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Nummer 245.

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 23. September 1913.

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

Sommer-SoMMwende. Der Griechenkönig in Paris; die Trink- sprüche des Präsidenten und des Königs.

Der jüngste Marschall der preußischen Ar. inee, des Deutschen Kaisers Schwager und König von Griechenland, weilt seit eini­gen Tagen in Paris, hat, nach der Marschall- stab-Rede im Fürstenzimmer des Anhalter Bahnhofs in Berlin, den Canossagang zur Seinestadl beendet und am gestrigen Sonntag der gespannt lauschenden gallischen Welt beim Frühstück int Elysee erzählt, wie in seiner Brust und in des Griechenvolks Seele die Dank­barkeit gegenüber Frankreich ewig und ungemindert sortlebt als höchste Tugend helle­nischer Volkheit. Des Deutschen Kaisers Schwäher, der in Berlin den Geist preußischer Kriegskunst als Wegbereiter griechischer Hel­dentat gepriesen, vernahm gestern, am Tage der Sommer-Sonnenwende, aus Poincarees härt'gem Mund folgende Worte mahnender Er­innerung:

Indem ich Ew. Majestät die besten Will­kommwünsche darbringe, habe ich das große Bergnügen, der edlen hellenischen Nation vor ihrem erhabenen Herrscher den Ausdruck der Gefühle Frankreichs zu erneu­ern. Nichts, was das tapfere griechische Volk berührt, ließ Frankreich jemals gleich­gültig. begrüßte einst mit Begeisterung die ruhmvolle Wiedergeburt der moderne» Zivilisationen und verfolgte seitdem mit einer Art Familienstolzes die raschen Fortschritte, die Griechenland seiner Vater­landsliebe und ausdauernden Energie ver­dankte. Es beglückwünschte sich, daß es auf Bitten der hellenischen Regie­rung die Aufgabe habe übernehmen können, während der beiden letzten Kriege über die Sicherheit ihrer Landsleute zu wachen. Es freute sich, daß es zwischen ihren Offiziere» und den unsrigcn enge Bande der Kameradschaft habe knüpfen sehen. Es zollte dem Heldenmut und den Erfolgen der schönen Truppen Ew. Ma­jestät Beifall. ES nahm Teil an ihrer Trauer wie an ihrer Freude. Gestern noch betrauerte eS mit Ew. Majestät und ganz Griechenland den grausamen Verlust des Herrschers, besten treue Freundschaft es erfahren hatte und der mir im lebten Jahre so liebenswürdig selbst für die tätige A n t c i l.e a h m e dankte, von der Frankreich ihm wiederholte Beweise gegeben habe. Ich bitte Ew. Majestät zu glauben, daß Frankreich, dessen Gefühle u n - veränderlich sind, für Griechenland der loyale und sichere Freund bleibt, der eS immer und zu allen Zeiten gewesen ist.

Und König Konstantin, des Deutschen Kai­sers Schwager und Ehren-Marschall der preu­ßischen Armee, erhob sich und sprach, zum Prä­sidenten der französischen Republik gewandt:

Ich bin meineSteils glücklich, dem ersten Beamten der Republik meine lebhafte Dankbarkeit auszudrücken für die wert­volle Unterstützung, die Frankreich nicht aufhörtc, dem Befrciungswcrk Griechenlands zu gewähren. Von ihrem Erwachen zur Unabhängigkeit bis einschließlich der ruhm­reichen Kämpfe, die sie soeben geliefert, in guten wie in bösen Tagen ihrer Geschichte, ist die griechische Nation immer auf die Sympathie und die Unterstützung der großen französischen Ration gestoßen. Neuerdings noch hat Frankreich während zweier Kriege großmütig die Mission übernommen, über die Sicherheit meiner Landsleute zu wachen. In dem Augenblick, wo sich schwere Fragen erhoben, die die Lebensinterestcn Griechenlands be­rührten, war es Frankreich, das, immer bereit, die Sache der Gerechtigkeit und Frei­heit zu unterstüllen, die Initiative er­griff , um die Rechte meines Bottes zu ver­teidigen. Im Bewußtsein feiner Rechte hat eS sich vorbereitet für den Kampf, aus dem cs größer und geachteter hervorgcgangen ist. Und in dieser letzten Vorbereitung hat es noch einmal die Hilfe Frank­reichs genießen dürfen. Die Regierung der Republik hat die Freundlichkeit gehabt, Grie­chenland eine aus hervorragenden Offizie­ren aller Waffen zusammengesetzte Mis­sion zu bewilligen, die mit Arbeitseifer und hinreißender Begeisterung an ihre Aufgabe gegangen ist. Ich bitte Sie, Herr Präsident, zu glauben, daß ich die Gefühle tätiger An­teilnahme, von der Frankreich Griechenland so viele Beweise gegeben hat, höchlich schätze, und daß ich den größten Wert lege auf die Erhaltung und die Entwicklung der Bande traditioneller Freund­schaft, die die beiden Länder einigen.

