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Nr. 232. 3. Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

Sonntag, 7. September 1913.

sehn, die tausend Jahre alt ist. Landgraf Karl der Erste, dem der Imperator begegnet, meist lächelnd auf sein strahlendes Gewand. ^Seht her, Sire," ruft er stolz,tote herrlich meine Waffe gesäubert, ivie fleckenlos der Fal­tenmantel ist. Und auch den großen Frie­drich drunten auf dem Friedrichsplatz hat man unter schützendem Zelt geborgen und Hilst dem Fürstenkleid zu neuer Pracht." Selbander wandeln nun die Drei durch Caffels Straßen. Still ist's um diese Zeit und leise Geigentöne klingen durch die Nacht.

Manches änderte sich seit meiner Zeit," be­ginnt der steinerne Friedrich.Rur das Licht der Bahnhofstraße bleibt, wie es seit Jahren ist, während dort am Bahnhof elektri­sche Bogenlampen ihre riesigen Lichtbündek aussprühen. O unglückselige Bahnhofstreaße. Das große Schild der Kunstschau ist nun auch geschwunden. Die Orangenbäume ver­langen nach ihrem Heim im Orangerieschloß, Engherziger Bureaukratismus ist auch heute noch vorherrschend. Vor ihm erstirbt das hei­lige Leben der Kunst. Ihm muß das Hehrste, Größte weichen und keines Fürsten Macht­spruch rettet heut eine Kunstschau vor dem Ansprüchen schlichter Orangenbäumchen. Doch laßt uns gehe«, den Millionentempel der Stadt zu besuchen..." Bald ragt vor den Fürsten der helle Bau der Neuzeit empor. Hoch und stolz strebt die Stadthalle zum Nachthimmel und ihre Säulen recken sich trotzig-kühn. Doch drinnen liegt noch Schutt und Staub, die Bau­arbeiter' herrschen hier und halbseitig steht, was längst den Abschluß sehen sollte. Finster blickt Napoleon drein:Ich trat mit ferti­gem Programm in neue Taten, doch hier scheint Halbheit zu dominieren. Fast glaub' ich, Karl und Friedrich, daß Eurer Bauten Ruhm vor diesem neuen Tempel nicht verblaßt I" Da lachen die Geister im lustigen Chor . . .

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Kein Geld! Der spottsüchtige Glockenklang verklingt und als der letzte volle Glockenschlag zu Ende, ist auch der Spuk vorüber. Nur eilt steinernes Rauschen hört der einsame Wande- rere und die Worte der Fürsten hallen ihm am Ohre wieder, die sie zuletzt beim Ausein­andergehen sprachen:Die Halbheit paart sich mit dem Großen, Chasalla feiert Feste und vergißt die E in h e t t, den großen Zug, der durch ein Ganzes gehen muß." -ey-

Ztver Zuschriften.

Die Kritik am Tausendjahr-Festspiel.

Es ist eine bedauerliche Tatsache, daß ein Casseler Herr, der st cherfolglos an der Fest­spiel-Konkurrenz beteiligte, seinem Aer- ger über die Niederlage durch Zuschriften an die hiesige Preff eLust machte, in denen er das Werk seines glücklicher» Konkurrenten verunglimpfte, lieber die Unparteilichkeit und das aus solchem Vorgehen sprechende Taktgefühl des Herrn ein Wort zu verlieren, ist unnötig. Ob auch die in den Casseler Neuesten Nachrichten vom Mitt­woch enthaltene,von einem Leser" herrührende abfällige Beurteilung des vom Ausschuß ausge­wählten Stückes von der gleichen Seite aus­geht, ist natürlich von den Außenstehenden nicht zu erkennen. Wohl aber haben Festspielaus- schuß, Mttwirkende und der Dichter ein Recht, zu verlangen, daß von dem allgemein geltenden, wohlbegründeten Brauch nicht abgewichen wer­de, wonach ein Theaterstück erst nach seinem Er­scheinen aus den Brettern beurteilt wird. Ganz besonders aber in diesem Falle: Das Stück ist noch nicht im Buchhandel zu haben. Die Angriffe auf das Festspiel rufen eine vorgefaßte Meinung hervor, die dem Besuch und der Stim­mung bei der Aufführung Abbruch tun muß. Der Festspielausschuß darf daher im allge­meinen Interesse erwarten, daß man die Beurteilung seiner Tätigkeit noch einige Wo­chen vertagt. H. B.

