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Hessische Abendzeitung

Nummer 240.

Mittwoch, 17. September 1913

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

SnferttonSpreife: Dt« sechsgespaltene Zeile für einheimische »eschäfte 15 Ma., für ans. mürttfle Inserate 25 Ps, Reklame,eile für einheimisch« Leschiiste 40 Pf, für au5n>4rtine" Geschäfte 80 Ps. Einfache Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark vro Tausend be­rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Resiüen, und der Umgebung sind dt- (Saffeter Neuesten Nachrichten ein vorzugltchez JnsertionSorgan. Geschäftsstelle: «ölnisch° Straße 5. Berliner Vertretung: SW.. Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzplay 12584

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Casseler Neueste Nachrichten

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Westfalen . . . Rheinprovinz , Hessen-Nassau . Schleswig-Holstein Hannover . . .

necken. Anderseits ist im sschehen, um zu erreichen,

fand im Anschluß an die Verhandlungen im Festsaal des Rathauses eine Festsitzung statt.

Die Kolonial-Rationalspende.

Die am Regierungsjubiläum des Kaisers am fünfzehnten Juni dieses Jahres in den evangelischen Kirchen Preußens eingesammelte Kirchrnkollekte zugunsten der christlichen Miffionen in den deutschen Kolonien und Schutzgebieten hat den sehr erfreulichen Er­trag von 169812,05 Mark ergeben Dieser Gesamtbetrag fetzt sich nach den jetzt vor­liegenden amtlichen Mitteilungen aus folgen­den Teilbeträgen aus den einzelnen Landes- teilen und Provinzen zusammen:

Reichsämtern auf die Stimme des Parlaments hört, ist eine außerordentlich erfreuliche Kunde; ist's umsomehr, als Dutzende von Bei- spielen uns bisher die Ueberzeugung einge- prägt hatten, daß die Stimme des Reichstags an den steinernen Wänden des Wallothauses verhalle. Man darf schließlich auch das Der- langen der Erben Dernburg« nachRuhe vor dem Reichstag" billigen, denn die» Verlangen gründet sich offenbar auf den anerkennenswer­ten Willen, die Kolonial-Verwaltung derart zu gestalten, daß das Parlament nicht Anlaß zur Kritik hat. Im Fall Schleinitz indessen fordert das Kolonialamt die Kritik nicht nur des Reichstags, sondern der Oeffentlichkeit über­haupt heraus, indem es das Schicksal eines verdienten Soldaten einer Vorstellung opfert, die sich erwiesnermatzen auf irrige Annahmen und Trugschlüsse gründet. Im Reiche Solfs scheint man empfindsamer zu sein, als es sonst in der Regierungs-Sphäre der Fall ist, und man möchte fast wünschen, daß auch der Herr Kanzler sich bei seinen Entschließungen ein wenig von dem Bestreben leiten ließe,Ruhe vorm Reichstag zu haben". Es würde uns dann (vermutlich) Mancherlei erspart bleiben, das wir unter der Kanzlerschaft des Herrn Theobald von Bethmann Hollweg oft und tief als herbe Enttäuschung beseufzt. Die Affäre des ostafrikanischen Schutztruppen - Komman­deurs indessen ist unter andern Gesichts­winkeln zu betrachten, denn es gilt hier nicht, Herrn Erzberger eine Freude zu bereiten, son­dern einem verdienten Soldaten Gerechtig-

Professor und Kammerherr.

Tragischer Ausgang einer Ehren-Affäre.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 16. September.

Der fürstlich-lippische Hofmaler Profeffor Heinrich Maaß, der hier in der Brückenallee wohnt, hat gestern abend auf dem Flur des Landwehr-Offizier-Kasinos den lippischen Kam- mcrherrn und Rittmeister der Reserve Lothar von Westernhagen erschossen. Ueber den auffehenerregenden Zwischenfall verlautet: So­wohl Profeffor Maaß wie der Kammerherr von Westernhagen waren gestern abend zu einer Vernehmung vor den Ehrenrat in das Landwehr-Offizier-Kafino geladen worden und zwar in einer nichtmilttärischen Angelegenheit, die eine rein private Sache betraf. Prof. Maaß war um 8 Uhr geladen, Herr von Westernhagen sollte um neun Uhr erscheinen. Herr von Westernhagen kam aber dreiviertel Stunde zu früh unb traf auf dem Flur des Landwehr-

