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Casseler Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 239

Dienstag, 16. September 1913

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

in

ben

Rund um Berlin.

Am Vorabend des Friedens.

15.

langen bereits geschwunden ist. Die Verständi-

diese Aufwendungen für deutsche Sprache und deutsche Kultur kommen auch der deutschen Volkswirtschaft zugute. Keine Zeit ist so erfüllt von Problemen wie die unsrige. Wir sehen unseren Weg in diesem Kampfe der Ge­genwart nicht nur vom nackten Interessenstand, punkt aus an. Wir glauben, daß die Industrie ihre Stelluna in der Gegenwart am besten be­haupten wird, in lebendiger Wechselwirkung mit allen geistigen und wirtschaftlichen Strö­mungen der Gegenwart und unter Ausrecht- erhaltungrches Grundsatzes des Ausgleichs der in unserem deutschen Vaterland und in unserer deutschen Volkswirtschaft vorhandenen großen Kräfte des Volks- und Wirtschaftslebens. Die geradezu glänzende Entwicklung des Bundes der Industriellen in den letzten Jahren ist uns dabei der Beweis, daß diese Arbeit von immer weiteren Kreisen der Industrie gewürdigt wird.

Fahrpersonal arbeiten zu kaffen und sie (wie das bisher beiL I der Fall gewesen) bei den gleichen Dienstbeanspruchungen in verschiedener Güte zu verpflegen und zu löhnen. Es muß unbedingt zu Unträglichkeiten und Unfrieden zwischen dem Personal führen. Letzten Endes kann der Luftfahrdienst selbst darunter leiden. Das deutsche Volk will jedenfalls, daß seine Söhne, die sich zur Marine-Lustfabrt freiwillig gern dazu gemeldet oder dazu kommandiert wurden, gut verpflegt und entsprechend gelöhnt werden. Es will aber nicht, daß das Reichs­marineamt hieran Pfennige spart, die dem National-Vermögen in der Folge mittelbar Millionen Mark durch weitere Verluste von Zeppelin-Schiffen kosten. Schon jetzt wird über Mangel an Unteroffizier-Material für die Marine-Luftfahrt geklagt. In oben angegebe­nen Umständen allein dürfte die Ursache für dieses Fehlen an Kräften zu suchen sein.

3nfertton8pretfe: Die sechSgespalten» Zeile für einheimische »,schüft« 15 Pfg., für aus. würNge Inserate 25 Pf, RettamezeUe für einheimische Seschüfte 40 Pf, für auswärtig« Tischäste «!> Pf. Sinsache Beilagen für di» Sesamtanslage werden mit 2 Marl vro Lausen» be­rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Slesidenz un» »er Umgebung sind di« Lafseler Neuesten Nachrichten ein oorzüglicheS JnsertionSorgan. TeschüftSslelle: »ölnlschi Straß« 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichürahe 16, Tele-chon: Amt Moritzpiatz 12584.

gung dürfte durch Vermittlung der Großmächte zustande kommen und so formuliert sein, datz beide Teile dadurch befriedigt werden.

308 Neueste vom Balkan.

Bulgare« und Türken als Verbündete?

Wie der Vertreter des Wolfsbüros von maß­gebender türkischer Stelle erfährt, wird, trotzdem die türkisch-bulgarischen Verhandlun­gen ins Stocken geraten sind, damit gerechnet, daß der Abschluß der Verhandlun­gen bereits am Montag erfolgen kann. Nach Aeußerungen aus dieser Quelle wird es zwar jetzt noch nicht zu einem direkten Bündnis mit Bulgarien kommen, jedoch werden derartig gute Beziehungen hergestellt, daß diese nötigenfalls bis zum Frühjahr zu einem Bündnis führen können. Ob ein derarti­ges Definitivum eintritt, hängt von dem Ver­halten der Griechen in der Jnselfrage ab. Schon jetzt sieht sich die Regierung mehrfach ge­zwungen, gegen die großgriechische Propaganda auf dent kleinasiatischen Festland einzuschrciten. Man befürchtet, falls die Griechen in dieser Propaganda fortfahren, die U n m ö g l i ch k e i t gegenseitiger guter Beziehungen.

Das Natsel von Springe»

Deutsche Fliegerfiege.

