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CMr Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 233. Fernsprecher 951 und 952. Dienstag, S. September 1913. Fernsprecher 951 und 952. 3. Jahrgang«

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Manöver-Probleme.

Die Kaisermanöver einst «nd jetzt; die Technik im Manöver; Auto und Flugzeug.

(Von unferm militärischen Mitarbeiter.)

Bad Salzbrunn, 8. September.

Seit sieben Jahren fanden in Schlesien keine Kaisermanöver mehr statt. Im Jahre 1906 wurden die Manövergäste des Kai­sers und die Pressevertreter täglich durch einen Sonderzug der Manöverleitung zumSchlacht- felb* befördert. Welcher Unterschied zwischen damals und heute! Jetzt besorgt diesen Ver­kehr nur noch das Auto, das durch die Her­anziehung der Mitglieder des Kaiserlichen Au- tomobilklubs zum Manöverdienst in reichlich­stem Maße verfügbar wurde. Der Kraftwagen hat jetzt aber auch in den ganzen Fuhrpark sei­nen siegreichen Einzug gehalten. Es dürfte von Jntereffe sein, daß schon der große Moltke anno 1868 die gewaltige Entwicklung der Kraft- fahrzeuge im Heeresdienst vorausgeahnt hat. Er wies auf die Wichtigkeit des mechanischen Zuges hin:Gelänge es beispielsweise, Stra­ßenlokomotiven herzustellen, die, wenn auch nur mit mäßiger Schnelligkeit, bedeutende Lasten wohlsriler bewegen, als dies durch Pferde be­wirkt werden kann, so wird dieses Mittel ge­wiß sehr bald zur allgemeinen Anwendung kommen. Hinter der Front könnte das neue Hilfsmittel von großer Bedeutung werden, na­mentlich für die Ernährung des Heeres, da, wo Eisenbahnen fehlen oder unterbrochen sind. Die Militärbehörde wird also schon ihren Nutzen aus den Straßenlokomotiven ziehen, wenn sie . . . erst da sind.

. Jene prophetischen Worte haben sich durch den militärischen Lastkraftwagen im weitesten Umfange erfüllt. Durch ihn ist der T r a i n erst instand gesetzt, seine neuen, gewaltig gesteiger­ten Aufgaben zu erfüllen. Die neuen Heeres- vorlagen haben eine Etaterhöhung der Train­bataillone durch Zuteilung einer vierten Kom­pagnie gebracht. Wie nötig diese Vermehrung war, möge der Umstand beweisen, daß 1813 auf je tausend Mann eines preußischen Armeekorps achtzehn Fahrzeuge, 1870 schon neununddreißig und heute sechsundfünfzig Fahr­zeuge kommen. Die gesamten Trains, die heute einem Armeekorps folgen, beanspruchen eine Marschlänge von dreiundzwanzig Kilome­tern, während die fechtenden Truppen im Mar­sche nur wenig mehr, nämlich vierundzwanzig Kilometer einnehmen. Zu einem Korps gehö­ren im Kriege sechs Proviantkolonnen, sieben Fuhrparkkolonnen, zwei Feldbäckereikolonnen, zwei Pferdedepots, drei Sanitätskompagnien und zwölf Feldlazarette. Hierzu kommen noch die unmittelbaren bei den Truppen verwende­ten Bagagen, die Brückentrai-s, Munitionsko­lonnen, die Etappentrains und die Trains der Spezialtruppen. Dieser ungeheure Apparat des modernen Heeres hinter der Front könnte ohne den kraftspendenden Benzinmotor kaum noch im Gange erhalten werden. Sich in der Beherrschung dieses Apparates zu üben, ist vielleicht das wichtigste Problem der Kaiserma­növer 1913.