Offizier-Kasinos mit Profeffor Maaß, der sich nach der Vernehmung aus dem Landwehr. Kasino fortbegeben wollte, zusammen. Rach einem kurzen Wortwechsel ohrfeigte Herr von Westcrnhagen Professor Maaß, der sofort auf Westernhagen einen Schutz ab gab, wo­durch dieser, da die Kugel mitten durchs Herz ging, auf der Stelle getötet wurde. Zwischen beiden Herren hat ein Zivilprozetz geschwebt. Ein weiterer Prozeß soll zurzeit noch anhängig sein. Mittags zwölf Uhr wurde heute im Landwehr-Kasino von dem Untersuchungsrichter ein Lokaltermin abgehalten, zu dem auch Pro. feffor Maaß erschien.

Der Kommandeur tut, was zu tun noch übrig bleibt: Er beantragt ein« Diszipli- nar-Untersuchung gegen sich selbst, stellt der Untersuchungsbehörde das gesamte auf den Fall" bezügliche Material zur Verfügung und harrt mit der Zuversicht des von eigner Un­schuld Ueberzeugten des Richterspruchs. Der wird (nach Monden) gefällt, rechtfertigt den Kommandeur in allen seinen Handlungen, be- seittgt den Makel der Pflichtverletzung und kennzeichnet den im Brustton der Menschlich­keit-Entrüstung von der Reichstag-Tribüne herab wider den Afrikaner geschleuderten Vor­wurf als unberechtigt, al» haltlos und leicht­fertig. Das Erkemttnis wird dem Reichs- Kolonialamt zugestellt, zn den Attenin Sachen Schleinitz" genommen und, wie üblich, regi­striert. Sonst nichts; Herr Dr. Solf, der Staatssekretär, ist unterdessen auf Reisen ge­gangen, inspiziert in Deutsch-Südwest Fafio- reien und Plantagen, und in Berlin möchte man in der hetllen Affäre nichts unternehmen, ehe der Chef selbst entschieden. Daß darüber abermals Monde vergehen: Was tttt's? Das Reichs-Kolonialamt willRuhe haben": Ruhe vorm Reichstag und vor Herrn Erzberger! Der Oberstleutnant von Schleinitz, im Kampf mtt Wilden und Bureaukraten der Artigkeit uner­schütterlicher Langmut längst entwöhnt, drängt auf Klärung, Rehabilitierung und Entschei­dung, wird, nachdem dringliche Mahnungen ungehört geblieben, des grausamen Spieles überdrüssig und schickt den Herren im Kolonial­amt das Gesuch um Entbürdung vom Amt. Aber Herr Solf wandelt immer noch auf der Erde Afrikas, im einst'gen Reiche Bern­hard Dernburgs ringt immer noch die Sehn- sucht nachRuhe vor dem Reichstag" mit der Erkenntnis dringlicher Tat-Notwendigkeit, und schließlich siegt (abermals) der Tapferkeit beste- res Teil: Vertagung der Entscheidung bis zur Rückkehr des Chefs!

Die ganze Entwicklung des Falles ist eini­germaßen komisch, erheiternd und befremdlich, und man würde über die Männer, die unter allen UmständenRuhe haben wollen", mit einem Lächeln hinweggehen können, wenn die Affäre Schleinitz nicht direkt zu der Frage zwäng«:Wer regiert im Reich? D»e Gerech- tigkett oder Herr Erzberger?" Daß man in den

lung in San Franzisko abgeneigt ist. Nach längerer Debatte wurden die Be­schlußanträge einstimmig angenommen. Später

3er Kommandeur.

Die Affäre des Oberstleutnants von Schlei- «itz; das Kolonialamt «nd das Parlament.

Auch in einigen außerpreutzischen Landes- tefle» ist die Kirchenkollekte erhoben worden, so daß der Gesamtertrag sich noch erhöhen wird. Das Endergebnis der evangelischen Samm­lung bezisfett sich nach dem Stand vom achten September auf 3 441597,02 Mark; rechnet man noch dazu den Ertrag der katholischen Samm­lung mit 1300 000 Mark, so beträgt das Ge­samtergebnis 4 741 597,02 Mark.

