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Nummer 217

Casseler Abendzeitung

Donnerstag

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Hessische Abendzeitung

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August 1913

3. Jahrgang.

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Der kommende Mann.

Stadtdirektor Koch-Bremerhaven: Der vor­aussichtliche neue Oberbürgermeister Laffels.

Die WahlkSrperschaft der städti­schen Kollegien sprach sich gestern abend mit vierzig von dreiundfünfzig Stimmen für alsbaldige Wahl des Stadtdirektors Koch in Bremer» Haven zum Oberbürgermeister von Cassel aus und beschloß, daß die de­finitive Wahl am achtuudzwanzigfte« August im Rathaus stattfinden soll. Seit Wochen wußte man, daß die Wahl des Nachfolgers für den nun bald aus Gaffel schei­denden (als Erkornen der Gharlottenburger immer noch nicht bestätigten) Dr. Scholz sich imgrunde aus die Entscheidung darüber be- schränke, ob der Bremerhavener Stadtdirektor Koch oder Stettins zweiter Bürgermeister T h o d e ins Amt des Gasseler Oberbürgermei­sters berufen werden solle, und es ist damit Tatsache geworden, was wir vor Wochen an dieser Stelle voraussagten: Daß der neue Mann aus demjenigen Kandidaten-Kreise hervorgehen werde, der im Vorjahr schon (bei der Wahl des Nachfolgers für den in den Ruhe­stand tretenden Oberbürgermeister Müller) zur besonderen Berücksichtigung vorgemerkt war. Der gestrige Beschluß der Wahlkörperschast, der Stadtverordneten-Versammlung die Wahl des Stadtdirektors Koch zu empfehlen, bedeutet in Wirklichkeit bereits die Entscheidung in der Oberbürgermeister-Frage, denn die definitive Wahl ist nach dem gestrigen Beschluß nur noch eine Formsache, und die Berufung des Bremer­havener Stadtoberhaupts als Nachfolger Dr. Scholz's darf schon jetzt als gesichert gelten. Als seinerzeit bekannt wurde, daß die Wahl­körperschaft entschlossen sei, die Auswahl unter den Kandidaten in der Hauptsache auf diejeni­gen Bewerber zu beschränken, die bereits im Vorjahr als ernsthafte Anwärter für's Ober­bürgermeisteramt vorgemerkt worden seien, wurde magistrats-offiziös erklärt, daß eine solche Auswahl-Beschränkung nicht nur nicht beabsichtigt, vielmehr geplant sei, gänzlich unab­hängig von den vorjährigen Verhandlungen auch mit solchen Bewerbern Fühlung zu neh- men, die bei der Wahl im Vorjahr als Kandi­daten nicht in Frage kamen, sich vielleicht gar nicht einmal als Bewerber gemeldet hatten. Man hoffte offenbar, auf diese Weise die durch eine NeuauSschreibung des Oberbürger­meister-Postens (die von der Mehrheit der Bür­gerschaft als wünschenswert und in gewisser Hinsicht sogar unerläßlich erkannt wurde) zu sichernden Vorteile einer tunlichst großen Auswahl aufwiegen zu können, ohne die schwierigen Vorbereitungen einer gänzlich neu­gestalteten Wahl noch einmal bewältigen zu muffen. Es scheint indeffen, daß die Methode nicht sonderlich glücklich gewesen ist, denn rote wir bestimmt wissen, haben sich die gesamten Wahl-Unterhandlungen, soweit sie die tat­sächliche Entscheidung betrafen, immer nur um zwei Namen und zwei Kandidaten ge- drebt: Koch oder Thode?

