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Eaffeler Neueste Nchrilhten

und Dienst

Angeklagten Dröse und Hinst. Die Verteidiger

Dr. Barnau und Grassow erklärten, daß sie, ,f*a) wTönung

im Kricgsmini. Bestechung und

wohl erst Dienstag zu ihren Ausführungen kommen können. Der Verhandlungsleiter gab noch bekannt, daß die Herren, die der nicht­öffentlichen Sitzung beigewohnt haben, ver­pflichtet sind, Stillschweigen zu bc- wahren Die Verhandlung wurde dann auf Dienstag früh vertagt.

Monate Gefängnis entlafsung.

Oberinteudantursekretär sterium Pfeiffer wegen

verpflegen lassen müssen. Unser Berliner reiste also ab und wartet nun hier, bis dir Liebauer Zollkasse wieder flott geworden ist. So ge­schehen im Jahre des Heils 1913.

Hw ei Opfer einer Bootskatastrophe. Ein Dootsungliick auf dem Rhein in der Nähe von Mainz, das zwei Menschenleben gefordert hat, hatte seine Ursache darin, daß sich em dem^ Steuermann in den Nacken von einem Schlcs-p-, dampfer zugeworfenes Seil dem Manne um den Hals wickelte. Dadurch verlor er die Herr­schaft über den Kahn, der unter den Radkasten des Dampfers geriet und zertrümmert wurde. j

Vergehens gegen das Spionagegesetz ein Jahr Gefängnis und Amtsver» lust.

Zeugleutnant Hoge wegen Ungehorsams und Vergehens gegen das Spionagegesetz drei Monate Festung.

Zeugleutnant Hinst wegen Bestechung und groben Ungehorsams neun Monate Gefängnis und Dienstentlassung.

Feuerwerker Schmidt wegen Vergehens gegen das Spionagegesetz sechs Monate Gefängnis und Degradation.

Kruppscher Beamter Dröse wegen Unge­horsams drei Monate Gefängnis.

Der Anklagevertreter beantragte außerdem, die Untersuchungshaft in keinem Falle anzu­rechnen. Nach dem Anklagevertreter nahmen die Plädohers der Verteidiger ihren Anfang. D«r Verteidiger Rechtsanwalt Wirth erklärte, daß Tilian sich nicht schuldig gemacht habe und bat auf Festungshaft zu erkennen, Rechtsan­walt Ulrich plädierte im gleichen Sinne für die

Ein Ovfer eigener Unvorsichtigkeit. Auf tragische Weise hat der Feldschütz Nier auS Marienborn bei Mainz das Leben eingebützl.e Nier traf den Bierkutscher Arnold beim Aepfel- steblen. Er verbot ihm das und zog zur Be­kräftigung seiner Worte seinen Dienstrevolver. Gleich darauf krachte ein Schuß und der Feld- sckütz stürzte getroffen zu Boden. Die Kugel seines eigenen Revolvers war ihm, da er die Sicherung der Waffe vergessen hatte, in den Un­terleib gedrungen.

Ein Drama vor der Kirche. Monau- Wörth hat der ehemalige Mühlenbesitzer Friedel einem Bierbrauereibesitzer auf dem Heimwege von der Kircke aufgelauert und ihn vor den Augen seiner ibn begleitenden Fran und seiner drei Kinder auf offener Straße durch drei Revolverschüsse schwer verletzt. Der Atten­täter wurde verhaftet und mit großer Muhe konnte er vor der Volksmenge geschützt werden. Er hat die Tat aus Rache gegen den Mühlen-

Das Neueste vom Tage-

(Depeschen der Casseler Neuesten Nachrichten.)

Der Autounfall eines Opernsängers. Der lyrische Tenor Hans Braun aus C h a r - lottenburg überfuhr in Dopbasle sur Meurthe in Frankreich ein dreijähriges Kind. Da sich eine große Menschenmenge ansammelte, wurde Braun von der Polizei verhaftet. Es stellte sich jedoch heraus, daß die Deutschen keine Schuld an dem Unglück hatten. Braun und fein Chauffeur wurden deshalb freigelassen, da aber die Haltung des Volkes drohend blieb, von französischen Polizei-Automobilen eskor- tiert.

