E Mer NM Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Casseler Abendzeitung
3. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952.
Sonntag, 1V. August 1913
Nummer 208
Fernsprecher 951 tmb 952.
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Kanzler-Fahrt.
Am Fuße der Elisenhöh' am Rhein: Der erste und der fünfte! Kanzler des Reichs.
Wie uns aus Berlin berichtet wird, gedenkt der Reichskanzler, vom Bortrag beim Kaiser in Swinemünde zurückgekehrt, in den nächste« Tagen eine Fahrt in das Winzergebiet am Rhein zu unternehmen, die einer Be- fichtigung des Weinbau-Geländes dienen soll. Bei dieser Gelegenheit wird der Kanzler auch der Elisenhöhe einen Besuch abstatte«, auf der Bismarcks Rheindenkmal errichtet wird.
Herr von Bethmann Hollweg, der zur Sommerzeit nach langer Wochen Plage in der stillen Einsamkeit von Hohensinow den Philosophen in der Staatsmann-Seele zu neuem Leben zu rufen pflegt, hat in den letztvergangenen Monden das Kreuzfeuer einer vielhundertzüngigen Kritik ertragen und mit schmerzendem Ohr vernehmen muffen, daß ihn grade Diejenigen, deren Liebe und Vertrauen er bisher emsig umworben, des Verbrechens an der Heiligkeit staatlicher Autorität zeihen. Er hat das Meer konservativen Grolls in seinen tiefsten Tiefen aufschäumen und alle Bande frommer Scheu, die sonst den Trutz zu zähmen schienen, sich lösen sehen, und fühlt nun das Bedürfnis, sich im Anblick einer schönern bessern Welt von arger Täuschung zu erholen und am grünen Rhein, im Bannkreis perlender Lebensfreude, neue Kraft zu Duldung und Abwehr zu sammeln. Angesichts der rauschenden Majestät des deutschen Rheins, himmelhoch überragt von den Riesenfelsen deutscher Heldensage, und umfächelt vom wispernden Laub knorriger Eichen, mag in des Kanzlers schicksaldurchfurchter Seele die dem Philosophen ziemende Erkenntnis aufblitzen, wie winzig und eitel doch imgrunde dies kümmerliche Kampfspiel, das sein Hirn nicht zur Ruhe und seine Nerven nicht zum Frieden kommen läßt, und das doch nur geboren ward aus einer einzigen Verleugnung jener tragischen Tradition .gottgewollter Abhängigkeiten", die den Namen Theobald von Bethmann Hollweg für ewige Zeiten an die Trutzburg konservativer Weltanschauung kettel!
Und wenn er, zur Linken Herrn Kreuzwendedich von Rheinbaben (den er einst als Störer frommer Eintracht dem Exil am Rhein überantwortete), am Fuße der Elisenhöhe steht und der Felsen ragende Gipfel schaut, die nun bald des ersten Kanzlers steinern Bildnis tragen sollen, mag in seiner Seele sich der bange Zweifel regen, ob (nach Jahrzehnten) auch fein Name dem Volk noch unvergessen, sein Heldenwerk dankbaren Enkeln noch vertraut fetn wrrd. Ueber Otto von Bismarcks Reckengrab ist das zwanzigste Jahrhundert mit hallendem Tritt dahingeschritten, am Felsen bismarck- scher Unsterblichkeit haben ärmliche Stümper mit dem Stichel geistloser Kritik und schnüffelnder .Forschung" gemeißelt und es ist uns längst gesagt, datz des Jahrhunderts größter Deutscher nicht in des Sachsenwalds Tiefen vom Leben schied: Dennoch ringt heut die ganze Kraft deutschen Volktums in wildem Ungestüm um Bismarcks Angedenken, weil im Empfinden der Nation der Geist des ersten Kanzlers unsterblich fortlebt, weil Wir (nach zwei Jahrzehnten neuer Aera unterm Kurs des Zickzacks) ermessen gelernt, wie himmelweit das schlichte Einst vom prunkenden Heut sich scheidet und wie klein und winzig die Gegenwart der ragenden Größe deutscher Vergangenheit ge- genübcrsteht. In dieser Erkenntnis offenbart sich der Ewigkeitgehalt bismarck'scher Riesentat und in des vierten Nachfahrs bewundrung- frommer Seele mag sich die Wehmut regen, wenn spät erwachtes Selbstvertrauen am ragenden Fels bismärck'schen Heldentums den Hügel eigner Tatengröße mißt.
