COler NM Nachrichten
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Der Winter versuchte seine jungen Kräfte. Mit mächtigem Nord blies er durch die Gassen, schüttete dann mit vollen Armen Schnee in die Welt, fuhr mit seiner eisernen Faust über die Teiche und Bäche und erstarrte die wallenden Wasser.
Der Postbote, der jetzt, nachdem es ruhiger in den deutscheir Gauen geworden war, alle Mei Tage von der Kreisstadt nach Heideborst kam, brachte zwei Briefe in das kleine, stille Schnlbaus. Den einen nahm mit zitternder Hand das alte Mütterchen an sich und den anderen Baroneß Gisela. Und beide sagten: „Von ihm!" Mutter Wintzer setzte sich nieder, schnell und hastig, denn es war ihr eine Schwäche angekommen. Und Gisela ging mit ihrem Briefe still hinaus. In dem Flur blieb sie sinnend stehen. Sie lehnte sich an die braune, bolzge- täfelie Wand und schloß die Augen. Ein namenloses Glück lag auf ihrer Seele, ein Glück, das sie zu verscheuchen fürchtete, wenn sie sich rührte. Auskosten wollte sie diesen seligen Augenblick, der ibr Kunde von dem brachte, der ihr auf Erden am liebstes war. den sie schon geliebt hatte, als sie noch ein Kind war, und er im Schlosse bei ihr saß und sie lehrte, den sie liebte mit einer Liebe, die sie verschließen mußte, streng verbergen, um sie nicht auflodern zu lassen; denn sie ivar die Herrentochter vom alten Adel und eine der reichsten Erbinnen des Landes gewesen ... er aber der Schullehrer im Heidedorfe. Und was war er nun? Noch immer Heideschullebrer. Aber er war ein Held, ein Kämpfer, mit Wunden und Ruhm bedeckt, und sie eine Waise, der Aermsten eine, die nichts und nichts besaß, die ibm nur ihr Herz bringen konnte und ihre große, selige Liebe ... und diese wollte sie ihm auf beiden Händen entgegentragen. Was waren das für Wocken und Monate gewesen, die hinter ihr lagen?! Doch nun war ja alles gut ... denn er lebt ja, er lebt und schreibt ihr. Und nun hastete sie die Treppe empor nach ihrem Zimmer.
Ihr junger Körper bog sich wie eine schlanke Gerte, als sie zwei, drei Stufen sprang. Alle Zagheit der letzten Wochen war von ibr gegangen, zerflossen in nichts. Und nun las sie:
Meine liebe, verehrte Baroneß Gisela!
Es ging einer fort, für seinen König zu kämpfen. Und als cs an das Abschiednehmen ging, als die Mutter ihm segnend sein Haupt küßte, da suchten seine Blicke nach einem Wesen, das seiner Seele schon längst verbunden war. Aber das liebe Wesen, die Getraut« seiner Seele, kam nicht. Da ging er mit finsterem Herzen durch den Flur seines Hauses, der Fahne entgegen. Und wie ein Schatten kam es über ihn. aber nickt wie ein finsterer, sondern wie ein lichter Schatten, und zwei Arme, wohlig weich, umschlangen ihn. und zwei Lippen, glühend heiß, küßten seinen Mund. Dieser Kuß war sein Talisman, fein Segen für alle Wirrnisse des Krieges, und behütete ihn in schwerer Schlacht, daß er, obwohl mit Wunden übersät, immer und immer wieder genas. Nun rüstet er sich zur Heimkehr. Werden ihn in seinem Hause dieselben » weichen Arme umfangen, dieselben beißen Lippen küssen?! Nein, es wird nickt sein, denn der Krieg hat dem Jüngling für ewige Zeiten seinen Stempel aufgedrückt, er bat einen abstoßend Häßlichen aus ihm gemacht, hat ihn entstellt und verkrüppelt.
Kennen Sie den Jüngling. Gisela? .Kennen Sie das Wesen, das den Jüngling küßte?
