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Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 237. Fernsprecher 951 Und 952, Sonnabend, 13. September 1913. Fernsprecher 951 und 952. 3. Jahrgang.

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Königs-Redm.

Das Echo der Berliner Rede des Griechen» Königs; Kaiser Wilhelm und sein Schwager.

Sin Privat-rrlegramm meldet nn« au« Athen: »le Berliner Aede N»nt« «VN. ft an t in« nn» Me Bersttmrnnn,, die sie in -pari« hervergemfen hat, »esthitftigt alle hie­sigen «reife auf da« kedhafteste. «an ist da­rin einig, datz man ihr in Frankreich einen Sinn unterlegt, der am aWerWenleften in de« «Snig« eigener Adstcht lag. «ine »stizidse Zeitung stellt fest, dast die Annahme einer Schwenkung in der griechischen Sicheren «Politik ganz unhaltbar fei. Die Rede de« Königs Konstantin fei rein privater Statur gewesen, und schon darum könnten feine Aen- tzerungen keinen offiziellen Charakter tragen. Der Deutsche Kaiser hat an seinen Schwager bei der Ankunst in Berlin, in dem Moment, als er ihm im Fürstenzimmer des Anhalter Bahnhofs den brillanten-gezierten Kommandostab des preußischen Feldmar- f ch a l l s überreichte, eine Ansprache gehalten, in der rühmend der Heldentaten des Griechen- heers im Balkankrieg gedacht und daran er­innert wurde, daß preußische Kriegs­kunst es gewesen sei. die die Enkel des Leo­nidas zum Sieg geführt. König Konstantin, der Beherrscher von Neu-Hellas, formte den Dank für die Anerkennung des Griechenmuts durch den Schwäher in eine rhetorisch-artige Verbeugung vor dem Geist preußischer Stra­tegie, sprach von dem Dank, den Hellas der deutschen Heeres-Schule schulde und schloß mit der Versicherung, daß man im Land der Grie­chen stets mit Stolz sich der Meister erinnern werde, die das Hellenen-Heer am Balkan zum Sieg geftihrt. Man darf sagen: So konnte ein siegreicher König sprechen, der zwölf Monde als oberster Kriegsherr im Felde stand, seine Heere ruhmbedeckt der Heimat entgegenführte und nun aus des Schwagers Hand die ehrende Anerkennung glanzvoller Waffentat entgegen­nahm. Durfte indessen der Griechen König, dessen Heere mit französischen Massen fochten, dessen Artillerie mit Creuzots Kanonen schoß und dessen Militär-Organisation eben durch Offiziere der französischen Republik von Grund aus umgewandelt wird, der Höflichkeit dank­baren Erinnerns an verwandtschaftlich-intime deutsche Hilfsberestschaft die kluge Rücksicht­nahme auf die wichtigere Wirklichkeit opfern? Durfte er, der die Reformatoren seiner Armee aus Frankreich erbat und erhielt, im Moment der Marschall-Ehrung durch den kaiserlichen Schwager schweigend über Dinge hinwcggehen, Me für Hellas nicht minder wichtig gewesen, als die deutschen Studien seiner Generalstab- Leute?

Das Echo der Berliner Griechenkönig-Rede brandet an der Seine in einem Sturm der Ent­rüstung, zistert im Griechen-Land durch die Schwüle einer Stimmung peinlichen Unbe­hagens, und man hat auch bei uns das Emp- sinden, daß es nützlicher gewesen wäre, die Marschallstab-Apotheose griechischer Heldentat ohne hallende Feierreden dem Buch der Ge­schichte anzuvertrauen. Wenn Könige reden, pflegt die Welt zu lauschen, und eines Königs Wort unterliegt vielhnndertfältiger Deutelung: In Paris hat man mit dem Ohr eifersüchtiger Empsindlichkeit aus der Dankbarkeit-Phrase eines durch glanzvolle Ehrung Erstellten den leisen Willen zur Schwenkung griechischer Sym­pathie, den Entschluß zur Abkehr Hellas von Frankreich herausgehört, und es hat eines Be­suchs des griechischen Gesandten in Paris beim Minister Pichon bedurft, um die durch das Spätsommer-Gespenst geweckten Besorgnisse zu schwichtigen. Herr Romanos, König Konstan­tins Pariser Geschäftsträger, präsentierte dem Leiter des auswärtigen Staats-Geschäfts der Republik ein Telegramm der Athener Regie­rung, in dem Herr Venizelos, der Minister­präsident im Land der Griechen, beteuert, daß Hellas in nie ersterbender Dankbarkeit sich der Dienste erinnere, die Frankreich ihm, uneigen­nützig und großmütig, geleistet, und daß schon aus diesem Grunde Griechenland bemüht sei, alles zu tun, um Mißverständnisse zwischen den beiden Ländern zu verhüten. Mißverständ­nisse also: Herr Venizelos desavouiert in aller Form seinen König und Herrn, und die offtziöse griechische Depeschen-Agentur, die Agence d'Athenes, veröffentlicht (zur Be­ruhigung für Paris) eine Interpretation der Berliner Kaiserschwager-Rede, die den klaren Sinn der Königsworte rücksichtslos ins Gegen­teil verkehrt und den Gedanken-Jnhalt der aus Höflichkeit und perwandschaftlicher Dankbarkeit gebornen Augenblicks-Sätze feige verwässert. Alles aus Furcht, des jüngsten Preußen-Mar­schalls Fürstenzimmer-Rede könne die Männer in Poris in Argwohn scheuchen.

