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Rr. 525. 8. Jahrgang.

Casseler rreueste Nachrichten

Sonnabend, 30. August 1918.

«tt, daß Bürgermeister Tr. Thode in Stettin oon seiner Kandidatur zurückgetreten ist. Wir haben über diesen Entschluß bereits vor eini­gen Tagen berichtet. Damit ist die Bahn frei für Stadtdirektor Koch, der gestern glatt ge­wählt worden wäre, wenn die Bestätigung Dr. Scholz' für Charlottenburg vorgelegen hätte. Der Vorsitzende verlas in der Sitzung ein Schreiben des Stadtdirektors an die Wahlkör- perschaft, worin sich Stadtdirektor Koch ver­pflichtet, mindestens sechs Jahre im Amte als Casseler Oberbürger­meister zu verbleiben. In dieser Richtung waren Verhandlungen mit dem kommenden Oberbürgermeister gepflogen worden, um eine Wiederholung desFalles Scholz" zu vermei­den. Die Wahlkörperschaft hielt eine Verpflich­tungszeit von sechs Jahren für ausreichend. Die Möglichkeit eines solchen Sonderver- Hags sieht die Städteordnung für Hessen- Nassau vor. Dort heißt es in Paragraph 34, Absatz 4:Die Festsetzung der Wahlperiode Hai die Bedeutung, daß die betreffenden Bürger­meister und besoldeten Magistratsmilglieder vor Ablauf der Wahlperiode gegen ihren Wil­len nur auf disziplinärem Wege aus ihrem Amt entfernt werden können, während sie selbst

günstige Beurteilung, wenn auch hier und da der Hauch moderner Richtung nicht ganz den Anschauungen Einzelner entsprach. Das Bud kommt zunächst nach Rathenow, wo es in den Gemächern der Prinzessin und künftigen braun­schweigischen Herzogin Aufnahme findet, die Prinzessin ständig an die schönen £age von Wilhelmshöhe erinnernd. =ey=

4- Der Absturz des Referendars Caspar. Wie wir bereits auf der ersten Seite berich­ten, hat der Casseler Flieger, Referendar Caspar, heute früh einen schweren Unfall er- litten. Ein Privattlelegrarnm aus Hamburg meldet uns darüber folgende Ein­zelheiten: Referendar Caspar unterhält be­kanntlich auf dem Flugplatz Hamburg-Fuhls­büttel eine Fliegerschule mit Gotha-Tauben. Heute morgen gegen neun Uhr erteilte er einem Flugschüler, der vor der Ablegung des Flug- zeugführerexamens stand, Unterricht. Der Un­terricht war vorüber und der Lehrer unter­nahm nochmals einen Rundflug, wobei et den Schüler als Fluggast mitnahm. Die Lust war heiß und der Motor zog nicht durch. Die Fol­ge war, daß das Flugzeug, das sich in gerin­ger Höhe befand, durchsackte. DieTaube" schlug hart auf den Boden auf und wurde voll-

jederzeit, falls nicht durch Vertrag et­was anderes mit ihnen vereinbart ist, ihr Amt niederlegen können. . ." Stadt­direktor Koch hat dadurch, daß er die Vorschläge des Wahlkörpers in dieser Beziehung vollauf akzeptiert hat, den festen Willen bewiesen, dauernd der Stadt Cassel zu dienen. Eine De­batte fand nicht statt, als der Vorsteher die Mitteilung machte, daß die Wahl noch nicht vorgenommen werden könne, da Oberbürger­meister Dr. Scholz's Bestätigung als Stadt­oberhaupt von Charlottenburg noch aussteht. Auch die Vorbesprechung war nur von kurzer Dauer.

Darlehus-Geschichteu bor Gericht.

