EMer Neueste Nachrichten
Casseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Die Gaffeler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und,war abend». Der AbonnementSpretS beträgt monatlich 60 Pfg. bei freier Zustellung tnS Hau«. Bestellungen werden jederzeit von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaktton: Echlachthofftrabe 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bi« 8 Uhr abend«. Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bt« 8 Uhr abend«. Berliner Bertretung: SW, Friedrichstr. 16, Telephon: Arni Morihplah 1258t
Nummer 215. Fernsprecher 951 und 952. Dienstag, 19. August 1913. Fernsprecher 951 und 952. 3. Jahrgang.
Jnsertionspreise: Die sechrgespaltene Zeile für einheimische Geschäfte 15 Bfg., für au«, roärttge Inserate 25 Ps, Reklamezeile für einheimische Geschäfte tO Pf, für auswärtig« Geschäfte SO Pf. Einfache Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend berechnet. Wegen ihrer dichten Berbreitung in der Residenz und der Umgebung sind die Casseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche« JnsertionSorgan. Geschäftsstelle: Kölnisch^ Straße 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 18, Telephon: Arni Moritzplah 12584.
Europäische Komödie.
Am Balkan droht neuer Krieg; Bulgarien von Allen verlaffen; Adrianvpel bleibt doch in den Händen der Türken!
Depeschen aus London zufolge zeigen die dort aus Konstantinopel. Sofia und Petersburg vorliegenden Nachrichten deutlich, daß man vor einer neuen Balkan-Krise steht. An fünf verschiedenen Punkten von Süd- rumelie« wird das Erscheinen kurdischer Reiter gemeldet und ferner, daß eine große Truppenbewegung im Gange sei. Wenn man einer hochstehenden Persönlichkeit, die sich augenblicklich in London aufhält, Glaube« schenken darf, so wird Enver Beh in kürzester Zeit über vierhunderttausend Mann verfügen.
So wett ist's nun gekommen: Dem Friedens - Tedeum in der Kathedrale von Bukarest folgt als nächste Phase im Wirbel der Balka- »iade der Kanonendonner neuen Türkenkriegs! Und wieder ist's der hag're Abenteurer aus polnischem Stamm mit dem im Feuer hysterischer Leidenschaft glühenden Fanatiker-Auge und dem in Napoleon-Träumen schwelgenden Hirn: Ist's Enver Beh, der das Verhängnis entfesselt. Der schmächt'ge Zwerg im Rock des Obersten, der Abdul Hamid gestürzt, Kiamil Pascha aus dem Amt des Großwesirs gejagt, und den der Ungeduld brausender Jugend wehrenden Kriegsminister mit eigner Hand erschossen: Enver Bey drängt die auf den Schlachtfeldern des Balkans zusam- mengebrochne, durch schwere Niederlagen geschwächte Türkei in neue Abenteuer, organisiert in der Stille den Rachekrieg des Islams wider das Kreuz und beschwört damit eine Gefahr herauf, deren Wirkungsmöglichkeiten gegenüber Alles in nichts versinkt, was bisher am Balkan sich ereignet. Daß es so weit gekommen, daß das Gewölk neuer drohender Gefahren sich so sichtbar verdichtet, dankt Europa allein und ausschließlich der Energie-Armut und Planlosigkeit seiner Diplomatie, die es nicht nur nicht vermochte, die türkische Liquidation am Balkan in geordnete Bahnen zu lenken, sondern durch Mangel an Initiative und Entschlußkraft es auch verschuldet hat, daß am Goldnen Horn zwei Dutzend unbesonnene Fanatiker das Schicksal der Türkei zum Spielball größenwahnsinniger Abenteurerpolitik machen können. Dieselbe Szenenfolge wie im ersten Akt des Balkandramas, mit dem Unterschied nur, daß diesmal nicht der status quo, sondern Adrianvpel, die „heilige Stadt" der Türken, im Mittelpunkt des grimmigen Noten- und Depeschen-Turniers steht. Vor zehn Monden sprach in Europa die Großmacht-Diplomatie mit feierlichem Ernst vom status quo, den kein Zaunkrieg am Balkan und kein Türken- Sultan je antasten dürfe: Die Kanonen haben dann später das papierne Götzenbild in tausend Trümmer splittern lassen! Mit gleich starkem Nachdruck hat Europa am Goldnen Horn den „historischen Anspruch" Bulgariens aus Adrianvpel bekräftigt, hat die Großmacht- Diplomatie in löblicher Eintracht den listig blinzelnden Männern der Pforte mit Finanzboykott und Flottendemonstration gedroht, wenn der Muselmann Hadrians Stadt nicht eiligst räume. Effekt: Homerisches Gelächter am Bosporus, beschleunigte Befestigung Adria- nopels und Zusammenziehung eines Heerhaufens von vierhunderttausend Mann, die bereit und entschloffen sind, unter Enver Bey für Adrianopel zu kämpfen und zu sterben.
