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Casseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, 27. Angnft 1913

Nummer 222

Fernsprecher 951 und 952.

nicht unbeachtet lassen darf.

Die Redaktion.

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3nfertton«pretfe: Die fedjägefpaltene Zeile tüt einhetmttche Beschütte 15 Wg., für aus, roärttge Inf erste 25 Pt, Reklame,eil- für einheimische Geschäfte 43 Pt. für auswärtig« Beschütte S0 Pt. Einfache Beilagen tüt die Sesamtauslag- werden mit 5 Mat! pto Tausend de- technet. Wegen chret dichten Betbteitung in det Residenz und det Umgebung sind di« Lasselet Neuesten Nachrichten -in vorzügliche« Jns-rtt-nSotgan. BeschüttsNelle: »ölntsch- Etrabe 5 Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Morttzplatz 12581.

Die Schrecken der Ft7mdenlegion.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Köln. 26. August.

In einer gestern abend hier stattgehabten, von ehemaligen Fremden! eg io nären einberufenen und überaus zahlreich besuchten öffentlichen Volksversammlung versicherten die Redner, entgegen früheren Behauptungen, daß die Zahl der französischen Werber für die Frem­denlegion fortgesetzt zunehme. Die Werber seien namentlich im Rheinland und in den Reichs­landen tätig, um junge Deutsche in die Frem­denlegion zu locken. Bei völlig ungenügender Kost hätten die Legionäre anstrengende Märsche durch beiße und sandige Gegenden zu leisten, wobei die aus Ermattung zusammengebroche­nen Legionäre, nachdem sie ihrer Waffen be­raubt seien, erbarmungslos ihrem Schick­sal überlassen blieben. Die schlapp ge­wordenen Leute würden anPferdegebun- den und dadurch gezwungen, weiterzulaufen. Die Bestrafungen, die den Legionären drohten, die sich vergangen hätten, seien überaus grau­sam. Im Arrest seien auf einer Stube sech­zig Personen zusammengepfercht. Allein bei dreiunddreißig Paragraphen des Militär- strafgesetzbuches laute die Strafbestimmung auf Todes st rafe. Die Redner schlossen ihre An­klagen mit dem Ruf: .Nieder mit Frankreich, nieder mit der Fremdenlegion!*

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Notizen vom Tage.

Die Erhebung der Wehr-Abgabe.

(Privat-Telegram m.) Berlin, 26. August.

Bestimmung verleugnen." Die große Aufgabe der Volkserziehung ist es also, dafür zu sorgen, daß sich die Menschen näher kommen, nicht, daß sie sich trennen ...!

Richt nur die I u g e n d braucht Erziehung: Es tut auch eine Erziehung der Erwachse­nen not. Sie wird sich immer zusammensetzen müssen aus einer individuellen und einer sozia­len Erziehung. Der Einzelne wird als Ein­zelwesen zur höchsten Ausprägung seines We­sens zu erzüehen sein und gleichzeitig zu einer Existenz, die sich selbst dem großen Ganzen mit Glück anordnet. Das Kind, der Jüngling, die ins Leben hinaustreten wollen, werden nie­mals so isoliert sein, daß sie lediglich ihrem Ich freien Lauf lassen können. Sie werden dem großen Gesetz der Solidarität un­tergeordnet, müssen sich von Anfang an der Herrschaft ihrer eigenen Natur entwinden und sich zum Begreifen der Harmonie der Gesamt­heit emporheben, wo die Rechte des Andern mit den eigenen ausgeglichen werden müssen und die persönlichen Interessen denen der All­gemeinheit hintenanstehen sollen. Das ist das Problem der Erziehung der Erwachsenen! Wie aber ist es zu lösen? Die Nation darf nichts vernachlässigen, um den folgenden Generatio­nen eine Kultur des Intellektes und der Ethik zu geben, aus der sie selber den größten Vor­teil ziehen tarnt. Aber dieses nationale Werk kann nicht allein vom Staate selber, dem Ver­walter der Volkskrast, durchgeführt werden, es ist unbedingt notwendig, daß die private Ini­tiative daran mitarbeitet.

