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Kasseler Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 211. Fernsprecher SSI und SSL Donnerstag, 14. August 1913. Fernsprecher SSI und 952. 3. Jahrgang. '

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Spatsommer-Mörchen?

Die Aufhebung des Jesuiten Gesetzes und das Reich: Nurreine Erfindung?"

Die (gestern von «ns wiedergege­bene) ans Umwegen über die Schweiz verbreitete Meldung, wonach der dentsche Bundesrat fich in kürzester Zeit mit der endgültigen Aufhebung des Iesuitengesetzesbeschäftige» werde, wobei Prentze« und Bayer« geschloffen für Aushebung dieses Ge­setzes stimme» würden, wird an zu­ständiger Berliner Stelle alsvoll, ständig erfunden" bezeichnet. Nun wissen wir's also:Völlig erfunden!" Man hätte es ahnen können, denn daß aus­gerechnet von Bern aus dieSensation des Tages" ins Land deutscher Sorge hinüber­huschte, gab dem Ereignis gleich von vornherein ein etwas eigenartiges Gepräge. Anderseits sah man in der Eile, die die Kölnische Zeitung (immer noch der Berliner Wilhelmsttatze als offiziöser Moniteur dienstbar) in der Weiter­verbreitung der Kunde entwickelte, eine Art Unterpfand für den Tatsächlichkeits-Gehalt der überraschenden Nachricht, denn unsre polttische Kultur ist so wunderbar entwickelt, daß vom Ohr des Alltags jeder Ton offiziöser Mei- nung-Aeußerung, und sei's auch nur das Lärm­konzert einer Kinder-Trompete, als Offen­barung, als Evangelium empfunden wird. Also mußte, da das Kanzlerblatt am Rhein die über Paris nach dem Schweizerland gelangte August-Post desBerner Bund" in deutschen Lettern dem Auge erschrockner Leser präsentiert, die Nachricht Wahrheit künden. Preußen und Bayern sollen (so heißt es) entschlossen sein, gemeinsam für die Aufhebung des Jesu­itengesetzes im Bundesrat einzutreten, so daß von vornherein dreiundzwanzig Stimmen für den Aufhebungs-Beschluß gesichert seien, wäh­rend um die zur absoluten Mehrheit noch er­forderlichen sieben weiteren Sttmmen zurzeit ein eifriger Schacher getrieben werde. Das In­teressanteste an dieser Mitteilung ist der Hin­weis auf das Zusammengehen Preu­ßens mit Bayern. Man weiß, daß nicht erst seit gestern in der Jesuitengesetz-Frage ein­gehende Verhandlungen zwischen Berlin Und München stattgesunden haben, Weitz, daß die wiederholten Inkognito-Besuche des bajuvari- schen Ministerpräsidenten von Hertling in Ber­lin eben dieser Frage galten, und Weitz ferner auch, daß dem Mann vom Bayerland in der Berliner Mlhelmstraße Zusicherungen gemacht worden sind, die den Philosophie- und Staats­mann-Kollegen des Herrn von Bethmann Holl­weg in der angenehmen Hoffnung bestärken dursten, in nicht allzu ferner Zett das Ziel bayrischer Regierungs-Sehnsucht zu erreichen. Daß man uns jetzt erzählt,freie Erfindung" habe auf das Holzpapier desBerner Bund" ein Märlein niedergekritzelt, bezieht sich also vielleicht nur auf die Form der Darstellung, und der Inhalt ist möglicherweise weniger frei erfunden"- *