Das Intermezzo ist peinlich; ist's umsomehr, als der Anlaß von deutscher Seite gegeben worden. SS kann uns schließlich kühl lassen.

ob Herr Pichon oder Herr Poincaree die Mar- schall-Rede des Griechenkönigs in holdem Er­röten oder mit gefurchter Sftrn vermerkt haben, und es braucht uns auch noch nicht zu erhitzen, wenn Herr Venizel«s sich in rühmlichem Eifer müht, die Bannerträger und Paladine der Re­publik zu versöhnen, indem er seinen König desavouiert: Was Unbehagen weckt, ist nur die Tatsache, daß der Hellenen König auf deutscher Erde gewissermaßen in den Zwang versetzt worden ist, aus dem Stegreif heraus eine Rede zu halten, für die die in Athen Regierenden die Verantwortung ablehnen. Es ist uns ge­sagt worden, die Uebergabe des Marschallstabs an den Kaiser-Schwager sei eine rein preußisch- militärische, keine politisch-offizielle Angelegen­heit gewesen, und die Zeremonie habe sich vor nur wenigen Auserwählten abgespielt. Wenn's wirklich so gewesen, war's klug und nützlich, und unflug und unnütz war nur das offiziöse Drahtgeräusch, das (mit Approbation des deut­schen Auswärtigen Amts) die Kaiser- und die Königsrede übers Erdrund trug. Man hätte in der Berliner Wilhelmstraße nur die Ge­schichte des Balkankriegs mit der sestlich-frohen Stimmung der Fürstenzimmer-Reden zu ver­gleichen brauchen, nm der Erkenntnis teilhaft zu werden, daß zwischen realer Wirklichkeit und idealisierter Stimmungswelt ein nicht wegzu­leugnender Gegensatz bestand, und daß infolge­dessen schon der T a k t gebot, diesmal vom tele­graphischen Sturmgebraus einerweltgeschicht­lichen Aktion" klüglich abzusehen. Unsre Zeit, die sich an Superlativen und oratorischen Blend-Effekten so gern berauscht, hat sich des nützlichen Grundsatzes, daß Reden Silber, Schweigen aber glitzernd Gold ist, saft ent­wöhnt, und wir brauchen uns also nicht zu wundern, wenn das Echo allzuvieler Worte zu­weilen das Ohr schmerzt ...! F. H.

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Die Stimmung in Berlin« (Privat-Telegramm.)

Berlin, 12. September-

An amtlicher Stelle wird über das Kö­nigsrede-Intermezzo und die daran sich an­schließende Diskussion ht der Presse Folgendes mitgeteilt: Die Erklärung des griechischen Ge­sandten in Paris zeigt deutlich das Bestreben Griechenlands, den tiefen Saplt, der sich so plötzlich zwischen Frankreich und Griechenland aufgetan bat, zu überbrücken, und hinter diesem Gesandten steht die griechische Regie­rung. die nicht ohne Sorgen gesehen bat. daß die Rede des Königs Konstantin zu einer be­denklichen Trübung der griechisch- französischen Beziehungen zu süh- ren droht. In Berliner amtlichen Kreisen weiß man nicht das geringste von irgend welchen positiven Abmachungen, die zwischen Deutschland und Griechenland gestof- fen worden sind. Daß Besprechungen zwischen den Diplomaten beider Länder im Gange sind, ist vielleicht nicht ganz von der Hand zu weisen, doch kann niemand wissen, welche Er g e b n i s s e sie zeitigen werden. Falsch wäre es. von einem festen Bündnisvertrag auf Gegenseitigkeit, von einerEntente reden zu wollen. Die Beziehungen, die zwischen beiden Ländern anyeknüpst werden könnten, sind le­diglich wirtschaftspolitischer Natur, und der deutsche Kaufmann möge aus der freundlichen Stimmung, die feit der Erledigung der Ka- wallafrage herrscht, Nutzen ziehen. Diese Be­ziehungen mögen allmählich fester geknüpft werden, eine A n l e i h e p o l i t i k aber, wie sie Griechenland vielleicht einleiten möchte, dürste sich bei der fetzigen Lage des Geldmarktes wohl kaum realisieren lassen.

