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Nr. 200. 3. Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

Freitag, 1. August 1913.

bürgerlichen Berliner Gericht eine AnzahOWei- teicr Personen wegen Beteiligung an den den heutigen Angeklagten zur Last gelegten Ver­gehen zur Verhandlung gelangen wird. Ebenso scheint es nahezu sicher, daß auch gegen einige Mitglieder des Direktoriums der Firma Friedrich Krupp vorgegangen werden wird, i>a in der Zentrale in Essen alle Fäden in dieser Asfäre zusammengelaufen sind. Der ehemalige Oberfeuerwerker Brand, der ursprünglich in der Zentrale in Essen beschäftigt war, ist in der ausgesprochenen Absicht nach Berlin entsandt worden, hier mit seinen ehemaligen Kameraden, Vorgesetzten und Untergebenen die Verbin­dungen anzuknüpfen, die der Firma Krupp im Interesse der Erlangung von Nachrichten aus der Militärverwaltung notwendig erschie­nen. Die Nachrichten haben in der Hauptsache die Angebote der Konkurrenzfirma E h r h a r dl in Düsseldorf zum Gegenstände, die bekanntlich ebenso wie die Firma Krupp Rohrrücklausqe- schütze, Panzerplatten und so Weiter fabriziert und wiederholt versuchte, Aufträge des Kriegs­ministeriums an sich zu ziehen, die bis dahin ausschließlich der Firma Krupp zugingen. Mit diesen Konkurrenzangeboten begann die Firma Ehrhardt Ende des Jahres 1900 und da der damalige

Leiter der Berliner Filiale Krupp's, ein Herr von Schütz, andauernd krank war, entschloß sich die Firma Krupp int Jahre 1906, den bis dahin als Bürovorsteher der Offener Zentrale beschäftigten Herrn Brand nach Berlin zu entsenden. Schon bald nach fei­nem Eintritt in die Berliner Filiale entwickelte sich in den in der Voßstraße belegenen Ge­schäftsräumen der Firma eilt autzerordent- l i ch reger V er kehr von Militärper­sonen, die Brand auf dessen Ersuchen bin die gewünschten Nachrichten übermittelten. In welcher Weise im einzelnen diese Nachrichten- Übermittelung vor sich ging, welcher Art die Nachrichten waren, welche Erfolge dieser Ver­kehr für die Konkurrenzfirma und vor allem für die Sicherheit des Reiches und nicht zuletzt für die Steuerzahler hatte, soll die heute beginnende Verhandlung des näheren ergeben. Und da nicht weniger als zweiunddrei- ßig Zeugen hierzu geladen sind und eine große Anzahl Sachverständiger darüber gehört werden müssen, ob die in denGeheimberich­ten" der Angeklagten an die Firma Krupp mit­geteilten Tatsachen im Interesse der Landesver­teidigung geheim zu halten waren, so wird die Verhandlung voraussichtlich auch noch in die nächste Woche hinüberqreifen. Es rechtfer­tigt sich damit auch eine ausführlichere Be­richterstattung über den Prozeß, dessen Eröff­nung am heutigen Vormittag nm neun Uhr pünktlich erfolgte.

$le Politik der Zages.

Sennelager Märchen.

(Priv at - Telegramm.) Berlin, 31. Juli.

Im Sennelager in Westfalen sollten Nach Blättermeldungen bei bett Hebungen, an denen neben einer Reserve-Artillerie-Abteilung auch die Infanterie-Regimenter Nr. 56 und 57 teilnahmen, plötzlich infolge großer Hitze etwa fünfzig Mann ermattet zusammen­gebrochen sein. Während die meisten pch bald erholt hätten, seien zwei Reservisten am Hitzschlag gestorben.

Diese Mitteilung stellt sich, wie von zustän­diger Stelle erklärt wird, als U e b e r t r e i - bung dar. Wahr ist, daß am 14. Juli ein Reservist aus dem Laudwehrbezirk Geldern während der Brigadeübungen einen Hitz­schlag erlitt, an besten Folgen er gestor­ben ist, und daß vom 57. Infanterie-Regi­ment vierzehn Leute, darunter zehn Reser­visten, von einer Ohnmachtsanwandlung be­fallen wurden, doch waren sie bereits r/n 15. Juli wieder dienstfähig. Beim Infanterie- Regiment Rr. 56 haben nur acht Reservisten

Mr Psychologie Les Fliegers. Ei« Interview mit dem Aviatiker Brin- dejone r Der Flieger angesichts der Gefahr.

