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Casseler Neueste Nachrichten____________-________ffteHag, 22. August 19iy

daß von einer Gesetzmäßigkeit zwischen Strom­absatz und Verwaitungssorm keine Rede sein kann. Der reine Kommunalbetrieb ist der rich­tiger Auswahl der leitenden Persönlichkeit und zweckmäßiger Organisation dem Privatbetrieb durchaus ebenbürtig.

Nr. 218. S. Jahrgang.__________________

hcntlichem Auscnthalt im Bregeu,er,Wald an- remeldet und wird dort in den nächsten ^-agen -rwartet. Auch die Kronprinzessin und die Söhne werden einige Zeit im Bregenzer Wald zubringen.

Die Gnade des Zaren. Ein Telegramm aus Petersburg meldet uns: Der Zar hat aestern siebenundvierzig Matrosen der baltischen Flotte, die am zweiten August in Kronstadt vom Marinegericht verurteilt worden waren, begnadigt.

Ja» Neueste au» Kassel.

Chaffalas Fest Gewand.

Aus unserem Leserkreise gehen uns nach­folgende, nur allzusehr berechtigte Ausführun­gen zu: Chafsalas Bürger rüsten mit Eifer und Freude, das Fest der Tausendjahrfeier würdig zu gestalten. In einem sehr merkwür­digen Gegensatz zu der Opferwilligkeit der Bür­gerschaft steht nun der Beschluß und die Ab­sicht des Magistrats, mit zehntausend Ma r k die Kosten der Ausschmückung der Stadt zu bestreiten. Wenn es hoch kommt, sollen höchstens siebzehntausendfünfhundert Mark zur Bewilligung vorgeschlagen werden. Daß die Stadt noch hundertfünfzig städtische Gebäude und ferner die Fuldabrücke auf besondere Ko­sten auszuschmücken hat. sei nur nebenbei er­wähnt. Zunächst sollte diese Summe den ein­zelnen Beririsvereinen, vierzehn an der Zahl, zur Verteilung überwiesen werden, sah aber von diesem Plane ab. da einzelne Bezirke zu einer einigermaßen reichen Ausschmückung der Straßen und Plätze schon allein die Hälfte der ausgeworfenen und als genügend angesehenen Summe beanspruchten. Selbst wenn die Samm­lungen auch größere Beträge ergeben sollten, von denen zunächst die Kosten zur Bestreitung der von jedem Bezirksverein bereitwilligst über­nommenen Festzugsgruppe und der übrigblei­bende Rest zur Ausschmückung verwandt wer­den soll, so wäre dennoch ein größerer Fehlbe­trag zu decken. Und diesen Fehlbetrag müßte die Stadt übernehmen! Aber

die tausendjährige Residenzstadt

will (so viel steht fest) die Bezirksvereine mit im Ganzen sechs« bis siebentausend Mark unterstützen und glaubt alles übrige dem Opfer­sinn der Vereine und den Bürgern getrost über­lassen zu rönnen. In diesem Falle können grö- l ßere Mittel nicht zur Verfügung gestellt werden, 'wohl aber bei Empfängen und zu Repräsenta- rionszweckcn geringerer Bedeutung als in diesem Falle. Die Stadt beabsichtigt nur, den Bahnhofs-, Königs-, Stände- und Friedrichs- Platz auf Kosten des Stadtsäckels ein festliches Gepränge zu geben, die übrige Ausschmückung der Stadt bleibt den Bürgern überlassen. Sicher werden diese alles Mögliche tun, aber man kann sich der Sorge nicht erwehren, daß das einheitliche Ganze, das Künstlerische, darunter leiden muß. Für Plätze des eigentlichen£> i - storifchen Gebietes", also diejenigen der Mittel-, Alt- und Unterneu« fta dt, glaubt die Stadt kein Geld aufwenden zu müssen, glaubt, diese schmücken sich allein. Und doch suchen die Fremden gerade hier Spuren des Altertums, hier spähen die Alten, die längst aus Cassel verzogen sind, und zur Tausendjahrfeier nach der Vaterstadt kommen, nach den Stätten ihrer Jugend. Noch ist es Zeit, daß die berufenen Vertreter der Bürger­schaft das Wort ergreifen, daß sie dem Vor­schlag des Magistrats, knappe zehntausend Mark für die Ausschmückung der Stadt zu bc- willigen, keine Gefolgschaft leisten. W.