.Was über den kommenden Mann, den Er­wählten der mit der Storung des neuen Ober­bürgermeisters betrauten Wahlkörperschaft, als Kommunalpolitiker zu sagen ist, wurde hier bereits im Vorjahr gesagt, als Stadtdirek- tor Koch mit Dr. Scholz und Dr. Thode in engerer Wahl stand. Es erübrigt sich also, heut nochmals darauf zurückzukommen, erübrigt sich umsomehr, als es nicht die Aufgabe der kom­munalen Oeffentlichkeit sein kann, über hochgr- türmten Vorschuß-Lorbeeren das Nächstliegende zu übersehen. Manches indessen, das der Ent­scheidung in der Oberbürgermeister-Frage vor. ausgegangen, läßt eine Erörterung noch wünschenswert erscheinen. Dazu gehört in allererster Linie der völlige Ausschluß der Oeffentlichkeit von allen denjenigen vorbereitenden Handlungen, die mit der Ober- bürgermeisterwahl in unmittelbarem Zusam­menhang standen. Die Wahl des neuen Stadl­oberhaupts ist hinter verschlossnen Türen er­folgt, in der kommunalen Oeffentlichkeit kenn» man den kommenden Mann nur dem Namen nach; irgend eine nähere Berührung des Kandi­daten mit der Bürgerschaft oder auch nur nut dem Plenum der Stadtverordneten norm Tag der Wahl ist nicht ermöglicht worden; man weiß vom kommunalen Programm des zukünft- gen Gasse! » Oberbürgermeisters außerhalb der Wahlkörperschast-Sphärc so gut wie nicht- und im Urteil der Oeffentlichkeit ist die e i n z'- g e Stütze der Hoffnung auf den kommenden Mann die Tatsache, daß er schon im Vorjahr neben Dr. Scholz als nächster Anwärter aufs OberLärgermeisteramt der Residenz in engerer Wahl stand. Genügt's, alle Voraussetzungen zu

erfüllen, die bei der Wichtigkeit der Entschei- düng als unerläßlich gelten mußten? Das System, nach dem in Gaffel Oberbürgermeister- Wahlen vorbereitet und entschieden werden, Hai unzweifelhaft ernste Bedenken und erheb­liche Nachteile hinsichtlich feiner praktischen Wirkungen; der ängstliche Ausschluß jeglicher Oeffentlichkeit vom ganzen Wachlversahren min­dert den Vertrauens-Rückhalt des Verfahrens in der Bürgerschaft, und es ergeben sich unter diesen Umständen Dissonanzen, deren Möglich­keit bei weniger geheimnisvoller Behand­lung einer ganz und gar nicht geheimnisvollen, die Bürgerschaft vielmehr in ihrer Gesamtheit unmittelbar interessierendem Angelegen- heil von vornherein ausgeschaltet werden wür- de. Nun, da man auf weitem Umweg am (alten) Ziele angelangt, ist am Geschehenen nichts mehr zu ändern, und es bleibt nur noch der Wunsch, daß der kommende Mann Derje­nige sein möge, der alle Hoffnungen er­füllt...! F. H.

*

Die geheime Probe-Wahl.

(Bericht unsers R. H. - Mitarbeiters.)

Cassel, 20. August.

Bis in die späte Nacht hinein blitzte Heller Lichtschein aus den hohen Fenstern des Gas - feier Rathausfaales: Es galt die erste Entscheidung darüber zu treffen, in wessen Lände die ferneren Geschicke der Residenzstadt Gaffel gelegt werden sollen! Die. Mitglieder des Magistrats waren zahlreich erschienen, auch Oberbürgermeister Dr. Scholz weilte län­gere Zeft im Saale, und von den Stadtverord­neten fehlten nur wenige Herren. Ein geheim­nisvolles Raunen ging durch die hohen Wan­delräume vor dem Rathaussaal. Die Stimmen waren gedämpft, und jede Frage wurde in der Antwort mit bedeutungsvollem Achselzucken umgangen: Die Versammlung war streng ver­traulich! Selbst die Magistratsdiener fanden den sonst gewohnten Weg nicht, der in das Heiligste des Rathauses führt. Hinter verschlos­senen Türen! Das war die Parole dieses Abends, der einen neuen Markstein in der Gas­seler Geschichte darzustellen berufen ist. -Stadt­verordnetenvorsteher Justizrat Dr. Schier führte den Vorsitz über die Versammlung. Bald nach sechs Uhr hatte die Silberglocke auf dem Vorstehertische den Beginn der Versammlung angezeigt. Dann wurde den Stadträten und Stadtverordneten über die Vorarbeiten des Wahlausschusses und über die hin­sichtlich der in engerer Wahl gezogenen Kandi­daten eingegangenen Auskünfte Bericht erstat­tet. Erschwert wurde die rasche Abwicklung des Verhandlungsganges noch dadurch, daß sechs weitere Bewerbungen von auswärts eingelaufen waren. Jnzwifchen rückte der Uhrzeiger auf dem Kamin rasch voran, und schon sprachen Stadtverordnete, die hin und wieder den Saal verließen von der Wahrscheinlichkeit, daß die Versammlung zu keinem Ergebnis führe, daß vermutlich eine weitere Sitzung anberaumt werden müßte. Stunde um Stunde verarm. Endlich, es war wenige Minuten vor Vollendung der zehnten Abendstunde, wurden die Stadtverordneten zur Abstimmung gerufen, und eine Viertel­stunde später verließen die Mitglieder der bei­den Kollegien lebhaft disputierend, aber sich über das Ergebnis der Wahl vollkommen aus- schweigend, den Saal. In diesem wurde in­zwischen vom Bureau das nachstehende kurze, aber offizielle Eommuniquö über den Wahlgang verfaßt:

