht - Denkmals zu ermögli- chen, haben die Aerzte jetzt zu doppelter Vorsicht geraten mid damit wird auch die völlige Zu­rückgezogenheit des Grotzherzogs motiviert.

Kriegsstimmung in Bulgarien!

Sofia, 30. September. (Privat - Te - l eg r a m tn.) Das Regierungsblatt Narodny Rrawa schreibt, das serbische Heer könne ich nur mit Mühe der Albanier erwehren und es sei den bulgarischen Truppen ein Leichtes, etzt einen Triumphzug durch Mazedo­nien zu unternehmen und die verlorenen Ge­biete wieder zurüüzuerobcrn. Wenn die Regierung das Volk hindere, seinen Zorn gegen Serbien auszulaffen, so geschehe dies nur, um die Kräfte erst zu sammeln.

Petersburg, 30. September.

Das furchtbare Eisenbahn-Unglück, das sich gestern bei Sosyka in der Nähe von Rostow a» Don ereignet hat, ist eine der schwersten Katastrophen, die sich im russischen Eisenbahn­betrieb bisher ereignet haben. In voller Fahrt entgleiste kurz vor der Station Sosyka der Wladikawkas-Bahn ein von Baku nach Batilm fahrender Personenzug. Sieben Wagen flogen, da Verbrecher, die bei dem Wirr­warr auf reiche Beute hofften, die Gleise ge­lockert hatten, aus den Schienen, schoben sich in- und übereinander und wurden vollständig zertrümmert. Viele Personen wurden, da die Wagen dicht besetzt waren, unter den Trümmern begraben, zumeist Klein­bürger und Bauern aus den benachbarten Dör- sern. Erft nach längerer Zeit kam ein Hilfszug. Man begann sofort mit den Aufräumungs­arbeiten und hatte bis zum späten Nachmittag vierzig Tote geborgen. Die Zahl der Verletzten «cht noch nicht fest; sie beträgt aber weit über hundert. Mehrere ver­letzte Personen waren so schwer verwundet, daß sie bald nach dem Unfall starben, andere sind mit leichteren Knochenbrüchen davongckommen. Die Aufräumungsarbciten werden fortgesetzt, da man glaubt, daß noch nicht alle Toten und Verwundeten geborgen sind.

in dem Sinne mühen, als spräche aus dem sorglich auf Echo und Effekt berechneten Inhalt der Wille des Schreibers, der Welsen-Sehn- sucht auf Ha nn o v er zu entsagen?

.Braunschweig bin Welfen, Hannover den Zollern!" Das ist die Parole! Durch den offi­ziösen Blätterwald, in dem der Orkan der Hoch- zeit- und Versöhnung-Begeisterimg mählig in' stillem Säuseln erstorben, rauscht's in den Holz- Papier - Melodien bethmann'scher Heldentat; selbst die gute Norddeutsche Allgemeine, deren Dithyramben neuerdings den düstersten Griesgram in schmunzelnde Heiterkeit kitzelt, ermannt sich zu der Beteuerung, daß des Ret- ches Fundamente allen Stürmen trotzen, itni die Gelegenheitsarbeiter offiziöser Stimmungs­mache sind eifrig am Werk, am Vorabend des Entscheidungstags das deutsche Gewiffen zu schwichtigen. Warum? Der Kanzler int Reich und Ministerpräsident in Preußen ist ver­fassungsrechtlich verantwortlich für die von ibm betriebne Politik, und sein Gewissen wird ihm die Antwort auf die Frage sagen, ob der Brief des kaiserlichen Schwiegersohns vom zwanzigsten April ausreicht, die Sorge um das Reichsintereffe, die den Bundesrat zu dem Beschluß vom achtundzwauzigsteu Februar neunzehnhundertsieben zwang, zu schwichtigen. Dieser Brief (wird uns gesagt) ward von dem Entschluß diktiert, auf den Hannoverschen Wel- fentraum feierlich zu verzichten: aus ihm spricht der bestimmte Wille, sich mit Reich und Preu­ßen zu versöhnen, und besiegelt durch den Diensteid des preußischen Husaren-Offiziers, ge­winnt dieser Brief das historische Gewicht eines Dokuments vorbehaltlosen Verzichts auf Wün­sche, deren Verwirklichung mit dem Reichsge­danken und dem Empfinden des kaiserlichen Schwiegersohns nicht vereinbar. So viel Wor­te so viel Irrung! Aus dem Lärm der Wel- ken-Agitation hebt sich scharf und bestimmt im­mer wieder das eine Motiv heraus, daß Einn- berland nie daran gedacht. Hannover zu sogen und daß auch Ernst August, den Tochter- manu des Kaisers, der Väter Schwur verpflich­tet. WiereimtsichDas? Herr von Bethmann Hollweg wird dieser Frage die Antwort finden muffen, und es ist nicht Neugier, sondern Sorge, die sich regt:Wird diese Antwort vom Geist ernster Erkenntnis, oder von der Romantik seligkeit - verklärten Versöhnung- Glücks bestimmt sein ..?" F. H.

