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Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 28. August 1913

Nummer 223

Fernsprecher 951 und 952.

Di« Safieter Sleueften Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und 5®ar abenbC. Der LdonnementSpretr beträgt monaMch W Psg. bei freier Zustellung in. Hau», ««stetigen werden federzett von der Seschllftrstelle oder den Boten entgegengenommen. Druaerei, «erlag und Redaktion: SchlachthoMrabe 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 di» »Uhr abend». Sprechstunden der Auskunft - Stelle: Jeden Mittwoch und F«itag von « vi» 8 Uhr abend». Berliner Vertretung: SW, Friedlichste. 16. Telephon: Amt Moritzplatz IM««.

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feit ist der gleiche, und der Staat, der die Spielbanken verbannte und das Glückspiel Lotete, erfüllte nur halb seine Hüterpflicht, als er die Leidenschaft hinter den Vorhang drängte. Die Opfer des Spiels haben sich nicht vermindert, die Spielwut ist nicht beseitigt, und als einziger Erfolg der Strafdrohung darf vielleicht die Flucht des Jeu's hinter verschlossne Türen, in den Schutz verschwiegner Klubs und muntrer Unterhaltungs-Zirkel gebucht werden. Dieser Erfolg aber hat das Verhängnis erst be­

samt achtunddreitzig Pole« geladen worden, die sämtlich ihr Erscheinen zugesagt haben.

Der Ursprung der Allianz.

(Von unserm Dr. v.-Mitarbeiter.)

Paris, 27. August.

Wie das Journal des Debats mitteilt, hat ein gewisser Coössin, der seinerzeit als theoso­phischer Schriftsteller grotzes Ansehen genoß, wertvolle historische Aufzeichnungen hinterlas­sen, die auch aus die Geschichte der Heiligen Allianz Bezug haben. Sehr interessant ist vor allem die Schilderung des Verkehrs zwi­schen Kaiser Alexander und dem mysti­schen Kreis der Frau von K r ü d e n e r und na­mentlich der Bericht über die Abfassung und den Ursprung des Vertrages der Heiligen Allianz. Man glaubt gewöhnlich (sagt Coössin) daß die vier Artikel der Heiligen Allianz dem Kaiser Alexander durch die Baronin von Krüdener diktiert worden sind. Diese Ansicht ist in­dessen falsch. Es war eine andere Dame, die Marquise d'Argense, die dieses einzig­artige Schriftstück dem Kaiser Alexander im Namen der Heiligen Jungfrau diftiert hat. Und 'zwar folgendermaßen: Zu der Zeit, als der Kaiser von Rußland und der König von Preußen sich in Paris befanden, bewohnte die Frau von Krüdener das Erdgeschoß des Hotels Montchenu in der Straße Faubourg- Saint-Honore. Dieses Hotel hatte einen ziem­lich großen Garten, von dem eine kleine Tür nach den Champs Elysees ging. Durch diese Türe begab sich Kaiser Alexander täglich gegen elf Uhr abends zu

Frau von Krüdener.

Die Unterhaltung drehte sich um mystische Fra­gen, die zum großen Teil von Frau von Krüde­ner bestritten wurde. Gegen halb zwölf Uhr zogen sich alle Fremden zurück und Frau von Krüdener ließ unter dem Namen eines Lie­besmahles Brot, Wein und Käse austra- gcn. Der Kaiser nahm an dieser einfachen Mahlzeit teil, lieber die Abfassung der Artikel berichtet Coössin folgendermaßen: Frau von Krüdener entfernte alle Gegenstände aus ihrem Zimmer und bereitete alles auf das große M y- st e r i u m vor. Der Kaiser blieb mit der Frau von Argense allein in dem Kabinett, Frau von Krüdener nebenan. Frau von Argense, die un­gefähr sechzig Jahre alt war, aber infolge eines Schlaganfalles, der ihr die Arme lähmte, tote eine Siebzigjährige aussah, legte sich auf ein Ruhebett und befahl im Namen der Mutter Gottes dem Kaiser, niederzuknien, die linke Hand auf das Evangelium zu legen und mit der anderen die vier Artikel der Heiligen

Jas Schicksal des Legionärs MSÜer.

Amtliche Ermittlungen in der Affäre.