Ein umfangreicher Betrugsprozeß beschäf­tigte heule den ganzen Tag hindurch die Ferienstrafkammer. Angeklagt war der Agent Kurt L. aus Niederzwehren. Zu der Verhandlung waren nicht weniger als vier- unddreitzig Zeugen geladen. Die ein­zelnen Fälle, die zu diesem Betrugsprozeß kom- diniert worden waren, reichen bis in das Jahr 1910 zurück. Damals war bereits, auf Anzeige verschiedener Personen hin, ein Verfahren gegen L. eingeleitet worden, das aber eingestellt wurde. L. sammelte Inserate für den in Ber­lin erscheinendenAnzeiger für Grundbesitz und Kapital". Er wandte, um zahlreiche Aufträge zu erhalten, eilte Praxis an, durch die beson­ders kleine Gewerbetreibende, Hand- Werks meister und ähnliche Personen ge­schädigt wurden. L. wußte solche Leute ausfin­dig zu machen, die gerade eine Hypothek auf» nehmen wollten, näherte sich ihnen alsGene­ralvertreter" und versprach ihnen, wenn sie int Anzeiger" inserierten, die Erfüllung ihres Wunsches. TerAnzeiger für Grundbesitz und Kapital" sei von einem

Institut von Geldgebern" gegründet worden. In Wirklichkeit unterschrie­ben die Geschädigten dann nichts anderes, als einen Auftrag für ein mehrmals erscheinen­des Inserat, für das sie Beträge bis zu 75 Mark bezahlten, ohne dadurch zum Ziele zu kommen. Ter Auftrag für die Insertion kam einwandfrei zustande, und die Inserenten er­hielten die Belegnummer desAnzeigers" prompt zugesandt. Blieb dann das Resultat aus, so verweigerten sie die Zahlung der Jn- sertionskosten und erstatteten Anzeige. In dem Verfahren vor zwei Jahren wurde aber fest- o:stellt, daß in dem Aequirieren derartiger In­serenten kein Betrug liege, und das Ver­fahren wurde eingestellt. In der letzten Zeit häuften sich die Fälle, daß sich Geldsuchende durch L.'s Manipulationen betrogen fühlten, so daß nun doch die Anklage wegen Betruges er­hoben wurde. In der heutigen Verhandlung erklärte eine Reihe von Zeugen in Ueberein- stimmuna, daß ihnen L. für die Beschaffung der Hypotheken zu bestimmten Bedingungen (Zinsfuß, Zahlungsbedingungen) garan­tiert habe, wenn sie den Jnseraten-Auftrag unterschrieben, während der Angeklagte derar­tige Versprechungen in Abrede stellte. (Bei Schluß dcr Redaktion dauerte die Verhandlung noch an.) «der.

Prinzeßchens Hochzeitsgabe.

Im Lesezimmer des Magistrakssitzungssaals war gestern abend das Hochzeitsgeschenk der Stadt Cassel für die Prinzessin Viktoria Luise ausgestellt, das der heimische Maler Hans Meyer-Cassel nunmehr fertigge- ftellt hat. Die Prinzessin hatte selbst bett Wunsch geäußert, ein Bild zu besitzen, das die Gegend von Wilhelmshausen darstellt, die von ihr oftmals auf Ausflügen besucht worden war, ßvenn die kaiserliche Familie auf Wilhelmshöhe Wohnung genommen hatte. In goldenem Rah­men prangt das Gemälde, das Wilhelmshausen im Herbstschmuck der Natur zeigt. Es ist ein Heller, freundlicher Herbsttag. Nur wenige Wolken stehen am blauen Himmel und über den Wiesen und Bergen liegt goldener Sonnen­schein. Von der Pappelallee aus schweift der Blick über das liebliche Panorama, das Wil- helmshansen bietet.

