Casseler Neueste Nachrichtm
Casseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 213
Sonnabend, 16. August 1913
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3. Jahrgang.
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Wer wird der Erbe?
Die Sozialdemokratie u. August Bebels Tod; die Parteileitung und der kommende Man«.
Depeschen aus Zürich berichten unsr Wie soeben bekannt gegeben wird, hat August Bebel in seinem Testament die sozkaldemokratischePar- tei mit einer bedeutenden Summe bedacht und außerdem von einem bestimmten Zeitpunkt ab der Partei das alleinige Verlagsrecht seiner Werke vermacht. Als Vollstrecker des Testaments hat Bebel den Bankier ll l l- mann in Frankfurt a.Main bestellt. In der Mittwoch-Mitternacht hat man von Paffug aus August Bebels sterbliche Hülle talwärts gen Zürich geleitet, wo in den nächsten Tagen die Einäscherung stattfinden soll. Die züngelnden Flammen im Krematorium, denen Bebels Wille noch bei Lebzeiten seinen Körper überantwortet, werden Das, was die Natur als Tribut gefordert, in Asche verwandeln, aber der Moment, der den Prozeß der Staubwevdung vollendet, zerstört und vernichtet auch Hoffnungen und Wünsche, die mit August Bebel ins Reich der Schatten hinüberglitten, und Viele von Denen, die dem toten Führer auf der letzten Fahrt das Geleite geben, werden in dem spärlichen Aschenrest, der von Bebels Evdenwandel zeugt, die staubgewordne Hoffnung betrauern, die an der Greisengestalt des Toten sich emporgerankt. wie am knorrigen Stamm einer Sturm und Wetter trotzenden Eiche. August Bebel war im brandenden Meer des sozialistischen Geisterkampfs der Fels der Autorität, an dessen Wucht die wildesten Wogen verschäumten; er war der Versöhner und Mittler zwischen den „Unentwegten" des radikalen Prinzips und den Bannerträgern des Revisionismus, und was keiner Logik, keiner Ueber- zeugungskrast und keiner Argumentation geglückt: Ihm gelang's, die auseinanderfirebenden Kräfte zusammenzuhalten, den Frieden innerhalb der Partei immer wieder vor drohender Gefahr zu schirmen und die oft unabwendbar scheinende Sezession zu verhüten. August Bebel war als Parteiführer Autokrat, aber seine Autorität war stark genug, seinem Willen auch dort Geltung zu sichern, wo man seine Selbst- und Allein-Herrschaft bekämpfte. Er war der geborne Führer: Der Führer mit allen Vorzügen und Schwächen des überragenden Kopfes, und nun, da er von dannen gegangen, erhebt sich die Frage: Wer wird der Erbe?
Schon Paul Singers Tod riß in die Organisation der sozialdemokratischen Partei-Leitung eine tiefe Lücke, die nie mehr ganz ausgefüllt werden konnte. Bebel und Singer waren als Parteiführer eine Art gegenseitiger Ergänzung, und der von ihnen gebildete Partei-Vorstand war ein andrer als der nach Singers Tod geschaffne, in dem neben dem (damals schon kranken) Bebel der als Taktiker tüchtige, als Führer völlig unzulängliche Haase stand. Bebels Autokratie ist dadurch vielleicht noch gefestigt worden, obwohl die Wandlung nach außen hin kaum bemerkbar wurde. Die alternde Hand hielt die Partei fest zusammen, und der Siebzigjährige verstand es, kraft seiner Autorität .und seines hervorragenden diplomatischen Geschicks, die Klippen immer wieder vorsichtig zu umschiffen. Nun, da auch Bebels Führung der Verganhenheit angehört, steht die Sozialdemokratie vor der Schicksalfrage, denn es ist sicher, daß der Tod Bebels in der sozialdemokratischen Partei tiefgehende Aenderungen zur Folge haben wird. Wäre eine einigermaßen autoritative Persönlichkeit vorhanden, die berufen und befähigt erscheinen könnte, die durch Bebels Tod geriffne Lücke leidlich auszufüllen, dann könnte es der Partei vielleicht gelingen, die ihr drohenden Gefahren abzuwenden. So aber werden mit einem Male alle jenen gefährlichen Fragen akut werden, an deren Klippengewirr Bebel bisher die Partei immer wieder vorbeigeführt. Ein wirklicher Erbe Bebels ist nicht da, denn die zahlreichen Führer der Partei haben Keinen in ihrer Mitte, der fähig wäre, die Zügel mit starker Hand zu ergreifen. Vielleicht ragte Bebel s o hoch über das Maß des Nachwuchses hinaus, daß die Heranbildung berufner Führer darunter verkümmerte; vielleicht war auch das autokratische System der Führerschaft Bebels dem Nachwuchs nicht förderlich: Wer weiß es? Sicher ist nur das Eine: Die Sozialdemokratie trägt ihren Führer zu Grabe, ohne in ihrer Mitte einen als Erben Berufnen zu erblicken.
