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Sonntag, 28. September 1913.

Taffrler Neueste Nachrichten

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der geradezu übermenschliche Anstrengungen gemacht bat, um dem deutschen Volk den Lohn für das auf mehr als hundert Schlachtfeldern geopferte Blut zu retten. Das sichert ihm das treue und dankreichc Gedenken der Nachwelt. Heute gibt es unter Denen, die vorerst ihm we­gen seines Freimutes grollten, Tausende, die inzwischen durch bittere Erfahrungen zu einer gerechteren Würdigung des Verstorbenen erzo­gen worden sind. Professor Gesfken ist 1896 ge­storben. Die Veröffentlichung des Tagebuchs war eine Tat, durch die er sich gleichfalls den Dank der Nachwelt gewonnen hat.

derts zum Schwinden zu bringen. Und da liegt mir, dem Nervenärzte, der Wunsch am nächsten:

Möge die Jahrtausendfeier der altehrwürdi­gen Stadt Cassel die Veranlassung geben zum Ausbau aller jener gemeinnützigen Bestrebun­gen, die auf das Ziel gerichtet sind, die Volks­kraft unserer städtischen Zentren zu stär­ken und widerstandsfähig zu machen. Ich kenne dazu kein besseres Mittel als Be­schäftigung mit der Natur und Pflege der idea­len, sittlichen und ästhetischen Werte unseres Menschentums. Also Ausbau unserer nationa­len Bestrebungen zur Heranbildung einer mut­vollen, in der Verwertung ihrer Sinne geübten, zu klarem und raschem Handeln befähigten Ju­gend, die muskelstark und furchtlos in friedli­chem Wettspiel des Turnplatzes, der sportlichen Vereinigungen, unserer Jungdeutfchland-Bcwe- gung ihre Kräfte entwickeln soll.

Aber ebenso wichtig ist die Aufgabe, der großstädtischen Arbeiterbevölkerung die Rüe 'ehr zur Natur nbickt nur zu predigen, sondern durch Schaffung ländlich gestalteter Arbeiterwohnun­gen in der Peripherie der Städte oder durch ei­nen umfassenden Ausbau vonSchrebergärten" möglich zu machen. Nur dann, wenn die städ­tische Arbeiterbevölkerung ihre arbeitsfreien Abendstunden nicht in dumpfer Stadtwohnung oder in öden Kneiplokalen verbringt, sondern

1. Januar 1914 feinen Botschafterposten in Pc- tersburg verlassen. Bekanntlich sah Delcasft seine dortige Tätigkeit nur alsTätigkeit auf Zeit" an und er tritt jetzt zurück, nachdem er seine dortige Aufgabe als gelöst betrachtet. Zu seinem Nachfolger ist General Liautey, der jetzige französische Resident in Marokko, in Aus.

Politischer Tagesbericht.

Reue Millionen für die Luftflotte. Aus un­terrichteter Quelle meldet die Braunschweigische Landeszeitung: Für den Ausbau des deutschen Flugwesens für Heer und Marine fordert der neue Reichsetat 22 Millionen Mark. Eine Be­stätigung von anderer Seite ist noch nicht er­folgt.

Spanien geht nach San Franzisko. Wie aus Madrid gemeldet wird, beschloß der Mi­nisterrat, die Einladung der Vereinigten Staa­ten zu einer amtlichen Beteiligung Spaniens an der Weltausstellung in San Franzisko an­zunehmen. Spanien wird sich voraussicht­lich mit einer umfangreichen Abteilung be- eiligen.

Delraffss Abschied von Petersburg. Del- caffs wird (einem Privattelegramm aus P e -

Der Thron von Braunschweig.

Berlin, 27. September. (Privat-Tele- gramm.) Die Nationalliberale Korrespon­denz veröffentlicht eine längere amtliche Parteikundgebung zur braunschweigi­schen Frage. Sie verlangt wenigstens von dem zukünftigen Herzog von Braunschweig für sich und seine Deszendenten einen glatten Ver- zichtauf Hannover. Die Erfüllung die­ser Forderung sei die einzige genügende Sickerung für Preußen, daß nicht in Braun­schweig eine Regierung eingerichtet werde, die für den inneren Frieden des preußischen Staa­tes bedrohlich werden könne. Der Schluß der parteiamtlichen Kundgebung lautet:Die preu­ßische Staatsregierung steht vor einer folgen­schweren Entschließung, und wir können nur wiederholen, was wir bereits früher ausge­sprochen haben, daß sie ihre Entscheidung nicht nach dynastischen, sondern nach den In­teressen des Deutschen Reiches, Braun­schweigs und Preußens zu treffen hat. Wir wollen hoffen, daß sich nicht an den Namei» Betbmann Hollweg einer der folgenschwersten Fehler der preußischen Politik knüpft ...!"

