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Weier Neuck MMm
Hessische Abendzeitung
Casseler Abendzeitung
3. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952.
Freitag, 26. September 1913
Fernsprecher 951 u«6 952.
Nummer 248
fei im Alpenland Phantasta erstiegen zu ha-
V-lgrad, 25. September.
von wenigen geliebt
Re bizarre Vrinzesstn
den. „ j
Indessen: Die Sache ist ernsthafter, als man nach den düstren Mürchenerzählungen des Guadeloupe-Senators annehmen möchte. In Frankreich regt sich eine starke Bewegung, die, vom intellektuellen Patriotismus getragen, die Kräftigung der gallischen Wehrmacht erstrebt und mit allem Eifer daran geht, dies Ziel zu erreichen. Die Erkämpfung der dreijährigen Dienstzeit war nur eine Eta P P e aus dem Weg zur Verwirklichung des chauvinistisch gestimmten Gedankens, die Republik in der Kraft der Verteidigung Deutschland windelst e n s gleichwert zu machen, wenn möglich so- : qm zu überflügeln. Es genügt den Fanatikern der nationalen Verteidigung nicht, durch die Verlängerung der Heeresdienst-Dauer die Frie- densvräsenz-Ziffer der Armee künstlich erhöht zu haben; es genügt nicht, daß die Nation zur höchsten Anspannung ihrer physischen Kräfte gesetzlich gezwungen wird: Das Ziel reicht weiter! Wir vernahmen dieser Tage, daß im französischen Kriegsministerium seit längerer Zeit Verhandlungen gepflogen werden, die einem grobangelegten Ausbau der Grenzbefestigungen (gegen Deutschland) gelten und von denen gesagt wird, daß ihr Abschluß nur noch durch die Kostenfrage erschwert werde. Wir sehen also hier bereits die praktische Nutzanwendung der vom Senator Beranger ans der Auto-Grenzsahrt im hundert Kilometer-Temvo erspähten Erkenntnis, und wer Frankreich
Die Kämpfe um Prizrens. (Privat - Telegramm.)
Belgrad, 25. September.
F n st" und werde nicht zugeben, dast Albanien noch weiter verstümmelt und lebensunfähig ge»
Nachdem die Albanier Dibra eingenom- j die große, dunkelblaue Brille^ über der men batten, zogen sie in Heerhaufeu von ins- gesamt 20 000 Mann gegen Struga, K,t- schewo und Djakovitza und ermordeten unterwegs viele angesehene serbenfreundliche Kaufleute. In Pischkoplje, das ebenfalls von Fhnen eingenommen wurde, fiel eine serbische Kompagnie mit vier Dffi- zieren bis auf den letzten Mann. Auch die Stadt Dfakova ist in den Händen der Aufftändifchen, ebenso Kitschewo. «eberall schloß stch d-e albanische Bevölkerung auf ser- bifchem Gebiet den Arnauten an und schoß aus den Fenstern auf die Serben.
Familie Bleichröder.
Die Geschichte einer Finanzier-Familie; Bismarcks Leibbankier und seine Erben.
kennt, zweifelt nicht daran, daß der Tag nicht mehr fern ist, an dem das „Luxemburger Loch" der Ausgangs- und Mittelpunkt neuer französischer Rüstungs-Erweiterungen sein wird. Die panische Furcht vor der „deutschen Gefahr", die selbst einen Mann von den intellektuellen Qualitäten des Senators Beranger in tolle Halluzinationen Peitscht, beherrscht heut Frankreich stärker als je zuvor, und so selbst- verleugnend (wenn auch knirschend und grollend) das Volk der Republik die Last der „drei Jahre" aus sich genommen, so heroisch wird es ! auch Milliarden-Opser ertragen, wenn es sich darum handelt, das Gespenst des „deutschen Uebersalls" hinter die Mauerwälle verdoppelter Grenzwehr zu bannen. Und das Echo ekstati- sierter gallischer Naiional-Begeisterung, die Milliarden aus dem Altar des Götzen Cbauvi- | nismns opfert, wird diesseits der Voge- | senberge in dringlicher Gewissensmahnung zu ldeutscher Wehrmacht-Stärkung seinen harten Ausklang finden. Vernunft wird Unsinn, wenn der Völker Leidenschaften siegen ...! F. H.