Nochmals: Die A. E. G.

Mit dem Ende der Aera Scholz im Cas­seler Kommunalleben versinkt langsam die A. E.-G. - Affäre in Vergessenheit. Vor ihrer Erledigung aber verlohnt es sich, noch einmal den Nachweis zu liefern, daß der Kommunal­betrieb des Elektrizitätswerkes dem der Pri- vatgesellschasten vorzuziehen ist. In einem vor einiger Zeit gehaltenen VortrageTie Stel­lung d : öffentlichen Elektrizitätswerke im Wirtschaftsleben" suchte der Ingenieur der der A. E.-G. nahestehenden Elektrizttäts-Lieferungs- Gesellschaft. Dr. Jng. Siegel, nachzuweisen, daß Elektrizitätswerke int Privatbetrieb erheb­lich erfolgreicher arbeiteten als im Kommunal­betrieb. Er stellte zu diesem Zwecke die Strom­abgabe pro Kopf der Bevölkerung einiger A. E.-G. - Werke der Stromabgabe einer Reihe von Kommunalwerken gegenüber, woraus sich eine verblüftende Ueberlegenheit des Privat­betriebes ergab. Diese Gegenüberstellung hat nur, wie die Vereinigung elektrotechnischer Spezialfabriken schreibt, den Nachteil, daß sie durchaus willkürlich ist und sich in keiner Weise verallgemeinern läßt. Die Stromabgabe pro Kopf der Bevölkerung ist in erster Linie von den lokalen Derhältniffen abhängig, beispiels­weise davon, ob Groß-, Mittel- oder Kleinin­dustrien, ob ältere oder neuere Industrien vor­herrschen, ob besonders

lebhafter Geschäftsverkehr vorhanden ist, die Bevölkerung zu starkem Lichtverbrauch neigt, ältere Gasanstalten vorhanden sind und dergleichen mehr. Diese Momente beeinflussen den Stromkonsum in viel höherem Maße, als es jemals die Verwaltungsform tun könnte. So gibt «s kommunale Werke mit hohem Stromabsatz sz. B. Neuß 153,5; Schwelm sKreis-Elektrizitätswerks 125,8; Aachen 102,3; Düren sKreisj 82,0; Duisburg 65,4; Remscheid 65,0; Barmen 64,4: Düren sStadt) 63,1; Köpe­nick 58,2; Elberfeld 53,0 Kilowattstunden pro Kopf der Bevölkerung) und mit niedrigem Stromabsatz Breslau 14,7; Cassel 15,2; Danzig 16,9: Lübeck 17,4; Kiel 19.9; Freiburg i. Br. 20,4 Kilowattstunden pro Kops», ebenso wie es Privatwerke mit hohen (Schlesische Elektrizitäts- und Gas-A.-G. 145,0: Nieder­schlesische Elektrizitäts- und Kleinbahn - A. - G. 100; Rheingau Elektrizitätswerke 87,6; Bitter­feld 59,9) un> mit niedrigen Absatzzisfern (Frankfurt a. O. 16,7;^Coblenz 22,8; Braun­schweig 245; Briesen 23,7; Brotterode 285; Neusalza i. Sa. 385) gibt. Die aufgeführten Privatwerke gehören sämtlich zum A. E.-G.« Konzern. Man sieht aus diesen unter sich außerordentlich verschiedenen Zahlen deutlich,

Aus großer Zeit: 1813.