Dieser Moment banger Sorge ist von der Sozialdemokratie längst vorausgeahnt worden, denn die Frage, was werden solle, wenn Bebel eines Tags durch Krankheit oder Tod gezwungen werden würde, vom Schauplatze abzutte- ten, hat schon manche Parteitage beschäftigt. Mit dieser Frgge im Zusammenhang steht die
(oft und heiß umstrittne) Frage der Neuorganisation des Parteivorstandes, der bisher aus den ständigen leitenden Angestellten als Beisitzern und den nicht angestellten beiden Vorsitzenden bestand. Hierhin gehört beispielsweise der Vorschlag, einen Beirat von sechsunddreißig Mitgliedern (also eine Art von Parteisenat) durch die Organisation im Lande wählen zu lasten, der nach Bedarf einzuberufen wäre. Demgegenüber steht der Antrag Ledebours, den Parteivorstand durch sieben nicht angestellte Beisitzer zu ergänzen. Wie auch die Entscheidung in dieser Frage ausfallen möge: Sicher ist, daß die nächste Zeit der Sozialdemokratie erhebliche Aenderungen bringen wird, die naturgemäß auch ihr Verhältnis zu den andern Parteien beeinflusten werden. Es war in erster Linie der bisherigen Zusammensetzung des Parteivorstandes zuzuschreiben, daß es nicht zum offnen Bruch zwischen Radikalen und Revisionisten gekommen ist, denn der Vorstand, wie er bisher war, wirkte zugunsten eines Ausgleichs zwischen den divergierenden Tendenzen in der Partei. Ob es dem Nachfolger oder den Nachfolgern gelingen wird, in diesem Sinne weiter zu wirken, oder ob man überhaupt geneigt sein wird, die von den „Alten" beschrittnen Pfade weiter zu wandeln, wird sich bald schon offenbaren müssen, denn der Parteitag im September kann nicht auseinandergehen, ohne die wichtigste Frage: Die Führerwahl, erledigt zu haben. Man nennt unter Denen, die Bebels Erbe einmal antreten könnten, in erster Linie den Mannheimer Genossen Dr. F r a n ck, den temperamentvollen Wortführer der Süddeutschen. Franck ist sicher einer der besten Köpfe innerhalb der Sozialdemokratie, aber er besitzt von Bebels Führer-Dualitäten keinen Hauch, und er wäre vielleicht ein Nachfolger, aber kein Ersatz. Die Frage: „Wer wird der Erbe" kann also unter Umständen zu einer Schicksal-Frage für die Sozialdemokratie werden ...! F. H.
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August Bebels letzte Fahrt.
(Draht-Meldung.)