Die Albanier haben gestern Prizrendft angegriffen. Der Sturm wurde zwar abge-1 - schlagen, doch glaubt man, daß die Arnnu-1 ten bei der großen sttategischen Wichtigkeit Prizrends alles tim werden, itm eS in ihre I Gewalt zu bekommen. Der Aufstand breitet sich weiter aus. Die Arnauten nähern sich der Stadt Struga, deren Bevölkerung geflohen ist. Die serbischen Truppen konzentrieren sich vor Dibra und Kitschewo. Die neu gebildete Drinadivision erhielt Befehl, gegen die Albanier zu marschieren. Die Montenegriner konzentrieren ihre Truppen bei Dschakova.
Wie uns ein Privat-Telegramm aus London meldet, beabsichtigt Sir Edward Grey, die Botschafter-Konferenz von neuem zusammenzuberufen in anbetracht der chwierigen Lage, die auf dem Balkan durch die Albaner-Unruhen hervorgerufen worden tfi. Wie erinnerlich, fand die letzte Konferenz am zwölften August statt. Sie trennte sich, nachdem te nur ganz oberflächlich einige Punfie der künftigen albanischen Konstitution festgelegt und den Rest der Arbeit einer internationalen Konferenz überlassen hatte, die indessen bisher noch nicht zustandegekommen ist.
Kriegsstimmung in Belgrad.
Belgrad, 25. September. (Privat- Telegramm.) Die hiesigen Zeitungen fordern die Regierung aus, sich nicht mit der Unterdrückung des Aufstandes zu begnügen, sondern A l b ani en zu o kkupi er en. Dies ist! kein Grenzgeplänkel mehr (ruft das Regierungsblatt Samuprava), das ist der offene Krieg mit allen Scheußlichkeiten, die die albanischen Angriffe begleiten. Jetzt zeigt sich «ar, einen wie kolosfalen Fehler die Londoner Boffchafter-Kouferenz begangen hat, als sie das autonome Albanien schuf. Dieser Umstand ist schon genügend, Europa die Notwendigkeit einer Revision seiner Beschlüsse über Albanien vor Augen zu führen.
Oesterreich: Gewehr bei Fuß!
W i e n, 25. September. (Privat-Telegramm.) Es liegen hier zuverlässige Meldungen vor, daß die serbische Mobilisierung nicht ohne Schwierigkeiten vor sich gehe, infolge der großen Unlustder Reservisten, in einen neuen Krieg zu ziehen. Die serbischen Behörden bestreiten zwar diese Meldung, doch ist das Volk gegen jeden neuen Krieg. Oesterreich-Ungarn (so erklärt man hier) habe vorläufig keinen Grund, sich einrumifchen. aber es stehe „Gewehr bei
ßhavvimften-Waha- Frankreich plant «ene Rüstnngs. Verstärkungen znm Schutz gegen die deutsche Gefahr!
Der franzSgsch- Senator Beranger e-Niirt to einem Artikel im Matta, datz der W eg von Trier «ed> Pari« f«r di« deutschen, Trnvvenwid erst and «!o« geöffnet sei, »nd datz diese Tatsache eine ständig wachsende Gefahr filr Frankreich bilde. Er be- handtet, datz di« von ihm angestellte Unter» snchnng an de, st-anzöfisch. lnxembnrgischen Grenze ergeben hab«, datz dieser Teil der franzSstschen Grenze völlig «»genügend befestigt sei nnd deshalb eht AnSbau der Grenzbefeftkgnng nnerlätzlich erscheine.
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Ser dritte Balkan-Krieg
Die Kämpfe an der albe?n^che« Grenze.
Dem sogenannten „Konzert der Mächte", dessen Veranstalter während der BaUan« krisen konsequent behaupteten, alle >;ustru- mente seien auf einen Ton gestimmt, drohen wieder neue Schwierigkeiten durch die Erhe- bung Albaniens, die bereits (tote gemeldet) die Mobilmachung Serbiens und Montenegros zur Folge hatte. Inzwischen haben die Kämpfe an der albanischen Grenze emen derartigen Umfang angenommen daß d,e Gefahr neuer weittragend er^erw td 1 “ " 0 in allernächste Nähe geruckt scheint. Ueber die letzten Zusammenstöße liegen uns heute folgende Draht-Meldungen vor:
Die Albanier als Sieger.
(Privat-Telegramm.)
Rom, 25. September.