In der gestrige« Sitzung der Wahl» Wrperschaft für die Wahl des zukünf­tigen Oberbürgermeisters fand nach einer eingehenden Berichterstattung des Wahl» ausschuffes eine gründliche Aussprache über die Angelegenheit statt, um feftzu- stelle«, ob noch eine weitere Vorstel­lung der in Vorschlag gebrachten Herren gewünscht werde. Dabei wurden vierzig Zettel für eine alsbaldige Wahl des Stadtdirektors Koch in Bremer­haven und dreizehn Zettel für weitere Vor­stellung der in Frage kommenden Kandi- dateu abgegeben. Die endgültige Wahl findet Donnerstag, den 28. August, statt. _,~eT Wahlkörper hat sich demnach mit über­wältigender Majorität für die Wahl des Bre­merhaven Stadtoberhauptes ausgesprochen, laue es heißt, soll sich auch Oberbürgermeister Tr. scholz sehr für die Wahl dieses Herrn interemert haben. Stadtdirektor Koch weilt, vom vierten bis siebenten Juli in Gaffel am sich bei den maßgebendsten Persönlicht-ttcn vorzustellen und konferierte dabei länger« Zeit mit Oberbürgermeister Dr. Scholz. Wie "die Stimmung in der gestrigen Vorwahl-Versamm­lung bestätigte, hat Stadtdirettor Koch bei sei­ner Vorstellung in Gaffel einen sehr svmpathi- ichen Eindruck hinterlassen Sämtliche Redner die seiner Wahl Fürsprecher waren, rühmten an ihm eine entschlossen« Haltung in schwieri­gen Situationen, reiche politische Erfahrung und persönliche Sicherheit int Handeln. Auch der zweite Kandidat, Bürgermeister Dr. Tho­de, erhielt vielseittge Unterstützung. Man kam

aber schließlich davon ab, seine Wahl in den Vordergrund zu stellen. Ausschlaggebend da­für waren die Erwägungen, daß Bürgermeister Dr. Thode wohl ein ausgezeichneter Kom­munalpolitiker fei, der aber in seinem jetzigen Wirkungskreise (in einer Stadtverwaltung, als deren Leiter ein Mann wie Oberbürgermeister Dr. Ackermann fungiert) wenig Gelegenheit zu selbständiger Stellungnahme in großzügigen Kommunalangelegenheiten gefunden habe. Sein Wirkungsfeld sei begrenzt, und die in dem Bür­germeister schlummernden Kräfte könnten bis­lang nicht zu fruchtbringender Entfaltung ge­langen. So einigte sich dann die Versamm­lung zum großen Teil auf Stadtdirektor Koch. Die Abstimmung brachte die Ueberraschung, daß mancher Stadtverordnete dem Bremer­havener Herrn die Stimme gegeben hatte, während er bei der Aprilwahl des letzten Jah­res, die Oberbürgermeister Dr. Scholz nach Gaffel berief, entschieden gegen die Wahl eines Bürgermeisters aus der Kleinstadt" war. Die letzte Frage, die nach der erfolgten Probewahl zu regeln war, bestand in der Festsetzung des Wahltermins. Von verschiedenen Stadtverordneten wurde angeregt, die defini­tive Wahl bereits am Donnerstag vor Beginn der regulären Stadtverordnetensitzung vorzu­nehmen, die Mehrheit aber stimmte der Fest­legung des Wahltermins auf Donnerstag über acht Tage zu. Erst lange nach halb elf Uhr erloschen die silberblinkenden Kronleuchter­kerzen im Saale der Gasseler Stadtverordneten.

*

Stadtdirektor Koch.