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Sehr geehrte Redaktion!

Was Sie in den Casseler Neuesten Nach­richten über das preisgekrönte Festspiel sagen, ist nur zu wahr. Sollten unter den eingelaufe- tten vierzig Stücken wirklich kein anderes der geschichtlichen Vergangenheit Castels gerechter geworden sein? Wie kann man der Bürgerschaft zur Jahrtausendfeier ihrer Stadt eine solche Fabel vorsetzen, ohne irgendwelchen histori­schen Gehalt? Nichts Großzügiges, weder eine Verherrlichung der werdenden Stadt, noch eine Großtat ihrer Bürger steht im Mittelpunkt der Geschehnisse, sondern die armselige Liebesge­schichte eines unmöglichen ... Hofnarren, für die eine Belagerung Castels den Rahmen abgeben muß. Man denke sich: Ein verräte­rischer Narr als Hauptvertreter des Caffeler Bürgertums im vierzehnten Jahrhundert! Die wichtigste Person aus einer tausendjährigen Dtadtgeschichte... ein Narr! Um einen liebe­vollen Hofnarren dreht sich alles in diesem Fest­spiel: Nur ganz am Schlüsse sucht die Komödie verschämt in das Gewand der Festdichtung zu schlüpfen, indem sie ... allerdings auch nur in wenigen Worten ... Landgraf Hermann (ausgerechnet ihn, den Bedrücker Cassels!» in die Zukunft sehen läßt, wie sich das Knösplein Cassel zur stolzen Blume entfaltet. Es ist in der Tat unbegreiflich, wie die Mehrheit des Fest- spielausschuffes sich für ein solches Stück ent­scheiden konnte. A. 8.

Novitäten im Hoftheater.

Unser Hoftheater wird uns in der dies- lährigen Spielzeit sowohl im Schauspiel als in der Oper mit einer ganzen Reihe hochinteres­santer Neueinstudiernngen und Erst­aufführungen überraschen. Im Schau­spiel werden folgende Novitäten zur Auffüh­rung gebracht: Als erstes Werk geht gelegent­lich der Tausendjahrfeier der Stadt Cassel, am 27. September, das dramatische FestspielCha­salla" des einheimischen Dicbters Emil Jaco­bi in Szene. Es folgenTer falsche Prinz", Lustspiel von Rideamus,Mutter", Schauspiel von E. Kroffa,Biedermeier", Lustspiel von Leo Walter Stein,Will und Wiebke", Lustspiel von Fedor von Zobeltitz,Die Frau Gretl", Posse von Bernhard Buchbinder mit Musik von Natmann. Außerdem wird Strindberg (wie bereits in der vorigen Spielzeit) zu Worte kom­

men, ferner von den Modernen Eulenberg, B e r n st e i n und andere, mit denen noch Un­terhandlungen schweben. An Neueinstu­dierungen sind beabsichtigt: Die Königsdra­men von Shakespeare, die mit einer Auf­führung vonKönig Johann" bereits am drit­ten Oktober beginnen, fernerOthello". Ebenfalls neueinftubiert erscheinen die Dramen Schillers:Die Verschwörung des Fiesco zu Genna" am zehnten November, dem Geburts­tage des Dichters,Maria Stuart" undDeme­trius", sowie Ibsen undBjörnson mit einigen Werken. Gastspiele mit dem beliebten Komiker Büller" sowie mit Irene T r i e s ch und an­dern bekannten Künstlern sind vorgesehen.