Im Hause Toselli scheint zur Abwechslung wieder einmal Friede und Eintracht zu herrschen, die Memoiren der Frau ToseN sind vergessen, die Antwort-Memoiren ihres Gatten nicht minder, und die Versöhnung scheint zeitlich mit dem Eintreffen der Autorenhonorare, bie bei Frau Toselli beträchtlich gewesen sein durften, zusammengefallen zu sein. Man sprachnoch in jüngster Zeit, daß sich Fran Toselli m Wien, mit einer Apanage des Kaisers Franz Josef ausgestattet, niedergelassen hätte, aber sie hui es wohl doch nicht übers Herz gebracht, auf die Dauer allein zu sein und ist reumütig zu Mae- ster Enrico Toselli zurückgekehrt. Das erste, was nun die Welt von dem friedlichen Zusammenwirken der Gatten erfährt, ist die Kunde ! von der Vollendimg einer Opere tt e, um deren Uraufführung die italienischen Theater sich bereits „reißen". Die Musik ist von Herrn Toselli, während Frau Luise mit dem Li - b r e 11 o zum ersten Male als Dichterin auf den Schauplatz tritt. Wie ja zu erwarten war, hat Frau Toselli den Stoff aus dem reichen Schatz ihrer Lebenserinnerungen geichopft, und zwar gibt sie ein ziemlich deutliches Bild davon, wie der sächsische Königshof ihrer Meinung nach war. Die Handlung der Operette, die den recht bezeichnenden Titel „Die bizarre Prinzessin" führen wird, ist folgende: Eine Prinzessin läßt sich
an ihrem Hochzeitstage
lehrt: Alte Liebe rostet nicht, und als auf einem Hofball die drei Künstler wieder erscheinen ...... kann die Prinzessin nicht mehr widerstehe: Sie macht werde, sinkt den Dreien und der glücklichen Boheme j 'elig lächelnd in die Arme und ... toub bei Hofe nicht mehr gesehen. Wie es heißt, soll sich das Libretto durch höchst naturgetreue Darstellung und die Musik durch reizvolle Erfindungen auszeichnen. Und man darf affo gespannt darauf sein, wie „Die bizarre Prinzessin, sich im Rampenlicht präsentiert.
ersten Gesellschaft Berlins mitznzählen, schien dem geadelten Sohn versagt zu bleiben, obwohl er gewiß umgänglichere Formen besaß als sein Vater, obwohl er sogar Reserveoffizier war. Angeblich hat er eben diese Uniform des Reserveoffiziers nicht ganz so zu tragen verstanden, wie es rrn Preutzen- beer und'in der Preußenresidenz streng verlangt wird. Es soll da anläyl'ch des N o b i« l i n g - A11 e n t a t s aus den allen Käfter eme kleine Unliebsamkeit, einen Verstoß gegen hoff, scheu Takt gegeben haben. Genaues wußten vielleicht auch damals nut die Nahestehenden, aber Hans van Dleickröder leate kerne Cbarae
entführen, und zwar zugleich von drei Kavalieren auf einmal: Ein Maler, ein Bildhauer und ein Lebenskünstler sind die Glücklichen. Der Hosmarschall, der auf die Sput der Flüchtigen gesetzt wird, setzt alles daran, um die Prinzessin zurückzuholen und auf diese Art . den Skandal wenigstens auf die intimsten Kreise des Hofes zu beschränken. Er erwischt das vierblätttige Kleeblatt ziemlich schnell, da die drei Kavaliere sich in einet lebhaften Mei- nunasverschiedenheit darüber befinden, wer die Prinzessin zuerst praktisch in die Boheme ein» führen soll Es gelingt dem Hosmarschall auch Wittlich, die Prinzessin nach Hause zu bringen, i-iscne uuu „au»«« und die drei Entführet bleiben für eine Bett-
datt de^Ruhm beLpt7^n, d^ höchsten «Ä 4 selbst überlassen. Aber die Erkabruna
Jnsertioakprelse: Di« lech-gttv-tt-n. Ml- Mr
än vorzüLch-S gnfwttonSoraait
Ätt Sertretunq: SW., M-drichstr-h- 16, Zelepbon: Amt MorltzvI-, t.684.