Die Pariser Presse, die vor ein paar Tagen noch die Lauge ätzenden Spotts über den Mar- fckallstab-Redner beim Berliner Fürstenzimmer- Empfang ausgoß. schwelgt heut in Dithyram­ben: Konstantin von Griechenland hat bei bei Frühstück-Rebe im Elysee feierlich abgeschwo- rcn, was in Berlin der Ueberschwang zärtlicher Verwandten-Dankbarkeit an raschen Worten über die Livven drängte, hat, als der. Republik

zu unvergeßlichem Dank Verpflichteter, vor Herrn Poincaree und seinen Gästen mit weit­hin hörbarem Nachdruck attestiert, ba§ g r a n k reiches gewesen, das Hellas auf dem Weg zur Siegerhöh' geleitet und gefördert, und wird da­mit die in dumpfem Groll verdüsterten Seelen unsrer Nachbarn wohl versöhnt haben. Die internationale Politik gemahnt in ihren selt­samen Irrunge» und Wirrungen mitunter an den naiven Comment der Kinderstube: Wenn Gretel weint, mutz Hänschen es versöhnen! Frankreich hat nicht nur geweint: Es hat ge­zürnt und gedroht, und es bedurfte des Energie-Aufwands einer regelrechten Staats­aktion, um den Sturm zu sänftigen. Man Hai gestern im Elysee Sonnenwende gefeiert, und es bleibt nun abzuwarten, was nach dem Sommer der Aergernisse der Herbst der neube- schwornen Liebe bringen wird ...! »an.

*

Pariser Balkan-Konferenzen?

Paris, 22. September. (Privattele­gramm.) König Konstantin von Grie­chenland verbrachte den größten Teil des gestri­gen Vormittags in seinem Hotel, wo er mit seinem Adjutanten arbeitete. Um zehn Uhr sprach der Minister des Aeußeren, P i ch o n, im Hotel vor und hatte mit dem König eine U n -. terredung, die nahezu eine Stunde dau­erte, und in deren Verlauf (wie verlautet) alle in der Balkan angelegenheit noch schwebenden Fragen behandelt wurden, inson­derheit die neugeschaffene Lage in Albanien und die Frage einer in Frankreich aufzunehmenden griechischen Anleihe.

Sie Prinzessin-Tragödie.

Die Trauerfeier in Heidelberg.

(Bericht unsers Korrespondenten.)

Heidelberg, 22. September.

Der letzte Akt der Prinzessinnen- Tragödie spielte sich am Sonnabend abend int Palais Weimar im engsten Familienkreise ab: Die Trauerseier für die so früh und unter so tragischen Umständen aus dem Leben geschiedene Prinzessin Sofia. Es war eine schlichte und doch autzerordentlich eindrucksvolle Feier, und man sah in den Augen aller Be­teiligten Tränen der Rührung und des Schmer­zes, als der Geistliche seine Trauerrede geendet hatte. Die Leiche der unglücklichen Prinzessin war auf einem Katafalk im Speisesaal des Pa­lais aufgebahrt. Zur Dekoration hatte man neben Palmen und grünen Blattpflanzen weitze Lilien verwandt. Außer den Familien­angehörigen nabm ein Keiner Kreis von aus­wärts erschienenen Fürstlichkeiten an der Trau­erfeier teil. Der Grotzherzog von Sach­sen-Weimar hatte als Vertreter den weimari- schen Oberhofmarschall Fritsch entsandt, der Grotzherzog von B a de n und die Großherzo­gin-Witwe Luise den Oberhofmarschall von Chelius. Ferner sah man in der kleinen Trau­erversammlung den Oberbürgermeister von Heidelberg, den Prorektor und eine Abordnung der Professoren der Universität Heidelberg, den früheren badischen Gesandten in Berlin, von Iagemann, sowie Vertreter Heidelberger Mili­tär- und Zivilbehörden. Auch eine Anzahl von