Auch Jenem, dem der Enkel Dankbarkeit aus stolzer Höh' am deutschen Rhein ein ehern Denkmal baut, ist des Schicksals Tücke nicht erspart gfblieben, als er's wagte, wider den Stachel zu löcken und dem Wohl des Vaterlands Tradition und frommen Brauch zu opfern: auch Otto von Bismarck hat die ganze Wucht konservativen Ansturms gespürt, als die Notwendigkeit sich ergab, dem Fortschritt und der Entwicklung neue Wege zu bahnen und die alten Dämme patriarchalischer Parteienwirt- schask niederzureißen. Und wie jetzt dem Erben im Kanzleramt, so hat auch ihn das Brandmal nationalen Verrats und politischer Todsünde nicht verschont, geifernde Leidenschaft ihn nicht unbemakelt gelassen und der Hohn ihn nicht verfehlt; aber er hat's ertragen wie ein Mann, der mit wuchtigem Tritt durchs Gestrüpp schreitet und der Dornen nicht achtel, die seine Sohlen ritzen. Der erste Kanzler, der im po
litischen Handel immer nur den Zweck und das Ziel, nie aber des Weges Freude oder Qual gesehen, hat der Allmacht rustikalster Kasten- und Jntereffenpolitik gegenüber gestanden mit keiner andern Waffe in der Hand, als der Stärke eigner Ueberzeugung und der Wucht seiner Persönlichkeit; der fünfte steht Zwergen gegenüber und spürt doch in der Seele das zitternde Bangen vor der Unbegrenztheit strafender Möglichkeiten, die in diesem Land der Seltsamkeiten und politischen Abnonnitäten auch am Wege des Starken lauern.
Türspaltlauscher haben erkundet, daß der Kanzellar, gemieden vom guten Geist preußi- scher Tradition, mit des Genoffen Frank revolutionärer Schreckgestalt traulicher Zwiesprache gepflogen, vorm Ohr des Umstürzlers ohne Scheu Fragen des reichspolitischen Geschäfts erörtert und mit dem badischen Sozialisten- Chef über die Unterstützung Bethmann'scher Tatpläne durch die Dreimillionenpartei der roten Internationale verhandelt habe. Ob Wahrheit, ob Dichtung: Wer weiß? (Bismarck hat mit Windthorst's grollender Unversönlich- keit geplaudert, als des Kulturkampfs letzte Woge längst noch nicht verbrandet). Und das Intermezzo sollte ausreichen, einen Mann von der pedantischen Ehrbarkeit Theobald von Betmann Hollweg's vor'm Land zu ächten, ihm im Olymp gnädige Huld in finstern Groll zu wandeln? Noch mag man's nicht glauben; noch blaut der Himmel in strahlendem Glanz und des Helden Lorbeer grünt wie am Tag dankbarer Kränzung. Aber auch Kanzler sind dem Schicksal untertan, und über Nacht kann sich manches wandeln, was unterm Morgenstrahl noch licht und traulich dünkt: Die Stimmen, die gegen des fünften Kanzlers Preußische Tugend schweren Vorwurf schleudern, hallen wider in Swinemünde und in Kiel; sie werden im Tonaneschinger Jagdrevier und im Nerotal am Taunusberg ihr Echo finden, denn auch eines Kaisers Ohr ist vor gist'ger Flüsterung nicht gefeit. Herr von Bethmann Hollweg weiß dies alles: Er stand lang genug im Strahlenkreis der Sonne, um zu wissen, wie leicht zuweilen Licht und Schatten wechseln, und darum fühlen wir's ihm nach, wie die Fahrt zum Rhein und der Blick zur Himmelhohe ragender Felsenwucht ihm in stiller Ruhestunde zum Bedürfnis ward. . .! F. H.
Der Generalintendant klagt!
Gras Hülsen-Haeseler und seine Gegner.