Berlin, 27. August. (Privat - Tele­gram m.) Auf die Nachricht eines Stuttgarter Blattes in Sachen des erschossenen Fremden-

günftigt, denn dem Spiel pflegt sich (als Her­berger) das Verbrechen zu gesellen. Immer­hin: Wir dürfen's noch erträglich finden, denn schließlich ist es ja ein Vergnügen für sich, am Roulettetisch oder beim Kümmelblättchen mit dem Schicksal zu spielen und zuweilen ein Men­schendasein aus eine Karte zu setzen. Beun­ruhigender wird der fromme Brauch indessen, wenn Frauen sich beimGlück im Winkel" messen und der Luftigen Sieben alle Pflichten der Gattin und Mutter opfern. Der kleinen Residenz im Anhaltiner Land ist's Vorbehalten geblieben, dem zwanzigsten Jahrhundert dieses eigenartig-reizvolle Momentbildchen modernster Gesellschafts-Kultur zu präsentieren. Würdige Repräsentantinnen der Dessauer Frauenwelt, Matronen und eben der Haube Verpflichtete, wetteiferten in dem löblichen Streben, Haus, Familie und Herd im Dienst des grünen Tischs zu vernachlässigen, und es bedurfte polizeilichen Hilfe-Ersuchens seitens der ihreheiligsten Gü­ter" bedroht sehenden Gatten, um die Damen aus dem zigaretten-qualmigen Dunstkreis des Glücks im Winke! demGlück am häuslichen Herd" wieder zuznführen. Auch dieses sin­nige Intermezzo ist ein Zeichen unsrer Zeit, eine Offenbarung jener Maflen-Stimmung, die derKampf gegen die Langeweile" als oberstes Gesetz beherrscht, und das Produkt einer Ent­wicklung, die keine Bande frommer Scheu mehr hemmen. Man mag über die Dessauer Tragi­komödie vielleicht lächeln (mit mehr Recht noch über die Gatten der Spiel-Frauen), aber Dessau und Monte Carlo unterscheiden sich nur in Milieu und Handlung: Der Dämon des Spiels webt hier wie dort das Verhängnis...!

legionärs Müller (Siehe: Aus aller Welt) hat sich die Reichsregierung sofort mit der württembergischen Regierung in Vertun- dnug gesetzt, um die Richtigkeit nachzuprüfen. DaS französische Ministerium hat sich aus deutsche Vorstellung hin bereit erMrt, in eine nochmalige Untersuchung der Todesart und der Schuldfrage des erschossenen Fremdenle­gionärs Müller einzuttetcn.

Jas Glück im Winkel.

Die ..Spieltatten"' von Dessau: Frauen beim Glücksspiel; grüner Tisch und Häuslichkeit.

Das Schöffengericht Dessau hat gestern eine Hotel-Inhaberin wegen Duldens von Glücksspielen zu zwanzig Mark Geldstrafe verurteilt. Die Spieler waren fünf Damen der Dessauer Gesellschaft, die in dem Hotel einen regelrechte? Spielklub begründet hatten und dort bis in den frühen Morgen hin­ein dem Glückspiel huldigten. Bei den Glücksspielen feinen mehrere Damen bedeutende Beträge verloren haben.

Dessau, die träumerisch-idyllische Residenz im Anhalter Land, deren etwas philiströses Ge- sellfchasts-Milieu für die sonst üblichen Heinen Pikanterien des Kleinstadt-Verkehrs säst nicht Raum hat, ist von einer schmerzlichen Heimsu­chung betroffen worden:Der Klub von neun» zehnhundertzwöls", den unternehmungssrohe Frauen-Tatkrast im verschwiegnen Winkel eines Heinen Hotels erzaubett und in dessen gastlichen, von Stuckgold und Blechbronze glitzernden Hal­len sich Abend um Abend eine erlesne Gesell­schaft drängte, die aus der Flucht vor der Lan­geweile zu allen Opfern bereit war ... er ist nicht mehr! Das Auge des Gesetzes flackert in düstrem Groll, der Arm der Gerechtigkeit ist weit ausgereckt nach Schuld mtd Sünde und die Pforten des Tempels, in dem so froh und un­verzagt den Götzen ungetrübter Lebensfreude geopfert wurde, sind verriegelt! Das alles hat kaum noch den Reiz der Neuheit: Herr Mat- tifle in der Berliner Wilhelmstraße verstand sich vielleicht noch weit besser auf die lukrative Unterhaltung potenter Lebe-Kinder und auch die Herren Schroeder und Compagnie in Düs­seldorf waren den glückspielenden Damen von Dessau in derGroßzügigkeit" der Betrieb-Auf­machung sicher ansehnlich überlegen; man findet indessen in allen diesen kleinen Tragikomödien verbotner Glück-Versuchung immer wieder das­selbe Anregung-Moment, die gleiche trei­bende Kraft, die den Unternehmer verfühtt, um blinkenden Mammon, dem Kerker-Schrecken trotzend, der Spielleidenschaft Hütten zu bauen, und die anderseits die Leidenschaft drängt, im verschwiegnen Winkel, beim Glanz elektrischer Flammen und umgaukelt von Zigarettendunst und den Kobolden des Alkohols, das Glück zu versuchen.

