CMr Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Casseler Abendzeitung
3. Zahrgavg
Freitag, !♦ August 1913
Nummer 200
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I
Khampagner-Krieg?
Frankreich am Vorabend des neuen Winzer- Ausstandes; Champagner und Revolution.
Depesche» aus Paris zufolge drohen im Departement Aube unter den Winzern neue Unruhen aus- zubrechen. Die Gendarmerie von Trojes, sowie die von Bar sur Seine und Bar für Aube ist in ihren Kasernen zusammengezogen und hat den Befehl erhalte», sich für alle Fälle marschbereit zu halte». Der Ackerbauminister konferierte gestern mit den beiden Abgeordneten von Trojes über die Abgrenzung der Champagne.
Die Zeit der Heimsuchungen will für Frankreich nicht enden: Seine wichtigsten Staats-Dokmnenie werden von slaumbätt'gen Jünglingen ahnungslos dem Späherblick raffinierter Spione ausgeliefert; im wild-branden-
Aeußersten gesteigerten sozialen Kräftespannung, und die Arbeitskämpfe der jüngsten Zeit haben hinlänglich erwiesen, Wie gefährlich es ist, den gewaltigen Druck dieser Spannung an einer einzelnen Stelle auszulösen. Fast in allen sozialen Kraftproben hat sich die Regierung gegenüber der erdrückenden Wucht der Massengewalt zur Notwendigkeit weitgehender Konzessionen gedrängt gesehen, und sie wird auch in einem neuen Winzerkrieg nicht am Zwang versöhnenden Einlenkens vorübergehen können, wenn ihr daran gelegen ist, eine schwere und in ihren politischen Nachwirkungen unabsehbare Erschütterung des sozialen Friedens zu verhüten. Es ist die Tragödie der gallischen Republik, daß sie ihre innern Kräfte nicht auf ein einheitliches soziales Ziel zu konzentrieren vermag, sondern den Schwankungen des sozialen Kampfs so völlig unterworfen ist, daß ihr politisches Gleichgewicht im wesentlichen von diesen Zufälligkeiten bestimmt wird ...! F. H.
den Kampf um die dreijährige Dienstzeit erzittert das Gefüge der Republik in seinen festesten Stützen, und im Aubetal, wo des Erdrunds edelster Rebensaft auf sonnbeglänzten Höhen gedeiht, zieht düster und drohend das Verhängnis neuer Winzer-Revolution herauf, bestimmt von dem Willen, der Opposition gegen eine Zwangsmaßregel der Regierung Gut und Blut zu opfern. Wo die Wogen der Leidenschaft so wild und unheildräuend schäumen, muß in der Seele des Volks tiefster Groll und finstre Unversöhnlichkeit lauern, denn der Massenzorn kocht nur dann empor, wenn an vitale Dafeinsinteressen feindlich gerührt und dem Nahrungserwerb von rauher Hand die Fessel des Reglements angelegt wird. Das ist in Frankreich geschehen, wo durch die Neuabgrenzung der Weinbaudistritte die Winzer zur Meldung jahrhundertealter und vertrauter Gewohnheiten gezwungen und zu einer frühern Brauch ächtenden Form der Produttions-Ver- wertung angehalten werden sollten. Die Notwendigkeit der Maßregel jft nicht recht ersichtlich, denn es bestand kein Zwang, am Bestehenden willkürlich zu ändern und alten Volksbrauch ohne Rücksichtnahme auf das ans Ererbte sich klammernde Empfinden der Massen zu verdammen. Vor zwei Jahren schon kam's zur Katastrophe, als die Winzer im Marnetal sich zusammenscharten, die Heiligkeit und Unantastbarkeit der Vätersttte proklamierten und zum Speer griffen, als die Obrigkeit ihrem Drängen gegenüber kühlen Herzens blieb.
