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Nummer 210«

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, 12. August 1913.

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

Sein eigener Kanzler?

Kaiser Wilhelm «nd der Friedensschluß am Balkan; Marschallstab «nd Dankdepesche«.

Wie «ns ei« Privat-Telegramm aus Berlin meldet, hat in dortigen politische« Kreisen der Depesche «- Wechsel zwischen dem Kaiser «nd dem König von Rumänien über­rascht und man ist bemüht, die Auf­regung, die der Wortlaut der Depe­schen namentlich in Wien erzeugt hat, zu beschwichtigen. Die Stimmung in Wie« ist eine sichtlich gereizte.

Der Deutsche Kaiser hat seinen Schwäher, den Hönig Konstantin von Griechenland, zum Feldmarschall der deutschen Armee ernannt, und dem Sohn' des Schwagers, der einst Hellas Krone tragen soll, das Großkreuz des Ordens vom Roten Adler verliehen. Am gleichen Tag, da dies geschah, trug der offiziöse Draht die Kund« von dem Depeschenwechsel zwi­schen Kaiser Wilhelm und König Carol durch Europa, in Wien und Petersburg, London und Paris halb Erstaunen, halb Groll und Hader weckend. Der Träger der ehernen Königskrone Rumäniens hat dem Deutschen Kaiser für seine totkräftige Mitwirkung an der Erstrebung des Friedens von Bukarest rückhaltlos und in riner Form, die keinerlei Deutelkunst gestattet, gedankt, und in dem Telegramm des Kaisers, das der Draht von der deutschen Wasserkante zur Hauptstadt des Rumänenlands hinüber­trug, ist von demgemeinsamen Wirken" der Heiden Zollernfürsten im Interesse des Frie­dens die Rede, das dem Kaiser zur besonder« Freude gereiche. Beide Ereignisse: Die Ver­leihung des brillanten-gezierten Marschallstobs in den Griechenkönig und der Depeschenwechsel zwischen Swinemünde und Bukarest, werden tot Schlußkapitel der Balkaniade einst vielleicht ils sichtbare Merkmale der unentwegten Frie­denspolitik Wilhelms des Zweiten ge­nannt werden, als äußere Ausprägung eines in der Stille gereiften Werks weltgeschichtlicher Bedeutung, in dessen Mittelpunkt die Person des Deutschen Kaisers steht. Man darf be­lächeln, was die emsigen Domestiken byzantini­scher Geschichts-Dichtung uns in diesen Tagen über die alle Gefahr bannende, alle Wolken scheuchende Vermittler- und Versöhner-Tättgkeft des auf der Nordlandfahrt den Sorgen der Heimat weit entrückten Kaisers im Ton eksta- tischer Verzückung erzählen: Wichtig, sichtbar und verdienstlich ist indessen auch ohne den Ueberschwang offiziös angekränkelter Tiraden die Tatsache, daß Wilhelm der Zweite im Augenblick der Entscheidung über Krieg und Frieden am Balkan das Schwergewicht deut­schen Einflusses in Europa und die Wucht seiner Persönlichkeit dem Interesse des Friedens und der Völker-Versöhnung im Süd­osten Europens dienstbar gemacht hat.

