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EMer Neueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 215. Fernsprecher 951 und 952. Dienstag, 19. August 1913. Fernsprecher 951 und 952. 3. Jahrgang.

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Europäische Komödie.

Am Balkan droht neuer Krieg; Bulga­rien von Allen verlaffen; Adrianvpel bleibt doch in den Händen der Türken!

Depeschen aus London zufolge zei­gen die dort aus Konstantinopel. Sofia und Petersburg vorliegenden Nach­richten deutlich, daß man vor einer neuen Balkan-Krise steht. An fünf verschiedenen Punkten von Süd- rumelie« wird das Erscheinen kurdi­scher Reiter gemeldet und ferner, daß eine große Truppenbewegung im Gange sei. Wenn man einer hochstehenden Persönlichkeit, die sich augenblicklich in London aufhält, Glaube« schenken darf, so wird En­ver Beh in kürzester Zeit über vier­hunderttausend Mann verfügen.

So wett ist's nun gekommen: Dem Frie­dens - Tedeum in der Kathedrale von Bukarest folgt als nächste Phase im Wirbel der Balka- »iade der Kanonendonner neuen Türken­kriegs! Und wieder ist's der hag're Aben­teurer aus polnischem Stamm mit dem im Feuer hysterischer Leidenschaft glühenden Fa­natiker-Auge und dem in Napoleon-Träumen schwelgenden Hirn: Ist's Enver Beh, der das Verhängnis entfesselt. Der schmächt'ge Zwerg im Rock des Obersten, der Abdul Ha­mid gestürzt, Kiamil Pascha aus dem Amt des Großwesirs gejagt, und den der Ungeduld brau­sender Jugend wehrenden Kriegsminister mit eigner Hand erschossen: Enver Bey drängt die auf den Schlachtfeldern des Balkans zusam- mengebrochne, durch schwere Niederlagen ge­schwächte Türkei in neue Abenteuer, organisiert in der Stille den Rachekrieg des Islams wider das Kreuz und beschwört damit eine Ge­fahr herauf, deren Wirkungsmöglichkeiten ge­genüber Alles in nichts versinkt, was bisher am Balkan sich ereignet. Daß es so weit ge­kommen, daß das Gewölk neuer drohender Ge­fahren sich so sichtbar verdichtet, dankt Europa allein und ausschließlich der Energie-Armut und Planlosigkeit seiner Diplomatie, die es nicht nur nicht vermochte, die türkische Li­quidation am Balkan in geordnete Bahnen zu lenken, sondern durch Mangel an Initiative und Entschlußkraft es auch verschuldet hat, daß am Goldnen Horn zwei Dutzend unbesonnene Fanatiker das Schicksal der Türkei zum Spiel­ball größenwahnsinniger Abenteurerpolitik ma­chen können. Dieselbe Szenenfolge wie im er­sten Akt des Balkandramas, mit dem Unter­schied nur, daß diesmal nicht der status quo, sondern Adrianvpel, dieheilige Stadt" der Türken, im Mittelpunkt des grimmigen Noten- und Depeschen-Turniers steht. Vor zehn Mon­den sprach in Europa die Großmacht-Diploma­tie mit feierlichem Ernst vom status quo, den kein Zaunkrieg am Balkan und kein Türken- Sultan je antasten dürfe: Die Kanonen haben dann später das papierne Götzenbild in tau­send Trümmer splittern lassen! Mit gleich star­kem Nachdruck hat Europa am Goldnen Horn denhistorischen Anspruch" Bulgariens aus Adrianvpel bekräftigt, hat die Großmacht- Diplomatie in löblicher Eintracht den listig blinzelnden Männern der Pforte mit Finanz­boykott und Flottendemonstration gedroht, wenn der Muselmann Hadrians Stadt nicht eiligst räume. Effekt: Homerisches Gelächter am Bosporus, beschleunigte Befestigung Adria- nopels und Zusammenziehung eines Heerhau­fens von vierhunderttausend Mann, die bereit und entschloffen sind, unter Enver Bey für Adrianopel zu kämpfen und zu sterben.

