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Casseler Abendzeitung

Hesfische Abendzeitung

Nummer 201

Sonnabend, 2. August 1913

Fernsprecher 951 und 952.

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3. Jahrgang.

will und w e r etwas will.

Die Redaktion.

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~ie Casseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der AbonnemenlSxreiS beträgt monatlich M Pfg. bet freier Zustellung ins Haud. Bestellungen werden jederzeit von der ÄeschästSstells oder den Boten sntgogengenommen. Druckerei, Berlag und Redaltton: Schlachthojftraßs 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bis 8 Uhr abends. Sprechstunden der Auskunft - Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bis 8 Uhr abends. Berliner Bertretung: SW, Friedrtchstr. 18, Telephon: Amt Moritzplatz 12584.

Peinlichstes Aufsehen erregt, da es jetzt das dritte Mal gewesen ist, daß sich in Nancy deutsch-feindliche Ausschreitungen ereignet ha­ben. Der Attentäter Schögel, von dem in den amtlichen Berichten gesagt wird, er sei an dem fraglichen Tage völlig betrunken gewesen, ist als fanatischer Deutschenhasser ^bekannt und gilt als gewalttätig und rücksichts­los. Seine Verurteilung zu zehn Tagen Ge­fängnis wird von der Pariser Preffe mit gro­ßer Befriedigung registriert und gleichzeitig wird die Forderung erhoben, daß die Polizei von Nancy den Chauvinisten größere Aufmerk­samkeit zuwendcn muffe, um die Wiederholung derartiger Vorfälle zu verhüten.

Flucht zurückgezogen habe. Einzelne bulga« rische Truppenteile seien vollständig auf- gerisben worden und die Griechen hätten einen Erfolg errungen, der sicherlich nicht ohne Einfluß auf die Friedcnsverhandlungen blei« ben werde.

Wirtz mm Friede werden?

Waffenstillstand und Kriegsgefahr.

Die Abgrenzung des Waffenstillstän­de s am Balkan auf fünf Tage bedeutet einen neuen Druck auf Bulgarien, sich den Friedcnsbedingungen seiner Gegner zu fügen. Der Entschluß, die Waffen niederzulegen, ist noch zur rechten Zeit gekommen, um einen Konflikt zwischen Rumänien und Serbien zu verhindern. Denn wie man in Berliner maßgebenden Kreisen bestimmt wissen will, waren die Rumänen entschloffen, das Ge­biet von Widin auch gegen den Widerspruch der Serben zu besetzen, weil sie selbst Anspruch auf dieses Gebiet erheben. Daß die Friedens­verhandlungen in Bukarest so glatt zu Ende geführt werden, wie sie anscheinend begonnen haben, glaubt man in Berliner divlomattschen Kreisen nicht, sondern macht sich au? eine Reihe von Schwierigkeiten gefaßt, bei denen sich ein Gegensatz zwischen Bulgarien und Rumänien und den übrigen Kongreßteil- nehinern ergeben dürfte. Die neuesten De­peschen melden:

Jns-rlionspreije: Die Ischsgespolt-ns Seile kür einheimische Geschäft« 15 Pfg., für aus. »artige Inserate 25 «Bf, Nekkamezeile für einheimische Geschäfte 43 Pf, für auswärtig« Seichatte M Pf. Einfache Beilagen für die Gesamtauflage werben mit 5 Mark pro Tausend be­rechnet. Wegen ihrer dichten Bervreitung in der Restden, und der Umgebung sind di« Casseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliches JnsertionSorgan. Geschäftsstelle' Kölnisch^ ®trage 5. Berliner Vertretung: SW., FriedrichstraSe 16, Telephon: Amt Moriyplah 12584

Seaews Sns hem Kaiser...! Wer macht Oesterreichs Politik?: Kritische Betrachtungen u. politische Reflexionen von

Hermann Bahr.

