CaWr Neueste Nuchrichteu
Casseler Abendzeitung
Di« OafTeler Neueste» Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und »war abend». Der AbonnementSpret» beträgt monatlto 60 Psg. bet freier Zustellung in» Hauch Bestellungen werden jederzeU von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaktion! Schlachthofstrabe 28/30. Sprechstunde» der Redaktion nur von 7 6tS 8 Uhr abend». Sprechstunden der «urkunft - Stelle: Jede» Mittwoch und Freitag vo» 6 bi« 8 Uhr abend». Berliner Vertretung: SW, Frtedrtchstr. Ich Telephon: Amt Moritzplatz 1258».
Hessische Abendzeitung
Jnsertion-preise: Li« f«ch»gespalten« Zeil« für einheimische Geschäft« 15 Pfg., für au», wärttge Inserate 25 Pf, Reklame,eile für einheimifch« Geschäfte -0 Pf, für aurwürttg« Geschäfte «0Ps. Einfache Beilagen für die «esamtaustage werden mit 5 Start pro Tausend berechnet. Wegen ihrer dichten Berdrettung in der Restden, und der Umgebung stnd di« Lafleler Neuesten Nachrichten et» vorrügltche» JnfertionSorgan. «eschüftrstelle: Kölnisch« Straß« 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Morttzplah 1258«.
Nummer 210«
Fernsprecher 951 und 952.
Mittwoch, 12. August 1913.
Fernsprecher 951 und 952.
3. Jahrgang.
Sein eigener Kanzler?
Kaiser Wilhelm «nd der Friedensschluß am Balkan; Marschallstab «nd Dankdepesche«.
Wie «ns ei« Privat-Telegramm aus Berlin meldet, hat in dortigen politische« Kreisen der Depesche «- Wechsel zwischen dem Kaiser «nd dem König von Rumänien überrascht und man ist bemüht, die Aufregung, die der Wortlaut der Depeschen namentlich in Wien erzeugt hat, zu beschwichtigen. Die Stimmung in Wie« ist eine sichtlich gereizte.
Der Deutsche Kaiser hat seinen Schwäher, den Hönig Konstantin von Griechenland, zum Feldmarschall der deutschen Armee ernannt, und dem Sohn' des Schwagers, der einst Hellas Krone tragen soll, das Großkreuz des Ordens vom Roten Adler verliehen. Am gleichen Tag, da dies geschah, trug der offiziöse Draht die Kund« von dem Depeschenwechsel zwischen Kaiser Wilhelm und König Carol durch Europa, in Wien und Petersburg, London und Paris halb Erstaunen, halb Groll und Hader weckend. Der Träger der ehernen Königskrone Rumäniens hat dem Deutschen Kaiser für seine totkräftige Mitwirkung an der Erstrebung des Friedens von Bukarest rückhaltlos und in riner Form, die keinerlei Deutelkunst gestattet, gedankt, und in dem Telegramm des Kaisers, das der Draht von der deutschen Wasserkante zur Hauptstadt des Rumänenlands hinübertrug, ist von dem „gemeinsamen Wirken" der Heiden Zollernfürsten im Interesse des Friedens die Rede, das dem Kaiser zur besonder« Freude gereiche. Beide Ereignisse: Die Verleihung des brillanten-gezierten Marschallstobs in den Griechenkönig und der Depeschenwechsel zwischen Swinemünde und Bukarest, werden tot Schlußkapitel der Balkaniade einst vielleicht ils sichtbare Merkmale der unentwegten Friedenspolitik Wilhelms des Zweiten genannt werden, als äußere Ausprägung eines in der Stille gereiften Werks weltgeschichtlicher Bedeutung, in dessen Mittelpunkt die Person des Deutschen Kaisers steht. Man darf belächeln, was die emsigen Domestiken byzantinischer Geschichts-Dichtung uns in diesen Tagen über die alle Gefahr bannende, alle Wolken scheuchende Vermittler- und Versöhner-Tättgkeft des auf der Nordlandfahrt den Sorgen der Heimat weit entrückten Kaisers im Ton eksta- tischer Verzückung erzählen: Wichtig, sichtbar und verdienstlich ist indessen auch ohne den Ueberschwang offiziös angekränkelter Tiraden die Tatsache, daß Wilhelm der Zweite im Augenblick der Entscheidung über Krieg und Frieden am Balkan das Schwergewicht deutschen Einflusses in Europa und die Wucht seiner Persönlichkeit dem Interesse des Friedens und der Völker-Versöhnung im Südosten Europens dienstbar gemacht hat.
