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Casseler Neueste MMm

Casseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 227.

Fernsprecher SSI und SSL

Dienstag, 2. September 1913.

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

Am Grabe des großen Kanzlers

Kameraden widersetzten sich diesem Vorgehen und empfingen die Polizei sofort mit Stein- Würfen. Es verlautet, daß in dein entstandenen Handgemenge gegenhundrrtPersonen verletzt wurden und eine den Tod fand. Die Polizei hat umfassende Maßnahmen getroffen, da man für heute neue Unruhen erwartet und die Stimmung unter den Arbeitern auss höchste erregt ist.

den Großfürsten Cyrill und der König von Schweden durch den Kronprinzen vertreten.

Die Weihe des Völksrschlacht-Denkmals.

Wie uns aus D resden berichtet wird, sind vom König von Sachsen nicht nur an den Deut­schen Kaiser, die Kaiser von Oesterreich und Rußland sowie die deutschen Bundesfürsten Einladungen zur Einweihung des Völker- schlachtdcnkmals von Leipzig gesandt, sondern auch an den König von Schweden, di« Freien Städte, den Reichskanzler den Bundesrat, den Deutschen Reichstag und die beiden Kammern des sächsischen Land­tages. Der Kaiser von Oesterreich laßt sich, soviel bisher bekannt ist. durch den Erzherzog Franz Ferdinand, der russische Kaiser durch

dem Mangel an Verständnis gegenüber den Pflichten und Aufgaben der Presse im Reich deutscher Gesetzeswelt eine Unkultur, die zu bemitleiden wäre, wenn man sie nicht be­trauern müßte. Dürfen wir nun vielleicht die Hamburger Justiz als das Täubchen mit dem Oelzweig begrüßen, das Neuland kündet? Die Regung neuen Geistes ist sehr erfreulich, und es bleibt nur noch der Wunsch übrig, daß Hamburg nicht der einzige Ort bleiben möge, in dessen Themis-Tempel der Menschlich­keit einÄltar der Erkenntnis errichtet ward ...!

F.H.

3er Abschied vm Merlau.

Eine Katserrede an die Schlesier.

Das Kaiserpaar ist gestern früh um halb acht Uhr, von Breslau kommend, wieder in Bei» l i n eingetroffen und hat sich nach dem König­lichen Schloß begeben. Den Abschluß der Breslauer Kaisertage bildete am Sonnabend eine große Festtafel im Breslauer Zwin­ger, die zu Ehren der Provinz Schlesien statt­fand. Bei dieser Tafel hielt der Kaiser eine Rede, in der er sich, anknüpfend an die natio­nalen Gedenkfeiern dieses Jahres, an die Schle­sier wandte. Er führte dabei aus:

. . . Die reichen Schätze der Erinnerung an die rühm- und opferreiche Zeit der Er­hebung des Preußenvolkes, die ich in der hiesigen Jahrhundert-Ausstellung heute be­wundern könnt«, reden eine gewaltige Sprache und lassen die Vergangenheit mit ihren einzig in der Geschichte dastehenden Zeugnissen von unerschütterlichem Miit und Gottvertrauen, von unwi­derstehlicher Volkskraft, Vaterlandsliebe und Opferwilligkeit wieder lebendig vor unser gei­stiges Auge treten. Wer gedächte dabei nicht mit besonderem Stolz und Dank der Ereig­nisse auf schlesischem Boden und aller der Helden des Schwertes, der Feder und der Leier, die an dem glücklichen Ausgang der schweren Heimsuchung unseres Volkes einen so wesentlichen Anteil haben. Hier in Bres­lau war es, wo der gebeugte König den Ent­schluß zur Befreiung des Vaterlan­des von dm schwer auf ihm lastenden Fes­seln des Bedrückers faßte und sein Volk zum heiligen Kriege aufrief. Hier stellten sich die ersten Freiwilligen, freudig bereit, Gut und Blut für Ehre und Freiheit des Vaterlandes einzusetzen.

Auf Schlesiens Gefilde»

Morgendännnerv...?

Der Zeugniszwang der Presse; die Hambur­ger Justiz als Menschlichkeit-Vorkämpferin.