Stadtdirektor Erich Friedrich Ludwig Koch in Bremerhaven wurde am sechsnndzwanzig- ften Februar 1875 in Bremerhaven geboren, wo sein Vater Inhaber einer höheren Töchter­schule war. Er bestand Ostern 1893 sein Abi­turienten - Examen am Gymnasium in Olden­burg, studierte bis 1897 in Lausanne, Bonn und München, wo er am Volkswirtschaftlichen Seminar tätig war, dann in Berlin Jurispru­denz und Nationalökonomie. Im Sommer 1897 bestand er fein Referendarexamen in Ol­denburg und wurde, nachdem er dort Referen­dar gewesen, 1901 zum Bürgermeister von Delmenhorst gewählt. Als solcher bestand er anfangs 1902 fein Richterexamen mit dem PrädikatGut". Dann wurde er im März 1908 von zweiundfünfzig Bewerbern zum Stadtdirektor von Bremerhaven gewählt. Die Stadt Delmenhorst verlor in ihm nicht nur ihren tüchtigsten Bürgermeister, son­dern auch ihren schneidigsten Vertreter im oldenburgischen Landtag. Im Land­tag« nahm Koch eine führende Stelle ein. Bremerhaven mit seinem transatlantischen Verkehr, seiner unternehmungsftoben und tat­kräftigen Bevölkerung und feiner selbständigen Stellung im Bremer Staate bot dem tüchtigen Beamten einen geeigneten Wirkungskreis.

5c$ Mkm-MeMssfvmft.

Will die Türkei Krieg oder Frieden?

Die türkifche Frage bereitet den euro­päischen Kabinetten schwere Sorgen. Aus Pe­tersburg wird gemeldet, daß feit einigen Tagen wegen des türkischen Vormarsches ein sehr reger Meinungsaustausch zwischen den Kabi­netten stattfinde. Namentlich habe man sich auf Initiative Rußlands über die Frage des gegen die Türkei zu verhängenden Finanz­boykottes und andere energische Mittel ge­äußert. Es scheine sestzustehen, daß die Mächte derTripleententenicht gegen den Finanz- Boykott feien. In russischen diplomatischen Kreisen wird versichert, daß einige Großmächte die Frage birefter Verhandlungen zwischen Bulgarien und der Türkei angeregt hätten, doch liege in Petersburg die Ansicht vor, den Vor­schlag abzulehnen. Rußland habe die letzte Note Bulgariens durch das Versprechen beant­wortet, es diplomatisch gegen die Türkei zu unterstützen. Inzwischen liegen über die weitere Entwicklung der Dinge folgende Draht- Meldungen vor:

Konstantinopel, 20. August.

Zn diplomatischen Kreisen verkantet, die Pforte habe die Absicht, Bulgarien in einem Ultimatum anfznfordern, die gegebene Lage anzuerkennen, eine nette Grenzlinie zu aeeeptieren und ans Adrianopel zu verzichten.

Sofia, 20. August.

Die Türken haben gestern nach einem kurzen Kampfe mit der bulgarischen Be­satzung die Ortschaft Kükük- Kakwak an der Küste des Aegäischen Meeres be­setzt und die Vulgaren vertrieben. Die Türke« rücken «nterdeffen weiter vor.

Ein weiteres Privat-Telegramm be­richtet uns aus Konstantinopel: Die Pforte richtete gestern zwei Zirkulardepeschen an die türkischen Botschaften im Auslande. In dem ersten Telegramm werden die Botschafter ange­wiesen, gegen die Mißhandlungen türkischer Ge­fangener durch Bulgaren zu protestieren und um nachdrückliche Vorstellungen der Groß­mächte in Sofia zu ersuchen. Die zweite Zir­kulardepesche erklärt, die Besetzung einiger Orte

auf dem rechten Ufer der Maritza feinurpro- v i s o r i s ch zur Rettung der mohammedanische« Bevölkerung erfolgt Die Türkei werde sich völ­lig im Rahmen ihrer Rote vom neunzehnten Juli halten und nichts unternehmen, das ge­eignet sei, den Frieden am Balkan zu gefähr­den.

Drohungen aus Petersburg.

Petersburg, 20. August. (Privat-Tele« g r a m m.) Der Minister des Aeußern hat den russischen Botschafter in Konstantinopel beauf- trat, den Großwesir um eine bündige Er- klärung zu ersuchen, ob und wann die tür­kische Armee die durch den Bukarester Frieden den Bulgaren zugewiesenen Gebiete räumen werde. Weiter wurde dem Großwesir mitge­teilt, daß die Türkei weder Dedeagatsch, noch Lagos besetzen dürfe, widrigenfalls die Türkei für die Folgen ihrer doppelzüngigen Politik voll einstehen müsse.

Senioren der Menschheit.

Die älteste« Menschen der Erde; Menschliche Lebensalter von hundert und mehr Zahre«.