Dieses Verdienst, dessen Wertung der Geschichte Vorbehalten bleibt, überstrahlt das Jubiläumsjahr des dritten Deutschen Kaisers mit hellerm Glanz als all die Sprühsunken festfeierlichen Tafel- und Bankett-Plaudergeists, die uns in den letztvergangnen Monden beunruhigt und erregt, und dies Verdienst ward erstrebt und erwarben in der Stille eines weltfernen Erdenwinkels, inmittrn der majestätischen Einsamkeit nordläitdischen Landschaft-Zaubers, unbeengt und unbespäht vom lausendäugigen Ungeheuer „Offizielle Welt", in dessen prunkenden Fesselbann man heut die Weltgeschichte zwängt. Als der Kanzler des Reichs in Swinc- münde beim Kaiser zum Vortrag erschien und sich in Ahlbeck an der gesunden Frische blühender Kaiser-Schützlinge erfreuen durfte, waren die Würfel bereits gefallen, hatte der Draht zwischen der deutschen Wasserkante und den Hauptstädten Griechenlands und Rumäniens sein weltgeschichtliches Chiffrespiel schon beendet, und dem im Reich verantwortlichen Staatsmann verblieb nur noch die Kenntnisnahme von Tatsachen, die derweil Ereignis geworden waren. Wenn man die Stimmen unsrer offiziösen Presse, in denen der Geist der Regierungspolittk sich offenbart, mit den Geschehnissen der letzten Tage vergleicht, wenn man nach Zusammenhängen zwischen den Kundgaben der Berliner Wilhelmstraße und der an Bord der Kaiserjacht „Hohenzol- Icrtt" betriebnen Politik der Versöhnung und des Friedens forscht, erkennt man mit einigem Befremden, daß dieser Vergleich eigentlich gar keine Zusammenhänge offenbart, daß vielmehr zwischen den in gewissen Intervallen erscheinenden Randbemerkungen unsrer offiziösen Presse zur Balkaniade und der Polittk des Kaisers Gegensätze bestehen, die der Zufall allein kaum verursacht haben kann. Den Kaiser begleitet auf seinen Auslandreisen stets ein Vertreter des Auswärtigen Amts, der den
Verkehr zwischen dem Monarchen und der Berliner politischen Zentrale vermittelt, den Kaiser über alle Ereignisse der internattonalen Politik auf dem Laufenden erhält und also gewissermaßen der diplomatische Vertrauensmann der Majestät ist.
Von Herrn Theobald von Bethmann H o l l w e g, dem einzigen verantwortlichen Staatsmann im Reich, weiß man, daß er seit Jahresftist sich mit Feuereifer der deutschen Auslandpolitik widmet, die ihm einst, als er ins Kanzleramt berufen, ward, so ftemd war. wie die Kulturgeschichte der Patagonier. Herr von Jagow, der Kiderlen-Waechter im Aus- land-Geschäst beerbt, kennt die Balkanpolittk (nach eignem Zeugnis) nur aus Diplomaten- Berichten und Zeitungs-Artikeln, und seine persönliche Tättgkeit in der Entwirrung der blutroten Fäden des Völkerdramas auf der Erde des Balkans beschränkt sich im Wesentlichen auf den geschäftsordnungsmäßigen Vollzug der auf die Balkaniade bezüglichen diplomatischen Akte. Aktiv hat Kiderlens Nachfolger in den Gang der Ereignisse nicht eingegriffen. Initiative wurde in der Sphäre der Wilhelmstraße nicht entwickelt: Plan und Tat entstanden, gediehen und reisten an Bord der Kaiserjacht „Hohenzollern". deren Arbeitszimmer in diesem Jahr Wilhelm den Zweiten in der Rolle des „eignen Kanzlers" sah. Durch den internationalen Blätterwald rauscht's in Jubelchören und Groll-Gepolter; der kühle Augusttag zeigt uns das Bild des in Bukarest unter Kanonendonner und feierlichen Glockenklängen vollzognen Friedens als spätsommerliche Apotheose einer düster« Periode verhängnisvoller Irrung, und Marschallstab und Dank- Depeschen krönen den Effekt versöhnender Friedenspolitik an Bord des Kaiserschiffs. Die Stunde der Entscheidung brachte uns (soweit das Auge heute schaut) Glück und Erfolg, Lorbeer und Ruhm, und in Swinemünde durste der Kanzler seinen Herrn in Ehrfurcht und Bewunderung zum Mittleramt im Völkerkrieg beglückwünschen. Mit dem Kaiser freut sich die Nation des Erfolgs deutscher Friedenspolitik, die (nach allzu langer Wartezeit) Tat und Sieg verwirklicht, und bange Sorge fragt nur: W i e wär's geworden, wenn die Stunde der Entscheidung uns Weniger freundlich gelächelt, die Politik des Kaisers die Gefahren nicht gebannt und die Friedensmahnung von Bord der „Hohenzollern" ein a n d r e s Echo als das Tedeum in der Kathedrale von Bukarest geweckt hätte...? * F. H.