Die Verzweiflungstat eines Arbeitslosen. Der stellenlose Kaufmann Heinrich G o e r r e 3 drang in die Wohnung des Rentiers Teegarten in Düsseldorf ein und gab fünf Revolver- schüffe auf den Rentner ab, die aber fehl gin­gen. Der Täter, der offenbar einen Raubmord geplant hatte, versuchte vergebens, sich selbst zu erschießen. Er wurde verhaftet. Bei seiner Vernehmung gab er an, die Tat aus Verzweif­lung über seine mißliche Sage begangen zu haben.

Der Beigeordnete als Defraudant. Unter- schlagungen in Höhe von 9000 Mark hat sich der Beigeordnete Schulz in Pvritz zuschuldeir kom­men lassen. Er war Vorsteher der Sparkasse und Vorsteher einer Stiftung, bei der die Un­terschlagungen vorgekommen sind. Der Beige­ordnete wurde von der Polizei in Hast genom­men. Er ist verheiratet und seit nahezu drei­ßig Jahren int Dienst. Die Sparkasse befand

denn sie spielten jetzt mäuschenstill und wagten es nicht mehr, den Mandarin anzurühren.

Beim Verabschieden sagten sie zu Josette: Ich lade Dich für diese Woche ein, bringe aber bitte Deinen Chinesen mit."

Alle wollten ihre Freundin an demselben Tage, und zwar dem nächsten, bei sich haben. Darüber entstand ein Wortwechsel, und das Los mußte entscheiden.

Es war eine Woche des Triumphes. Doch alles wird man einmal müde. So wurde dann auch Josette gegen den weltlichen Freuden­rausch abgestumpft, und sie fing wieder an, ihren Mandarin zu bekritteln. Sie mochte ihn zwar noch leiden, fand aber, daß sein Kleid verblaßte, und sein Zopf nicht mehr so glänzte; auch sein ewiges Lächeln machte sie nervös.

Da traf eines Tages während des Mittag­essens ein Brief aus China ein. »Der ist von Jean. . . rief Mama (so hieß der Onkel Ker­fen) und froh, von ihrem Bruder etwas Neues zu hören, öffnete sie den Brief.

Auf einmal sagte sie zu Josette: »Oh, höre mal, was der Onkel schreibt,' und sie begann zu lesen. »Der Mandarin ist an die falsche Adresse gelangt, denn er wat für Boubvute (Josettes Kusine) bestimmt, die mich selbst dar­um gebeten hatte. Josette bekommt ein Pup­pen - Teeserviee aus chinesischem Porzellam Schicke daher den Mandärin an Bouboute, die sicher betrübt ist."

»O nein, das wäre noch schöner! sagte Jo­sette auffahrend, »nein, meinen Mandarinen gebe ich nicht heraus.'

Vor fünf Minuten war er ihr noch gleich­gültig gewefen, seitdem man ihn ihr aber neh­men wollte, fühlte sie, daß er nicht zu ersetzen wäre, und daß sie nichts so gern gehabt, wie ibn.

Dummes Gänschen,' versetzte Mama,Du stehst Dich doch ganz gut dabei; Du befaßt Dich doch nicht mehr mit ihm und bekommst ein ganz neues Spielzeug dafür.'

Aber Josette hätte für den Augenblick eher das Leben, als ihren Mandarinen einer ande­ren gelassen. »Ich pfeife was auf neue Spiel­sachen,' gab sie zur Antwort, »der Mandarin ist mein, und ich behalte ihn!'

»Ich behalte ihn! Ich behalte ihn!' wieder­holte sie mehrmals mit zunehmender Heftigkeit.

besitzer begangen.

Die Traaik des Leben«. In E ch t e r b i n - gen überfuhr der Graf be Villers mit seinem Automobil, als er einem Kinde aiisweicken wollte, ein fünsunbzwanttaiahriges Fraukem. daS, anscheinend in der Absicht, das Kmd JU retten, sich vor den Wagen stürzte. DaS Frau­lein starb unmittelbar darauf an ben erlittenen schweren Verletzungen. Das Automobil war in mäßigem Tempo gefahren, sodaß dm Wagen­führer eine Schuld an dem Vorfall nicht treffen

Re. 204.

Dritter Jahrgang

Ans aller West-

Die Zollkaffe in Geldnöten.