Hermann Bahr, der soeben (am neunzehnten Juli) seinen fünfzigsten Geburtstag gefeiert, hat auch über die österreichische Politik immer viel Treffendes zu sagen gemußt. Seine nachstehenden Ausführungen verdienen gerade jetzt der allgemeinen Aufmerksam­keit wieder vor Augen geführt zu werden, wo eS so zweifelhaft ist, was man eigentlich in Oesterreich

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zen Affäre gefunden und das Geheimnis der .Kornwalzen" in seinen Ursprung-Mo­menten entschleiert.

Ein Sachverständiger hat die Bekundung des Angeklagten Hinst, daß esfür Krupp keine Geheimnisse gegeben habe", mit der Erklärung abzuschwächen versucht, daß im Jahre neun­zehnhundertvier seitens des Kriegsministers ein Erlaß ergangen sei, in dem die Dienststellen er­mahnt wurden, im Verkehr mit Angehörigen der Jndustcke größte Vorsicht walten zu lassen, namentlich auch frühem Kanieraden gegenüber, die nach dem Austritt aus dem Heer zur Pri- vat-Jndustrte übergegangen seien. Dieser Er­laß stammt nach der Mitteilung des Sachver­ständigen aus dem Jahre neunzchnhun- d e r t v i e r ; die Verfügung, die den Dienst­stellen Zuvorkommenheit und Höflichkeit gegen­über den Krupp-Leuten zur Pflicht macht, hat (tote der Angeklagte Hinst behauptet) im Span­dauer Feuerwerks-Laboratorium in den Jahren n eu i^z e h n h u n d e rt s e chs bis neun­zehnhundertzehn bestanden, ist also we­sentlich später erlassen worden, als jene Vor­sicht-Mahnung und mußte drum bei den Stel­len, zu denen sie im Ton dienstlichen Befehls sprach, den Eindruck wecken, daß die Voraus­setzungen, die ein paar Jahre vorher den Kriegsmiuister zur Schärfung der Gewiffen be­stimmten, unterdessen geschwunden seien, und nun der Wunsch bestehe, einst'ge Schroffheit durch Höflichkeit und Zuvorkommenheit wieder gut zu machen. Es hat der Stelle, die den ihr Untergebnen Artigkeit im Verkehr mit den Ver­tretern des Essener Kanonen-Königs zur Pflicht machte, sicherlich ferngelegcn, durch das Papier­stückchen einer Zirkular-Ve.rsügung die Gebote der Disziplin und des Gewissens zu erschüt­tern: Wenn indessen die Verfügung tatsächlich ergangen ist, dann bedeutete sie für die von ihr Betroffnen eine schwere Versuchung und Gefahr, und die Erklärungen, die die sieben Angeklagten im Kornwalzen-Prozetz über ihren Verkehr mit dem Krupp-Repräsentanten Brand abgegeben haben, charakterisieren diese Gefahr zur Genüge. Keiner von den Sieben hat sichetwas dabei gedacht", keiner von ihnen in dem muntern Herrn Brand, dem ge­genüber Zuvorkommenheit und Höflichkeit Pslichtgebot war, den Versucher gewittert: Man ahnt bereits, wie das Unheil seine Fäden spann, die nun als Fesseln der Gerechtigkeit sieben Menschen-Schicksale umstricken!