Ein zweites Problem ist die kriegsmäßige Verwendung der Luftschiffe und Flug- m a sch inen, also der militärischen Verkehrs­mittel der Lust. Zwei Zeppeline und eine be­trächtliche Zahl von Offizierfliegern haben das Lufterkundungswerk übernommen. Damit Ka­tastrophen möglichst vermieden werden, ist (wie auch schon in den letzten Kaisermanövern) ein W e t t e r d i e n st eingerichtet, der von dem Lei­ter einer Wetterwarte, Dr. Polis-Aachen, ver­sehen wird. Natürlich ist es der Ehrgeiz der Luftfchiffer und Flieger, ihren großen Konkur­renten, die Kavallerie, im Aufklärungsdienst zu schlagen. Diesem Bestreben stellt sich ein Wider­stand insofern entgegen, als die jeweilsfeind­lichen" Truppen alles aufbieten werden, um demUnparteiischen" zu beweisen, daß der Zep­pelin oder der Flieger sich zu weit vorgewagt oder herabgelassen hat, daß er also durch die Beschießung außer Gefecht und überhaupt außer Betrieb gesetzt worden sei. Es werden sich da sehr interessante Manöverbilder Herausstellen. Zur Bekämpfung der Luftschiffer und Flieger greift man nämlich wahrscheinlich zu einer ganz alten Form des Infanterie-Angriffs, die be­reits abgetan und erledigt schien, zum Sal­ven feuer. Das Schützenfeuer, das bisher als allein noch möglicbe Art des Jnfanterie- ferngefechtes galt, dürfte gegenüber den Kampf­mitteln der Luft nicht wirksam genug werden.

Dagegen dürften die auf wenige Sekunden zusammcngcdrängteu Treffer einer ganzen Kompagnie im Gasbehälter eines Zeppelins solchen Gasverlust verursachen, oder die Mo­toren derart .verhageln", daß dem Luftschiff

jede Lust vergeht, seinen gefährlichen Erkun- dungsflug fortzusetzen. Von den Jnfanterie- salven erwartet man sich einen Erfolg bis zu 1000 Meter Höhe und etwa 1500 Meter Entfer­nung. Die gleichen Distanzen würden auch für Flugzeuge gelten, die mit Salven wohl herun­ter zu holen sind. Besondere Leistungen gegen die Luftfahrzeuge erwartet man von den Ma­schinen g e w ehr en, deren größte Schuß­weite 4000 Meter beträgt, und die eine größere Feuerbereitschaft besitzen. Nach dem Abprotzen kann nötigenfalls sofort von der Lafette gefeuert werden. Das Maschinengewehr gibt bis zu hundert Schuß ist der Minute ab, wo­durch von engem Raume aus eine größere Feuerkraft entwickelt wird, wie dies der In­fanterie niemals möglich ist. Bei Zielen, die nur kurze Zeit sichtbar sind, und wobei der Augenblick voll ausgenutzt werden soll, wie eben bei den Flugfahrzeugen ist dies von größ­ter Bedeutung. Ein letztes Problem ist die Uebung mit einem besonderen Ballonge- schütz, doch darf darüber aus Gründen des militärischen Geheimnisses nichts veröffentlicht werden, Dr. F. A.

Bülow bei Dennewitz.

Die Jahrhundertfeier von Dennewitz.

Am Sonnabend fand bei Dennewitz die Feier zur Jahrhundert-Erinnerung an die Schlackt bei Dennewitz statt. Trotz des trüben Wetters hatte sich eine große Menschen­menge an dem reich geschmückten Orte eingc- fundkn. Als Vertreter des Kaisers sah man den General der Infanterie von Löwenfeld, als Vertreter des Helden von Dennewitz unter anderen den F'ürsten und die Fürstin Bülow. Außerdem war eine Abordnung des Infanterie-Regiments Graf Bülow von Denne­witz anwesend. Fürst Bülow hielt eine halb­stündige Ansprache, die mit einem begeistert ausgenommenen Hoch auf den Kaiser schloß.

Fürst Bülows Dennewitz-Rede.

Bei Dennewitz siegte Preußen. Die Schlacht von Dennewitz war eine reine Preußenschlacht. Die Männer, die hier kämpften und bluteten, waren Söhne jenes Ostens, von dem ich in meiner ersten Rede im Abgeordnetenhause sagte, daß er unserem Staatswesen, dem Beamtentum und der Armee seinen starken und großen Stempel aufgedrückt hat. Die Abschüttelung der Fremdherrschaft war überwiegend das Werk von Preußen. Wir erinnern uns daran nicht aus Rubmredigkeit oder Ueberbebung, son­dern weil es die h i st o r i s ch e Wahrheit ist. Dieses damals kleine und arme, von Napoleon zerscklagene und ausgesoaene Preußen, das kaum fünf Millionen Ein­wohner zählte, stellte 300000 Monn ins Feld. Es stellte vor allem den Geist, den Geist von S ch a r n h o r st und Stein, von Blücher und P o r k. von Heinrich von Kleist und Theodor Körner, von Ernst Moritz Arndt und Friedrich Ludwia Jahn, von Schleiermacher und Fichte, den Geist der Männer, deren Bil­der unsere Dennewitzer Gedenkhalle schmük- ken. Dieser Geist

wies Deutschland die Wege.