gegenüber dem Vorjahr. Unsere Gegner sagen, daß wir anfangen, still zu stehen, daß wir den Krebsgang gingen Alle diejenigen, die so reden, flammern sich an Strohhalme. Auch im Jahre 1912 ist in nicht weniger als «inundsiebzig Wahlkreisen ein Rückgang in der Wahlkreis- organi-sation zutage g< braucht uns nicht zu sch vorigen Jahre alles ge1 daß unsere Organij

die Ultima ratio unserer Politik

ist. Wir müssen uns weiter klar darüber sein) daß bei Behandlung dieser Frage unbe«' dingt ausgeschieden werden mutz di« Theorie des Generalstreiks., die immer heftigere Zusarmnenstötze zwischen uns und den regierenden Klassen voranssetzt und den schließlichen Umsturz aller Dinge, den Sieg er- Partei. Die Resolution des Parteivorstandes ist scharf angegriffen werde«, auch der Vor­stand ist scharf angegriffen worden. Es kommt, aber nicht auf große Gesten an. und Selbstver­ständlichkeiten brauchen wir einander nicht zu sagen. Große Taten braucht man nicht vorzu­bereiten durch Reden und Zeitungsartikel, son­dern durch prakttsche Arbett. So wollen wir weiierarbeiten. den Blick fest auf das Ziel ge- richtet. (Großer, anhaltender Beifall.) Nach­dem Braun-Berlin den Kassenbericht erstattet hatte, berichtete Brühne-Frankfurt a. M. über di« Kontrollkommission. Der Vorsitzende Ebert stellte hierauf für eine Reihe von Anträgen zu der Frage des Massenstreiks di« Unterstütznngs- fragen, die in den meisten Fällen bejahend aus­fielen. Es schloß sich die Debatte über den Ge« schästsbericht an. Dazu bemerkte der Delegierte Sollmann: Der Bericht über die Ju- gendbewegung ist eine Schönfärbe, rei. Unsere Jugendbewegung befindet sich in einer rückläufigen Bewegung. Weite Kreise unterschätzen eben noch die Bedeutung der bür.

Die Krise im Fernen Osten.

Tokio, 16. September. (Draht-Mel­dung.) Hier verlautet, daß außer den be­reits bekannten Forderungen Japans noch eine weitere bestehe, die bisher unerledigt sei. Die öffentliche Meinung ist durch das Entgegenkommen Chinas enttäuscht, die gesamte Presse erachtet die Forderungen als ungenügend, wirft der japanischen Diplomatie Schwäche vor und verlangt den Rücktritt des Kabinetts. Zwei japanische Kreuzer sind gestern von Saseho nach Nanking beordert worden. Bei Kwang-Tschöngsu hat am Mon­tag ein heftiger Zusammen stoß zwischen Japanern und Chinesen stattgesunden, der durch Hinzuzieben javanischer Truppen Bei« gelegt wurde. Unter den von der chinesischen Regierung angenommenen Forderungen Ja­pans wegen der Zwischenfälle in Nanking be­findet sich die Abberufung des Generals Chang aus Nanking, der für die Ermordung der drei Japaner verantwortlich gemacht wird.

Lar Sathrsßlel am Salhm.

Friedensschluß am siebzehnten September?

Den Bulgaren lächelt noch einmal das Glück: Der Frtedensschluß mit der Türkei, der da« Fundament der für später geplanten bulgarisch-türkischen Bündnisses werden soll, steht unmittelbar bevor. Wie aus Konstanti­nopel gemeldet wird, fand gestern zwischen den türkischen und bulgarischen Delegierten eine Privatsttzung statt, die zwei Stunden dauerte. Da die Delegierten über bi« hauptsächlichsten Punkte der Grenze sich einigten, steht der end­gültig« Beschluß in der morgigen Sitzung zu erwarten. Inzwischen scheinen sich aller­dings am Balkan neue Gefahren zu ent­wickeln, wie aus folgenden Draht-Meldungen hervorgeht:

Konstantinopel, 16. September.

Der Leiter der hier weilenden thrazischen Deputation erklärte, West-Thrazien, das 300 000 männliche Einwohner zähle, habe be­reits 40 000 Mann bewaffnet. Diese wollen sich bis auf den letzten Mann gegen dieBulgarenverteidigen. Eine An­zahl Bulgaren hat sich nach dem Sarp-Ge­birge zurückgezogen. Sie ist jetzt von den Milizen Gümüldschinas umzingelt wor­den, so daß sich die eingefchloffenen Bulgaren wohl aus Mangel an Lebensmitteln werden ergeben müssen.

Cetinje, 16. September.