Am 21. August: Gefecht bei Löwenberg. Von Napoleon selbst geleitet. Als Blü­cher das Eintreffen Napoleons und über­legener Streitkräfte gemerkt hat, weicht er, dem Trachenberger Kriegsplane gemäß, einer Schlacht aus und sichert seinen Rück­zug durch dieses und andere Rückzugs­gefechte, deren Verlustziffern zusammen nicht ganz unbedeutend waren. ... Avautgarden-Gefechte der gegen Berlin vorrückenden Armee Oudinots, in denen die entgegenstehenden schwachen Kräfte der Nordarmee überall, unter meist un­bedeutenden Verlusten, weichen müssen.

-v- Das Neueste im Bilde. Im Schaufen­ster unserer Geschäftsstelle, Kölnischestraße 5, ge­genüber der Spohrstraße, sind folgende Bilder zum Aushang gebracht: Am Ziel der Automo­bil-Fernfahrt. Die Internationalen Arbeiter- Vereine mit ihren Fahnen. Die Beisetzung August Bebels in Zürich. Die Bremer Stadt­musikanten. Trauerfeier für den verstorbenen brasilianischen Gesandten in Berlin, Dr. Jti- bere Daconha. Herrn R. Ohlsen's College (2t. von Platen). Eine Weite um 10 000 Mark. Ein durch Ueberschwemmung des Landes her­beigeführtes Eisenbahnunglück in Indien. Lentnant von Platen aufCollege", Sieger im Kronprinzenpreis, Magdeburg. 628:10.

-4- Die Bohrungen auf Wilhelrnshöhe. Die Bohrungen auf Wilhelmshöhe zur Gewinnung der Sole für das künftige Solbad Cassel- Wilhelmshöhe stehen augenblicklich bei 839 Meter, und nachdem die 203 - Millimeter - Rohrtour bis zu dieser Tiefe eingebaut sein wird, soll mit dem letzten Durchmesser von 173 Millimeter begonnen werden, der bis in den Plattendolomit herunterzusühren ist. Einer Besichtigung, die dieser Tage stattfand, wohnte auch Geheimer Bergrat Professor Dr. Bey - schlag bei, bet den Vorschlag machte, jetzt ruhig die nächste Rohrtour einzuzementicren und weiter zu bohren, da er annimmt, daß der Bohrfortschritt jetzt in den tieferen Teilen des unteren Bunisandsteins wegen der dort herr­schenden lettigen Beschaffenheit der Schichten rasch vor sich gehen wird. Es sind noch rund 350 Meter abzubohren.

-4- Auf schiefer Ebene. In einem Geschäft der König st raße wurde ein jüngerer Lehr­ling dabei abgefaßt, als er einen Ladendieb­stahl beging. Dem Dieb konnte die Beute noch abgenommen werden, worauf er mit einem Verweis entlassen wurde.

-4- Der Kehraus der Kunstausstellung. Das bekannte Selbstbildnis von Krofessor Hans Thoma in der Jubiläums-Kunstausstellung in der Aue ging in den Besitz einer großen hol­ländischen Privatsammlung über. Das bishe­rige Verkaufsresultat hat ebenso wie der Be­such alle ursprünglichen Erwartungen über­troffen, und ist es eine sehr erfreuliche Tatsache, daß an dem Verkaufsumsatz die hessische Künst- lerschast mit einem außerordentlich hohen Prozentsatz beteiligt, ist Da mit ziemlicher Si­cherheit schon jetzt vorauszusagen ist, daß die Ausstellung nicht nur keinen Defizit, sondern sogar einen Ueberschuß aufzuweisen hat, so wird, wie schon bekannt geworden, der Garan- tiesonds nickt herangezogen werden, eine Tat­sache, die vielleicht den einen oder den andern Garantiefondszeichner noch veranlassen wird, einen Ankauf auf der Ausstellung vorzuneh­men. Die Ausstellung wird am ersten Sep­tember geschlossen.

