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Casseler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Juli 1913

Dienstag,

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 197

Di, Lasselrr Sleueft« Nachrichlm «rf (Seinen wochenttlch sechsmal und »war abend-. Der Lbonnemenl-pret- beträgt monatlich « Pfg. bet tretet Zustellung in» Hau». Bestellungen werden leder-elt von der Geschäkt-stelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redattloni Schlachthosttrabe18/30. Sprechstunden der Redaltlon nur von 7 biS S Uhr abend«. Sprechstunden der Au-kunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag vo.i «bi« 8 Uhr abend«. Berliner Vertretung: SW, Friedrlchstr. 16, Telephon: Amt Moritzplatz I2L84.

Die Opfer der Katastrophe.

(Privat-Telegramm.)

Kopenhagen, 28. Juls.

daß alle Maßnahmen getroffen werden wür­den, um dem Willen des vereinten Europa am Balkan Geltung zu verschaffen.

Flotten-Demonstration in Sicht!

(Privat-Telegramm.) Petersburg, 28. Juli.

Es bestätigt sich, daß Rußland auf einer Flo tt end em o nst rat t o n vor Kon­stantinopel sowie anderen Maßregeln ge­gen die Türkei besteht, und in russischen diplo­matischen Kreisen glaubt man, daß die Groß­mächte nichts dagegen haben werden, Rußland eine Demonstration im Namen des eure päischen Konzertes ausführen zu lassen, falls einige Großmächte an einer solchen De­monstration sich nicht beteiligen wollten. An maßgebender Stelle wird aber nach wie vor versichert, daß von separaten Schritten Ruß­lands ohne Zustimmung der Großmächte keine Rede sein könne. Was die Frage einer Be­setzung Armeniens betrifft, so wird eine solche Haltung als ultima ratio bezeichnet, von der augenblicklich noch nicht gesprochen werden könne. Der Zar ist gegen alle Gewaltmittel.

Der Feuerbrand am Balkan loht über den Trümmern von Milliardenwerten und über den Leichen von Hunderttausenden, die der Völker- krieg gemordet, und der Mann, der einst in die­sem Kampf das Morgenrot bulgarischer Zu­kunft und Koburg'scher Größe sah, steht, ein Gedemütigter und Einsamer, flehend und bit­tend, vor mitleid-fremden Siegern ...I F. H.

rH): der digt Uhr 7.15

82): Pre.

Sämtliche Leichen sind furchtbar verstümmelt. Die Toten liegen auf mit Blumen geschmückten Bahren im Ho- tel von Bramminge. Die Verletzten sind in den Krankenhäusern untergebracht. In dem verun­glückten Zuge befanden sich im ganzen 179 Pas- sagiere, größtenteils Engländer und Deutsche. Man vermutet, daß die enorme Hitze,

Jas Wtland-Irama.

Das Eisenbahn-Anglück bei Bramminge ans Jütland; acht Deutsche unter den Todes­opfern ; die Hitze als Ursache der Katastrophe.

Der Expreßzug Kopenhagen. Esbjerg entgleisteam Sonnabend nachmittag bei Bramminge. Die erste Lokomotive stürzte um, die zweite entgleiste. Sämtliche Wagen,mit Aus­nahme des letzten, find umgsstürzt. Siebzehn Personen wurden getötet, viele Personen schwer verletzt. Anter den Toten befinden fich acht Deutsche. Die furchtbare Katastrophe, bei der siebzehn Menschenleben vernichtet wurden, während zahlreiche andere Personen schwere Verletzun­gen erlitten, ereignete sich am Sonnabend nachmittag um vier Uhr bei der Station Seum in Südjütland, in der Nähe des Dorfes Bram­minge, zwei Stationen vor der Endstation Esb­jerg. Der verunglückte Expreßzug, der morgens um acht Uhr von Kopenhagen abgefahren war, war von Ausländern, darunter auch Deut- scheu, Dänen und anderen Sommerftischlern stark besetzt, die in Esbjerg den Anschluß an die Dampfer erreichen wollten, um von dort nach England zu fahren. Di- Ursache des Un­glücks ist wahrscheinlich darin zu suchen, daß die in Jütland seit einigen Tagen herrschende großeHitzedie Gleise verschoben hat. lieber die folgenschwere Katastrophe erhalten wir fol­gende Draht-Meldungen:

Der verunglückte Expreßzug.

(Privat-Telegramm.)