Wien komme, für unrichtig. Der König begebe sich wegen der griechisch-türkischen Schwie­rigkeiten direkt nach Triest, von wo er sich nach Athen einschiffe.

Reue Erfolge der Albanier.

Wien, 30. September. (Privat - Te­legramm.) Nach heftigem Kampf haben (einer Meldung aus Ballona zufolge) die Al­banier Djakova eingenommen und dort eine große Menge an Waffen und Muni­tion erbeutet. Auch O ch r i d a ist gefallen und vier Geschütze sowie Lebensmittel sind in die Hände der Albanier gekommen. Prizrend ist umzingelt. Der Fall der Stadt wird stündlich erwartet. Die serbische Garnison ist dort viertausend Mann stark, ist also den Alba­niern gegenüber kaum widerstandsfähig.

Griechische Kriegs-Rüstungen?

Wien, 30. September. (Privat-Te- legramm.) Das griechische Hauptquar­tier, das nach dem Kriege aufgelöst wurde, ist durch Erlaß vom gestrigen Tage von-neuem eingerichtet worden. Die griechische Regierung hat alle in der unteren Donau befindlichen griechischen Handelsschiffe aufgefordert, sofort nach Griechenland zurückzukehren, damit sie die Dardanellen noch vor einer etwaigen Sperrung paffieren können. Alle beurlaubten Generäle und Offiziere wurden einberufen.

Eisenbahn- Zusammenstoß am Rhein.

Wie uns aus Koblenz berichtet wird, stießen gestern nachmittag auf der rechtsrheini­schen Bahn bei Vallendar zwei G ü t e r z ü g c zusammen. Der Materialschaden ist sehr groß; der Verkehr ist gesperrt. Mehrere Personen

vom Fahrpersonal sollen schwer verletzt sein. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht festgestellt, da die Untersuchung darüber fort­dauert. Nach einer bisher unbestätigten Mel­dung soll der Zusammenstoß auf falsche Weichen st ellung zurückzuführen sein.

KriesMelderBgikanier.

Die Unterzeichnung des Friedensvertrages.

Der Friede zwischen der Türkei und Bul­garien ist gestern nachmittag in Konstantinopel unterzeichnet und veröffentlicht worden. Aber auch dieser dritte Balkanfriedensschluß bringt den Frieden nicht. Es scheint sogar, als ob dieser Friede von Konstantinopel von der einen oder anderen Seite mit der ausgespro­chenen Absicht geschloffen sei, aus ihm neue Kräfte zu neuen kriegerischen Taten zu schöpfen. Wir wiesen bereits vor einiger Zeit auf die Gerüchte von türkisch-bulgarischen Bündnisabsichten gegen Griechenland hin und auf die Gefahren, die nicht nur für die beteilig­ten Balkanstaaten, sondern für ganz Europa aus der Verwirftickung der neuen türkischen oder türkisch-bulgarischen kriegerischen Aspira­tionen entstehen können, und diese Befürchtun­gen werden durch die Vorgeschichte des bulga­risch-türkischen Friedensschlusses bestätigt. Ueber den Abschluß des Friedensvertrages wird uns aus Konstantinopel gemeldet:

Der Frieden zwischen der Türkei und Bulgarien ist gestern abend Punkt sieben Ahr unterzeichnet worden. Die letzte Sitzung der Friedenskonferenz trug einen intimen Cbarakter. Ihr wohnte auch der Großwestr bei, der zum Schluß eine Ansprache hielt, in der er die Hoffnung aussprach, daß dieser Frie­den ein ewigdauernder sein möge.