Der Staat als Organ der Gesamtheit hat die Schule geschaffen, das Hauptinstrmnent der Er­ziehung. Aber wie vielen guten wder schlech­ten Beeinflussungen ist die Seele des Kindes außerhalb der Schule ausgesetzt. Da ist der Einfluß der Familie, der Umgebung, der öffent­lichen Meinung! Die Erziehung ist das Resul­tat dieser verschiedenen Einflüsse. Man könnte die Schule noch so glänzend organisieren, könnte sicher den Kindern das Allerbeste mit auf den Weg geben: Die guten Keime, die sie sät, können sich nur weiter entwickeln, wenn sie draußen im Leben in eine entsprechende Atmosphäre kommen. Man muß sich überhaupt einmal klar machen, wie gering eigentlich der Einfluß der Schule auf das Kind ist, auf das er wirken soll. Das Kind verläßt die Schule ja schon in einem Alter, wo seine Ein- drucksfähigkeit noch groß, sein Willen noch schwankend ist und jeder Einwirkung des Le­bens leicht offen steht. Damit ein Fluß klar und hell in feinen Ufern läuft, genügt es nicht, daß seine Quelle rein ist: Man muß auch da­für sorgen, daß auf seinem weiteren Laufe kein Schmutz zugeführt werden kann. Gewiß ent­wickelt die Schule in der ihr anvertrauten Jugend auch Kräfte, die noch jenseits der Schul­bank wirksam sein können, aber sie müssen sich dann im Leben mit Einflüssen messen, die ganz entgegengesetzt und ost viel stärker sind, und einer ganz grausamen Illusion würde sich hingeben, wer die Erziehung eines Volkes mit der Elementarbildung abgeschlossen hielte, die die Schule vermittelt.

Jeder Mensch, auch der bescheidenste, ist bis zu seinem Tode der Dasall seines Mil- lteus. Das Milieu, die Gesellschaft wirken als Erzieher. Damit sie aber als gute und her­vorragende Pädagogen wirksam sein können, können Die gar nicht genug Eifer zeigen, denen di« Zukunft des Volkes am Herzen liegt. Was sie tun sollen? Der Staat selber hat ihnen schon den Weg gewiesen. Er hat den Volks­schulen die Fortbildungsschulen und die Höhe­ren Schulen an die Seite gestellt. Aber das ge­nügt bei weitem noch nicht. Die ösfentlichen Gesellschaften, Verein« und Verbände müssen hinzu kommen, um Das zu ergänzen. Das ganze Sylt selber muß großzügig daran teilnehmen. Das wird immer eine schwierige und komplizierte Aufgabe sein, deren Lösung ebenso viel Geduld wie Arbeit und Opferwil­ligkeit erfordert. Es gehört dazu die Wärme des Gefühls und der Hauch der Brüder­lichkeit. »Das Vaterland (sagt Michelot) ist die große Freundschaft, die alle andern um­schließt. Ich liebe Frankreich, eben weil es Frankreich und auch weil «s das .Land Derer ist, die ich liebe und die ich geliebt habe." Und er fügt hinzu:Der Mensch ist als Freund des Menjchen gebore«. Sich hasse«, das heißt seine

Schule uud Nation.

Dolkserziehnng als nationales Problem, von Raymond Poincard,

Präsident der Republik Frankreich.

liefet fetjenbe Beobachter haben schon roied:r- holt daraus fjlngeroiefen, daß In dem heutigen Frankreich eine Umwandlung vor sich geht,die auf eine ähnliche Vertiefung des BoUSgeiste« hin- strebt, rote sie nach der Schlacht bei Jena durch Fichte, Arndt und andere in Deutschland erzielt wurde. In dem Präsidenten Potnearü sehen schon Biele den Repräsentanten dieser Bemühungen. Dte nach- salgenden AuSsührungen aus seiner Feder geben ein Zeugnis dieser Beistesrichtung, die man tnDeutschland

Im Reichsamt des Innern werden gegen­wärtig die Fragebogen für die Erhebung der einmaligen Wehrabgabe gemeinsam mit den übrigen Ausführungsbestimmunget: zu dem Gesetz über den einmaligen Wehrbeitrag ausgearbeitet. Die Bestimmungen werden vom Bundesrat voraussichtlich am ersten Ok­tober erlassen werden, da das Gesetz bekanntlich am ersten Januar 1914 in Kraft tritt. Die Fragebogen werden int Januar ausgegeben und int Februar zugestellt werden. Drei Ato­nale nach der Zustellung mutz das erste Drittel des Wehrbeitrages bezahlt wer­den. Der Heeresverwaltung steht bei der ein­maligen Ausgabe der Heeresvorlage für 1913 eine Summe von 425 Millionen zur Ver­fügung. Die Heeresverwaltung hat unmittel­bar nach der Verabschiedung des Gesetzes grotze Bestellungen gemacht, die zu Ende dieses und Anfang nächsten Jahres be­zahlt werden müssen. Um die notwendigen Mittel flüssig zu machen, ist für den Spätherbst mit der Begebung eines großen Postens Schatzscheine zu rechnen. Der Schatzan­weisungskredit beträgt 600 Millionen Mark und bis jetzt sind von dieser Summe nur für Millionen Mark Schatzft' eine ausgegeben.