Und Europa? Die Kölnische Zeitung (deren Balkan-Informationen vor der Drucklegung deutsch-offiziöser Approbation unterliegen) er- zählt's uns: Nach den Mitteilungen ihres Kor­respondenten in Sofia haben die durch Gesandte Bulgariens eingeholten Informationen bei den Großmächten ergeben, daßletzten Endes kei­ne e i n z'g e Großmacht für die Rückgabe Adri- anopels an Bulgarien eintritt! Der intensive Notenkrieg der europäischen Diplomatie, die an­sehnliche Menge der bei der Pforte unternom­menenSchritte", die weithallenden Reden am Grünen Tisch und das Massenaufgebot europäi­scher Energie imDruck auf die Türkei": All Das war nur Manöverkunst, Filmzauber und Komödienspiel, offenbar bestimmt, die große Poffe europäischer Balkan-Politik im Enda» nicht zu langweilig und ermüdend werden zu laffen. Bulgarien hat sicher keinen Anspruch auf Mitleid und Anteilnahme: es hat sich durch die schnöde Provokation zum zweiten Kriege all die Sympathien verscherzt, die der Heldenkampf seiner Jugend im siegreichen Waftengang mit der Türkei der von Ferdinand von Koburg be-

herschten Nation geworben, und der Sturz von der Höhe des Siegerruhms zur Ohnmacht des Gedemütigten ist nur der Abschluß eines Werks ausgleichender Gerechtigkeit. Adrianvpel aber war (n. ist) der letzte Anker bulgarischer Hoff­nung; an ihn klammert sich die Sehnsucht des ganzen Bulgarenvolks und an ihn ist auch das Schicksal der Dynastie Koburg-Kohary gekettet über deren gekröntem Haupt immer noch das Verhängnis der Revolution und des Bürger­kriegs schwebt. In den Kabinetten europäischer Großmacht-Politik hat diese Erkenntnis in den Sommertagen die Einung aller Wünsche zu der diplomatischen Aktion bei der Pforte bewirkt, deren Intensität in der Drohung mit dem Fi­nanz-Boykott ihren Kulminationspunkt er­reichte. Die Aktion ist trotzdem verpufft: Am Goldnen Horn denkt heut kein normal Empfindender an die Möglichkeit einer Preis­gabe Adrianovels; auch die Großmacht-Diplo­matie hat sich mählich des Gedankens entwöhnt, auf der Sophien-Kathedrale in Hadrians Stadt jemals wieder Bulgariens Flagge wehen zu sehen und über Adrianvpel geht Europa ebenso achselzuckend zur Tagesordnung über wie seiner­zeit über den status quo, den keine Diplomaten­kunst vorm Schicksal grausamster Zerstörung zu behüten vermocht. Das besiegte Bulgarien, das Bulgarien der Balkan-Bestien und Komi- tadschi-Greuel, verdient kein Mitleid: Das Bulgarien der Enttäuschung, das vereinsamte Opfer europäischer Diplomaten-Komödie dage­gen weckt menschliche Anteilnahme. Und viel­leicht offenbart sich in dieser Anteilnahme nur die Ahnung kommender Gefahren, die Europa von Denen drohen, die sich soeben rüsten, des Halsmonds Niedergang am Kreuz der Bulgaren-Tragödie zu rächen ...! F. H.

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Enver Beys Kriegs Plane.

(Privat-Telegram m.)

Konstantinopel. 18. August.

Es bestätigt sich, daß Enver Bey eine große Truppenmacht zusammengezogcn hat, die jeden Augenblick marsch, und aktions- bereit ist. Zurzeit stehen etwa 300 000 Mann unter den Waffen, die in einigen Tagen auf mindestens 400 000 Mann gebracht sein wer­den. Enver Bey will nicht nur Adrianopel gegen jeden Angriff verteidigen, sondern er wird durch eine starke Offensive die tür­kischen Opfer rächen, die die kurze bulgarische Herrschaft gefordert hat. In Anbetracht der Stärke und Qualität der oitomanischen Trup­pen handelt es sich um einen richtigen Krieg. Rußland hat sich im Schwarzen Meer ent­sprechend vorgesehen, um sofort eingrei­fen zu können.

Bulgarien von Allen verlassen!

(Privat - Telegramm.)

Köln, 18. August.

