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Nummer 224. Fernsprecher 951 und 952. Freitag, 2S. August 1913. Fernsprecher 951 und 952. 3. Jahrgang.
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EmopKsche Probleme.
Kriegsrifiko und Friedensgarantie; deutsch- englisches Mißtrauen und Kriegs - Gefahr.
Der englische Admiral Seymour, ein Mann mit kühlem Kopf und hellem Auge (dessen leiser Groll gegen den „blonden Vetter überm Kanal" in der Erkenntnis der Gefahr wurzelt, die Deutschlands Aufstieg zur wirtschaftlichen und politischen Weltmacht für die unter der Wucht der Ereignisse erzitternde britische Vormachtstellung bedeutet) hat jüngst im Prunksaal des Londoner Cecil-Hotels eine Rede gehalten, die eine seltsame Mischung von Friedenssehnsucht und Kriegswillen dar- stellt. Herr Seymour ist der Erfinder einer neuen Friedenstheorie: Er erblickt in der Möglichkeit einer Herrschastssicherung englischer und japanischer Seemacht die stärkste Garantie für den Frieden und er ist Optimist genug, zu glauben, daß in dem Moment, der die Stoßkraft britischer und japanischer Macht zu einen vermöge, „ein Krieg unmöglich sein werde". Jndeffen: Auch der stiedenpredi- gende alte Seebär schaut überm Sonnenschein die Wolken! Er macht kein Hehl daraus, daß Englands Politik im Kriegs- und Friedens- Sehnen „vor einer Macht Ang st habe", und obwohl der Redner vom Handelskammer- Bankett diese Macht nicht genannt hat, dürfen wir Deutsche uns doch schmeicheln, daß uns, und nur uns, die zitternde Sorge britischer Männerseelen gilt. Und damit stehen wir immer wieder auf demselben Fleck: Auf dem Vulkan deutsch - englischen Mißtrauens mit dem Kriegsgespenst im Hintergrund!
Aber man darf trotzdem sich des Sonnenscheins freuen und nur überängstliche Gemüter sorgen sich um die Aufrechterhaltung jenes Zustands des Friedens, für den Deutschland sich seit vierzig Jahren mit glücklichstem Erfolg eingesetzt hat. Man wird sich entsinnen, daß die Machthaber in London, Paris und Petersburg doch letzten Endes denkende Menschen sind, die sich über die Kraft Deutschlands sicher ebenso klar sein muffen, wie über die weitverzweigten Gefahren, die für sie selbst auch außerhalb ihrer eignen Landesgrenzen ein Krieg bedeuten dürfte. Das Deutsche Reich, deflen gewichtigste Hilfsquellen und Interessen innerhalb seines eignen, geschloflnen, durch ein riesiges Heer geschützten Gebiets liegen, hätte bei einem Weltkrieg st>enn Krieg bedeutet heute Weltkrieg) für sich wohl viel, aber sicherlich weniger als seine Gegner zu fürchten. Zum Schutz seiner Küsten hat die Natur grade durch ihre Kargheit manches beigetragen; seine Kolonien, sein Außenbefitz, sind noch nicht zu solchen Werten entwickelt, daß ein Angriff auf sie als tödlicher Schlag empfunden werden müßte. Und ein Angriff auf seine Grenzen hat noch immer die Wirkung geübt, alles innere Parteigezänk verstummen zu lassen und selbst im Fall einer unglücklichen Wendung sogar die berechtigten wirtschaftlichen und politischen Parteigegensätze vorübergehend zu überbrücken und auszugleichen.