In der Meldung des Berner Blattes war ferner gesagt, es sei in der Haupffache den emsigen Bemühungen eines am Berliner Kai­serhof sehr geschätzten und ostwärts der Elbe reich begüterten Schloßhauptmanns zu danken, daß Preußen seine Stellungnahme in der Jesuitengesetz-Frage in neuerer Zeit we­sentlich geändert habe und heut entschlossen sei, im Bundesrat für die Aufhebung des Verban­nungs-Edikts zu stimmen. Dieser Schloßhaupt­mann, derbei der allein maßgebenden Per­sönlichkeit in hoher Gunst stehe", kann nur der Herr von Hutten-Czapski sein, von dem allerdings bekannt ist, daß er als Vettrauter das Ohr des Kaisers besitzt und in dieser Eigen­schaft einen starken polittschen Einfluß ausübt. Wenn es ihm (wie das Berner Blatt versichert i gelungen sein sollte, den Kaiser von der Not­wendigkeit der Aufhebung des Jesuiten-Gesetzcs zu überzeugen und damit die preußffche Regie­rung in eine völlig verändertt Stellungnahme zu den Reichstags-Beschlüssen in dieser Frage zu drängen, so wäre Das ein außerordentlich bezeichnendes Eharakttristtkum unsrer politi­schen Misere und (um es mflde auszudrücken ein deutliches Armutszeugnis für die Regie­rung, deren Entschlüsse schließlich doch s o ge­festigt sein sollten, daß sie von unverantwort­lichen Einflüssen nicht erschüttert werden kön­nen. Außer dem mannigfach talentierten Schloß- Hauptmann soll auch noch die kürzlich ver­storbne Gräfin von Flandern, eine ge- borne Prinzessin von Hohenzollern, sichbei ihren hohen Verwandten um die Aushebung des Jestiitengesetzes bemüht und es verstanden ha­ben, die maßgebende Stelle von der Notwen­digkeit dieser Maßnahme zu überzeugen". Po- Üttfche Romantik also in Hülle und Fülle; Stoff

zu einem zweibändigen RomanHinter den Kulissen deutscher Reichs-Geschichte"; Material ür ein Dutzend Dichter und Ltteratur-Manager. Alles, was das Berner Blatt erzählt, ist dem Auge im Bereich der Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit erkennbar, und da die vom Geist der Berliner Mlhelmstwße beschat­tete Kölnische Zeitung dieses Berner Sommer- Märchen hurtig weiter gegeben hat, ist viel­leicht die Annahme nicht unberechttgt, daß dies auf einen Mnk aus Berlin geschah: Auf Wunsch einer Stelle, di« sich vor Land und Natton Rückendeckung sichern möchte für den Tag, der das Märchen von Bem ... in deutscher W i r k l i ch k e i t sieht! F. H.

Der Handwerker-Kongreß.

Handwerks- «nd Gewerbefrage«.

(Bericht unsers Korrespondenten.)

Halle a. S., 13. August.

In der Stadt an der Saale, dem alten Halle, trat gestern der fünfzehnte Deut« ch e Handwerks - und Gewerbekam- nertag zusammen. Vertreter aller ange- chlossenen Korporationen waren erschienen, darunter die Vorstandsmitglieder der Hand­werkskammer für Kurhessen und W a l d eck in Cassel, Obermeister Zimmer­mann, Zimmermeister Bangert-Corbach, Ober­meister Haußner-Marburg und Hofbäckermeister Simmer-Fulda sowie Syndikus Thanheiser. Der Generalsekretär des Kammertages, Dr. M e u s ch - Hannover erstattete den Jahresrück­blick und gab einen Ueberblick über die wirt- chastliche Lage des Handwerks im verflossenen Jahre. Im Mittelpunkt der Ausführungen stand der Bericht über die letzte Handwerker­konferenz im Reichsamt des Jnnem, die dazu bestimmt War, dem Kammertag Gelegenheit zur Begründung der eingereichten Denschrift zu ge­ben und eine gegenseitige Verständigung zwi- chen den Vettretem der verbündeten Regierun­gen und denen des Kammettages herbeizufüh- ren. Das Ergebnis der Konferenz, das selbst­verständlich nicht als endgültiges Resultat an­zusehenist, kann als ein für den Kammertag sehr zusriedenstellendes bezeichnet werden. Nachdem zu diesem Thema das Mitglied der Fünfzehner- kommission des Reichstages, Abgeordneter Mal- kewitz-Stettin, konftattert hatte, daß in der Kom­mission über die Frage einer gesetzlichen Rege­lung des Verdingungswesens eifrig gearbeitet werde, wurde der Geschäftsbericht einstimmig genehmigt. An zweiter Stelle sprach im Auf­trage der Handwerkskammer zu Berlin der frü­here Abgeordnete Obermeister Rahardt« Berlin über die Errichtung der Hauptstelle für Verdingungswesen beim Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag. Der Red­ner begründete die Notwendigkeit dieser Haupt­stelle und kam im Verlaufe seiner Ausführungen auch auf

