Nr. 202.
Dritter Jahrgang.
(Mler Neueste NaWtkn
2. Beilage.
Sonntag, Z. Augnst 1913,
ersticken . . . nochmals Kind, überlege es Dir! Mer Mann ist, ist doch etwas anderes. Sie waren, gingen wir hinein.
Was befehlen die
Das alte Lied
4)
i
Thea Moeller. *
Cassel, Ende Juli.
welch« zarte, weiße Haut und blendend schönen Teint «r-
Nun war sie verlobt mit ihm. Ungeheures Staunen hatte dies hervorgerufen, Kopfschütteln und . . . Neid! . . . Aber unbekümmert darum, schritt sie hocherhobenen Hauptes ihren Weg. „Wie stolz und hochmütig sie geworden/ zischelte es um sie her. Aber was ging sie das an? Zahllos waren die Glückwünsche gewesen, die sie bekommen . . . Schulfreundinnen, von denen sie nicht mehr beachtet worden war, weil diese sich bester dünkten, als die arme Pfarrerstochter, hatten sich zu ihr gedrängt . . . aber sie hatte sie alle abfallen lasten. Nicht aus Hochmut, nein ... sie war aber klug genug, zu sehen, wie es gemeint war, wem es galt, nicht Regina Hartmann, sondern der zukünftigen Gräfin Rodenberg. Und der Diakonus, wie er sie anschaute ... sie konnte deutlich in seinen Augen lesen: Nun doch ohne Liebe! Aber freilich, ein Graf, und wenn es auch ein
fühlte sich froh und glücklich . . . und ihr Verlobter trug sie auf Händen. Jeden Wunsch las er ihr von den Augen ab, und kein Tag verging, an dem er sie nicht mit einem kostbaren Geschenk überraschte . . . nichts war ihm gut genug für seine schöne Braut, die er fast mit wahnsinniger Zärtlichkeit liebte. Und das war das Einzige, was sie manchmal mit Bangen erfüllte. Bei dem Verlobungskuß, den er mit
Im Interesse der Bermeidung von Set« zögerungen bitten wir, Zusendungen an di« Redaktion nicht unter der Adresse eines Re- dakteurS, sondern nur „An die Redaktion bet Casseler Neuesten Nachrichten" aufzuliefern.
Die Berufe der Königinnen.
Wenn alle Königinnen plötzlich ihre Kronen verlören, womit würden sie dann ihr Brot verdienen? Auf diese etwas eigeniämliche Frage kann man folgendes antworten: Die Königin der Belgier, Elisabeth, die Tochter des als Augenarzt berühmt gewordenen Herzogs Karl Theodor von Bayern, ist Dr. med., und in Brüssel Leiterin eines Krankenhauses, in dem sie Verwundete verbindet und Krankenpflegerinnen ausbildet. Sie würde also nicht mit Nahrungssorgen zu kämpfen haben, und sollte es wider Erwarten mit der Aerztekunst nicht gehen, so wird sie auch als gute Musikerin eine Anstellung finden oder doch wenigstens als ausgezeichnete Automobillenkerin, die ihr Auto sogar selbst reparieren kann. Die Königin von Rumänien wird unter ihrem so berühmt gewordenen Pseudonym Carmen Sylva weiter als Dichterin und temperamentvolle Schriftstellerin tätig sein und hohe Honorare erhalten. Sollte sie einen anderen Erwerb vorziehen, dann könnte sie in vielen Sprachen unterrichten, die sie beherrscht, auch könnte sie Schülerinnen im Klavierspiel und in der Stenographie aus- b'lden. Die Königin Mary von England wäre vor die schwierige Wahl gestellt, ob sie ihr Talent als Aquarellistin, als Sängerin, als Schneiderin oder als tüchtige Gutsverwalterin ansnützen wollte. Viele große Varietees würden sich finden, die der Königin von Italien ein Honorar von 10 000 Mark die Woche böten, wenn sie sich vor dem Publikum als nie fehlender Schütze mit deut Karabiner, oder gar als Taucherin, die die verwegensten Schwimmkünste ausführt, sehen lassen würde. Die Königin von Holland malt Miniaturen, die auf Ausstellunaeir großen Beifall gefunden haben. Die Königin Maud von Norwegen hat unter dem Namen Graham Irving als dramatische Dichterin Erfolge erzielt; sie kann außerdem noch Bücher binden, malen, Hüte machen und Spitzen klöppeln. Für jede der gekrönten Frauen fände sich jedenfalls ein Beruf, in dem sie ihr Brot verdienen könnten.