Für uns stände also auch im Fall eines kriegerischen Konflikts vorerst nicht allzuviel auf dem Spiel. Anders England und Frankreich. England, dessen Verpflegung ganz von der Zufuhr zur See, dessen Wohlergehen vom Handel und nicht zum mindesten von seinem großen Kunden Deutschland abhängt, würde im Fall eines Kriegs eine Lebensmittelteuerung erfahren, die einer Katastrophe nicht fern, bliebe, und eine Krise seines Geschästslebens durchmachen, an der gemessen die Trübung und Schwächung zur Zeit des Burenkampfs als Kinderspiel erscheint. Und schon ein altes Wort sagt: „Was weiß Der von England, der nur England kennt?" Würde es in einen europäischen Krieg verwickelt, so ist kaum zu glauben, daß in Aegypten und Indien, zweien seiner wichtigsten Kolonien, alles ruhig bliebe, daß nicht jene farbigen Völker blutige Versuche unternehmen würden, das weiße Joch endlich abzuschütteln, das sie seit langem nur knurrend tragen. Ein gegen Deutschland kämpfendes England würde zuletzt wohl nur für Rußland gearbeitet haben, jenes Rußland, das der Kriegslust seines französischen Bundgenossen in mäßigen Intervallen und in höflichen Ausdrucksformen immer wieder einen sehr entschiednen Dämpfer erteilt und das (was fein Recht ist) nur auf eine Bindung der Hände Englands lauert, um den eignen Interessen in Zentralasien einen gewaltigen Stoß nach vorwärts zu geben.
Und bann ferner: In einem Krieg mit Deutschland würde die kleinste Niederlage Frankreichs für Spanien und besonders
für Italien der willkommene Ansporn fein, ihre Ansprüche in Nordafrika mit ganz andrer Energie zu verfolgen, als es bisher geschehen ist, und sie dürften in diesem Falle dann auch der bereitwilligsten Fürsprache durch Deutschland sicher sein. So unzuverlässig die Hoffnung Frankreichs ist, Deutschland deswegen zu Lande in seine Krallen zu schlagen, weil es einige Flieger mehr zählt als wir, so gewiß kann es mit der Aussicht auf große und vermutlich blutige innere Umwälzungen rechnen; gleichgültig, ob der nächste Krieg ihm Sieg oder Niederlage bringt. Im Falle eines Siegs würde vermutlich die übermütig gewordne Armee nicht einen Tag länger die Oberherrschaft der „Zivilisten" im Staate dulden, und unter dem Jubel der ganzen gloire- durstigen Nation würden die Juristen und Magister, die Poincaree, Barthou und Pichon, von ihren Stühlen fliegen, um ruhmgekrönten Generalen, den neuen Bonapartes, dem „em- pereur“ der Zukunft Platz zu machen. Unter diesen Umständen leuchtet sogar das schwelende Flämmchen der entente cordiale trüber als sonst, und man lernt also verstehen, warum Mister Seymour tm Kreis der Handelskammer- Männer im Tonfall dumpfen Grolls von „der einen Macht" sprach, vor der man „in England zittre": Das Risiko eines Kriegs, das gleichzeitig die sicherste Garantie für den Frieden ist, belastet das britische Gewissen, und diese Tatsache dünkt uns wichtiger, als die temperamentvollsten Fanfaren und das dröhnendste Gepolter britisch-gallischer Chauvinisten . . .!• F. H.
Sie KMrtage in Posen.
Zwischenfälle bek den gestrigen Feiern.
(Privat-Telegramm.)
Pofen, 28. August.
Gestern nachmittag um vier Uhr fand bei der Kaiserin Damenempfang statt, wobei es besonders auffiel, daß viele Damen aus der polnischen Aristokratie geladen waren. Auch für den abends stattfinden- den Zivilempfang waren auffallend viele Herren aus dem polnischen Lager geladen. Bei der Auffahrt der Damen kam es gestern abermals zu einem Zwischenfall.
Dor dem Hotel Bazar, der bekannten polnischen Hochbnrg, hatte sich eine ««- gehenre, vorwiegend polnische Menschenmenge angesammelt. Die deutsche Gräfin Zielen, die im gleichen Hotel wohnte, wurde bei der Abfahrt mit einem mit Waffer gefüllten Mechgefäß beworfen. Graf Dieloehaski, den man als den Urheber der Ausschmückung hielt, wurde mit einerFlut polnifcher Schimpf» Worte Überschüttet. Die Polizei mußte einschreiten, sie nahm aber nnr eine Sistierung vor und konnte bald «brücken.