ches nur nach Ueberwindung des W i d e r st a n- des König Wilhelms möglich war, zweitens, daß Kaiser Friedrich ein Mann durch und durch liberalen Geistes gewesen ist,

die öffentliche Meinung haben müsse, und eröffnete gegen Gesfken mit den üblichen Mitteln seinen Feldzug, der mit einem Untersuchungsverfahren wegen Lan­desverrats seinen Höhepuntt erreichte, aber mit der Entlassung Gesfkens nach dreimonatli­cher Untersuchungshaft kläglich endete. Damit war das Schicksal der Legende besiegelt. Seit fünfundzwanzig Jahren steht zweierlei fest:

Der Evangelische Bund.

Görlitz, 27. September. (Privat-Tele- gramm.) Der Evangelische Bund trat gestern hier zusammen und beschloß in der Ge- l'amtvorstandssitzung die Gründung einer Schwesternschaft des Evangelischen Bun­des. Er wird einen Berussarbeiter für diese Arbeit anstellen und hat ein Abkommen mit dem anhaltischen Evangelischen Diakonieverein (Schwesternheim d:s Evangelischen Bundes) getroffen, durch das das Schwesternheim in Dessau das erste Glied und der vorläufige Mittelpunft der Schiwefternschaft des Evang'- lischen Bundes wird. Der geschäftsführende Vorsitzende. Direktor Everling-Berlin. gab oie= fett Bcfchluß in der gestrigen geschlossenen Ab­geordnetenversammlung bekannt^ die ihn mit großem Beifall begrüßte. Danach nahmen das Wort Archidiakonus Tr. Crämer-Saalseld und seine Gattin, Frau Dr. Crämer. zu Vorträgen über das Thema: Die evangelische Kranken­pflege. ein Mittel zur Förderung des kon­fessionellen Friedens. Beide Vorträge ern­teten lebhaften Beifall.

Die PottM des Soges-

Kaiser Friedrichs Tagebücher.

In diesen Tagen sind es fünfundzwanzig Jahre, daß die Veröffentlichung der Tage­bücher Kaiser Friedrichs erschien. Noch nie Wohl hat die Veröffentlichung hinter­lassener Schriften eines Großen dieser Welt so erplosiv gewirkt wie diese. Nicht als ob über die engste Vorgeschichte der Gründung des Deutschen Reiches Zweifel bestanden hätten; man wußte, welchen W i d e r st a n d der alte König Wilhelm der deutschen Ein- b e i t s i d e e bis zur Stunde ihrer Vollendung entgegengesetzt hatte, und man wußte auch, daß die schließliche Einwilligung nicht in dem Geiste geschehen ist, der seit 1813 bis 15 die Na­tion beseelte. Aber immer noch bestand unange­fochten die offizielle höfisch-dynastische Legende. Diese Legende schonungslos zerstört und der ge­schichtlichen Wahrheit ihr Recht gegeben zu ha­ben, ist nächst Kaiser Friedrich das Verdienst des Professors Gesfken gewesen. Bi s m a r ck erkannte sofort, welche Bedeutung das Bekannt- werden der Aufzeichnungen des Kronprinzen für

Geheimrat Binswanger-Jena

der berühmte Psychiater, erläutert in seinem Beitrag zur Festschrift anläßlich des Tausendjahr-Jubiläums dte Auf­gaben der Stadtverwaltung in foztal- hygienischer Beziehung.

Gern bin id> bereit, der durch ihre hmrliche Umgebung und durch ihre undergleichUchen Kunstschätze ausgezeichneten Residenzstadt Cas- sel zu der Feier ihres tausendjährigen Beste­hens einen Gedenkspruch zu widmen: Eine Stätte, wo Natur und Kunst sich die Hand reichen, bietet die günstigsten Bedingun­gen. der weiteren Zerrüttung der Nervenkraft infolge der Mühen und Nöte des wirtfcknftu- ckcn Kampfes, der ziellosen Hast der Lebens­führung Einhalt zu tun. Vor allem gut es, bcr werdenden Generation die richtigen -Lege zu eineni vernunftgemäßen Leben zu weifen, um die die Nervenkrafr zerrüttenden Begleiter­scheinungen unseres polytechnischen Jahrhun-

Festgrühe an Chassala. Geleitworte zur Cassels Jahrtausendfeier.