Zürich, 15. August
Die Talfahrt der Leiche Bebels von Paffugg um die mitternächtliche Stunde der gestrigen Nacht vollzog sich in aller Stille und Schlichtheit. Die Leiche war in einen schwarz- gestrichenen Holzsarg, der mit einfachen Metallbeschlägen verziert war, gebettet. Kurz nach zwölf Uhr wurde der Sarg aus dem Kurhaus Paflugg geschafft, auf einem Wägelchen festgebunden und mit Zelttuch überdeckt. Der Kondukt zählte nur vier Mann. Neben dem Führer des Wagens saß ein Angestellter des Kurhauses, der den einzigen Kranz der K u r h a us- gäste am Arm mit ins Tal brachte. Gegen ein Uhr morgens gelangte der kleine Leichen- zng nach Chur. Am Eingang des Friedhofs wartete bereits der Friedhofswärter. Vier Mann trugen den Sarg zur Leichenhalle; dort ward er aufgebahrt bis zum kommenden Morgen. Dann wurde der Sarg von der Churer Arbeiterschaft zur Bahn geleitet. Am Bo.hn- hof sprach der Präsident der sozialdemokratischen Partei Graubündens. Die Leiche traf nachmittags in Zürich ein, wurde von der Abordnung der Züricher Arbeiterschaft nach dem Volkshaus geleitet, wo sie bis Sonntag aufgebahrt bleibt. Alsdann wird sie nach dem Trauerhaus am Schazenberg verbracht, von wo aus sie am Sonntag nachmittag der Trauerzug nach dem Zentralfriedhof geleiten wird. Unter Vorantritt der fünfhundert Kranzträger werden die Delegationen des Reichstags. des schweizerischen Ratio- nalrats, des Züricher Kantonrats und des Stadtrats einen großen Zug bilden, denen die Abgeordneten zahlloser Organisationen, die sich bereits zu Hunderten angemeldet haben, tonen werden. Die Einäscherung der sterblichen Ueberreste Bebels findet am Sonntag nachmittag um zwei Uhr statt. Sämtliche Mitglieder der deutschen sozialdemokratischen Reickstagsfraktion. soweit sie nicht durch Krankheit oder sonstige zwingende Gründe verhindert sind, werden sich zur Einäscherung Bebels nach Zürich begeben.
Das Beileid des Reichstags.
Berlin, 15. August. (Privai-Tele- gramm.) Der Reichstags-Präsident Dr. Kämpf hat im Namen des Reichstags ein herzlich gehaltenes Beileidstelegramm an die Tochter BeVels gesandt, in dem er den menschlichen und parlamentarischen Eigenschaften des Verstorbenen hohe Achtung zollt und Bebel den „unentwegten Kämpfer für seine Ideale" nennt.
Fortdauer der Kampfe in Irland!
Die Nationalisten gegen die Alsterleute.
London, 15. August. (Privai-Tele- gramm.) Die Unruhen, die mit dem Gedenktag der Befreiung der Stadt London-Derry durch Wilhelm von Oranien vor drei Tagen begannen, dauerten auch gestern noch an. Po
lizeiverstärkung ist aus verschiedenen Teilen Irlands, aus London-Derry und den übrigen Städten der Grafschaft Ulster zusammengezogen worden, da man mit einer Aus. dehuung der Unruhen auf die anderen Ulsterstädte rechnet. In London-Derry ist der angerichtete Schaden sehr beträchtlich. Die Stadtverwaltung hat die Schließung aller Wirtshäuser um sieben Uhr abends angeordnet. Bei dem gestrigen Zusammenstoß zwischen Nationalisten und Ulsterleuten fielen wieder auf beiden Seiten Schüsse. Drei Nationalisten wurden schwer Verletzt ins Hospital gebracht.
3o$ Balkan-Kaleidoskop.
Keine Revision des Friedens-Vertrags!
Täglich wechselt das Bild. R u ß l a n d und Oe st erreich - Ungarn zeigten sich doch in so überraschender Einmütigkeit über die Frage der Revision des Bukarester Friedens durch die Mächte. Rußland schimpfte auf den französischen Bundesgenossen, der so treulosen Verrat übe, und am nächsten Tage entrüstete man sich in Men über den Verfall der -beuttoen Nibelungentreue. Das aber war wieder für Petersburg und Paris das Stichwort zur Aussöhnung und zum Preisen der Herzlickkeit der russisch- französischen Beziehungen. Rußland sei, so wird nun erklärt, überhaupt n i e mit Oesterreich-Ungarn über die Behandlung der Re- vistonsfrage einig gewesen, und Rußland denke auch gar nickt daran, auf der Revision des Frie- densvettrags zu beharren. Die Revisions-Idee darf damit also als endgültig begraben gelten. Inzwischen wird bekannt:
Wien, 15. August.