Als neue Oper wird zunächstLe Cobzar", lyrisches Drama in zwei Akten von Helene Vo- earesco und Paul Milliet, Musik von Gabriele Ferrari, zur deutschen Uraufführung kom­men. Die Uebersetzung stammt von dem be­kannten Musikkritiker und Komponisten Profes­sor Otto Reitzel. In Monaco und Paris ha­ben die vorjährigen Erstaufführungen des sehe melodiösen Werkes glänzende Erfolge errungen. Mit demCobzar" wird das reizende einaktige Musik-Lustspiel von Eugen d'AlbertDie Ab­reise" wieder auf der Bühne erscheinen. Außer­dem wird zum ersten Male die französische Oper Manon" von M assen e t,'die sich an den großen Bühnen den Rang einer Repertoiroper errungen hat, aufgeführt werden. An Neu- e i n st u d i e r u n a e n sind in Aussicht genom­men:Der Widerspenstigeit Zähmung" von Götz,Der Barbier von Bagdad" von Corneli­us,Maurer und Schlosser" von Anbei,Ettry- anthe" von Weber. Zur Zweijahrhundertfeier des großen Begründers der Deutschen Oper Gluck (geb. 2. Juli 1714) wird sein bedeutend­stes WerkIphigenie auf Tauris" neueinstu­diert werden. Der hundertste Geburtstag Verdis (9. Oktober) wird mit einer Neueinstudierung seinesRigoletto" gefeiert. Die sicherlich am meisten interessierende Novität wird Richard Wagners BühnenweihfestsptelP a r s i f a l" fein, mit dessen Einstudierung in nächster Zeit begonnen werden wird. Seine Erstaufführung wird das Werk auf der hiesigen Königlichen Bühne voraussichtlich im Frühjahr erleben.

Aus großer Zeit: 1813.

Am 6. September: Schlacht bei Denne- witz. Glänzender Sieg der Nordarmee über dieBerliner Armee. Der Sieg war das Werk der preußischen Generäle Bülow in erster und Tauentzien in zwei­ter Linie. Preußische Verluste 10 500 Mann, derjenige der gtuif^n und Schwe­den unbekannt, aber unbedeutend. Verlust der Franzosen 9000 Tote und Verwun­dete und 13 500 Gefangene. Franzosen in wilder Flucht. Berlin zum zweiten Male und jetzt endgültig gerettet. ... Napoleon gibt den kaum begonnenen zweiten Vorstoß gegen die schlesische Ar­mee wieder auf und geht von Bautzen nach Dresden zurück, das er durch die Hauptarmee für ernstlich bedroht ansieht.

Am 7. September: Gefecht bei Dahme. Rückzugsgefecht nach dem Siege bei Deu- neioitz. Dke Preußen unter General- beser vom Korps Tauentzien machen bei einem Eigenverluste von nur 200 Mann, allein über 3000 Gefangene. ... Blücher gewährt, nachdem Napoleon seinen Vor­stoß gegen ihn aufgegeben, seinen Trup­pen einen Ruhetag und geht dann wie­der zum Angriff über.

Noch keine Bestätigung für Dr. Scholz! Einem Berliner Blatte zufolge sollte die Bestä­tigung des neuen Charlottenburger Oberbür­germeisters Dr. Scholz in Cassel noch beute durch den Kaiser erfolgen. Die Akten lägen be­reits seit mehreren Tagen im Zivilkabinett. Da­zu melde: uns ein P r i v at t e l e g r a m m aus Charlottenburg: An hiesiger amtlicher Stelle ist von der Bestätigung der Wahl des Oberbürger­meisters Dr. Scholz in Cassel zum Oberbürger­meister von Charlottenburg bis jetzt nichts bekannt.