8in Hamburger Gericht hat soeben in einem Zeugnis-Zwangsverfahren gegen einen Redakteur eine prinzipiell wichtige Entscheid­ung getroffen, indem es ein bereits ergang«. nes Strafurteil aufhob und eine erheblich« Ltrasminderung eintreten lieh, weil es aner- kannte, datzbee angeklagte Redakteur durch die Rülkfichtnahme auf seine StandeSehre als Journalist gezwungen gewesen sei, als Zeuge seine Aussage zu verweigern..." Morgendämmern also, Sieg der Erkenntnis und (wenn man will) Triumph der Mensch­lichkeit über Paragraphengeist-Erstarrung und lebensfremden Rechts-Dogmatismus! Um das Ereignis nach Gebühr würdigen zu können, bedarf's einiger Randbemerkungen zum Sach­verhalt. Ein Hamburger Gericht verurteilt einen Redakteur, der sich weigert, dem un- rcrgeordneten imd gar nicht erkennbaren In­teresse einer gerichtlichen Ermittlung seine Be­rufsehre zu opfern, im Wege des Zeugnis­zwang-Verfahrens zu einhundert Mark Buße, die sichint Nichtbeitreibungsfalle" (das Juristendeutsch hat mit der Aesthetik nichts zu tun) in zehn Tage Kerkerhaft verwan­deln. Es geschieht auch anderwärts, daß auf diesem, längst nicht mehr ungewöhnlichen Wege den Leuten der Presse im Namen des Gesetzes und im Dienst der Gerechtigkeit demonstriert wirb, wie töricht ihre Auffassung vom Wesen der Standesehre ist und wie bedenklich der alte Kriegszustand zwischen Gesetz und Ehre sich grade im Bereich öffentlicher Meinung ver­schärft hat. Aber der Hamburger Fall (sonst höchstens noch interessant infolge des kommu­nal-mystischen Milieus, in dem er spielt) hat für die Presse eine b e s o n d r e Bedeutung: Ein früheres Urteil in derselben Sache, das den Uebeltäter mit zweihundert Silberlingen Buße belastete, ist durch das neue Erkenntnis aufgehoben und die Bußforderung auf die Hälfte ermäßigt worden, weil (wie es in der Begründung heißt) der wider das Gesetz fte- velnde Redakteur das von ihm verlangte Zeug­nisnur mit Rücksicht auf seine Standes­ehre verweigert habe". Das Gericht erkennt also an, daß die Rücksichtnahme auf die Stan­desehre den Redakteur zwingen kann, dem Willen des Gesetzes ungehorsam zu sein und damit zum Sünder wider den Paragra­phen der Gerechtigkeit zu werden.

Wir wissen nicht, welche menschenfteund- lichen Regungen die Hamburger Justiz be­wogen haben, die Härte des Gesetzes um genau die Hälfte zu mildern und den Schatten deS Verhängnisses von dem Presse-Uebeltäter abzu­wenden, der keine andre Sünde begangen hatte, als die: Auch dem Gesetz gegenüber ein an­ständiger Mensch geblieben zu sein! Viel­leicht erwuchs die Milde aus der ganzen Eigen­art des Falls (dessen Einzelheiten die kommu­nalpolitischen Regierungs - Allüren in der Freien und Hansestadt Hamburg in einem manchmal recht seltsam anmutenden Licht er­scheinen ließen); vielleicht erschien der Anklage- behörde das weitere Verfahren von vornherein aussichtslos, und man wollte möglicherweise den letzten, einigermaßen kostspieligen Konse­quenzen vorbeugen, kurz: Die Justiz hat eine Preisermäßigung eintreten lassen! Ein Fortschritt also, den man (bei einigem guten Willen) als ein Merkmal des Auf­stiegs in der Entwicklung unsrer strafrechtli­chen Praxis gelten lassen darf. Weiterreichende Schlüsse daraus zu ziehen, erscheint indessen verfehlt, denn was den Hamburger Richtern nützlich und ziemend erschien, kann von ihren : Kollegen in Königsberg oder Straßburg mög­licherweise als Sünde wider den heiligen Geist des Paragraphen verurteilt werden, und das Damoklesschwert des Zeugniszwangs schwebt nach wie vor unheil- und verhängnis-drohend über den Männern der Presse.