Bei dem Zivildiner hielt her Kaiser gestern abend eine Ansprache, in der er die geladenen Herren herzlichst in feiner schönen Pfalz willkommen hieß und seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß die Manöver ihn und die Kaiserin in die Provinz Posen geführt haben. Ein weiterer Zwischenfall ereignete sich gestern bei der Abfahrt der Fürstlichkeiten nach der offiziellen Feier im Rathaus. Es werden darüber folgende Einzelheiten bekannt:
Bei der Abfahrt vom Rathanse ereignete stch gestern ein aufregender Zwischenfall. Als der Kronprinz mit der Prinzessin Angnst Wilhelm ein Hofautomobil bestiegen hatten, gingen die Pferde eines der Hofwagen durch und rannte» dirett auf das Auto des Kronprinzen zu, deffen rechte Außenwand stark beschädigt wurde, während der Kronprinz mit Geistesgegenwart schnell die Prinzessin heranSriß, so daß niemand zu Schaden kam. Mehrere andere anwesende Prinzen eilten Hinz« und es gelang ihnen, die Pferde zu halten.
Der Reichsanzeiger veröffentlicht zahlreiche Ordensverleihungen und sonstige Auszeichnungen an Bewohner der Provinz Pofen anläßlich des Aufenthalts des Kaisers. Ueberwiegend sind es Beamte, die ausgezeichnet worden sind, hier und da auch Kaufleute. Dem Grafen von Hutten-Czapski, Schloßhauptmann von Posen, in Smogulec, wurde das Prädikat Exzellenz verliehen. Ferner erhielten auch mehrere geistliche Würdenträger der Provinz Posen Ordensauszeichnungen.
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Polen-Angriff auf die Magnaten.
Pofen, 28. August. (Privat-Tele- gramm.) Gegen einige vom Festakt im Residenzschloß nach dem illuminierten polnischen Bazarhotel zurückkehrenden polnischen Mag
naten unternahm gestern abend eine Rotte halbwüchsiger Burschen einen tätlichen Angriff. Ein starkes Aufgebot von Schutzleuten trieb die Exzedenten auseinander. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Die Rowdys gehören fast ausnahmslos einem polnischen Jugendverein an, dessen Leitung sich scharf gegen die Teilnahme von Polen an der Staiferfeier ausgesprochen hatte.
Steinet ßmden beschossen!
3m Kampf mit den chinesischen Rebellen.
Wie wir dieser Tage mitteilten, war der in den chinesischen Gewässern stationierte deutsche Kreuzer „Emden" kürzlich von einem der Führer der chinesischen Aufständischen vor Nanking wegen angeblicher Unterstützung der Re- gierungsiruppen mit Beschießung bedroht worden. Nachdem der deutsche Konsul in Nanking und der Kommandant der „Emden" einen Entschuldigungsbrief der Aufständischen erhalten hatten, schien der Zwischenfall erledigt zu fein. Wider Erwarten haben aber gestern die Aufständischen doch Feindseligkeiten gegen das deutsche Kriegsschiff eröffnet, die die Emden" sofort kräftig und erfolgreich zurückwies, wie folgende Kabeltelegramme berichten:
Peking, 28. August.
Der deutsche Kreuzer „Emde n" ist gestern früh auf dem Jangtse von den Forts der Anfftändifchen beschossen worden. Der Kreuzer hat ihre Schüsse erwidert, bis die Forts das Feuer ein stellten, und dann seine Reife stromauf 'fortgesetzt.
Schanghai, 28. August.
Der Kreuzer „Emden" befand sich auf der Fahrt nach Wuhu, als er vom Pillar-Ostfort mit Artillerie und von Mottonpoint mit Gewehrfeuer beschossen wurde. Die „Emden" erwidette das Feuer erfolgreich mit fünfundzwanzig Schüssen.
Zunächst ist mit Genugtuung fest,zustellen, daß die „Emden" prompt und nachdrücklich den Angriff abgewiesen hat. Ob der Kreuzer selbst irgendwie Schaden bei der Beschießung erlitten hat, ist noch ungewiß, bei der kümmerlichen Schießfähigkeit der Chinesen aber kaum anzunehmen. Im übrigen müssen weitere Mitteilungen abgewartet werden. In den nächsten Tagen muß ja auch der Ches des Kreuzer-Geschwaders an Bord des „Scharnhorst" auf dem Jangtse eintreffen, und es wird dann möglich fein, die erforderlichen Maßnahmen gegenüber den Rebellen zu treffen. Wie uns ein Privattelegramm aus Berlin meldet, wird in dortigen amtlichen Kreisen der Angelegenheft nur geringe Bedeutung beigemessen.