+ Tie Wahl für die Allgemeine Ortskran kcnkaffe. Ter Bundesrat hat bestimmt, daß Wählerlisten für Arbeitgeber und Arbeitneh­mer ausgestellt werden sollen. Zu diesem Zweck fordert das Versicherungsamt durch öffentliche Bekanntmachung dazu auf. sich zur Eintragung in diese Wählerlisten zu melden. Eine befo:>- bere Benachrichtigung der einzelnen Wähler findet nicht statt. Diese Anordnung gilt auch für die durch die Reichsversicherungsordnung neu in die Krankenversicherung einbezogenen Mitglieder und für bereit Arbeitgeber. Tas heißt also auch bie Berufsgruppen, wie Er­zieherinnen, Privatlehrerinnen. Kindergärtne- rinnen. Krankenpflegerinnen, Hausbeamtinnen und Dienstmädchen. die außer den Handlungs- gehilfinnen. ben Arbeiterinnen u. a. m. vom 1. Januar 1914 an krankenversicherungspflichtig sind. Für Cassel ist die Einzeichnung in bie Wählerlisten für bie Allgemeine Ortskranken­kasse im Rathaus, Eingang Wilhelmstraße, Zimmer Rr. .3 (gleicher Erde links) bis spä­testens 10. September zu bewirken.

-T- Eine neue Schuhmacher-AwangSinming. Bei bem hiesigen Regierungspräsidenten haben eine Anzahl Gewerbetreibender die Errichtung einer ZwangSinnung für alle diejenigen bean­tragt, die im Amtsgerichtsbezirk Hessisch-Olden- borf (Grafschaft Schaumburg) das Schuhma- cherhanbwerk selbständig Betreiben. Der Regie­rungspräsident hat deshalb Landrat v o n D i t- "ur th zu Rinteln zu seinem Kommissar Bestellt zur Ermittlung darüber, ob die Mehrheit der beteiligten Gewerbetreibenden der Einführung des Beitrittszwangs zustimmt oder nicht.

-e- Die Hochschnlkurse des Eaffeler Lehrer­vereins. Seit bem Jahre 1901 veranstaltet der Casseler Lehrerverein wissenschaft­liche Vorlesungen von Hochschullehrern. Zum ersten Male aber bietet er in diesem Herbst eine Reihe von Vorlesungen über wirtschaftliche Fragen:Probleme der denffchen Volkswirt­schaft", und zwar sechs Doppelvorttäge von Dr. Kurt Marcard, Dozent an der Forst- akademie in Münden. Die Vorlesungen begin­nen Ende Oktober und werden abends von 8

bis 10 Uhr an sechs aufeinanderfolgenden Wochentagen gehalten.

-z- Nach Wechselfälschungen geflüchtet? Ge­rüchtweise verlautet, daß ein hiesiger Fabrikant nach Wechselsälschnngen in Höhe von zwanzigtausend Mark geflüchtet sein soll. Eine Bestätigung des Gerüchtes konnte bis Redak- tionsschluß nicht erlangt werden.

--- Bor der Rekruten-Einftelluitg. Nach einer Mitteilung des Bezirkskommandos I Cassel haben die im Stadtkreis Cassel sich auf» haltenden Rekruten und angenommenen Frei­willigen ihre Gestellungsbefehle zum Dienst- eintrttt am Mittwoch, den 10. September oder Donnerstag, den 11. September von 8 bis 12 Uhr vormittags im Geschäftszimmer des Haupt- melbeamts (Westendstraße, Erdgeschoß, Stube 3) und zwar persönlich in Empfang zu nehmen. Die Urlaubspüsse ober Annahmescheme sinb mit zur Stelle zu bringen. Dagegen gehen ben außerhalb des Stadtkreises Cassel wohnenden Mann-schafteu bie Befehle durch Vermittelung der Ortsbehördcn zu.

Ein neues Tausendjahrfestzeichen. Ein originelles Festabzeichen für die Tausendjahr­feier Cassels ist, ivie uns mitgeteilt wird, so­eben neu herausgekommen. Das Abzeichen läßt unterhalb einer Mauerkrone den altcasseler Kernspruch sinn" in Reliefschrift zwi­schen den Jahreszahlen 913 und 1913 hervor- treten.