Einige Zeit nach der Rückkehr von dem glänzen- den Rundstug durch Europa hat der französische Flieger Brindejonc einem Mitarbeiter der Pariser Annales* eine längere Unterredung gewährt, in deren Berkaus er gch ausführlich über die Pfycho- logie der Fliegers geäußert hat. Diese Mitteilungen sind umso interessanter, air Brindejonc sie aus seine eigenen Erfahrungen und Wahrnehmungen gründet. Kann man beim Fliegen überhaupt den­ken?: Das war die Frage, mit der der Jour­nalist das Interview begann. Gewiß (lautete Brindejoncs Antwort), nur muß man sich vergegenwärtigen, daß bei Flieger in seiner Flugmaschine völlig anderes empfindet, als der Mensch auf der Erde. Die Schnelligkeit des Fluges läßt die Erde ganz anders erscheinen, als man gewöhnt ist. Unaufhörlich gelangt man mit größter Schnelligkeit aus einem at­mosphärischen Zustand in den anderen. Alle fünfzig Kilometer etwa trifft man auf eine Wolke und das heißt für den Flieger durch­schnittlich alle zwanzig Minuten. Unaufhörlich gelangt man so aus einem Regenschauer in den anderen, und dann besteht die Welt nicht mehr aus wechselnden Landschaften mit Bäumen, Flüssen, Städten und Kirchtürmen, sondern aus Wolkenabgründen, aus Hagelschauern, aus sonnenbeschienenen Flächen, neuen Regenschau­ern und neuen Wolkenlichtungen voller Son­nenschein. Der Himmel weiß (und damit kam Brindejonc auf sich selbst zu sprechen), wie- viele Wolken ich zwischen Paris und Warschau gekreuzt habe!

Es gibt aber in der Luft noch mehr Dinge, die auf die Sinne des Fliegers einftürmen und seine Gedankengänge beeinflussen, als die Luftlandschast", wenn man so sagen will: Vor sich, um sich hat man das Unbekannte, überall lauert der Unfall, jede Sekunde kann der Mo­tor stillstehen, kann ein Spanndraht reißen: kurz: Der Tod in mancherlei Gestalt lauert auf dem Wege. Der Journalist fragte hierauf, ob Brindejonc beim Fluge, besonders bei außergewöhnlichen Flügen, das Gefühl habe, M« Heldentat ausrumbren und,glaube,

über Unwohlsein geklagt, aber gleichfalls sämtlich schon am nächsten Tag wieder Dienst getan.

Es war damals nach vorangegangener reg­nerischer und kühler Witterung plötzlich eine drückende Hitze eingetreten. Tie Marsch­leistung betrug an dem Tage achtundzwanzig Kilometer, es kann also von einer übergroßen Anstrengung der Mannschaften nicht die Rede sein. Der Gesundheitszustand der in der Senne zurzeit übenden Truppen ist int allgemeinen ein sehr guter und die Erkrankungszisfer sehr gering.

Der Masserkanten-Streik.

Stettin, 31. Juli. (D r ah t-M el d u n g.) In einer gestern siatigehabten Mitgliederver­sammlung der Verwaltungsstelle Stettin des deutschen Metallarbeiter - Verban­des wurden die Beschlüsse vom 24. Juli, wo­nach keine Gelder an die Hauptkasse in Stuttgart gesandt werden sollten, wieder auf­gehoben. Der am Dienstag abend von den städtischen Hafenarbeitern mit 300 gegen 55 Stimmen gefaßte Beschluß, in den Streik einzutreten, wenn der Magistrat nicht ihre Ta- rissorberungen anerkenne, ist gestern in mehr­stündigen Verhandlungen vom Magistrat be­raten worden. Der städtischen Arbeiterschaft wurde in Aussicht gestellt, der am 5. September stattfindenden Stadtverordneten-Versammlung werde der Vorschlag einer Lohnerhöhung gemacht werden. Die Hafenarbeiter nahmen gestern abend den Beschluß an, die weiteren Entscheidungen der Stadtverordneten - Ver­sammlung in dieser Angelegenheit abzuwarten.

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Die Streikgefahr in Spanien.

Madrid, 31. Juli. (P r iva t-T el c - gram m.) Der Ausstand der T e r t i l a r - beiter in Catalonien hat bis jetzt siebzig Fabriken lahm gelegt. Zahlreiche Pa­trouillen durchziehen in Barcelona die Stadt, damit Ruhestörungen und Demonstrationen verhindert werden können. Besonders scharf wird das Fabrikviertel bewacht, da Ausschrei- tungen und Anschläge geplant sein sollen.