Dieses Verdienst, dessen Wertung der Geschichte Vorbehalten bleibt, überstrahlt das Jubiläums­jahr des dritten Deutschen Kaisers mit hellerm Glanz als all die Sprühsunken festfeierlichen Tafel- und Bankett-Plaudergeists, die uns in den letztvergangnen Monden beunruhigt und er­regt, und dies Verdienst ward erstrebt und er­warben in der Stille eines weltfernen Erden­winkels, inmittrn der majestätischen Einsamkeit nordläitdischen Landschaft-Zaubers, unbeengt und unbespäht vom lausendäugigen Ungeheuer Offizielle Welt", in dessen prunkenden Fessel­bann man heut die Weltgeschichte zwängt. Als der Kanzler des Reichs in Swinc- münde beim Kaiser zum Vortrag erschien und sich in Ahlbeck an der gesunden Frische blühen­der Kaiser-Schützlinge erfreuen durfte, waren die Würfel bereits gefallen, hatte der Draht zwischen der deutschen Wasserkante und den Hauptstädten Griechenlands und Rumäniens sein weltgeschichtliches Chiffrespiel schon been­det, und dem im Reich verantwortlichen Staats­mann verblieb nur noch die Kenntnis­nahme von Tatsachen, die derweil Ereig­nis geworden waren. Wenn man die Stim­men unsrer offiziösen Presse, in denen der Geist der Regierungspolittk sich offenbart, mit den Geschehnissen der letzten Tage vergleicht, wenn man nach Zusammenhängen zwischen den Kundgaben der Berliner Wilhelmstraße und der an Bord der KaiserjachtHohenzol- Icrtt" betriebnen Politik der Versöhnung und des Friedens forscht, erkennt man mit einigem Befremden, daß dieser Vergleich eigentlich gar keine Zusammenhänge offenbart, daß vielmehr zwischen den in gewissen Intervallen erschei­nenden Randbemerkungen unsrer offiziösen Presse zur Balkaniade und der Polittk des Kaisers Gegensätze bestehen, die der Zufall allein kaum verursacht haben kann. Den Kaiser begleitet auf seinen Auslandreisen stets ein Vertreter des Auswärtigen Amts, der den

Verkehr zwischen dem Monarchen und der Ber­liner politischen Zentrale vermittelt, den Kaiser über alle Ereignisse der internattonalen Politik auf dem Laufenden erhält und also gewisser­maßen der diplomatische Vertrauensmann der Majestät ist.

Von Herrn Theobald von Bethmann H o l l w e g, dem einzigen verantwortlichen Staatsmann im Reich, weiß man, daß er seit Jahresftist sich mit Feuereifer der deutschen Auslandpolitik widmet, die ihm einst, als er ins Kanzleramt berufen, ward, so ftemd war. wie die Kulturgeschichte der Patagonier. Herr von Jagow, der Kiderlen-Waechter im Aus- land-Geschäst beerbt, kennt die Balkanpolittk (nach eignem Zeugnis) nur aus Diplomaten- Berichten und Zeitungs-Artikeln, und seine per­sönliche Tättgkeit in der Entwirrung der blut­roten Fäden des Völkerdramas auf der Erde des Balkans beschränkt sich im Wesentlichen auf den geschäftsordnungsmäßigen Vollzug der auf die Balkaniade bezüglichen diplomatischen Akte. Aktiv hat Kiderlens Nachfolger in den Gang der Ereignisse nicht eingegriffen. Ini­tiative wurde in der Sphäre der Wilhelm­straße nicht entwickelt: Plan und Tat ent­standen, gediehen und reisten an Bord der KaiserjachtHohenzollern". deren Arbeitszim­mer in diesem Jahr Wilhelm den Zweiten in der Rolle deseignen Kanzlers" sah. Durch den internationalen Blätterwald rauscht's in Jubelchören und Groll-Gepolter; der kühle Augusttag zeigt uns das Bild des in Bukarest unter Kanonendonner und feierlichen Glocken­klängen vollzognen Friedens als spätsommer­liche Apotheose einer düster« Periode verhäng­nisvoller Irrung, und Marschallstab und Dank- Depeschen krönen den Effekt versöhnender Frie­denspolitik an Bord des Kaiserschiffs. Die Stunde der Entscheidung brachte uns (soweit das Auge heute schaut) Glück und Erfolg, Lorbeer und Ruhm, und in Swinemünde durste der Kanzler seinen Herrn in Ehrfurcht und Be­wunderung zum Mittleramt im Völkerkrieg be­glückwünschen. Mit dem Kaiser freut sich die Nation des Erfolgs deutscher Friedenspolitik, die (nach allzu langer Wartezeit) Tat und Sieg verwirklicht, und bange Sorge fragt nur: W i e wär's geworden, wenn die Stunde der Ent­scheidung uns Weniger freundlich gelächelt, die Politik des Kaisers die Gefahren nicht gebannt und die Friedensmahnung von Bord derHohenzollern" ein a n d r e s Echo als das Tedeum in der Kathedrale von Bukarest geweckt hätte...? * F. H.

Die Politik des Kaisers.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 12. August.