** Berlin, 5. August.

Ein sonderbares Ferienerlebnis hatte ein Berliner, der mit seinem Sohne jetzt au3 dem böhmischen Badeort Johannisbad zurückgekehrt ist. Der betreffende Herr mutzte an der böhmischen Grenzstation Freiheit sür das Fahrrad seines Sohnes einen Depotschein von sechzig Kronen lösen, die ihm, wie der kassie­rende Grenzbeamte erklärte, bei seiner Rück­reise auf irgendeiner anderen Grenzstation ge­gen Vorzeigung des Scheines wieder ausge- zahlt würden. Der Herr nahm den Schein und reifte ins schöne Böhmerland. Und voller Zu­versicht auf diesen amtlichen Schein kehrten Vater und Sohn wieder zurück. Sie kamen all­da auf der Zollstation Liebau in Schlesien an, und unser Berliner präsentiette in vollem Ver­trauen auf die Prophezeiung des böhmischen Zollbeamten von .Freiheit' dem Liebauer Kollegen den Depotschein. Die Beamten in Liebau gerieten darob in große Bestürzung, sahen sich groß an, durchwühlten Kisten, Kasten und sogar ihre eigenen Taschen, aber Geld fan­den sie nicht. Es blieb also die Tatsache, daß der Depotschein von 60 Kronen von einer böh­mischen Zollbehörde nicht eingelöst werden konnte. Zum Glück aber hatte der Berliner

Der Mandarin.

Line Kindergsschichte, von Bruno Rnbh.

Er war ein Meter zwanzig groß und hatte ein sehr breites, gelbes Wachsgestcht; seine Augen waren nicht aus Schmelz, sondern aus einem schwarzen, äutzerst glänzenden Stein ge­fertigt, und fein langer Zopf fühlte sich weicher an, als seidene Strähne.

Es war das Geschenk für Josette von ihrem Onkel Kerfen, der sich an Bord eines Schiffes in den chinesischen Gewässern befand.

Als er aus einer langen, mit ausländischen Aufschriften beklebten hölzernen Kiste ausge­packt wurde, rief Josette: »Wie groß! . . . Wie häßlich. . .!'

Dann stellte sie ihn aufrecht, glättete die Falten seines schönen, rosafarbenen Kleides, das mit phantastischen Tiergestallen bestickt war, und fügte hinzu: »Er sieht doch gutmütig aus.'

Papa aber hielt sie kopfschüttelnd und mein­te: »Du bist viel kleiner, als er, Josette, und mußt ihn respettieren; Onkel Kerfen schickt Dir da sicher einen Bräutigam!'

Die sechsjährige Josette fühlte sich getoaltig gekränkt, daß eine Puppe, sogar eine chinesi­sche, größer sein sollte, als sie selbst, und rief entrüstet: »Son dickes Männchen mit einer Hängelippe mag ich nicht als Bräutigam!'

Mama, der die Sache riesigen Spatz mochte, sagte: »Die Lippe tut nichts zur Sache; er ist ja ein Prinz! Sieh nur seine diamantenen Knöpfe! In seiner Heimat hat er gewitz Pa­läste und Pagoden mit Tieren aus Edelsteinen, Wasserbecken aus Jaspis, Seerosen aus Elfen­bein und ganz blaue Springbrunnen. . . . Das ist gerade der Schwiegersohn, tote ich ihn ha­ben will; gib ihm doch mal 'n Kutz, Josette.'

Schäkernd schob Mama den Mandarin Jo- fette zu, die in ihrer Wut und Verwirrung überall an der Wand anstieß. . . . Dann blieb sie plötzlich stehen, verschanzte sich wütenden Blickes in einer Ecke und begann ihr Klagelied von neuem:Nein, ich gebe ihm keinen Kutz, das tue ich nicht! ... ©on Bräutigam mag ich nicht.'

Papa meinte kopfschüttelnd: »Wenn man be­denkt, datz es mit zwanzig Jahren dasselbe Sieb iftl

Dann verließ er mit Mama, die nicht aus dem Lachen kommen konnte, das Zimmer.

Sobald sich die Tür hinter ihnen geschlossen, stand Josette auf, nahm racheschnaubend den Mandarin beim Kragen und stieß ihn zur Strafe dafür, daß er sich erkühnt hatte, sich um ihre Hand zu bewerben, mit dem Gesichte nach der Wand hin, in eine Ecke.

Kaum war die Exekution vollstreckt, als drei kleine Freundinnen von ihr: Helene, To- totte und Pompon, hereinkamen, die Kaffee ttinken und spielen wollten.

Was ist denn das?' sagte Helene, als sie nach den ersten Begrüßungen den blendenden Rücken des Mandarin bemertte. Tototte aber ging dreist auf ben Geächteten zu und drehte ihn mit den Worten um: »Das ist ja ein Chi­nese! Ach, wie schön!'