Der Fürsten-Tag.

Die deutschen Dundesfürstea in Kelheim; der Auftakt zur Weihe des Völkerschlacht-Denkmals; die Festrede des Priuzregeuteu Ludwig von Bayern und die Antwort des Kaisers; das Festmahl in der Banketthalle; ei« Trinkspruch des Priuzregeuteu Ludwig von Bayern.

Der Balkan und die Diplomaten.

(Privat-Telegram m.)

Konstantinopel, 26. August.

Aus glaubwürdiger Quelle verlautet, daß die türkisch-bulgarischen Verhandlungen in befriedigender Weise ihren Fortgang nehmen. Der bulgarische Unterhändler unterhandelt augenblicklich mit Rasim Pascha und die Ver­handlungen dürsten wohl bald zum Abschluß gelangen. Wie es heißt, soll die S ch l»i f«» s

Der gestrige Fürsten tag m Kelheim /über dessen Beginn wir bereits telegraphisch berichtet haben) wird in der Geschichte des Reichs für immer ein sichtbares Denkmal deutscher Einheit bleiben. Der Kaiser und die deutschen Fürsten sind in Kelheim mit aus dem Herzen kommenden Jubel und echter Be­geisterung empfangen worden, und an emer durch" die Erinnerung an die große Zett vor hundert Jahren geweihten Stätte, die etn deut­scher Fürst geschaffen hat, der Zeit seines Le­bens den deutschen Gedanken treu im Herzen getragen, haben die deutschen Fürsten^ um Kaiser Wilhelm geschart, in ernster Stunde und unter dem Eindruck einer schlichten unv zum Herzen gehenden Rede des Prinzregenten das Gelübde erneuert, treu zusammenzu­halten und in Einigkeit gefestigt die schwer errungene Stellung Deutschlands Wahren und zu verteidigen. So groß die Muhen be* Vorbereitung des vaterländischen Festes mich waren: Sie sind reichlich durch das glücklichste Gelingen belohnt worden. Auch der Himmel hatte seinen Segen dazu gegeben, die Wolken, die ihn in früher Morgenstunde bedeckten, wa­ren wie von Zauberhand hinweggezogen, und vom klaren Firmament lachte die Sonne m vol­lem Glanze. Ein Leben von unbeschreiblicher Fülle entwickelte sich schon in früher Morgen­stunde vor und in dem altertümlichen Städt­chen und seinem kleinen Bahnhof. Zur Be­wältigung des Verkehrs hatten sogar die Gleise und Weichen umgebaut werden müssen. Seit zwei Uhr morgens liefen insgesamt ach t- undneunzig Sonderzüge ei«, Sie­bentausend Schulkinder, die Mädchen m wei­ßen Kleidern und mit blauen Schärpen, die Knaben stolz ihre Fahnen in den bayerischen und den Reichsfarben schwingend, harrten m freudiger Erregung vor dem Bahnhof und in den Straßen des Einzugs der Fürsten.

Die Ankunft der Fürsten.

In reichen, von Künstlern entworfenen Schmuck war der kleine Bahnhof gehüllt. Im­ponierend wirkte die eigens errichtete Emp­fangshalle. Der weite Weg nach Kelheim und zur Befreiungshalle selbst erschien als eine einzige via triumphalis. Und wie hatte sich die kleine malerische Stadt herausgeputzt! Ueberall hatten die Hände Münchener Künstler gewal­tet. Ueberall wehten Fahnen, zogen sich Gir­landen von Haus zu Haus, von Mast zu Mast. Nachdem schon zwei Sonderzüge die geladenen Gäste aus München gebracht hatten, lief 10.35 Uhr der Hofzug des Regenten etn. In rascher Folge kamen dann die Bundesfürsten an, um sich sogleich zur Banketthalle zu bege­ben. 11.50 Uhr erreichte der Empfang mit der Ankunft des Kaisers seinen Schluß und Höhepunkt. Ihn und den Regenten begrüßten vom Balkon des mittelalterlichen Stadttores Zinkenisten in Altkelheimer Tracht mit schmet­ternden Fanfaren. Auf dem Balkon des Ban- kettfuales standen vierzig Kinder in der Tracht von 1813, die Knaben schwenkten die Hüte, die Mädchen streuten Blumen auf die Straße, als der Kaiser und der Regent in dem eigens er­richteten Bau einttaten, in dessen mit berühm­ten Gobelins der Münchener Residenz verklei­deten Empfangssaal sich die Bundesfürsten und die sonstigen Ehrengäste schon versammelt hat­ten. Nach ihrer Begrüßung ordnete sich der Festzug. Die Salutbatterien auf den Hö­hen donnerten herab, die Glocken Kelheims fielen mit eherner Stimme ein, und mit ihnen vereinigten sich die Klänge des Kriegsmarsches von 1813, dessen schmetternde Weisen wie hel­ler Jubel in den sonnigen Hochsommer-Mittag brausten.