den. Aehfternunhn Tih wird eben nur von Herrsckasten getrunken, mein Herr." „Soso?" sagte ich und die Galle floß mir über, „dann bringen Sie mir einen gewöhnlichen Tee, Sie jolly Aehfternunhn Tih fellow. Ferner mache ick Sie darauf aufmerksam, daß Aehfternunhn eine amerikanische Dialektverhunzung des englischen Wortes Asternuhn ist, und daß wir den Tih und den reellen Wein zu zivilen Preisen möglichst quick haben wollen, weil wir heute noch einen kong way durch den Black Wood machen müssen, Sie gesegnetes Exemplar von einem German watter."
Roman von Fr. Lehne.
(Nachdruck verboten.)
Die Vögel singen so lieblich all',
Das Bächlein springt lustig plätschernd zu Tal, In den Wipfeln der Bäume flüstert der Wind, Und sacht mich sein Säuseln in Träume einspinnt ...!
Herren?" „Hm, ich will einen Viertel „Weißen"." „Und mir geben Sie Tee, bitte." „Sehr wohl, Tee .oder Aehfternuhn Tih?" „Oder was?" „Aehbfternuuhn Tiih, mein Herr." „Was ist das?" „Aehfternuhn Tih ist Aehstrr- nuhn Tih, mein Herr." „Wie schaut's denn aus?" „Sollten der Herr noch nie Aehfternunhn Tih getrunken haben?" Mitleid und Verachtung klingen in der Frage. „Ich habe wohl schon Tee getrunken, aber ..." „Das ist fast dasselbe mein Herr, nur ..." Er stockte. „Rur?" half ich weiter. „Nur der Preis ist verschie-
flm Waldksrsnd...!
Am Waldesrande, im kühlen Schatten, Zu den Füßen die bunten Matten, Fern ab von der Großstadt Trubel und Hast, Da halt ich so gerne ein Weilchen Rast.
Auf schwellendem Moospolster streck' ich mich hin, Ihr schwarzen Sorgen, verlaßt nun den Sinn! Hierher dürft ihr mir folgen nicht, „ ,
Hier wohnen die Freiheit, die Freude, das Licht!
beete Liliexxmilchseff•* v.Bergmann & Co., RadebeuL ■ M Sick. 50 Pf. überall zu haben.
Ferner macht Cream „Varia ' rote und spröde Haut weiß u. eammetweich. Tube 50 PL
Reginas Vater war ganz fassungslos, als er das Schreiben erhielt. Wieder und wieder mußte er es durchlesen. Nein, daran hatte er nicht gedacht; er hatte sogar einige schüchterne Andeutungen seiner Frau zurückgewiesen als lächerlich, unmöglich . . . und da stand es doch schwarz auf weiß. Es war ihm ja ein Unding, das junge Mädchen und jener Mann, der ihr Großvater sein konnte. Mit dem offenen Schreiben in der Hand ging er in das Wohnzimmer, in welchem Frau und Tochter damit beschäftigt waren, Wäsche auszubestern.
„Was bringst Du, Väterchen? Du siehst so erregt aus. Doch nichts Unangenehmes?" rief ihm erstere entgegen.
Da, lies selbst, Luise," brachte er mühsam heraus, ihr den Bries gebend, „und was sehe ich? Du stopfst? Du sollst das doch nicht tun."
„Ein wenig geht es schon, Vating . . . nun, aber ich bin gespannt . . . wie? Ist es möglich? O Gott, wirflich möglich?"
Und beinahe ebenso fassungslos wie ihr Mann beim Empfang der Zeilen, war auch sie. Staunend blickte sie auf die Tochter, der ein solch wunderbares Glück erblühen sollte.
„Was habt Mr nur . . . warum seht Ihr mich so «:?" sagte Regina verwundert, „hab ich denn etwas verbrochen, daß ich bei Euch an- tzeklagt werde?"
„Nein, mein Kind," antwortete ihr Vater, „nichts dergleichen, nur, daß in diesem Briese Gras Rodenberg um Deine Hand anhält."
„Ah," sie holte tief Atem; ihr schönes Gesicht blieb ruhig, und keine Erregung Nang durch ihre Stimme, als sie fragte: „Und Du, Vater ... Du wirst doch Deine Einwilligung geben, wenn ich - . •"
„Um Gott, Kind," rief er beinahe enft-tzt. Du denkst doch nicht etwa daran, den Antrag cnzunehmen?"