-4- Die neue Fuldabrücke. An der Eisen­bahnbrücke Niederzwehren-Bettenhausen fand gestern Termin zur landespolizeilichen Prüfung des Entwurfes der neuen Fuldabrücke statt, die vom Militärfiskus, der Stadt Cassel und dem Landkreis erbaut wird. Die Stadt Cassel leistet bekanntlich einen Beitrag von 170 000 Mark. Das Projekt ist, nachdem die Stadtverordneten diese Summe bewilligt ha­ben. rasch bearbeitet worden. Die Arbeiten sollen nunmehr beträchtlich gefördert werden, damit die Brücke nach vor dem nächstjährigen Kaiser Manöver ihrer Bestimmung über­geben werden kann. Die Brücke ersteht in der Fluchtlinie der verlängerten Roonstratze am Aueausgang.

-4- Eine Mittelstands-Versammlung. Man schreibt uns: Im Evangelischen Vereinshause findet morgen, Freitag abend, vor der Reichs­deutschen Tagung noch eine letzmalige Ver­sammlung aller Freunde, Gönner und Berater der Mittelstands-Bewegung statt, um nach jeder Richtung hin möglichste Klarheit zu schaffen und alle in Leipzig auf die Tagesordnung ge­setzten Fragen mit entsprechender Vorbereitung verfolgen zu können. Es wird daher beson­derer Wert darauf gelegt, sämtliche Innungen und gewerblichen Vereine nicht allein in Ein- zelvertretern, sondern in vollzähligen Körper­schaften morgen hier vertreten zu sehen.

-4- Eine diebische Elfter. Eine Aufwarte­frau im Alter von einigen vierzig Jahren, die beim angeblichen Nachfragen nach Beschäf­tigung in verschiedenen Häusern der Jordan­straße eine Anzahl von Gegenständen gestohlen und in ihrem Korbe hatte verschwinden lassen, wurde gestern nachmittag auf frischer Tat er­tappt und von einem berbeigeholten Schutz­mann der Polizei zugeführt.

4- Ter Konkurs Schlieben und die Casseler Filialen. Aus dem Konkurse der Weingrotz- handlung W. Schlieben und Co. wird wenig oder garnichts gerettet werden können, mit Ausnahme der Gehälter der an gestellten Filialisten bis ersten Oftober dieses Jahres (die Kündigungen zu diesem Termin sind be­reits erfolgt) und der Mieten bis zur gesetz­

lichen Zeit. Auch die Casseler Filialinhaber in der Bahnhof- und Hohenzollernstraße und arg in Mitleidenschaft gezogen worden, wer­den aber trotzdem die bereits errichteten Ge-, fchäste vorläufig bis ersten Oktober unter der alten Firma und von da ab unter eigener Firma fortführen. Die hiesigen Firmen haben mit dem Konkurse des Berliner Stammhauses sowohl als auch mit der Berliner Firma selbst nichts mehr zu tun.

-4- Ein Flugunfall in Waldau. Auf dem Flugplatz der Casseler Fliegerschule in Waldau fuhr heute früh ein Flugschüler nach einem schönen Flug gegen einen Pfahl. Dabei wurde der Apparat beschädigt. Der Propeller wurde zerbrochen, ebenso das Schwanzstück und der linke Flügel. Der Flug­schüler erlitt eine leichte V'e rletzung über dem rechten Auge.

-4- Die Turner bei der Tausendjahrfeier. Heute abend (Donnerstag) findet in der Turn­halle des Turnvereins der Heuschel'schen Werke eine Vorturnerstunde der Casseler Turnerschaft statt. Zur Aufführung kommen Freiübungen und Mustervorführungen zur Tausend­jahrfeier der Stadt Cassel. Sämtliche Turner, die an dem Wetturnen teilnehmen, sind verpflichtet, die Musterriegen mitzuturnen.