Die Schlacht bei Nanking.
(Draht-Meldung.)
Peking, 28. August.
Der Kampf um Nanking zwischen den Rebellen und den Regierungstruppen dauert seit einer Woche mit ungemindetter Heftigkeit fort. Die Nordtruppen sind bei der Verfolgung der Rebellen auf eine Minenanlage gestoßen, die in den Reihen der Regierungstruppen große Lücken ritz. Während der letzten acht Tage haben um Nanking die erbittertsten Kämpfe stattgefunden. Bei Nanking haben sich die Rebellen zum letzten Mal vereinigt und die Höhen des Purpur-Berges besetzt, der Nanking beherrscht. Die Regierungstruppen haben glänzende Beweise der Tapferkeit geliefert, als sie im Sturmschritt die befestigten Höhen nahmen. Ihre Verluste sind sehr groß und augenblicklich erwartet der Führer, General Shangham Verstärkungen aus Schanghai. Es scheint, als ob die Rebellen in der Richtung ans Tai Ping zurückgeschlagen würden. Genaues läßt sich noch nicht feMellen. Gestern abend hier eingegangene Meldungen berichten über eine schwereNiederlageder Rebellen, doch ist diese Nachricht bisher noch unbestätigt.
Rebellen-Schiffe unter deutscher Flagge.
Berlin, 28. August. (Privat-Tele- aramm.) Nach einer hier eingegangenen amtlichen Meldung aus Nanking hielt gestern der deutsche Kreuzer „Emden", der im chinesischen Ausstandsgebiet unweit des von den Rebellen besetzten Wuhu-Forts liegt, einen chin es is chen D arnp fer an, der die d eni- sche Flagge führte und Geld, Truppen und Nahrungsmittel für die Aufrührer nach dem Wuhu-Fort bringen wollte. Die deutsche Flagge wurde beschlagnahmt, worauf der Kommandant der „Emden" den chinesischen Dampfer freigab.
Steeg, der Milliouen-Spekulant.
Prokurist, Defraudant und Spekulant.
Düsseldorf, 28. August. (Privat- Telegramm.) Zur Verhaftung des Prokuristen Steeg vom Schaafshausen'schen Bankverein (Siehe: Aus aller Welt) ist noch mitzu
teilen,, daß die Untersuchung aufs neue schwer belastendes Material zutage gefördert hat. Steegs Spekulationen müssen einen enormen Umfang gehabt haben. Er hat nicht allein in Deutschland, sondern auch in Loudon und Newyork spekuliert. In welchem Umfange er dies tat, ist daraus zu ersehen, daß er allein mit einer Düsseldorfer kleinen Kuxen-Firrna Spekulationsgeschäfte gemacht hat, die sich auf annähernd zwei Millionen Mark belaufen.
KmnvriMssin und Mode.
Kronprinzessin Cecilie und Paris; dis Mode ist international; Paris und Berlin.
Ein Berliner MontagSblatt verbreitete dieser Tage eine Meldung, die auffehenSivert genug war, um von pflichttreuen Korrespondenten nach answärtS gemeldet zu werden, die aber gleichwohl in Berlin selbst fast unbemerkt blieb, weil man ste . . . für einen Scherz hielt. Tie deutsche Kronprinzessin sollte sich (so hieß eS) gegen die französische Mode erklärt haben und unter ihrer Abführung habe man die Erschaffung einer deutschen Mode zu erwarten.