Die Einflußnahme des Kaisers auf das Zustandekommen des Friedens ist (wie von hoher diplomatischer Seite ver­sichert wird) wesentlich größer, als die Oef- fentlichkeit nach den bisher bekannten Nachrich­ten annimmt. Der gegenwärtige Zeitpunkt ist noch zu verfrüht, um ein mit allen Einzelheiten versehenes Bild zu entwerfen, das das Ein­greifen des Kaisers in die B u k a r e st e r V e r- Handlungen genügend kennzeichnet: es kann aber schon heute gesagt werden, daß ohne das nachdrückliche Eintreten des Kaisers für das Zustandekommen des Friedens, sein unablässi­ges Bemühen, noch bestehende Gegensätze aus­zugleichen, der Bukarester Friede nicht zu­stande gekommen wäre. Der Kaiser ist in den letzten Wochen von allen Einzelheiten der Ver­handlungen auf dem Laufenden gehalten wor­den, und der Vettreter des Auswärttgen Amtes, der sich im Gefolge des Kaisers aus derHo- henzollern" befand, hatte

Befehl vom Kaiser,

ihm unverzüglich von allen wichttgen Mittei­lungen Kenntnis zu geben, selbst während der Nachtzeit. Der Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser und König Carol, dasSchlußpro­tokoll des Bukarester Friedens", ist in einem schwierigen Stadium der Verhand­lungen zustande gekommen, als noch im letzten Augenblick das Friedenswerk gefährdet schien. Der bedeutungsvolle Inhalt der Drah­tungen ist von beiden Regierungen verein­bart worden, um in Europa keinen Zweifel über die Stellung Deutschlands und Rumä­niens auflommen zu lassen. Als die Frage der Zugehörigkeit des Hafens von Cawalla die Friedenskonferenz zu sprengen drohte, wandte sich der Kaiser drahtlich an König Konstantin von Griechenland und empsahl ihm, Bulgarien das Hinterland von Cawalla zu überlassen. Der König verständigte den 'Ministerpräsidenten Venizelos, und das schwer gefährdete Friedenswerk wurde im letzten Augenblick gerettet.

Schwere Verstimmung in Oesterreich!

Wien, 12. August. (Privat-Tete- gramm.) Das Verhalten Kaiser Wil- Helms anläßlich der Bukarester Friedens­verhandlungen und sein Eintreten im

Gegensatz zu Oesterreichs Balkanpolitik hat nicht nur in österreichischen Diplomatenkreisen, son­dern auch an hohen Stellen empfind­lich berührt und bcftemdet. Es fiel das Wort:DasisteineKrüger - Depesche" in Bezug auf das Telegramm des Kaisers an König Carol. In der Rede des Königs Carol will man die Ankündigung eines neuenBal- kanbundeS erblicken, der das Lebensinter- effe Oesterreichs in hohem Grade gefährde.

Verstimmung imSreibund!

Marschallstab «nd Dreibnnd-Politik.

Wie uns aus Wien depeschiert wird, hat in dortigen politischen Kreisen die Ernennung des Königs von Griechenland zum Feldmar­schall der deutschen Armee außerordent­liches Aufsehen hervorgerufen und über, aus peinlich berührt. Man will in dieser Ernen­nung eine vollständige Desavouierung der Politik des österreichischen Ministers des Aeußeren, des Grafen Berchtold, durch Kaiser Wilhelm erblicken, der durch die Anregung einer Konferenz zur Revision des Bukarester Vertra­ges Cawalla für Bulgarien retten möchte. Seit dem Bestehen des Dreibundes dürste es das e r st e m a l sein, daß Oesterreich-Ungarns äußere Politik in einer so ostentativen Weise vom Deutschen Kaiser desavouiert wurde. Denn nicht anders will man in politischen Kreisen Oesterreichs die besondere Ehrung des Königs von Griechenland durch den Deutschen Kaiser deuten. Wir erhalten nachstehendes Tele­gramm unseres Wiener Korrespondenten:

Wie«, 12. August.

Die gesamte österreichische Presse spricht sich in äußerst scharfen Dorten über den Depeschenwechsel zwischen dem Deut­schen Kaiser und dem König von Rumänien und über die Verleihung derFeldmarschall- Würde a« den König von Griechenland aus. Namentlich in denjenigen politischen Kreisen, die dem Erzherzog-Thron­folger nahestehen, ist die Erregung groß und gestern abend wurde in einem vor­nehmen politischen Klnb erklärt, das Bor­gehen des Deutschen Kaisers bedeute das bewußte Abrücke« Deutschlands von Oesterreich und sei die ernsteste Ge­fährdung des Dreibundes, die seit Jahrzehnten fich ereignet habe. Auch die Wiener Hofkreise find tief verstimmt und machen aus ihrer Mißbilligung der Haltung Kaiser Wilhelms kein Hehl.