Kopenhagen, 28. IM

Das Unglück bei Bramminge ereignete sich, al« der Expreßzug sich in voller Fahrt befand. Im Moment der Entgleisung stürzte die erste Lokomotive um und riß die acht nachfol­genden Waggons mit sich; nur der letzte Wag- gon blieb aus dem Gleise stehen. Die Wagen stürzten die Böschung hinunter und schoben sich ineinander. Das ganze bildete einen wirren Trümmerhaufen. Vom Zugpersonal ist merl« würdigerweise niemand verletzt worden. Die Unglücksstätte ist seit Sonnabend von einer un- gehenren Menschenmenge umringt, die nach An- gehörigen sucht. Von ESbjerg und Fridericia trafen rasch Hilfszüge ein mit Aerzten und Pfle­gepersonal. An der Unglücksstelle waren durch den'Sturz der Wagen sämtliche Telegraphen- drähte zerrissen worden. Die Eisenbahnkata­strophe ist wohl die s ch w e r st e, die sich in Dänemark jemals ereignete.

Greift Europa ein?

Wie uns aus Petersburg depeschiert wird, ist mau dort überzeugt, daß die Pforte auf die zu erwartende Kollektivnote der Großmächte nicht reagieren wird. Infolgedessen fiudet auf die Initiative Rußlands schon jetzt ein weiterer Meinungsaustausch unter den Mächten statt. Ruß­land besteht auf einer Flotte«demonstration vor Konstantinopel.

3nfertion«pteife: Dl- lech-gespalten- gelte für einheimische ««schäfte 15 Pfg-, für au«, roärttae /Inserate 25 Pf. Reklame,eile für einheimische »«schäfte 40 Pf. für auswärtige Geschäfte 60 Pf Einfache Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend de- rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung In der Residen, und der Umgebung find di« Lasseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche« Jnsertionsorgan. Seschäftsiielle: Kölnisch« Straße 5. Berliner Vertretung: SW, tzriedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzpla,«te.

An der Statte des Unglücks.

(Privat-Telegramm.)

Kopenhagen, 28. Juls.

Die erste Mitteilung von dem von Bramminge. Die erste Mitteilung von dem Unglück brachte ein Eisenbahn-Assistent, der sich im verunglückten Zuge befand, nach Bram- minge. Er kam ganz außer Atem dorten an, sprach kein Wort, stürzte zum Telephon und re­quirierte einen Hilfszug von Esbjerg. Zufälli­gerweise hatte man hier keine Lokomotive be­reit, und es dauerte fünfviertel Stunden, ehe der HilfSzug an der Unglücksstelle, die nur we­nige Kilometer entfernt liegt, eintraf. In Bramminge war der einzige Arzt nicht zu Hause und eine Krankenpflegerin aus Kopen­hagen, die auf Ferien in Bramminge weilt, lei­tete die erste Hilfe. Die Unglücksstelle bot eine entsetzlichen Anblick. Die zweite Loko- Motive hatte fich tief in die Erde eingegra- ben und die Trümmer der Wagen waren über und über mit Blut be­spritzt. Die Rettungsarbeiten waren außeror­dentlich schwierig, man mußte die Toten mit Sägen und Beilen aus den Trümmern befreien und herzzerreißende Szenen spielten sich hierbei

Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung ____

Die Schlacht bei Simetli.

(Draht - Meldung.)

Paris, 28. Juli.

Die hiesige griechische Gesandtschaft er­hielt vom griechischen Gesandten Livorovio eine vom 27. Juli ein Uhr nachts datierte Depesche, wonach die griechische Armee nach einem zweitägigen heftigen Kampfe bei S i m etl i am Strumaflusse die bulgarische Armee, nachdem sie sehr große Verluste erlitten hatte, in die Flucht schlug und drei bulgarische Ge­schütze sowie viel Kriegsmaterial erbeutete. Die gesamte griechische Armee, deren Verluste be­trächtlich sind, marschiert gegen Djumaia. Der König hat den bulgarischen Vorschlag, betreffend einen zweitägigen Waffen st ill st and, aus strategischen Gründen abgelehnt. Am Sonnabend haben die Griechen a n t h i be­setzt. Die Bulgaren sollen vor ihrem Abzug siebzig Männer und grauen ermordet und zwanzig angesehene Griechen fortgeführt haben.

Beginn der Friedens-Konferenzen.

(Meldung der Agence dAthenes.) Athen, 28. Juli.

Unter den Verbündeten ist ein Einver­nehmen zustande gekommen über die Reisen der Ministerpräsidenten nach Bukarest, um auf der dortigen Vereinigung Bulgarien beit Vor­schlag zu machen, in N i f ch eine Konferenz über den Waffenstillstand abzuhalten zu der gleichen Zeit, wo in Bukarest über die Frie­denspräliminarien beraten werde. Der griechische Ministerpräsident Venizelos reiste gestern mit den anderen Vertretern Griechen­lands nach Bukarest ab. Wie in Belgrad ver­lautet, hat der österreichisch-ungarische Ge­sandte von Ugron beim Ministerpräsidenten Pasitsch einen Schritt im Interesse der soforti­gen Einstellung der Feindseligkei­ten noch vor Beginn der Friedensverhand­lungen unternommen. Wie gemeldet wird, ver­langt die bulgarische Regierung infolge der Weigerung der Verbündeten, einen Waffenstill- stand zuzugestehen, eine F r i st von drei Tagen.