Pompon faltete, außer sich vor Entzücken, die Händchen und meinte: »Hast Du aber Glück, Josette!'

Doch diese antwortete schnippich: »Den hat Onkel Kerfen mir geschenkt.'

Aber die anmaßende Tototte holte den Mandarin wieder aus dem Exil zurück und setzte ihn in einen Sessel. . .

Er sieht so naturgetreu aus,' sagte sie, »der könnte mir auch gefallen!' .

Alle rissen sich um den Mandarin, indem eine jede ihn auf die Gefahr hin, ihn ausein- anderzureitzen, rücksichtslos an sich zog und aufs Geratewohl feine Hand, Rase oder den Saum seines Kleides küßte.

Mit dem Aufgebot aller ihrer Kraft stürzte Josette sich nun auch darauf, schob ihre Freun­dinnen gewalffam beisette und rief, mit den Füßen stampfend:Ueberhaupt, laßt meinen Bräutigam bitte in Ruhe!'

Während die anderen zaghaft zurückwichen, umhalste Josette den Asiaten und sagte erklä­rend:Seine Knöpfe sind aus DiamaMen! Er hat Paläste mit Springbrunnen, aus denen ro­tes Wasser herauskommt, und Blumen aus Glas (nach Effekt haschend) und sogar eine Brandsvritze! (Hier trat eine lange Pause ein, denn die Worte hatten ihre Wirkung nicht ver­fehlt.) Onkel hat ihn mir aus China geschickt, damit ich ihn heiraten soll!'

Auf Helene, Tototte und Pompon schien die Erklärung großen Eindruck aemackt tu haben.

Hagebertreter folgende Strafanträge: Gegen den

Zeugleutnant Tilian wegen Bestechung, groben Ungehorsams und Vergehens gegen die Paragraphen 2 und 4 des Spionagege setzes neun Monate Gefängnis und Dienstentlassung.

Zeugleutnant Schleuder wegen Be­stechung und groben Ungehorsams a ch t

Krupp vorm llrteilspruch.

Der vierte Tag deö Krupp-Prozesses und die Strafanträge des Anklägers.

(Bericht nnsers P. 8.-Mitarbeiters.)

Berlin, 5. August.

Der Krupp-Prozeß vor den Schranken des Berliner Militärgerichts eilt nunmehr dem Ende entgegen: In der Hauptsache beschäftigte die gestrige Tagung die Vernehmung der Sach­verständigen. Auch Direktor Dr. D r e z c r wurde wieder eingehend vernommen. Dabei verlas der Verhandlungsführer mehrere Ver­fügungen über Amtsverschwiegenheit und fuhr fort: Es ist ja gerichtsbekannt, daß diese ganze Sache durch den Abgeordneten Lieb­knecht im Reichstag vorgctragen ist, und die Anklage steht auf dem Standpuntt, daß durch das Bekanntwerdett dieser Vorkommnisse in der breiten Oeffentlichkeit der Heeresverwal­tung ein erheblicher Schaden hin­sichtlich ihres Rufes erwachsen ist. Der Ver- handlungsführer verlas eine Stelle aus der Rede des Abgeordneten Dr. Liebknecht in der Reichstagssitzung vom 19. April 1913, worin Dr. Liebknecht sagt:Ich habe, indem ich mein Material hier vorgebracht habe, meine Schul­digkeit getan, der Kriegsminister wird seine Schuldigkeit zu einem großen Teile noch zu tun haben. Es darf nichts verschleiert und ver­tuscht werden. Es handelt sich hier um ein Panama, schlimmer als ein Panama. Wir werden abwarten, ob die Regierung die nötige Energie findet, um der allmächtigen Firma Krupp gegenüber genügend einzugreisen.' Ich lege Wert darauf, datz hier festgestellt ist, o b i n der Heeresverwaltung ein Pana- ina herrsche. Herr Direftor Dr. Dreger, ich frage Sie: Haben Sie Brand den Auftrag ge­geben, seinerzeit die Kornwalzen, vielleicht auch ein Notizbuch, in dem