Ein einsamer Wiesenweg tritt aus den Bü­schen heraus, die mitsamt hohen, herbstlichen Pappeln die Gegend nach vorn abschließen, und führt durch die sattgrünen Wiesen zur Fulda, die in fünftem Bogen ihre blauen Fluten da­hinziehen läßt. Und in ihrem Wasser spiegeln sich die roten Ziegeldächer des Orts wieder. An- miitig liegen die Häuschen am Rande des Flus­ses und verlieren sich, behutsam die Höhe neh­mend, im Tale. In Gold und Orange malen sich die Felder und der Höhenwald, aus dessen buntem Herbstton lichte, grüne Waldstellen her- bertreten. Leise fetten sich die hessischen Berge aneinander, bis sie am Horizont verblauen. Bei den Stadtverordneten, die gestern abend das Gemälde besichtigten, fand es eine allgemein

ständig zertrümmert. Referendar Cas­par und sein Schüler wurden von den rasch herbeigeeilten Mechanikern der Fliegerschule schwerverletzt aus den Trümmern der Ma­schine hervorgezogen. Caspar hatte mehrere Rippen gebrochen, das Nasenbein war ihm verstaucht und außerdem trug cr bei dem Un­fall eine Leberquetschung davon.

-4- Wieder ein Vermißter! Der Polizeiprä­ident teilt uns mit, daß seit dem siebzehnten August ein junger Mann im Alter von 23 Jah­ren vermißt wird. Der Verschollene ist eine tattliche, kräftige Erscheinung, etwa 1.80 bis 1.82 Meter groß, hat ein frisches, etwas ge­bräuntes, bartloses Gesicht, zusammengewach­sene, ganz dunkle Augenbrauen, gute Zähne, blaugraue Augen und dunkle, gescheitelte Haa­re. Vermutlich trägt er blauen Monteuranzug, einfache, schwarze Hose mit weißen Streifen und Kalkspritzern, sowie eine rötliche, gestrickte, doppelreihige Wolljacke. Eine gute Beloh- nung wird demjenigen zugesichert, der über den Verbleib des Vermißten beim Polizei­präsidenten, Königstor 31, Zimmer 48, nähere Angaben machen kann.

4- Die Casseler Turnerschast bei der Tau­sendjahrfeier. Die Vereinigung Casseler Turn­vereine hält morgen, Sonnabend, abends neun Uhr, wieder eine Vorturnerstunde ab, diesmal in der Halle der Turngemeinde 48 in der Wim­melstraße, an der sämtliche Turnwarte, Vor­turner und Wetturner teilnehmen. Der Uebungsstoff ist der für das Wetturnen und Schauturnen zur Tausendjahrfeier der Stadt festgelegte: Allgemeine Freiübungen, Muster­riege an vier Barren, desgleichen am Sprung­tisch, Stufenturnen an acht Pferden (lang), Pflicht- und Kürübungen. Im Anschluß findet eine Besprechung statt. Auch die Leiter der Frauen-Abteilungen haben zu erscheinen.

4- Ein Wunder des Himmels, lieber den Anblick, den ein Meteor bot, der in der Nacht zum Dienstag beobachtet wurde, gibt uns ein Leser heute folgende Schilderung: Ich war um 3.15 Uhr auf dem Bahnhof Wilhelmshöhe ein­getroffen. Wunderbare, durchsichtige Nacht, sternenklarer Himmel, herrlich die Lust. Plötz­lich bildete sich, ganz in der Nähe des Hauses Landgraf Karlstraße Nr. 21, ein heller Schein, der in eine unnennbar zart-mattblaue Wolke überging, die sich mehrere Meter ringsum aus­breitete und dann, innerhalb von vielleicht zwanzig Sekunden, wieder verschwand. Es war gleich dem, wenn ein Stein in Wasser ge­worfen wird und sich ringsum Kreise bilden. Der Vorgang war von einem feinen Geräusch begleitet, als ob eine elektrische Entladung vor sich gehe.

Neue Blumen-Diebstähle. Wir berichte­ten dieser Tage von Blumendiebstählen im Westen der Stadt. In einer der letzten Nächte wurden nun von den vor dem Fenster des Sargmagazins Buhle in der oberen Karl- straße befindlichen wertvollen Blumenstöcken die besten Exemplare gestohlen. Der Bestohlene hat eine ansehnliche Belohnung für die Ergrei­fung der Blumenmarder ausgesetzt.