Zwei Monde hindurch tobte damals die Champagner-Revolution: In den blühenden Orten des Winzergebiets redeten Trümmer und Asche vom Zerstörungswerk entfesselten Volkszorns eine erschreckend deutliche Sprache, und in den ersten Tagen der Karwoche sah die Regierung der Republik sich gezwungen, Truppen mit blanker Waffe und scharfgeladnem Gewehr gegen die Winzer ins Treffen zu schicken, lediglich, um zu verhüten, daß der Champagnerkrieg zur zügellosen Anarchie ausarte und dem Frevel wider die staatliche Autorität sich das Verbrechen an der bürgerlichen Gemeinschaft geselle. Das Erscheinen der Dragoner und Gendarmen hat indessen die erhitzten Leidenschaften nicht nur nicht gcschwichtigt, hat vielmehr den Groll noch vertieft, und im ganzen Talgebiet der Maine lohten des Aufruhrs Flammenzeichen blutigrot empor. Trutzigen Herzens, zögernd, ritt der Dragoner gegen die Menge vor, deren Empfindungen er teilte und deren Kampf seinem Hirn als Zwangsgebot des Volksgewissens erschien, und seine Hand, die das Schwert wider die Brüder zücken sollte, zitterte, wenn ihm der Hochruf aufs siebzehnte Regiment in den Ohren gellte, das vor vier Jahren bei Agde die Waffen senkte, als der Befehl käm, wider die kämpfenden Winzer im Sturmmarsch vorzugehen.
Damals wie heut bestehen zwischen den von Not und Fanatismus in den Kampf gedrängten Winzern und den Truppen natürliche Sympathien und starke Bande sozialer Solidarität- Erkenntnis, und es kann auch in einem neuen Winzerkrieg der Tag kommen, da angesichts der Not der Massen das Heer den Gehorsam weigert wrd für die wider die Autorität des Staats sich Auftehnenden offen Partei ergreift, w'e anno neunzehnhundettstebcn die siebzehnte Infanterie von Agde, die im kritischsten Moment sich als Brüder und Leidens-Genossen der Rebellen bekannte und gegenüber der Stimme des Gewissens Order und Kommando schweigen hieß. Ter im Aubetal drohende Konflikt ist neuer, gesährlicher Zündstoff am Pulverfaß der Volks-Erregung, und die Regierung hat allen Grund, die Leidenschaften der Massen nicht noch mehr zu stacheln, als es durch die sozialen Kämpfe der letzten Jahre ohnehin schon geschehen ist. Frankreichs Volkskessel erzittert heute unterm Druck einer bis zum
IerThron von Braunschweig.
Neue Rätsel und neue Plane.
Wir berichteten gestern in einem Telegramm aus Berlin über die für den Herbst geplante endgültige Regelung der Thronfolgefrage in Braunschweig, die im Oktober durch Beschluß des Bundesrats erfolgen werde. Von ofsiziö- ser Seite wird jetzt darauf hingewiesen, daß in der Angelegenheit bisher irgendwelche neuen Erörterungen nicht gepflogen worden seien; auch sei eine „Fühlungsnahme" zwischen der preußischen und braunschweigischen Regierung (von der in der Presse die Rede gewesen) nicht erforderlich, da die preußische Regierung schon weitgehend in Bezug aus die braunschweigische Thronfrage mit der braunschweigischen Regierung Fühlung genommen habe. Eine Aufhebung des Bundesratsbeschlusses von 1885 werde und könne aber nur von Setten Preußens beantragt werden.
Braunschweig und die Welfen.
(Von unserm gs.-Mttarbeiter.)
Braunschweig, 31. Juli.