Nach hier angelangten Nachrichten haben sich bei Skutari über 10 000 wohlbewaff­nete Albanesen angesammett, die einen Einfall in die von den Montenegrinern und Serben eroberten nordwestlichen Gebiete beabsichtigen. Infolgedessen wurden drei Divisionen der montenegrinischen Armee an die Grenzen beordert. Das Hauptguar- tter der Divisionen befindet sich in Podgoritza. Die Stadt Tuzi wird in aller Eile kriegs­mäßig befestigt.

Ueber die Kämpfe bei Gümüldschina liegt nachfolgende Meldung vor: In den letzten Tagen fanden hartnäckige Kämpfe zwischen den Einwohnern des Distrittes Gümüldschina und bulgarischen Truppen statt. Infolgedessen treffen die Bulgaren Vorbereitungen, um die Besetzung von Gümüldschina vorzuneh­men. Die Volksstimmung in West-Thrazien ist gegen die Bulgaren derart erbittert, daß man ernstlich mit der Gefahr neuer kriege­rischer Verwickelungen rechnet. Nach den neuesten Meldungen hofft die provisorische Regierung in West-Thrazien, die Bulgaren gänzlich verjagen oder sie zur Kapitulation zwingen zu können. Die Bevölkerung verlangt die Anerkennung der Unabhängigkeit West-Thraziens durch die Großmächte.

Sie Heerschau irr 8em. Sozialdemokratischer Parteitag r Geschäfts­bericht, Massenstreik und Jugendbewegung.

(Telegraphischer Bericht.)

Jena, 16. September..

Die Verhandlungen des diesjährigen s o« zialdemokratischen Parteitages nahmen (wie schon kurz telegraphisch berichtet) gestern unter dem Vorsitz des Parteisekretärs Ebert-Berlin ihren Anfang. Nach Eröff­nung der Sitzung erhielt der Abgeordnete Scheidemann das Wort zu seinem Refe­rat über den Geschäftsbericht. Scheidemann stellte zunächst die enorme Steigerung der Le- bensmittelpreise fest und ging auf die große Volksbewegung ein, die sich besonders für eine Verbilligung des Fleisches einsetzte. Mitten in diese Bewegung hinein traf die Nachricht von dem Ausbruch des Balkankrieges, der sofort einen Weltkrieg in greifbare Nähe rückte, wogegen das internationale Proletariat machtvolle Kundgebungen veranstaltete. Den Imperialisten waren die Vorgänge auf dem Balkan ein willkommener Vorwand für weitere Rüstungsbeftrebungen, und der Erfolg war die Wehrvorlage, die die Reichsregierung einbrach« te und die alles übertraf, was selbst militärbe». geisterte Kreise für möglich gehalten hatten. Die Art und Weise, wie das 25jährige Regie- rungsjubiläum des Kaisers in Szene gesetzt wurde, habe auf viele ernüchternd eingewirtt, die vorher noch hei irgend einer Jahrhundert­feier mitgemacht hätten. Die Fortschritte in der Organisation seien nicht so, wie man sie erwartet hätte. Die Mitgltederzahl ist um 12 748 gewachsen und beträgt jetzt 982850, das bedeutet eine

Zunahme von nur 1,3 Prozent

«Berlin: 8« bestätig« sich, da» dem Komma«, benr der ostafrtkaittschen Schntztrudden, »»erst, lentnant von Schleinitz, im