4- Das neue Hessische Landesmuseum. Das Hessische Landesmuseum wird für das Publi­kum erst am Montag den ersten September er­öffnet. Es ist im September an den Wochen­tagen von 9 bis 1 Uhr, Sonntags von 11 bis 1 Uhr unentgeltlich geöffnet. Vom ersten Okto­ber ab wird die Besuchszeit geändert. Die Sammlung der Gipsabgüsse ist vorläufig noch nicht zugänglich.

4- Offene Stellen für Militäranwärter. Im Bezirk des elften Armeekorps sind folgende Stellen mit Militäranwärtern oder Inhabern des Anstellungsscheines zu besetzen: Schutz­mann in Jena, Gemeindelohnschreiber in Wei­mar, zwei Kanzleigehilfen in Weimar. Für Interessenten liegt die Vakanzenliste für Mili- türanwärter in unserer Geschäftsstelle, Kölni- schestraße 5, zur kostenlosen Einsichtnahme aus.

4- Die Tribünen bei der Tausendjahrfeier. Wie uns mitgeteilt wird, werden in den Stra­ßen und auf den Plätzen der Stadt Cassel ge­legentlich des großen Tausendjahrfeier- Fest zugs Tribünen errichtet, deren Her­stellung der Firma Ludwig Knipp übertragen ist. Diese Tribünen sind wie folgt verteilt: Ständeplatz. Wilhelmshöher Platz, Friedrichs- Platz, am Wall (Bremerstraße) und Stadtbau- Grundstück (Fuldabrücke). Es kommen nur numerierte Sitzplätze zum Verkauf, die wegen des Andrangs zu den Tribünen am Festtag selbst nur im Vorverkauf zu haben sein werden. Die Verkaufsstellen werden später noch in den Tageszeitungen bekannt gegeben. Es ist aus diesem Grunde zu empfehlen, sich frühzeitig einen guten Platz zu sichern. Für bequeme Sitz­gelegenheit ist nach jeder Richtung hin sorge getragen; für die ersten Reihen sind sogar Korb­sessel in Aussicht genommen Aus dem Bow- linggreen in der Aue sollen gleichfalls Tribünen mit insgesamt 4500 Sitzplätzen errichtet werden.

Auskünfte werden im Rathaus, Hauptgeschoß, Zimmer 95, sowie bei Ludwig Knipp (Tele­phon. 382) erteilt; an diesen beiden Stellen wer­den auch jetzt schon Vorausbestellungen ent­gegengenommen.

-4- Intermezzo auf der Straße. Ein großer Menschenauflauf entstand gestern abend gegen zehn Uhr in der B r em e rstra ß e, der da­durch hervorgerufen wurde, daß eine betrun­kene Frau unliebsames Aufsehen erregte. Erst als die Polizei erschien, zerstreute sich die große Menschenmenge.

-4- In der Nacht des Wahns. Die Freiwil­lige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz wurde heute früh nach der Kohlen st raße gerufen, wo eine Frau Sch. in Irrsinn verfallen war. Die Unglückliche wurde von den Sanitätern nach der Stadtkaserne gebracht.

-4- Ein unglücklicher Sturz. Ein hiesiger Klempnermeister kam gestern nachmittag in der Marktgasse so unglücklich zu Fall, daß er einen Schenkelbruch erlitt. Der Verunglückte wurde durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz dem Landkrankenhaus zuge- ührt.

-4- Vom Unglück betroffen. In der Wolf - hager st raße lief ein Junge einem hiesigen Handwerksmeister in das Fahrrad. Der Wei­ter kam so unglücklich zu Fall, daß er sich ei­nen Bruch des Handgelenks zuzog. Der Ver­letzte kam in ärztliche Behandlung.

