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Casseler Abendzeitung

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Sonnabend, 9. AngusL 1913

Nummer 207

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

Das Ostsee-Drama.

Das Boots-Unglück vor Swinemünde; siebzehn Menschenleben als Opfer der Katastrophe; der Hergang des Unglücks; die Toten und die Ge­retteten; die Szenen bei der Rettungsaktion; Aufregung unter den Badegästen von Swinemünde; Protestversammlung der Badegäste.

Wer trägt die Schuld?

Die Katastrophe im Ostseebad; Unglücksfü- gung und Leichtsinn; Protest der Badegäste.

Wie uns ein Privat-Telegramm ans Swinemünde berichtet, hätte die gestrige Doots-Katafwophe auf der Ostsee nicht so zahlreiche Opfer an Menschenleben fordern können, wenn die Rettungsvorrichtungen ausreichend gewesen und die Ret­tungsarbeiten pkanmäßig aus­geführt worden wären. Behördlicher­seits ist eine Untersuchung darüber ein­geleitet worden, wer für diese Miß­stände verantwortlich zu machen ist. Nach der vorjährigen Tragödie von Binz nun das Drama von Swinemünde! Sieb­zehn Menschenleben sind in den Fluten der Ost­see nach verzweifeltem Kampf mit Meer und Wogen zugrunde gegangen; die Ferienfahrt zur See, die Sehnsucht langer Wochen, ist für Viele zum Verhängnis, zur Reise ins Schattenreich des Todes geworden, und angesichts .der OPser- zahl der Katastrophe fragt Teilnahme am Schicksal der Unglücklichen, fragt die Stimme des öffentlichen Gewissens: Wie war's möglich? Der alte Fischer Bauer, der das Boot des Todes vom Hafen aus hinaus in die Dee gesteuert, macht die Zufallfügung eines Augenblicks der Verwirrung für das Menschen- Drama verantwortlich, beteuert, daß im Mo­ment der Gefahr des greisen Seemanns dring­liche Warnung an die Boot-Insassen ungehört verhallte, und der Selbsterhaltungstrieb gewalt­sam alle Bande der Ordnung löste. Was dann geschehen, sei ein Zusammenwirken von Un­glück, Verhängnis und Menschenschuld: Erst der Augenblick der Katastrophe habe den Un­fall, der an sich noch keine unabwendbare Ge­fahr bedeutete, zum Menschendrama werden lassen, zu einem Schicksalschlag von grausamer Härte. Die verzweifelt mit Meer und Wellen Ringenden schrieen vergebens nach Rettung flehten ungehört um Beistand und Hilfe und als dann endlich die Rettung nahte, war's zu spät: Die Fluten der Ostsee bargen siebzehn Menschenleben, die vielleicht dem Meer noch hätten entrissen werden können, wenn im Au­genblick höchster Gefahr die Rettungsaktion nicht versagt haben würde. Die Mängel des Rettungswesens und die Unzulänglich­keit der Hilfsvorrichtungen stnd's, die den Bootsunfall zur Katastrophe verdüstert haben, und wie neunzehnhundertzwölf in Binz wird diesmal in Swinemünde das jäh hereinge- brochne Unheil die Gewissen schärfen müssen, um der Frage die Antwort zu finden, wer hier schuldig und lässig gewesen!