die Vorgänge bei Ktnpp zu sprechen, die, wenn auch nicht die Regel, so doch ein typisches Beispiel seien. Unsere Behör­den täten gut, nachzuprüfen, ob bei den bei Verdingungen in Betracht kommenden Stellen die Beamten eine Lebensführung haben, die ihrem Gehalt entspricht. Ich bedauere aus tieffter Seele, daß beiartige Dinge erst durch den Mund sozialdemokratischer Abgeordneter zur Kenntnis der Regierung gebracht werden. Der Referent schlug schließlich folgende Resolu­tion vor: Die deutschen Handwerks- und Ge­werbekammern haben in Verfolgung der ihnen gesetzlich obliegenden Pflicht der Jnteressen- wahrnehmung für das Handwerk eine Haupt­stelle für Verdingungswesen eingerichtet. Sie sind dabei von der Notwendigkeit und Unent­behrlichkeit der Selbsthilfe des Handwerks auf diesem Gebiete überzeugt und entschlossen, die hier bestehende und besonders für den Hand­werkerstand schmerzliche Notlage mit allen Kräften beseitigen und eine Gesundung des Submissionswescns herbeiführen zu helfen. Auf der anderen Seite verttauen die Vertretungen des Handwerks, daß Reichstag und Bundesrat ebenso wie die Landesregierungen diesem der Wohlfahrt des gesamten deutschen Volkes die­nenden Reformwerk ihre tätige Mitwirkung und finanzielle Unterstützung nicht versagen toerben. Nachdem in der Diskussion Geheimer Oberregierungsrat Spielhagen die deutschen Beamten gegen den Vorwurf in Schutz genom­men hatte, als seien sie allgemein der Beste­chung zugänglich, wurde die Resolution des Re­ferenten einstimmig angenommen. An letzter Stelle sprach Handwerkskammersekretär Ebe­ling - Osnabrück über den Schutz von Hand­werksbetrieben gegen Einsprüche bet Nachbarn wegen Belästigung durch Geräusche.

Der Tod auf dem Kongreß.

Halle, 13. August. (Privat-Tele- grämm.) Während der Eröffnung der heu- tigen Hauptversammlung des Handwerker- und Gewerbekammertages in Halle wurde der Vor­sitzende der Geraer Handwerkskammer, Ober­meister Werner Petzen, der als Delegierter der Geraer Handwerkskammer an den Bera­

tungen teilnahm, vom Schlage getrOf­en. Er war sofort tot. Obermeister Petzen tand im dreiundsechzigsten Lebensjahre.

Sie Zreibimd-Berftimmmig.

Der Kampf «m den Friedens-Vertrag.

Die plötzliche Rückkehr des Staatssekretärs von I aq o w, der erst in einiger Zeit erwartet wurde, läßt den Schluß zu, daß in der Berliner Wilhelmstraße sehr wichtige Dinge zur Beratung stehen müssen. Und in der Tat: Die Beendigung der Kriegswirren durch den Bukarester Frieden hat in Europa mehr Be­unruhigung im Gefolge gehabt, als die Kämpfe auf dem Balkan selbst, die gewiß das Interesse der Großmächte in hohem Grade in Anspruch genommen haben. Die Stellungnahme der derttschen Regierung, die nunmehr so über­raschend aus ihrer bisherigen Zurückhaltung heraustrat, hat berechtigtes Aufsehen erregt, und es ist kaum zu leugnen, daß dieser Schritt von einer solgenschw eren Bedeutung ist. I» Oesterreich hat die Kundgebung des Deutschen Kaisers wie ein Blitzstrahl gewirkt und in hohen Kreisen ist man geradezu Se- stürzt, denn der deutsch-österreichische Gegen- s a tz scheint mit einem Male ins hellste Licht gerückt. Die augenblickliche Lage wird durch folgendes Telegramm charakterisiert:

Deutschland gegen die Revifio»!

(Privat-Telegramm.)

Petersburg. 13. August.

Das Telegramm Kaiser Wilhelms an de« König Karol von Rumänien wird hier als Beweis für die Ablehnung per Revision durch Deutschland beurteilt. Ebenso ist man überzeugt, daß England auf dem gleichen Standpunkt steht. Nachdem nun auch Frankreichs Entgegenkommen neuer­lich ungewiß geworden ist, wird die Wahr- scheinlichkett des Zustandekommens der Re­vision sehr stark bezweifelt, nm so mehr, als die Petersburger Regierung nicht geneigt ist, in eine Gesamtprüfung des Buka­rester Vertrages einzutreten, sondern sich viel­mehr auf die Cawalla-Frage beschränke» will.