Eine seltsame Botschaft, Wohl so etwas wie ein Sommetnachts - Traum. Weiter nichts! Denn wenn es sich um mehr handelte, würde die Nachricht sicher bis zu den Ohren der Männer gedrungen sein, die an einer solchen Neuigkeit das größte Interesse haben: Unserer großen Berliner Modebasarinhaber. Aber ich täuschte mich. Die Herren wußten von nichts, und (was noch schlimmer ist): Sie glaubten nicht an das Glück, das nun für die deutsche Konfektion anbrechen sollte. Man sprach sich begreiflicherweise mit äußerster Diskretion aus. Denn es ist für manchen Hoflieferanten peinlich zuzugestehen, daß er . . . nichts liefert, oder wenigstens nicht Das, was er am liebsten verkauft. Krouprinzes- fin Cecilie läßt alles in Paris ar. beiten, und es ist nicht leicht anzunehmen, daß ste darin fo ganz plötzlich Wandel schaffen will. Daß unsere großen Modehäuser es, ohne mit der Wimper zu zucken, übernehmen werden, unsere Kronprinzessin mit der äußersten Eleganz zu kleiden, versteht sich von selbst. Daß ihr Beispiel bet deutschen Konfektion zugute käme, weil es auf viele Kreise nachwirken würde, ebenfalls. Nur in einem Punkte werden die Hoffnungen fehl gehen: Ob die Kronprinzessin ihre Kleider in Paris oder Berlin arbeiten läßt... sie wird ste immer nach der französischen Mode tragen, denn (so sagte mir einer der führenden Männer) es gibt nur eine Mode, und die wird in Paris gemacht. Ob man in Berlin oder Wien, Newyork oder London auch imstande ist, die geschmackvollsten Kostüme und Roben herzustellen, ja zu entwerfen.
Die leitenden Gedanke«
werden in Paris aüsgegeben. Paris hat seit Jahrhunderten diese Stellung inne, unb_ keine Fürstin der Welt wird ste ihr rauben können. Wenn man den Gründen dieser Erscheinung nachgeht, wird man sie besser begreifen, und man wird sich auch am leichtesten mit ihr absind en; man wird am Ende auch dahin kommen sich zu sagen, daß man in diesem Punkts national nicht empfindlich zu sein braucht, denn es gibt genug andere Punkte, in denen wir den Franzosen überlegen sind. Paris war eben zu einer Zeit Weltstadt, als Berlin nicht viel mehr als ein Fischerdorf war. Dort wur- de höfische Sftte gelehrt, als man sich bei uns über einen gewissen Urzustand zu erheben versuchte. Künste und Wissenschaft blühten, und waren schon damals nicht etwa junger Ban, sie hatten schon ihre erste große Tradition hinter sich, die in den folgenden Jahrhunderten ihren gewaltigen Ausbau fand. Es ist dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Hnumel wachsen. An Einwohnerzahl hat Berlin Pans ungefähr erreicht. Die jung auffprreßende Industrie Deutschlands hat die französische überflügelt, und unser Export nach Frankreich ist unaleich bedeutender als der von Frankreich zu uns. Selbst in der Konfektion ist Frankreich unser Abnehmer geworben. Große Pariser Warenhäuser könnten ihren Bedarf an Stapel- arttkeln nicht decken, wenn ihnen nicht
die Berliner Konfektton
hilfreich beispränge. Aber die Mode, nach der diese Exportware gezimmert ist, ist . . . bw französische! Unb diese Mobe wirb ton- angebenb bleiben, solange der Louvre ferne unvergleichlichen Schätze birgt, solange der Konkordienplatz unb bie Notre - Dame ihre Zauber üben, solange sich herrliche Brucken über die Seine spannen. Selbst die Grazie der Pariserin ist an diesem Modewerk vielleicht nicht so beteiligt als Das, was die Geschichte in Pan- gebäuft hat. was (mit Sternchen versehen) in den „Baedekers" aller Sprachen figuriert Der sittenstrenge Baedeker spricht von der Pariserin fast nichts, aber was er preist., das erfüllt, die Welt mit Entzücken, unb alljährlich ergießt sich der ungeheuere Frembenstrom zweier Welten über Paris. Unb bet bringt Geld, unb Gelb ist bie Quelle aller Moden. Nur dort, wo Millionen der Fran als Opfer bargt- bracht werden, famt sich eine wirklich schöpferische Mode entfalten. Wir Deutsche sprechen dann gern verächtlich von „Modenarrheiien". Aber was auf einer Photographie ober einer