Casseler Neueste Nachrichten
Caffeler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 203
Dienstag, 5. August 1813
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3. Jahrgang.
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Wriano Kaftro.
Castro in Venezuela gelandet; die Republik vor einer «euen Revolution:
Depeschen aus Caracas (Venezuela) zufolge ist Expräsident Castro tatsächlich mit einer größere» Truppen- macht in Coro gelandet. Ein Teil der Bevölkerung hat sich bereits für Castro erklärt, und an der Grenze find verschiedene Orte von den Rebellen in Flammen gesteckt worden. Die Mobilisierung der Regierungstr « p p e n wurde gestern beendet. Cipriano Castro, der Unermüdliche, der einst als Viehtreiber in den Pampas des ame- rikanischen Sikdens den Lasso schwang, der dann, ein Menschenalter später, zur Knute des Diktators langte und Venezuela unter die grausame Gewalt seiner harten braunen Faust beugte; Cipriano C a st r o, der Europa und der Nankee-Union getrotzt, Greuel und Verbrechen gehäuft und Tausende von Menschenleben seinem Haß und seinem Autokratenwahn geopfert hat, der schließlich dann, als der dumpfe Groll der Unterdrückten mit elementarer Gewalt zur Rache drängte, dem Schauplatz seiner Taten entfloh und, ein Ewig - Ruheloser, die alte und die neue Welt durchquerte: Er regt sich wieder! Regt sich mit der ungeschwächten Energie des Tatmenschen, dem erst die Gefahr den Kampf wert und köstlich macht, und droht, im Hexenkessel Amerikas einen Brand zu entfachen, dessen Flammen weit über Venezuelas Grenzen hinaus ins Land hineinzüngeln sollen. Cipriano Castro ist in des Juli letzten Tagen in dem venezolanischen Felsennest Coro gelandet, hat ein Abenteurer-Heer todverachtender Banditen um sich geschart und ist entschlossen, in raschem Siegcszug bis zur Hauptstadt des Landes vorzudringen, um die Herrschaft des Autokraten, die vor ein paar Jahren seiner Hand entglitten, zurückzuervbern. Sei's mit, sei's ohne Blutvergießen; sei's mit Schrecken oder verzeihender Milde!
Man erinnert sich: In Venezuela hatte sich gegen Don Cipriano Castro endlich die Gerechtigkeit ernrannt und Ende neunzehnhundertacht brach in Caracas ein Aufstand gegen den Diktator aus. Der Vizepräsident Gomez, dem Castro nach dem Leben getrachtet hatte, kam seinem Gegner zuvor, stürzte Castros Regierung, übernahm die Präsidentschaft und erklärte Castro für abgesetzt. Castro war gerade in Europa, um sich einer Operation zu unterziehen. Auf die Kunde von dem Geschehenen machte er sich sofort auf die Reise und kam in Martinique (Französisch-Westindien) an. Aber die französische Regierung wollte mit der braunen Exzellenz, gegen die heute noch in der amerikanischen Heimat ein Mordprozeß schwebt, nichts zu tun haben. Sie wies ihn aus: Mit Gewalt und unangefleidet wurde Castro an Bord eines Dampfers gebracht und abgeschoben. Der Zähe ließ sich jedoch nicht entmutigen: „Geht es heute nicht, so geht es morgen." Also nach Europa zurück! In der Welt wird's still von dem alten Abenteurer. Aber schon im Juni neunzehnhundertelf beginnt die Groteske von neuem: Ein geheimnisvolles Schiff, der „Konsul Grot- stück", erscheint vor Haiti. Es heißt, Herr Castro sei an Bord und wolle nach Venezuela. Diesmal ist's die amerikanische Regierung, die Castro das Spiel verdirbt. Ein paar Kriegsschiffe der Union machen sich auf die Jagd nach dem „Grotstück". Aber scheinbar ist Castro doch geschickter als seine Verfolger: Er landet angeblich mit zweitausend Mann am Marakaibosee auf venezolanischem Boden und soll auf Caracas marschieren. Plötzlich jedoch wird's abermals still: Cipriano Castro geht in Luft auf samt seinen getreuen Zweitausend. Wohin er verschwunden, wieso, und was aus seinen Truppen geworden: Niemand weiß es!