F. H.

Viktor Adler hat einmal gesagt, auch ein guter Monarchist könnte sich mit einem Mo­narchen begnügen, zwei seien mehr als nötig. Ich denke, er hat damit nicht auf den Thronfol­ger Oe st erreich -Ungarns gezielt, son­dern auf die fleißigen Leute, die mit diesem jetzt denselben Mißbrauch treiben, der seit Jahren unter dem Namen des Kaisers getrieben wird. Unser Kaiser spricht nicht gern, und man weiß nie, w a s er sich eigentlich denkt. Im Deutschen Reich werden wir darum sehr beneidet. Es hat aber auch seine Nachteile. Einige benützen es nämlich, um ihren Meinungen und Absichten eine geheimnisvolle Macht und sich selbst ein Ansehen zu geben, das ihnen aus Eigenem nicht zukommt, indem sie behaupten, irgendwie deS Kaisers verborgene Wünsche zu kennen. Was sie wollen, verlangen sie mit der geheimen Ver­sicherung, daß es der Wille des Kaisers sei. Was ihnen nicht paßt, weisen sie vertrau­lich mit Worten zurück, die der Kaiser gesagt haben soll. Und wer sich ihren Forderungen widersetzt, oder ihren Verboten nicht fügt, ist also kein Patriot. Es ist bei uns eine Art von Beruf geworden, zu Jenen zugehören, von de­nen man unter vier Augen (Diskretion Ehren­sache") hören kann, was der Kaisereigentlich" will. Man kann davon leben. Und es ist nicht anstrengend, weil noch keiner dementiert wor­den ist. Allmählich hat es sich zu einem völligen Svstem entwickelt, manche haben es darin zu währen Virtuosen gebracht. Da gab es zum Beispiel einen

Intendanten der beiden Hoftheater, der die Gewohnheit hatte, Schauspieler, die et nicht mochte, heftig zu loben, dann aber dem Direktor anzuvertrauen, wie leid ihm um die­sen so hochbegabten Menschen wäre, der nun einmal das Unglück hätte, dem K a i s e r zu miß­fallen. Der Kaiser gehe nicht ins Theater, wenn er nur seinen Namen auf dem Zettel sehe! Was nicht einmal gelogen war, weil der Kaiser wirklich schon seit Jahren nicht mehr ins Theater geht. Und die Macht dieser Leute be­stand darin, daß es ja schließlich auch einmal ...wahr sein konnte. Es dauerte nicht lange, so wurde das System, zuerst von Protektoren erfunden, um ihren Lieblingen zu helfen und Nebenbuhlern zu schaden, dann auch in der , großen Politik angewandt. Waren die Gründe des Ministers in offener Rede geschla- aen, so nahm er sich Abgeordnete und Journa­listen insgeheim ^vor, allen beteuernd, selbst durchaus ihrer Meinung, leider aber an den unbeugsamen Willen des Monarchen gebunden zu sein. Es kam ein eigener Typus von Mi­nistern auf, der sich an jeden Busen warf, wei­nend, gezwungen zu sein, weil er nun einmal nickt könnte, wie er wollte.Glauben Sie, ich weiß das nicht auch? Glauben Sie, ich will nicht dasselbe wie Ihr? Glauben Sie, ich weiß nicht, was Oesterreich braucht? Versuchen Sie einmal und saaen's Das dem Kaiser!" Wir hatten einen Minister, der schon ganz mecha­nisch jedes Gespräch mit dem Refrain schloß:

Aber sagen's Das dem Kaiser!"

Unter ihm bildete sich in der Politik gewisser­maßen eine doppelte Buchführung her­aus. Die Feinde, die er öffentlich mit flam­menden Reden schlug, umarmte er zu Haus: was er öffentlich vertrat, verleugnete er da­heim. und er lebte von dem Kredit, halt nie nur zu können, wie er wollte, und halt stets tun zu müssen, was er gar nicht wollte. Das Verfah­ren war so probat, daß es allgemein angewandt wurde, und wo nur irgendwie eine unbegueme Forderung abzuwehren war. widersprach man ihr nie, sondern man half sich stets mit der Be­rufung auf den vorgeblichen Unwillen des Kai­ser? aus. Immer nach diesem Klischee:Aber natürlich habt Ihr recht! Natürlich wär's das Einzige! Glaubt's Jbr, das weiß ich nicht auch? Glaubt's Ihr, wenn'? auf mich ankäm. hätten wir das nicht längst? Ja, wcnn's aus mich ankäm! Natürlich wör's das Einzige! Aber sagen's Das dem Kaiser! Was soll ich denn tun, wenn der Kaiser nicht will? Und der Kaiser w i l l n i ch t! Der Kaiser will ...!" Und nun eine lange Erklärung, mit allen Ge­bärden der Mißbilligung, to a s der Kaiser will. Natürlich immer nur das, was der Minister wollte, ober selbst zu verlangen zu feig war. Unsere Minister trieben es umgekehrt konstitu­tionell: Sie decken sich mit der Krone so, daß sie selbst gar niemals mehr in die Debatte gezo­gen werden konnten. Tas ging nun solange,