Die Politik des Kaisers.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 12. August.
Die Einflußnahme des Kaisers auf das Zustandekommen des Friedens ist (wie von hoher diplomatischer Seite versichert wird) wesentlich größer, als die Oef- fentlichkeit nach den bisher bekannten Nachrichten annimmt. Der gegenwärtige Zeitpunkt ist noch zu verfrüht, um ein mit allen Einzelheiten versehenes Bild zu entwerfen, das das Eingreifen des Kaisers in die B u k a r e st e r V e r- Handlungen genügend kennzeichnet: es kann aber schon heute gesagt werden, daß ohne das nachdrückliche Eintreten des Kaisers für das Zustandekommen des Friedens, sein unablässiges Bemühen, noch bestehende Gegensätze auszugleichen, der Bukarester Friede nicht zustande gekommen wäre. Der Kaiser ist in den letzten Wochen von allen Einzelheiten der Verhandlungen auf dem Laufenden gehalten worden, und der Vettreter des Auswärttgen Amtes, der sich im Gefolge des Kaisers aus der „Ho- henzollern" befand, hatte
Befehl vom Kaiser,
ihm unverzüglich von allen wichttgen Mitteilungen Kenntnis zu geben, selbst während der Nachtzeit. Der Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser und König Carol, das „Schlußprotokoll des Bukarester Friedens", ist in einem schwierigen Stadium der Verhandlungen zustande gekommen, als noch im letzten Augenblick das Friedenswerk gefährdet schien. Der bedeutungsvolle Inhalt der Drahtungen ist von beiden Regierungen vereinbart worden, um in Europa keinen Zweifel über die Stellung Deutschlands und Rumäniens auflommen zu lassen. Als die Frage der Zugehörigkeit des Hafens von Cawalla die Friedenskonferenz zu sprengen drohte, wandte sich der Kaiser drahtlich an König Konstantin von Griechenland und empsahl ihm, Bulgarien das Hinterland von Cawalla zu überlassen. Der König verständigte den 'Ministerpräsidenten Venizelos, und das schwer gefährdete Friedenswerk wurde im letzten Augenblick gerettet.
Schwere Verstimmung in Oesterreich!
Wien, 12. August. (Privat-Tete- gramm.) Das Verhalten Kaiser Wil- Helms anläßlich der Bukarester Friedensverhandlungen und sein Eintreten im
Gegensatz zu Oesterreichs Balkanpolitik hat nicht nur in österreichischen Diplomatenkreisen, sondern auch an hohen Stellen empfindlich berührt und bcftemdet. Es fiel das Wort: „DasisteineKrüger - Depesche" in Bezug auf das Telegramm des Kaisers an König Carol. In der Rede des Königs Carol will man die Ankündigung eines neuenBal- kanbundeS erblicken, der das Lebensinter- effe Oesterreichs in hohem Grade gefährde.
Verstimmung imSreibund!
Marschallstab «nd Dreibnnd-Politik.
Wie uns aus Wien depeschiert wird, hat in dortigen politischen Kreisen die Ernennung des Königs von Griechenland zum Feldmarschall der deutschen Armee außerordentliches Aufsehen hervorgerufen und über, aus peinlich berührt. Man will in dieser Ernennung eine vollständige Desavouierung der Politik des österreichischen Ministers des Aeußeren, des Grafen Berchtold, durch Kaiser Wilhelm erblicken, der durch die Anregung einer Konferenz zur Revision des Bukarester Vertrages Cawalla für Bulgarien retten möchte. Seit dem Bestehen des Dreibundes dürste es das e r st e m a l sein, daß Oesterreich-Ungarns äußere Politik in einer so ostentativen Weise vom Deutschen Kaiser desavouiert wurde. Denn nicht anders will man in politischen Kreisen Oesterreichs die besondere Ehrung des Königs von Griechenland durch den Deutschen Kaiser deuten. Wir erhalten nachstehendes Telegramm unseres Wiener Korrespondenten:
Wie«, 12. August.