-4-'Kletterübungen" an der Dachrinne. Heute morgen gegen vier Uhr überraschte ein Wachbeamter des Wach- und Schließinstituts in der Elfbuchen st raße einen Mann, der an der Dachrinne herabkletterte. Der Mann konnte sich nicht ausweisen und da er ein ver­störtes Wesen zur Schau trug, wurde er bet Polizei übergeben Eine Untersuchung ist ein­geleitet.

-4- Militär-Wettkämpfe bei den Nationalen Olympischen Spielen. Bekanntlich hat der fomtnanbierenbe General des elften Armee­korps, Freiherr von Schcsfer-Bohädel. zu den Nationalen Olympischen Spielen des Casseler Fußball-Vereins am 24. Juli auf dessen Sport­platz an der Frankfurter Straße einen wert­vollen Ehrenpreis für eine vier mal hundert Meter - Stafette gestiftet, nur offen für aktives Militär. Der Meldeschluß hat eine starke Beteiligung aus verschiedenen Armee­korps gefunden. Von den auswärtigen Mann­schaften sind vor allem die Hanauer Ulanen und die Fuldaer 47er Artillerie zu erwähnen. Die Casseler Regimenter sind mit Ausnahme des elften Artillerie-Regiments, das int Ma­növer weilt, sämtlich vertreten und üben be­reits täglich auf dem Sportplatz an der Frank­furter Straße. Bei der Gleichwertigkeit der Militärmannschaften wird es Sonntag einen heißen Kampf um den Preis geben; ein be­sonderer Ansporn wird es aber für die Sol­daten sein, vor den Augen des kommandieren­den Generals ihr Können zu zeigen.

-4- Der vermißte Offizier: Noch immer keine Spur! Wie wir erfahren, ist gegen den ver­mißten Leutnant G. vom hiesigen Infanterie­regiment Nr. 167 das Verfahren wegen uner­laubter Entfernung von der Trup- p e eingeleitet worden. Bisher konnte noch nicht festgestellt werden, wohin sich der Offizier ge­wandt hat. Keine Spur war bis jetzt von ihm zu entdecken.

-4- Ein neuer Radfahrer-Unfall. In der Frankfurter st raße stürzte beute mor­gen ein Radfahrer und erlitt dabei eine schwere Kopfverletzung. Ein Mitglied der Kriegersani­tätskolonne leistete die erste Hilfe, worauf der Verletzte einem Arzt zugeführt wurde. Von dort aus konnte der Verunglückte im Auto nach sei­ner Wohnung gebracht werden.

-4- Unter Kollegen... In einer hiesigen Backsteinfabrik gerieten zwei Arbeiter in Streit, in dessen Verlauf der eine dem anderen Fuß­tritte gegen den Leib versetzte, baß biefer in­nere Verletzungen erlitt. Anscheinend hat er einen Rippenbruch bavongetragen. Der Ver­letzte wurde von der Freiwilligen Sanitäts­kolonne vom Roten Kreuz nach dem Landkran- kenhause gebracht.

-4- Ein neuer Führer durch Cassel. Soeben erschien im Buchhandel ein Reformsührer mit Rundgangskizzen, Cassel und Wilhelmshöhe, sowie Umgebung, für Einheimische und Fremde mit etwa 140 Plänen, Skizzen und Bildern. Der Preis beträgt nur 80 Pfennig. In Ver­bindung mit zahlreichen Fachleuten ist der Füh­rer durch den Verlag von Carl Vietor heraus­gegeben worden.

-4- Familien-Tragvdie eines Casselaners? Aus Hamburg traf heute die Nachricht hier ein, daß ein Gastwirt, der früher in Cassel eine der besten SSirtfffiaften besaß, dann aber in Vermögensverfall geriet und nach Hamburg zog, sich selbst erschossen hat, nachdem er borher seine beiden Kinder getötet ha­ben soll. Bis Redaktionsschluß war es noch nicht möglich, eine Bestätigung dieser Nachricht zu erhalten.