erklärt worden ist, da» manmit RÜckflcht auf die Angriffe auf ihn tot Reichstag von einer wettere« dienstlichen Verwendung ad. sehe« milffe." Da« daraufhin eingereichte Abschiedsgesuch des Kommandeurs liegt noch »«entschieden im Kolonialamt. Eine Ent. scheid««« darüber soll erst «ach der Rück, lehr de« Staatssekretär« Dr. Sols erfolge«. Eine etwas wunderliche Geschichte. Ein Schutztruppen - Kommandeur, dessen hervor­ragend« militärische Qualitäten niemand be­streitet, wird von der Reichstag-Tribüne herab verdächtigt, an Soldaten-Pflicht und Menschen-Gewisseu gefrevelt zu haben, wird beschuldigt, wider Gewalttätigkeiten und Grausamkeit-Verbrechen, die wilder Nigger- Barbarismus begangen, nicht mit gebotner Energie eingeschritten zu sein, und die Unter­suchung gegen die Schuldigen lässig geführt zu haben. Der Ankläger erstand dem Afrikaner Schleinitz im Reichshaus, von dessen Redepült- chen aus über Kolonialfragen und Kolonial­sorgen seit einem Jahrzehnt mehr Verständ- nislostgkeit ins Land hineingeklungen, als in einem Menschenalter fanatischer Kolonial-Geg- nerschaft produziert werden konnte. Am Regie- rungstisch, wo Herr Solf in stiller Einsanckeit träumt, rührt sich kaum Abwehr: Ostafrika ist fern, und aus amtlichen Berichten flüstert kein leises Wörtchen dem Chef Aufklärung ins Ohr. Herr Erzberger vernimmt mit Genugtuung, wie im Hohen Hans« die Entrüstung der Volk­erwählten in lauten Zwischenrufen nach Aus­druck ringt, liest am Abend des Sitzungstags im stenographischen Protokoll die oratorische Sensation auS Deutsch-Ost und vermerkt, befrie­digt den Effett abschätzend, dasHött! Hött!" der Parlamentsgemeinde als Buchgewinn der Parteitattik, die in jenen Tagen aufOppo­sition um jeden Preis" eingestellt war. Nächste Szene: Audienz im Kolonial-Amt; Vorstellung des Gescholtnen bei Exzellenz Dr. Solf. Kurz, kühl und knapp. Dem Mann aus Afrika wird bündig eröffnet, daß man auf seine wettere dienstliche Verwendung verzichte, nachdem der Reichstag über ihn zu Gericht gesessen. Daß nicht der Reichstag, fonbern Herr Erzberger | den verdienten Kommandeur gescholten, wog nicht schwer genug, um Entschuldung zu recht- fettigenrMan wolle endlich Ruhe haben!"

daß unsere Organisation in die Tiefe wächst. Die Frage des Massenstreiks brachte dann eine große Auseinandersetzung. Was war das Ergebnis? Jetzt ist an einen Massenstreik nicht zu denken. (Sehr richtig.) Das haben wir uns im Parteivorstand auch ge­sagt und darum haben wir den Mund gehalten. Eine Jmponderabile darf man bei dem Massen­streik nicht vergessen: Die Schweden und Bel­gier, auf die man hingewiesen hat, konnten in den Kampf ziehen mit dem Gefühl: Jenseits der Grenze wohnt ein großer Bruder, der uns hilft. (Lebhafte Zustimmung.) 'Einen so gro­ßen Bruder haben wir nicht. Bei unfern, festen Willen, die Rechte des Volkes zu erobern, müs­sen wir doch klaren Verstand behalten und be­denken, daß man mit dem Kopf nicht durch jede Wand kommt. Aber auch an Bebels Wort müssen wir uns erinnern, daß der Massenstreik

Sie deutschen ssnduftriellen.

«ne Versammlung deSJentral-Dorstaudes.

In L e i p z i g fand gestern im großen Kon­greßsaal der Internationalen Bauausstellung die diesjährige Versammlung der Delegierten des Zentralverbandes Deutscher Industrieller statt. In den eingebrachten Beschlußanträgen heißt es, daß irgendwelche Abmachungen handelspolitischer oder sonstiger Art mit dem Bund der Landwirte nicht erörtert, noch weniger getroffen worden seien.

Der Zenttalverband habe bereits mehr­fach ausgesprochen, daß er einer weiteren Er­höhung der Zölle auf Lebensmittel und einem lückenlosen Zolltarif nicht zustimmen könne; andererseits wiederhole er seine be­reits am sechsten Februar 1891 abgegebene Erklärung, daß die in ihm vereinigten Indu­strien keineVorteil« anstreben, die n u r auf Kosten der Landwirtschaft erreicht wer­den können. Er halte es in gleicher Weise für seine Pflicht, ans dem Gebiete der So­zialpolitik gemeinsame Arbeit zu lei­sten mit allen Kreisen, die für die Aufrechter­haltung der Autorität des Arbeitgebers und für einen wirklichen Schutz der Arbeitswilli­gen einzutreten gewillt seien.

In einem zweiten Beschlußantrag gibt der Zentralverband der Ueberzeugung Ausdruck, daß die überwiegende Mehrheit der deutschen

Ostpreußen < , . , 7171,70 Mark

Westpreußen . > « 4 427,56

Brandenburg , . . 23 837,04 .

Pommern..... 17 623,44 .

Posen i,i.» 7578,75 .

Schlesien ..... 9918,00 .

Sachsen mit Werni gerade.

Stolberg und Roßla 18887,27 ,