Und Europa? Die Kölnische Zeitung (deren Balkan-Informationen vor der Drucklegung deutsch-offiziöser Approbation unterliegen) er- zählt's uns: Nach den Mitteilungen ihres Korrespondenten in Sofia haben die durch Gesandte Bulgariens eingeholten Informationen bei den Großmächten ergeben, daß „letzten Endes keine e i n z'g e Großmacht für die Rückgabe Adri- anopels an Bulgarien eintritt!“ Der intensive Notenkrieg der europäischen Diplomatie, die ansehnliche Menge der bei der Pforte unternommenen „Schritte", die weithallenden Reden am Grünen Tisch und das Massenaufgebot europäischer Energie im „Druck auf die Türkei": All Das war nur Manöverkunst, Filmzauber und Komödienspiel, offenbar bestimmt, die große Poffe europäischer Balkan-Politik im Enda» nicht zu langweilig und ermüdend werden zu laffen. Bulgarien hat sicher keinen Anspruch auf Mitleid und Anteilnahme: es hat sich durch die schnöde Provokation zum zweiten Kriege all die Sympathien verscherzt, die der Heldenkampf seiner Jugend im siegreichen Waftengang mit der Türkei der von Ferdinand von Koburg be-
herschten Nation geworben, und der Sturz von der Höhe des Siegerruhms zur Ohnmacht des Gedemütigten ist nur der Abschluß eines Werks ausgleichender Gerechtigkeit. Adrianvpel aber war (n. ist) der letzte Anker bulgarischer Hoffnung; an ihn klammert sich die Sehnsucht des ganzen Bulgarenvolks und an ihn ist auch das Schicksal der Dynastie Koburg-Kohary gekettet über deren gekröntem Haupt immer noch das Verhängnis der Revolution und des Bürgerkriegs schwebt. In den Kabinetten europäischer Großmacht-Politik hat diese Erkenntnis in den Sommertagen die Einung aller Wünsche zu der diplomatischen Aktion bei der Pforte bewirkt, deren Intensität in der Drohung mit dem Finanz-Boykott ihren Kulminationspunkt erreichte. Die Aktion ist trotzdem verpufft: Am Goldnen Horn denkt heut kein normal Empfindender an die Möglichkeit einer Preisgabe Adrianovels; auch die Großmacht-Diplomatie hat sich mählich des Gedankens entwöhnt, auf der Sophien-Kathedrale in Hadrians Stadt jemals wieder Bulgariens Flagge wehen zu sehen und über Adrianvpel geht Europa ebenso achselzuckend zur Tagesordnung über wie seinerzeit über den status quo, den keine Diplomatenkunst vorm Schicksal grausamster Zerstörung zu behüten vermocht. Das besiegte Bulgarien, das Bulgarien der Balkan-Bestien und Komi- tadschi-Greuel, verdient kein Mitleid: Das Bulgarien der Enttäuschung, das vereinsamte Opfer europäischer Diplomaten-Komödie dagegen weckt menschliche Anteilnahme. Und vielleicht offenbart sich in dieser Anteilnahme nur die Ahnung kommender Gefahren, die Europa von Denen drohen, die sich soeben rüsten, des Halsmonds Niedergang am Kreuz der Bulgaren-Tragödie zu rächen ...! F. H.
*
Enver Beys Kriegs Plane.
(Privat-Telegram m.)
Konstantinopel. 18. August.
Es bestätigt sich, daß Enver Bey eine große Truppenmacht zusammengezogcn hat, die jeden Augenblick marsch, und aktions- bereit ist. Zurzeit stehen etwa 300 000 Mann unter den Waffen, die in einigen Tagen auf mindestens 400 000 Mann gebracht sein werden. Enver Bey will nicht nur Adrianopel gegen jeden Angriff verteidigen, sondern er wird durch eine starke Offensive die türkischen Opfer rächen, die die kurze bulgarische Herrschaft gefordert hat. In Anbetracht der Stärke und Qualität der oitomanischen Truppen handelt es sich um einen richtigen Krieg. Rußland hat sich im Schwarzen Meer entsprechend vorgesehen, um sofort eingreifen zu können.