Zu der von uns hcrausgegebenen Festschrift zur Tausendjahr.Feier der Residenzstadt CassU sind ung von Gelehrten, Künstlern, Dichtern, Schrift, gelehrten und Persönlichteiten des öffentlichen Lebens so zahlreiche Beitrage zugegangen, daß in der Fest, schrtst selbst die Veröffentlichung sämtlicher Beitrage nicht möglich mar. Wir werden die Zu. schritten fortlaufend im Feuilleton der Caffeler Neue- sten Nachrichten bekannt geben Die Redaktion.

schlug, die den dritten Napoleon auf den Weg ins Fuldatal zwang? Möge die alte Chatten- tadt sich ihre besondere Schönheit nicht ins Modische verniedlichen, die ehrwürdige Runzel selbst nicht wegplätten lassen! Möge sie ihre Persönlichkeit zwischen Nord und Süd wahren und niemals den Mut verlieren, ohne neidische Scheelblicke auf weltstädtischen Launcngeschmack, pariser oder berliner, im festen Gehäus ihres eigenen Empfindens zu beharren! Daß dieses Empfinden je, auch wenn es sich von dem ber­linischen Lebcnsrhytbmus schroff untersckeidet, aufhören könne, im Kern deutsch zu fern, furch­tet kein Herz zwischen Maß und Memel!

Conrad Ansorge

der berühmte Pianist und Tondichter.

der auch Cassel kein Fremder ist, ein Schüler Liszts, grüßt Cassel mit fol­genden Zeilen:

Im Schmuck der Jugend stehst Du, Cassel, trotz Deiner tausend Jahre. Nennt man die Ehrenstätten deutscher Kunst, so wird man Dick vor allem Spohrs wegen, den dte deutsche Musik zu ihren würdigsten und ehrlichsten Ver­tretern zählt, nicht vergessen.

geschütze und ein Maschinengewehr. Prizrend wird seit drei Tage« von etwa sechshundert Aufständischen belagert, doch behaupten die Serben die Stadt und wiese« wiederholte Angriffe der Albanier blutig zurück.

Athen, 27. September-

Gestern fand ein mehrstündiger Mini­st e r r a t statt, in dem der Minister des Acußern Mitteilung machte, daß eine Abtei­lung irregulärer türkischer Soldaten in Stärke von siebentausend Mann auf Dede- agatsch marschiert sei. Die dortigen helleni­schen Truppen hätten bereits Verstär­kungen erhalten.

Wie uns ein P r i v a t - T c l e g r a m m aus Konstantinopel berichtet, bat die tür­kische Regierung ihren Standpunkt in der Frage der ägäischen Inseln nach Athen übermitteln lassen. Dieser Standpunkt ist der, daß die Ver- zöaerung der darauf bezüglichen Verhandlun­gen mit enormen Gefah ren für die Türkei verbunden sei und die Lösung der Jnselfrage durck Europa auf nnbestimmte Zeit verschoben ist. M« aus diplomatische' Kreisen gemeldet wird, sollen beträchtliche türki­sche Streitkräfte in das neugriechische Gebiet voraedrunaen sein und mehrere Städte be­drohen. Ferner wird aus Saloniki'aemeldet, daß in den letzten Tagen ansehnliche Truvpen- nachschübe dort angelangt sind, bte ins Innere des Landes transportiert werden.

Feruzzio Busoni

der berühmte Komponist und Orchester- Dirigent, der wiederholt als Gast in Cassels Mauern weifte, sendet uns die nachfolgenden Zeittn:

Als geborener Italiener fühle ich «tick in historischen Städten heimisch. Sobald ich eine solche besuche, richte ich meine Schritte nach den

ältesten Vierteln: Em versteckterPlatz cm krummer Winkel, dte vermögen dte wettest n Vorstellungen in mir zu erwecken, mein Gemüt 5« erwärmen, mich stundenlang zu festeln.