4- Grab und Wiege in Cassel. In der Woche vom 17. bis 23. August verstarben nach den Mitteilungen des städtischen Statistischen Amtes in Cassel vierundzwanzig Personen (gegen iebenunddreißig in der Parallelwoche des Vor- ahres). Darunter waren sieben (im Vorjahre echs) Kinder im ersten Lebensjahre. Unter der Gesamtzahl der Sterbefälle waren zwei durch Masern und Röteln, einer durch Typhus, zwei durch Tuberkulose, fünf durch Brechdurchfall, Magen- und Darmkatarrh (Kinder im ersten Lebensjahre) verursacht. Einen gewaltsamen Tod erlitten zwei Personen. Die Zahl der Le­bendgeborenen betrug (in der vorhergehenden Woche): viernndsünszig gegen zweiundsiebzig in der gleichen Woche des Vorjahres.

4- Das Wilhelmshöher Orgelkonzert. Fol­gende Orgelvorträge, finden morgen, Sonn­abend, in der Christuskirche zu Cassel-Wilhelms- höhe, abends 6% Uhr statt: Vorspiel zuHerz­lich tut mich verlangen" von Herzog; Largo von Chopin, für Orgel arr. von Liszt; Prälu­dium und Fuge in 6-Dur von Bach; Orgelso- nate in B von Volckmar; Intermezzo von Rheinberger; Vorspiel zuValet will ich dir geben" von Guilmant.

4- Ein Liederabend der Wahlershäuser Sänger. Einer der ältesten Casseler Gesang­vereine, der Männer-Gesangverein Wahlers­hausen, hält am 13. September im Restaurant Fremder in Wilhelmshöhe einen Lieder­abend ab. Der Männergesangverein Wah­lershausen konnte im Jahre 1911 auf ein fünf­zigjähriges Bestehen zurückblicken und hat wie­derholt bewiesen, auf welch hoher künstlerischer Stufe seine Leistungen stehen. Für den Abend des 13. September hat der Verein ein beson­ders sorgfältig gewähltes Programm in Vor­bereitung. Die Darbietungen begleitet die Hen- kelsche Kapelle. Außerdem soll eine in Kreisen der Musikliebhaber bekannte Persönlichkeit als Solist gewonnen werden. Die Leitung liegt in den Händen des Vereins-Dirigenten, König­lichen Kammermusikers Hans Kahl.

4- Ein Kunstwerk der Laubsägearbeit. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich ist. stellt ein Herr Bernhard Brey aus Sterkrade im Hotel Württemberger Hof" in der Bahnhofstraße in der nächsten Zeit ein von ihm gefertigtes Mo­dell des Doms von Mailand aus, das ein Laubsägekunstwerk darstellt. Im Maßstab 1:39 ist der Bau 4.19 Meter lang, 3 Meter hoch, 2,50 Meter breit, hat 126 Türme, 146 bunte Fenster, 436 Figuren und 4734 Verzierungsspitzen. Die Verfertigungszeit betrug 7% Jahre; 3600 Sägen wurden gebraucht und für 1100 Mark Material verwandt. Das Innere der Kathe­drale wird elektrisch beleuchtet. Das Kunstwerk hat ein Gewicht von über 15 Zentner und einen Flächeninhalt von 18 Personen.

4- Eine Feuerlösch-Probe. Auf dem Ge­lände am Asckirottplatz wurde biefer Tage mit einem neuen Schnell-Trocken-FeuerlöscherTo­tal" eine Probe abgehalten, den die Bezirks­direktion Cassel der Internationalen Feuer­löschergesellschaft m. b. H. vertreibt. Ein mit Benzin gefüllter, vier Meter langer Graben toitrbe ir Brand gesetzt. Die gewaltige Flam­me konnte in einer Sekunde durch einmaliges Einspritzen gelöscht werden, ebenso eine Tonne mit dreißig Litern brennendem Benzin und Pe­troleum und ferner ein mit Benzin übergossener zwei Meter hoher Holzstoß. Der Apparat be­wies eine ausgezeichnete Löschfähigkeit, wozu noch eine beachtenswerte Handlichkeit tritt.