Freundinnen der Entschlafenen

war zugegen. Der ältere Bruder der Prinzessin, Graf Hermann von Ostheim, weilt schon seit zehn Tagen in Heidelberg; der jüngere Bruder, Prinz Albert, traf zur Trauer­seier aus seiner Garnison Pasewalk hier ein. Dr. Hans von Bleichröder, der am Frei­tag morgen aus Heringsdo»f hier eintraf, und sich sofort in das Palais begab, reifte nach drei­stündigem Aufenthalt mit dem nächstenBer- l i n e r Zuge wieder ab. Es soll ihm nahe­gelegt worden sein, an der Trauerfeier nicht teizunehmen. Stadtpfarrer Götz, der die Prin­zessin konfirmiert hat. legte der Trauerrede die Worte zugrunde: «Mitten im Leben sind wir vom Tode umgeben." Der sechzigjähriae Va­ter der Toten, der unter der Last des Schmer­zes völlig zusammengebrochen ist, umklammerte während der Trauerfeier wieder­holt laut aufschluchzend den Sarg sei­ner einzigen Tochter. Um sieben Uhr erfolgte bei völliger Dunkelheit durch die mit Menschen dichtgefüllten Straßen die Ueberführung der Leiche zum Friedhof, der abgesperrt war. Auf den Wimsck, der Prinzessin, den sie in einem Abschiedsbrief geäußert hat, waren nur ganz wenige Personen bei der Einäscherung im Krematorium zugegen. Die Urne mit der Asche der Entschlafenen wird in der Weimarer Fürstengrust beigesetzt werden.

Herr von Bleichröder und Haus Weimar.

Frankfurt a. 22 September. (Pri­vattelegramm.) Prinz Wilhelm von Sachsen-Weimar, der Vater der unter so tragi­schen Umständen verstorbenen Prinzessin Sofia, ersuchte die Frankfurter Zeitung, die von ihr veröffentlichten Heidelberger Meldungen über die Trauerseier am Sonnabend dahin richtig zu stellen, daß Herr von Bleichröder an der

Trauerseier nicht teilgenommen habe, vielmehr auf Veranlassung der Mitglieder ves Hauses Weimar zu der Trauerseier nicht zugelassen worden sei. Damit wird also bestätigt, daß zwischen dem großherzog­lichen Hause Weimar und Herrn von Bleich­röder eine scharfe Spannung bestanden hat und noch besteht.

Set Friede am Balkan.

Der türkisch-bulgarische Friedensvertrag.

Nachdem die Grenzfrage in den Friedens­verhandlungen zu Konstantinopel erledigt wor­den war, blieben nur noch leichtere Fragen zur Erledigung übrig. Jetzt sind auch sie entschie­den und der Wortlaut des soeben abgeschlosse­nen ftirkisch-bnlgarischen Friedensvertra­ges wird bekannt gegeben. Der Vertrag be­ginnt mit den Worten:Beide Souveräne, in dem Wunsche, auf fester, dauernder Un­terlage Frieden herzustellen". In der Ein­leitung wird alfo nicht wie int Londoner Ver­trage von ewiger Freundfchaft gesprochen.

Artikel I fetzt die bereits bekannten Gren­zen fest.

Artikel II erörtert die Nationalitäten­frage. Den Bewohnern der den Bulgaren verbleibenden Gebiete wird eine Frist von vier Jahren gewährt, nach deren Ablauf sie entweder auswandern oder die bulgarifche Nationalität annehmen können. Während dieser vier Jahre sollen die Muselmanen nicht zum Militärdienst herangezogen werden.

Artikel III behandelt die Rechte der Mu­selmanen und ihrer Gemeinden. Die Musel­manen sollen dieselben politischen Rechte ge­nießen wie die christlichen Bulgaren.

Nach Artikel IV werden die Wakufgüter von den muselmanischen Gemeinden verwal­tet werden.

In Artikel V wird der allgemeine Waffen­stillstand festgestellt.

Nach.Artikel VT wird die Räumung der den Bulgaren verbleibenden Gebiete in zwei Monaten stattfinden.