*

Die Meldungen über das Rettungswerk klingen, wie wenn das Unglück sich nicht in Deutschland, nicht in einem belebten Seebad, sondern in irgend einem kulturfremden, aller Menschlichkeit weit entrückten Erdenwinkel, in Tobolsk oder Archangelsk ereignet hätte! Der Körper eines im Kampf mit den Wogen Er­matteten, den Bewußtlosigkeit der Erkenntnis der Schrecken entzogen, wird an langer Leine Hunderte von Metern weit durch die See ge­schleift, vom Schauplatz der Katastrophe bis zum Brückenkopf, während das Rettungsboot nebenher dampft. Niemand denkt daran, das noch wache Leben im Körper des Ohnmächtigen zu erhalten, niemand achtet des Einen, da noch sechzehn Andre mit den Wogen kämpfen. Und als ein Marine-Soldat, mit klarem Auge die Situation überschauend, zum Brückenkopf eilt, um dem Bewußtlosen Hilfe angedeihen zu las­sen, weist ihn der Wärter barsch zurück, weil der von Menschcnpflicht Gedrängte ... ohne Brückenkart« war. So gesellt sich dem düstren Drama die Groteske bureaukratisch- philiströser Kümmerlichkeit, die im Moment lebenbedrohender Gefahr sich in's Heldenmaß reckt und Menschlichkeit und Nächstenliebe bru­tal zurückdrängt: Ihr Opfer wurde «in Men­schenleben! Alle die charakteristischen Ein­zelheiten der Katastrophe und des Rettungs­werks offenbaren eine Planlosigkeit und Dürf­tigkeit der Organisation, die die Frage zum Zwangsgebot der Gewisienspflicht machen: Wer ist in Swinemünde verantwortlich für das in Fällen der Gefahr in Mion treten­de Rettungswerk; wer trägt die Schuld an den jedem Auge erkennbaren Mängeln und Un­zulänglichkeiten, und wer haftet (rechtlich und moralisch) für die siebzehn Menschenopfer, die am siebenten Augusttag «in durch Men­schenschuld zur Katastrophe gestalteter Schicksal - Moment gefordert? Das Drama von Binz hat im Vorjahr im ganzen Reich Un­willen und Entrüstung geweckt: Die Tragödie

Ein furchtbares Bootsunglück, bei dem siebzehn Personen den Tod in den Wellen fanden, hat sich gestern nachmit­tag kurz nach der Abreise des Kaisers nach Ahlbeck auf der Ostsee vor Swinemünde ereignet. Das große SegelbootFriedrich Karl", mit dem Badegäste eine Partie unter­nommen hatten, wurde durch eine heftige Böe plötzlich zum Kentern gebracht. Von den zwei­undzwanzig Insassen des Bootes konnten nur fünf gerettet werden; siebzehn Personen, dar­unter der Bootsführer, sind ertrunken. (Sin zahlreiches Publikum, das auf der Strandpro­menade dem Konzert der Kapelle der Kaiser- jachtH o h e n z o l l e r n" lauschte, war Zeuge dieser Katastrophe. Der Badegäste bemächtigte sich eine furchtbare Aufregung. Das Konzert wurde sofort abgebrochen. Alles eilte zum Strand. Rettungsboote gingen sofort an die Unsallstelle ab, ohne allerdings viel helfen zu können. Kurz vor dem Unfall war der Kai­ser mit seinem Automobil den Strand entlang nach Ahlbeck gefahren. Hebet die Katastrophe erhalten wir folgende Draht-Meldungen:

Die Katastrophe auf See.

(P r i v a t - T e l e g r a m m.)

Swinemünde- 8. August.

Das Motor-SegelbootFriedrich Karl" des Fischers Bauer wollte gestern nachmittag mit zweiund,zwanzig Passagieren dieHohen- zollern" in Augenschein nehmen und dann eine Kreuzfahrt nach Heeringsdorf und Ahlbeck un­ternehmen. Bei der Ausfahrt war das Wetter sehr schön, die See nur wenig belebt. Bei der Rückfahrt hatte sich ein starker Wind erho­ben und der am Steuer sitzende Bauer senior wollte noch einmal kreuzen und ging etwa sechs­hundert Meter vom Ufer entfernt noch einmal über Stag. In diesem Augenblick brauste eine starke Böe heran. Das Boot wurde auf das Wasser niedergedrückt, nahm Wasser und schlug um. Die Fischer konnten das Boot nicht mehr ins Gleichgewicht bringe«. Die Pas­sagiere wurden von ihren Sitzen geschleudert und alle stürzten ins Wasser. Von den Passagieren konnten sich nur fünf retten, die übrigen ertranken. Bisher wurden elf Tote ge­borgen, darunter sechs Berliner.

Die Opfer des Anglücks.

(Privat-Telegram m.)

Swinemünde, 8. August.