Oesterreich beharrt nach wie vor mit der gleichen Hartnäckigkeit auf seinem Revisi­onsbegehren. Die Gerüchte von Berch- tolds Rücktritt, die heute wieder aufiauchen, lassen indessen die Aussicht auf die Möglichkeit eines Einlenkens der österreichischen Politik offen und damit die Anbahnung zu einer Ser« ständi gnn g mit Deutschland. Die Aus­gaben, die erst die kommende Zeit (namentlich in Kleinasien) den beiden Bundesgenossen zur Lösung stellen wird, verlangen ein unentwegtes Zusammengehen Deutschlands und Oesterreichs. Deutschland muß mit aller Gewißheit daraus rechnen können, von seinem Nachbarn in ent­scheidender Stunde nicht im Stiche gelassen zu Werden. An der Donau aber darf sich das Be­wußtsein nicht trüben, daß auch die deutsche Freundschaft unerschütterlich tft. Herrn von 3agotoa Ausgabe wird es jetzt sein, alle Miß­verständnisse zwffchen Berlin und Wien aus dem Wege zu räumen, sodaß wieder volle Ein­mütigkeit im Dreibunde herrscht. V,. v.

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Demobilisierung i» Bulgarien!

Sofia, 13. August. (P r t b a 11 e I e g r a m m.) Der bulgarische Ministerrat genehmigte den Demobilisierungsplan des Haupt­quartiers. Die Abrüstung hat gestern mittag begonnen. Zunächst werden die Freiwilligen und die Steuerzahler, die früher nicht gedient hatten, sowie die Reservisten vom 30. Jahre an entlassen. Das Kriegsministerium erließ einen Befehl an die Divisionskommandanten, unver­züglich die Jahrgänge 1907 bis 1911 zu ent­lassen. In zwanzig Tagen soll die Demobili- sierung vollzogen sein.

Balkanpvlitik und Heiratspläne.

Bukarest, 13. August. (Privat-Tele­gramm.) In diplomatischen Kreisen sagt man, daß die zukünftige Balkan-Alliance durch verschiedene Heiraten gefertigt werden solle. Prinzessin Elisabeth, eine Enkelin König Karols wird den griechischen Thronfolger G e - org heiraten, Prinz Karol von Rumänien, der Sohn des Thronfolgers, die Großfürstin Katharina, die zweite Tochter des Zaren, und Prinz Alexander, der Thronfolger von Serbien, die Prinzessin Olga, die älteste Toch­ter des Zaren.

Die Furcht vor der Revolution.

London, 13. August. (Privat-Tele­gramm.) Die bulgarische Regierung will, wie man den hiesigen eingeweihten Kreisen ver­sichert, aus Furchtvor Militär-Revol­ten weder in Sofia, noch in einer anderen Stadt des Landes größere Truppen-Gorni- sonen belassen. Wie weiter versichert wird,

hat Rußland Bulgarien das Versprechen ge« geben, die Räumung Adrianopels und die Ab« ttetung Kawallas zu erwirken, wenn möglich auch die Wiederabtretung der Städte Kotschanaf und Radowifchki.

Set Kaiser als Kaufmann.

Der Kaiser als Aktionär, Fabrikherr und Anternehmer; die Farmen des Kaisers.

(Von unfenn H. ^.-Mitarbeiter.)

Berlin, 13. August.