Der Preis des Friedens.

(Draht-Meldung.)

Belgrad, 28. Juli.

Nach Mitteilungen von unterrichteter Seite wird Serbien bei den Friedensverhandlungen folgende Forderungen stellen: Ueberlas° fung aller von der serbischen Armee zum zweften Male eroberten Gebiete, Regulierung der alten serbisch-bulga loschen Grenze, da diese wiederholt zu Zwistigkeiten Anlaß gege­ben hat und Zahlung einer Kriegsent­schädigung. In Risch Werden die militä­rischen Verhandlungen über eine Demarka­tionslinie und über eine Einstellung der Feindseligkeiten geführt werden. Ministerprä­sident Pasitsch erklärte dem österreichischen Botschafter. Bulgarien, das den Krieg provo­ziert habe, fei selbst für das ganze Unglück ver­antwortlich, von dem es betroffen worden sei. Es würde aber den Krieg nicht provoziert haben, wenn es nicht von anderer Seite dazu ermuntert worden sei.

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Propheten-Worte.

Nls Alfred von Kiderlen-Wächter den Za­ren von Bulgarien warnte: Erinnerungen.

Der tote Alfred von Kiderlen-Waech- fer, der Sohn des Schwabenlands, der in der Erinnerung der Zeitgenossen weit lichter als .Geheimrat Spätzle", denn als Staatssekretär des Auswärtigen Amtes fortlebt (und fortleben wird, solang die Welt der Blasierten sich den letzten Rest des Verständnisses für Persönlich­keitswerte bewahrt): Dieser Manager deutsch- auswärtigen Reichsgeschäfts war nicht nur ein grausamer Spötter, dessen kaustischer Witz und - beißende Ironie sogar auf des Kaisers Nord­landfahrt nicht schwiegen, sondern er war auch (zuweilen) ein Prophet, der mit Hellem Seherauge in die Zukunft sah und dann die aus kluger Wahrscheinlichkeit-Kalkulation ge­wonnene Erkenntnis mit schwäbisch-eigensinni­ger Beharrlichkeit verfocht.

An den robusten Mann der Wilhelmstratze, dessen lustig-zwinkerndes Späherauge alle Welt, Höhen und Tiefen, Könige und Bettler zu be­spötteln schien, und dessen sonore Stimme immer einen leisen Anklang urwüchsigsten Lachens barg, wird in diesen sommerlichen Kummer­tagen auch Ferdinand von Koburg- K o h a r Y, des Bulgarenlands schwergeprüfter Zar, zurückdenken, toenn er des Schicksals und des Unheils Ernte überschaut, die die Kriegs- politik eines kühn nach der Kaiserkrone lan­genden, dem Erkenntnisbereich natürlicher Mög­lichkeiten weit entrückten Fürsten gesät, und die nun, unterm Donner der Kanonen, Bulgarien zum Verhängnis reift.

Neunzehnhundertzwölf. In den ersten Jnni- tagen war's. Der König von Bulgarien er­schien zur Antritts-Visite in Berlin. Vorher war er schon dreimal dagewesen: 1897 kam er als schlichter Fürst (oder eigentlich als noch Geringrer), denn seinBesuch war ganz inoffiziell, fast inoognito. Acht Jahre später kam er zum zweiten Mal. Damals konnte man den Bal­kan-Herrscher nicht mehr ignorieren, und er wurde offiziell und mit Ehren-Salut empfan­gen. Und als er 1907, zum dritten Mal, kam, wußte man: Das nächste Mal sehen wir ihn als König! Reunzehnhundertacht (ein Jahr später) wurde Bulgarien unabhängiges König­tum, und beim dritten Empfang in Berlin (neunzehnhundertzwölf) rauschte eine Fülle von Ehrungen auf den neuen Zaren nieder: Für feinen Empfang wurde die »große Regie" auf- geboten, und die Norddeutsche Allgemeine, das Kanzlerblatt, schwelgte in Dithyramben.

Jedemal, wenn Ferdinand von Bulgarien nach Berlin kam, hatte er etwas gewollt. Was er neunzehnhundertzwölf ersehnt, das offenbarte sich in zwei mehrstündigen Unterre­dungen mit Kiderlen-Waechtek. Der Zar sprach es damals offen aus, daß fein Volk den Zeit­punkt zum kriegerischen Vorgehen gegen dieTürkei gekoMdten glaube: »Die Nation sieht die Türkei jetzt nach dem Tripo- liskrieg geschwächt und ist k«um mehr zu be­zähmen." Und was gedenken Ew. Majestät zu tun?" fragte Kiderlen. Ferdinands Ant­wort: »Jchriskiere Thron und Lebey, wenn ich mich dem Drängen bet Meinen auf die Dauer widersetze!"