Im DessauerKlub von neunzehn- hunderrzwölf" waren's vorwiegend Damen der Gesellschaft, Sportleute und andre sorgenlose Kinder des Glücks, die unter den Fittichen einer Wirtin wundermild dem Baccarat huldigten, der Herrin des Hauses ziemenden Tribut zoll­ten und, schneller als sie's geahnt, von der drük- Litben Last schnöden Mammons befreit wurden. Daß gelegentlich das süßeGlück im Winkel" sich zum banalen Unglück verdüsterte, ist nur ein flücht'ger Schatten in dem sonnigen Bild dieses Milieu-Typs, Wie Wir ihm im Salon und in der Kaschemme, im Grand-Hotel und im Bouillon-Keller begegnen: Das Charakte­ristische des Falles ist immer auf gesell- fchaftlich-sozi al em Gebiet zu suchen. Gegen die Spiel-Leidenschaft eifert die bürger­liche Moral, eifert die Kirche und eifert das Gesetz, und allen Eifers Aufwandmenge hat bisher doch nicht vermocht, die Sünde aus dem Bannkreis der T^gs-GeWohnheit hintvegzu- scheuchen. Was tut's, Wenn gelegentlich einmal der eine ober anbre Priester des Glücks im Winkel allzu-impulsiven (SrWerbtrieb mit eini­gen Monaten Einsamkeit in stiller Zelle büßt; waS verschlägt's. Wenn hier unb ba einer von Denen, bie berLustigen Sieben" sträflich-wild gefrönt, am Wege stolpert, der Zukunft verloren geht, und am Ende in der Brandung des Schicksals versinkt: Das lockende Glück ist mächtiger als die Drohung sttafender Gerech­tigkeit; stärker als der GeWissensrus der Pflicht und das Gebot der Ehre, unb bie Legion der Opfer dünkt Winzig Denen, bie im Bann der Leibenschast immer wieder von neuem sich mühen, bas in jedem Augenblick goldfunkelnd an ihnen vorübertänzelnde Glück mit müdem Arm zu erhaschen.

Ob Dessau, ob Monte Carlo: Der Es-

MM und Weltgeschichte.

Der Ursprung derHeiligen Allianz".

Man hat bisher vielfach die bekannte Frau von Krüdener, mit der Zar Alexander der Erste von Rußland längere Zeit in theosophisch-my­stischer Freundschaft verbunden war, m engen Zusammenhang mit der Heiligen Alli­anz gebracht. Es wurde sogar behauptet, daß bie Abfassung der vier Artikel des Vertrages birett auf sie zurückgehe. Jrn Gegensatz zu die­ser Ansicht zieht jetzt bas Pariser Journal des Debats aus einer alten vergessenen Schrift das Urteil eines Augenzeugen, der die damaligen Vorgänge Wesentlich anders darstellt, ans Licht. Wir entnehmen diesen Darlegungen folgende interessante Einzelheiten.

Minuten des Schreckens. Die angstvollste Minute im Leben berühmter Flieger; der Tod und die Helden der Lüfte