Um eins fleht nun der Jüngling, wenn er heimkehrt: Lassen Sie ihn nichts fühlen, wenn Abscheu vor seinem entstellten Gesicht sich regt, lassen Sie ibn ihren Schreck nicht merken, Gisela, wenn Sic ihm das erste Mal begegnen. Gisela, ich war zu verwegen, ich richtete mein Auge zu einem Stern, und nmr schlug mich das Schicksal, das neidische, nieder. Lassen Sie nur noch einmal mich Ihre Hand küssen, Gisela, nur noch ein einziges Mal. Ick will kommen in finsterer Nacht, daß Sie mich nicht sehen sollen. Tann will ich still von dannen gehen mit meiner Mutter, um nicht Ihren Weg zu kreuzen, will mich in einem Winkel der Welt verkriechen und geduldig harren, bis mich der ergreift, der mich im Kriege übersah.
Run noch einen Gruß für all die Lieben, die ick daheim ließ oder die ich im Felde zuletzt sah: Ihren lieben Vater, den Pfarrer
2. Beilage.
Mittwoch, 30. Sali 1913.
Nr. 198.
Dritter Jahrgang.
Christnacht. Sterne am Himmel, klar und leuchtend, schneidende, knisternde Kälte über allen Landen, und im Schulhäuschen Tannenduft in Flur und Zimmer. Zwei Menschen harren anderer. Endlich erklingt das Knattern und Knirschen von Wagenrädern, die auf dem spröden, körnigen Schnee singen, ein Lied vom Kommen und Gehen, ein Lied von Wiederkehr. Wiederkehr! Köstlichstes aller Worte für liebende Seelen, die in Bangen harrten.
Run sind sie da. Die Mutter steht am Wagenschlage und empfängt den ersten, der da aussteigt. Es ist Erwin, ihr Aeltester, der sie mit den Armen hält, ihr verlorener und wie- dergeftmdener Sohn. Von heißen Zähren wird alles ausgelöscht, was trennend zwischen ihnen gestanden hat. Nun steigt müde und zögernd der andere aus. Rasch tritt er in den Schatten des Hauses, als blend; ibn das Lickt der Wagenleuchten. Aber die Mutter zieht ihn an sich und führt ihn, nachdem sie ibn umschlungen hat, ins Haus, und an ihrem andern Arme hängt der Große, der Blonde.
Da steht eine im dunkeln. Flur, hält sich die Hand auf das klopfende Herz, dos schier zerspringen will. Nun springt sie zur Tür und reißt sie auf, und eine Licktflut, vom Christbaume ausgestrahlt, macht sich breit. Und sie reißt der Mutter den Sohn weg und zieht ibn ins Licht und schaut ihm ins Angesicht und sieht nichts weiter, als feine lieben, treuen Augen, und sie küßt ihn und will reden und kann doch nicht, und so jauchzt sie nur auf und ruft endlich: „Das Glück! Das Glück!"
Nun kommt die bange Frage: „Warum ist der Freiherr, warum der Pfarrer nicht da? ... Ist Werner noch nicht zurück vom Feldzuge?"
Ein dumpfes, banges Schweigen ... stille, schmerzliche Tränen sind die Antwort. ...
Und wieder klingt die Haustürglocke, und Schritte kommen durch den Flur. Eine Stimme, geschmeidig höflich, fragt: „Ist hier Baroneß Gisela von Altenlohe zu finden?" Gisela tritt vor. „Ich bin Gisela von Altenlohe ... jetzt bin ich es noch, aber über Woche und Tag bin ich Frau Schulmeister Wintzer!" Mit einem großen, stolzen Glücke sagte sie diese Worte.
Der Frager stellte sich vor: „Advokat Dr. Winter."
Gisela zuckte zusammen. Sie weiß, daß er der Rechtsbeistand der harten Frau droben im Scklosse ist. „Bitte!" sagte sie kurz und knapp höflich.