Friedrichs Flug Berlin, Paris, London in» Dunkel der Nacht; Festnahme in England.

der ihm gleichzeitig als Ballast diente und star­tete nachmittags vier Uhr aufs Neue. Eine tansendköpfige Menschenmenge wohnte dem Start bei. War es doch das erstemal, datz ein deutscher Flieger sich anschicktc, die Luftbrücke zwischen Calais und Dover zu schlagen. Fried­rich schraubte sich rasch in große Höhe und nahm Kurs auf die englische Küste. Die Luftströ­mung war unruhig, doch böcnfrci und so stellten sich dem Flieger keine großen Schwierigkeiten entgegen. Dover wurde in großer Höhr über­flogen und die Dunkelheit brach herein. Fried­rich seifte aber den Flug fort und führte nun zugleich den ersten größeren N a ch t f l u g aus. Nachts ein Uhr bemerkte der Flieger unter sich den englischen Flugplatz Hendon, während vor ihm in der Tiefe die Lichter der Millionen­stadt, des Herzens von England, flimmerten. Nun entschloß er sich zur Lu d u n g, die zehn Minuten später glatt vonstatten ging. Nur wenige Personen waren Zeuge dieser ersten deutschen Fliegerlandung in England. Friedrich wurde von den englischen Behörden, nachdeni er seine Maschine untergebracht hatte, s e st g e - n o m m e n, da verschiedene Formalitäten zu erfüllen sind.

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Der bekannte Historiker Dr. Helmolt behan­delte in einem Artikel int März die Unterredung des Deutschen Kaisers mit dem österrei­chischen Thronfolger Franz Ferdinand gelegentlich der Jagd in Springe im No­vember vorigen Jahres, die bekanntlich zu einer Wandlung der Politik Oesterreichs auf dem Balkan geführt hat, weil Kaiser Wilhelm es a b l e h n t e, eine aggressive Politik Oester­reichs zu unterstützen. Helmolt stellt folgende Tatsachen fest: Am zweinndzwanzigsten No- vember 1912 reiste Kaiser Wilhelm mit dem österreichischen Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand von Berlin nach Springe zur Hof- jagd ab. Während der Reichskanzler an dieser .Aussprache" teilnahm, empfing der Chef des Großen Generalstabes, General von Moltke, in Berlin den Besuch seines österreichischen Kollegen, des Feldmarschalleutnants Blasius S ch e m u a. Längst ist es kein Geheimnis mehr, daß die Herren aus Wien im hannöver­schen Saupark und in der Reichshauptstadt nicht Das gefunden haben, was sie erhofft hatten; daß sie mit der Marschroute heimfahren mußten: Das Schwert bleibt in der Scheide. Daraus leiten nun seit geraumer Zeit österreich-ungarische Politiker, wie jetzt wieder Friedjungs Ausführungen lehren, den Schluß ab: Wir Schwarzgelben hätten viel tatkräftiger gehandelt, hätten wohl auch m.ft den Waffen losgeschlagen, aber wir durften ia nicht: Uns waren

die Hände gebunden.

Gott sei Dank, sagen wir, daß dies so war! Ohne Zweifel haben Kaiser, Reichskanz­ler und General st abschef abgewicgelt. Aber nicht aus blasser Furcht vor der viel zu hoch gewerteten Probemobilmachung Ruß­lands, sondern lediglich deswegen, weil br teure Bundesgenosse selber vom Beginn der Balkankrise an höchst unsicher und wi­derspruchsvoll gehandelt und den Karren gründlichst verfahren hatte. Nur dar­um riet Deutschland zur Ruhe, weil es in besse­rer Einsicht erkannte: Jetzt, Ende November, ist eine Reparatur der früheren, durch den küh­nen Einmarfch der Serben und Montenegriner in den Sandschak Novibazar vereitelten eugeni­schen Donaupläne schlechterdings nur durch einen europäischen Krieg erreichbar. An­gesichts dieker drohenden Gesamtlage war es einfach die Pflicht des Kaisers wie deS Kanzlers, die um bewaffnete Unterstützung nach, suchenden Freunde aus Wien abschlägig zu be- scheiden. Deutschland hat wahrhaftig besseres zu tun, als balkanische Fehler Oesterreich-Un­garns (unb es gibt ihrer eine schwere Menge) mit bcm Blute seiner Söhne auszuwischen.

FndilftrielleProbleme.

Dio deutsche Industrie-Entwicklung und ihre Bedeutung für denStaats-Organismus, von Syndikus Dr. Stresemann.