In der Kelheimer Ruhmes halle.

Mit farbigen Blumengewinden ging, von Damen in Empirekostümen geleitet, die Kin­derschar dem Zuge entgegen. Paarweise schrit­ten, von brausenden Hochrufen begleitet, die Fürsten und die sonstigen Ehrengäste zu dem Ruhmestempel, den Emanuel von Seidl mit feinem Geschmack und unter Vermei­dung jeder Ueberladung geschmückt hatte. Auf der Freitreppe hielten die Fahnen- und Offi­zierdeputattonen aller bayerischen Regimenter. Beim Naben des Zuges stellten sie sich an die Spitze und zogen voran in die Halle. Auf der Freitreppe bildeten, wie aus Erz gegossen, die Hartschiere Spalier. Der Freitreppe gegenüber stand der Bayerische Sänaerbund. Hart an der Defreiungsballe hielten Scharen von jugend- lichen Pfadfindern. Als der Zug die Stufen hinaufstieg, traten aus dem Portal Edelknaben hervor, feierliches, auf das Gralmottv gestimm­tes Glockengeläut durchzog die Halle, ein Bild voll Pracht und Hoheit erschloß sich. Posaunen schmettetten, und dann begann mit erhobener Stimme der Prinzregent feine Festrede, de­ren großzügigen Gedanken und von vaterländi- : scher Begeisterung erfüllten Worten die 93er*

Die Schulden der Prinzessin.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 26. August.

Prinzessin Luise von Belgien veröffentlicht eine Erklärung in der Angelegen­heit Dr. Inh offen. Sie heißt: Die letzte Erklärung des Dr. Jnhoffen veranlaßt mich, in der Oeffentlichkeit folgende Feststellungen zu machen. Die allein zuständige Stelle, das Gericht, wird die Entscheidung zu treffen ha­ben. Ich werde gegen Dr. Jnhoffen und seine Gattin bei der Berliner Staatsanwaltschaft Strafantrag wegen Erpressungs. Versuchs stellen. Der Erpressungsversuch liegt klipp und Nar erwiesen vor in einer an mich gesandten Depesche, worin mir Dr. Jn­hoffen mit Erstattung der Strafanzeige droht, falls ich nicht bis zu einem gewissen Zeit* puntt einen Vergleich mit dem belgischen Staat geschloffen habe. Der Betrug liegt in der Erlangung eines Wechsels von mir unter der Vorspiegelung der falschen Tatsache, es sei ihm ein Schaden durch die Versteigerung eines für mich verpfändeten Geschäftsanteiles entstanden. Diese Behauptung war erfunden, um mich zu täuschen. Der Beweis für die, Rückzahlung der 300000 Fres., was von ihm jetzt geleugnet wird, wird von mir durch Schecks an Banken und einwandfreie Zeugen erbracht werden.

sammelten bewegten Herzens lauschten. Tief ergriffen hätten sie das feierliche Gelöbnis 2u Kaifer und Reich, donnernd erklangen ihre Hochrufe durch Posaunen. Trompeten und Hörner verstärkt, Hörner-, Harfen-, Geigen- und Orgelklang zog leise durch die weite Halle, eine prächtige Frauenstimme (die Alttstin Frau von Kraus-Osborne) sang aus der Höhe ein Arioso von Händel, und in den Schluß mischte sich wie­der leiser Orgelklang.

Die gestrigen Festreden.