Die Kämpfe im Fernen Osten.

Rach einer Reutermeldmtg aus Schang­hai hat sich Nanking der Regierung des Nordens wieder unterworfen. Die Nach­richt wurde durch Funkenspruch eines vor Nan­king ankernden Schiffes bestätigt. Die Provinz Hunan hat am letzten Freitag ihre Unab­hängigkeit erklärt. Sie hat diesen Schritt nicht in der Absicht getan, um an dem Kampfe gegen Manschikai teilzunehmen, sondern nur, um sich nach allen Seiten zu schützen. Truppen, die nach verschiedenen Schätzungen 1400 bis 8000 Mann betragen, sind mit sechzehn Feldge­schützen in Jotschau aufgestellt, um Angriffe ab­zuwehren. Infolge der Einstellung des ge­wöhnlichen Dienstes der Handelsdampfer sind die Fremdenniederlassungen in Schanghai von einem Mangel an Lebensmitteln be­droht. Die fremden Konsuln erhoben bei den Admiralen der Flotte der Nordpartei we­gen des Bombardements in Schanghai energi­schen Protest Möglicherweise wird eine Flot- t e n g 11 i o n der internationalen Streitkräfte eifrigem

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Bor der Entscheidungs-Schlacht?

Peking, 31. Juli. (Priv at - Tele - gram m.) Die Regierung wird sich auf einen großen Feldzug gegen die Parteien des Südens vorbereiten müssen. Die Truppen des Südens sind äußerst gut organisiert und von Strategen kommandiert. Sie konzentrieren sich jetzt und scheinen ihre ersten Fehler gutzuma­chen. Sie verfügen über eine große Anzahl Munition und wollen anscheinend die Soldaten der Nordpartei zu einer Entscheidungs-

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den Titel eines Helden^ mit dem die Flieger so oft bezeichnet werden, wirklich zu verdienen. Ein Held? (entgegnete Brindejonc), ein Held bin ich nicht. Der ist ein Held, der die Gefahr kennt und ihr trotzt. Ich weiß aber, daß mir leine Gefahr droht. Wenn ich in meinem Flugzeug fliege, fühle ich mich vollkommen sicher. Ich weiß, daß ich den Mechanismus voll­kommen beherrsche, und meiner selbst bin ich ebenso sicher.

Aber es sind doch foviele Flieger verunglückt (meinte der Journalist), denken Sie nie an diese, an die vielen tödlichen Unfälle?* Auch diese Frage verneinte Brindejonc: Wenn ein Flieger tödlich abstürzt, so erkundige ich mich nach den Ursachen des Unfalls, und da­durch habe ich es soweit gebracht, bei fast allen Unfällen die genauen Gründe zu wissen. Ich weiß, aus was für Umständen Unfälle werden können und weiß, wie ich in jeder Sage kaltblü­tig zu handeln habe. Uebrigens gibt es nicht so viele Ursachen für Unfälle. Mir ist eines Tages mitten im Flug etwas am Motor ge­platzt. Das hätte meinen Tod bedeutet, wenn ich den Kopf verloren hätte. Ich war schon in Flammen eingehüllt und Trümmer flogen um mich herum. Ich tat aber nur, was ich tun mußt: Ich stellte den Benzinzufluß ab und entging so der Feuersgefahr. Dann ging ich im Gkeitsluge zur Erde nieder. Tas große Geheimnis des Fliegens ist nicht die Helden- haftigleit, sondern immer kaltes Blut und einen klaren Kopf behalten. Brindejonc erzählte dann weiter, er sei früher durchaus nicht kaltblütig gewesen, sonder habe eher zum nervösen Typ gehört, allein das Fliegen habe ihn kaltblütig handeln gelehrt. Dafür führte er noch ein Beispiel an, indem er von Bls- riots erstem Kanalflug ausging.

Den ersten Kanalflug B l s r i o t s bezeich­nete Brindejonc in der Tat als Heldentat, eben weil es der erste Kanalflug war und Blöriot ins Unbekannte hineinflog. Brindejonc hat nun einen viel größeren Seeflug ausgeführt, indem er von St. Petersburg nach Stockholm flog und eine Strecke von vierhundert Kilometern über der Ostsee zurücklegte. Eine Zeitlang (so er­zählte en hatte ich jede Fühlung mit den Tor­pedobooten verloren. * Vor mit sah ich nichts.

sch l a ch 1 in die Gegend der Eisenbahnen und des Jangtse locken. Weiter wird gemeldet, daß etwa hundert japanische Offiziere und Un­teroffiziere der Südarmee beigetreten sind.