Als erster Ertrunkener wurde der Landge­richtsrat Frank aus Berlin ans Land ge­spült. Trotz eineinhalbstündiger Wiederbele­bungsversuche, die die Matrosen derHohen- zollern" und Badeärzte anstellten, gelang es nicht, den Ertrunkenen ins Leben zurückzurufen. Vermißt wird weiter sei« zwölfjähriger Sohn, während seine fünfzehnjährig« Toch­ter gerettet wurde. Ferner werde» vermißt Kaufmann Goldemann -Berlin und sein Sohn, der Referendar ist, Kaufmann B r a h n - Berlin (Mitinhaber der Baumwollfirma Wes­sel, Schulten und Co.) und sein Sohn, der ebenfalls Referendar ist, der Kaufmann Hans Haack-Berlin, der Goldschmied Cor- ree aus Spandau, der Student Platt aus Krakau und Frau Hedwig K a m r a d aus Al­tenburg. Die Geretteten konnten bis auf zwei Schüler, die in der Verwirrung ihren Namen nicht angeben konnten, festgestellt werde».

Die Ursache der Katastrophe.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Swinemünde, 8. August.

Auf Ersuchen des Landrats von Bötticher, der sich sofort nach Bekanntwerden des Unglücks an den Strand begab, sind eingehende Unter­suchungen über die Nrs ache des Bootsun­glücks angestellt worden. Ueber die Ursache selbst wird von einem Augenzeugen berichtet: Das Wetter war. als das verunglückte Boot ausfuhr, recht günstig. Es wehte schwacher Nord-Rordwest und die See war nur mäßig bewegt. Im weiteren Verlauf des Nachmit­tags war der Wind jedoch er-rblich stärker ge­worden, wie dies an Nachmittagen in diesen Tagen häufig der Fall zu fein pflegt. Ter Schiffer Bauer senior, der am Steuer faß, suchte ansUferz« gelangen und wollte wen­den. In diesem Augenblicke brauste eine st a r- ke Böe heran. Das Seegelboot fuhr noch unter vollen Segeln. Es wurde durch den Windstoß auf das Wasser niedergedrückt und schlug um. Ter Windstoß war so überraschend gekommen, daß der Schiffer das Boot nicht mehr ins Gleichaewickt brinaen konnte und

eine Katastrophe unvermeidlich wurde, die durch die Panik an Bord sich noch verschlimmerte.

Ein Opfer der Nachlässigkeit?

(Privat-Telegram m.)

Swinemünde, 8. August.

In später Abendstunde wurden aufsehener­regende Einzelheiten über die Rettungs­aktion bekannt. Als der verunglückte Land­gerichtsrat Frank aus Berlin aufgcfundcn wurde, wurde um den Körper des noch Le­benden eine Leine geschlungen, die über der Brust befestigt war. Tann wurde das andere Ende der Leine an dem Motorboot, das Frank aufgefunden hatte, festgebunden und nun die Leiche im Wasser von der Auffindungsstclle bis an den Brückenkopf geschleppt, statt daß man den Körper, in dem sich noch Leben be­fand, sofort an der Auffindungsstelle in das Boot genommen hätte. In dem Moment, als das Motorboot an dem Brückenkopf anlegte, eilte ein Obermaschinistenmaat von derHo- henzollcrn" hinzu, um Frank aus dem Wasser herauszuholen. Der Brückenwärter verwei­gerte aber dem Obermaschinistenmaat de» Zutritt zur Brücke, weil er nicht im Besitze einer Karte war. Infolgedessen'kam die Hilfe zu spät.

Am Schauplatz des Dramas.

(Privat-Telegramm.)

Swinemünde, 8. August.