Unstimmigkeiten im Dreibund?

Paris, 12. September. (Privat-Te­legram m.)Dex ehemalige Minister des Aus­wärtigen Hanotaux schreibt im Figaro: Im Innern des Dreibundes Haven sich gewisse Unnstimmigkeiten ergeben. Verschiedene Erscheinungen der letz­ten Zeit weifen darauf hin und zeigen eine neue Lage. Die Reise des Königs Konstantin von Griechenland nach Berlin mtb die vielbe­sprochene Rede ist eines dieser Zeichen. Um sich so flipp und flar auszudrücken, mutz der König Gründe haben. Ex rechnet eben auf Deutsch­land, und diese Tatsache ist für Frankreich hochbedeutsam.

Sie neueste Flieger-Katastrophe.

Todessturz des Fliegers Hans Lorenz.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 12. September.

Der Flugzeugführer Hans Loren» war heute morgen auf dem Flugfelde zu Bork mit einem Grade-Eindecker zu einem Fluge um die Dauer-Prämie der National-Flugspende aufgestiegen. Nach zwei Stunden einigen Mi­nuten schickte er sich zur Landung an rnb ging zu einem Gleitflug über, der etwas steil angesetzt war. Plötzlich klappten die Traht- flädiert des Eindeckers nach hinten und der

Apparat fiel mit rapider Geschwindigkeit in Spiralen zu Boden. Beim Aufschlagen au: den Boden fing das übergelaufene Benzin Feuer und der Apparat verbrannte zum Teil. Der Flieger war sofort tot. Hans Lorenz war am achtzehnten April 1889 in Schönau bei Chemnitz geboren und hatte fein Pilotenzeugnis im Mai dieses Jahres er­worben.

Set Kaiser und 3evve!iu.

Kaiser Wilhelm und die Luftschiffahrt.

Die Entwicklung der deutschen Luftschiffahrt bis zu den Höhepunkten, die wir heute bestau­nen, ist ein Werk der letzten fünsundzwanzig Jahre. Wenn auch natürlich die Anfänge weit, ja Jahrhunderte weit zurückreichen, so hat doch erst das letzte Vierteljahrhundert die Ent­wicklung der Luftfahrzeuge zu praktischer Brauchbarkeit gebracht. Es darf in diesen Ju­biläumstagen nicht vergessen werden, daß um die Entwicklung der Luftschiffahrt der Kaiser sich bedeutende Verdienste erworben hat. Als Kaiser Wilhelm den Thron bestieg, war die deutsche Lustschiffertruppe fast bedeutungslos und (vom heutigen Standpunkt gesehen) so pri­mitiv wie nur möglich. Auch die Privat-Luft- schiffahrt steckte noch völlig in den Anfängen. Das Interesse des Publikums war gering, und Geldmittel zur Arbeit auf dem Gebiete der Luftschiffahrt standen nicht zur Verfügung. Da war es gleich in den ersten Jahren der Kaiser, der sich für den Freiballonsport und für die wissenschaftliche Luftfahrt interessierte. Der Kai­ser zweifelte nicht einen Augenblick an der Wichtigkeit der zu erzielenden Resultate, und gab zu den ersten Versuchen bereitwillig aus seiner Privatschatulle bedeutende Mittel. Der Berliner Verein fiir Luftschiffahrt erhielch vom Kaiser 50 000 Mark für wissenschaftliche Fahr­ten, deren Resultate in dem grundlegenden Werk der Professoren Aßmann und Berson niedergelegt sind, dessen Drucklegung gleichfalls durch eine Spende des Kaisers ermöglicht wurde. Im Jahre 1894 appellierte Graf Zeppelin zum ersten Mal ans Kriegsmini­sterium. Der Kaiser, der für alles Neue be­reitwillig interessiert ist, berief persönlich eine wissenschaftliche Kommission zur Prüfung des Projektes. Die Gelehrten unter dem Vorsitz von Helmholtz lehnten indessen die Entwürfe Zeppelins ab, und der Kaiser vertraute auf ihr Urteil. So kam es, daß der Kaiser, der im anderen Falle sicher als Erster für den Grafen Zeppelin eingetreten wäre, diesem feine