Bulgarien von Allen verlassen!
(Privat - Telegramm.)
Köln, 18. August.
In vertraulichen, in Sofia eingetroffenen Nachrichten heißt eS (wie die Kölnische Zeitung meldet): Nach sorgfältigen Informationen bei den Großmächten durch Gesandte Bulgariens hat sich herausgestellt, daß letzten Endes keine einzige Großmacht für die Rückgabe Adrianopels an Bulgarien eintritt. Politische bulgarische Kreise sehen mit großer Sorge den kommende» Tagen entgegen, um so mehr, als die Türkei sich anfchickt, bulgarische Grenzgebiete zu besetzen. In Bulgarien herrscht dumpfe Gärung, namentlich gegenüber Rumänien macht sich eine außerordentliche Gereiztheit bemerkbar. Diplomatische Kreise verhehlen nicht, daß ein Krieg unvermeidlich ist.
Der Vormarsch der Türken.
(Privat-Telegramm.)
Konstantinopel, 18. August.
Dix türkischen Truppen sind, nachdem sie die Maritza überschritten haben, im Bormarsch gegen die südbulgarische Grenze. Enver Bey oll den Vormarsch leiten, der seit Wochen militärisch vorbereitet wurde. Die Annee wird von Adrianopel aus verproviantiert. Der Marsch erfolgt auf Drängen der radikalen Elemente im Komitee und im Offtzierkorps. Als Grund für den Vormarsch werden angebliche Türkenmafsakres in Bulgarien ange- ühri. Tatsächlich herrscht unter den etwa hunderttausend türkischen Gefangenen in Bulgarien größte Erregung. In einzelnen Orten kam es zu Revolten der Gefangenen. Bei der Unterdrückung dieser Revolten soll es dann zu unerhörten Grausamkeiten gekommen sein.
Graf Berchtold bleibt!
Wien, 18. August. (Privattelegramm.) In einer gestern stattgehabten dreiviertel- stündiaen Audienz beim Kaiser in Ischl bot
der Minister des Aenßern, Graf Berchtold, seine Entlassung an. DerKaiser lehnte die Entlassnng ab, dagegen soll die Frage der Revision des Bukarester Friedens endgiltig fallen gelassen sein.
Hinter den Ballan-KuMen.
Die Verstimmung zwischenBerlin und Wien.
Die zwischen Deutschland und Oesterreich zutage getretene Meinungsverschiedenheit in der Balkanfrage kann die Oesfentlichkeit auf eine ganz besonders wichtige Erscheinung aufmerksam machen, die bisher von weiteren Kreisen noch nicht erfaßt worden ist. Das ist nämlich die Tatsache, daß die deutsche Regierung in der jüngsten Zeit eine vollständige Aenderung der Basis ihrer Orientpolitik vorgenommen hat. Von vorzüglich unterrichteter deutsch-diplomatischer Seite werden darüber jetzt folgende interessante Einzelheiten mitgeteilt:
Die Entstehung der Verstimmnng.
Informationen unsers W. L.-Mitarbeiters.)
Berlin, 18. August.