Die gesamte österreichische Presse spricht sich in äußerst scharfen Dorten über den Depeschenwechsel zwischen dem Deutschen Kaiser und dem König von Rumänien und über die Verleihung derFeldmarschall- Würde a« den König von Griechenland aus. Namentlich in denjenigen politischen Kreisen, die dem Erzherzog-Thronfolger nahestehen, ist die Erregung groß und gestern abend wurde in einem vornehmen politischen Klnb erklärt, das Borgehen des Deutschen Kaisers bedeute das bewußte Abrücke« Deutschlands von Oesterreich und sei die ernsteste Gefährdung des Dreibundes, die seit Jahrzehnten fich ereignet habe. Auch die Wiener Hofkreise find tief verstimmt und machen aus ihrer Mißbilligung der Haltung Kaiser Wilhelms kein Hehl.
Man weiß, daß Kaiser Wilhelm seiner Schwester Sophie und König Konstantin, sei- nem Schwager, seine Unterstützung gegenüber den Forderungen Bulgariens versprochen hat. Die deutsche Regierung löst dieses Versprechen ein, obgleich der Alliierte an der Donau ein wirlliches und größeres Jntereffe an der Lösung dieser Frage hätte. Dieselben Gründe dürften auch für England maßgebend gewesen sein, die ursprünglich zugesagte Unterstützung des ruffisch-österreichischen Vorschlages wieder zurückzuziehen. Daß das Vorgehen des Kaisers in Oesterreich Mißstimmung Hervorrufen werde, war vorauszusehen, und es überrascht deshalb auch, daß die Kundgabe des Kaisers für Rumänien und Griechenland in_ so bestimmter Form erfolgt ist. Unser Verhältnis zu Oesterreich war während der Balkankrise mancherlei Schwankungen unterworfen, ohne daß indeffen das Wort von der „Nibelungen- Treue" jemals seine Geltung verloren hätte. Die Stimmung, die jetzt in Oesterreich herrscht, offenbart aber, daß imgrunde doch tiese Gegensätze zwischen der Politik Deutschlands und derjenigen bei. Donau-Monarchie bestehen und daß das Eingreifen des Kaisers in den Balkan-Konflikt in Wien als eine Zurücksetzung Oesterreichs empfunden wird.
Zar Ferdinand will abdanken!
Sofia, 12. August. (Privat-Tele- gramm.) In hiesigen politischen Kreisen bildet die angeblich in Aussicht stehende A b d a n - kung König Ferdinands das Tagesgespräch. Man hält die Abdankung des Königs zu Gunsten des Kronprinzen Boris für eine ausgemachte Sache, falls Bulgarien bei der europäischen Konstrenz schlecht abschneiden sollte. Der König soll angeblich die Ueberzeu- gung hegen, daß seine Abdankung das einzige Mittel wäre, den AuSbruch einer Revolution zu verhindern.
Oesterreich und Rußland vereint?
Wien, 12. August. (Privat-Tele- gramm.) Oesterreich sowohl als Rußland be- üehen kategorisch auf einer Revision des Fricdensvertrages, so daß man es auch in Wien begrüßen werde, wenn sich Deutschland der Aktion Oesterreichs anschließen und in der Re- visionSstage gemeinsam mit Oesterreich vorgehen würde. Wenn sich in dieser Frage ein Einvernehmen nicht erzielen lassen sollte,
würde dies ans die Absichten Oesterreichs nicht ohne Einfluß bleiben, da der Entschluß, den Bukarester Vertrag zu revidiere«, unerschüt. terlich sei.
Botschafter ohne Sach.
Die Sorgen moderner Diplomaten.
(Von unserm Berliner W. L.-Mitarbeiter.)
Berlin, 12. August.