Artikel VII enthält Bestimmungen über den Austaufch der Gefangenen. Ein ande­rer Artikel fpricht ans, daß der Friede von London in Kraft bleibt, soweit er nicht durch den gegenwärtigen Vertrag abgeändert er­scheint.

Der Vertrag tritt vom Datum der Unter­zeichnung an in Kraft. Tie Forderung der Bulgaren, einen besonderen Artikel über die Errichtung und Instandhaltung von Denkmä­lern aus den Schlachtfeldern in den Vertrag aufzunehmen, wurde fallen gelassen. Dem Ver­trag sind mehrere Zusatzprotokolle am gefügt, in denen die einzelnen Artikel erläutert oder sekundäre Angelegenheiten geregelt wer­den. Ein Protokoll betrifft die Bezahlung für Requisitionen feilens BulgarieyL wUrend der Okkupation.

Vertrags-klnterzeichnnng morgen.

Konstantinopel, 22. September. lPrivat- Telegramm.'» An dem endgültigen Ab­schluß des Friedensvertrages, dessen Unter­zeichnung am morgigen Dienstag stattfin­den wird, wird ununterbrochen gearbeitet, lieber die Hauptartilel ist bereits ein vollstän­diges Einvernehmen vorhanden. In der Presse wird der Friedensvertraa einesichere Grund­lage für die Freundschaft zwischen Bulgarien und der Türkei" unddie natürliche Basis eines späteren engeren Zusammenschlusses" ge­nannt.

Neue Kämpfe trotz des Friedens!

Wien, 22. September. (Privat - Tele­gramm.) Depeschen aus Dnrazzo mel­den: Infolge des gewalttätigen Vorgehens der Serben gegen die Albaner in der Dringegend und in Djuma ist es in der letzten Zeit zu blutigen Zusammenstößen zwischen serbischen Truppen und Albanern gekommen. Die Serben haben eine Anzahl Albaner getö­tet. Hierauf sind eine Anzahl serbischer Sol­daten von den Albanern ermordet worden. Serbische Truppen haben das Dorf Patok zer­stört.

öttaßenlämpse in Irland!

Zweiundvierzig Personen schwer verletzt.

(Privat-Telegram m.)

Dublin, 22. September.

Die blutigen Szenen, die den Beginn beS Ausstandes kennzeichneten, haben sich ge­stern wiederholt, lieber fünfzehntausend Arbeiter feiern bekanntlich in Dublin. Trotz alledem war der Massenstreik feit Beginn des Monats ziemlich ruhig verlaufen. Tie Ausständifchen hatten nun gestern beschlossen, einen Zug durch die Hauptstraßen der Stadt zu veranstalten. In der Easternland-Straße kam es dann zu einem blutigen Zusammenstoß mit der Polizei. Aus einem Fenster dieser Straße wurde Gemäuer ab^brochrn und aus dir

Gruppe der Polizisten hinabgeworfen, wobei ein Polizist am Ohr verletzt wurde. Nun gin­gen die Polizisten geschlossen gegen di« Spitze des Zuges vor und wollten die Demon­stranten zurücktreibcn. Die Leute konnten je­doch nicht zurücktreten, da sie von ihren Hinter, männern nach vorn gestoßen wurden. Die Po- lizisten griffen daraufhin zu ihren Knütteln und es entstand eine Schlägerei, die einen derartigen Umfang erreichte, daß schließlich viele Manifestanten und Polizisten ins Spital gebracht und dort verbunden werden mußten. Da sich die Zngteilnehmer noch immer nicht be. ruhigten, unternahmen die Polizisten noch einen dreimaligen Vorstoß gegen sie. Im ganzen kamen sieben Polizisten und fünsunddreiß i g M anifeftanten schwerverletzt ins Spital.

Set Kronprinz als Jäger.

Der deutsche Kronprinz im Bregenzer Wald; in der Villa Maund bei Hopfreben.