Das SegelbootPrinz Friedrich Karl", das von dem Bootsmann Bauer geführt.wurde, war gerade im Begriff, in die Hobe See hinaus zu stcuern. als eine seitliche Boe sich auf­schwang. die das große Segel so unglücklich traf, daß das Boot umschlug. Das zwischen Swinemünde und Heringsdorf verkehrende Motorboot, das sich in der Rahe befand, eilte sofort zur Hilfe herbei. Es gelang ihm, fünf Personen, die sich an Bord festhieven, zu bergen. Vier konnten ins Leben zurückgerufen werden. In den letzten Tage» war das Wetter meist sonnendurchglüht. und erst gestern morgen erhob sich ein starker Wind, der sich int Laufe des Tages verstärkte, die See durchwühlte und dichte Staubwolken auf dem Land auswirbelte. Bei solchem Wetter war es ein sehr gewag- les Unternehmen, mit einem Segelboot auf die See hinauSzufahren.

Im Kampf mit den Wellen.

(Telegramm unsers Korrespondenten.) Swinemünde, 8. August.

I» dem Augenblick, als der Windstoß das Boot auf die Seite legte, entstand unter den Bootsinsassen eine furchtbare Panik. Die Passagiere, die an der oberen Seite saßen, wur­den von ihren Sitze» herabgeschlcudert und fie­len auf Diejenigen, die auf der Bank an der unteren Seite Platz genommen hatten. Die Folge war, daß alle ins Wasserfielen. Die mit den Wellen Ringenden suchten sich an dem Segelwerk und an den Planken anzuklam­mern. Da die meisten von ihnen jedoch mit dicken Mänteln und mit Wollzeug bekleidet wa­ren, so versanken sie. ehe sie »och eine ret­tende Planke ergreifen konnten. Vom Strand aus hatte man den Vorfall beobachtet. Als die Boe» heranbrausten, wurden einige Fischer auf­merksam, die, als sie das Boot umschlagen sahen, zu ihren Kähnen eilten und sich zur Hilfeleistung anschickten.

Ein Protest der Badegaste.

(Privat-Telegramm.)

Swinemünde, 8. August.

Ter Trauer in Swinemünde gesellte sich ein starker Unwille hinzu, da man, ähnlich wie im Vorjahre bei der Brückenkatastrophe in Binz, die Badcverwaltung beschuldigt, daß sie nicht genügende Rettungsmatz­nah m e n getroffen habe. Wie im Vorjahre, sei es auch in diesem wiederum unsere Kriegs­marine gewesen, die rasche, tatkräftige Hilfe ge­leistet, namentlich die Bemannung der Kaiser- JachtHohenzollern". In einer Protestver­sammlung, die auf heute vormittag einbe­rufen ist, sollen die Einzelheiten besprochen werden. Bis zur Stunde läßt sich noch nicht mit voller Sicherheit sagen, wieviel Perso­nen das -Leben verloren haben. Die Badever­waltung hat sämtliche Hotelbesitzer und Wirte ersucht, die Namen derjenigen Personen, die seit gestern nachmittag verschwunden sind, fest- zuftellen.

von Swinemünde rührt noch schärfer dringlicher an die Gewissen, denn wat dort geschehen, blieb selbst in Binz dem Emp finden der menschlich Fühlenden erspart. . J F. H.

3er Friede am Balkan.

Reue Schwierigkeiten am Balkan; Kämpf« bei Adrianopel; Europa und der Friede.

Der Friede von Bukarest endet zehn Monat« grausamsten V ö l k e r k a m p f s. 'Vierhundert­tausend Menschenleben hat der unerbittliche Kriegsgott als Opfer gefordert, und über fünf Milliarden Mark betragen die Kosten des Krie­ges seit dem Tage der montenegrinischen Kriegserklärung am achten Oktober vorigen Jahres. Von Schicksalsschlägen gebrochen, von der Höhe des triumphierenden Siegers herab­gestürzt, haben sich die Bulgaren fast aus­nahmslos den harten Bedingungen ibrer ein­stigen Kampfgenossen gebeugt, und Serben und Griechen ziehen mit ihrer Beute von dannen. Sie haben erreicht, was ihre Ländergier, was ihr Erfolg auf den mazedonischen Schlachtfel­dern sie zu fordern geheißen hat. Daß sie ihre weitgehenden Ansprüche in dem Umfang, wie es geschehen, wirklich durchsetzen konnten, das ha­ben sie freilich Wohl selbst nicht immer zu hoffen gewagt. Ueber dem reichen, hochwichtigen Ca- walla, dem Ziel bulgariscber Sehnsucht von einst, weht heute die weißblaue Flagge der Hellenen, und Adrianopel, das mondelang heiß umstritten, scheint der Türkenhand nicht mehr entringbar. Das Machtgebot Europas, das in diesem Kriege von allem Anfang an versagt, kann Bulgarien nicht vor demütigender Schwä­chung schützen, denn die Ereignisse der , letzte« beiden Tage beweisen deutlich, daß hinter dem Friedensschluß von Bukarest noch dro­hende Gefahren lauern. Die neuesten