Und wieder wird's still. Aber der alte Fuchs lebt; lebt sogar sehr kräftig, trotz des Aergers. den ihm die Amerikaner zu Anfang neunzehnhundertdreizehn bereiteten, als sie ihn als „unerwünschten Einwanderer" nicht nach Newvork lasten wollten. Und als er, nach lan- FT Kuraufenthalt auf Ellis Island, endlich landen durfte, behandelte man ihn so grgutam, daß er noch um eine Nuance gelber wurde, als er schon war. Die übliche Pause ist nun wieder einmal abgelaufen. Castro, der Privatmann, ist nicht mehr; an seine Stelle ist Castro der Krieger, der Diktator und Napoleon, getreten. Drahtnachrichten melden daß es ihm gelungen sei, in Venezuela zu landen, die im Nordwesten des Landes an der Küste gelegne Stadt Coro zu erobern und einen „General" oder Gouverneur der Regierung auszuheben Wie weit die Operette diesmal gehen, oder ob ne tragisch enden und dem alten unruhigen
Freibeuter nun endlich sein Schicksal bereiten wird, steht dahin. Immerhin: Das Kapitel Castro ist eine nicht unangenehme Erheiterung in dem Ernst der andern Ereignisse einer sonst nicht ganz so operettenhaften Welt. Man muß sich diesen Konquistador nur vorstellen, um den
stellte die Polizei die Ordnung wieder her. Achtzehn Personen wurden bei den Zusammenstößen zwischen der Polizei und der Menge verletzt und neun andere wurden verhaftet
Am BsmbenS des Friedens?
Bulgarisch-rumänische Verständigung.
Die Verhandlungen der Bukarester Friedenskonferenz haben bis jetzt einen von der schönen geraden Linie der europäischen Erwartungen stark abweichenden Verlauf genommen. Zunächst wurde von allen Seiten dem Verlangen eines W a f f e n st i l l st a n d e s mit einer Bereitwilligkeit zugestimmt, die keineswegs der seither zutage getretenen Uneinigkeit entsprach. Dann ließen die von den Verbündeten an Bulgarien gestellten Forderungen erkennen, daß von einer Mäßigung der Ansprüche, wie man sie in Aussicht gestellt hatte, gar keine Rede sein konnte. Bulgariens Gegenforderungen schlugen infolgedessen auch gänzlich auf die andere Seite hinüber, indem sie eine Grenzfestlegung verlangten, die der veränderten Lage kaum entsprechen dürfte. Während sich hier Gegensätze ergeben haben, die trotz der offensichtlich beabsichtigten Uebertreibung einer Ueberbrückung dringend bedürfen, ist wider alles Erwarten eine von den Gesamtverhand- lungcu getrennte Einigung zwischen Bulgarien und Rumänien erfolgt, die man als vollständig und endgiltig bezeich- men darf:
Bukarest, 4. August.
Die gestrige Soudorberatung der Rumänen und Bulgaren führte zu einem vollständigen Einvernehmen zwischen den beiden Mächten. Die neue rumänische Dobrudschagrenze steht fest. Heute findet von zehn Ahr vormittags an eine neue Konferenz statt, auf der wahrscheinlich der Waffenstillstand verlängert werden wird.
ganzen Humor der Situationen zu erfassen. Der „General" ist ein winziger Zwerg, fünf Fuß hoch, mit südlichem Teint, kurz geschornem Bart und einem Schmerbäuchlein. Als er in Ellis Island söstsaß, bedeckte von Morgen bis Abend eine goldgestickte Phantasiekappe sein würdiges Haupt; seine Füße steckten in goldgestickten Pantoffeln, auf denen er ruhelos hin und her klapperte, und feine Tätigkeit bestand darin, in spanischen Fluch-Tiraden Gott und die Welt zu lästern. Aber fein Stern scheint noch nicht erloschen: Die Landung in Coro ist der Beginn eines neuen Aktes in dieser düsteren Autokraten-Groteske, und wenn ihm diesmal das Schicksal freundlicher lächelt, sehen wir vielleicht in des nahen Herbstes Tagen den Abenteurer abermals auf Venezuelas Präsidentenstuhl. Der Viehtreiber als „Amerikas Napoleon": Ein Schauspiel für Götter und ein grausamer Hohn auf Ordnung und Kultur in jener Sphäre, die diesen finstern Autokraten zur Macht emportrug ...! F. H.