Vor ein paar Tagen hat der Generalintendant der Berliner Höfbühnen, Graf Hülsen- H a e s e l e r, die Gerüchte, die schon seit vielen Wocken hartnäckig seine bevorstehende Demission ankündigten, energisch dementieren lasten. Darnach kann kein Zweisel sein, daß die Position des Generalintendanten zur Zeit durchaus befestigt ist. Wenn vorher anders lautende Berichte verbreitet und von sehr unterrichteten Kreisen geglaubt werden konnten, so hat das seine Ursache darin, daß selber dem Grafen Hülsen ganz nahestehende Kreise von seiner Demission auf das festeste überzeugt waren. Wir erhalten dazu folgende Mitteilungen:
Kabale« und Intriguen?
(Von unferm Berliner W. ^.-Mitarbeiter.) Berlin, 9. August.
Nachdem die Generalintendanten-Frage nunmehr ihre Klärung gefunden hat, ist es dem Grafen Hülsen-Haefeler auch möglich geworden, energisch gegen seine Gegner vorzugehen. So verlautet von zuverlässiger Seite, daß Gras Hülsen vorgestern Strafantrag gegen die Deutsche Montagszeitung in Berlin gestellt hat, die in Zusammenhang mit den Demifli- onsgeruchten die Tätigkeit des Generalintendanten am vergangenen Montag einer scharfen Kritik unterzogen hatte. Der Artikel behauptet im Wesentlichen, daß die Berliner Hoftheater zu sehr darunter zu leiden hätten, daß Graf Hülsen sein Verhalten zu einzelnen Künstlern abhängig mache von persönlichen Stimmung e n, die er gegen oder für sie hege. Gestern erschienen beim Verlag, der Redaktion und in den Wohnungen der Redakteure des Blattes Kriminalkommissare, die Haussuchungen nach dem Manuskript vornahmen. Das wurde auch in den Räumen der Druckerei des Blattes gefunden und beschlagnahmt. Es bandelt sich (wie schon aus der Haussuchung hervorgeht) nicht um ein Privatflageverfahren des Grafen Hülsen, sondern um ein auf seinen Antrag eingeleitetes staatsanwaltliches Strafverfahren, das sowohl gegen den verantwortlichen Redafleur als auch gegen Verleger und Drucker eingeleitet worden ist.
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Emmy Defiinn als Zeugin?
Die Redaktion der Dcutschen Montagszeitung erklärt demgegenüber, datz sie in ihrer Kritik nichts Strafbares sehe, sie aber natürlich
vertreten und einen großen Beweisappa- rat aufbieten werde. Unter anderem stützt sie sich auf das Zeugnis von Emmy Drstrnn. Gegen das Blatt schwebte schon einmal ein Strafverfahren wegen schwerer Angriffe aus den Berliner Zensor von Glasenapp, das aber noch vor der Verhandlung mit einem Vergleich endete. Nach Lage der Sache wird diesmal der Abschluß des schwebenden Verfahrens unvermeidlich sein.
Reue Gefahr am Ballan?
Die Großmächte und der Bukarester Vertrag.
Wenn auch die Lage am Balkan im allgemeinen jetzt nach Abschluß des Friedens, der übrigens (weil man sich über die Schul- und Kirchenfragen nicht einigen konnte) noch nicht unterzeichnet ist, als günstig angesehen werden darf, fo birgt doch die Frage der R e - vifiondes Friedensvertrages manche Gefahren. Die russische Regierung hat (wie die Agence Havas meldet) bei der rumänischen Regierung durch ihren Gesandten daran erinnert, daß sie sich Vorbehalte, den Friedensvertrag, was Cawalla anbetrifft, zu revidieren. Wie verlautet, fei ein gleicher Schritt von Oesterreich-Ungarn kürzlich unternommen worden. Dieses Vorgehen hat die öffentliche Meinung in Bukarest lebhaft erregt und wird von der Presse scharf kritisiert, da man hierin den Keim zu neuen Verwicklungen erblickt. Die neuesten Depeschen melden:
Wie«, 9. August.
Die Südslavische Korrespondenz meldet: Der türkische Minister des Innern und Enver Bei erklärten, an die Räumung Adrianopels sei nicht zu bettle«. Solange die türkische Armee nicht aus- gerieben sei, werden die Türken Adria- nopel nicht herausgeben.