In der Festrede, die Prinzregent Ludwig von Bayern in der Kelheimer Ruh- meshalle hielt, heißt es unter anderm: Groß und mächtig steht das Deutsche Reich im Rate der Völker da, stets erprobt als ein Faktor der M ü ß i g u n g und des F r i e d e n s, stets aber auch bereit, für die Ehre und Interessen de-I Deutschtums eiiizutreten, wo immer sie bedroht werden. Das Gefühl der Zusnmmengehö- rigkeit aller Teile des Reiches in Freud und Leid ist immer mehr erstarkt, und wer gleichwohl im Auslande je mit der Un­einigkeit, der Eifersucht der Reichsglieder rech­nen würde, wie dies wohl früher geschehen, würde diese Rechnung grausam enttäuscht sehen. In immer erneuten Anstrengungen gilt es für Deutschland, sich gewappnet zu halten gegen alle Gefahren, die seinen Bestand bedrohen können, die Kräfte zu stählen für alle Aufgaben, die die Entwicklung der Zeiten uns stellt. Erst die letzten Monate haben wieder er­wiesen, daß das deutsche Volk in seiner Ge­samtheit auch vor großen Opfern nicht zurück - scheut, wenn die Weltlage es erheischt. Eiumü- ttges Arbeiten, Einsetzen des besten Könnens für das Blühen und Gedeihen der engeren und weiteren Heimat, fest es Zusammen ste­hen zu Kaiser und Reich: Das sei das Ge­löbnis dieser feierlichen Stunde ...!"

Kaiser Wilhelm

antwortete auf die Festrede des Prinzregenten mit einer langen Ansprache, in der er unter an­derm ausfühtte:Es war, als rauschte der eherne Flügelschlag deutscher Ge­schichte über uns, als Euere Königliche Hoheit inmitten dieser feierlichen Stätte das Bild je­ner gewaltigen Zeiten vor unser Auge stellten, deren unvergänglicher Ruhm deutsche Herzen stets aufs neue ergreifen wird. Euere König­liche Hoheit haben ht ergreifenden Worten be­tont, worin der Sinn der Erinnerungsfeiern liegt, die überall, wo Deutsche wohnen, in die­sem Jahre begangen werden. Dem lebenden Geschlechte soll sie die Lehren einprägen, die im Laufe unserer Geschichte mit so viel kostbarem Blute erkauft worden sind, daß unsere Stärke auf unserer Eintracht und Einigkeit beruht, daß es für unser Volk kein Nachlassen geben darf, wenn es seinen ho- hi.T Platz behaupten will. Die begeisterte Teil­nahme aller Kreise unseres Volkes an den Fei­ern dieses Jahres, die sich auch heute wieder so kraftvoll und warmherzig hier an der Donau bekundet, legt Zeugnis davon ab, wie tiefe Wurzeln das vaterländische Empfinden geschla­gen hat, wie innig sich das Deutsche Volk mit seinen Fürsten verbunden fühlt ...!"

Das Festmahl von Kelheim.

Bei dem an die Feier sich anschließenden F e st d i n e r im Bankettsaal hielt der Prinz­regent einen Trinkspruch auf Kaiser und Bundesfürsten, worin er tagte: -Die deutschen Bundesfürsten sind mit allem, was die mit ihnen durch geheiligte Ueberlieferungen verbun­denen Stämme und Vöffer bewegt, auf das in­nigste verkettet. Sie reichen gerne und mit Freuden dem macfern deutschen Manne die Hand, der mit ihnen sich zum Schutze der hei­ligen Güter unseres Volkes, der von Gott gesetzten Autorität und der Liebe zum Vaterland zusammenschließt. Mit dem Kaiser an der Spitze haben die hohen Bun­desfürsten sich zu dieser vaterländischen Gedächt­nisfeier eingesunden. Sie legen durch ihre An­wesenheit Zeugnis ab von dem Gefübl starker Zusammengehörigkeit, das sie unter sich und mit dem Deutschen Reiche verbindet, mit dem Reich, dessen Ehre ihre Ehre, deflen Wohlsahrt ihre Sorge, beffen Aufschwung und Ansehen unter den Völkern das Ziel ihres vereinten und treuen Strebens ist. Wie sie mit dem deutschen Volke gemeinsam das Gedächtnis einer großen Vergangenheit feiern, fo tragen sie mit ihm in Treuen die Sorgen der Gegenwart und teilen mit ihm die Zuversicht auf eine glück­liche und gesegnete Zukunft unseres geliebten deutschen Vaterlandes ...!" Um vier Uhr nachmittags erfolgte die Abreise der Fürst- lichleiieu.