Man weiß, daß Kaiser Wilhelm seiner Schwester Sophie und König Konstantin, sei- nem Schwager, seine Unterstützung gegen­über den Forderungen Bulgariens versprochen hat. Die deutsche Regierung löst dieses Ver­sprechen ein, obgleich der Alliierte an der Do­nau ein wirlliches und größeres Jntereffe an der Lösung dieser Frage hätte. Dieselben Grün­de dürften auch für England maßgebend gewe­sen sein, die ursprünglich zugesagte Unterstüt­zung des ruffisch-österreichischen Vorschlages wieder zurückzuziehen. Daß das Vor­gehen des Kaisers in Oesterreich Mißstimmung Hervorrufen werde, war vorauszusehen, und es überrascht deshalb auch, daß die Kundgabe des Kaisers für Rumänien und Griechenland in_ so bestimmter Form erfolgt ist. Unser Verhält­nis zu Oesterreich war während der Balkankrise mancherlei Schwankungen unterworfen, ohne daß indeffen das Wort von derNibelungen- Treue" jemals seine Geltung verloren hätte. Die Stimmung, die jetzt in Oesterreich herrscht, offenbart aber, daß imgrunde doch tiese Gegensätze zwischen der Politik Deutschlands und derjenigen bei. Donau-Mo­narchie bestehen und daß das Eingreifen des Kaisers in den Balkan-Konflikt in Wien als eine Zurücksetzung Oesterreichs empfunden wird.

Zar Ferdinand will abdanken!

Sofia, 12. August. (Privat-Tele- gramm.) In hiesigen politischen Kreisen bil­det die angeblich in Aussicht stehende A b d a n - kung König Ferdinands das Tages­gespräch. Man hält die Abdankung des Königs zu Gunsten des Kronprinzen Boris für eine ausgemachte Sache, falls Bulgarien bei der europäischen Konstrenz schlecht abschneiden sollte. Der König soll angeblich die Ueberzeu- gung hegen, daß seine Abdankung das einzige Mittel wäre, den AuSbruch einer Revo­lution zu verhindern.

Oesterreich und Rußland vereint?

Wien, 12. August. (Privat-Tele- gramm.) Oesterreich sowohl als Rußland be- üehen kategorisch auf einer Revision des Fricdensvertrages, so daß man es auch in Wien begrüßen werde, wenn sich Deutschland der Aktion Oesterreichs anschließen und in der Re- visionSstage gemeinsam mit Oesterreich vor­gehen würde. Wenn sich in dieser Frage ein Einvernehmen nicht erzielen lassen sollte,

würde dies ans die Absichten Oesterreichs nicht ohne Einfluß bleiben, da der Entschluß, den Bukarester Vertrag zu revidiere«, unerschüt. terlich sei.

Botschafter ohne Sach.

Die Sorgen moderner Diplomaten.

(Von unserm Berliner W. L.-Mitarbeiter.)

Berlin, 12. August.

Man glaubt es nicht, was die hohe Diplo­matie für Sorgen hat. Als ob es nicht genug wäre, daß sie sich mondelang den Kopf über di« ungebärdigen Balkanier zerbrechen mußte: Mit den alltäglichsten Problemen des Erdenlebens muß sie sich herumschlagen. So zum Beffpiel der künftige neu« Botschafter der Ver­einigten Staaten in Berlin. Er kann in Berlin kein« Wohnung finden. Nun hat das palastreiche Berlin zwar seinen Vorgängern immer noch Unterschlupf bieten können. Und die schöne Villa in der Rauchstraße, die zurzeit der sehr verwöhnte und gar nicht anspruchs­lose Botschafter Mr. Leishmann mit ferner Gattin und drei luxuriösen Töchtern bewohnt, würde manchem deutschen Millionär als klei­nes Paradies erscheinen. Aber Mr. Gerard, der Mr. Leishmann im Herbst ersetzen soll, ist eben kein deutscher Millionär, sondern ein amerika­nischer Multimillionär, und da braucht er ein größeres Heim. Um eins zu suchen, traf er auch in diesen Tagen in Berlin ein. Schließ­lich sand er zwei Villen im Tiergartenviertel, die feinen Wünschen genügt hätten. Sie kosten aber

75 000 Mark Iahresmiete.