Vor einer neuen Revolution?
(Privat-Telegram m.)
Newhork, 4. August.
Expräsident Castro hat von Coro aus eine Proklamation erlassen, in der er in den schärfsten Worten den Krieg an den jetzigen Präsidenten von Venezuela, Gomez, erklärt Er sagt, die Uebernahme der Regierung durch "General Gomez sei eine wahre Katastrophe für Venezuela gewesen; der General trage das Zeichen der Verräterei auf der Stirn Venezuela habe ihn (Castro) um Hilfe angerufen, und er, ein Sklave der Ehre und der Pflicht, habe nicht gezögert, dem Hilferuf zu folgen Weiter sagt er, es heiße für ihn, Venezuela der Anarchie zu entreißen und mit der Hilfe von befreundeten Mächten aus der Grundlage der Gerechtigkeit Venezuela die Segnungen der Kultur und der Z i v il i sa t i o n wieder zu geben. Zu diesem Zweck rufe er die Bürger Venezuelas zu den Waffen. Es bestätigt sich, daß Coro von den Leuten Castros genom- m e n wurde und daß man den dortigen Gou- vemeur zum Gefangenen machte Die gegen- wärttge Regierung fammelt die Mannschaften zu einer großen Truppenmacht, um Castro gleich in der ersten Schlacht zu erdrücken In amerikanischen Regierungskreisen verlautet, daß Castro alle Vorbereitungen zu der neuen Revolution traf, als er sich noch in den Vereinigten Staaten aufhielt. Man will Beweise dafür haben, daß er Waffen und Munition für seine Anhänger in Venezuela von New- Orleans aus ab gesandt hat. Castto selbst hat sich bei seiner Abreise als italienischer Auswanderer ausgegeben und dadurch die ameri- kantschen Beamten getäuscht. Präsident Gomez hat der Regierung der Vereinigten Staaten mitgeteilt, daß die ganze venezuelanische Ratton zu ihm halte.
Ci» Gouverneur als Raubmörder?
Newyork, 4. August. (Prrvat-Tele- gramm.) Der frühere Gouverneur des Staates Camveachp in Mexiko, Britto, wurde auf Veranlassung der mexikanischen Regierung wegen Raubmordes in New-Orleans verhaftet. Nach der Verhaftung stellte sich heraus, daß Britto zwei Beamte des amerikanischen Justizdepartements zu dem Zwecke bestochen hatte, daß sie ihn in Freiheit lassen oder ihm einen Wink geben würden, falls ein Verhafts- befehl gegen ihn erlassen werde. Jeder Beamte hatte 500 Dollars von Britto erhalten. Die bestochenen Beamten wurden ebenfalls verhaftet.
Krawall-Sonntag in Prag.
Kampf der Slave« gegen die Germanen.
Die Tschechen in Prag haben wieder einmal eine „Heldentat" vollbracht: Gestern vormittag fand in Prag eine Protest Versammlung der Tschechisch-radikalen Partei gegen die Landesverwaltungs-Kommission statt, und bei dieser Gelegenheit kam es zu wflden Exzessen:
Prag, 4. August.
Vor dem deutschen Konsulat hielt gestern der ffchechische Abgeordnete S o b o t k a eine aufteizende Rede, in der er erklärte, die Landesverwaltungskommission fei nur eine Episode in dem Kampf zwischen Germanentum und Slaventum, von dem zu sprechen jüngst der oberste Beamte des Deutschen Reiches die Kühnheit hatte. Hier unter den Fenstern des deutschen Konsulats kündigt das Slaventum den Kampf an. Als der Redner mit diesen Wotten den Regie» rungsvertreter unterbrach, erschollen wüste Pfuirufe, und die Menge drohte mit Stöcken
London, 4. August.
