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Casseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzettnng

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 7. August 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 205

tnillon des 15. französische« Jäger-Regi- ments und ein Bataillon des 17L deutsche« Infanterie-Regiments zusammen. Die Trup­pen standen sich Plötzlich gegenüber, ohne daß der eine Truppenteil das Hcrannahen des an- deren bemerkt hatte. Das deutsche Bataillon salutierte, worauf das französische erwi­derte. Danach defilierten die Franzosen an dem deutschen Bataillon vorüber, während die Deut­schen einen Ehren-Salnt abgaben.

t o t sein. Die Regierung soll diese Tatsach, verheimlichen und bat Leichnam verdorr gen halten. I« einem offiziösen Telegramm aus Lissabon wird die Nachricht vom Tode des Präsidenten allerdings dementiert mit dem Hm- zufügen, daß im Befinden des Schwerkranke« eine Besserung eingetreten sei.

Fst Portugals Präsident tot?

Nene Sorgenkunde aus Portugal.

London, 6. August. (Prlvat-Tele- g r a m m.) Wie mehrere Blätter unbestätigt aus Sevilla melden, soll der Präsident der Republik Portugal seit drei Tagen

schaftsbildes verständig regulieren und ihren Einfluß so eindämmen kann, daß die Konkurrenz der Frau nicht allgemein zum Druck auf die Erwerbsmöglichkeiten und zur Entwertung der nationalen Arbeitkraft aus- artet. Denn hier liegt die Gefahr der sozialen Entwicklung, die die Frau gewalttätig in den Kampf ums Dasein hineingerisien hat

Ueber die Wege, die zum Ziel des sozralen Ausgleichs führen können, gehen die Meinun­gen weit auseinander: Wenn aber eine wirt­schaftliche Wertsteigerung der Frauen­arbeit neben der Erwerbtätigkeit des Mannes erstrebt werden soll, dann kann dies nur durch den Fortschritt auf dem Gebiet der Arbeiterin­nen- u. sozialen Frauen-O r g a n i s a t i o n ge­schehen, der in der natürlichen Entwicklung seiner Tendenzen allmählich von selbst zur entschied- nern Geltendmachung des wirtschaftlichen Wertgehalts der Frauenarbeit führen und da­mit die konkurrierende und entwertende Tendenz weiblicher Erwerbtätigkeit ins Gegenteil um­kehren wird. Wir haben den gleichen natur­notwendigen Entwicklungsprozeß in der allge­meinen Arbeiterbewegung des letzten halben Jahrhunderts erlebt und gesehen, daß, parallel mit dem wirtschaftlichen Emporsteigen, die fort­schreitende Entwicklung der sozialen Arbeiter- Organisation eine auffteigende Linie in der Wertung der Erwerbarbeit und eine selbsttalcge (wenn auch nicht ideale u. vollkommne) Regulie­rung der Krästenutzung erzwungen hat. Die weibliche Sozialbewegung ist jüngern Datums, und da die Frauenarbeit unserm Wirtschafts­leben gewissermaßen als Fremdkörper aufge- pftopft wurde, ist's auch natürlich, daß der Verbindungs- und Ausgleichprozeß Zeit und vermittelnde Uebergänge erfordert. In die Entwicklung dieses Prozesses mit der Schroff­heit des Gesetzes hemmend oder störend ein­greifen, hieße junge Saat unterm Druck der winterlichen Schutzdecke ersticken lassen, und man mutz deshalb wünschen, dah in der gesetz­lichen Regelung der Frauenarbeit nicht Wohl­tat und Plage verwechselt werden. . .! F. H.