Von bestunterrichteter diplomatischer Seite werden mir über die Entstehung der deutsch- österreichischen Balkan-Differenzen folgende Mitteilungen gemacht: Die Basis der deutschen Orientpolitik war früher bekanntermaßen die Türkei. Dann kam aber die Niederlage der Türkei im letzten Balkankrieg, die auf Jahre hinaus die Pforte zu einem Faktor macht, den eine Weltmacht wie Deutschland nicht ernstlich als Stützpunkt ihrer Interessen ansehen tarnt. Deutschland hat nun sich im n ä ch st e n Stadium der Entwicklung darauf beschränkt, die Dinge auf dem Balkan einmal sozusagen nach ihrem eignen Gewicht abrollen zu lassen. Deutschland bewahrte in diesem Stadium die äußerste Objektivität und zwar so lange, bis die Dinge sich wieder soweit geklärt hatten, daß die Zukunfts-Verhältnisse auf dem Balkan bestimmtere Formen annahmen. Aus dieser weiteren Entwicklung sind nun für die maßgebenden deutschen Politiker die Griechen und die R u m ä n e n Ttjß diejenigen Faktoren hervorgegangen, die (immer wieder nach deutscher Ansicht) sich in der Zukunft des Balkans am „solidesten" bewähren werden. Und auf sie hat nun Deutschland seine Orientpolitik zu stützen begonnen. Das ist das Problem, das bald das meist diskutierte unserer auswärtigen Politik sein wird. Es kommt dazu, daß uns sowohl mit Bukarest, wie mit Athen, besondere
verwandtschaftliche Beziehungen verbinden. Die deutsche (vielleicht etwas ein. fettige) Begünstigung von Rumänen und Griechen glaubt aber nun die österreichische Re. glerung nicht mitmachen zu dürfen. Es ist bekannt, daß Oesterreich insbesondere für Bulgarien nachdrücklicher eingetreten ist als Deutschland. Dabei war wohl die treibende Kraft die heimliche Absicht der österreichi- fchen Politiker daß man gegenüber den so stark emporgewachsenen Serben in dem nicht zu sehr geschwächten Bulgarien ein gewisses Gegengewicht erhalten haben wollte. Offiziell begründet jetzt die österreichische Regierung ihre Haltung damit, daß sie anführt, sie habe bei ihrer gesamten Orientpolitik damit zu rechnen, daß bei ihr äußere Fragen immer gleich zu inneren Fragen werden. Oesterreich steht auf dem Standpunkt, es habe auf dem Balkan allen interessierten Völkerschaften höchste Gerechtigkeit zuteil werden lassen, um damit zugleich die in Oesterreich-Ungarn selbst lebenden Bulgaren, Serben und anderen Balkaniern nicht zu verstimmen. Das war von dem Grafen Berchtold sicher nicht unstaatsmännisch gedacht; es ergab sich daraus aber notwendigerweise ein Gegensatz zu den Absichten Deutschlands, der grabe in der Entscheidungsstnnde bei den Friedensverhandlungen in Bukarest, sich deutlich offenbarte. und dann an der Donau jene gereizte Stimmung hervorrief, die in der Stellungnahme Deutschlands eine bewußte Verleugnung der Nibelungentreue erkennen zu müssen glaubte. Dabei steht indessen fest, daß Deutschland gar nicht anders bandeln konnte, als es getan hat, denn in der Politik können nicht Stimmungen und Empfindungen, fondern nur Interessen und Pflicht-Erkenntnis ausschlaggebend sein.
Französische Kaisermärchen.,
Paris, 18. August. (Privat-Telegramm.) Der Abgeordnete D e l o n c l e erwähnt im Pariser Journal eine ihm von einem Diplomaten erzählte Bemerkung des Deutschen Kaisers, die dieser bei den Flotten- übungen an der norwegischen Küste gemacht haben soll. Danach habe der Kaiser gesagt: „Ich hoffe, daß nach dieser Katzbalgerei auf dem Balkan die Welt einer langen Friedensperiode teilhaftig werden wird,
die ihr unumgänglich notwendig ist!" Der französische Volksvertreter hält diese Erklärung für durchaus wahrscheinlich und meint deshalb zuversichtlich, man brauche sich um die noch Mvebenden Fragen wie Adrianopel und die ägäischen Inseln nicht den Kopf zu zerbrechen. Deutschland müsse die durch die Krise hervorgerufenen Schäden an seinem Wohlstand und an seiner Handelsentwicklung wieder gut machen und deshalb laufe der Frieden in Euro« p a nicht die geringste Gefahr.
Zer Metzer Katholikentag.
Der sechzigste Deutsche Katholikentag iw Metz; im Festzug durch die Lvthringerstadt.
(Bericht unseres Spezial-Korrespondenten.)
Metz, 18. August.