Der deutsche Kronprinz Wilhelm kommt jedes Jahr auf einige Wochen nach dem Bregenzerwald, um in seinem ausgedehnten Jagdgebiet dem Wild nachzuspüren. Im Früh­herbst, toenn die Gemsen rudelweise dahinja­gen und heftig pfeifend die Steine zu Tal ha­geln lassen, stellt sich der Kronprinz als Jagd- gast bei de» alemanischen Vorarlberger» ein und bezieht samt Familie die geräumige V i l- la Maund bei Hopfteben. In den letzten Tagen ist er wieder zur Gemsjagd dort ringe- troffen. In zwei Automobilen fährt er samt Familie und Gefolge meist von München aus über die Wasserscheide zwischen Donau und Rhein, die Oberstaufener Felsriegel, hinein in denWald", wie man landesüblich den Bre­genzerwald abkürzt. Sonst ist dort jeder Auto­verkehr verboten. Wenn man von Schoppernau taleinwärts wandert, erhebt sich ungefähr zehn Minuten vor Hopfreben ein bewaldeter Höhen- rücken, der quer über daS Tal zu sperren scheint. Darauf steht inmitten uralter Tannen- und Eichen bäume, umrankt von immergrünem Efe», wie träumend die Villa Maund. Em schmuckes, zweistöckiges Landhaus, im Schwei­zer Stil, umgeben von einer aussichtsreichen Veranda und gekrönt von einem kleinen Glok- tenturm. Vor» hinaus begegnet das Auge der schäumenden Bregenzer Ache, gegen Hopfreben zu saftiggrünen Alpenmatten. Auf der andern Talseite, gerade gegenüber dem Jagdhaus, türmt sich die überhängende und steil aufragen­de Künzelspitze auf; im Südosten lugt die Mohnenfluh mit ihrem glet,cherumlagerten Gipfel herüber, und auch der kahle Widderstein Hilst mit, das großartige Bild würdig zu er­gänzen. In fast verschwenderischer Fülle sind

die Reize der Natur

hier versammelt, zur Freude und Ueberraschung jedes Naturfreundes. Ein herrliches Fleckchen, das sich der Kronprinz in Vorarlberg sicherte. Das ausgedehnte Jagdgebiet selbst ist überaus wildreich "infolge des stark salzhaltigen Gesteins. Man findet hier Hirsche, Rehe, auch Auer- und Spielhähne, aber vor allem viel Gemswild, dem in erster Linie die sichern Kugeln des Kronprinzen gelten. Das Jagdrevier umfaßt hauptsächlich die Künzelspitze, ferner das un­tere wilde Gebiet des zerklüfteten Braunarlstok- kes, die Juppen- und Uentschelspitze, den Hoch­berg und die Höferspitze. Abgesehen von seinem Wildreichtum ist das Jagdrevier landschaftlich wohl die Perle des ganzen Bregenzerwaldes. Daß das Gebiet, in dem der Kronprinz den Gemsen nachsteigt, auch die Gefahren der Berge in sich schließt, ist selbstverständlich, und in seinem Jagdtagebuch hat der Kronprinz davon bereits selbst berichtet. Uebrigeng ist er ein ausdauernder Bergsteiger, der selbst die ge­fahrvollen Felssteme nicht fdxut und durch seine Unerschrockenheit schon mehrmals seine wegkundigen Jäger verblüffte. Auch der Kron­prinz rückt zur Jagd in der Kleidung aus der man kürzlich in Bayern vonberufener". Seite eins am Zeng flicken wollte. Nämlich in der Kurz ledernen und mit nackten Knien. S8cf leichtern Touren begleitet ihn mitunter die Kronprinzeffin, die sich jedesmal herz­lich freut, wenn ibr Gemahl mit demBruch" am grünen Hut heimkehrt und von feinen Jagderlebnissen hoch droben in den Felfen er- zählt. Bisher war ihm das Jagdglück immer noch hold. Wenn er an den steilen Hängen der Künzelspitze den Gemsen auflauert, kann ihn

die Kronprinzeffin

von dem Hause aus ganz gut mit dem Mass beobachten. Für weitere Touren stehen dem Kronprinzen zwei Pferde und einMulli" zur Verfügung. Letzteres, ein prächtiges Tier, be­kam er bei den Steinbockjagden in Italien vom König zum Geschenk und gleich darauf leistete das Mulli dem Krmiprinze» im Bregenzer­walde gute Dienste. Die Jagd selbst wird von einem Oberjäger und vier Jägern, die den Kronprinzen auf feinen Touren begleiten, daS ganze Jahr hindurch betreut. DaS Leben, das der Kronprinz während feines Aufenthalts in Hopfreben führt, ist überaus e i n f a ch : Er lebt ganz für seine Jagd und seine Familie*