Wieder ein Einbruchsdiebstahl! In der letzten. Zeit häufen sich bedenklich die Ein- b r n ch s d i e b st ä h l e in G a st w i r t s ch a f - te n. So wurde in der vorvergangenen Nacht in eine Gastwirtschaft an der Ecke der Fliegen­gasse und Klosterstraße eingcbrochen. Die Diebe öffneten gewaltsam ein Fenster im Erdgeschoß und drangen dann in die Wirtschaft ein. Ihre Hoffnung aus Beute in der Kasse erfüllte sich aber nicht. Sie begnügten sich daher mit Le­bensmitteln. mit Zigarren und Bier. Von den Dieben fehlt noch jede Spur.

Königliche Schauspiele. Morgen wird derZigeunerbaron", Operette von Strauß, mit Herrn Warbeck in der Titelpartie gegeben. Die musikalische Leitung hat Herr Dr. Pauli. Am Montag geht die OverMadame Butter­fly" mit Fräulein v. b. Osten in ber Titelpar­tie in Szene. Am Dienstag wird bas Lustspiel Der Schwur der Treue" von Blumenthal neueinftubiert gegeben.

Die letzte Landung in der Heimat: Auf bem Oberstabtbahnhof traf heute mittag ber Sarg mit ben sterblichen Ueberreften des bei ber Katastrophe von Brieg tödlich verunglückten Beobachtungsofsiziers. Leutnants Prins vom Infanterie - Regiment Nr. 83 ein. Der Sarg, der mit prachtvollen Kränzen geschmückt war, wurde unter Führung eines Oberleut­nants nach dem Mili.ärsriedhof überführt, wo am Montag Vormittag unter militärischen Ehren die Beisetzung des Verunglückten er­folgt..

Ter Fußballsport am Sonntag. Am mor­gigen Sonntag spielt her C. B. C. Union mit feinen drei Mannschaften gegen ben Hessischen Kreismeister C. F. V. e. B. Die Spiele be­ginnen vormittags 10 Uhr, und zwar treffen sich hier zuerst die vierte Mannschaft vom C. F. V. und die dritte Mannschaft des C. B. C. Union. Dieses Spiel wird auf bem Forst aus­getragen, bie anberen zwei nachmittags in ber Frankfurterstraße auf bem Platze bes C. F. V. Hier spielt zuerst die dritte Mannschaft von C. F. B. gegen bie zweite Mannschaft bes C. B. C. Union, anschließend an dieses Spiel ste­hen sich die zweite Mannschaft des C. F. V. und die erste Mannschaft des C. B. C. Union gegenüber.

-r- Tas Sonntagskonzert auf bem Frie- drichsplatz. Die Kapelle des Feldartillerie- Regiments Nr. 11 bringt morgen mittag auf dem Friedrichspli.atz folgende Musikpiecen zum Vortrag: Ein Kaiserwori, Marsch von Franz Pollack: Ouvertüre zur OperDer Trompeter des Prinzen" von Bazine; Largo appässio- nata aus der A-dur-Sonate von Beethoven; Divertissement ans der OperDie Regiments­tochter" von Donizetti; Geschichten aus dem Wiener Wald Walzer von Strauß.

-4- Eine Bauernkirmes im Schrebergarten. Der Schrebergarten-VereinGemeinde Struth- bach e. V." feiert am morgigen Sonntag nachmittags von drei Uhr ab im großen Schre­bergarten an der Struthbach, Eingang Karoli­nen- und Holländische Straße, eine Bauern­kirmes mit Preisschießen, Blumenverlosung, Tanz, Festzug durch den Garten in Bauernko­stümen, Kinderbelustigungen und Fackelzug.