Notizen über Kornwalzen standen, zu vernichten? Zeuge Dr. Dreger: Das war bei der Gelegenheit, als ich horte, daß Abschriften zurückbehalten seien von Herrn PDtt Metzen. Da habe ich gesagt, das wäre doch dumm von dem Brand, daß er sich solches Material noch aufhebe, es wäre überhaupt schon ein Fehler, daß Kopien von den Korn- Walzen angefertigt feien. Es war Anfang September 1912. Verhandlungsführer: Herr Brand ich frage Sie nochmals: Weshalb haben Sie diese Anweisungen nicht ausgesührt, weshalb haben Sie das Material hinter sich behalten, bis es im Februar 1913 bei Ihnen in der Dachkammer gesunden wurde? Zeuge Brand: Ich habe nickt mehr an die Sachen ge­dacht, sonst hätte ich fie in meinem eigenen In­teresse vernichtet. Nach weiterer Vernehmung von Sachverständigen erklärte Anklagevertreter Dr. Welt: Es ist hier in der Verhandlung er­wähnt worden, daß dem Zeugen Brand nicht nur die Angeklagten, sondern auch noch andere unterirdische Quellen zugänglich gewesen sein sollen. Es ist gesagt worden, daß das Ma­terial für die Kornwalzen nicht nur aus der Feldzeugmeisterei oder aus dem Kriegsministe- rium zu stammen brauche, sondern daß das ganze Material auch die Institute in Spandau durchläuft, und daß dort die Firma Krupp die Preise der Konkurrenz hätte erfahren kön­nen. Sachverständiger Hauptmann Grone- man:

Die Institute in Spandau geben nickt alle Bestellungen bis zur Feldzeug­meisterei hinaus, lieber die Hälfte der Bestel­lungen liegt im Kreise der Befugnisse der Institute selbst. Nur Material, das durch die Feldzeugmeisterei gegangen ist, findet sich in ben Kornwalzen wieder. Nunmehr erstattete Oberstleutnant Jung ein Schlußgutachten

über das Verhältnis der Heeresver- waltung zu der Firma Krupp und führte aus: Es sind wohlüberlegte Gründe, die die Heeresverwaltung davon abhalten, die Preise der Konkurrenz mitzuteilen; alle Firmen betrachten die Angabe ihrer Preise der Heeres­verwaltung gegenüber als Vertrauenssache und haben uns in klarer und unzweideutiger Weise aus unsere Anfragen mitgeteilt, daß sie nicht damit einverstanden sein würden, wenn etwa die Heeresverwaltung die Preise auch Dritten mitteilen würde. Daß ein Interesse der Firmen vorliegt, die Preise der Konkurrenz kennen zu lernen, wird nicht zu leugnen sein. Nach einer Mittagspause wurde Frau Brand, die in­zwischen im Auto aus Rahnsdorf geholt worden war, vernommen. Verhandlungsleiter: Es sol­len im März mehrere von den Angeklagten bei Ihnen gewesen sein. Frau Brand: Im März kam nur Leutnant Tilian nach Rahnsdorf. Ver­handlungsleiter: Hat Tilian irgendwelche Auf­träge gehabt, auf die Aussagen Ihres Mannes einzuwirken? Frau Brand: Nein!

Leutnant Tilian

war gekommen und wir haben uns bei­de unser Herz voreinander ansgeschüttet. Ich fragte noch Tilian, wie der peinliche Eindruck von Frau Leutnant Tilian aufgefaßt worden sei und beklagte mich auch bei ihm über das rigorose Vorgehen der Kriminalpolizei bei der Haussuchung. Verhandlungsleiter: War noch von den übrigen Angeklagten jemand außer Tilian bei Ihnen? Frau Brand: Leutnant Schleuder und Hinst kamen eines Vormittags zu uns. Ich war von ihrem Besuch sehr de- troffen, weil mein Mann wenige Augenblicke vorher aus der Untersuchungshaft nach Hause gekommen war. Mein Mann sagte zu ihnen, es sei furchtbar, daß wir uns unter solchen Um­ständen Wiedersehen müßten. Sie wissen, meine Herren, daß ich nicht Schuld daran bin. Konnte ich das Vergangene wieder gut machen, ich würde Jahre meines Lebens darum her­geben. Die Herren sind bann sofort wieder gegangen und wünschten, daß sich die Sache recht schnell erledigen lassen möge. Verhand­lungsleiter: Sind außer den Angeklagten noch andere Personen an Sie oder Ihren Mann herangetreten, um auf die Aussagen Ihres Mannes einzuwirken? Frau Brand: Nie­mand ist an uns herangetreten. Das kann ich bestimmt beeiden. Hieraus wurde Frau Brand vereidigt. Der Verhandlungsleiter teilt mit, daß das Kriegsgericht beschlossen habe, die Zeugen Brand, Puff und die Direkto- reit Dr. Dreger, Eccins und von De- Witz nicht zu vereidigen, da sie der Mittäter­schaft verdächtig sind und weil gegen sie ein Verfahren bei der Staatsanwaltschaft schwebe.