Man glaubt es nicht, was die hohe Diplomatie für Sorgen hat. Als ob es nicht genug wäre, daß sie sich mondelang den Kopf über di« ungebärdigen Balkanier zerbrechen mußte: Mit den alltäglichsten Problemen des Erdenlebens muß sie sich herumschlagen. So zum Beffpiel der künftige neu« Botschafter der Vereinigten Staaten in Berlin. Er kann in Berlin kein« Wohnung finden. Nun hat das palastreiche Berlin zwar seinen Vorgängern immer noch Unterschlupf bieten können. Und die schöne Villa in der Rauchstraße, die zurzeit der sehr verwöhnte und gar nicht anspruchslose Botschafter Mr. Leishmann mit ferner Gattin und drei luxuriösen Töchtern bewohnt, würde manchem deutschen Millionär als kleines Paradies erscheinen. Aber Mr. Gerard, der Mr. Leishmann im Herbst ersetzen soll, ist eben kein deutscher Millionär, sondern ein amerikanischer Multimillionär, und da braucht er ein größeres Heim. Um eins zu suchen, traf er auch in diesen Tagen in Berlin ein. Schließlich sand er zwei Villen im Tiergartenviertel, die feinen Wünschen genügt hätten. Sie kosten aber
75 000 Mark Iahresmiete.
Eine Kleinigkeit, die Mr. Gerard aus der Westentasche erledigen könnte, aber...er soll als Botschafter von sekner Nation nur 70 000 Mark Gehalt beziehen, und die Amerikaner pflegen es nicht gern zu sehen, daß amtliche Ausgaben tote die Miete des Botschafterpalais (und wäre es auch nur teilweise) aus dem Privatporte- seuille eines Nattonalbeamten bezahlt werden. Nun macht Mr. Gerard feinen Amtsantritt in Berlin davon abhängig, ob ihm Präsident Ml- son doch noch erlauben wird, die Differenz von 5000 Mark aus seiner eigenen Tasche zu , bezahlen, oder ob sich eine andere Lösung semer Wohnungssorgen finden läßt. Diplomatensorgen! Wer möchte nicht lachen? Leider hat das Problem aber auch ernstere Seiten. Der Aufwand, den Amerikas Botschafter in Berlin treiben, färbt ab. Früher waren die Herren, die Amerika uns sandte, schlichte Gelehrte, die oft einfacher lebten, als das ganz« übrige diplomatische Corps in Berlin. Amerikas Politik ist nicht schlecht dabei gefahren. Das wurde anders, als im Jahre 1902 Mr. Tower Bot- schaster wurde. Das war der erst« diplomatische Multimillionär an der Spree; er begann auch sofort seine Tätigkeit in einen Aufwand von Pomp und Reichtum zu kleiden, der schließlich auch die anderen Diplomaten nötigte, mitzutun. Auch
unsere dentschen Diplomaten.
Mr. Leishmann, der derzeitige amerikanisch« Botschafter, fährt im selben Gleis, und wessen man sich von seinem voraussichtlichen Nachfolger Gerard zu versehen hat. das lehren schon seine jetzt bekannt gewordenen Wohnansprüche. Mancher deutsche Staatsbeamter, der bei ihm z« Gast sein wird, und sich dann entsprechend „revanchieren" muß, zieht schon heute die Stirn kraus. Die diplomatische Arbeit wird immer teurer. Das kann gesährliche Schattenseiten haben, auf die man nicht erst hinzuweisen braucht. Aber es ist auch schwer, den Aufwand der amerikanischen Boffchaster in Bausch und Bogen zu verurteilen. Seitdem Amerika uns die Multtmilliardär« als Botschafter schickt, kommen auch di« Nicht-Diplomatische« Dol- larikaner nach Berlin. Berlin ist der vornehmste amerikanische Ausflugsort geworden. Und das wirft da und dort doch vielleicht Zinse« für uns ab. Die Amerikaner wobnen hier in unseren Hotels, sie machen hier Einkäufe und werden für uns zu einer Erwerbsquelle. Und wenn sie auf der einen Seite unsere Diploma. ien zu einer so außerordentlichen Steigerung ihrer Ausgaben nötigen, bringen sie uns auf der anderen Seite wiederum viel ein. Und es ist nun für uns noch ein Rechenexempel, ob die Einnahme eine entsprechende Verzinsung unserer Ausgaben darstellen... I
Luneville und lein Ende!
Die Heimkehr des Wehrmanns Schneider.
Der Luneviller Zwischenfall, der gar keiner war, scheint nun doch noch einer zu werden. Aus Paris wird uns darüber telegra- phisch gemeldet: Wie mehreren Blättern aus Luneville berichtet wiro, traf am Sonntag abend der deutsche Arbeiter Schneider, der sich darüber beflagt hatte, daß während seiner Dienstübung Fanatiker in feine Wohnung eingedrungen seien und seine Möb«s zerschlagen hätten, mit seiner Frau und seiner zwei Kindern ein. Vor dem Hause standen etwa zwanzig Personen und eine derselben ries Schneider zu: „Bist Du wieder da.