Politischer Tagesbericht.

Keine Korfureife des Kaisers? Wie uns aus Berlin berichtet wird, entspricht die von anderer Seite verbreitete Nachricht, daß der Kaiser Mitte August nach Korfu reifen werde, nicht den Tatsachen. Es findet viel­mehr in diesem Jahre eine Korfureise des Kai­sers nicht mehr statt.

DieSäuberungs-Kommission" des Reichs­tags. Nach einer uns aus Berlin zngehen- den Draht-Meldung sind von der Fortschritt­lichen Volkspartei die Abgeordneten Müller- Meiningen und L i e s ch i n g zu Mitgliedern der Rüstungs - Untersuchungskommission be­stimmt worden.

Französische Verluste in Marokko. Bei der Pariser Kolonial-Korrespondenz ist ein Brief von einem Offizier eingelaufen, der in der Schlacht bei Tadla am 8. und 10. Juni mit- kämpfte. Der Offizier beziffert die französischen Verluste am 8. Juni auf 24 Tote, von denen zekm zurückgelassen werden mußten, jene am 10. Juni auf 50 Tote und 109 Verwundete.

Castro regt sich wieder! In Willemstadt auf Cura 9 ao sind Gerüchte im Umlauf, daß die Anhänger Castros Coro in Venezuela einnay- men und den Gouverneur und General Jurado festnahmen. Außerdem verlautet, daß Castro in Venezuela gelandet sei. Die politische Lage in Venezuela ist kritisch.

Ein griechisches Offiziersheim auf Korfu. Auf der Insel Korfu soll eine öffentliche Sub­skription in die Wege geleitet werden, von de­ren Ertrag ein Offiziersheim gegründet werden soll. Falls die Geldmittel ausreichen, soll, wie verlautet, an den Deutschen Kaiser mit dem Ersuchen tierangetreten werden, das Achilleion zu diesem Zweck käuflich abzu­treten.

Jas Neueste aus Wei.

Der Bau der Aeberland-Zentrale.

Ter Bau des Anschlutznetzes der E d - dertalsperren-Ueberlandzen- trale, die den größten Teil des Land­kreises Cassel mit elektrischem Strom ver­sorgen wird, beginnt im Oktober. Bis zum 1. Juli 1914 muffen zwei Drittel der Gesamtanlage fertiggestellt sein. Zur Bestreitung der Anschlußkosten genehmig­te der Kreistag des Landkreises Cassel die Aufnahme eines Darlehens von sechshunderttausend Mark für den Kreis, zltt verschiedenen Sitzungen des Kreis­tags des Landkreises Cassel spielte die Frage des Anschlusses des Landkreises Cassel an die an der Eddertalsperre anzulegende Hebet» land zentrale eine gewichtige Rolle und im Frühjahr wurde bereits in Erwägung gezogen, ein Darlehn von sechshunderttausend Mark bei der Landesversicherungsanstalt Hessen-Nas­sau aufzunehmen, um die Kosten des Anschlus- ses an die Uetierlandzentrale zu bestreiten. Ge­stern fand nun im Casseler Kreishanse eine Kreistagssitzung statt, die dementsprechend be­schloß. Wie der Vorsitzende, Landrat Rabe von Pappenheim, mitteilte, haben sich bis jetzt folgende Gemeinden zum Anschluß an die Uetierlandzentrale bereit erklärt: Alten­bauna. Altenritte. Bergshausen, Breitenbach, Crumbach, Dennhausen, Dörnhagen, Elgers­hausen, Frommershausen, Großenritte, Gun- tershausen, Heckershausen, Heiligenrode, Her­tingshausen, Kirchbauna, Münchehof, Nieder­vellmar, Nieste, Obervellmar, OHshansen. Ren- gershausen, Sondershausen, Vollmarskuzusen, Waldau, Weimar, Wellerode, WUHelmsyausen, sowie die Gutsbezirke Freienhagen, Ellenbach,