ihrer

langjährigen persönlichen Beziehungen sich über neue Pläne, Ansichten und Absichten der in Frage kommenden Behörden zu unter­richten, ihren Gesellschaften wichtige Konzes­sionen zu verschaffen und andere schätzenswerte Vorteile. Um so weniger werden die m sol­chen Stellungen Berufenen die Taktgren­zen überschreiten dürfen, die der Ausnutzung dieser Beziehungen gezogen sind. Und für das Treiben der Tilian und Genossen, dessen Be- lcuchtung in voller Oeffentlichkeit schon um der darin liegenden Warnung unserer Heeresver­waltung willkommen sein mußte, bildet selbst der .kollegialste" Geist nur, einen schwachen Milderungsgrund. Eher könnte man den mn Verurteilten den von ihnen mehrfach bekunde­ten Glauben zugute halten, in dem sie durch einenguten Tip" zum Nutzen eines Hames wie Krupp dem Vaterland mehr eine« Dienst als einen Schaden zu erweisen ver­meinten. Denn trotz der seit einigen Jahren erwachsnrn Konkurrenz gilt Krupp gerade m militärischen Kreisen noch immer nicht nur als ein Stolz der nationalen Industrie, sondern auch als ein wichtiger Faktor der Erhal­tung der nationalen Wehrkraft, dessen Namen jeder Soldat mit Hochachtung nennt. Die Freundschaft, die Kaiser Wilhelm der Familie Krupp seit Jahren bezeugt, hat zu dieser Ausnahmestellung nicht wenig bcigetra- gcn, und man ist geneigt, leicht zu vergessen, daß Krupp doch in erster Linie ein Erwerbsunter- nehmen ist, das seine Leistungen jeder Armee­verwaltung der Welt gegen Bezahlung. zur Verfügung stellt, und als solches ein natürliches Interesse Hai, über die

Arbeitsbedingungen der Konkurrenz

und über die Pläne der mustergültigsten aller Armceverwaltungrn der Welt möglichst voll­ständig informiert zu sein. Gerade rin Hans von diesem Range hat seinem vornehmsten Kunden gegenüber aber auch die Pflicht beson­derer Loyalität. Ueber die Rolle aber, di« das Direktorium der Frima Krupp in der ganzen Angelegenheit gespielt hat, wird erst dcr Prozeß Brand volle Klarheit bringen kön­nen. Jedenfalls bat schon der erste Prozeß gr- lebrt, daß die Zwitterstellung des Kruppunter- nehmens weder im Interesse des Vaterlandes noch des industriellen Unternehmens selbst liegt. Anstalten, die so mit den vitalen 5lnt>r-

gramm.) Die österreichisch-ungarische Hee­resverwaltung wird im kommenden Herbst von den Delegationen ein erhöhtes Re­kruten-Kontingent verlangen und zwar soll eine Erhöhung um 35 000 Mann für das gemeinsame Heer und 15 000 Mann für die beiden Landwehren beantragt werden. Der künftige Friedensbestand wird dann etwa 580000 Mann betragen, exklusive Offiziere und Unteroffiziere.

Heeringen nnd Falkenhahn.

Der alte und der neue Kriegsminister.

Als im Herbst vorigen Jahres bekannt wur­de, daß der damalige Kriegsminister von H er­ring e n von feinem Amt zurückzutreten beab­sichtige, wurde von offiziöser Seite schwichti- gend erklärt, der Ministerdenke nicht daran, -die Bürde des Amtes auf andere Schultern zu legen". Trotzdem erhielt sich das Gerücht, daß Herr von Heeringen damals sein Abschiedsge­such eingereicht habe, das nur deshalb nicht genehmigt wurde, weil zu jener Zeit schon die Vorbereitungen für die neue Heeresvorlage im Gange waren. Jetzt werden über die damali­gen Vorgänge interessante Einzelheiten bekannt:

Der Kandidat Moltkes?

(Privat-Telegramm.)

Berlin- 6. August.

Wie jetzt bekannt wird, war der Personen­wechsel im Kriegsministerium bereits im November des Vorjahres beschlos­sene Sache. Die Verjüngung im Kriegsmini- fterium wäre wohl sicher auch zu einem bedeu­tend frühern Zeitpunkt vor sich gegangen, wenn sich nicht durch die Wehrvorlage die Notwendig­keit ergeben hätte, mit dem Personenwechsel zu warten, bis das Gesetz unter Dach und Fach war. Als den eigentlichen Urheber der um­fangreichen Neubesetzungen im Kriegsministe- rium bezeichnet man den General st abs- chef von Moltke, der diese Forderungen zugleich mit dem Verlangen nach einer gründ­lichen VerstärkungderArmee unmittel­bar nach den türkischen Niederlagen dem Kaiser vorgetragen haben soll. Der damalige Kriegs- Minister von Heeringen, der sich schon längere Zeit mit Rücktrittsabsichten trug, erklärte sich bereit, die Wehrvorlage noch im Reichstag zu vertreten, und e r st d a n n zurückzutreten. Sein Nachfolger von Falkenhahn ist der Kandi­dat des General st abschef und erfreut sich auch der Sympathie des Kronprinzen. Der Kronprinz hörte vor einigen Jahren im Mini­sterium des Innern von dem Geheimen Ober­regierungsrat von Falkcnhavn, einem Bruder des Kriegsministers, Vorträge über preußische Verfassungs- und Derwaltungsrechte und hat bei dieser Gelegenheit auch die Bekanntschaft des jetzigen Kricgsministers gemacht.