Welfische Kreise Braunschweigs treten jetzt mit Plänen hervor, die auf eine Abtretung der vormaligen Landdrostei Lüneburg fettens Preußens an Braunschweig hinauslaufen. Ein unter dem Namen Heinrich Hanau schreibender fürstlicher Autor (Fürst Heinrichvon Hanau in Berlin) hat neuerdings im Anschluß an andere Veränderungen der deuffchen Landkarte auch die Forderung nach Abtretung Lüneburgs an Braunschweig erhoben. Dazu schreibt das Organ der braunschweigischen Landes - Rechtspattei (die Vaterländische Volkszeitung): »Herr Heinrich Hanau geht in seinem gut gemeinten und wohl durchdachten ■ Vorschläge unseres Erachtens nicht weit genug. Er spricht die Wotte „Friede zwischen Hannover und Preußen" nicht aus. Das ist aber notwendig, wenn er will, daß seinem Vorschläge die erwattete Beachtung geschenkt werden soll. Und da will es uns scheinen, daß er hätte so sagen müssen:
Hannover und Preuße«
schließen nachträglich unter Beobachtung aller gesetzgeberischen Maßnahmen miteinander Frieden. Preußen gibt die vormalige Landdrostei Lüneburg im ganzen Umfange an das Welfen- haus zurück. Durch Staatsakt der beteiligten Faktoren wird das alte Fürstentum Lüneburg mit dem Herzogtum Braunschweig vereinigt. Die übrigen Teile des vormaligen Königreichs Hannover bleiben preußischer Besitz, was von dem welfischen Fürstenhause als zu Recht bestehend anerkannt wird ...!" In dem gleichen Artikel erflärt das braunschweigische Welsenorgan aber die Ansprüche des Herzogs von Cumberland auf das ganzeGebietdes ehemaligen Königreichs Hannover für „durchaus berechtigt", erwartet die Wiederherstellung des Königreichs Hannover „auf gesetzlichem Wege" und fährt fort: „In welcher Weise dann eine Personalunion mit dem Herzogtum Braunschweig einzutreten hätte, wäre eine unerhebliche Frage, die die beteiligten Faktoren zu jeder Zeit beftiedigend zu lösen vermöchten ...I"
*
Der Kaiser und sein Schwiegersohn.
Berlin, 31. Juli. (Telegramm unseres Korrespondenten.) Tie durch die Presse gehenden Mitteilungen über den für den Anfang November bevorstehenden E i n z u g des Prin- zcnpaares Ernst A u g u st in Braunschweig stützen sich auf eine angebliche Aeußcrung des Kaisers, der vor einiger Zeit gelegentlich einer Unterhaltung über die Braunschweigische Frage sich dahin gehend ausgesprochen haben soll, daß „bis zum November die ganze Angelegenheit ihre befriedigende Erledigung gefunden haben werde und
dann der Uebernahme der Regierung durch den Thronberechtigten nichts mehr im Wege stehe". Diese Acußerung des Kaisers entspricht auch den aus der tatsächlichen Lage der Verhältnisse sich ergebenden Entwicklungs- Wahrscheinlichkeiten.
Flotte zum Zwecke einer Demonstration die sofortige Sperrung der Dardanellen durch Minenketten bringen würde, und daß dann die Getteideausfuhr aus dem Süden Rußlands unterbunden sei, daß also nach Lage der Sache ganze südrusflsche Bezirke damit dem Ruin nahe gebracht würden.
Waffenruhe am Balkan!
Die Friedensverhandlungen in Bukarest.
In der gestrigen ersten Sitzung der in Bukarest versammelten Friedens-Delegierten der Balkanstaaten ist ein Waffenstillstand von fünf Tagen geschlossen worden. Griechenland und Serbien haben schließlich also doch dem Drängen Rumäniens nachgegeben. Während dieses Waffenstillstandes sollen die Friedensbedingungen beraten werden. Alle Friedens-Delegierten seien (so heißt es) von dem Wunsche einer baldigen Herbeiführung des Friedens und einer Verständigung mit den Mächten beseelt. Die Verbündeten erklären, daß sie ihre Bedingungen gemeinsam stellen, um es dadurch den Bulgaren unmöglich zu machen, mit einem allein Frieden zu schließen. Die allgemeine Stimmung bezüglich den Verlauf und die Dauer der Konferenz ist günstig. Wir verzeichnen folgende Draht-Meldungen:
London, 31. Juli.
Der Bukarester Korrespondent der Daily Mail meldet, daß man über den Ausgang der Friedensverhandlungen keine» Zweifel mehr hegen könne. Alle Anzeichen ließen darauf schließen, daß die Konferenz bald zu einem Friedens- s ch l « tz kommen werde.
Konstantinopel, 31. Juli.
Enver Beh telegraphierte ans Adria- nopel, er werde sich weigern, mit seinen Truppen ans Adrianopel abzuziohen, selbst wenn dadnrch das Kabinett gestürzt werden soNte. Auch der Minister des Innern, Talaat Beh, sprach stch in diesem Sinne ans.