Wien, 9. August-
Es verlautet hier mit Bestimmtheit, datz es der russischen Regierung gelungen sei, auch Frankreich für die Revifions- politik zu gewinnen. Ferner wird bekannt, datz zwischen Oesterreich-Angarn «nd Serbien eine Annäherung auf kommerzieller Basis in Vorbereitung sei.
Aus russischen offiziösen Kreisen in Paris verlautet, daß Rußland entschieden aus der Zuteilung Cawallas an Bulgarien bestehe. Die Petersburger Preffe kritisiert denn auch den Bukarester Frieden sehr ungünstig und richtet die heftigsten Anklagen nicht nur gegen Deutschland, sondern auch ganz besonders gegen das verbündete Frankreich. Deutschland wird in der Nowoje Wremja vorgeworfen, es habe das Potsdamer Abkommen verletzt, in dem Deutschland und Rußland sich verpflichtet hätten, an keiner Kombination teilzunehmen, die gegen den anderen gerichtet sei. Was das Potsdamer Abkommen mit der Regelung der Balkanftagen zu tun hat, ist allerdings nicht recht einzusehen; die russischen Angriffe auf Deutschland beweisen indessen, daß man in Petersburg sich in den süßesten Hoffnungen getäuscht sieht und im Frieden van Bukarest ein Aergernis erblickt, das Rußlands weitere Pläne stört.
Der Friede des Verderbens?
Sofia, 9. August. (Privat-Telegram m.) Der offiziöse Mir schreibt, der Bukarester Friede sei ein Friede des Verderbens und der Ungerechtigkeit. Die Ströme Blutes würden nicht mehr fließen, jedoch würden die Wunden, die diese Schlachten dem bulgarischen Volke geschlagen, nicht mehr heilen. Die Verbündete« könnten sich mit dem Raub zufrieden geben. In dem Augenblick, wo Bulgarien am Ziele stand, mit seinen bulgarischen Brüdern vereint zu sein, sei es von feinen Verbündeten überfallen und der Früchte seiner Anstrengungen be r a u b t worden.
Die Türkei trotzt Europa!
Konstantinopel, 9. August. (Pri- vat-Telegramm.) Die Pforte hat durch ihre Botschafter den Großmächten eine Erklärung übermitteln lassen, aus der hervorgeht, datz sie auf ihrem Standpunkt beharrt und ihre Truppen aus Thrazien nicht zurückzieht. Nach glaubwürdigen Berichten sammelt die Türkei im Gegenteil an der Tschataldschalinie Und an der Linie Kitckkilisse-Adrianopel große Truppe»massen, was darauf schließen läßt, datz sie zum äußersten Widerstand entschlossen ist.
Rieder mit den Russen!
Sofia, 9. August. (Privat-Tele- gramm.) Gegen die russische Abteilung des Roten Kreuzes, die in Bulgarien weilt, wurde bei der Ankunft in Rustschuk eine D e - monstration veranstaltet. Als der Dampftr anlegte, ertönten Rufe: „Nieder mit de» verräterische« Russen!" «Hoch Oester
reich!" Als zwei Stunde« später ein öfter, reichischer Dampfer tnit dem österreichische« Rote« Kreuz eintraf, wurde ec mit Hochrufen empfangen. Die Oesterreicher wurden im Lu» x u s z u g «ach Sofia befördert.
Kassel al» Flugstützpunkt.
Der Forst als Flugstützpunkt ♦, Leutnant Blüthge« landet als Erster auf dem Platz.
Am Freitag abend, kurz vor dreiviertel neun Uhr, als bereits die Dunkelheit über Cassel lagerte und allerwärts die Lichter und Bogen- lampen leuchteten, ratterte ein Motor in den Lüften und ein Militär-Doppeldecker landete glatt auf dem Platze, dort, wo früher det Casparsche Flugzeugschuppen stand. Der APPa. rat, eine Albatros-Doppeltaube der Heeresver- waltung mit 100 ?8.-Mercedesmotor, war von Leutnant Blüthgen von der Fliegertruppe geführt worden, der bisher dem Casseler Infanterie-Regiment Nr. 167 angehörte und erst kürzlich in die Fliegertruppe versetzt worden war. Begleitoffizier war Oberleutnant Ha. brecht von der zweite« Jngenieurinfpettion.