4- Das Wandern am Sonntag. Nachstehende Wandervorschläge werden für Sonntag den siebten September vorn Niederheffischen Touri­stenverein mitgeteilt: 1. Knüllvorberge, einen Tag: Oberbeisheim, Homberg, Mosen­berg, Hesserobe, Rhünberberg, Gensungen; 2. Vramwalb, einen Tag: Münben, Andreas- berg, Fuchsberg, Staufenberg, Münden: 3. H a- bichtswaldgebiet, einen Tag: Obervell­mar (oder Heckershausen), Stahlberg, Wil- helmstal, Calden, Grebenstein, Ruine; 4. Riedforst, einen halbe« Tag: Fürstenh a- gen, Pentersrück. Lichtenan, Sonntagskarte Lichtenau; 5. Baunatal, einen halben Tag: Oberzwehren, Knallhütte, Baunatal, Gunters- Hausen.

-4- Kleine Tageschronik. Der Verband zur Abwehr des Tabaktrustes veröffent­licht im heutigen Inseratenteil eine einstweili­ge Verfügung des Landgerichts Dresden gegen ben ehemaligen Synbikus bieses Verbaubes, Rubolf G o e r r i g, bie von allgemeinem In­teresse fein dürfte. Der Waldgottes- dienst finbet morgen vormittag halb elf Uhr an der Christbuche unter ben Elfbuchen statt. Reimer ist Gemeinbehelfer Sachs. Morgen, am Sonntag abend acht Uhr, wird im Stadt- Hark ein großes Militärkonzert veranstaltet, das von der Kapelle des Infanterie-Regiments Nr. 167 aus geführt wird.

-r- Das Wetter am Sonntag. Für morgen sagt ber amtliche Wetterbericht für Hessen-Nas­sau folgende Witterung voraus: Vielfach w o l - kig, zeitweise auch trübe, einzelne leichte Regenfälle; kühl.

Letzte Telegramme.

(Nach Schluß der Redaktion eingegaugen)

Sos Storno 6oo Whlhoufen.

Das Familienleben des Massenmörders.

(Privat-Telegram m.)

Stuttgart, 6. September.

Was das Familienleben des Mühlhäuser Massenmörders Wagner anbetrifft, so hört man jetzt von Bekannten Wagners, daß es völlig zerrüttet gewesen sei. Es gab oft Zwistigkeiten zwischen den Eheleuten. Den Hauptteil feines Vermögens verpraßte Wagner in schmutzigen Spelunken, und in öffentlichen Hausern feierte er wahre Orgien. Er hat es aber stets verstanden, vor der Oeffentlichkeit fein Familienleben als harmonisch hinzustel­len. Sowohl dem Amtsrichter wie auch dem Staatsanwalt gegenüber verweigert er jede Auskunft über das Motiv der Tat. In den ab- gefanbten Schriftstücken gab Wagner an, daß e, seine Angehörigen zuerst mit einem Pulver be­täubt und ihnen dann die Kehle durch­schnitten hätte. Die Seerbigung aller Opfer, einschließlich der Familie Wagners, wird vermutlich am Orte der Schreckenstat in Mühlhansen an der Enz stattfinden. Sie wird sich zu einer allgemeinen Gedächtnisfeier ge­stalten. Die Schwerverletzten hoffen die Aerzte am Leben zu erhalten. Es geht ihnen sstmtlich besser. Bei der Redattion des Stuttgarter Neuen Tagblatts" sind zwei Schreibe« Wag­ners eingelaufen. Das erste führt den TitelAn mein Volk!" Es heißt darin:Die Anrede eine Jahrhundert-Erinnerung! Ich bin aber kein König, sondern ein armer Todeskandidat. Ich will euch nur ein wenig die Meinung sagen. Es ist des Volkes viel zu viel. Die Hälfte sollte man gleich totschlagen. Sie ist daS Futter nicht wert, weil sie schlechten Leibes ist. Von alle« Erzeugnissen des Menschen ist der Mensch das schlechteste."

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Ein Verbrechen aus Liebe?