Der Bukarester Korrespondent des Daily Telegraph meldet seinem Blatte, datz aller Voraussicht nach der Friedensvertrag am Dienstag unterzeichnet werden wird. Die Friedensdelegierten werden darauf dem Könige von Rumänien in Sinaia einen Besuch abstatten und dann das Land verlassen. .
Die offiziöse Norddeutsche Allgemeine Zeitung widmet in ihrer Wochen-Rundschau den Friedensverhandlungen in Bukarest folgende Randbemerkungen: Die Schwierigkeiten dieser diplomatischen Verständigungsarbeit werden nicht unterschätzt. Man darf aber nach dem Bisherigen das Vertrauen haben, daß die Konferenz ihr Z iel erreichen und zu Ergebnissen führen wird, denen die Großmächte zustimmen können. In der Frage der Zukunft Adrianopels ist eine schärfere Zuspitzung vermieden worden. Die dauernde Wiederbesetzung Adrianopels würde den Anlaß zu einem neuen Waffen- gang zwischen der Türkei und dem an seiner Zukunft nicht verzweifelnden Bulgarien fort- bestehen lallen. Sie würde ein Hindernis für die von beiden gewünschte gute Nachbarschaft lein. Sie würde die Türkei zu unablässigen Militärischen Anstrengungen tn Thrazien und, für solche Zwecke, zum Verbrauch von Mitteln zwingen, die das osmanische Reich, mit mehr Nutzen für seine Zukunst, anderen Aufgaben zuwenden könnte.
Deutschland gegen Rußland?
Paris, 4. August. (Privat-Tele- gramm.) Der deutsche Botschafter in Konstantinopel, Freiherr von Wangenheim, hat (nach einer Meldung des Echo de Paris) den Großwesir davon in Kenntnis gesetzt, datz Deutschland niemals eine Besetzung türkischen Gebietes, selbst im enffernten Kleinasien, durch Rutz land zugeben würde. Die Erflärung der deuffchen Regierung (über die offiziell allerdings eine Nachricht noch nicht vorliegt) hat auf der Pforte den besten Eindruck gemacht.
Der neueste Schritt der Machte.
Konstantinopel, 4. August. (Pri- Vat-Telegramm.) Nachdem hier die Instruktionen der Großmächte für ihre Botschafter eingetroffen find, wird der neueste Schritt d e r M ä ch t e bei der Pforte noch heute erfolgen. Wie verlautet, werden die Vorstellungen in freundschaftlicher Form gemacht werden. Man wird der Türkei gewichtige Kompensattonen für die Abtretung Adrianopels anbieten, die in der Hauptsache in Grenzberichtigungen bestehen. Von einem g e - waltsamen Vorgehen wollen die Mächte zunächst absehen.
Verlängerung der Waffenruhe!
. . ~ .. . . — ------- Wien, 4. August. (Privat-Tele-
geaen die erntet des Konsulats. Schließlich gramm.) Nach hier einaetroffeneu Meldun
gen aus Bukarest wird bestimmt versichert, datz der W a f f e n st i l l st a n d in der heutigen Sitzung der Friedenskonferenz auf weitere drei Tageverlängert wird. Die bulga- rische Regierung soll bereit sein, der Türkei eine Verbesserung der Grenzlinie Enos-Midia zuz«. gestehen. Ferner wird bekannt, datz Bulgarien Anlehnung andieTürkei suche, da eine neue Annäherung an Serbien ausgeschlossen sei.
Sinter dm Kulissen.
Als der Reichskanzler zurücktreten wolltet Aus der Geschichte der Milliarden-Deckung.