foeiteee Unterstützung verfügen mußte. Später hat sich der Kaiser dann ebenso wie die Fachwelt gern bekehrt, und des Kai­sers fteudiges Eintreten für Zeppelin in den Jahren 1907 und 1908, vor allem der Empfang des Grafen in Berlin, hat sicherlich besonders viel dazu beigetragen, daß die Erfolge Zeppe­lins im Volke den großen Widerhall fanden, durch den er zu seiner beispiellosen Populari­tät gelangte. Persönlich hatte der Kaiser gewiß kein Vorurteil gegen Zeppelin, wie er überhaupt der Luftschiffahrt mit Motorluft­schiffen sehr sympathisch gegenübersteht. Be­kanntlich gab der Kaiser selbst die Anregung zur Begründung der Motorluftschiff-Studiengesell­schaft, damit diese nach seinem Wunsche das Luftschiffprojekt des Majors von P a r s e v a l ausführe. Die Einführung von Luftschiffen, ebenso wie später von Flugapparaten, im Heere fand bei dieser Stellung des Kaisers zur Luft­fahrt, dessen freudigste Zustimmung. Das deutsche Heer verfügte bald nach dem französi- schen über eigene Heeres-Luftschiffe, und nicht lange nach ihrer Einführung war der französi­sche Vorsprung weit überholt. Auch für die Flugtechnik hat der Kaiser mehr als ge­wöhnliches Interesse. Als der amerikanische Flieger Orville Wright zum ersten Male in Deutschland richtige Flüge zeigte, erschien der Kaiser persönlich, um das neue Verkehrs­mittel kennen zu lernen. Dieser Eindruck muß ein durchaus günstiger gewesen fein, denn bald danach erfolgte bereits die Begründung der Döberitzer Lehranstalt für Mili­tärflieger. Die Weiterentwicklung des deutschen Militärflugwesens, an der der Kaiser großen Anteil hat, ist bekannt. Die letzte bedeutende Förderung wandte der Kaiser der Flugtechnik zu, als er an seinem Geburtstage im vorigen Jahre den großen Preis von 50000 Mark für den besten in Deutschland gebauten Flugmotor aussetzte und damit der Flug-Industrie neuen Ansporn zu intensivster Leistungs-Steigerung gab. H. P.

Der Kaiser und das Nordsee-Drama.

Breslau, 12. September. (Telegramm unsers Korrespondenten.) Wie be. kannt wird, hat der Kaiser, als ihm der tele­graphische Bericht über den Untergang des Reichs-Marineluftschiffes Z I bei Helgoland im Manövßr übermittelt wurde, sich in Worten lebhafter Anteilnahme über die Opfer des Unglücks bei der Katastrophe ausgesprochen und dabei der Ueberzeugung

Ausdruck gegeben, daß Unfälle der Art im Kampf mit den Elementen nicht durch Men­schenkraft zu verhüten seien. Lebhafte Anteil­nahme bekundete der Kaiser auch für den grei­sen Grafen Zeppelin, dessen Lebens- werk-Erfolg nun zum erstenmal durch den Ver­lust kostbarer Menschenleben verdüstert werde. Zeppelin dürfe seiner (des Kaisers) und der Teilnahme der gesamten Nation gewiß sein.

Kali im Werratal.

Neue deutsche Kali-Schätze; das Werra­tal als Hauptsitz der Kali-Industrie, von

Fritz Steinheim-Cassel.