*

D!e Strafantrage des Gerichts.

Mit der Dernehmung der Frau Brand war die Zeugenvernehmung vorüber und die Beweisaufnahme wurde geschloffen. Zweieinhalb Stunden lang plädierte sodann der Vertreter der Anklage, Dr. Welt, rekapitu­lierte nochmals den gesamten Prozeßverlauf und zog feine Schlüsse daraus. Ein Pana­ma liegt danach nicht vor. Die Ange­klagten haben aber dauernd ihre Dienst­pflicht verletzt. Unsere vielgerühmte sol­datische Disziplin hat leider in diesem Falle vollkommen Schiffbruch Ge­litten. Wenn in Industrie und Handel Schmiergelder üblich sind, haben w i r dafür zu sorgen, durch scharfe Strafen diese Krankheit von unserem Beamtenkörper fernzuhalten. Er­schwerend ist es auch, daß die Angeklagten sich ihrer Vergehen sehr Wohl bewußt waren. Nach Beendigung seines Plädoyers stellte der An-

Und da ihre Eltern die Achseln zuckten, schleu­derte sie ihren Teller heftig mitten auf den Tisch, wie eine Kugel in ein Kegel,Piel. . .

So,' sagte Papa,für diese Heldentat be­kommt das gnädige Fräulein mal keinen Nach- tl?<3ofette drehte sich auf dem Stuhl herum und, den Eltern den Rücken kehrend, murmelte fie trotzend:Ganz egal.. . ungerecht .. .' Und von einer plötzlichen Wut gepackt, trat sie heftig gegen den Tisch. . . . Doch da war es auch um Papas Ruhe geschehen. Mit hochgezogenen Brauen stand er auf und setzte sein Tochterlein vor die Tür. . , .

Hinaus! Hinaus mit Dir!' rief er, »sofort zu Bett! . » « Der Mandarin kommt morgen früh fort.' , . . '

Josette schluchzte laut auf und gab kerne Antwort, aber sie weinte nicht, schlich auf ihr Zimmer und ließ sich, ohne ein Sterbenswört­chen zu sagen, von dem sie zurecht weisenden Fräulein zu Bett bringen. Als sie dann im Dunkeln allein war, wie Espenlaub zitternd. unb mit zusammengepretzten Kinnbacken in schnell aufeinanberfolgenben Zügen atmete, staub sie auf unb holte ben Mandarin.

Auf dem kalten Parkettboden sitzend, drückte fie ihn an das Herz, als wenn ihr Leben davon abhinge. ... Sie hatte ihn lieb, und ihre Lip­pen drückten Küsse auf bas breite Gesicht, bas seidene Kleid und die so schön gegliederten Finger. Sie hatte ihn ja auch so arg, arg lieb, ja, seitdem er ihr genommen werden sollte, war sie ganz in ihn vernarrt.

Sich an ihn schmiegend, bat sie ihn ganz leise um Verzeihung dafür, datz sie manchmal so ungezogen gewesen. Dabei weinte sie schließ- lick so arg, daß sie Seitenstiche bekam und nicht mehr wußte, weshalb sie eigentlich weinte. Doch allmählich kehrte die Ruhe und mit ihr auch die Wirklichkeit wieder. Sie dachte an Onkel Jeans Brief, an Papas Befehl und das ihr bevorstehende große Herzeleid. Da geriet sie in helle Verzweiflung, stand auf, nahm den Mandarin unb schlug ihm kurzerhand auf dem Kamin den Kopf entzwei.

Als dann nach dem furchtbaren Lärm Tü­ren zuschlugen und eilige Schritte hörbar wur­den, sah Josette verstockt, kalt und gegen alles gleichgültig ihrer verdienten Strafe entgegen.

1. Beilage.

Mittwoch, 6. August 1913.

Ferienreiiende nicht sein ganzes Fortkommen auf die 60 Kronen gesetzt, denn sonst hätte er sich noch aus Kosten dcr Liebauer Zollbehörde bürste.