Nur solange es den Hauch diese? Geistes verspürt, ist Deutschland auf dem rechten Wege. Am Tage nack der Schlacht von Dennewitz schrieb der Sieger an seine Frau: Es kommt nur darauf an. daß wir unsere Siege nutzen, und wir weiden bald Herr von Deutschland sein." Diese Hoffnuna ging damals nickt in Erfüllung. Ein halbes Jahrhundert mußte vorübergeben, bis der Mann des Schicksals kam, der gewaltige Staatsmann, der, getragen von dem Vertrauen seines königlichen Herrn, mit ihm die Kraft des preußischen Staates in das richtige Bett, in das Strombett des deutschen Einheitsgedankens leitete, und mit genialem Blick die rechte Stunde traf, das von König Wilhelm mit Weisheit und Tatkraft, mit tiefer Einsicht und in langer Treue neu ge­schärfte preußische Schwert in die Schale zu werfen, die Reiche wägt. Da kam der Tag der Erfüllung für alle Hoffnung «nd Wünsche, der volle Lohn für die Opfer und Mühen des Jahres 1813.

Fürst Bülow schloß: Angesichts dieser Ge­denkhalle. die der Erinnerung an einen der schönsten Siege des preußischen Heeres geweiht ist, angesichts dieser märkischen Felder, wo heute vor einem Jahrhundert der Sieg von Dennewitz erfochten wurde, angesichts des Schlachtfeldes, wo f» viele brave Männer für König und Vaterland in den Tod gingen, er­neuern wir an dem Tage, wo wir das Denkmal des Siegers von Dennewitz einweihen, das Gelübde, treu zu stehen zu unserem alten ruhmvollen Preußen, zu unserem großen und

geliebten deutschen Vaterland, zu dem glor­reichen Hause der Hohenzollern«

Manuels Flitterwochen.

Steht Portugal vor der Revolution?

Nach Meldungen, die aus Spanien kommen, hat man dort Anzeichen dafür, daß die portu­giesischen Royalisten, die sich im Grenzge­biet aufhalten, in der letzten Zeit eine sehr ei­frige Tätigkeit entfalten, Waffen- und Muni­tionsdepots angelegt und auch sonstige Maß­nahmen getrosten haben, die darauf hindeute­ten, daß sie etwas im Schilde führen. Nun ist es richtig, daß die Monarchisten keineswegs die Hoffnung aufgegeben haben, das republika­nische Regime zu stürzen und die Herrschaft der letzten Dynastie wieder herzustellen, und man weiß, daß ihnen auch umfangreiche Geld­mittel zur Verfügung stehen, die eine fürst­liche Dame und reiche portugiesische Aristokra­ten für den Zweck geopfert haben. Augen­scheinlich hat auch die jetzt erfolgte Vermählung des Exkönigs Manuel mit einer Prinzessin von Hohenzollern-Sigmaringen den Royalisten er­neute Anregung gegeben, ihr Glück zu versu­chen. Die neuesten Depeschen melden darüber:

Vor großen Ereignissen? (Privat-Telegram m.)

Madrid, 8. September.

Die gut unterrichtete Correspondencia Espana meldet, daß große Ereignisse in Portugal bevorstehen. Das Blatt teilt allerdings keine näheren Einzelheiten über die Pläne der Royalisten mit, doch steht es fest, daß die Parteigänger des Exkönigs bereits in allernächster Zeit einen entscheidenden Schlag gegen die Republik planen.