„Ich bin beauftragt. Ihnen mitzuteilen, daß Frau von Bourgee auf ihre Rechte, die sie bisher auf Schloß und Gut Heidehorst geltend gemacht hat. verzichtet. Der Erbe, Emil von Bourgee, ist durch die Strapazen des Feldzuges und durch Verwundungen schwer lungenleidend geworden und kann ohnehin in dieser rauhen Gegend nicht leben, unb Toinette von Bourgee ist vor Heimweh gemütskrank und muß auch Heidehorst verlassen. Roch heute Nacht, wenn der Reisewagen rechtzeitig eintrifst, verlassen die Herrschaften das Schloß, wie sckon gesagt, mit vollständigem Verzicht auf bas Schloß und allen Besitz. Der notarielle Bescheid wird Ihnen noch zugehen, da Sie ja die einzige gebliebene Nltenlohe ..."
„Die einzige Altenlobe?" fragte Paul Wintzer bestürzt. „Und Lintbardt, der Erb- junker?"
„Er starb den Heldentod," bauckte Gisela und sah zu Boden, aber dann reckte sie sich auf und stand vor dem Notar, stolz und steil. Keine Fiber in ihrem Gesichte verriet, was in tbrer Seele vorging. Dann sagte sie bestimmt: „Sparen Sie sich jede Mühe, Herr Advokat ... es ist leid um jeden Federstrich. Ich bin auf immer von Schloß Heidehorst getrennt und will es auch sein, denn nichts zieht mich dorthin, wo ich das Bitterste meines Lebens erfahren habe. Ich kenne nur ein Glück: Die Frau jenes Mannes zu werden und an seiner Seite Heideschulmeisterin. Sagen Sie das Ihrer Herrschaft und fügen Sie meinen Gruß bei für Toinette von Bourgee. Das Schloß ober soll eine Stätte werden für invalide Veteranen. Veranlassen Sie das, wenn Sie wollen!"
$ie Flammen,eichen rauchen Roman aus dem Jahre 1813. . Do« Max Karl Böttcher.
Und sieht jetzt drauß' im Feld, Nun ist das Leben fade, Rar ist die Lieb und's Geld!" ght hoher General, der neben dem Kleknen tat schäbigen Mantel stand, atmete auf, als er dessen Lächeln sah. Und er flüsterte dem neben ihm stehenden General zu: „Der Kaiser bat ge- l-cht!"
Der andere Morgen! Die Sonn« zerrte Schleier dichter Nebel über die Erde, bis gegen neun Uhr die Schlacht wieder begann. Die stiedcl beiseite, den Säbel 'raus! Wie das Kerlchen, der Musikus, kämpfen konnte! Jetzt gmgs vorwärts, jetzt stand man, jetzt lag man, jetzt ging es wieder vorwärts ... und jetzt war man am Feinde.
Hei. schlagen die Preußen drein! ... Und wie die Augen glühen, wie der Haß, die Kamps- gftr aus den Äugen springt!
„Die Fahne stürzt," ries einer der Franzo- M. Der Fiedler sprang hinzu und raffte sie hoch, aber sie zuckte in seiner Hand. Das Tuch, das wehende, ward hin und her gerissen, trotzdem kein Wind ging! Es waren Kugeln, die ht das Banner fuhren und es zerrten.
Aus den Reihen der Preußen rang sich ein wackerer Kämpfer bis zur französischen Fahne durch und stand nun dem Fiedler gegenüber. „Pfui, ist der Kerl häßlich!" schrie der Fiedler, der auch im wüstesten Kampfe seine Bemerkungen nicht lassen konnte und saft jedem Hiebe und jedem Schlage, den er austeilte, ein Geleitwort mit auf den Weg gab. Und er schrie: »Kerl, hast keine Näs' und ein Loch im Backen! Funge. sei bloß dankbar, wenn ich Dich aus der Welt schaffe!" Und er stieß mit dem Säbel nach dem Häßlichen. Aber der Stoß traf einen anderen, der sich dazwischendrängte, und diesem blieb des Fiedlers Säbel im Leibe stecken. Run war der Fiedler jeder Waffe bar und blickte sich suchend nach einem neuen, herrenlosen Eisen um. Der Häßliche stand vor ihm, das Schwert gezückt, itnb schlug doch nicht zu. Und seine Augen starrten auf die Narbe, die des Musikers Stirn entstellte, und ein Gefühl der Schwäche überkam ihn.