Ranch nah kein 6ahe!

Das neueste Ehauvinlsten-Jntermezzo.

(P r i v a 1 - T e l e g r a m m.)

Paris, 1. Slugust.

In Nancy hat sich abermals einInter­mezzo ereignet, das für den französischen Chauvinismus charakteristisch ist. Es handelt sich um folgende Vorgänge: Am Mittwoch nach­mittag kamen in Nancy durch den Marne- Rhein-Kanal zwei Vergnügungsjach­ten, derMeteor", einem BerlinerKaus- m a n n M c r t e n gehörig, und derAjar" mit einem Ingenien raus Lüttich. Wie üb­lich, hißten beide Boote die nationale Flagge auf. Ter Anblick der deutschen Flagge rief unter den Ausladern im Hafen und unter den Leuten der Boote, die in der Nähe verankert waren, eine gewisse Aufregung hervor. Es bildeten sich feindliche Gruppen und gegen halb sieben Uhr, als die deutschen und belgischen Touristen die Stadt besuchten, und ihr« Jachten ohne Aufsicht waren, schlicken einige Manner den Kai entlang bis zu der Stelle, wo die Boote verankert waren, und einer von ihnen r i ß d i e deutsche Flagge, die auf demMeteor" wehte, herunter. Die Fahnenstange warf er ins Wasser, während er

bas Fahnentuch mit sich nahm.

Als der Kaufmann Mertens mit seiner Frau abends an Bord desMeteor" zurückkam und die Tatsache konstatierte, begab er sich sofort zur Polizei. Es wurden mehrere Polizisten und Gendarmen nach dem Hafen geschickt, um die fremden Boote zu überwachen und weitere Ausschreitungen zu verhindern. Aber die Ma­nifestanten hatten sich bereits zerstreut. Infolge einer von der Poli'zei vorgenommenen Unter­suchung wurde noch des Nachts ein Hafenaus­lader namens S ch ö g e l, ein E ls ä s s e r, ver- hastet, der gestand, die Fahne herausaerissen und sie zu Hause verbrannt zu haben. Er wurde von der Polizei verhaftet und dem Gericht überwiesen, das ihn gestern wegen des Vorfalles zu zehn Tagen Gefängnis verurteilte. Der Kaufmann Merten und der Lütticher Ingenieur sind gestern nach Straß­burg abgefahren, obne daß ein neuer Zwischen­fall voraekommen ist. Wie von französischer Stete behauptet wird, war Schögel, bet Urheber der Affäre, betrunken, als er die Fahne herabriß.

Der Attentäter Schögel.

Paris, 1. August. (P r i v a 11 e l e g r a m m.) Der vorgestrige Zwischenfall in Nancy hat hier

KrMs Kornwalzeri. Randbemerkungen zum Prozeß Krupp; gibt es für die Firma Krupp keine Geheimnisse?

Wie uns ein Privat-Telegramm aus Berlin berichtet, wird der Krupp- Prozeß kaum vor Mitte nächster Woche zu Ende geführt werden können, da die Beweisaufnahme sich weit aus­gedehnter gestaltet, als ursprüng­lich angenommen wurde. Die heutige Verhandlung des Prozesses und die Sonnabend-Sitzung werden noch gänz­lich durch die Zeugenvernehmung inAnfpruch genommen werden,die erst am Montag abgeschlossen werden kann.