4- Aus Cassels Kinos. Das Metropol-The- ater (Lichtspielhaus), untere Königstratze 64, erste Etage bringt diese Woche ein Wild-West- DramaSiebe überwindet alles", sowie das BildEine fürchterliche Tragödie". Als Einlage gelangt das Sitten-DramaNeuerlangtes Glück" zur Vorführung. Die Metropol-Theater- Wochenschau, sowie Humoresken. Naturaufnah­men und ein Tonbild vervollständigen den Spielplan.

-4- Kleine Tageschronik. Auf die heute abend im Zentralhotel stattfindende Bür­gerversammlung des Westviertels sei hierdurch besonders aufmerksam gemacht. Die Hensckel-Werke wurden gestern von Leh­rern und Schülern der Blunck und v. Boehn's Privat-Handelsschule besucht. In Gruppen wurde unter sachverständiger Leitung durch den ganzen Betrieb geführt, und den Besuchern Gelegenheit gegeben, sich über den Betrieb und die Einrichtungen eines mufiergiltigen Werkes der Lokomotiv- und Maschinenbau-Industrie zu unterrichten. Heute abend einviertel neun Uhr findet int Stadt-Park großes Militärkon­zert, und zwar ein Wiener Komponistenabend, der Kapelle des Infanterie-Regiments Ar. 167 statt.

4- Das Wetter am Sonnabend. Ter amt­liche Wetterbericht sagt für den morgigen Sonnabend folgende Witterung voraus: Im allgemeinen noch heiter und chorm, doch örtliche Gewitterbilduna.

Letzte Telegramme.

(Rach Schluß der Redaktion eingegangen)

Msertage in Brerlau.

Die Kaiserparade bei Gauoau.

(Privat-Telegramm.)

-------T Breslau, 29. August.

Der heutige Tag des K a iserb ef uch eS ist ganz dem Militär gewidmet. Am Vormtt- tag sand Parade auf dem Exerzierplätze in Ganbau statt, und am späten Nachmittag ist in den Festräurntn der Zwingler Ressource P a - radetasel für di« höheren Offiziere des sechsten Armeekorps. Die Krieger, die an der Parade selbst teilnahmen, zogen schon früh fünf Uhr aus den Paradeplatz hinaus. Der Wagen» und Fußverkehr nach Gandau war geradezu be« ängstigend. Die Parade, die ursprünglich auf zehn Uhr angesetzt war, begann saft eine Stunde früher. Der Kaiser kam in seinem Auto über­raschend zeitig, wahrscheinlich mit Rücksicht auf die Witterungs-Verschlechterung, beim es be­gann zu regnen. Die Kaiserin kam in einem sechsspännigen Wagen mit Spitzenreitern. Es waren erschienen der König von Sachsen und der Kronprinz von Sachsen, Prinz Rupprecht von Bayern, die hohe Generalität, darunter, vom Publikum stürmisch begrüßt, die Feldmarschälle ©ruf von Häseler und von der Goltz- Pascha, außerdem die Mitglieder der italienischen Militär-Gesandtschaft. Rach» dem der Kaiser aus dem Paradefelde zu Pferde gestiegen war, begrüßte er die Prinzessinnen und die übrigen Fürstlichkeiten, woraus er die Fronten abritt. Darauf folgte der Vorbeimarsch der Truppem Der Kaiser führte das Leib- Kürasster-Regiment den Paradegästen vor. Rach abgehaltener Kritik kehrte der Monarch an der Spitze der Fahuen-Kompagnie in die Stadt zu­rück, vom Publikum herzlich begrüßt.

Der Brand auf dem Imperator.

(Privat-Telegramm.).

Newyork, 29. August.