Daß das Zeugniszwang-Verfahren gegen Angehörige der Presse eine harte Ungerech­tigkeit ist, braucht nicht erst erwiesen zu wer­den. Es ist aber mehr; denn da cs in seinen praktischen Wirkungen die Freiheit der Presse illusorisch macht, die öffentliche Meinung unter die Kontrolle des Zufalls stellt und einen gan­zen Bcrufstand der ständigen Gefahr verhäng­nisvollster Konflikt - Möglichkeiten preisgibt, untergräbt es Den geordneten Bestand wichtiger kultureller Institutionen und verstößt also gegen die sittlichen Auffassungen unsrer Zeit in allen seinen Forderungen und Kon­sequenzen. Es ist geboren aus dem Geist einer Zeit, der die Presse noch nach der Bedeutung der handgedruckten Wochenblättchen-Produkte zu werten pflegte. Inzwischen hat aber das < einst Werdende sich zum weltbeherrschenden, länder- und völkerverbindenden Kulturfak­tor entwickelt, und es offenbart sich also in ,

wurden im Kampfe wider den Eroberer die ersten Großtaten von dem Volk in Waffen verrichtet. Erst vor wenigen Tagen konnten wir die hundertjährige Erinnerung der Ruhmestaten an der Katzbach und der Neiße begehen, wo die schlesische Landwehr mit Bajonett und Kolben den Feind und die Ungunst der Witterung bezwang und die Kraft ihres Wahlspruches:Mit Gott fürKönig undVaterland!"betätigte. Daß Treue und Mannesmut unserer Vorsah. ren auch heute noch im schlesischen Volke eine feste Stätte haben, das habe ich in diesen Tagen wieder erkennen können aus den freit» big bewegten Mienen der alten Veteranen, die in ihren Kriegervereinen von Nah und Fern zur Parade vor ihrem obersten Kriegs- Herrn herbeigeeilt waren, aus der vortreffli­chen Haltung der Regimenter meines schlesi­schen Korps und aus der Begeisterung der schlesischen Jugend, deren Aufstellung und Vorbeimarsch heute mein landesväterliches Herz mit besonderem Stolz und Freude er­füllt haben. Solange solche Gesinnung bei Alt und Jung gehegt und gepflegt wird, brauchen wir uns den Blick in die Zukunft nicht trüben zu lassen. . .!"

Wie uns aus Potsdam berichtet wird, wird im Frühjahr der K r o npri n z die Füh­rung des Breslauer Grenadier-Regiments Kö­nig Friedrich HE. (zweites Schlesisches Nr. XI) als Kommandeur übernehmen. Das Regiment hat auch in den Jahren 1856 bis 1857 der da­malige Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen und nachmaligen Kaiser Friedrich als Regi­mentskommandeur befehligt. Gleichzeitig soll zu diesem Zeitpunkt die kronprinzliche Residenz nach Breslau verlegt werden.

Dienstverhältnis standen, verhältnismäßig selbst­ständige Existenzen wurden. Die beiden oben angezogenen Volkswirtschastler Keup und Mün­ster gehen denselben Weg wie Rall, sie behan­deln die Wirtschaften vor und nach der Austei­lung und lassen dabet dem Großgrundbesitz eine durchaus wohlwollende Kritik widerfah­ren. Trotzdem kommen auch sie, wie schon er­wähnt, zu der Ueberzeugung, daß der Kleinbe­trieb vorzuziehen sei. Er nütze nicht nur alle Acker­weiden und Brachen viel besser aus, sondern er baue auch, was zumeist bestritten werde, ebenso- viel Brotgetreide an als der Großgrundbesitz, wenn nicht noch mehr. So stieg beispielsweise in Pommern der Anteil des Getreidebaues am Ackerland bei den Kleinwirtschaften von 28 aus 38 Prozent, in Posen von 36 aus 47 Prozent. Nur die Art der angebauten Getreide verändert sich. Der Bauer begünstigt Roggen und Hafer, der Großgrundbesitzer Weizen und Gerste, der Bauer weiter Futterrüben, der Großgrundbe­sitzer Zuckerrüben und Kartoffeln. Betrachtet man

das Verhältnis der Erträgnisse, so erzielt der Roggen eine Steigerung be8 Durchschnittsertrages für den Hektar von 12,6 auf 17,1 Mark, der Weizen von 16,3 aus 24,2 Mark und das Sommergetreide von 11,5 auf 19 Mark. Dex Wert der verkauften Produkte für den Hektar stellt sich allerdings bei den Ansiedlern geringer als bei den Gutsbetrieben, und zwar einfach aus dem Grunde, weil eine größere Anzahl von Haushalten zu versorgen ist; das ist jedoch kein Nachteil, weil durch die größer«

Zer Bauer siegt!