Mühlhausen a. d. Enz, 6. Setepkember. (Draht- Meldung.) Wie aus schriftlichen Angaben des Lehrers Wagner hervorgeht, hat er feine schreckliche Tat begangen, um sich dafür zu rächer, daß er seine Frau wegen ber Folgen eines Liebesverhältnisses heiraten mußte. Aus den Schriftstücken und Briesen geht hervor, daß er die Tat plan­mäßig. vorbereitet hat, und zwar schon seit sechs Jahren. Bei der Vernehmung war es zunächst sehr schwer, etwas auS dem Mörder herauszubringen. Schließlich gab et an, daß er die Motive der Tat ganz genau schriftlich ausgearbeitet habe.

Der griechische Besuch in Berlin.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 6. September^

König Konstantin von Griechen- land, der Schwager des Kaisers, ist mit sei­nem ältesten Sohne, dem Kronprinzen Georg, heute morgen hier eingetroffen. Zu Ehren des Königs war der Ankunftsbahnsteig des Anhal­ter Bahnhofs mit Palmen und anderem Grün, sowie mit Enblemen und Fahnen in den preu­ßischen, deutschen und griechischen Farben ge- schmückt. Schon um dreiviertel acht Uhr kam als einer der Ersten Prinz Eitel Friedrich mit einigen Offizieren an. Bald darauf marschierte eine Ehrenkompagnie mit Fahnen und Musik auf den Bahnsteig auf, und nun versammelte sich rasch ei« glänzendes, militärisches Gefolge. Für das Auswärtige Amt erschien Staatssekre­tär von I a g o w. Der Kaiser, begleitet vom Prinzen Oskar und den Herren seines Hailptguartiers, traf, aus Potsdam kommend, um acht Uhr auf dem Anhalter Bahnhof ein. Kurz vor einhalb neun Uhr rollte der Münche­ner Schnellzug, in den der Salonwagen des Königs als erster Wagen eingereiht worden war, in die Halle. Sobald er hielt, entstiegen ihm der König, der Kronprinz und die beiden Adjutanten des Königs. König Kon- ftantin trug die Uniform eines preußischen Generalfeldmarschalls. Sein Gesicht ist tief ge­bräunt und schmal, wohl eine Folge des nahezu zwölf Monate langen Lebens im Felde. Kaum hatte der König den Wagen verlassen, als der Kaiser auf ihn zueilte und ihn mit Handschlag und Kutz begrüßte, ebenso den Kronprinzen. Nach kurzer Unterhaltung begab sich der Kaiser mit seinen Gästen zu den vor dem Bahnhofe wartenden Automobilen und fuhr mit dem Gefolge nach Potsdam.

Luftschifferabentener in Frankreich.

Lille 6. September. (Draht-Mel- düng.) Zwei deutsche Luftschiffer, Kleiderfa­brikant Konstantin Heinersbreß und Fa­brikant Wilhelm Mobb landeten gestern mit dem BallonKrefeld", einem dem Düsseldorfer Klub gehörigen Ballon, der in der Nacht zum Freitag in Düsseldorf aufgeftiegen war, bei Sechin bei Lille. Ter Ballon war über ganz Belgien geflogen und verirrte sich dann über französisches Gebiet. Nach Erledigung der For- malitäten, wie die internationalen Vorschriften sie verlangen, wurde den Lustschiffern nach einem Verhör durch den Generalsekretär des Präfekten die Weitersabrt gestattet.

Der Lberrichter als Spieler.

Newyork, 6. September. (Privat. Telegramm.) Der Newyorker Oberrichter, I « r 6 m e, der mit den Anslieferungsver- Handlungen im Falle Thaw beauftragt und wegen Glücksspiels angezeigt wurde, hat sich unter Preisgabe der von ihm hinterlegten Bürgschaft ans Coaticook über die Grenze nach den Vereinigten Staaten geflüchtet. Gleich- zeitig ist die von den kanadischen Einwande­rungsbehörden verfügte Ausweisung ThawS durch einen Einhaltsbefehl des kanadischen Obergerichts in Montreal inhibiert worden. Thaw wird nach Monsteal übergeführt.

IlkMgeSiMmwW 18 Seiten'