Als ich mich in Minneapolis befand, das erst fünfzig Jahre und bereits 300 000 Einwoh­ner zählt, wußte ich nichts zu beginnen. Und dennoch sttcbt meine Natur und Lebendtgkctt und ich leide, wenn die Stille mich umgibt

Von Cassel empfange ich den Eindruck, daß es mit seinem tausendsten Jäbre eine neue fu­gend antritt. Möge sie eine blühende werden- Ich werde immer wieder, von Cassels Al.ermnd Jugend umgeben, mich in Ihrer Stadt wohl fühlen. Ihr mein Segenswunsch'-

$os Neueste ans kastel.

Chaffalas Traum.

Noch hüllte die Nacht mit grauen Schleierff die Straßen und Plätze der tausendjäh­rigen Stadt in geheimnisvolles Dunkel aus dem' nur ab und zu der hallende Tritt eines einsamen Nachtwandlers, oder der Ham- merschlag der Arbeiter drang, die noch hier und da die letzte Hand an die Häuser- uns Straßenausschmückung legten. Bald galt es, Tannenkränze um hessische und Casselschc Wappen zu befestigen, bald buntes Fahnentuch malerisch an Fenster und Türen zu drapieren

Verlassen lag der weite Friedrichs- Platz im nächtlichen Dunkel; der marmorne Friedrich schien aus seinem steinernen Sockel einaeschlurnmert, und nur Cbassala auf hohem Postament schaute in wachen Träumen in die wallenden Nebel, die vom Fuldatal leise und weich heraufzogen und sich um Hausgiebel und Straßenecken schmiegten. Chassala erwartete träumend ihren Ehrentag.

Aus den Nebeln löste sich jetzt eine dunkle hohe Gestalt im tiefroten Purpurmantel. Lang feinten Schrittes näherte sie sich Chassala: Ger­mania, die Mutter, trat zu der jubilierenden Tochter. Erschauernd fühlte Chassala ihren Weihekuß auf der «Stirn.

Sei mir gegrüßt, Chassala, du schone, stolze am Fuldastrand, du lieblich-herbe unter meinen Töchtern. Dein Ehrentag bricht on. Sieh hier dein Wachsen und Werden in zehn Jahrhunderten!" , ,

Germania griff in das Nebelmeer, und aus grauen Schleiern löste sich jetzt Bild um Bild aus Chaffalas Vergangenheit. Die Tausend­jährige überschaute nock einmal ihr Wachsen und Werden von den Tagen, da am hohen Ufer der Fulda die villa chassala König Konrads stand, bis in das zwanzigste Jahrhundert, da das Gestöhn und Gestampf vielgliedriger Rie- senmaschinen ihre Häuser erbeben lteß und die Bezwinger der Lüste ihre hochausstxoben den Türme umschifften. Zehn Jahrhunderte Werden und Wachsen.

Germania lächelte, da das If_te Bild im Nebel verblich.Und willst du jetzt auch das Kommende schauen?" fragte sie dann, .einen flüchtigen Blick in die rätselvolle Zukunft lun

Einen Augenblick stand Chassala unschlssia.

Du darfst es wagen. Lichte, zukunftsfrohe Bilder entschleiern sich meinem Auge."

Ta bat Chassala:So laß mich mein künf­tiges Werd:« sehn!" Und frohe lichtvolle Bil­der ließ Germania vorüberziehen.

Zwar wirst du nickt die größte und kinder­reichste unter meinen Töchtern fein, noch wer­den Aber die lieblichste Blüte soll dich stets fortan zieren. Unter deinem Schutz wächst cm junges starkes Geschlecht heran, das tn rast­losem Streben dir alle Schätze der Heimat zu Füßen legen, das deinen Namen, der heute schon allbekannt, weiter hinaustragen wirs tn die Welt. Denk: der Großen, die b'sher ihm Glanz und Ruhm verliehen. Rembrandt und Svshr Und Mehrer dieses Ruhmes sollen deine Kinder zukünftig dir sein. Ein festes Band der Liebe und Eintracht wird Euch um schlingen und Euch stark und stolz fein,lassen in allem Wandel der Zeiten! ... Doch «ehender Morgen bricht herein, bald werden deine Kin­der dir huldigen ...!" .

Noch einmal küßte Germama die Stirn der Tochter. Dann verschwand sie tm Rebelmeer, das sich allmählich lichtete.