Im allgemeinen ist die Ansicht verbreitet, daß heutzutage die Menschen nicht mehr ein so hohes Alter erreichen, als ehedem. Aber man vergißt dabei, daß die Zeitrechnungen in jenen alten Zeiten von der unfrigen sehr ver­schieden war, und daß bei der Mangelhaftigkeit des Registrierwesens Irrtümer nur zu leicht unterlaufen konnten. Von einem Menschen, der es wie Methusalem bis auf 969 Jahre gebracht hätte, weiß allerdings die Geschichte nicht zu berichten; aber Peter Maffens, der sei­nerzeit eine Geschichte Indiens geschrieben hat, erwähnt eines Mannes, Namens Nunis de Gugna, der 1566 im Alter von 370 Jahren starb. Viermal erneuerten sich feine Zähne, was auch mit seinem Haar und Bart der Fall war. Die ersten hundert Jahre trieb er Götzen­dienst, dann trat er zum Mohammedanismus über, dem er bis zu seinem Tode treu blieb. Thomas Garn, der am 28. Januar 1588 starb, soll nach dem Kirchenbuche von St. Le­onard in Shoreditch in England, 207 Jahre alt geworden fein. In Rußland lebte im Jahre 1825 ein Mann, der 202 Jahre alt war. Don Juan Taveirad Lima starb 1738. 198 Jahre alt. Gillonr Maccraine lebte 190 Jahre in ein und demselben Hause. Kenügern, des­sen Spotswood gedenkt, starb mit 185 Jahren. Der Abt Johann Bald eck starb 1348 im 185. Jahre, ebenso alt wurde

des Ungar Peter Czerta«,

der 1734 starb. Johann Roben auS Ungarn wurde 172 und seine Frau 164 Jahre alt. In Fredericktown in Nordamerika starb 1797 ein Mulatte im 180. Jahre. Heinrich Jen- kins, der am 6. Dezember 1670 im Alter von 169 Jahren starb, erinnerte sich noch deutlich der Schlacht von Floddenfield, die am 9. Sep­tember 1513 geliefert wurde. Er war da­hin als ein zwölfjähriger Knabe mit einem Pferd geschickt worden, das man mit Pfeilen beladen hatte, deren man sich damals noch bediente. Im Alter von hundert Jahren schwamm Jenkins noch und ging zu Fuß in die Gerichtsverfammlung zu Bork. Im Jahre 1743 errichtete man ihm zu Bolton ein öffent­liches Denkmal. Jonas Surington aus Norwegen, der 1747 im Alter von 159 Jahren starb, war mehrere Male verheiratet und hin­terließ einen Sohn im Alter von 103 und einen anderen im Alter von neun Jahren. Marie Prion, die 1838 in der Nähe von Saint-Beal in Frankreich im 158. Jahre starb, war 1680 geboren. Bei dem Tode ihrer Eltern erbte sie ein kleines Haus sowie etwas Feld, das sie in ihrem 66. Lebensjahre gegen eine Leibrente verkaufte. Die Käufer und Erben mußten ihr mithin laut Vertrag 92 Jahre hindurch jähr­lich 162 Livres auszahlen. Während der letz­ten zehn Sabre ihres Lebens genoß sie nichts anderes als Käse und Ziegenmilch. Ihr Leich­nam wog nicht mehr als 42 Pfund, ihre Haut alich gelbem, fest an den Knochen haftendem Pergament.

Thomas Damme ans Leighton

in England starb am 20. Februar 1648, 154 Jahre alt. Thomas Parr aus Mnnington In England, der int November 1635 trn Alter von 152 Jabren starb, wurde wenige Monate vor seinem Tode dem König Karl I. vorgestellt; Parr hätte vielleicht ein noch höheres Alter er­reicht, wenn er feine frühere regelmäßige Le­bensweise sottgesetzt hätte; im Hause des Gra­fen Arundel lebte er jedoch zu üppig und trank zuviel schwere Weine, wodurch fein Ende be­schleunigt wurde. Franz Gonfit von Burythorpe in England starb 1768 im Alter von 150 Jahren. Die letzten 60 Jahre feines Lebens wurde er von der Gemeinde un­terhalten. Ghristian Jakobfen Drakenberg starb am 9. Oktober 1772, 146 Jahre aH Bis zu seinem 110. Jahre blieb er unverhei­ratet. Seine Frau starb, nachdem er gegen 20 Jahre verheiratet gewesen. Drakenberg hat unter sechs dänischen Königen gelebt, war zu Drontheim in Norwegen geboren und wurde in der Domkirche zu Äarhiius begraben. Tho­mas Winslow, aus der Grafschaft Tipperary in