Groß- u. Kleinbetrieb in der Landwirtschaft; Aeberlegenheit der Banernwirschaften, von Horst Wechmar.

Seit Jahren schon gehört die Frage bn Austeilung ber landwirtschaftlichen Großbetriebe und ihre Umwandlung in Mittel- und Kleinbetriebe zu den heißumstrittensten wirtschaftspoliti­schen Problemen. Während auf der einen Seite der Nutzen des Großbetriebes durch Zah­lenmaterial aller Art überzeugend bargetan wird, bricht sich doch in weiten Kreisen immer mehr die Anschauung Bahn, daß für einen lei­stungsfähigen und kräftigen Bauernstand eine weitere ständige Vermehrung der Kleinbetriebe eine Notwendigkeit ist. Neues Material zu­gunsten des Kleinbetriebes haben in jüngster Zeit Dr. Erich Keup und Richard Münter, zwei bekannte Volkswirtschaftler, veröffentlicht, die beide theoretisch sowie prakstsch über einen reichen Schatz von Erfahrungen verfügen. In ihren umfassenden Wirtschaftsuntersuchungen behandeln sie das Problem des Groß- und Kleinbetriebes in ber Lanbwirtschaft an einer großen Zahl von Wirtschaften, bie früher Groß­betriebe waren und später in Kleinwirtschaften aufgeteilt wurden, mit dem Ergebnis, daß sie dem Kleinbetrieb unbedingt den Vorzug zuer­kennen. Ihre Studien laufen darauf hinaus, daß die Kleinwirtschaft ungleich rentabler ist als der Großbetrieb, und daß auch die bäuer­liche Viehwirtschaft, die nach gegnerischer Mei­nung der ber Großbetriebe nachstehen soll, sicher bei richtiger Pflege den Sieg davon trägt, und vor allem eine bedeutend dichtere

Besiedlung des platten Landes ermöglicht. Der Kleinbesitz ernährt bekanntlich auf derselben Fläche das Drei- und Vier-, ja das Fünffache an Menschen wie ber Großbesitz. Für diese Behauptung ist auch die bekannte Arbeit des Regierungsrates Rall in Königs­berg, die er über die Wirkungen ber Besiedlung bes Rittergutes R ü tz o w veröffentlichte, ein interessanter Beweis. Rützow wurde 1907 auf­geteilt; es läßt sich also heute nach sechs Jah­ren Wohl schon mit Sicherheit feststellen, ob die Austeilung den Ertrag des Gutes gesteigert oder gemindert hat. Vor 1907, unter einem Besitzer also, ernährte bas Gut 152 Personen, unmittelbar danach bereits 452, beinahe daS Dreifache. Aus den Wiesen wurde nach bet Aufteilung ein Mehrertrag von 25 200 Mk. her» ausgewirtschaftet, Getreide- und Kartoffelbau ergaben ein Mehr von 93 045 Mark. DaS Gut wurde eingeteilt in zwei große und fünfzig mittlere Wirtschaften, sowie sechs Handwerker­und fünf Arbeiterstellen. Daß sich auch bet Viehstanb ganz beträchtlich gehoben hat, geht aus folgenden Ziffern mit größter Anschaulich­keit hervor. Vor ber Aufteilung zählte man 60 Pferde, 230 Kopf Rindvieh und nur 26 Schweine, nachher aber 100 Pferde, 402 Stück Rindvieh und 976 Schweine. Der Mehrertrag aus der Viehwirtschaft war ebenfalls ganz be­deutend. Die Besitzer lösten aus dem Rindvieh genau das

Doppelte des früheren Ergebnisses, nämlich 24 000 gegen 12 000 Mark. Aus dem Schweineverkauf kamen sogar 90000 Mark mehr ein als früher. In diese Zahlen sind jedoch die Mehrerträgnisse an Butter, Eiern, Milch, Geflügel und dergleichen noch nickt mit einbegriffen. Neben den hand­greiflichen materiellen Vorteilen steht dann noch ber ideelle, daß aus einer großen Anzahl abhängiger Leute, die zum Gutsherrn in einem

Eine Straßenschlacht in Dublin. (Privat-Telegram m.)

Loudon, 1. September.