Wien, 31. Juli.
Ater erhält stch das Gerücht, Rußland habe seine Vorbereitungen beendet, um sofort Truppen in Armenien zu landen und die Häfen der Kleinafiati- schen Küste durch die Schwarze Meerflotte zu blockieren. Es seien bereits alle Maßnahmen dazu getroffen.
Ueber die gestrigen Verhandlungen der Friedens-Konferenz wird uns aus B ukar est depeschiert: Die Friedens-Verhandlungen, die gestern nachmittag um vier Uhr begannen. haben einen günstigen Anfang genommen. Der rumänische Ministerpräsident Majorescu wurde durch Zuruf zum dauernden Vorsitzenden auf der Konferenz ernannt. Damit ist ein Wunsch Bulgariens erfüllt, das nicht wechselnde Präsidenten der Verhandlungen, sondern ein stetiges rumänisches Präsidium im Interesse- der Unparteilichkeit fordert. Dann wurde über die Einstellung der Feindseligketten beraten. Es wurde beschlossen, daß von Donnerstag nachmittag fünf Uhr ab für fünf Tage Waffenruh e eintritt. Dieser Beschluß wurde einstimmig gefaßt und sogleich den Generalstäben der verschiedenen Armeen auf telegraphischem Wege übermittelt.
Mobilisiert Rußland?
Petersburg. 31. Juli. (Privat- Telegramm.) In russischen militärischen Kreisen wird gegenwärttg für den Fall, daß es zu einer russischen Sonderaktion kommen sollte, zunächst nicht mehr der Einmarsch in Armenien erwogen, sondern ein Vorgehen gegen Adrianopel. Um den 200 000 Mann türkischen Truppen dott eine überlegene militärische Macht entgegenzustellen, sollen mehrere russische Armeekorps mobilisiert werden, die in einem bulgarischen Hafen des Schwarzen Meeres landen und dann gegen Adrianopel marschieren sollen.
Die letzten Kampfe.
Sofia, 31. Juli. (Amtliche bulgarische Meldung.) Auf der ganzen Front der Truppen, die gegen die Serben operieren, herrschte gestern Ruhe. Zahlreiche griechische Truppenabteilungen suchten in der Richtung auf die Höhen von Zanoga Bastepe und in den Bergen von Malesch vorzurücken, wurden aber von den bulgarischen Truppen zurückge- schlagen. Auch im Tal der Mefta wurden die Griechen zum Rückzug gezwungen. Tie ganze Gegend von Bazlog ist jetzt von griechischen Truppen gesäubert.
Rur ei« Bluff?
Konstantinopel, 31. Juli. (Privat- telegramm.) Auf der Hohen Pforte wird die Drohung Rußlands mit einer Flottendemonstration nicht sehr ernst genommen. Rußland wisse genau (so argumentiert man hier), daß das Auslaufen der russischen
Ser Ksmlmen-Köaig.
Beginn des Krupp-Prozesses vor dem Kriegs-, gericht; zweiunddreitzig Zeuge» vor Gericht,
(Bericht unsers P. L.-Mitarbeiters.)