Eine Kleinigkeit, die Mr. Gerard aus der We­stentasche erledigen könnte, aber...er soll als Botschafter von sekner Nation nur 70 000 Mark Gehalt beziehen, und die Amerikaner pflegen es nicht gern zu sehen, daß amtliche Ausgaben tote die Miete des Botschafterpalais (und wäre es auch nur teilweise) aus dem Privatporte- seuille eines Nattonalbeamten bezahlt werden. Nun macht Mr. Gerard feinen Amtsantritt in Berlin davon abhängig, ob ihm Präsident Ml- son doch noch erlauben wird, die Differenz von 5000 Mark aus seiner eigenen Tasche zu , be­zahlen, oder ob sich eine andere Lösung semer Wohnungssorgen finden läßt. Diploma­tensorgen! Wer möchte nicht lachen? Leider hat das Problem aber auch ernstere Seiten. Der Aufwand, den Amerikas Botschafter in Berlin treiben, färbt ab. Früher waren die Herren, die Amerika uns sandte, schlichte Gelehrte, die oft einfacher lebten, als das ganz« übrige diplo­matische Corps in Berlin. Amerikas Politik ist nicht schlecht dabei gefahren. Das wurde an­ders, als im Jahre 1902 Mr. Tower Bot- schaster wurde. Das war der erst« diplomatische Multimillionär an der Spree; er begann auch sofort seine Tätigkeit in einen Aufwand von Pomp und Reichtum zu kleiden, der schließlich auch die anderen Diplomaten nötigte, mitzutun. Auch

unsere dentschen Diplomaten.

Mr. Leishmann, der derzeitige amerikanisch« Botschafter, fährt im selben Gleis, und wessen man sich von seinem voraussichtlichen Nachfol­ger Gerard zu versehen hat. das lehren schon seine jetzt bekannt gewordenen Wohnansprüche. Mancher deutsche Staatsbeamter, der bei ihm z« Gast sein wird, und sich dann entsprechendre­vanchieren" muß, zieht schon heute die Stirn kraus. Die diplomatische Arbeit wird immer teurer. Das kann gesährliche Schattenseiten haben, auf die man nicht erst hinzuweisen braucht. Aber es ist auch schwer, den Aufwand der amerikanischen Boffchaster in Bausch und Bogen zu verurteilen. Seitdem Amerika uns die Multtmilliardär« als Botschafter schickt, kommen auch di« Nicht-Diplomatische« Dol- larikaner nach Berlin. Berlin ist der vornehmste amerikanische Ausflugsort geworden. Und das wirft da und dort doch vielleicht Zinse« für uns ab. Die Amerikaner wobnen hier in un­seren Hotels, sie machen hier Einkäufe und wer­den für uns zu einer Erwerbsquelle. Und wenn sie auf der einen Seite unsere Diploma. ien zu einer so außerordentlichen Steigerung ihrer Ausgaben nötigen, bringen sie uns auf der anderen Seite wiederum viel ein. Und es ist nun für uns noch ein Rechenexempel, ob die Einnahme eine entsprechende Verzinsung un­serer Ausgaben darstellen... I

Luneville und lein Ende!

Die Heimkehr des Wehrmanns Schneider.

Der Luneviller Zwischenfall, der gar keiner war, scheint nun doch noch einer zu wer­den. Aus Paris wird uns darüber telegra- phisch gemeldet: Wie mehreren Blättern aus Luneville berichtet wiro, traf am Sonntag abend der deutsche Arbeiter Schnei­der, der sich darüber beflagt hatte, daß wäh­rend seiner Dienstübung Fanatiker in feine Wohnung eingedrungen seien und seine Möb«s zerschlagen hätten, mit seiner Frau und seiner zwei Kindern ein. Vor dem Hause standen et­wa zwanzig Personen und eine derselben ries Schneider zu:Bist Du wieder da.