worden war. Es war bezeichnend, daß man seine Erblindung nicht recht glauben wollte, tut nur so, hieß es um insgeheim, hinter die Mienen der anderen
Der tragffchc Tod der Prinzessin So- f i a von Sachsen-Weimar, die durch Selbstmorö endete, Weik sich ihrer ehelichen Verbindung mit Hans von Bleichröder, einem Enkel des bekannten Berliner Bankiers Gerson von Bleichröder, unüberwindliche Schwierigkeiten entgegengestellt haben, sollen,, ruft die Ermne- rnng an die alte Berliner F t nan zfam 11 i e wach. Der alte G e r f o n von Bleichröder, den nun schon fast zehn Jahre, der kühle Rasen deckt, verdankte sein kaufmännisches Ansehen und sein riesiges Vermögen der Verbln« idung mit Bismarck, dessen Leibbankier er in den sechziger Jahren desvorigen^ahr. hundetts wurde. Er verwaltete Bismarcks nicht allzu großes Vermögen so glanzerü», daß er bald sein intimster finanzieller Berater wurde und 1870 sogar als Sachverständiger zu den Frieden sv er Handlung en ,n Paris zugezogen wurde. Gerson von.Bleichrodet er 6 t in bete dann und führte ein seht zurückgezogenes Leben. Ende der siebziger ^ahre konnte mau ihn öfter, von einem Diener b-. gleitet, die Berliner Lmden hmab m den Tiergarten gehen sehen. Die hohe Gestatt War be- ! reits stark gebeugt, der dichte Pollbart ergraut
Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage! Frankreich spürtiS in den Regungen öffentlicher Meinung, daß die Geister, die der Chauvinismus rief, von der Reue nicht mehr gebannt werden können, daß die nervös-über- reiste Furcht'vor bet „deutschen Gefahr" die Republik in immer gewaltigere Rüstungs-Anstrengungen hineinhetzt und datz der Tag nicht mehr fern ist, der nach der efftatischen Ueberan- strengung aller Kräfte die Reaktion: Die w i rt- schaftliche Katastrophe bringen muß. Die Sorge um daS „Loch in den Vogesen", znm panischen Schrecken gesteigert durch die Heeres- Verstärkung des östlichen Nachbars, hat Frankreich das Opfer der dreijährigen Dienstzeit anf- gezwungen, hat den dumpfen Groll der Massen wider die erdrückende Belastung verlängerter Wehrdienstpflicht zum Schweigen gebracht und der Nation die Uebetzeugung suggeriert, datz die vom Osten drohende Gefahr die Volkheit der Republik zur Selbstverleugnung zwinge. Eben erst haben uns die Boulevard-Gazetten voll stolzer Befriedigung erzählt, datz die Aushebung der Zwanzigjähttgen für den Heerdienst alle Erwartungen übertroffen, den kühnsten Optimismus weit in den Schatten gedrängt und den überzeugenden Beweis erbracht habe, daß die Volkskraft der gallischen Nation nach einer langen Periode des Niedergangs nun verjüngt den Ausstieg begonnen. Ob der Triumph berechtigt, ob der Jubelklang Theater- Effekt war: Wer weiß es? Jenseits der Vogesen hat man die ftohe Botschaft wie eine Offenbarung, wie neue Verheißung vernommen: itt Presse und Oeffentlichkeit reckt sich der nationale Stolz der Gallier in Heldenpose und die wilden Kämpfe gegen die dreijährige Dienstzeit. die Stratzenschlachten und Soldaten-Meu- tereien um das „dritte Jahr" sind vergessen, untergegangen im Freudentaumel neuer Begeisterung, die selbst im ödesten Gascogner- Dorf den Bürger in demosthenischem Inbrunst- Feuer für Poincaree's und Frankreichs Ruhm erglühen läßt. Daß es Strohfeuer ist, das hier loht, mindert nicht den psychologischen Reiz des ftühherbstlichen Momentbildchens I Montignoso alö Operettendichterin.
Und ein neuer Peter von Amiens nutzt diese 1 " ' _ /-Mitarbeiters
Stimmung opferfroher Begeisterung- Senator (Von unferm E. «.-Mitarbeiter.) Beranger, der Theoretiker des Chauvinismus, zieht durch die Lande, predigt den Kreuz-1 zug wider die „deutsche Gefahr" und schärft die Gewissen der für die Sicherheit der Republik Verantwottlichen. Ein wackrer Mann;