In vertraulichen, in Sofia eingetroffenen Nachrichten heißt eS (wie die Kölnische Zeitung meldet): Nach sorgfältigen Informationen bei den Großmächten durch Gesandte Bulga­riens hat sich herausgestellt, daß letzten Endes keine einzige Großmacht für die Rückgabe Adrianopels an Bulgarien eintritt. Politische bulga­rische Kreise sehen mit großer Sorge den kommende» Tagen entgegen, um so mehr, als die Türkei sich anfchickt, bulgarische Grenzgebiete zu besetzen. In Bulga­rien herrscht dumpfe Gärung, namentlich gegen­über Rumänien macht sich eine außerordentliche Gereiztheit bemerkbar. Diplomatische Kreise verhehlen nicht, daß ein Krieg unvermeidlich ist.

Der Vormarsch der Türken.

(Privat-Telegramm.)

Konstantinopel, 18. August.

Dix türkischen Truppen sind, nachdem sie die Maritza überschritten haben, im Bormarsch gegen die südbulgarische Grenze. Enver Bey oll den Vormarsch leiten, der seit Wochen mili­tärisch vorbereitet wurde. Die Annee wird von Adrianopel aus verproviantiert. Der Marsch erfolgt auf Drängen der radikalen Ele­mente im Komitee und im Offtzierkorps. Als Grund für den Vormarsch werden angebliche Türkenmafsakres in Bulgarien ange- ühri. Tatsächlich herrscht unter den etwa hun­derttausend türkischen Gefangenen in Bulgarien größte Erregung. In einzelnen Orten kam es zu Revolten der Gefangenen. Bei der Unterdrückung dieser Revolten soll es dann zu unerhörten Grausamkeiten gekommen sein.

Graf Berchtold bleibt!

Wien, 18. August. (Privattelegramm.) In einer gestern stattgehabten dreiviertel- stündiaen Audienz beim Kaiser in Ischl bot

der Minister des Aenßern, Graf Berch­told, seine Entlassung an. DerKaiser lehnte die Entlassnng ab, dagegen soll die Frage der Revision des Bukarester Friedens endgiltig fallen gelassen sein.

Hinter den Ballan-KuMen.

Die Verstimmung zwischenBerlin und Wien.

Die zwischen Deutschland und Oester­reich zutage getretene Meinungsverschieden­heit in der Balkanfrage kann die Oesfentlichkeit auf eine ganz besonders wichtige Erscheinung aufmerksam machen, die bisher von weiteren Kreisen noch nicht erfaßt worden ist. Das ist nämlich die Tatsache, daß die deutsche Regie­rung in der jüngsten Zeit eine vollständige Aenderung der Basis ihrer Orientpolitik vorgenommen hat. Von vorzüglich unterrichte­ter deutsch-diplomatischer Seite wer­den darüber jetzt folgende interessante Einzel­heiten mitgeteilt:

Die Entstehung der Verstimmnng.

Informationen unsers W. L.-Mitarbeiters.)

Berlin, 18. August.

Von bestunterrichteter diplomatischer Seite werden mir über die Entstehung der deutsch- österreichischen Balkan-Differenzen fol­gende Mitteilungen gemacht: Die Basis der deutschen Orientpolitik war früher bekannter­maßen die Türkei. Dann kam aber die Nie­derlage der Türkei im letzten Balkankrieg, die auf Jahre hinaus die Pforte zu einem Faktor macht, den eine Weltmacht wie Deutschland nicht ernstlich als Stützpunkt ihrer Interessen ansehen tarnt. Deutschland hat nun sich im n ä ch st e n Stadium der Entwicklung darauf be­schränkt, die Dinge auf dem Balkan einmal so­zusagen nach ihrem eignen Gewicht abrollen zu lassen. Deutschland bewahrte in diesem Sta­dium die äußerste Objektivität und zwar so lange, bis die Dinge sich wieder soweit geklärt hatten, daß die Zukunfts-Verhältnisse auf dem Balkan bestimmtere Formen annahmen. Aus dieser weiteren Entwicklung sind nun für die maßgebenden deutschen Politiker die Grie­chen und die R u m ä n e n Ttjß diejenigen Fak­toren hervorgegangen, die (immer wieder nach deutscher Ansicht) sich in der Zukunft des Bal­kans amsolidesten" bewähren werden. Und auf sie hat nun Deutschland seine Orientpolitik zu stützen begonnen. Das ist das Problem, das bald das meist diskutierte unserer auswärtigen Politik sein wird. Es kommt dazu, daß uns sowohl mit Bukarest, wie mit Athen, besondere