Welchen Ausgang ein derartiger Putsch ha­ben wird, läßt sich natürlich nicht mit Bestimmt­heit Voraussagen, andererseits aber läßt sich nicht leugnen, daß eine Gegenrevolution nicht wenige Anhänger auf sich vereinigen würde, da die augenblicklichen Machthaber in Portugal es in keiner Weise verstanden haben, geordnete Zustande im Lande herbeizuführen und eine neue Aera glücklicher Entwicklung einzuleiten. Obwohl Republik besteht in Por­tugal gewissermaßen eine Gewaltherrschaft und die Zensur wird mit einer Sckärfe gehandhabt, wie sie höchstens in Rußland ihresgleichen fin­det. Man erhält daher kein ungeschminktes Bild der Lage, wie auch die Gerüchte über mehrfach stattgehabte Erhebungen stets recht unklar gehalten waren. Die Hoffnung, daß mit dem Einzüge des republikanischen Regimes her Lotterwirtschaft ein Ende gemacht würde, bat sich keineswegs ersttllt, eher sind die Zu­stände noch scklimmere geworden und im gan­zen Lande herrscht Unzufriedenheit.

Die Ereignisse in Mexiko.

Newyork, 8. September. (Privattele- gramm.) Depeschen aus Mexiko melden, daß di« E r r e g u n g der Merikaner gegen die Amerikaner ständig im Wachsen begriffen ist. Man befiirchtet Aussckreitungen. Aus El Paso wird gemeldet, daß der Offizier Acosta der mexikanischen Bundestruppen bei Duarez mit mehreren amerikanischen Zollwäck- tern, die ihn am Uebersckreiten einer Brücke hindern wvllten, in einen Wortwechsel geriet. Dabei gaben die Beteiligten Scküffe ab, und der mexikanische Offizier wurde getötet. Darauf versuchten die Mexikaner, die über den Tod Acostas sehr erregt waren, die Amerikaner zurückzudrängen. Amerikanische Kavallerie ersckien und die Mexikaner mußten sich zurück­ziehen.

Katastrophe auf der Rennbahn.

Scheuermann und Schrittmacher Lawson tot!

(Privat-Telegram m.)

Köln, 7. September.

Bei den gestern auf der hiesigen Radrenn­bahn stattgehabten R e n n e n um den deutscken Steherpreis ereignete sich ein schweres Unglück. Ter bekannte Rennfahrer Scheuermann fiel mit seinem Schrittmacher Meinhold übet den Schrittmacher Lawson hinweg. Alle drei Fahrer erlitten schwere Verletzungen, Lawson einen Schädelbruch und doppelte Arm- und Beinbrüche, so daß an seinem Aufkommen ge­zweifelt wird. Meinhold und Scheuermann haben schwere innere Verletzungen erlitten. Das Rennen wurde sofott abgebrochen. Im Laufe der Nacht sind Scheuermann und der Schrittmacher Lawson den erlittenen schweren Verletzungen erlegen. Meinhold dürfte ebenfalls den heutigen Tag kaum überleben, da durch den Sturz die Lunge verletzt worden ist. Der verstorbene Lawson war der Schrittmacher des bekannten Rennfahrers Guignard. Wie

das Unglück entstanden ist, konnte mit Sicherheit noch nicht festgestellt "Derben. Es heißt, Lawsons Motor hätte in voller Fahrt Plötzlich v er sagt und der Fahrer sei dabei zu Fall gekommen.

IarIrauutt«mMjiWimsen.

Die Beisetzung der Opfer des Mörders; die Bekenntnisse des Lehrers Wagner; das Maffenverbrechen ein Akt der Rache!

Unter großer Beteiligung wurden gestern fn Mühlhausen a. Enz die O p f e r des Lehrers Wagner zu Grabe getragen. DerOrtsgeist» liche betonte in feiner Grabrede besonder», datz der fortschreitende Unglaube int Bolte für biefe ruchlofe Tat verantwortlich genutzt werden müsse. Er verlas ein Telegramm des Königs, durch das er beauftragt wurde, allen Beteiligten die herzlichste und aufrichtigste Teilnahme 41t betanken.