Unter welcher Gestalt hat sich der Tod den Helden der Luft am furchtbar- sten bargestellt, und welche Minute war die angstvollste in ihrem Leben? Diese Frage haben die bedeutendsten Flieg e r in den packenden Bekenntnissen beant­wortet, die Georges Prade soeben in der Zeitschrift Je säis Wut veröffentlicht. Die größte Angst hat ber berühmte franzö- fische Flieger G a r r o s bei seinem Hohen- cekordslug ausgestanden, bei bem er bis zu 5000 Meter emporstieg. Statt bes ruhigen Surrens bes Motors hörte er Plötzlich ein furchtbares Geknatter; er erkannte, daß ber Apparat aus bem Gleichgewicht gekommen War unb furchtet« bas Schlimmste.Der Klassische Angst­schweiß stieg mir auf bie Stirn, und im Herzen bürte ich dies harte kalte Schlagen, das uns iesser als alles Nachdenken wie ein reiner In­stinkt bie wirkliche Minute ber Gefahr anzeigt. Ich hatte glücklicherweise den guten Einfall, möglichst rasch ben Zünder abzustellen, unb nun tand auch nach einigem berunruhigenbem Rui­nen der Motor still. Es handelte sich nun darum, die 5000 Meter herabzusteigen, und das ist ja leichter wie das Hinaufkommen Di« Normandie bietet ein gutes Terrain; ich gmg also so langsam tote möglich herab, und es glückte vortrefflich ...!" Eine ähnliche Panne in bedeutender Höhe brachte den durch lerne großartigen Weitflüge bekannt gewordenen Gilbert in bie furchtbarste und gefährlichste Lage. Bei bem Fluge von Paris nach Vik­toria ohne Landung befand er sich in 2000 Sie­ter Höhe über den Pyrenäen, als plötzlich fern Motor versagte, ohne daß er bie Ursache ahnte.Ich hatte noch breißig Sekunden zum Leben, um den Grund meiner Panne zu finden und ihm abzuhelfen. Diese Sekunden der Angst waren mir nicht lang, sie erschienen mtr schreck­lich kurz. Ein sehr starker Benzingeruch erregte glücklicherweise meine Aufmerksamkeit. Wie etn Blitz schoß es mir durchs Gehirn: Es ist das Benzin.

Der Motor des Flugzeugs

hat davon nicht zu wenig, sondern zu vrel. Ich habe zwei Reservoire mit Essenz, von denen das eine leer ist, da ich seit Paris fließe, ohne gelandet zu haben. Mein Motor Wirb tu o jetzt durch mein zweites Reservoir gespeist, und da ich bett Verbindungshahn zwilchen den berben Reservoiren offen gelassen habe, ist der Luft­druck auf dem zweiten Reservorr zu stark und bringt zu viel Flüssigkeit in den Motor Der Motor ertrinkt also vor Benzm und stockt deshalb. Schnell schließe ich den Verbrnbungs. Hahn unb Warte. Wirb ber Motor wieder ein- setzen? In biefen bangen ®e»«nben ber Er­wartung. in diesem langen Abstreg, bas Ohr gespitzt, die Nerven gespannt, ab und zu den Blick durch das Dunkel der Wolken bohrend, um bie Erbe zu sehen, zieht m-in ganzes Leben vor mir vorbei. Eine tragrsche Minute. Sieg! Der Motor hat, wenn auch zögernd, Wie­der zu arbeiten angefangen, und nun setzt er em in einem fröhlichen Rhythmus, in einer Jubel­fanfare. bie mir bas Herz göher schlagen laßt. Ich stelle bas Höhensteuer: Wir steigen Wie­ber ..!" Der Held des Fluges über die Alpen, Bielovucic, meint, daß ihm die lieber« querung ber hohen Berge lange nicht so viel Angst gemacht habe, als ein einfacher al11 ä g- lieber Flug, ben er zwischen Reims und Chaumont unternahm. Das Wetter war Präch­tig, bie Fahrt ging vortrefflich. Als er über die Marne flog, lenkte em Fischerboot feine Aufmerksamkeit auf sich, in dem heftig gestiku- lierenbe Fischer standen. Er glaubte, sie Woll­ten ihm nur zutoinken, aber als er über sie toeggefloaen War, machte ihn das unruhig, und aus einmal

stand der Apparat fast senkrecht.

Ich weiß heute noch nicht, Was geschehen War. Alles, Woran ich mich erinnere, ist, daß ich Wah­rend einer Strecke von mehr als dreihundert Meter (unb sie schien mir sehr lang) senkrecht herabschoß, bie Augen bestänbig auz das Fischerboot hinter mir geheftet. Die Leute stan­den noch aufrecht, imb diesmal (darüber konnte ich mich nicht täuschen) zeigten mir ihre Gebar- den bie Katastrophe an. Der Stotz war so furchtbar, bie Veränberung der Lage so plötzlich, daß ich fast die Besinnung verlor. Das war nicht eine Minute, sondern eine Sekunde bet Tobesangst, bie mir das Herz durch­bohrte. Im letzten Augenblick aber konnte ich noch den Apparat ins Gleichgewicht bringen und meine Fahrt ohne weiteren Unfall fortsetzen ...! Die entsetzlichen Minuten, bie ber Eroberer des Poinmery-Pokals, G u i l l a u x, durchlebte, waren auf seinem berühmten Rund fluc>

Sie Saifettsoe in Posen.