Dle hiesigen Vertreter der Hamsturg-Ame- rika-Linie machen soeben bekannt, daß die Ab­fahrt desI m p e t a t o t" nach Hamburg fahrplanmäßig morgen ftattfinden wird. Der durch den Brand verursachte Sachschaden be­läuft sich, wie jetzt festgestellt ist, auf etwa 200 000 Mark. In der Hauptsache betrifft dieser Verlust verdorbene Lebensmittel und starke Beschädigung verschiedener Räume, namentlich der Kajüten zweiter Klasse. Im Laufe des gestrigen Tages sind etwa zweiMilltone» Gallonen Wasser aus dem Schiffsraum geschöpft worden. Der Tod des zweiten Offi- ziers erweckt hier allgemeine Teilnahme. Gebrecht war infolge seines heldenmütigen Verhaltens bei dem Brande, der letzte Weih­nächte» an Bord des Darnp^Fürst Bis­marck" wütete,, zum zweiten Offizier auf dem Imperator" ernannt worden. Er starb den Heldentod, denn et hielt als Einziger in de» brennenden Appartements aus, mit dem Lösch- apvarat die Flammen bekämpfend. Die Brand- nrsache ist noch nicht einwandfrei festgestellt, die Untersuchung darüber dauert fort. Der Brand wurde aus der Kommandobrücke entdeckt, durch einen Apparat, der durch Röhren jede Rauch­entwicklung anzeigt. (Siehe auch den Artikel auf der ersten Seite der heutigen Nummer.)

*

Die Waldbrände auf Sardinien.

Rom, 29. August. (Privat-Tele- gram tu.) Aus der Provinz Assari auf Sardinien wird gemeldet, daß die Brände infolge der furchtbaren Dürre noch a n - dauern. Die Bahnzüge fahren kilometerlang durch brennende Waldstrecken. Der Verkehr kann nur unter großen Gefahren aufrecht er­halten werden. Ueberall herrscht der empfind­lichste Wassermangel. Die Temperatur beträgt seit Wochen zwischen 35 und 37 Grad Reaumur,

Auf der Suche nach dem Perlenhalsband.

Berlin, 29. August. (Privat-Tele­gramm.) tteber die von dem Direktor Price der Gesellschaft Lloyd unternommene Reise nach dem Kontinent, deren Zweck die Wiederbeschaf­fung des gestohlenen Perlenhalsbandes ist, liegt heute eine neue Meldung vor. Danach hat Price sich nicht, wie die Daily Mail berich­tete, nach Berlin, sondern nach Wien begeben. Die ganze Affäre wird sehr geheimnisvoll be» handelt.

Zwei vermißte Touristen geborgen.

Innsbruck, 29. August. (Privat- Telegramm.) Die beide» vermißten Tou­risten Engelhardt aus Berlin und Ka- threin aus Innsbruck wurden von einet Rettungskolonne am Archerkogl aufgefun- den und zu Tal gebracht. Sie hatten sich ver­irrt und konnten den Rückweg nicht mehr fin­den. Beide befanden sich in ziemlich schlechtem Zustande.

NiH August Bebels Nachfolge. '

Hamburg, 29. August. (Privat - $e« legratnm.) Die Reichstags - Ersatz­wahl im ersten Hamburger Wahl­kreise, der durch den Tod August Be­st e ls frei geworden ist, ist auf den 17. Oktober angesetzt. Bekanntlich hat die sozialdemokra­tische Parteileitung als Kandidat den Redakteur Stolten auf gestellt; der Wahlkampf ist be­reits eingeleitet.

Einsturz-Katastrophe in einem Warenhaus. \

Newyork, 29. August. (Privat-Te-^ leg ramm.) In Peterborough stürzte ein Warenhaus zusammen. Glücklicherweise waren zurzeit der Katastrophe nur wenige Käufer an» wesend. Kurz zuvor hatten gegen hundert Ar­beiter, die an dem Hause Reparaturen Borge« nommen hatten, dieses verlassen. Nur einer war zurückgeblieben, der bet dem Einsturz ums Leben kam. Außerdem wurde» noch fünf Per­sonen getötet und acht schwer verletzt.

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