Kornwalzen-Wlog.

Rach dem Arteilspruch im KruPP-Prozeßf die Verurteilten als .Werkzeuge" Krupps.

Zum Nrteilspruch im Krupp.Pro,sß schreibt die Bossisch- Zeitung":DaS entscheidend- Wvrt dem Drama wird noch der bürgerliche Strafrichter sprechen, vor dem stch der Zeuge Brand ,u ver. antworten haben wird. Erft dann wird stch in vollem Umfange die Bedeutung des Krupp-Prozess-S für unsere Militärverwaltung und für unser Beamten» tum vor allem aber auch für Krupp selbst ermessen lassen, denn die Angeklagten waren nur Werkzeuge in der Hand des Vertrauensmanns der Firma Krupp.

Das ist's, worauf wir gleich anfangs hiu- wiesen: Die tatsächliche Bedeutung der Kornwalzen-Tragik° die wnd erst erkennbar werden, wenn aus der Anklagevartt des Kriminalgerichts in Berlin-Moabu der Versucher Brand, der Berliner .Repraien- tant" des Essener Kanonenkonigs, Platz nimmt, um als Angeklagter um Ehre, Freiheit und Schicksal zu kämpfen. Dann erstd ann) wird sich offenbaren, wasfaul ist rm Staate Dänemark". Die Kriegsgerichts-Episode hat einige Ueberraschungen, aber nur wenig e^ent- licke Aufschlüsse gebracht, und um die Aufschlüsse handelt's sich doch schließlich. Indessen laßt sich auch aus denUeberraschungen schon mancher­lei schließen. Oder hat es vielleicht Fernand für möglich gehalten, daß man in Preußen richtiggehende Staatsgeheimnis se zu wahren Schleuderpreisen kaufen kann. Zehn bis zwanzig Mark und gelegentlich ein warmes Abendbrot im BerlinerRheingold hat Herr Brand dem Zeugleutnant Schleuder und Ge­nossen für interessante Nachrichten aus dem Mr- nisterium der Landesvertetdrgung bezahlt. Billiger kann man es doch wliklrch kaum haben Gewiß mögen kameradschaftliche Emp­findungen bei dem Handel nutgesprochen ha- ben Sie spielen ihre Rolle bei den Erwägun­gen', die für und gegen die Einstellung verab- schiedeter Offiziere und Beamten rm zivilen Erwerbsleben ausschlaggebend sind. Es,gut m gewissen militärisch-bürokratischen Kreisen ge- wissermatzen als Ehrensache, altireundschaft- licke Beziehungen nicht zugleich mit dem -uif hären des kollegialen Dienstverhältnisses em- schlafen zu lassen. Man beruft m'leitende Stellen großer Verkehrs- und industrieller Un- ternehmungen Männer aus den Amtsstuben hoher Behörden, weil man glaubt, es werde ihnen leichter als anderen werden auf Grund

IehnMillionenFrauen.

Die deutsche Frau im Erwerbskampf; Frauen-Arbett und sozialer Ausgleich.

Rach der neueste« amtliche« Sta­tistik find zurzeit in Deutschland 10 Z80 000 Frauen im Erwerbs­leben tätig- davon etwa die Hälfte in gewerblichen, kaufmännischen «nd industriellen Betriebe«. Auf die Landwirtschaft entfallen fast vier Millionen werbliche Arbeitnehmer, und der Rest verteilt fich auf Heim­arbeit, amtliche und freie Berufe, in denen Frauen selbständig tätig find.