Der Forst als Flugplatz.
(Von unferm sportlichen Mitarbeiter.) Cassel, 9. August.
Als vor einiger Zeit der Fliegeroffizier Leutnant von Hiddeffen auf dem Forst landete, war fein Auftrag, in Cassel einen geeigneten Platz für den Flugstützpunkt Cassel auszuwählen. Der Große Forst ist nun» mehr, wie mir heute Leutnant von Blüth- gen, der gestern abend in Cassel landete, Mitteilen konnte, als Flugstützpunttgelände be- stimmt worden. Somit ist Leutnant Blüthge«, der erste Flieger, bei den Casseler Flugstütz, punkt in Anspruch genommen hat. Leutnant Blüthgen, der mit seinem Begleiter, Oberleutnant Habrecht, int Hotel „Royal" abgestiegen ist, machte mir interessante Angabe« übet be«- ^<Ag, der in Cassel einen vorläufigen Ab. fch^Ei 'gefunden hat. Die Flieger waren am fünftel August morgens in Döberitz bei Berlin aufgestiegen und legten am elften Tage die Strecke bis Weimar zurück. Am sechsten An- gust verließen sie Weimar und flogen über die Berghöhe des Thüringerwaldes nach Coburg, um dort an den Einweihungsfeier, lichkeiten des Coburger Flugstützpunktes teilzunehmen. Leutnant Blüthge« beteiligte sich dabei an dem Flugzeugrennen vor Coburg nach dem Staffelstein. Diese Flugver- anftaltung war als vorzüglich zu bezeichne« Mit dem dritten Preis schnitt Leutnant Blüthgen vorteilhaft ab. Gestern abend kurz vor sieben Uhr stiegen
Leutnant Blüthgen
und Oberleutnant Habrecht wieder ans und nahm Kurs aus C a s s e l, wo sie bei ziemlicher Dunkelheit gegen dreiviertel tteux Uhr abends glatt landeten. Der Fliegeroffizier sprach sich über den Forst, auf dem er. wie er scherzend be. mertte, schon als Fahnenjunker „Einzelmarsch gekloppt" hat, äußerst anerkennend aus. Der Platz eigne sich ausgezeichnet als Flugplatz. Allerdings müßten noch einige Unebenheiten beseitigt werden. Bedauerlich ist, daß der Forst noch keine Unterkunftsmöglichkeit für Flieger bietet. Das Flugzeug mußte daher im Freien bleiben und war fo dem Regen ausgesetzt, der in der Nacht begann und auch heute noch an« hält. Schon vor Jahresfrist hätte die Stadt daran denken müssen, Schuppen für Flieger z« errichten. Es ist nunmehr höchste Zeit, daß die erforderlichen Schuppen und Aufbewahrungsgebäude für Oel und Benzin erbaut werden, sonst setzt sich Cassel der Gefahr aus, daß die Flieger der Stadt Cassel ausweichen. Ueber das weitere Ziel und den Start konnte Leutnant Blüthgen noch keinerlei Angaben machen, da das Wetter vorläufig keine Hoffnung auf Besserung zuläßt. Die Wetterkarte zeigt hier und dort bcdeufliche Tiefs, sodaß die Aussichten nicht gerade rosig sind.
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Die Landung auf dem Forst.
Bald nach der Landung der Militär-Alba« trosdoppeltaube, die Leutnant Blüthgen und Oberleutnant Habrecht nach Cassel geführt hatten, wurde eine militärische Wache nach dem Forst beordert und die fünfte Kompagnie des Infanterie-Regiments Nr. 83 entsandte im Automobil sechs Mann, die Zeltbahnen mitbrachten. Dann wurde der Motor verdeckt. Die Nacht über verblieb ein Doppelposten an dem Flugzeug, der von der Kastellwache abge- löst wurde. Auch heute steht das Flugzeug, dessen helle Tragflächen schon von der Leipziger- straße aus zu sehen sind, unter militärischer Bewachung. Die Flieger haben Zelte requiriert, um das Flugzeug darunter zu bergen. Diese Zelte wurden im Laufe des Mittags besorg»