Sie nahm das Briefblatt, las es langsam durch und sagte dann ruhig:
„Warum nicht? Er schreibt doch so vertrauenerweckend, warum sollte ich nicht?"
„Mein Kind, ich erkenne Dich nicht wieder! Meine sonst so klug und vernünftig beitfenbc Reni läßt sich durch den Glanz des Goldes blenden und bedenkt nicht,^daß zum Glück einer Ehe gegenseitige Liebe die Hauptbedingung ist. Das hast Du doch selbst vor nicht allzu langer Zeit gesagt . . . wie? Oder weißt Du das nicht mehr?" _
„O gewiß," versetzte sie mit einem le:1 en Anflug von Trotz in der Stimme, „gewiß! Ich sagte aber doch, daß ich einen armen Mann ohne Liebe nicht heiraten würde . . . wohl aber einen sehr reichen . . . und das bietet sich mir jetzt!"
„Ohne Liebe! Kind, Du weißt ja nicht, was es bedeutet, ohne Liebe! . . Regina, für so berechnend und materiell hätte ich Dich nicht gehalten ... ich habe Dich wirklich nicht so erzogen, daß Du einen solchen Altersunterschied, wir er in diesem Falle besteht, so gänzlich übersehen kannst! ... Du hast kein Herz, wenn Du in dieser wichtigen Frage so nüchtern vorgehen kannst!"
Und traurig schüttelte er den Kopf.
„Da bist Du im Irrtum, lieber Vater . . . ich und kein Herz haben! . . . Aber siehst Du. ich bin so kebensdurstig ... ich möchte so viel sehen von der schönen Welt . - . und möchte so viel Gutes tun ... an Euch, an allen Men- schm, und das könnte ich doch bann. Karl lönnte Offizier werden, wie er so gern möchte."
„Bitte, Kind, wenn Du etwa denkst, Dich aus falscher Kindesliebe zu opfern. . ."
„Opfern, Vater?" fiel sie ihm in die Rede, „opfern? Ich denk' nicht daran! Es ist mein freier Wille! Ich achte und verehre den Grafen, und wenn er auch so viel älter ist als ich, das schadet nichts; deshalb werde ich doch feine Frau. Ich glaube nicht, daß ich das jemals zu bereue» habe. Ich habe bann Euch hier . . . das wird doch herrlich sein, nicht wahr, Mut- ting?"
Und sie beugte sich zu dieser, die wahrend der ganzen Zeit stumm dagesessen hatte . . . so war sie erfüllt von all' dem.
„Regina, Kind, wie soll ich es Dir denn klar machen, daß es nicht zu Deinem Besten ist, daß ich Dir abrate von jener Heirat. Nein, ich kann es nicht zugeben, daß Du ... so jung ... es ist wider die Natur."
Und aufgeregt ging der Pfarrer im Zimmer auf und ab.
„Warum, Vater? Sei nur gut und fage ja! Du siehst doch, wie ich mich daraus freue. . .' „Ja leider, Du unerfahrenes, törichtes Kind! Tu kannst ja nicht ahnen, was es heißt, verheiratet zu fein! Immer an einen gleichgültigen Menfchen gekettet zu fein, während das Hetz nach Liebe schreit . . . und jene Stunde wird auch Dir kommen ... sie kommt jedem, auch dem blasiertesten Menschen. Denn Liebe könntest Du doch unmöglich für Deinen alternden Gemahl empfinden ... dann hilft kein Gold, kein Rang, den Schrei des kranken Herzens zu
Kleine Rundschau.
Der „Afternoon le»".
Wies dem Wanderer im deutschen Schwarzwald gehen kann, illustriert sehr drollig folgen« de kleine Plauderei: Wir sind durch den Schwarzwald gewandert. Solche Tannen, solche Bäche hat nur der deutsche Schwarzwald, denkt man sich beim Wandern. Aus einmal stand ein Gasthaus da. Sauber und frisch war es an« zuschauen. Und über dem Eingang war ein Schild, ein Schild mit dicken Goldhuchstaben: „Reelle Weine zu zivilen Preisen, Bier, Kaffee, Milch, Tee, Afternoon Tea." Müde, wie wir
brennenden Lippen auf ihren roten Mund gedrückt hone, war sie bis ins Innerste zusam- mengeschauert, und der Gedanke war ihr gekommen Wird das immer so sein?