Berlin, 31. Juli-
Der rote Backsteinbau des Kriegsgerichts der Königlichen Kommandantur zu Berlin in der Lehrter Straße im Nordwesten Berlins bildet von heute ab den Schauplatz eines sensationellen Prozesses, dessen Vorgeschichte nicht nur in ganz Deutschland, sondern weit darüber hinaus dasallgemeinste Aufsehen erregt hat. Die verkehrsstille Lehrterstraße, in der sich das Gebäude des Kriegsgerichts für den Krupp- Prozeß befindet, schläft sonst das Jahr hindurch einen förmlichen Dornröschenschlaf. Wer vom Lehrter Bahnhof herkommend, in der Jn- validenstraße an den altersgrauen Mauern des Berliner Zuchthauses vorüber in die Lehrterstraße einbiegt, befindet sich alsbald inmitten eines ausgedehnten militär-fiskalischen Terrains, das rings von den Kasernen des zweiten Garde-Ulanen-Regiments, des vierten Garderegiments, des ersten Garde-Feldartillerieregiments, des Attilleriedepots, des Bekleidungs- amtes und des Berliner Militärarrestgebäudes umgeben ist. Inmitten breitet stch (eine Seltenheit in der dicht bebauten Weltstadt) ein mächtiger, freier, sandiger Platz aus, der den verschiedenen anwohnenden Regimentern als Exerzierplatz dient Nach Südwesten schließen die gewaltigen Anlagen der Berliner Kriminalgerichtsgebäude unmittelbar an. Man befindet sich demnach im Brennpunkt der Berliner Justiz sowohl auf militärischem wie bürgerlichem Gebiet, und zwar nicht nur ihrer Verhandlungen, sondern auch ihrer beiderseitigen Strafanstalten. Ein Spiel des Zufalls will es, daß nach den, Norden zu
die Krupp-Straße
bas heute im Mittelpuntt der Ereignisse stehende Gelände abschließt. In dem Winkel, den die Krupp- und die Lehrterstraße bilden, erhebt sich das G e r i ch t s g e b ä u d e der Berliner Kommandantur. Hier wiederum ist es ein mittelgroßer, freundlicher Saal, der den eigentlichen Schauplatz des heute beginnenden Krupp-Prozesses bildet. Der größte Teil des Saales ist für die Richter, Angeklagten, Verteidiger und Zeugen bestimmt. Nur e i n e B a n k dient dem zuhörenden Publikum, für das einige wenige Eintrittskarten ausgegeben sind, während fünfundzwanzig weitere Katten an die hervorragendsten Vertreter der deutschen Presse ausgegeben wurden, nachdem über zweihundert Bewerbungen von Journalisten airs aller Herren Länder zu berücksichtigen waren, die jedoch in- folge des großen Raummangels abschlägig be- schied en werden mußten. Den Vorsitz führt Oberst Hausse vom Jngenieurkorps-Berlm. während Kriegsgerichtsrat Coerrens als Verhandlungsführer fungiere» wird. Militärische Beisitzer sind Major Wagner von der Landesaufnahme des Großen GeneralstabeS und Hauptmann von Langendorff vom Königlichen Generalstab: als gerichtlicher Bei- sitzer fungiert Kriegsgerichtsrat Dr. Barensprung; als Verteidiger sind die Rechtsanwälte Karl Ulrich, Dr. Barnau, Dr. Thurm und G r a s s o w tätig.
Auf der Anklagebaak nehmen folgende sieben Personen Platz: Oberintendantursekretär Pfeiffer- Berlin-Steg- litz, kommandiert zum Kriegsministerium, Zeug- keutnant Hoge- Charlottenburg, zugeteilt der Artillerie - Prüfungskommission, Feuerwerker Dröse, zuqeteilt früher bei der Attillerte- Prüfungskommission und später angestellt bei der Firma Krupp, Zeugleutnant Tilian- Spandau, von der Munitionssabrik in Spandau. Zeugleutnant H i n st vom Artilleriedepot in Marienburg, Zeugleutnant Schleuder vom Attilleriedepot in Koblenz und der Feuerwerker Jürgen Schmidt. Alle sieben Angeklagten wurden am siebenten Februar dieses Jahres, vormittags elf Uhr zu gleichen Stunde verhaftet. Aus der Vorgeschichte des Prozesses weiß man bereits, daß die Angeflagten des Vergehens wider das Gesetz gegen den Verrat militärischer Geheimnisse, der Bestechung und des Ungehorsams gegen militärische Befehls beschuldigt werden. Sie sollen zu dem Leiter des Berliner Büros der Firma Friedrich Krupp A.-G. in Essen a. Ruhr, dem früheren Oberfeuerwerker der Attillerie-Prüfungsk-mmission Mar Brand, feit dem Jahre 1906 andauernde Beziehungen unterhalten haben, die dem Brand dazu dienten, von ihnen Nachrichten aus den Kreisen der preußischen Militärverwaltung darüber zu erhalten, welche Angebote der Verwaltung von der Konkurrenz der Firma Krupp in Bezug' auf
Lieferung von Kriegsmaterial gemacht wurden. Man weiß ferner, daß der heute begonnene Prozeß nicht der einzige seiner Art sein wird, da demnächst auch vor dem