verwandtschaftliche Beziehungen verbinden. Die deutsche (vielleicht etwas ein. fettige) Begünstigung von Rumänen und Griechen glaubt aber nun die österreichische Re. glerung nicht mitmachen zu dürfen. Es ist bekannt, daß Oesterreich insbesondere für Bulgarien nachdrücklicher eingetreten ist als Deutschland. Dabei war wohl die trei­bende Kraft die heimliche Absicht der österreichi- fchen Politiker daß man gegenüber den so stark emporgewachsenen Serben in dem nicht zu sehr geschwächten Bulgarien ein gewisses Gegenge­wicht erhalten haben wollte. Offiziell begründet jetzt die österreichische Regierung ihre Haltung damit, daß sie anführt, sie habe bei ihrer ge­samten Orientpolitik damit zu rechnen, daß bei ihr äußere Fragen immer gleich zu inneren Fragen werden. Oesterreich steht auf dem Standpunkt, es habe auf dem Balkan allen interessierten Völkerschaften höchste Gerechtigkeit zuteil werden lassen, um damit zugleich die in Oesterreich-Ungarn selbst lebenden Bulgaren, Serben und anderen Balkaniern nicht zu ver­stimmen. Das war von dem Grafen Berchtold sicher nicht unstaatsmännisch gedacht; es ergab sich daraus aber notwendigerweise ein Gegen­satz zu den Absichten Deutschlands, der grabe in der Entscheidungsstnnde bei den Frie­densverhandlungen in Bukarest, sich deutlich of­fenbarte. und dann an der Donau jene gereizte Stimmung hervorrief, die in der Stellungnah­me Deutschlands eine bewußte Verleugnung der Nibelungentreue erkennen zu müssen glaubte. Dabei steht indessen fest, daß Deutschland gar nicht anders bandeln konnte, als es getan hat, denn in der Politik können nicht Stimmun­gen und Empfindungen, fondern nur Interes­sen und Pflicht-Erkenntnis ausschlaggebend sein.

Französische Kaisermärchen.,

Paris, 18. August. (Privat-Tele­gramm.) Der Abgeordnete D e l o n c l e er­wähnt im Pariser Journal eine ihm von einem Diplomaten erzählte Bemerkung des Deut­schen Kaisers, die dieser bei den Flotten- übungen an der norwegischen Küste gemacht haben soll. Danach habe der Kaiser gesagt: Ich hoffe, daß nach dieser Katzbalgerei auf dem Balkan die Welt einer langen Friedensperiode teilhaftig werden wird,

die ihr unumgänglich notwendig ist!" Der französische Volksvertreter hält diese Erklärung für durchaus wahrscheinlich und meint deshalb zuversichtlich, man brauche sich um die noch Mvebenden Fragen wie Adrianopel und die ägäischen Inseln nicht den Kopf zu zerbrechen. Deutschland müsse die durch die Krise hervorge­rufenen Schäden an seinem Wohlstand und an seiner Handelsentwicklung wieder gut machen und deshalb laufe der Frieden in Euro« p a nicht die geringste Gefahr.

Zer Metzer Katholikentag.

Der sechzigste Deutsche Katholikentag iw Metz; im Festzug durch die Lvthringerstadt.

(Bericht unseres Spezial-Korrespondenten.)

Metz, 18. August.