Depeschen melden:

Sofia, 8. August.

An zuständiger Stelle will man wissen» daß die Türkei über Adrianopel hinan« einen Vorstoß Plane, offenbar, um da­durch auf den dauernden BesiHThra- zi ens einen Anspruch zu gewinnen. Seil gestern wird in Harmanli Kanonen­donner aus der Richtung von Adria­nopel, sowie vom Süden her gehört.

Belgrad, 8. August.

Zn Säitschar find gestern zahlreich« bulgarische Soldaten erschienen,um sich den serbische« Truppe« zu ergeben. Rach den Angaben der bulgarischen Flücht­linge soll unter der Bevölkerung eine revolutionäre Bewegung ausge. brochen sei«. Eine Bestätigung dieser Nachricht ist noch nicht eingetroffen.

Es drohen also neue Gefahren, und bet Friedensschluß von Bukarest ist vielleicht nur die E i n l e i t u n g zum Schlußakt der bulgari- schen Tragödie. Bulgarien steht alle seine Hoff­nungen zertrümmert, die Ernte seiner Mühen und des Blutes feiner Jugend vernichtet. Kaum noch ein Paar hundert Kilometer an der Küste des Meeres verbleiben dem Volk, das schon von der Herrschaft über die Aegäis träumte. Und ein Funken Miüeio springt unwillkürlich aus dem Unglück dieser Nation, die man einst, als sie noch den Weg zur Höhe schritt, dasPreußen des Balkans" zu nennen Pflegte. Das Ergebnis aber des Friedens von Bukarest? Man braucht mchr Schwarzseher zu sein, um mit bangem Zwei- f e l der Balkan-Zukunft entgegenzusehen. Nicht nur, daß noch so manches in den Friedensver­trägen offen bleiben mußte; nicht nur, daß man mit Bulgariens bestimmter Absicht rechnen kann, mit allen Kräften und mit aller Willens­stärke einem R a ch e k r i e g entgegenzuwachsen: Es droht auch noch ein Nachwort aus Euro­pas gewichtigem Mund«, an das man nur mit Unbehagen zu denken vermag.Revision" heißt es, Revision des Friedensvertrags! Für Bulgariens Ohr ein milder Trostklang, «in Hoffnungsschimmer dem eingeengten Lande. Für Griechen. Serben und Türken eine War­nung, die auf ihre Forderungen im letzte« Augenblick nicht ohne Einfluß geblieben ist. Für ganz Europa aber, so weit es nicht der Diplomatenzunft angehört, eine Quelle neuer Beunruhigung und neuer Sorge.

Keine europäische Konferenz?

Sofia, 8. August. (Privat-Tele­gramm.) In diplomatischen Kreisen herrscht über die erfolgte Verständigung mit Rumänien große Befriedigung und man hat die Uebcrzeugung, daß Europa die bei der Un­terzeichnung des Vorfriedens seitens Bulga- riens gestellte» Forderungen bezüglich Cawalla, Serres und Kotschana voraussichtlich erfül­len wird. Nach Anfickt des Vertreters einer Großmacht dürste es n i ch t zu einer europäi­schen Konferenz kommen, sondern zu ein« Verständigung d« Kabinette untereinand«.

Am Friedenstisch in Bukarest.

Bukarest, 8. August. (Privat-Te­legramm.) In der gestrigen Sitzung bet Friedenskonkerenr gaben die griechi-