Daß man in Griechenland hinsichtlich der bulgarisch-türkischen Pläne ernsteste Be­fürchtungen hegt, beweisen folgende Draht- Meldungen aus London und Wine: Der König von Griechenland verläßt heute London und begibt sich über Triest nach Athen, wo er am Sonnabend krüh eintttfft. Die Abreise des Königs Konstantin ist allerdings kein Zeichen für eine Verschärfung der griechisch-türkischen'" Schwierigkeiten, die Lage ist jedoch immer noch sehr unsicher und wird es auch blei­ben. bis die Forderungen der türkischen Dele- gietten, die sich gegenwättig auf dem Wege nach Athen befinden, bekannt stnd. Die amtliche Wiener Allgemeine Zeitung" erklärt die Nach­richt. daß der König von Griechenland nach

Herr Direktor Schmidt.

Die Wiesbadener Betrugsaffäre Schmidt; die Praktiken des falschen Bergwerksdirektors.

Die Verhaftung des falschen Bergiverksd Vektor« Schmidt erregte in Wiesbaden das größte Auf. sehen, da Schmidt dort als steinreicher Mann galt und in den er st en Kreisen verkehrte Bet seiner Vernehmung hat der Verhaftete angegeben, er sei selbst das Opfer eines Betruges geworden, der ihn um sein ganzes Vermögen gebracht habe. Wie raffiniert indessen Schmidt bet seinen be. trügerischen Manipulattonen vorgegangen ist, be­weisen die folgenden, festgeftellten Tatsachen: Die Geschichte des sogenannten Bergwerks- direttors Schmidt ist typisch für die Ver­trauensseligkeit, mit der viele Leute in Deutschland ihr Geld hergeben. Kam da der Herr Bergwerksdirektor Adolf Schmidt. Er nennt weiter nichts sein eigen als das nötige Auftreten und erzählt, daß er den gesamten Be­trieb der Schantung-Bergbau-Ge- sellschäft in China geleitet habe. Man glaubt es ihm ohne weiteres. Eine einfache Anfrage bei der Gesellschaft hätte aber ergeben, daß Schmidt ein bescheidener Lagerver­walter war, den man verschiedener Unregel? Mäßigkeiten wegen entlassen mußte. Den Pri­vatleuten, denen Schmidt ihr Geld abgenommen hat, ist aber noch der geringere Vorwurf zu machen, denn der erste, mit dem Schmidt in Verbindung trat, war ein gewiegter alter Kauf­mann Herrmann aus Quito, der lange Jahre dort deutscher Konsul gewesen. Herr­mann besaß eine Konzession der ekuadorischen Reoierimg für den Bau der Eisenbahn und im Anschluß daran Derabaugerechtsame. Hebet den Wett der Eisenbahnkonzessionen in den südomerikanischen Republiken läßt sich streiten, *te Berabausachen waren aber gut. Herrmann kam nach Deutschland und suchte Kapital zur Ausbeutung. Er lernte den Berawerksdirektor Schmidt kennen, und der machte sich anbeischig, das Geld zu besorgen. Frechbeit hilft! Schmidt ging zu einigen begütetten Edelleuten, fühtte sich als der Vetter verschiedener

Der Großherzog von Baden krank!

Offiziöses Dementi und Wirklichkeit.

Karlsruhe, 30. September. (Privat-Te- l e g r a m m.) Heber den Gesundheitszustand des Großherzogs von Baden, der tatsäch­lich seit Wochen völlig zurückgezogen in Badenweiler weilt, wird (entgegen dem offi­ziösen Dementi) jetzt bekannt, daß er in letzter

Russischer Ksenbahudrama.

Vierzig Personen tot, über hundert verletzt!

In der Nähe des Bahnhofes Sosyka bei Rostow am Don (Rußland) entgleiste gestern ein Personenzug, wodurch sechs Wagen völlig zertrümmert wurden. Vierzig Personen sind getötet und mehr als hundert verletzt worden. Der Hnfall ist darauf zu­rückzuführen, daß Räuber die Schienen ge­lockert hatten, um einen Zug zum Entgleisen zu bringen und die Passagiere auszurauben. Wir erhalten über die Katastrophe folgenden Drahtbericht:

Die Katastrophe von Soshka.

(Privat-Telegram m.)