-4- Ans dem Hoftheater. Am Freitag geht im Hostcheater das LustspielWie selchen" von Leo Lenz in Szene. Fräulein Storm und Herr Pape spielen hierin die Hauptrollen. Sonnabend wird die OperUndine" mit Fräulein Merkel in der Titelpariie gegeben, unb Sonntag findet ein Gastspiel ber Kammer­sängerin Frau Böhm van Enden alsEva" in ber OperDie Meistersinger" statt.

-4- Kleine Tageschronik. Aus ihr fünfund- zwanzigjähriges Bestehen kann heute bie Firma Carl Leich, Cassel, Steinweg 9, Nähmaschi­nen- unb Fahrrad-Handlung, zurückblicken. Ein Walbgottesbienst finbet am kom- menben Sonntag, vormittags ^11 Uhr. im Walbheim für evangelische junge Mäbchen (schräg gegenüber dem Pensionshaus Bismarck- turm) statt. Reimer: Pfarrer D. Sarbemann. Der Naturheilverein Schreber­garten Ost am Schwanenweg veranstaltet am Sonntag ben 24. August ein großes Ernte­fest mit Konzert unb Kinderbelustigungen.

-4- Das Wetter am Freitag. Für morgen sagt ber amtliche Wetterbericht für HessenNassau folgende Witterung voraus: Zu­nächst meist heiter, später neue Bewölkung unb strichweise leichte Regenfälle.

Letzte Telegramme.

(Rach Schluß ber Redaktion eingegangen)

Kaffenraub nach. Pariser Muster.

(P r i v a t - T e l e g r a m m.) Hamburg, 21. August.

Ein dreister Kassenraub nach dem Vorbilde der Pariser Automobil-Banditen ist heute vor­mittag vor zehn Uhr in der Gemeinde-Spar­kasse von Wilhelmsburg verübt worden. Kurz vor zehn Uhr fuhr dort ein Hamburger Auto­mobil der Hedag-Gesellschaft vor. Ihm ent­stiegen zwei Männer, die von hinten herum in das Kaffenlokal gingen. Sie traten schnur­stracks in den Kaflenraum, zogen Revolver her­vor und forderten die Kassierer auf, die Kasse auszuliefern. Zwei von den Kassierern ^räum­ten in der Ueberraschung den Platz, während mehrere junge Leute ebenfalls die Flucht er* griffen und durch das Fenster auf die Straße hinaussprangen und davonliefen. Der älteste Kassierer setzte sich anfangs zur Wehr und wei. gerte sich energisch, etwas auszuliefern. Dar- auf schoß ihm einer der Räuber aus seinem Revolver eine Kugel in den Kopf. Die Ban­diten räumten dann die Kaffe aus und entta­rnen, ohne daß bisher eine Spur von ihnen gefunden worden wäre.

Verzweiflungstat einer Mutter.

Berlin, 21. August. (P r i v at-T el e« gramm.) Eine erschütternde Tragödie hielte sich in der vergangenen Nacht in Berlin ab. In der Forstcrstraße 46 vergiftete die Witwe Emma Seiler sich U ;b ihre beiden Kinder nut Leuchtgas. Während ein Kind den Tod fand, wurde das andere sowie die Mutter in bedenk­lichem Zustande in das Krankenhaus am Ur­ban gebracht. Die Ursache der Verzweiflungs­tat war die wirtschaftliche Notlage der Frau, die vor einigen Monaten ihren Mann, den Postschaftner Eduard Seiler, durch einen Plötz- lichen Tod verloren hatte.

Militärische Fleischtransporte im Auto.

Paris, 21. August. (Privat - Tele» gram m.) Wie dieFrance Militaire" mtt- teilt, wird die Verproviantierung der Truppen während der großen Manöver, soweit die Fleischversorgung in Frage kommt, durch Automobile erfolgen. Zehn Automobile wer- den jedem Automobilkorps zur Verfügung ge­stellt. Als Führer der Abteilung wird ein Offi­zier fungieren. Die Wagen gehören der Stadt Paris, und werden fpeziell für FKkschtrans- port eingerichtet. Die Aufsicht über diesen Ver­such' auf dessen Resultate man gespannt ist. wird die Intendantur führen.