I« Hofkreisen verlautet, daß KSnig Ferdinand in strengstem Inkognito in Ischl eintreffen werde, um mit dem Kaiser von Oesterreich die politische L a g e zu besprechen, wobei namentlich die Adrianopel - Frage erörtert werde« soll.
Sofia. 15. August.
3« Regiernnaskreisen wird versichert, daß die Großmächte neuerdings bestimmt erklärt hätten, auch weiterhin ans der Einhaltung der Londoner Vertrags-Bestimmungen durch die Türkei zu bestehen.
Wien, 15. August.
Es erhält sich mit Bestimmtheit das Gerücht, daß der Minister des Aeußer«, Graf Berchtold, demnächst zurücktreten und durch den gemeinsamen Finanzminister Ritter von Bilinski ersetzt werde.
Konstantinopel, 15. August.
Man erwartet hier die persönliche Initiattve deS Deutschen Kaisers, der angeblich versuchen will, die Frage von Adrianopel in einer für Bulgarien sowohl wie für die Türkei günstigen Weise endgültig zu regeln.
lieber die Aufgabe der Revisions- Forderuug seitens Rußlands wird uns aus Petersburg depeschiert, Rußland habe das Projett der Revision des Bukarester Friedens nur deshalb falle« gelassen, weil kein Einvernehmen mit Oesterreich zu erzielen gewesen sei. Rußland habe Cawalla für Bulgarien gefordert, doch habe Oesterreich seine Zustimmung an die Bedingung einer Rettifikation der neuen serbisch-bulgarischen Grenze geknüpft. Diese Rektifikation sollte sich auf einen beträchtlichen Teil von Zeniral-Macedonien erstrecken. Da Rußland darauf nicht habe eingehen können, habe es seinen eigenen Plan in Bezug auf Cawalla aufgegeben. Ferner wird versichert, das russische Auswärtige Amt hoffe, die Frage von Adrianopel auf rein diplomatischem Wege zu regeln und zwar gegen das Versprechen einer Erweiterung der Grenze Enos- Midia, gegen finanzielle Vorteile und gegen gewisse andere Zugeständnisse an die Türkei.
Nur ein Nibelungen-Märchen?
(Privat-Telegramm.)
Prag, 15. August.
Großes Aufsehen erregt in politischen Kreisen ein Artikel des Zentralorgans der tschechische« Agrarier, der in hetzerischer und verlogener Weise die Bundespolitik des Deutschen Reiches angreist. DaS Blatt schreibt: „Die Nibelungen-Treue hat einen tiefen Riß erhalten. Heute erinnert man sich in Wie», welche« Undank man dafür erntet, daß Jahr um Jahr hindurch die Augen geschloffen wurden gegenüber dem Faktum, daß die Zen- trifugal Elemente Böhmens ostentativ nach Berlinpilgerten.fich dort Rat zu holen, und auf diese Weise die habsburgische Monarchie erniedrigten. Heute sieht man es in Wien ein, welche« verhängnisvolle« Fehler ma« beging, als man in Ischl das Anerbieten König Eduards des Siebenten ausfchlug, der damals uns vom Joch der Hohrnzol-
lern befreien wollte. Heute ist auch schon der letzte österreichische Diplomat zu der Uebexzeu- guug gelangt, daß das Bündnis mit Deutsch, land furchtbar teuer bezahlt wird. Das Bündnis stellt sich heute als schwerste Schädigung alle» österreichische« Interesse« dar. Es ist gut, daß endlich der Augenblick der Ernüchterung gekom- me« ist...!"
Sie Wien von Paris.
Paris er Polizei-Skandal; Poliziste«als Verbrecher; Beamte aus dem Dienst entlaffen
Die Recherchen in dem jüngst aufgedeckten Polizeiskandal im fünften Bezirk von Paris werden von der Polizripräfettur mit fieberhaftem Eifer fortgesetzt, und jeder Tag. bringt neue sensationelle Enthülluw gen, die die in der Bevölkerung herrschende Erregung noch verstärken. Aus »en bis jetzt zutage geförderten Tatsachen kann man ersehen, mit welch unerhörter Skrupellosigkeit dir verbrecherischen Polizisten in der Ausbeutung ihrer Opfer zu Werke gegangen sind. Bisher sind acht Beamte als der schlimmsten Verbrechen überführt, aus dem Dienst entlassen worden, lieber die Affäre, die überall dos größte Aufsehen erregt, werden folgende Einzelheiten bekannt:
Polizisten als Verbrecher.