Eichenberg, Hoof und Winterbüren. Diese Ge­meinden stellen dem Kreise die ihnen gehörigen Wege und Grundstücke zur unentgeltlichen Be­nutzung für den Leitungsbau zur Verfügung und gewährleisten dem Kreise eine jährliche Einnahme aus der Stromversorgung der Ge­meinde. Auch aus bem Lossetal, aus Oberkau- fungen u. Helsa sind Wünsche nach Anschluß an

das Stromversorgungsnetz

des Landkreises Cassel laut geworden. Mit dem Bau des Anschlußnetzes wird bereits Mitte Oktober begonnen werden. Die Arbei­ten sollen dann derart beschleunigt werden, daß schon am ersten Juli 1914 zwei Drittel der Gesamtanlage fertiggestellt sind. Die ganze Vorlage, die der Kreis dem Kreistage ge­macht hat, wurde nach kurzer Beratung ein­stimmig angenommen. Ter dahin­gehende Beschluß ermächtigt den Kreisausschuß, zur Ausführung des Unternehmens (Ausbau der Kreisfernleitung einschließlich der Haupt­transformatoren und der Ortsnetze mit den Transformatoren) bei der Lattdesversicherungs- Anstalt in Cassel eine Anleihe zum Betrage von 600 000 Mark gegen 4% Prozent Zinsen aufzunehmen und die Tilgungsbedingungen maßgebend zu vereinbaren, das vom Kreis mit elektrischem Strom zu versorgende Gebiet auf Grundlage der Beschlüsse der Gemeinden und Gutsbezirke festzusetzen und über den Bau der Kreisfernleitungen einen Vertrag mit den Sie- mens-Schuckeri-Werken in Berlin atizuschlietzen, sowie die zur Durchführung des Unternehmens sonst noch erforderlichen Maßnahmen zu tref­fen. Damit ist nun das große Werk, das von eminenter Bedeutung für die weitere Entwick­lung des Kreises Cassel werden wird, gesichert. Allerdings wird damit dem Städtischen Elektrizitätswerk Cassel eilte schwere Konkurrenz bereitet, und für die Stadt Cassel gilt es nun, mit der Uetierlandzentrale der Eddertalsperre gemeinsam zu arbeiten, nach­dem die A. E. G.-Affäre im Sande verlaufen und im Schoße der dafür eingesetzten Kom­mission sanst entschlummert ist.

Das Erfurter Arteil.

Vor dem Oberkriegsgericht Cassel sollte morgen vormittag die Berufungsverhandlung über das Urteil des Kriegsgerichts der 38. Di­vision in Erfurt ftattfinben, das mehrere Land- wehrleute und Reservisten wegen Ausschreitun­gen am Abend eines Koutrollversammlungsta- ges zu schweren Zuchthausstrafen verurteilte. Die Verhandlung, der im ganzen deutschen Reiche das regste Interesse entgegengebracht wird, ist gestern, im letzten Augenblicke, auf un­bestimmte Zeit vertagt worden.

Dem Urteil lag folgender Tatbestand zu­grunde: Der Arbeiter See, der Zimmermann Hagemeier, die Maurer Ropte, Gor­ge s und Schirmer, der Bergmann K o l - b e und der Dienstknecht Langhelm aus Wolkramshausen hatten am sechzehnten April an einer Kontrollversammlung in RiLleben (Bezirk Sondershausen) teilgenommen und hat­ten nachher in einer Gastwirtschaft gehörig dem Alkohol zugesprochen. Unter der Einwirkung des in Unmengen genossenen Alkohols war es zu Streitigkeiten zwischen den Leuten aus Wolk­ramshausen und Hainroda gekommen, die bald in Tätlichkeiten ausarteten, sodaß die Polizei zu Hilfe gerufen werden mußte. Der Polizei- fergeant Müller versuchte vergeblich Ruhe zu schaffen und rief den Gendarmeriewachtmeister Stock telephonisch zur Hilfe herbei. Obwohl der ©enttarnt die Angeklagten nun darauf hm- wies, daß sie am Tage der Kontrollversamm­lung Soldaten seien und er als Wachtmeister somit ihr Vorgesetzter fe:, sodaß jede Ausschrei­tung ihm gegenüber unter die schwersten Ver­brechen eines Soldaten fiele, verhöhnten und beschimpften die Angeklagten ihn trotzdem. Der Gendarm zog schließlich blank und sistierte die Angeklagten, die in Untersuchungshaft genom­men würden. Die Verhafteten waren sich bis zu dem Urteil selbst nicht klar darüber, in welch

Ich war überall vom Nebel umgeben. Ich war etwa in der Mitte des Weges, als der Motor plötzlich stehen blieb Da glaubte ich, das be­deute mein Ende . . . Nirgends war eine Hoffnung . . . Dann begann ich nachzudenken, weshalb wohl der Motor stehen geblieben fein konnte. Die Feuchtigkeit der Atmofphäre mußte sich auf ihn in Form von Wasser nie­dergeschlagen haben, aber die Wärme des Mo­tors mußte das Wasser auch wieder verdamp­fen. Der Motor mußte also von selber wieder anlaufen. . . . Nach drei Sekunden etwa knat­terte der Motor wirflich wieder weiter und ich war gerettet. Allein ich gestehe, daß mit diese drei Sekunden wie eine Ewigkeit borge« kommen sind. , .! Dr. A. D.