Der Kaiser au das fünfte Korps.

Wie uns aus Posen berichtet wird, fand gestern abend um sieben Uhr beim Kaiserpaar im Residenzschloß Paradetasel für das fünfte Armeekorps im großen Festsaale und im Wisdysaale statt. Zur Tafel führte der Prinzregent von Bayern die Kaiserin, der Kaiser führte die Kronprinzessin, der Kronprinz die Prinzessin August Wilhelm. Im Verlaufe des Mahles brachte der Kaiser folgenden Trink- spruch aus: .

Mein Glas gilt bem fünften Korps, das die Gelegenheit hatte, heute vor mir in tadelloser Verfassung zu erscheinen und da­mit die Probe in der Friedensimsbildung zu leisten. Ich erwarte von dem Korps, daß es im Ernstfälle ben Geisbergstür- rnern nacheifern und gleichen Ruhm an feine Fahnen heften wird. Drei Hurras für das fünfte Korps!

Der Kaiser verlieh bem Oberpräsidenten der Provinz Posen, von Schwartzkopf, den Kronenorden erster Klasse. Der Prinzregent .von Bayern speiste mittags bei dem komman­dierenden General von Strantz. Der Reichs­kanzler traf gestern um 1.55 Uhr in Posen ein und nahm an dem Frühstück bei bem Ober» Präsidenten teil. Der Kaiser hat dem Grena- dier-Regiment Nr. 6 bie Gardelitzen an der Uniform verliehen.

Die Polen und der Kaiser.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 27. August.

Einen schrillen Mißklang trägt in bie Pose­ner Kaisertage das Verhalten eines Tei­les der Polen, bie gegen bie Festlichkeiten in ihrer Art protestieren unb sich namentlich gegen bie Hofgänzerei der polnischen Aristokratie Wenden. Der in Berlin erscheinende Polnische Kurier schreibt:. . . Abscheu und Verachtung muß jeden Polen über bas Auftreten ber länd­lichen Aristokratie erfassen. Sie stellen sich hier­mit außerhalb des Rahmens des polnischen Volkes und küssen die Hand, die sie ohr­feigt...!" In derselben Nummer muß sich das Herrenhausmitglied von ChlapoWski dagegen vetteidigen, daß er bie Einladung zur Galatafel im Schloß angenommen hat. Er schreibt, daß in der Politik keine Eenti- merttalitäten, sondern Zweckmäßigkeitsgründe gelten, und daß bett Interessen des polnischen Volkes mit den groben Rücksichtslosigkeiten und der Maßlosigkeit des Kurier nicht gedient fei. Bezeichnend für die Stimmung in den Kreisen der polnischen Oppositton ist eine Mel­dung aus Posen, wonach dort aus Aerger dar­über, daß der Polnische Bazar für die Kaiser- tage geschmückt worden ist, bie großen Schau­fenster bet Weingroßhanblung des Bazars zertrümmert Wurden. Den Wohlgesinnten Polen Wurden verschiedene Auszeichnungen zu­teil. So Wurde dem Arzt Dr. von SWienzicky der Professorentitel verliehen. Der Kammer- junker von Loncki Wurde zum Kammerhcrrn ernannt Aum heutigen Festessen sind insge-

Allianz niederzuschreiben. Nachdem der Kaiser dies getan hatte, versprach er feierlich, dafür zu sorgen, daß diese Artikel durch den KaifervonOe st erreich und den K ö n i g von Preußen angenommen Würden. Er begab sich denn auch in der Tat am folgenden Morgen zu den beiden Fürsten, um seine Absicht zu verwirklichen.

Di« Mystik des©tauen HauseS"o

Die Gesellschaft, die Cosflin erwähnt, war ein mystisches Institut, das unter dem Namen dasgraue Haus" bekannt War. Coössin, der den BeinamenProphet der ponti- fikalen Aera" erhalten hat. beschäftigte sich sein ganzes Leben hindurch mit der Mystik der The­osophie. Die Marquise von Argense (von der Coössin erzählt) war in ihrer Jugend mit Mes­mer verbunden gewesen. Sie war die Tochter des MarquiS von Pons, ber sich als Visio­när berühmt gemacht hal. Sie war wahrend ber französischen Revolution mit ihrem Gatten ausgewandert und kehrte erst später unter Na­poleon wieder zurück. Coössins Schilderungen bilden jedenfalls einen interessanten Beitrag zur Geschichte deS Befreiungsjahres.