Da fällte ein anderer den Fiedler, der dem Häßlichen zu Füßen stürzte. Drei, vier deutsche Krieger wollten noch auf den Gefallenen einhauen, während ihm andere die Fahne entrissen. Aber der Häßliche warf sich über den daliegenden Feind und deckte ihn mit seinem Leibc, und die Säbelhiebe der Kameraden trafen ihn. Er aber schrie in höchster Seelenangst mit schriller Stimme: „(St ist mein Bruder! Er ist mein Bruder!" Da traf ihn ein letzter Hieb in den Racken und machte ihn stumm.
An der Straße bei Wuhan stand ein Häuschen. Dem Wegemacher hatte es gehört. Jetzt war es nur nock eine Trümmerstätte. Eine Kugel der französischen Artillerie hatte von dem Hause das Dach weggerisfen. Order, grauer, kalter Oktobertag schaute in die beiden Stübchen. Im Trümmerhauk lagen zwei Dutzend Menschen auf blutigem Stroh und harrten, bis der kalte Tod seine knöcherne Hand auch um ihr Herz krallen und ihnen das flackernde Leben ausdrücken würde. Aber der Tod hatte in diesen Tagen alle Hände doll zu tun. In größter Hast eilte er hinter sser fliehenden Armee Napoleons her, nock zu erwischen, was er packen konnte, und "Dativ dabei der ächzenden Menschlein vergessen, die bei Wachau im Wegmacherhause lagen.
1 Im Stübchen linker Hand lagen, weil es gar zu klein war, nur Ffer der Kämpen, drei aus Napoleon? Heer uni* ei« Preuße. Dieser war häßlich, hatte keine Rase int Gesicht, aber dafür in der Backe ein koch, schlecht vernarbt, das rote Fleisch strahlenförmig zusammengezogen. Er erwachte, ak4 ein Krankenpfleger an fein Lager trat, der eitern preußischen Feldscher etwas erklärte. „Detz hier, ohne Nase, lag auf dem da, dem BlondeK, mit der Narbe auf
(Nachdruck verboten.) (Schluß.)
<nun waren sie dort ht Leipzigs Gefilden, . . Stelldichein aller europäischen Kriegs- niannc« Das Riesenwürgen ging los, das «i-vernngen einer menschlichen, sich selbst er- ^ibten frevelhaften Gottheit.
^Erwin Sommer, der luftige, junge Krieger, mit dabei. Am Abend vor dem ersten der x-ei Schlachtentage, als im Biwak eine bange, eMvüle Ruhe herrschte, als fühle jeder, daß der Nachogvtt in diesen Stunden selbst zur Welt herniedersteige und sich anschicke, mit mächtiger Sjitft den Frevler ans seiner goldenen Bahn m stoßen, da stand Erwin Sommer im Biwak am großen Lagerfeuer und siedelte und sang iNsiiae Wessen dazu. Das dumpfe, bange Brü- Jt per Soldaten wich, und eine fröhliche Stimmung machte sich breit. Größer und größer ivurde der Kreis der Zuhörer um Erwin Sommer, Offiziere traten hinzu und schüttelten sich vor Lachen. Unter ihnen war einer in schäbigem Mantel, ein Kleiner, den Dreimaster aus dem Kopfe, einen Ordensstern auf der Brust, mit gelbffahlem Antlitz. Einmal, nur einen kurzen, flüchtigen Augenblick, huschte ein Lächeln über sein Gesicht, als der Fiedler Lieblein sang, das lautete:
„Mein Schatz, der ist Soldat«
A«5 den GerichtMle«.
Das Recht auf den Speisewagen.