Wir sehen ein wachsendes Deutschland trotz der relativen Abnahme der Geburten, her­vorgerufen durch die wirksame Bekämpfung von Krankheiten und Tod und Rückgang der Auswanderung. Wir sehen ein an Wohlstand wachsendes Deutschland. Dieser Wohlstand wächst nickt nur in den vermögenden Schichten, wie die Ergebnisse des Wehrbeitrages erwei­sen werden, sondern er zeigt sich auch in einer bedeutenden Steigerung der Löhne der Arbei­terschaft und in den Svarkaffen-Einlagen. Die Belebung der Weltmarktbeziehungen der deut­schen Induttrie und des deutschen Handels gehen vor sich in einer Aera des Schutzzolls, und wir stehen vor der Tatsache, daß dem in­ternationalen Güterverkehr und dem inter­nationalen persönlichen und geistigen Näher­kommen der Menschen auf der einen Seite eine scharfe und ständig starker werdende Betonung des Nationalgefühls der Völker aus do? anderen Seite gegenübersteht. Heftig um- kämpft ist in diesen Tagen das Problem der Wirtschaftspolitik. Sind Anzeichen vorhanden, daß der Aera der Schutzzollpolitik eine des Abbaues dieser Schutzzölle folgt? Dagegen sprechen die Zolltarife und Zoll­maßnahmen in ben letzten Handelsverträgen mit Portugal, Japan. Schweden und wie sie in den Erhöhungen französischer Zölle zum Ausdruck kommen. Von einem internationalen Willen des Abbaues der Zölle wird man nicht sprechen und daraus keine Folgerungen ab- leften können. In Bezug auf die Neuregelung der deutschen Handelspolitik glaube ich nicht an einen neuen deutschen Zolltarif, nehme vielmehr auf Grund guter Informa­tionen an, daß die verbündeten Regierungen an irgendwelche umstürzenden Bestrebungen in Bezug auf die Zollgesetzgebung nicht denken.

Der französtsche Flieger S e g u i n ist am Sonnabend von Paris nach Berlin geflogen, ohne eine Zwischenlandung vorzunehmen. Von der Spree aus will Seguin zur Newa fliegen. Noch vor wenigen Wochen hätte die Meldung dieses Glanzfluges in Deutschland grenzenlose Bewunderung der Frauken hervorgerufen und Trauer, daß uns keine solchen Flieger erstehen. Heute ist das anders. Wir registrieren diesen Flug nur, denn deutsche Flugzeugführer haben den letzten Tagen Flüge ausgeführt, die ne- t den französischen Leistungen getrost bestehen können: So ein Flug Friedrichs als erster Deutscher über den Kanal und nach London. Nachstehende Einzelheiten werden über den hochinteressanten F'ug bekannt:

Mangel an Kräften?

Die offiziöse Erklärung, die das Wolff'sche Telegraphenbüro zu dem Unfall desL I" ver­breitet, ist auf beiden Seiten lahm. Durch solche Dementi wird eine weitere rege Diskus­sion in der Presse nicht unterbunden werden. Was wir von dem Unglück lernen können? Die Militär-Zeppelin-Luftfahrt braucht außer bewährten Führern, wie es Kapitänleutnant Hanne war, einen in jahrelanger Praxis er­fahrenen Luftkapitän (namentlich für Manöver) wie Dr. Eckener als Oberleiter und Berater. Im übrigen ist die Zeit für ma- növerliche Bravo ur-Seefahrten der Zeppeline noch nicht gekommen. Im Ernstfälle steht unsere Luftwehr zu Wasser und zu Lande sicher ihren Mann. Für des Friedens Kriegsspiel ist uns jeder Mann, jedes Schiff zu wertvoll, um verloren zu gehen. Es würde daraus nur eine Schwächung unserer Wehrkraft tatt der beabsichtigten Stärkung derselben resul­tieren. Weiter wollen wir uns merken, daß wir die Mannschaften, die den Zeppelin sicher durch die Luft und über daS Meer steuern sollen, vor allem gut verpflegen und kasernieren müssen. Sonst sind sie ben Anforderungen des schweren Dienstes eben nicht gewachsen. (£te Woh- nungs- und hygienischen Verhältnisse in den etzt beliebten Baracken in Johannis- hal sind durchaus unhaltbar. Da muß so - ort Wandel geschaffen werden! Es ist auch ein Unding, nebeneinander Hallen- und

~ Sofia, 15. Septem b-x. (Privat- Telegramm.) Die amtlichen Kreise zeigen sich jetzt viel o ptimistift cker als bisher. Sie glauben, daß die Ver.ständigung mit der Türkei für die nächsten Tage bevorstehe und daß die Gefahr deS Abbruches der Verhand-

Wie ich den Berliner Preis gewann, vor» Anton Bayerlein-München.