Einen Augenblick noch stand Chassala träu­mend; dann glitt ihr ein weiches Lächeln um

Ludwig Barnay

feiert Cassel als die Stadt, in der die Gründung der Genossenschaft deuttchir Bühnenangehörigen erfolgte. Er schreibt uns aus Hannover:

Cassel ist und bleibt für alle Zeiten den deut­schen Bühnenangebörigen als die Stätte der Begründung der Genossenschaft deutscher Büh- nenangehöriger und ihrer Pensionsanstaft teuer und unvergeßlich.

Maximilian Harden

Der bekannte Publizist und Herausgeber derZukunft", widmet der tausend­jährigen Stadt Cassel folgende Zeilen zum Ehrentag:

Sehr geehrter Herr Chefredakteur! Ich habe keine Vorstellung von dem Aussehen der alten Chassala, deren tausendsten Geburtstag Sie, in berechtigtem Stolz, feiern wollen, und ich habe das neue Cassel leider nur ein paar Stunden lang gesehen in seinem wiißen Win­terkleid. Aber was ist dem Fernen, der einmal zu Gast war, eine Stadt, irgend ein Ort Ande­res als der Ausdruck eines Zusallserlebntffes und der im Gedächtnis haftenden Eindrücke? Mein inneres Auge sieht den wundervoll lufti­gen, geräumigen, vornehmen Friedrichsplatz; die unter feinem Luftgrau verschneiten Schlucht­pfosten des Fuldabettes; an dem Punkt, der wirklich den NamenSchöne Aussicht" verdient, in dem würdigen, aus den Quadern der alten Chattenburg erbauten Haus die unbegreiflich hohen Werke rembrandtischer Kunst (die allein genügen müßten, Cassel zurFremdenstadt er­sten Ranges" zu machen); sieht also eine von Natur und Kunst begnadete Stadt, die Persön­lichkeit und darum ein unvergeßliches Antlitz hat.

llnd obendrein eine Fülle lehrreicher Erin- nerungsmale, deren Tust bis in Konrads Tage die Ahnung zurückgeleitet. Jsts nicht ein ster­bender Löwe, der an den Tag mahnt, da der erste Napoleon tapfere Hessen, fern von der Hei­mat. erschießen ließ? .Und stand nicht ein Lö­we, den die Hoffnung feiner Femde tot wähnte, -n ruhig frommer Kraft auf. als die Stunde

Dr. Carl Busse

schickt uns aus dem Ostsee-Bad Müritz einen poetischen Festgruß an Chassala, der in eine Mahnung an die Gegen­wart ausklingt:

Wie wohl der Wandrer mit gerechtem Stolz Auf eines langes Weges Mühe blickt, So schaut heut dankbar und bewegten Herzens Hinab in dämmernde ^ergange«^^, Nicht Euck allein ward dieser Tag geschentt: Erloschne Augen sehn mit Euren Augen Heut lichtentwöhnt auf das geschmückte Werk Lautlos in Trachten treten unsichtbare Geschlechterreihn in der Lebendigen Kreis, Teilhaftig alle dieses blüh «den Erbes, das zzyr besitzt!

So grüßt in Eurer Lust der Väter Mübn und Baut nach

Fest und Feier in gleicher Kraft der Zukunft zu, vie sie.

Japans Ultimatum an China?

Peking, 27. September. (Privattele­gramm.) Der hiesige japanische Botschafter hat im Auftrage der Tokioter Regierung der chinesischen Regierung mitgeteilt, daß seine Re­gierung erklärt, daß, falls China nicht inner­halb dreier Tage Genugtuung für die Zwischenfälle in Nanking gebe, Japan unver­züglich die Schritte tun würde, die zu tun es für gut befinde. General Chansun soll (wie es heißt) bereit sein, Abbitte in Japan zu leisten. Es sei aber nicht möglich, daß seine Truppen in Nanking vor dem japanischen Kon­sulat (wie es Japan verlangt) ebenfalls Ab­bitte leisten.

, Nr. 250. 3. Jahrgang.____________________

Francken nicht blasse, schemenhafte Figuren hin­stellt, die aus Heiligen- und Glorienschein ge­woben sind, um sich von einem Goldgründe sen­timentaler Begeisterung abzuheben, sondern, daß er Menschen gibt, die Fleisch und Blut haben, in denen Leidenschaften zum Guten tote ;nm Bösen aus- und niedersteigen. Geschickt ist die Kollektivpersönlichkeit der Bürgerschaft durch alle vier Afte hindurch konsequent im Vorder- brängte sich zu weit vor. Die Episoden bletben in richtiger technischer Maßhaltung eben nur Episoden, werden aber nie tiefer in den klar und wuchtig abrollenden Gang der Geschehnisse bineingetrieben. Von plastischem Reiz sind die

Charakterbilder volkstümliche« Lebens.