Würde sie dasselbe Gefühl haben, wenn jener hübsche, brünette Offizier sie geküßt hätte? Aber weit wies sie das weg; dennoch war sie erfinderisch im Aufsuchen von Gelegenheiten, nicht mit dem Verlobten allein zu sein, um seine Liebkosungen nicht erdulden zu müssen, die ihr peinlich waren.
Einmal fragte er sie:
„Mein süßes Herz, sag', liebst Du mich denn? Du bist so kühl, während ich . . ."
„Ja, Adalbert," sagte sie, „ich bin Dir von Herzen gut und so dankbar!"
„Dankbarkeit will ich nicht, Renöe, ich will Deine Liebe! Mir genügt nicht bloß das Gutsein."
„Dann weiß ich nicht, was Du willst. . ." „Du bist zu kalt. . ."
„Das ist meine Natur, Adalbert, dagegen kann ich nicht. . . „Undine" sagt man öfter zu mir."
„Nicht einmal hast Du mich geküßt," sagte er mit leisem Vorwurf in der Stimme. „Du hast gewiß einen andern lieb ... ja, bestimmt, das wird es sein," fuhr er lebhafter fort, wie von einem Gedanken erfaßt. Groß und ruhig sah sie ihn da an.
„Wenn das der Fall wäre, Adalbert," entgegnete sie auf feine Worte, „bann würbe ich Dir mein Wort nicht gegeben haben. Mein Herz ist frei ur.b nun bitte, quäle mich nicht mit unbegründeter Eifersucht; das könnte ich niemals vertragen."
Er schwieg daraufhin, nahm sich aber vor, die Hochzeit fo viel wie möglich zu beschleunigen, damit feine Reuse, wie er sie mit Vorliebe nannte, eublich ganz fein war. Unb mit diesem Vorschlag stieß er auch auf keinen Wi- derfpruch. Besonders der Pastorin war es lieb, da sie sich durch den vornehmen Schwiegersohn doch etwas gedrückt sühlte. Regina war ebenfalls damit einverstanden, denn der Brautstand bereitete ihr doch Unbehagen, ohne daß sie es sich selbst eingestehen wollte. Graf Rodenberg wollte feiner Frau den Rhein zeigen; den Winter beabsichtigte er in Rom zuzu- bringen, was bei Regina große Freude hervorrief. Denn es war ja immer ihr höchster Wunsch gewesen, zu reifen, die Welt kennen zu lernen. Und all dieses Gute wurde ihr durch den Mann an ihrer Seite geboten.
Fast wie Rührung überkam es sie, als sie sah. wie bei ihrer sichtlichen Freude es wie Sonnenschein über sein Gesicht flog. Er war doch so gut, und im Stillen gelobte sie sich, ihm ein treues, liebevolles Weib zu sein.
So verging die Zeit wie im Fluge, und der Hochzeitstag war herangekommen.
Regina war eine schöne, imposante Braut, unb die Kirche saßte die Zahl der Zuschauer nicht, die gekommen waren, zu sehen, wie Pastor Hartmann seine Tochter mit dem alten Grasen Rodenberg vermählte. Gar köstliche, eindringliche Worte waren es, die er sprach, zuweilen so von innerer Bewegung ergriffen, daß er kaum weiter reden konnte ... es wurde ihm ja so unsagbar schwer, die geliebte Tochter fortzugeben, die da vor ihm stand, so stolz und doch so demütig, deren tränengefüllten Augen an feinen Lippen hingen.
Dann kam der Abschied. Regina hatte nicht gedacht, daß es ihr so schwer werden würde, vom Elternhause fortzugehen. Schluchzend hing sie am Halse des Vaters, der Mutter; sie konnte sich nicht trennen, bis ihr Gatte sie leise daran erinnerte, daß es Zeit sei. Unb ba hatte tibr Vater gesehen, daß sie doch ein Herz hatte, eine liebevolles, zärtliches Herz . . . nur für ihren Gatten nicht, dem sie immer gleich freundlich und herzlich . . . aber doch kühl gegenüber war. . . . Die unbewußte egoistische Abneigung der Jugend gegen alles, was alt war. . . . Aus tiefbewegtem Herzen tiefen die Eltern den Scheidenden einen letzten Gruß und einen letzten Glückwunsch nach.
(Fortsetzung folgt.)