Quelle stammenden" Informationen durch die Druckerpresse hastete, als Dokument modernster deutscher Reichsgeschichte zusammenzufassen und vielleicht unter dem Titel »Politik im romanttfchen Jahrhundert" dem homerischen Ge­lächter zeitgenössischer Erkenntnis preiszugeben. Es wird sich dann zeigen, wie winzig im- grunde der Tatsachen - Gehalt ist, um den sich das in wilder Hast gesponnene Netz der Insor- mafionen, Kombinattonen und Reflexionen rankt, und wie grotesk sich schließlich selbst der Ernst eines reichspoliti'chen Problems ver­zerrt, wenn Familien- und Flitterwochen-Idyll: der ungezügelten Phantasie romantik-versonne­ner Konjeftural - Politiker als Basis dienen. Regulierte das Verständnis für politische Kultur unser öffentliches Leben, dann würde die Komödie der Irrungen, die nun schon seit Monden Dag um Tag sich in neuen Szenen­bildern heil'ger Einfalt ausdringlich in allen Blätterspalten präsentiert, undenkbar fein. So ober nährt sie ihren Mann, kitzelt angenehm die Nerven phlegmatischer Schlummerkiflen- Polftiker und zeigt uns, daß die Pikantette der Frage, ob des Kaisers Schwiegersohn dem Schicksal teurer ist als der Welsensproß von Cumberland, unser öffentliches Leben weit mehr fesselt als das Problem, eine harte Fügung Bismarck'scher Vernunft-Politik mit dem mildern Geist der Gegenwatt zu versöhnen.

In den nächsten Tagen wird man in Berlin über Cumberlands Zukunst zu Rate sitzen. Herr von Bethmann Hollweg, in Preußen der Chef des Kabinetts, präsidiett dem Minister-Conseil, dem die Aufgabe zufällt, in einer das Reichs­und Staatsintereffe unmittelbar berührenden dynastischen Frage die Entscheidung zu fällen. Der leitende Staatsmann vertritt den Stand­punkt, daß in dem Prinzenbrief vom zwanzig­sten April neunzehnhundertdreizehn (geschrieben kurz bevor in Berlin die Hochzeitsglocken läute­ten) alles gesagt ist, das zur verfaffungsrecht- lichen Klärung der Sachlage dem Gewiffen preußischer Rechtserkenntnis erforderlich schien, und diese Ueberzeugung hat den Kanzler und Ministerpräsident bewogen, das Staatsmini­sterium zu ersuchen, beim Bundesrat den An­trag auf Aufhebung des (der Thronbe­steigung Cumberlands in Braunschweig ent­gegenstehenden) Bundesrats-Beschlusses vom achtundzwanzigsten Februar neunzehnhundert­sieben zu stellen. Daß diesem Ersuchen des Kabinettschefs seitens des Staatsministeriums entsprochen werden wird, darf von vornherein als jedem Zweifel entrückt gelten, und es ist also wahrscheinlich, daß bereits in den Oktober­tagen der Bundesrat das entscheidende Wort sprechen wird. Die Enttoirrung des gordischen Knotens liegt nämlich in letzter Instanz dem Bundesrat ob, und Herrn von Bethmann Holl­weg fällt die Aufgabe zu, beim Parlament bun­desstaatlicher Hoheit den Wunsch Preußens. Ernst August von Cumberland, den Gatten der ' Kaisettochter, als Herzog in Braunschweig ein­zigen zu sehen, zu vertreten. Keine lockende Pi.icht, keine Aufgabe, die Lorbeer beut: Ein Zwangsgebot, dessen rechtliche Fundamentie­rung schwach und dürftig! Oder will der ; Kanzler, gerüstet mit dem Prinzenbrief vom zwanzigsten April, vorm Bundesrat sich um die Interpretation der Lochzeitstimmunas-Zeilen ;

3er Welsen-Thron.

Reichs- und Familienpolittk; der Thron von Braunschweig; des Kaisers Schwiegersohn.