Mit einem feierlichen Geläut der Glocken aller katholischen Kirchen der Stadt Metz wurde am Sonnabend Nachmittag die sechzigste Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands eröffnet. An der Versammlung nahmen unter anbernt teil Reichstagsabgeordneter Dr. Porsch, Oberlan­desgerichtsrat Marr (Düsseldorf), Landgerichts- direktor Gröber und der bekannte Gewerkschafts. führer Dr. Pieper (M.-Gladbach), ferner der ständige Kommissar der Katholikenversammlun- gen Fürst zn Löwenstein-Wertheim-Freuden. berg, Monsignore Werthmann (Freiburg), Ab­geordneter Cahenslv als Präsident der katholi­schen Auswandererschutzvereine. Die eigent- lichen Veranstaltungen wurden am gestrigen Sonntag durch ein feierliches Pontifikalamt in der weltberühmten Kathedrale der Stadt einge­leitet. Gleichzeitig wurden in allen übrigen Kirchen der Stadt und in der Festhalle Messen gelesen. Dann begann die erste geschlossene Versammlung, die auch pon verschiedenen hohen Kirchenfürsten besucht war. Ferner bemerkte man zahlreiche Parlamentarier, Gewerkschafts­führer und die Präsidenten der drei vorange­gangenen Katholikentage in Augsburg, Mainz und Aachen. Von einer Reihe von Bischöfen lagen Begrüßungsschreiben vor. Der Vorsitzende des Metzer Lokalkomitees, Oberleh­rer Professor Kintzinger, hieß die Tagung will- kommen und wies auf die Notwendigkeit des Kampfes gegen das moderne Hei- den tum hin, das den Menschen Aufklärung bringen wolle, in Wahrheit aber eine Ausklä­rung, die nur eine

Kriegserklärung gegen Gott

und seinen menschgewordenen Sohn fei. Der Redner verlas dann ein Schreiben des Papstes an das Lokalkomitee, in dem der Pav st den Versammelten den päpstlichen Segen übermit­telt. Als erster Präsident wurde Fürst Aloys von Löwenstein, als erster Vizepräsident Landtagsabgeordneter H ö n (Gr.-Blittersdorf) und zum zweiten Vizepräsidenten Rechtsanwalt Trunk (Karlsruhe) gewählt. Sie nahmen mit DankeSworien die Wahl an. Hierauf gelangten Huldigungstelegramme an den Papst und den Kaiser zur Absendung. In dem Telegramm an ben Papst wird ber Wunsch ausgesprochen, daß halb bl« untoürbigen Fesseln lallen möchten, bic heute noch vielfach der Kirche auferlegt sind. Die Katholiken fordern für den Stellvertreter Christi auf Erden volle Freiheit in ber Ver­waltung feines heiligen, segenbringenden Am­tes und erbitten von dem Heiligen Vater den Apostolischen Segen für ihre Beratungen. Das Telegramm an den Kaiser hat folgenden Wortlaut:Viele Tausende katholischer Män­ner, die zur 60. Generalversammlung der Ka­tholiken Deutschlands in Metz versammelt sind, bringen Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät ihre Huldigung dar und das Gelöbnis der unverbrüchlichen Treue und Anhänglichkeit zu Kaiser und Reich. Dankbar erfreuen sie sich des Friedens, ben Eure Majestät durch fünfund­zwanzig Jahre mit starker und fester Hand dem Deutschen Reiche erhalten haben. Sie Beten zn Gott, dem König der Könige, daß er Eurer Majestät noch viele Jahre einer glücHidjen und segensreichen Regierung schenken möge zum Wohl des Vaterlandes." Der Vorsitzende er­klärte sodann die erste geschlossene Versammlung für beendet. Nachmittags setzte sich dann

der große Festzug

des Katholikentages von der Esplanade aus in Bewegung. Der Vorbeimarsch deS Zuges, in dem rund fünsundzwanziatausend Mann mar- schienen, nahm etwa drei Stunden in Anspruch. Achtzig Musikkapellen wurden von ben Teilneh­mern mitaefiihrt. Fast sämtliche Vereine wur­den von ihren Ortsgeistlicken geführt und bat­ten die Vereinsfahnen mitgebracht. Zn Füßen der wundervollen Efplanade mit bem Ausblick auf die Schlachtfelder von St. Quentin, Grave- lotte und Marslatour nahm auf einer Tribüne, Bischof Ben, ler. umgeben von den übrigen kirchlichen Würdenträgern, den Vorbeimarsch des Zuges ab. Im Anschluß an den Feftzng sanden in vierzehn Räumen der Stadt Festver- sammlungen der Vereine statt. Abends fand in der gewalttgen Festhalle die öffentliche Begrüßungsverfammlung statt, die von mehreren Tausend Personen besucht war. Ter Vorsitzende des Lokalkomitees, Professor Kintzinger, betonte in feiner Ansprache, daß die Geschickte der Katholikentage eine glorreiche fei und daß alle Anfeindungen'den Katholikentagen nichts geschadet hätten. Die Gegner seien ge»