Aus Anlaß des starken Reiseverkehrs der Ferientage sind bei der Eisenbahnbehörde verschiedentlich Beschwerden über die „Ausweisung" von Reisenden aus dem Speisewagen erhoben worden. Man ist im Publikum im allgemeinen nicht darüber unterrichtet, daß der Aufenthalt im Speisewagen gewissen Bestimmungen unterliegt, deren Nichtbefolgung Strafe nach sich ziehen kann. Das Kammergericht hat sich erst vor einiger Zeit mit einem solchen Fall beschäftigt und die Bestimmung der Eisenbahnverkehrsordnung über den Aufenthalt im Speisewagen bestätigt.
Im Jahre 1908 wurde bestimmt, daß Reisende im Speisewagen erst dann Platz nehmen dürfen, wenn sie bereits über Platzkarten verfügen. Durch diese Bestimmung sollte dem Mißbrauch vorgebeugt werden, der mit den Speisewagen getrieben wurde, indem die Reisenden ein Billett dritter Klasse lösten und sofort sich in den Speisewagen begaben, um hier die g anz e F ahrt zu machen. Die Reisenden sollten durch diese Bestimmung gezwungen werden, sich zuerst einen Platz in dem Eisenbahnwaaen zu wählen und zu warten, bi? ihnen die Platzkarte überreicht wird. Ein Reisender hatte dagegen verstoßen und war in Strafe genommen worden. Da er sich weigerte, zu zahlen, so wurde der Fall aus prinzipiellen Gründen bis zum Kammergericht verfolgt. In der ersten Instanz war der Reisende freigesprochen worden, weil der Bundesrat nach dem Wortlaut der Verfassung zum Erlaß von
Verordnungen mit Strafandrohung nicht befugt sei, und weil aus diesem Grunde die betreffende Verordnung nicht rechtskräftig fei. Das Kammergericht entfchied aber, daß die Strafe z u R e ch t bestehe. Es handele sich hier um Artikel 42 und 43 der Reichsversassung. In diesen beiden Artikeln wird die Befugnis und Verpflichtu,lg zum Erlaß von Bahnpolizeivor- schristen den einzelnen Bundesregierungen übertragen. Es ist nun die Frage, ob die Bundesregierungen auch berechtigt sind, durch den Bundesrat Verordnungen zu erlassen. Diese Frage ist zu b c j a h en. Der Bundesrat besteht aus Vertretern der Bundesregierungen, und der Sinn des Paragraphen 42 ist entschieden der, daß die Vertreter der Bundesregierungen befugt sind, einheitliche bahnpolizeiliche Bestimmungen in Wirksamkeit treten zu lassen. Der betreffende Paragraph der Eisenbahnverkehrs- ordnung besteht demnach zu Recht. Es ist also den Reisenden verboten, im Speisewagen Platz zu nehmen, b e v o r sie eine Platzkarte in dem Wagenabteil, für das sie das Billett gelöst haben, genommen haben. **
c£P Ein Intermezzo beim Licbesmahl. Die Ohrfeigenszcne zwischen dem Oberleutnant von der T r e n ck und dem Major von K o p p p, die sich (wie seinerzett berichtet) im Offizierskasino des Königsberger Kürassier-Regiments Graf Wrangel abspielte, fand jetzt ein Nachspiel vor dem Kriegsgericht. Beide Gegner erschienen als Angeklagte vor den Richtern. Oberleutnant von der Trenck von den Wrangel- Kürassiercn wurde des tätlichen An- grifss unfeine nVor gesetzten, sowie der Beleidigung, und Major von Koppy von demselben Regiment der Beleidigung beschuldigt. Während eines Liebesmahles im Kürassier-Kasino war es zwischen dem Oberleutnant, der erst vor einiger Zeit für eine Lebensrettung die Rettungsmedaille erhalten hatte, und dem Major von Koppv zu ernsten Differenzen gekommen. Der Oberleutnant wurde gegen seinen Vorgesetzten tätlich, und die Folge war, daß Major von Koppy. ein alter Südwestafrikaner, der sich im Hottentotten- Aufstand in zahlreichen Gefechten ausgezeichnet hatte, schwer verletzt auf einer Tragbahre nach Hause transportiert werden mußte. Oberleutnant von der Trenck wurde vom Dienst suspendiert und ins Garnison-Arresthaus eingeliefert. Das Kriegsgericht, das hinter verMosse- neu Türen verhandelte, verurteilte ihn zu einem Jahr drei Monaten Festungshaft und Dienstenüassung. Major von Koppy erhielt vierzehn Tage Stubenarrest.