Die sommerliche Hochflut der Kongresse und Massen - Rendezvous ebbt mählig ab, die Zeit der Tagungen und Resolutionen geht zu Entze, und man kann daran gehen, die Ernte zu überschauen. Mit jedem neuen Jahr steigert sich die Aufmerksamkeit, die unsre Zeit der so­zialen Arbett der Frauenbewegung wid­met, und demgemäß haben auch die Frauen­kongresse und die Tagungen der sozial oder politisch kämpfenven Frauen sichtlich an Bedeu­tung gewonnen. Die letzte Kongreß - Saison stand gewissermaßenim Zeichen der Frauen- Tagungen" und eine ehrlich vergleichende Wer­tung der in diesen Versammlungen geleisteten Arbeit mit derjenigenmännlicher" Durch- schnitt-l-ongresse führt zu dem Schluß, daß die Frau sich in ihre Rolle als Mitstreiterin im öffentlichen Leben überraschend schnell hinein­gefunden hat und heut über eine (sagen wir einmal)parlamentarische Kultur" verfügt, die sich vom fanatisierten Ueberschwang und von der überhitzten Leidenschaftlichkeit des politi­schen und sozialen Männerkampfs vorteilhaft unterscheidet. Und das ist nicht etwa Tempe­raments- oder Geschlechtssache (die Suffraget­ten in England lieben ja eine andre Methode), sondern daL Produkt kluger Erkenntnis und das Resultat verständiger Anpassung an Not­wendigkeiten, die der Mann als Einschränkung freier Krästenutzung wild bekämpft.

Der Arbeits-Methode entspricht der Arbeits- Zweck: Auf den letzten Frauenkongressen hat man sich in fluger Erkenntnis drängender Not­wendigkeiten sehr eingehend mit der kaufmän­nischen und gewerblichen Frauenarbeit beschäftigt, und wenn auch die in der Erörte­rung dieser sozial so ungemein wichtigen Frage zutage getretnen Auffassungen nicht aus­nahmslos Billigung finden können, so ist doch ohne Zweifel die Frage an sich wesentlich ge­klärt worden, und es steht zu hoffen, daß die Erörterungen des Frauenerwerb-Problems in sozialer Beziehung nicht ohne praktischen Nutzen bleiben werden. Vox achtzehn Jahren (1895) standen rund fünf Millionen Frauen als Erwerbstätige im sozialen Daseinskampf: 1907 betrug ihre Zahl (nach den Ermittlungen der wirtschaftlichen Statistik) bereits über neun Millionen, und heute umfaßt die Riesenarmee der im Daseinskampf stehenden Frauen fast ein Sechstel der deutschen Gesamt-Bevölkerung: 10.350,000 erwerbtätige Frauen! Die Mehr­zahl der vom harten Zwang des Lebens in den Kampf ums Dasein gedrängten Frauen erringt ihr Brot als Arbeiterinnen in industriellen und gewerblichen Betrieben; etwa dreibunderltau- send sind in Handelsbetrieben beschäftigt, und der Rest verteilt sich auf Land- und Hauswirt­schaft, Heimarbeit, amtliche und freie Berufe. Diese Ziffern beweisen, wie gewaltig die Flutwelle der Frauenarbeit den sozialen Kampfplatz umbrandet und wie elementar die Kräfte gewirkt haben müssen, die im Laus der letzten Jahrzehnte die Frau aus dem Bannkreis häuslicher Pflichten in das Ringen ums tägliche Brot hineinpeitschten.

Es mag verfehlt sein, die Frauenarbeit im Erwerbsleben schlechthin alssoziale Entar­

tung unsrer Zeit" zu verurteilen und die Forderung aufzustellen, daß der Frau der Ein­tritt in den sozialen Kampf aus wirtschaft­lichen, ethischen und nationalen Gründen zu verwehren sei, da die Struktur unsres Wirt­schaftslebens gegen früher sich stark verschoben hat und ein gewaltsames Zurückdrängen der Frauenarbeit notwendigerweise Wirkungen ha­ben müßte, die unsre wirtschaftliche Leistungs- sähigkeit weit mehr beeinträchtigen würden, als auf der andern Seite durch den sozialen Aufstieg der Erwerbstände zu bessern Verdienst­möglichkeiten gewonnen werden könnte. Die Frauenarbeit ist heut (im Gegensatz zum Er­werbsleben früherer Jahrzehnte) nicÄ mehr Ausnahme, sondern Regel, und es erscheint überzeugend, daß diese Regel nicht ohne ver­hängnisvolle Nachwirkungen beseitigt und in ihrer Nutzbarmachung ausgeschaltet werden kann. Etwas anders ist's indessen mit der Frage, wie man die Einwirkungen der Frauen­arbeit auf die Gestaltung des sozialen Wirt-

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Ein Intermezzo an der Grenze.