= . Das Satyr-Spiel hat begonnen. Auf der braungebeizten Anklagebank des Kriegs­gerichts im Nordwest - Dunkel der Berliner Lehrterstraße ringen sieben vom öffentlichen Ankläger hart Gescholtne um Ehre, Freiheit und Schicksal, und im Hintergrund der Szene sieht, immer noch umwoben vom Nimbus kiud- e . lich-andächt'ger Märchendichtung, der Essener Kanon en-König, dessen blinkendes Gold die Sieben auf dem Sünderbänkchen ins Netz strafender Gerechtigkeit gelockt. Man ist mit ß-. einem hörbaren Ruck männlicher Entschlossen­heit an die Inszenierung des forensischen Schauspiels herangegangen, hat das vorfichtig- ängstliche Postskriptum des Kricgswinisters, das die Bitte um Türverschluß vor Oeffentlich- keit und Kritik dem Gericht dringlich an'3 Herz legte, kühnlich ignoriert und die Prozeß-Ver­handlung auf die solide Grundlage vollster Ocffentlichkcit gestellt. Der Verhandlungslci ter begründete diesen achtenswerten Einschluß des Gerichts mit dem Hinweis daraus, daß die Deffentlichkeit, also die Nation in ihrer Ge­samtheit, Anspruch darauf habe, all die ge- deirnnisvoll - befremdlichen Dinge, die in die- >er an Seltsamkeiten so überreichen Assäre aus : dem Reich der Wahrheit und der Dichtung zu­sammengetragen und der Zeitgenossenschaft als W JLustrationsfäüe einer alle Dämme durchbre- ^H> chenden, alle Schranken niederreißcnden Vor- Ms Herrschaft des gleißenden Dämons Gold prä- p sentiert worden seien, an Gerichtsstelle ein* M- wandfrei geklärt und festzestellt zu sehen. Daß indessen diese Absicht verwirklicht 'werden kann, scheint heut schon zwciselhaft, denn bereits der erste Verhandlungstag hat die Notwendigkeit ergeben, wichtige Teile der Beweisaufnahme, die für die Beurteilung der moralischen Mit­schuld Krupps an den Vergehen der sieben Leichtsinn-Opfer von grundlegender Bedeutung sind, hinter verschloffner Tür zu verhandeln. Immerhin: Das Prinzip des Oeffcntlich- keits- Anspruchs auf restlose Entschleierung , der Kornwalzen-Geheimnisse ist anerkannt, und man darf von dem Gericht, das diesen Grund­satz als Forderung des Rechts proklamiert, er­warten, daß es seinem Willen auch Wert und

M Geltung sichern wird.

Die Sieben in der Anklagebank, in mynde- langer Untersuchungshaft dem Tag der Ent­scheidung über Ehre und Zukunft entgcgeuhar- rcnd, haben die kriegsgerichtliche Kornwalzen- Tragikomödie mit einem Sündenbckennt- n i s eingeleitet, aus dem der Psychologe sicher wenvollere Schlüsse ziehen kann als der Jurist. Ein Sündenbekcnntnis war's eigentlich gar nicht, sondern eher eine sorglich präparierte Verteidigung. Und die Spitzen und Schärfen dieser Verteidigung richteten sich nicht nur ge­gen den in glitzernder Millionen - Macht thro­nenden Kanonen - König und seinen Späher, den wackrenRepräsentanten" Brand: Sie tra­fen weit schärfer und bestimmter Täs System des Verkehrs zwischen Reich und Krupp! Der Angeklagte Hinst hat vor Gericht erklärt, daß es nach seiner Ueberzeugung im Betrieb der Reichs-Militärverwaltung für Kruppübcr- 5". Haupt keine Geheimnisse gegeben" habe, und daß er schon aus diesem Grunde keine Ver­letzung dienstlicher Pflichten in dem Verkehr mit Brand und in der gelegentlichen Weiter­gabe dienstlicher Nachrichten an den Krupp- Repräsentanten habe erblicken können. Im D. Spandauer Feuerwerks-Laboratorium ist nach der Aussage des Angeklagten sogar eine obrig- & keitliche Verfügung bekanntgegeben worden, in der es den Dienststellen zur besondern Pflicht gemacht wurde, die »Vertreter des Hauses Krupp zuvorkommend und höflich zu behan­deln". Diese Bekundung, die offenbar mehr g. ist. als der Entschuldungsversuch eines in lan­ger Untersuchungshaft fieberhaft alle Rettungs­möglichkeiten wägenden Sünders (und deren Tatsächlichkeits-Gehalt durch Nachprüfung der dienst - amtlichen Aktenstücke leicht ermittelt werden kann) ist das wichtigste Ergebnis des ersten Verhandlungstags, denn wenn cs I sich hier um Wahrheit und nicht um Zweifel­dichtung handelt, wäre der Schlüssel zur gan-