Dann wandte sie sich ab. Und Paul Wintzer umschlang sie u. sagte: „Run bist Du erst mein!" *
Mitternacht im Heidedorse ... Weihnachtsmitternacht. Durch den Park des Schlosses ziehen keuchende Pferde ein großes Gefährt. Zwei Frauen und ein junger Mann darin, stumm und still. Die Hoffahrt fährt davon! Was ließen sie alles hier in diesem stillen Winkel?! Was wurde ihnen alles geraubt?! TaS große, das heilige Jahr: Vielen hat es genommen, wenigen hat es gegeben, aber deutschen Landen hat cs heiliges Gut wiedergegeben: Die Freiheit! *
In selbiger Nacht, da Blücher bei Caub übet den Rhein setzte, wanderte einer gen Süden, in das Land der Tiroler Hekden. Ein Mägdlein saß in seinem Herzen, blondzöpfig und mit schmiegenden, weichen Armen; im „Mondschein" saß sie. in Bozens alten Gassen, die wollte er sich holen.
— Ende. —
der (Stirn. Ich glaube, sie hätten sich erwürgt, wenn sie nicht bewußtlos geworden wären."
„Ja, ja, es ging toll zu. ... Was hat der Blonde?" „Nickis ernstes. ... Ein Stich durch den Schenkel und ein paar Flcischwunden I"
„Und der ohne Nase?"
„Der Rücken ist wie zerhackt, aber auch nur Fleischwunden!" Dann gingen sie weiter.
Unterdessen war auch der Blonde erwacht. Er drehte sich um, schlug die Augen auf und blickte gerade in das Augenpaar des Häßlichen. Der lächelte und reichte dem anderen die Hand hinüber, und ein Strahl innerlichster, reichster Liebe brach jetzt aus seinen Augen. „Bist Du es, bist Du Erwin Wintzer, mein Bruder?"
Da fuhr der jäh empor: „Was sagst Du, Kamerad? ... Woher kennst Du meinen Namen? ...Wer bist Du?"
„Ich bin Paul Wintzer, und die Narbe auf Deiner Stirn warnte mich, den eigenen Bruder zu erschlagen!" Da schlug der andere die Hände vor fein Gesicht und weinte, weinte lange Zeit.
und Ihren lieben, guten $ ruber Werner, von dem ich nie wieder etwas gehört habe.
Ihr
Paul Wintzer.
Gisela saß im Stuhl am Fenster und hatte das Haupt geneigt und hielt den Brief mit beiden Händen im Schoße und weinte. Sie weinte nicht um ihr Glück, denn das konnte ihr nichts in der Welt rauben, da er lebte, aber sie weinte um ihn. Wie mußten die Qualen des Feldzuges seine große, edle Seele niedergebrochen haben, daß er solche Worte an sie schreiben konnte, Worte, die ihre Liebe so kläglich Nein wähnten, daß sie seiner entbehren könne und wolle um seines entstellten Leibes willen. Er sollte nur kommen, sie liebte sein Herz und seine Seele, und die konnte keine Waffe des Feindes entstellen.
Die Mutter trat in ihr Gemach.
Ein großes, großes Glück strahlte aus ihrem Antlitz. Es war, als fiille sich das Zimmer- chen mit leuchtender Helle ... und Mutter Wintzer ging zu Gisela und umarmte sie und küßte sie. „Gisela, zwei Jungen kehren mir zurück. Andern hat der Krieg genommen, mir hat er gegeben!" Sie zog das Mädchen zu sich empor und küßte cs auf Stirn und Mund und sagte: „Nun habe ich drei Kinder, Gisel!"
Und das Mädchen nickte dazu und sagte nur: „Meine Mutter!" ...
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