Die mitteldeutsch« Kali-Industrie scheint ei. neu neuen wichtigen Ausläufer zu erhalten: Das Werratal entwickelt sich allmählich zu einem Hauptsitz der Kali-Industrie, und der Aufschwung, den der Kali-Bergbau in jüngster Zeit dort genommen, berechtigt zu der Hoff­nung, daß in naher Zukunft die Kaliproduktion des Werratals zu einem wichtigen Faktor für den deutschen Kalibergbau werden wird. So jung die Kali-Industrie in jenem Bezirk ist, so tatkräftig hat sie sich entwickelt, und grade die jüngste Zeit hat eine besonders intensive Förderung dieser Entwicklung gebracht. In kurzen Zwischenräumen entstehen Überall neue Schächte, der Bahnverkehr wird zweckent­sprechend ausgebaut und die Verarbeitungs­stellen erfahren weitgehende Ausdehnung. Vo» einiger Zeit hat die Gewerkschaft Heiligen« rode bei Frauensee mit dem Abteufen dreier neuer Schächte begonnen, die inzwischen so weit fortgeschritten sind, daß die Tiefbohrungen in Angriff genommen werden konnten. Bei dem ersten Schacht ist die Tagesanlage sofort endgültig errichtet worden, bei den beiden übri- gen dürfte in kürzester Zeit die Anlage ebenfalls sertiggestellt sein. Die Hauptverwaltungsstelle der geförderten Salze, die sich in Dorndorf be­findet, soll mit dem Schachtbezirk Frauensee durch eine Drahtseilbahn verbunden werden, um den rationellen Transport der Salze zn ermöglichen. Die Bahn wird bereits in Kürze in Betrieb genommen werden können. Es un­terliegt keinem Zweifel, daß das Werratal als Kali-Abbaugebiet

eine aussichtsreiche Zukunft

hat, und daß die Kali-Industrie, der^ Auf» fchwung eigentlich in den letzten Jahren erst intensiver einsetzte, sich zurzeit noch in den er­sten Stadien der Entwicklung befindet. Die geförderten Salze sind außerordentlich ergiebig, der Abbau gestaltet sich günstig und Arbeits­kräfte sind gegen mäßigen Lohn in ausreichen­der Zahl zu haben. Speziell die Abbau - Verhältnisse begünstigen die Entwicklung der Kali-Industrie in erheblichem Maße: Dte Lage der Schächte ist fast ausnahmslos sehr vorteilhaft, die Terrain-Verhältnisse kommen der Förderung ungemein zugute und selbst die Tiefbohrungen bereiten nur geringe Schwierig­keiten. Hinzu kommt, daß die Transport-Ver­hältnisse allgemein den Bedürfnissen der In­dustrie angepaßt werden, daß die Anlage neuer Verkehrslinien tatkräftig gefördert wird und auf diese Weise der Industrie Erleichterungen geschaffen werden, die die technische Entwick­lung außerordentlich fördern. Aber auch wirt- schaftlich eröffnen sich der Kali-Industrie des Werratals die besten Aussichten, denn die Ur­teile bergtechnischer Sachverständiger gehen da. hin, daß das Werrabecken auf Jahrzehnt« hinaus für den Kalibergbau ein ergiebiges Ab« baugebiet bleiben wird und daß die dort la- geraden Salze denen des mitteldeutschen Bek- kens hinsichtlich der Qualität und Gehaltszif­fer durchaus gleichwert sind. Berücksichtigt man, daß der Abbau in den Werra-Schächten unter wesentlich günstigeren Bedingungen möglich ist, als im mitteldeutschen Kaligebiet, daß bei der

Gunst der gegebenen Derhättniffe die Betriebskosten den Durchschnitt nicht über­steigen, und die Schachtanlage selbst ohne ließet» Windung besonderer Terrain-Schwierigkeiten errichtet werden kann, so ergeben sich für die Entwicklung der Kali-Industrie im Werratal sowohl hinsichtlich der technischen Gestaltungs­möglichkeiten als auch bezüglich der wirtschaftli­chen Effekte der Unternehmungen die beste« Aussichten. Außer der Gewerkschaft Heiligen­rode, die (wie eingangs erwähnt! im Werrage. biet drei neue Schächte in Angriff genommen hat, plant auch ein Berliner Konsor­tium die baldige Aufnahme ausgedehnter Vorarbeiten zur Anlage von Kali-Schächten, und es besteht Aussicht, daß bereits im nächsten Frühjahr weitere Unternehmungen folgen wer. den. Die neuen Sckiachtanlagen sollen im Möl« lersgrund und im Bezirk von Springen errich­tet werden, also in nächster Nachbarschaft der jetzt der Vollendung entgegengebenben Anla­gen der Gewerkschaft Heiligenrode. ES soll hier n?cht untersucht werden, ob es für die Kali- Jndnstrie erfreulich oder störend ist, daß in neuerer Zeit die Neuanlagen sich förmlich hänfen: wichtig erscheint mir indessen die Feststellung, daß die Erschließung der Kali« schätze des Werratals das natürliche und natur»