Mit einem feierlichen Geläut der Glocken aller katholischen Kirchen der Stadt Metz wurde am Sonnabend Nachmittag die sechzigste Generalversammlung der Katholiken Deutschlands eröffnet. An der Versammlung nahmen unter anbernt teil Reichstagsabgeordneter Dr. Porsch, Oberlandesgerichtsrat Marr (Düsseldorf), Landgerichts- direktor Gröber und der bekannte Gewerkschafts. führer Dr. Pieper (M.-Gladbach), ferner der ständige Kommissar der Katholikenversammlun- gen Fürst zn Löwenstein-Wertheim-Freuden. berg, Monsignore Werthmann (Freiburg), Abgeordneter Cahenslv als Präsident der katholischen Auswandererschutzvereine. Die eigent- lichen Veranstaltungen wurden am gestrigen Sonntag durch ein feierliches Pontifikalamt in der weltberühmten Kathedrale der Stadt eingeleitet. Gleichzeitig wurden in allen übrigen Kirchen der Stadt und in der Festhalle Messen gelesen. Dann begann die erste geschlossene Versammlung, die auch pon verschiedenen hohen Kirchenfürsten besucht war. Ferner bemerkte man zahlreiche Parlamentarier, Gewerkschaftsführer und die Präsidenten der drei vorangegangenen Katholikentage in Augsburg, Mainz und Aachen. Von einer Reihe von Bischöfen lagen Begrüßungsschreiben vor. Der Vorsitzende des Metzer Lokalkomitees, Oberlehrer Professor Kintzinger, hieß die Tagung will- kommen und wies auf die Notwendigkeit des Kampfes gegen das moderne Hei- den tum hin, das den Menschen Aufklärung bringen wolle, in Wahrheit aber eine Ausklärung, die nur eine
Kriegserklärung gegen Gott
und seinen menschgewordenen Sohn fei. Der Redner verlas dann ein Schreiben des Papstes an das Lokalkomitee, in dem der Pav st den Versammelten den päpstlichen Segen übermittelt. Als erster Präsident wurde Fürst Aloys von Löwenstein, als erster Vizepräsident Landtagsabgeordneter H ö n (Gr.-Blittersdorf) und zum zweiten Vizepräsidenten Rechtsanwalt Trunk (Karlsruhe) gewählt. Sie nahmen mit DankeSworien die Wahl an. Hierauf gelangten Huldigungstelegramme an den Papst und den Kaiser zur Absendung. In dem Telegramm an ben Papst wird ber Wunsch ausgesprochen, daß halb bl« untoürbigen Fesseln lallen möchten, bic heute noch vielfach der Kirche auferlegt sind. Die Katholiken fordern für den Stellvertreter Christi auf Erden volle Freiheit in ber Verwaltung feines heiligen, segenbringenden Amtes und erbitten von dem Heiligen Vater den Apostolischen Segen für ihre Beratungen. Das Telegramm an den Kaiser hat folgenden Wortlaut: „Viele Tausende katholischer Männer, die zur 60. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Metz versammelt sind, bringen Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät ihre Huldigung dar und das Gelöbnis der unverbrüchlichen Treue und Anhänglichkeit zu Kaiser und Reich. Dankbar erfreuen sie sich des Friedens, ben Eure Majestät durch fünfundzwanzig Jahre mit starker und fester Hand dem Deutschen Reiche erhalten haben. Sie Beten zn Gott, dem König der Könige, daß er Eurer Majestät noch viele Jahre einer glücHidjen und segensreichen Regierung schenken möge zum Wohl des Vaterlandes." Der Vorsitzende erklärte sodann die erste geschlossene Versammlung für beendet. Nachmittags setzte sich dann
der große Festzug
des Katholikentages von der Esplanade aus in Bewegung. Der Vorbeimarsch deS Zuges, in dem rund fünsundzwanziatausend Mann mar- schienen, nahm etwa drei Stunden in Anspruch. Achtzig Musikkapellen wurden von ben Teilnehmern mitaefiihrt. Fast sämtliche Vereine wurden von ihren Ortsgeistlicken geführt und batten die Vereinsfahnen mitgebracht. Zn Füßen der wundervollen Efplanade mit bem Ausblick auf die Schlachtfelder von St. Quentin, Grave- lotte und Marslatour nahm auf einer Tribüne, Bischof Ben, ler. umgeben von den übrigen kirchlichen Würdenträgern, den Vorbeimarsch des Zuges ab. Im Anschluß an den Feftzng sanden in vierzehn Räumen der Stadt Festver- sammlungen der Vereine statt. Abends fand in der gewalttgen Festhalle die öffentliche Begrüßungsverfammlung statt, die von mehreren Tausend Personen besucht war. Ter Vorsitzende des Lokalkomitees, Professor Kintzinger, betonte in feiner Ansprache, daß die Geschickte der Katholikentage eine glorreiche fei und daß alle Anfeindungen'den Katholikentagen nichts geschadet hätten. Die Gegner seien ge»