Bin Privat Telegramm meldet «ns aus «erlitt - ES steht nun fest, datz das preußische Staatsministerium ht den nächsten Tagen Mr drannschweiger Thronfolge ent. gültig Stellung nehme« wird. Ministerprüst- dcnt von Bethmann-Sollweg wird demStaat«- ministeri«m den bereits formulierten Antrag Preußens beim Bundesrat, der die Auf­hebung des DnndeSratS-BefchluffeS vom 28. Februar 1907 verlangt, vorlegen und es ist als stcher anMnehmen, datz dieser Antrag die Billigung des Staatsministeriums finden und bereit« in der iibernSchfteu Woche dem Bundesrat zurBefchlustfafiung vorliegen wird. Das Braunschweigische Problem ist zum Braunschweigischen Rätsel geworden. Täg­lich hören wir, daß die Verhandlungen über Cumberlands Sehnsucht-Erfüllungdicht vorm Abschluß" stehen; täglich wird uns versichert, daß die jüngste Trosteskunde abermals nur Trug und Kombination" gewesen, und täg­lich erbaut uns die frohe Botschaft, daßim Schoße ber Regierung die endliche Lösung des Problems mit Ernst und Eifer betrieben werde". Wenn Ernst August von Cumberland, des Deutschen Kaisers Schwiegersohn, in nahen HerbsteStagen wirklich als Braunschweigs Herzog auf der Ahnen Erbe thront, wird's lohnen, all Das, das fett der Karlsruher Apo­theose versöhnender Liebe über den Thron von Braunschweig anzuverlässigen",authen­tischen",einwandfreien" und aussichrer

ein und sprach in den höchsten Tönen vonna­tionalem Interesse". Richtig gelang es ihm, mehrere Herren der Gesellschaft zur Hergabe größerer Summen zu bewegen. So erhielt er unter anderem von einem Herrn von Baldin- ger - Dresden 20 000 Mark, vom Grafen D o h n a - Kotzenau jr. 25 000 Mark, Freiherrn von Fürstenberg 40000 Mark, Freiherrn von Heereman 20000 Mark, Geheimer Oberfinanzrat Nikolai-Dresden über 100000 Mark. Kein Glück hatte er bei Hugo Stiunes. Dem konnte Herr Schmidt selbst "als angeb­licher Vetter des verstorbenen Landeshaupt­mannes von Westfalen, Exzellenz Holle, und des Oberbürgemeisters von Essen, Geheimen Regierungsrat Holle, nicht imponieren. Wie es mit dieser Verwandtschaft steht, zeigt ein Bries des Oberbürgermeisters Holle, in dem es heißt: . . . teile ergebenst mit, daß ich weder Zeinen Bergwerksdirektor Adolf Schmidt kenne, noch' einen Vetter gleichen Namens habe. Wenn ich noch erkläre, auch nicht die Verwandten des Schmidt zu kennen. . ." Schmidt stammt denn auch wie seine Frau, Wilhelmine geborene Reitz, aus ganz kleinen Verhältnissen. Die erste Geschäftsreise" Schmidts ging nach Konstan- t i n o p el, wo er dem Freiherrn von Fürsten­berg und Heereman das Geld ablockte. Das Geld abzuliefern lag ihm von vornherein fern. Für 6000 Mark kaufte er sich sofort in Konstan­tinopel echte Teppiche und Antiquitäten, er, der

selbst vollkommen mittellos

war. Schon im Jahre 1907 war er auf Grund des Urteils und Arrestbefehls des Amtsgerichts Bonn bis auf das Hemd gepfändet worden, ©eine Sachen wurden zugunsten von sechs Gläubigern am neunten März 1907 zu Godes­berg für 5690 Mark öffentlich versteigert. Schmidts zweite Reise war nach London. Dort rief er dieEcuador Mining und Development Corporation Ltd." ins Leben. Auf dem Pa­pier hatte diese Gesellschaft ein Kapital von 200000 Pfund Sterling (vier Millionen Mark). Für diese Gesellschaft war denn auch das von )en deutschen Herren einbezahlte Geld be- timmt. Erhalten hat aber die Gesellschaft nichts davon. Wie gering Schmidt selbst de» Wert der Aktien rechnete, geht daraus hervor, daß er bei Leistung des Offenbarungseides am ünfzehnten März 1913 vor dem Amtsgericht

Berlin-Mitte den Besitz von 116 000 dieser Ak- tien nicht erwähnte. Es schwebt deswegen übrigens ein Meineidsverfahren. Ein gleiches Verfahren schwebt gegen die Frau Schmidt, Wilhelmine, geb. Reitz. Durch Ehe- vertrag vor dem Notar Meyer zu Bonn mären am elften November 1901 alle Beiikaeaeuftände