Athen, 1. August.

Infolge des in Bukarest zustande ge­kommenen fünftägigen Waffenstillstandes hat König Konstantin einen Armeebefehl erlassen- in welchem angeordnet wird, daß der Vormarsch der griechischen Armee eingestellt werde.

Konstantinopel, 1. August.

Die Haltung der Großmächte hat auf die Türkei einen deprimierenden Ein­druck gemacht. Es werden Stimmen laut, die fordern, daß die Regierung sich dem Einfluß der Militärpartei entziehen solle.

Petersburg, 1. August.

In hiesigen diplomatischen Kreisen wird versichert, daß Rußland die Absicht einer Intervention in Armenien fallen gelassen habe und auch die Idee einer europäischen Flottendemonstration vor Konstantinopel als beseitigt gelten dürfe.

In der türkischen Frage könnte (wie man in Berliner amtlichen Kreisen annimmt) die gegenwärtige Ruhe als eine Stille vor dem Sturm sich Herausstellen. Man wider­spricht zwar den Meldungen englischer Blätter, daß Rußland sich bereits zu einem Getoalt- fchritt einen die Pforte entschlossen habe, aber dieser Widerspruch scheint sich nur noch auf den Zeitpunkt derartiger Maßnahmen Ruß­lands zu erstrecken. Es gilt als Tatsache, daß Rußland sowohl im Schwarzen Meer wie an der armenischen Grenze alle Vorkehrungen getroffen hat, um gegebenenfalls einen energischen Druck auf die Pforte ausübcn zu können, wenn diese noch länger aus einer Mißachtung der europäischen Rat­schläge beharrt. Nur scheint Rußland den Au­genblick für ein derartiges Vorgehen noch nicht für gekommen zu erachten. Auf diese Tatsache ist wohl auch die Petersburger Meldung über emF a l l enl a ss en" der russischen Plane bezüglich Armeniens und der Flottendemonstra­tion zurückzufiihren.

Friedensmahnen aus Bukarest.

Bukarest, 1. August. (P riv at-Tele- g r a m m.) Die Ministerpräsidenten Pasitsch und Venizelos haben an ihre Souveräne Telegramme gerichtet, in denen sie diese er­suchen, ihre Ansprüche auf das geringste Minimum herabzusctzen. Man wird also die begründete Hoffnung hegen dürfen, daß die Friedensverhandlungen zu einem baldigen günstigen Ende geführt werden können In Kreisen der Friedensdelegierten rechnet man damit, daß noch in der ersten Hälfte des August der Friedensschluß am Balkan znstandekommen wird.

Die Bulgaren auf der Flucht.

Wien, 1. August. (Privat - Tele­gramm.) Im Gegensatz zu den offiziellen bulgarischen Siegesbulletins erhielt die hiesige griechische Gesandtschaft «ine Depesche, in der behauptet wird, daß die bulgarische Ar­mee bei Dschumaja vollständig ge­schlagen wurde und sich in regelrechter