Idealist vielleicht und Schwärmer, aber erprob- 1 ter Kenner der gallischen Volkspsyche, kluger Taktiker und ein Cicero in der Kunst überzeri- gender Argumentation. Er hat im Auto die Grenzlinie zwischen Frankreich und Luxemburg inspiziett, das „luxemburg'sche Loch" mit schar- , fern Ange erkannt und in allen Einzelheiten die „Gefahren" ermittelt, die an dieser schwachen Flanke französischer Grenzwacht der Republik vom östlichen Nachbar drohen. Monsieur Beranger, den die Sorge um die Sicherheit des Vaterlands im Auto-Tempo durch die Gaue trieb, erzählt den behaglich auf den Lorbeeren des Dreijahr-Triumphs thronenden Hütern der Landesvetteidigung, daß Deutschland „nml Trier herum" ein ganzes Netz von Brucken, Bahnhöfen, Forts und Heerstraßen gezogen habe, das im Ernstfälle als Basis eines großen Offensiv- und Defenstv-Lagers gedacht sei und den Stützpunkt deutscher Lttegsoperationen gegen Frankreich darstellen solle. Dieses „Heer-1 lager" hat das von bet Furcht geschärfte Auge bes Senators zwischen Malmeby nnb Dieden- hofen erspäht, unb ba bie auf biefe Weise (von Herrn Beranger) geschaffne „Basis" kriegerischer Operationen auf der einen Seite von dem Metzer, aus bet anbern vom Coblenzer Armee- Korps (XVL unb Vin. Korps) geschützt wird, so bedeutet in der Vorstellung des autelnden Senator- bie strategische Grenzbefestigung in ber Gegenb von Trier bas „Herz ber beut» । schm Offensive", unb Monsieur Beranger von Guadeloupe ist als Chauvinist ehrlich genug, als Selbstverständlichkeit vorauszusetzen, daß diese „Offensive" sich nur gegen Frankreich richten kann. Man sieht: Die Halluzinationen verwirren jenseits ber Vogesen bie Geister in bedenklichster Weise, und Herr Beranger
1= kräftigen Adlernase gab seiner Erscheinung - etwas fast schreckhaft Finsteres, unterstrich noch die schweigsame, unfrohe Jnsichgekehtthett die er nie abgelegt hatte. Wenn man ihn letzt say, konnte man besser als sonst verstehen daß er von vielen bewundert und umschmeichelt,
Er tut nur so, hieß es um .lnsgck>ci,n, ^,--- den dunklen Gläsern die Mienen der anderen besser beobachten zu können. Als er, dremnd siebzigjährig, starb, hinterließ er iedem ferner Kinder etwa fünfzehn Millionen M a r t, doch mit der testamentarischen Bestimmung, daß das Geld im Geschäfte verbleibe» 6abeJ Vor dem Buddenbrookschröffal scheint die Familie Bleichröder (so wett sich das fcuie iaaen läßt) gefeit. Während sonst bie Sohne großer KommerzgesMechter uni feueren, empfänglicheren Nerven bedacht sind, als die Vater und kulturgesättigt, deren materiellen Trieb gern zu reiner Geistigkeit sublimieren schienen zumindest zwei der drei Söhne Ger^ns den Wett der Arbeit zu schätzen und ettanut zu haben, daß Erworbenes nur dann zu «Hal- ten und zu mehren ser, wenn es em Mittel neuer Machtziele wird. Zwar.war bei ahnen der Genuß ihres Reichtums keineswegs. mehr an die Peripherie des Lebens verbanrtt, wie noch beim Vater. Sie hatten offenbar den Wunsch, alle Schranken, die^zwischen ihnen„und der vornehmen Wett noch bestanden, niederzuraißm, vollwertig auch unter jenen zu stehen, derm Wappen älter war als das ihre. Hans, der Netteste, übernahm
die Leitung der Geschäfte, in der auch ihm ein Sch w a bach, der Sohn des väterlichen Sozius, zur Sette stand. Georg! trat ebenfalls in die Firma em, boä mit geringerer Begeisterung für deren Arbeit. Mehr als seine Brüder war er geistigen Gewissen er- qeben, pflegte die Musik, gatt als verständiger Liebhaber der Malerei und auf feinem Schloß in der Nähe von Köln fehlte es nie an Gasten aus der Kunstwelt. Daneben war er einer der ersten Automobilisten ... auch eines der ersten Opfer dieses damals neuen Sports^ Ei; hatte sein viertes Jahrzehnt kaum überschritten, als er tödlich verunglückte. Run wurde der jüngste Bruder. James von Blenhroder, der sich ur- sprünglich von Finanzgeschäften s^ngebalten und sein Gut Klein-Dehsa m Sachsen be- wirtschaftet hatte, dem Berliner Hause zuge- hogen er mag dem Ruf nur ungern gefolgt fein, und er gilt bi§ auf den Mutigen Tag als mehr nomineller, denn aktiver Mitinhaber des Hauses. So lasteten bte immer ansgebrei- teteren Geschäfte nach wie vor allem auf den Schultern Hans von Bleichrobers. DaS Der- mögen wuchs unausgesetzt. Doch der Klang deS Namens weckte über Börse und Banken hinaus nicht mehr das alte Echo. Was dem atten_®et. son Bleichröder, seiner kühlen, verschlossenen Att gelungen war, ohne daß er es erstrebt l hatte: Träger histottscher Namen, stolzer Staatswürden an seinem Tisch zu-sehen, »n der