(Draht - Meldungen.)
Paris, 15. August.
Die „Methoden" der verbrecherischen Polizisten, ganz schuldlose Menschen eines Verbrechens zu „überführen", waren mannigfacher Att. Um jemanden eines Diebstahls bezichtigen zu können, wußte man dem Betreffenden in sehr geschickter Weife Gegenstände ans einem Warenhaus in die Taschen zu schmuggeln, die dann zum Erstaunen des Ahnungslosen in Gegenwart von Zeugen aus feinen Taschen hervorgeholt wurden. Mochte der Unglückliche noch so sehr seine Unschuld beteuern: Die „Corpora delicti" waren unwiderlegliche Beweise seiner Schuld, und das arme Opfer war jetzt vor die Wahl gestellt, sich entweder durch Zahlung einet beträchtlichen Geldsumme freizukaufen oder ins Zuchthaus zu wandern. Ein sehr dankbares Mittel für Erpressungen war der „Kampf" gegen das Zuhälterwesen. Hatte man keinen wirklichen und auch „solventen" Zuhälter zur Hand, so griff man einfach irgendeinen Einwohner des Bezirkes heraus und kümmerte sich wenig darum, ob der Beschuldigte ein völlig unbescholtener, einem redlichen Erwerb nachgehender Mann war. Die skrupellosen Hüter der Sittlichkeit zogen irgendeine leichtfertige Person zu Hilfe, die unter der Drohung, selbst dem Zuchthaus ausgeliefert zu werden, die den Polizisten erwünschten Aussagen gegen den Verhafteten machte. Die ver- brecherischen Polizisten scheuten sich auch nicht, vor Gericht selbst als Zeugen aufzutreten und durch falsche Aussagen die ihnen nicht gesügigen Opfer erbarmungslos
den Kerkern auszuliefern.
Am liebsten hotten sie sich ihre Opfer in öffentlichen Trinkstuben, wo sie auf Grund von Denunziationen durch Stammgäste blind daraus los Verhaftungen vornahmen. Dann erschienen sie vor Gericht als Zeugen und versicherten, daß sie die Angeklagten an dem und dem Tage, zu jener bestimmte« Stunde, a'.t dem und dem Orte in flagranti als Zuhältcr entlarvt hätten. Begreiflicherweise passierten ihnen zuweilen auch sehr unangenehme Mißgriffe. So waren sie eines Tages nahe daran, einen B - amten des Zeremoniendepartements zu verhaften. Ein andermal brachten sie einen Studenten der Rechtswissenschaften, den Sohn eines berühmten Universitätsprofessors, auf die Pott- zei. Vor nicht allzu langer Zeit nahmen sie einen jungen Gerichtspraktikanten, den Sohn eines hochgeachteten Richters und Senators, unter der Anschuldigung der Zuhälterei fest. Ihre Aussagen brachten de« schuldlosen jungen Mann ins Zuchthaus. Man spricht noch von zahlreichen anderen, gleich schweren Vergehen, deren sich das verbrecherische Polizistensyndikat schuldig gemacht haben soll. Sehr gern nahmen sie eine verheiratete Dame der besseren Stände in Beobachtung, und sowie sie die Ahnungslose eines Verstoßes gegen das Ehegesetz überführten, drohten sie mit Skandal und erpreßten ein hohes Schweigegeld.
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Die Opfer der Verbrecher.
Wie weiter aus Paris berichtet wird, hat die Untersuchung gegen die der Erpressung an- geschuldigten Pottzeibeamten die Entlassung von acht Beamten zur Folge ar- habt. Die Schuldigen sind mit beispiellose, Frechheit vorgegangen und haben durch falsch« Anklagen und falsche Aussagen in vier Fällen die Verurteilung vollkommen unschuldiger Personen erwirkt. In einem