Paris, 6. August. (Privat-Tele­gramm.) An der deutsch-französische« Grenze bei Revier Monte träfe« gestern auf einem Marsche an der Grenze das dritte Ba-

JnserttonSpreis«: Die s-chSg-spaltene Z-tl. für °w»°tmtsch« «eschärn 15 M^ür wärtig- Inserate 25 <Bf Reklame,eile für einheimische Seschäftt Pf. sLk au-warnge Seschäfte 60 Pf. Einfache Beilagen für bte Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro lattfen# rechnet. Wegen ihrer dichten öerbrettung in der Residenz und der Umgebung Ond di- Lastetet toueften Nachrichten ein vorzugltcheS Jns»ti-nSo^n. Seschäftr't-lle: »Slnisch Straße 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon. Amt Morttzplatz 12584.

Der Friede von Bukarest.

Arn Vorabend des Balkan-Friedens.

Die Friedens-Konferenz in Buka­rest scheint dem Abschluß nahe zu sein und die Unterzeichnung des Friedens am Balkan darf nunmehr als gesichert gelten. Man hofft in Bukarest, daß Bulgarien endgülttg aus Ca- walla verzichten und als Kompensation das Gebiet um Cawalla erhalten werde. Bul­garien hat auch aus Uesküb, Kotschana und Radowista zu Gunsten Serbiens verzichtet, will aber Strumitza behalten. Die bulgarischen De­legierten haben gestern Instruktionen ihrer Re­gierung erhalten, daß die Verhandlungen b e- sckleunigt werden möchten, damit das Frie­dens-Protokoll recht bald unterzeichnet werden könne, um es den europäischen Großmächten vorzulegen, die dann über die definitive Grenze Mazedoniens bestimmen sollen. Die bulgari­schen Delegierten baten König Karol, daß er die rumänischen Truppen aus Bulgarien zurückziehen möge. Der König antwortete, daß er dies nicht tun könne, bevor nicht die Frie­denspräliminarien unterzeichnet worden seren. Inzwischen liegen folgende neue Draht­meldungen vor:

Bukarest, 6. August.

Die offiziöse Roum an ia meldet: Da Bulgarien alle rumänischen Forderungen angenommen hat, wurde derFriede zwischen Bulgarien und Rumänien gestern nachmittag definitiv geschloffen.

Wien, 6. August.

In diplomatischen Kreisen wird bestä­tigt, daß Prinz Moritz von Schaum- bnrg-LiPPe zumFürsten vonAlba- nien ausersehen sei und seine Wahl bereits in aller Kürze erfolgen werde.

Die gestern in Paris und London verbrei­tete (auch von uns wiedergegebene) Meldung über eine Verhaftung des früheren bulgarischen Ministerpräsidenten D r. Danew unter dem Verdacht unrechtmäßiger Verwen­dung von Staatsgeldern ist bisher von bulga­rischer Seite nichtbestätigt worden. Man hält es aber in unterrichteten politischen Krei­sen für möglich, daß gewisse bulgarische Staats­männer auf Befehl des König s m Gewahrsam gebracht wurden, um sie vielleicht den zu befürchtenden Ausschreitungen der Volksmenge bei dem bevorstehenden Bekannt­werden der Friedensbedinaungen zu entziehen. Auf der Berliner bulgarischen Gesandtschaft wird erllärt, daß man bisher keinerlei Nach­richten über die Verhaftung Danews erhalten habe. Außerdem aber sei die Meldung auch aus innerpolitischen Gründen wenig glaubhaft. Danew sei der Chef einer großen Partei der Sobranje. In einer Zeit, in der von der Volks­vertretung die höchsten Opfer für das Vater­land verlangt würden, werde man kaum eine so erhebliche Zahl der Deputierten brüskieren, indem man ihren Führer verhaftete.

Bukarester Friedens-Arbeits

Bukarest, 6. August. (Privat - Tele- gramm.) Die gestrige Sitzung der Frie­densdelegierten begann um vier Uhr nachmittags. Ministerpräsident Venizelos ver­las eine DepescheKönigKonstantins, wonach ein militärischer Parlamentär der Bul­garen dem griechischen Vorposten die mögliche Wiederaufnahme der Feindselig­keiten noch für den gleichen Tag angekündigt hat. Die bulgarischen Delegierten erklärten, davon nichts zu wissen und wahrscheinlich sei die Depesche auf einen Irrtum zurückzuführen.

Oesterreichs Heeres Verstärkung.

Wien, 6. August. (Privat-Tele-