$er Sieger im Flieger-WettbewerbRunv um Berlin", der Bayer Anton Bayerlein- München schreibt unS über den errungenen Sieg: Auf der freundlichen Terrasse des Restau­rantsBürgergarten" in Johannisthal war es, wo ick gerade nach den Anstrengungen der bei­den Fluglage mich bei einem Seidel Münchener und einem Wohl proportionierten irdischen, ge­bratenen Täubchen stärkte. Ein He_x sandte mit seine Karte. Ich drehte sie hin und ber. Ich hasse die sogenanntenInterviews*. Ick liebe auch die Schriftsteller nicht sonderlich. Ist ein Mann nun mal Flieger, daun muß er in bic- em Beruf sich, wie in jedem anderen, Mühe geben, etwas zu leisten Wozu also über diese Selbstverständlichkeit viel Worte unb Wesens machen! Doch dieser Gedankengang fiihrte mich zu der weiteren Ueberlegung, daß der anmel­dende Redafteur wohl ebenfalls in Erfüllung einer Pflichten mich aussuche. So ließ ich denn den Herrn bitten. Der war unerschöpflich in Fragen, vergaß aber auch feinen Schoppen nicht. Weniger tzrüere. wett mehr fei»

Bei einer Kritik des Zolltarifs werden wir betonen müssen, daß die Industrie vor allem ein Interesse bat an der Stabilität der Verhältnisse, und daß alle Schichten der Industrie ohne Unterschied ein Interesse haben an ber Erhaltung der Kaufkraft der Landwittschaft. Wenn der Bund der Indu­striellen für eine Politik maßvollen Zollschutzes unter Berücksichtigung dadurch erworbener Rechte zu haben sein wird, so uluß er sich an­derseits gegen jede Erhöhung der Agrar- zölle und gegen jeden Versuch der Errich­tung eines lückenlosen Zolltarifs mit umso grö­ßerer Entschiedenheit wenden, als hierdurch Kämpfe auf dem Arbeitsmarkt hervorgerusen wertzen würden, deren Erbitterung sich wirt­schaftlich und poliftich fühlbar macken würde. Für oie hierdurch gekennzeichnete Wirtschafts­politik auf der Basis des gemäßigten Zollschut­zes wird eine Mehrheit im Deutschen Reichs­tag vorhanden sein, denn neben der Rechten und dem Zentrum dürste auch die national- liberale Partei geschlossen dafür ein freien. Die Behauptung der dem Zentralverband nahe­stehenden Presse von einer bevorstehenden Wirtschaftspolitik des Großblocks im Sinne d2s Freihandel ist daher unsinnig. Daß die Sozialpolitik bei schwachen Naturen das Selbst- vercmtwortlichkeitsgefühl schwächt, ist zuzu­geben. Sure gewisse Ockwächung des eigenen Willens, eine Anklammerung an den Staat und die Staatshilfe geht leider durch das ganze Volk. Insgesamt aber ist unsere deutsche So­zialpolitik ein großer Segen nicht nur fä­dle Arbeiter, sondern auch für die Industrie ge­wesen. Angesichts der sozialen Bestrebungen in England und Amerika ist zu hoffen, daß das internattonale sozialpolitische Gleichgewicht der Kräfte in absehbarer Zeit hergestellt wird Das Verhältnis des Arbeiters zum Arbeit­geber in Lohn- und Machtkämpfen ist in erster Sinie den beiderseitigen Organisationen zu überlassen, ber Staat stört hier nur durch sein Eingreifen.

Wir leben im Zeitalter der Massen- wirkung. weshalb auch die Industrie ver- juchen muß. Massen um sich zu versammeln Die Idee. Sammlung der Massen, die gemein­same Interessen haben, lag dem Hansabund zugrunde, ein Bund zwischen der'Industrie und dem Bunde der Landwirte widerspricht dagegen der natürlichen Eigenart. Die deutsche Industrie wird jederzeit für die Aufgaben der deutschen Weltwirtschaft eintreten. Wir begrüßen die Verstärkung des Fonds für deutsche Schulen im Auslände, wir erhoffen eine großartige Unterstützung der deutsch­freundlichen Presse im DuÄande und die Un- lersttitzuna aller Maßnahmen zur Unterstützung Unseres ausländischen Nachrichtend-ienstes. Alle

Zar tzevdelin Zrama.