Die Arbeiter der Stadt Dublin hielten am Sonnabend abend in der Liberty Hall eine große Versammlung ab, die von über tausend Personen besuckt war. Nach Beendigung der Versammlung suchte die Polizei die Straßen von den großen Arbeitermassen zu räumen. Dabei kam es zu allerlei Auseinandersetzungen, und bald war ein gewaltiger Krawall entstanden, ber mit einer regelrechten Straßenschlacht endete. Die Polizei griff bie Arbeitermassen mit ihren Knüppeln an uttb bie Arbeiter schleuderten Pflastersteine, Fla­schen und alles, was werfbar war, gegen die Polizisten. Siebzig Arbeiter wurden ver­haftet. eine Anzahl ins Spital gebracht, dar­unter fünf Polizisten, von denen einer töd­liche Verletzungen erlitten hat. Die Ausschreitungen wurden dadurch veranlaßt, daß die Polizei zur Verhaftung eine?- streikenden Arbeiters schreiten wollte, den man als Leiter der Bewegung betrachtete. Seine

(Draht-Meldung.)

Hamburg, 1. September.

Der Hamburgische Verband für Jugend­pflege veranstaltete gestern eine Huldigunqs- fahrt nach Friedrichsruhe, an der sich über 5000 Mitglieder ber hamburgischen Ju­gendvereine und mehrere tausend erwachsene Personen beteiligten. Die Teilnehmer zogen zur Bismarcksäule auf dem Hamberge, wo Ge­neralfeldmarschall von der Goltz eine Ansprache hielt, in der er sagte:Es ist, als seien die Gei­ster aus jener großen Zeit hier gegenwärtig, um zu prüfen, ob daS Heranwachsende Geschlecht ihrer würdig, stark und tüchtig genug ist, zu bewahren, was sie ehedem errungen. Sie haben unser Deutschland frei, groß und ei­nig hinterlassen, gefürchtet in Waffen und ge­achtet int Rate ber Völker. Das sinb bie Gü­ter, die zu sckützen die heutige Jugend be­rufen ist. Wir Alten freuen uns, daß es soweit gekommen und gönnen es Euch von Herzen. Ihr aber, Ihr Jungen von heute, sollt dessen eingedenk sein und n i e v e r ge ff en, baß Ihr mit dem Gute ernste Pflichten auf Euch nehmt. Nicht jeder kann die Höhe des Lebens erreichen, aber unsere großen. Männer haben alle klein angefangen: Bismarck, Moltke, Roon. Jeder kann in kleinem Kreise es ihnen nachtun, in Treue zu Kaiser, Reich und Vaterland, in ge­wissenhafter Arbeit an uns selbst, die unseren Körper und Geist tüchtig machen soll für den Kamps des gebend im Frieden und Kriege...!"

Breie* der Tage».

Die Reichstagswahl in Landshut.

(Privat-Telegramm.)

Landshut, 1. September-

Bei der durch den Tod des Abgeordneten Freiherrn von Malsen erforderlichen Ersatz­wahl im niederbaherischen Reichstagswahl­kreis Landshut siegte gestern, wie in dieser sichersten aller niederbayerischen Zentrumsdo­mänen nicht anders zu erwarten war, der Kan­didat des Zentrums, Freiherr von Are- t i n. Doch hat das Zentrum, wie ebenfalls nach dem Beispiel der letzten Ersatzwahlen, be­sonders ber Wahlen von Wallersdorf unb Weil­heim, vorauszusehen war, eine starke Einbuße erlitten.

Bei der gestrigen Wahl wurde mit 9992 Stimmen der Zentrumskandidat Freiherr von A r e t i n gewählt. Der Kandidat der vereinigten Bauern- bündler und Liberalen, Eisenber­ger, erhielt 4784 Stimmen und der Sozialdemokrat Raith 1595 Stimmen.

Bei ber Hauptwahl im Jahre 1912 er­hielt bas Zentrum 12 450, bie Liberalen 1462, ber Bauernbunb 1770 unb bie So- z ialbemokraten 1871 Stimmen. Bei ber Ersatzwahl ist bemerkenswert, baß ber Bauern­bund, gleichwie bei den vorausgegangenen Er­satzwahlen in Wallersdorf und Weilheim zuge. nommen hat, während das Zentrum abgenom­men hat. An dem Stimmenzuwachs des Bau­ernbundes haben allerdings die Liberalen ei­nen erheblichen Anteil, die diesmal für Eisen­berger eintraten.