Wir haben bereits am Sonnabend den In­halt der Briefe wiedergegeben, die der "Mas­senmörder Wagner vor Ausführung der furchtbaren Bluttat an die Redaktion eines Stuttgarter Blattes gerichtet hat, und die für seine Welt- und Lebensanschauung überaus charakteristisch sind. Bei der Durchsuchung der Kleider des Mörders wurde in seinem Rucksack ein Schreiben gefunden, das ein sechs JahrealtesDatum trägt. Das Schreiben enthält eine ausführliche Darstellung der jetzt von ihm verübten Verbrechen, wie sie seit sechs Jahren geplant waren. Wagner verweigert auch heute jede Aussage über den Grund zu sei­ner Tat. Er sagte wiederholt:Schlagtmir den K o p f a b, das ist das Gescheiteste, dann ist alles aus." Zu der Gerichtskommission äußerte er, man solle ihn zuerst in ein Kran­kenhaus schaffen, denn er habe es trotz seiner Taten nicht nötig, sich in dem Armenhause, in dem er untergebracht war, durch die starke Zug­luft eine Krankheit zu holen. Auch sei er schon einmal ohrenleidend gewesen, und diese Krank­heit könnte wiederkommen. In das Armenhaus versuchte am Freitag der Sohu eines erschosse­nen Mannes einzudringen, um den verwunde­ten Mörder umzubringen. Er schlug die Scheiben ein und war nur mit Mühe davon abzuhalten, in das Innere des Hauses einzu­dringen. Die Verletzungen des Mörders an der linken Hand stellten sich als so schwer heraus, daß ihm, wie berichtet, die Hand im Armen­haus abgenommen werden mußte. Die Ope­ration mußte wegen Verletzung an der Nase ohne Narkose vorgenommen werden, worauf der Mörder wiederholte, es wäre ihm lieber ge­wesen, man hätte ihn gleich ganz umgebracht.

3m Krankenhause

verlangte Wagner Essen, und zwar Braten mit Schwarzbrot. Bei der Vernehmung wies er fortgesetzt daraus hin, daß er alles, was mit der Tat in Zusammenhang st-he, schriftlich niedergelegt habe, und daß er etwaige Lücken selbst schriftlich ausfüllen werde. In dem Dorf ist kaum eine Familie, die nicht durch die Tat des Wahnsinnigen in Trauer versetzt worden wäre. Der Mörder erklärte, er habe nur das eine nicht vorausgesehen, sein Ende, und da sei man ihm zuvorgekommen. Er habe keine Kugel mehr im Laufe gehabt. Als Grund für die Schreckenstat werden zwei Ver­mutungen laut, die eine, daß er zu seiner Heirat gezwungen worden fei. Er wurde vom Konsistorium seinerzeit ein halbes Jahr außer Dienst gesetzt und erst wieder als Lehrer angestellt, als er geheiratet hatte. Der zweite Grund ist darin zu suchen, daß die Wirtschaft seiner Schwiegereltern zu billig an seinen Schwager verkauft worden sei, wodurch er u m sein Vermögen betrogen worden sei. Da die Bevölkerung des Torfes in dieser Auf­fassung dem Mörder nicht reckt gab, soll er auf das ganze Dorf einen tödlichen Haß ge­habt haben, lieber die Persönlichkeit des Mörders wird noch bekannt: Wagner war verschwenderisch veranlagt und hatte deshalb mit seiner Frau häusig Streit. Wegen einer Erbschaft, die den Kindern allein zuge­kommen war, waren gleichfalls Dfiferenzen mit seiner Frau ausgebrochen. Die meiste Zett an den Abenden verbrachte er

in Gesellschaft liederlicher Frauen.

Für diesen Lebenswandel brauchte er daS Geld, das er seiner Familie entzog. Er saß auch viel in der Landesbibliothek in Stuttgart und verbrachte dort ganze Nachmittage, über alte Folianten gebeugt, mit Lesen. Seine Lek­türe bestand in der Hauptsache aus mittelalter- lichen Erstdrucken und schwülstigen, Phan­tastischen Romanen. In der Schule zeigte er eine gewisse krankhafte Freude, die Kinder zu prügeln. Einmal wurde er auch wegen Ueberschreitung des Züchtigungs­rechts angeklagt. Wagner sprach häusig dem Alkohol zu, und kürzlich trank er in einer Wirtschaft zwanziaFlaschen Bierhin­tereinander. Auch in der Schule wurde beobachtet, daß er recht erhebliche Mengen an Alkohol zu sich nahm. Am Mittwoch nachmit- tag spielten Wagners Kinder mit anderen fröh. sich zusammen. Von einem dieser Nachbars- linder verlangte der Mörder einen Schleifstein unter dem Vorhaben, er wolle ein Messer rechr scharf schleifen. Dieses Messer hat er dann für den Mord an seiner Fa­miliebenutzt. Bei seiner zweiten Vernetz-