So das übermütig frivole Volksfest des zweiten Attes, das auch zwei verschiedene Typen der Geistlichkeit, das milde Verstehen wie die zelo- tische eccelesia militans, auf dem Plane erschei­nen läßt. . .! Die Musik L e to a 11 e r % braucht kaum besonders gerühmt zu werden, da dieses Komponisten Fähigkeiten für das Volkstümliche genugsam bekannt sind. Ein kleines Meisterstück darf man in der einfachen Begleitung zu dem Narrenliede sehen. Der einleitende Festmarsch Schurri" führt prachtvoll in die Stimmungen u. Erregungen der Zeit hinein. Die Dekorationen, nach dem Stilisierungsprinzip von den Casseler Künstlern Sautier und Schliephacke hergestellt, verraten gutes Verständnis. Die individuellen Landschaftsstimmungen, beson­ders im Prospekt der Szene im ersten Akt, müssen unbedingt anerkannt werden. Eine sehr schwere und mühevolle Arbeit hat Herr Jür­gensen vom Hostheater in der Inszenierung geleistet. Wenn der Künstler glaubt, daß ihm dieRegie der Massen nicht liege, so hat er sich hier aufs beste selbst widerlegt. Dazu zählen die Schwierigkeiten mehrfach, weil es es sich um die Einstudierung von Dilettanten handelt. Von den vielen Darstellern end­lich, die sich in den Dienst der Sache gestellt ha­ben, kann ich natürlich nur einige nennen. Alle übrigen müssen sich mit einer gemeinsamen An­erkennung begnügen. Den Landgrafen gab sehr wirksam Herr Junghenn, seine Gemahlin Fräulein Wilhelm. Den bösen Quoden Herr Halden, den Narren Harbusch Herr Schönentann, den reichen Adam Herr Berndt. In anderen größere« Rollen traten die Herren Le Noir, Kleim, Weiffenbach, Gros, Grube und andere auf. Um die Bühneneinrichtung hatte sich Herr Waßmuth vom Hoftheater verdient gemacht, die musikalische Leitung hat Herr Scheuch. Als Inspizienten wirken die Herren Blumen­thal und Dr. Lohmann. Die Kostüme sind nach Entwürfen des Herrn ©terra gefertigt wor­den. Dem Festspiel voraus wurde ein form­schöner Prolog von Frau Scheffer vorge­tragen, dessen Verfasser Heinrich Bettelmann ist. Der Beifall des Publikums machte sich be­sonders zum Schluß rege geltend. B-er.

Sie Kämpfe am Balkan

Der Vormarsch der Albaner aufgehatten!

Depeschen aus Belgrad melden, daß es den serbischen Truppen nach dem Eintreffen der ersten Verstärkungen, besonders an Artillerie, gelungen ist, ein weiteres Vordringen der Albanier zu verhindern. Vor Struga und Mawrowo wird gekämpft. In Dibra sind aus Elbassan noch ftinftausend Albanier ange­kommen. Von Ochrida ist die nötige Unter­stützung abgegangen. Immer neue Banden kom­men ans Albanien an. Bisher betragen die serbischen Verluste gegen dreihundertTo- teund Verwundetze. Gestern wurde wie­der bei Djakovitza, wo starke Albaniermassen versammelt sind, gekämpft. Dibra wird von den Albaniern befestigt. Inzwischen liege« folgende neuen Meldungen vor:

Belgrad, 27. September.

Gestern abend kant es bei Ochrida zu einem Gefecht, das mit einem Erfolg der Al­banier endete. Sie erbeutete« zwei Feld-

sic in Gottes freier Natur mit einer Auge und Gemüt gleichmäßig anreaenben nnd nicht er­müdenden Tätiakeit aus füllen kann, wird eine wirkliche Erholung von dem mechanischen Mas­senbetrieb, der ihre Tagesarbeit darstellt, statt finden können. Köstliche und fruchtbringende Arbeiten harren somit auf dem Gebiete der Polkshygiene der Verwaltungen unserer Städ­te Möge die Jahrtausendfeier den Anstoß zur Verwirklichung dieser Zuftmstshoffnungen