Offiziöse Erklärungen zur Katastrophe.

Das offiziöse Wolff'sche Depeschenbüro, das schon gleich im Anschluß an den Unter­gang des Reichs-Marine-Lustschiffs bei Hel­goland eine Schilderung der Einzelheiten der Katastrophe veröffentlichte und dabei auch Sie Urfachen würdigte, die das Unglück herbei­geführt, bringt jetzt eine zweite Mitteilung über die Katastrophe, die die arntliche Feststel­lung der Ursache des Unglücks enthält. Es heißt in der offiziellen Veröffentlichung:

In der Ocffentlichkeit wird von sachver­ständiger Seite unter Benutzung nichtamtli­cher Zahlen entwickelt, daß die Katastrophe desL I in erster Linie durch die angenom­mene Ueberlastnng und erst in zweiter Linie durch die vertikale Luftbewegung verursacht wurde. 1200 bis 1500 Kilogramm Ballast werden dabei als reichlich bezeichnet, bei nicht gerade abnorm ungünstigen meteo­rologischen Verhältnissen. Run hatteL I 1860 Kilogramm Ballast an Bord, außerdem 2300 Kilogramm Benzin und 200 Kilogramm Oel, die bei dem Unfall ebenfalls als Ballast verwendet wurden, soweit es die technischen Einrichtungen zuließen. Der durch die Strahlenerwärmung des Gases verursachte Auftriebsverlust war geringer, als in den öffentlichen Berechnungen angenommen wurde. Die Uebertemperatur des Gases war nicht bedeutend, dagegen war die Höhe, bis zu ber das Luftschiff durch vertikale Böen gerissen wurde, nämlich 1500 Meter, und dem­entsprechend die gesamte Ueberlast, die durch Ballastabgabe oder dynamisch auszugleichen war, sehr viel größer, als öffentlich angenom­men wird. Sonach ist in der Belastungsver­teilung außerordentlich vorsichtig verfahren worden, aber die unvorhergesehene Gewalt des Wetters machte jede Vorsicht zuschanden. Der Unfall ist mithin auf vertikale Böen und nicht auf begangene Fehler der Belastungs-Ver­teilung bei der Abfahrt zurückzuführen.

Zum Schluß heißt es:Daß der Untergang desL I durch nicht vorauszusehende höhe­re Gewalt herbeigeführt worden ist, steht außer Zweifel. In der Beurteilung der ihm vorliegenden Wettermeldungen ist der Komman­dant durchaus sachgemäß verfahren, der allge­mein in dem Ruse eines außerordentlich tüchti­gen und vorsichtigen Führers stand." Wir er­halten zu diesen amtlichen Darlegungen folgen­de kritischen Randbemerkungen von sachver- ständiger Seite:

Deutschland in England«

(Von unserm Sport-Mitarbeiter.)'

Berlin, 15. September.

Aus dem Flugplatz Johannisthal herrscht« an den beiden letzten Tagen eine fieberhafte Aufregung. Alle Äugen waren auf den Flieger Friedrich gerichtet, der vor wenigen Tagen von Berliit nach Paris geflogen war, dort seine Taube vorführte unb den Franzosen bewies, daß Deutschland auf dem Gebiete des Flugwe­sens ein Konkurrent ist, mit dem zumindest ge­rechnet werden muß. In Frankreich hat man sich auch keiner falschen Meinung mehr hingege. ben. Und dann kam am Sonnabend die Kunde, Friedrich werde den Aermelkanal überfliegen und der englischen Hauptstadt einen Besuch ab- statten. Noch hegten Sachverständige Zweifel, ob Friedrich den Worten die Tat folgen las­sen werde. Doch einen deutschen Flieger, dem jetzt hohe Preise winken, schrecken keine Schwie­rigkeiten. Am Sonnabend mittag kurz nach elf Uhr startete Friedrich auf dem Pariser Flugplatz Jssy les Moulineaux und nahm als Fluggast den Konstrukteur feiner Taube, Ingenieur Etrich, mit Der Flug ging glatt bis Calais. Dort, angesichts des Aermelkanals nahm Friedrich noch eine Zwi­schenlandung vor» ergänzte seinen

Benzin- und Oelvorrat