In diesen Wochen erlebt man die wenig erfreuliche zweite Auflage eines Schauspiels, das man schon im Jahre 1909 nach der Reichs- Finanzreform einmal kennen lernte. Die parlamentarischen Kämpfe um die Deckung des Neichsdefizits waren nur das Vorspiel zu stürmischen Kämpfen, die einsetzten, als die Reichs-Finanzreform erledigt war. Ebenso streitet man sich diesmal, wer bei der Bewilligung der Neurüstungen den stärkeren Patriotismus bewies: Die Konservativen, die „zum Schutz des Neichsgedankens" so reserviert blieben, oder die Andern, die „zum Schutz des Reichs" so bewilligungsfreudig waren. Das sind nachträglich allerdings nur theoretische Angelegenheiten: Eine Einzelheit aber, die die Debatte jetzt ans Licht gebracht hat, verdient doch festgehalten zu werden, weil sie in mehr als einer Hinsicht charakteristisch ist.
Kanzler und Bundesrat.
(Von unferm Berliner W. X.-Mitarbeiter.) Berlin, 4. August.
Im „Tag" hat soeben der bekannte freikonservative Abgeordnete Dr. Ahrendt einen Artikel „Die deutschen Reichskanzler" veröffentlicht, in dem er zu der Ueberzeuguug kommt, daß Herr von Bethmann Hollweg im Gegensatz zu dem Mangel an Popularität, der seine Kanzlerschaft auszeichnet, doch „der schlechte st e nicht" ist. Wenn man Herrn von Bethmann Hollweg nachsage, er habe kein eigenes Gesicht, sondern sei im politischen Leben immer nur der Geführte, so sei das verfehlt. Gerade im Kamps um die Deckung der Heeres-Milliarden sei Herr von Bethmann der Führer gewesen. Die Deckungsvorlage sei s o geworden, wie sie der Reichskanzler von Anfang an wollte. Nun ist noch in aller Erinnerung, daß der Reichstag die Regierungsvorlage für das Milliarden- Opfer beinah anfden Kopf gestellt hat. Wie man da von einer „Führung" des Reichskanzlers reden will, ist scheinbar schwierig. Aber diesen Widerspruch scheint nun Dr. Ahrendt aufklären zu können: Die Regierungsvorlage, die Herr von Bethmann Hollweg dem Reichstag vorlegte, war gar
nicht das Werk des Kanzlers, sie war ihm vielmehr vom Bundesrat gegen seinen Willen aufgezwungen worden, nachdem Herr von Bethmann Hollweg vorher dem Bundesrat die Deckung der Rüstungsausgaben (insbesondere die Reichsvermögenszu- wachssteuer) vorgeschlagen hatte, wie sie schließlich vom Reichstag angenommen wurde. Damit stieß aber der Kanzler im Bundesrat auf den stärksten W i d e r s p r u ch, auf einen Widerspruch, der s o stark war, daß Herr von Bethmann seinen Rücktritt in Erwä. gung zog. Und dieser Rücktritt wäre Tat. fache geworden, wenn nicht Freiherr von Hertling, der bayerische Ministerpräsident, vermittelnd eingcgriffen und ein Kompromiß zustande gebracht hätte, das als Regierungsvorlage dem Reichstag zu überweisen Herr von Bethmann sich schließlich auch entschloß. Wobei er dann die Genugtuung erlebte, daß der Reichstag diese Regierungsvorlage Über den Haufen warf und die ursprünglich vom Reichskanzler geplante Reichsvermögenszuwachssteuer auf den Schild zu heben ..,
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Was ist nun Wahrheit?
Unser Berliner W. X.-Mitarbeiter bemerkt aufgrund von Informationen aus zuverlässigster Quelle, daß die Mitteilungen Dr. Arendts bezüglich der Vorgänge hinter den Kulissen der Deckungs-Verhandlungen in allen Punkten der Wirklichkeit entsprechen. Man kann sich nun also erklären, warum der Kanzler im Reichstag die Regierungsvorlage so wenig vetteidigt hat. (Von konservativer Seite ist ihm ja auch vorgeworfen, daß er sich „einer zu großen Passivität befleißige".) Die Regierungsvorlage entsprach eben wirklich nicht seinen Ideen. Ist nun der Kanzler ein „Mann des weichen Rückgrats", der sich vom Bundesrat gegen seine Ueberzeugung eine Regierungsvorlage aufzwingen läßt? Oder ist er der „überragende Kopf", der weitsichtig in die Zukunft schaut, und der dem Bundesrat nur seinen Willen tat. weil er wußte, daß schließ-