£nJWill und Wiebke" in Cassel.Will und Wiebke", das neue Lustspiel von Fedor von Zobeltitz, gelangt im September am Hof­theater zu Oldenburg zur Uraufführung. Außer­dem erwarben es bisher das Hoftheater in Cassel und die Stadttheater in Köln am Rhein, Leipzig und Dortmund.

Rosegger-Ehrungen. Anläßlich des sieb­zigsten Geburtstages Peter Roseggers hat die Universität Wien durch die Promotion des Dichters zum Doktor Phil, honoris causa nicht nur diesen, sondern wohl auch sich geehrt. Die steirische Landeshauptstadt Graz hat durch die Ernennung Roseggers zum Ehrenbürger und durch die Benennung eines stattlichen Stückes des Murkais nach seinem Namen gezeigt, daß sie ebenso wie die Landesverwaltung von Steiermark, die in dem stimmungsvollen Hose des berühmten Landhauses eine Rosegger-Ge­denktafel anbringen ließ, sich dessen bewußt ist, was der Dichter für die Steiermark und deren Hauptstadt bedeutet.

i-T- DieFaun"-Komöttie. Die deutsche Ur­aufführung der breiartigen KomödieDer Faun" von Edward Knoblauch sand in den Münchener Kammerspielen mit Erich Ziegel in der Hauptrolle einen starken Erfolg.

Bremer Stadtmusikanten": Eine Wette. Ein origineller Auszug war jüngst in Han­nover zu beobachten. Auf einem Handwa­gen wurden in drei Etagen in Käfigen ein Esel, ein Hund, eine Katze und oben im Dach«

giebel ein Hahn herumgefahren. Wie ein am Wagen angebrachtes Plakat besagt, handelt es sich hier um den Austrag einer Wette, nach der dieser Tierpark innerhalb 15 Wochen von Köln aus über Berlin nach Bremen gefahren werden muß und dabei die Erhaltungskosten le­diglich nur durch Verkauf von Ansichtskarten aufgebracht werden dürfen.

UX, Die Königsmedaille der deutschen Sän- ger. Der deutsche Sängerbund beabsichtigt, beim Kultusministerium vorstellig zu werden wegen anderweitiger Regelung der Verleihung der goldenen Königsmedaille. In einer Vorstanbs- sitzung des Rheinischen Sängerbundes wurde beschlossen, dem Deutschen Sängerbünde das nötige Material zur Durchführung seiner Ab­sicht zu beschaffen. Die Medaille soll nicht mehr als Preis, sonder als persönliche Aus­zeichnung des betreffenden Vereins verliehen werden. Ein dahingehender Antrag wird aus dem demnächst stattfindenden Koburger Sän­gertage gestellt werden.

uTl. Griechische Siegesbriefmarken. Don der griechischen Regierung sind zwei neue Brief- maitenferiett herausgegeben worden. Die eilte Serie zeigt einen fliegenden Adler, der in Schnabel und Klauen eine sich windende Schlange hält. Die andere Serie zeigt das leuchtende Kreuz, das einst Konstantin am Tage seines Sieges über Maxentius erschien, und das Konstantin bann mit der InschriftJ. EL S. y.e auf seinen Feldzeichen anbrachte.

Vertraue nur...!

Im Vertrauen offenbart sich die Größe der Tugend, die Stärke der Liebe und die Macht des Empfindens. Vertrauen bahnt den Weg zum Glück, Mißtrauen trennt Herzen und See­len. Vertrauen erwärmt und belebt, zeugt Taten und Siege und verllärt das Menschliche m uns mit dem Sonnenstrahl des Verstehens und Erkennens. An der Größe des Ver­trauens messe die Stärke seelischer Kraft, und am Grade des Mißtraute ns erkenne die grausame Härte kalt-berechnenden Handelns. Das Vertrauen führt empor zu lichten Höhen der Erkenntnis, das Mißtrauen endet in der dumpfen Schwüle marternder Enttäuschung...!

- yyfo steinhtim.