Ich kenne Dich!"
Regina war doch nachdenklich geworden bei des Vaters eindringlichen Worten. Er hatte wohl Recht. Aber so oder so. War sie nicht verheiratet, würde sie da nicht auch Sehnsucht nack einem anderen gleichsühlenden Herzen haben? Dann war sie entschieden schlimmer dran!
„Ich weiß alles, Vater. Mein Entschluß steht unwiderruflich fest. Ich habe mir alles überlegt. Schreibe ihm, daß er uns willkommen fehl soll."
Sie hängte sich an feinen Hals, da sie sah, wie seine Augen feucht wurden.
„Vater, noch bin ich ja bei Euch," flüsterte sie in fein Ohr, „Euch hab' ich doch so lieb, daß ich einen andern gar nicht noch lieber haben kann!"
Wie ihn das berührte! Welche Braut hatte wohl solche Worte! O, wie viel lieber, wenn auch noch so schmerzlich, wäre es ihm gewesen, hätte er aehört:
„Vater, gib ihn mir, ich hab' ihn ja so lieb, daß ich ohne ihn sterben müßte!"
Wie anders hatte er es sich doch für fein heiß geliebtes Kind gedacht! So ging sie dahin, einem Leben voller Glanz und Reichtum entgegen . . . mit einem alternden Gatten, das junge Weib unbewußt des Opfers, das sie bringen würde. . . . Regina war sein Kind, ein Stück seines heiß empfindenden Herzens. Er kannte sie und fürchtete darum fs:r sie, und deshalb sagte er nochmals:
„Laß ab, mein Kind, laß ab von Deinem Vorhaben' Es ist eitel Trug, fein Glück kann Dir erblühen!"
„Es ist mein fester Wille, Vater; ich bin mir vollständig klar!"
„Nun denn, . . . aber sag' mir zuvor, Du weißt keinen, der Dir vor allen wohlgefällt, an den Du denkst?"
Lächelnd schüttelte sie den blonden Kopf.
„Nein, Vater, niemand! Mein Herz ist frei." „Gut, bann werde ich, wenn auch schweren Herzens, zusagen. Unb Du, Regina, wirst ihm eine treue Gattin sein."
Da sah sie auf, betroffen von dem ernsten Ton.
„Vater," sagte sie bann plötzlich, „Vater... unb wenn boch bie Liebe einmal kommen sollte, bie Liebe zu einem anberen Manne?"
„Dann bete zu Gott, mein Kiub, baß er diesen Kelch an Dir vorübergehen lasse und Dich wiederum auf den rechten Weg führe. Doch eine ehrliche, treue Frau darf solche Gedanken gar nicht in sich aufkommen lassen. Du hast es so gewollt und darfst weder nach rechts noch nach links blicken."
„Wie kam ich nur auf diese törichte Frage? Nein, Vater. . .," sie umschlang beide Eltern, „einmal soll es ja doch fein, daß ich von Euch gehe ... und ich bekomme es doch so gut! Also freut Euch mit mir! Ich bleibe ja in Eurer Nähe! Schreibe ihm gleich!"
Der Pfarrer faßte ihre beiden. Hände und sah tief in die leuchtenden Augen.
„Wie Du willst, mein Kind! Möge es Dir zum Segen gereichen!"
Regina war allein. Sie fah die schöne, herrliche Villa, sich darin als Herrscherin . . . und daneben den alten Gatten. Ihr Lieblingslied fiel ihr ein . . . das vom alten König und dem jungen Pagen .* . . bah, man war nicht mehr im Mittelalter ... sie würde fchon glücklich werden, ganz gewiß. Und ein fester Zug grub sich um ihre feinen Lippen. Sie wollte ihre Jugend und Schönheit nicht in unnützer Sentimentalität vertrauern, bis der rechte kommt. Wer sollte dies sein? Vielleicht jener schöne, brünette Offizier, den sie fchon einmal hatte zu- rechtweisen müssen, weil seine Bewunderung gar so aufdringlich war? Er gefiel ihr trotzdem gut. .. aber er hatte kein Geld und keinen Namen . . . „Maria Regina, Exzellenz, Gräfin Rodenberg," sagte sie da ganz laut mit einem triumphierenden Lächeln, „wie schön das klingt, wie stolz und vornehm! Ja, ich wills!" Und ihre hohe Gestalt reckte sich, als ob sie schon jene Stellung inne hätte!
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