Der Aerrnelkanal-Tunnel.

Paris, 21. August. (Privat-Tele> gramm.) Das vielerörterte Projekt eines Üntersee-Tunnels unter dem Aermel-Kanal zwischen Frankreich und England findet heute eine außerordentlich interessante Beleuchtung durch Erklärungen, die der Chefingenieur der französischen Nordbahn einem Vertreter des Echo de Paris" gegenüber gemacht hat: Der Tunnelbau könnte mit den heutigen Hilfsmit­teln der Technik im Laufe von vier bis fünf Jahren ausgnührt werden. Die Kosten wer­den sich auf etwa vierhundert Millionen Francs belaufen. Nach dem Plane des französischen Ingenieurs soll nicht ein einzelner, sondern ein Doppel-Tunnel von je viereinhalb bis sechs Meter Durchmesser gebaut werden, die beide parallel zueinander laufen. Diese würden einen viel solideren Halt besitzen, als ein einziger breiter Gang. Die Tiefe des Tunnels würde hundert Meter unter dem Meeresgründe be­tragen. Die Fahrtdauer, die von Paris nach London jetzt acht bis neun Stunden beträgt, würde durch den Tunnel wesentlich verkürzt werden.

Brand-Katasttophe in Newyork.

London, 21. August. (Privat-Tele* gramm.) Die Newyork gegenüberliegende Jersey-City wurde gestern von einem großen Schadenfeuer heimgesucht. Der Brand dehnte sich über eine ganze Reihe von Geschäftsvierteln aus, und nur durch ein großes Aufgebot von Feuerwehr konnte schließlich das Uebergreife« des Brandes auf die ganze Stadt verhindert werden. Sechs großen Firmen sind die Ge­schäftsräume vernichtet worden. In der Nach­barschaft der riesigen Fabrikgebäude befinden sich viele Wohnhäufer, deren Bewohner panik­artig auf die Straße flüchteten. Der Wind er­schwerte die Arbeiten der Feuerwehr, und die Rauch- und Hitzeentwicklung war so groß, daß die Feuerwehrleute wiederholt zurückweichen mußten. Viele von ihnen wurden ohnmächtig und konnten nur unter Lebensgefahr ihrer Ka­meraden gerettet werden.

Wieder eine EisenbahnlKatastrophe.

Rom, 21. August. (Privat - Tele­gramm.) Der gestern abend um acht Uhr von hier abgegangene Lybische Eilzug, so genannt wegen seines Anschlusses an die Eilschiffahrts- verbindnng Sizilien-Tripolis ist heute morgen, kaum acht Kilometer von Neapel entfernt, ent­gleist. Vier Personen wurden getötet und drei­zehn verletzt. Der Zug fuhr mit zwei Lokomo­tiven. Die erste Lokomotive entgleiste in voller Fahrt, die zweite überschlug sich und legte sich quer über die Geleise. Der Postwagen rannte auf die Maschine auf unb zersplitterte. Die nachfolgenden Wagen entgleisten. Aus Neapel wurden sofort zwei Hilfszüge und zwei Ret- tunaszüge der städtischen Feuerwehr zur Un­fallstelle gekandt. Unter den Trümmern der zweiten Lokomotive und des Postwagens zog man die Leichen des Lokomotivführers, des Heizers und des Zugführers hervor. Zwei Postbeamte haben berart schwere Verletzungen erlitten, daß sie kaum mit dem Leben davon­kommen dürsten. Von den anderen Verwun­deten starb einer auf dem Wege nach dem Krankenhause. Niemand kennt den Verunglück­ten. Man vermutet aber, daß es ein Deutsche, ist. Um zwei Uhr früh war die Sttecke miede frei.

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