Die Lübecker Rede des Kaisers, in bet Wilhelm der Zweite so warm für di: deutsche Kaufmannschaft eintrat, hat die allge­meine Aufmerksamkeit wieder auf die praktische Anteilnahme des Kaisers am gewerblichen und industriellen Leben seiner Zett gelenkt, die sich nicht etwa in der Wertschätzung der in Jndn« strie, Handel und Gewerbe wirksamen Kräfte erschöpft, sondern sich vorwiegend auch in at« über Beteiligung an industriellen und ge­werblichen Unternehmungen offenbart. Man weiß längst, daß der Deutsche Kaiser nicht nur der Herrscher eines großen Reichs, sonder» gleichzeitig auch Aktionär, Fabrik-Be­sitzer, Farmer und Unternehmer ist: Der Aktienbesitz des Kaisers ist allerdings nicht groß. Natürlich kennt man ihn nicht ht vol­lem Umfange, doch weiß man einige Einzel­heiten. So besitzt der Kaiser eine Anzahl Aktien der Städtischen Lagerbierbrauerei in Hannover, auf die er jedes Jahr tote alle an­deren Aktionäre seine Dividenden erhält. Es hat Jahre gegeben, in denen auf jede Aktie 1000 bis 1600 Mark ausgefchüttet wurden. In der Generalversammlung der Hannoverschen Lager­bierbrauerei (die der Brauereigilde der Stadt Hannover gehört) läßt sich der Kaiser regel­mäßig durch einen Beamten des Hosmarschall- amts vertreten. Wie weit der Kaiser überhaupt an Aktiengesellschaften beteiligt ist, entzieht sich der öffentlichen Kenntnis, doch wird vermutet, daß der Kaiser unter anberm auch Anteile der Reichsbank besitzt. Wenigstens figu­riert in der Liste der Anteilbesitzer der Reichs­bank der Geheime Regierunasrat im Mini- fterium des königlichen Hauses, Müller, bet gleichzeitig Direktor der Verwaltung bes könig- lichen Hausschatzes ist, und man kann a»neh­men, daß dieser den Besitz des Kaisers an An­teilen der Reichsbank vertritt. Bekannter ist die Taffache, daß der Kaiser auch Fabrikbe­sitzer ist. Wenn auch die Majolikafabrik in Cadinen in erster Linie einer künstlerischen Liebhaberei des Kaisers dient, so liegt es doch in der Natur eines Fabrikbetriebes, daß er nach kaufmännischen Grundsätzen verwaltet werden muß.

Die Erzeugnisse der Fabrik gelangen ja auch in den öffentlichen Handel, und können hier, wie die Erzeugnisse jeder an« deren Fabrik, von jedermann für Geld gekauft werden. Allerdings liegt es auf der Hand, daß die Entwicklung eines Unternehmens, dessen Eigentümer der Kaiser ist, sich in einer ganz bestimmten Bahn bewegen muß, auf der der Wettbewerb nicht von ausschlaggebender Be­deutung ist. Als der Kaiser seine Majolika­fabrik in Cadinen begründete, sprach er in sei­nem Programm aus, daß er für Deutschland eine neue wirksame Industrie schaffen wolle, ohne aber den einheimischen Fabrikaten ähnlicher Art irgend welche Koickurrenz zu machen. Deshalb wird auch jede Reklame für Cadinen streng vermieden, wodurch der wich­tigste Faktor für den Zusammenhang zwischen dem Publikum und der erzeugenden Fabrik fehlt. Da außerdem jedes Modell von einem Künstler angefertigt wird, so sind die Fabri­kate Cadinens durchaus nicht billig, und sie dürften auch in absehbarer Zeit keinen allzu gro­ßen Gewinn abwerfen Es liegt dem Kaffer eben weniger daran, daß feine Fabrik Geschäfte macht, als daß sie Mustergültiges leistet. End­lich sei erwähnt, daß die kaufmännischen Be­strebungen des Kaisers auch ins Übersee- i s ch e Deuffchland reichen. Der Kaiser besitzt in Deutsch-Südwestafrika im Bezirk Gibeon zwei Farmen (Dickbon und Kosof), die haupt­sächlich dem Betrieb der Wollschafzucht dienen. Die beiden Farmen liegen zwischen Gibeon und Maltahöhe am Psubflusse im großen Nama- land, das zur Schafzucht besonders geeignet ist. Die Wollproduktion befindet sich in Deutsch- Südtoestafrika zwar noch in den Anfängen, sie hat aber jedenfalls, wie das Beispiel der Kap. kolonien beweist, eine ganz außerordentliche Zukunft in Deutsch-Südwestafrika, und der An­kauf der Farmen durch den Kaiser beweist, wie aufmerksam Wilhelm der Zweite die Entwick­lung der Kolonialwirtschaft verfolgt,

Am eine Kaiser-Krone.

Größtes Aufsehen erregt zurzeit in Brasilien ein Prozeß, den die Erben des 1889 entthron­ten K a i s e r s P e d r o des Zweiten gegen den Staat angestrengt haben. Das Klageobjekt ist nichts Geringres als ... eine K aiserkr onL und zwar die Krone, die Dom Pedro im Jun? 1887, ehe er seine vorletzte Europareise antrat, dem Schatzamt zur Aufbewahrung übergab. Er hat sie nie toieberbetommen, denn kurz nachdem er zurückgekehrt war, brach die Revolution in Rio aus. Der brasilianische Kaiser hatte zwei Krone» besessen: Die eine war aus