Die Unterredung wurde französisch geführt Und Kiderlen entgegnete nun: »Sire, le temps court pour voua!" Zu Deutsch: »Die Zeit läuft für Sie." Und batet lächelte Ki­derlen. Er wußte als alter Balkankenner, daß man auf dem Balkan seit Jahren schon alle Tage mit dem Feuer spielt«, daß es aber trotzdem zu Gewalt-Explosionen noch nicht gekommen toari daß man darum wohl auch weiter darauf rechnen dürfe, daß dir fortschrei­tende Zeit von selber auf friedlichem Wege alle Wünsche der ungebärdigen Balkanier realisieren werde.

In dieser Hoffnung hat sich Herr von Kider- len allerdings getäuscht. »Ich fürchte, Exzellenz, Sie u n t e r f ch ä tz e n die Sehnsucht einer Ra­tion ...!" hat Ferdinand von Bulgarien ihm damals erwidert. »Was ich «i ch t unterschätze i (entgegnete Kiderlen daraus), das ist die Gewiß­heit, daß kein Balkankrieg, von wem er auch ausgehe und gegen wen er sich auch richten möge, für irgend einen der Beteiligten segens­voll werden kann. Das wirb ein Krieg fein, in dem es keinen Frieden gibt!"

Ferdinand von Koburg-Kohary zuckte die Achseln. Er weiß heute, daß Kiderlen recht hatte: Es gibt keinen Frieden auf dem Balkan nnb der Krieg, ben vor einem Jahr der Zar der Bulgaren eine »nationale Notwendigkeit" und ein »Zwangsgebot königlich-bulgarischer Politik" genannt, bringt keinem der am Balkan Wohnenden Segen. Kiderlens Prophetenwort verhängnisvolle Wirklichkeit geworden:

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Witt Rußland Ernst machen?

(Privat-Telegramm.) Petersburg, 28. Juli.

Im Sommerpalast in Peterhof sand gestern die angekündigte Konferenz, zu der der Zar den Ministerpräsidenten Kokowzew und bett Minister bes Aeußern, S a s s a n o w, befohlen hatte, statt, um über bie Stellungnah­me Rußlands gegenüber der neuesten Wendung der Dinge auf dem Balkan Beschluß zu fassen. Der Zar hat sich über die türkische Aktion sehr ungehalten ausgesprochen und in diesem ganz speziellen Falle die Leitung der auswärtigen russischen Politik persönlich übernommen. An der Sängerbrücke in Peters­burg (so erfährt ein anderes Blatt) habe man erklärt, daß der Beschluß Rußlands, die Türkei zur R e s p e k t i e r u n g des Londoner Vertra­ges zu zwingen, unwiderruflich fei und

Di" deutsch-offiziöse Norddeutsche Allge- ' meine Zeitung, das Organ der Regierung, charakterisiert die augenblickliche Balkan- ; Lage wie folgt: »Wenn auch nicht alle Unge­wißheit über die Entwicklung der Balkandtuge geschwunden ist, so besteht doch kern w esent- liches Hindernis mehr dagegen, daß noch im Lause der Woche die Friedens Ver­handlungen in Bukarest beginnen können. Inzwischen hat, trotz allseitiger Abmachungen, die Türkei ihre Truppen über die bereits ab- jenotnmene Vertragsgrenze hinausrücken und Adrianopel, sowie Mustapha Pascha besetzen lassen. Die Stellung der Mächte zu diesem Vorgehen wurde in der Londoner Botschafter- Versammlung erörtert. Es herrscht Einmü­tigkeit darüber, daß die Mächte die neuesten Besitzveränderungen in Thrazien nicht aner­kennen. Auch wenn E n r o p a n i ch t s o f o r 1 Gewalt gegen Gewalt setzt, wird die Pforte im Widerspruch zu allen Großmächten die von ihren Truppen gehaltenen Stellungen dauernd nicht behaupten können. Ein weiteres Eindringen in die benachbarten, von Vertei­digern zurzeit entblößten bulgarischen Gebiete würde die Aussichten der Türkei für bte Erfül­lung des Wunsches nach günstiger Abgrenzung in Europa nicht verbessern, sondern neue Schwierigkeiten nach sich ziehen. Ohne in Verwickelungen untereinander zu geraten, werden die Mächte neue Hindernisse, die sich einem haltbaren Friedensschluß auf dem Bal­kan entgegenstellen, gemeinsam zu beseittgen wissen ...!" Inzwischen liegen über bie Lage die folgenden neuen Meldungen vor:

Petersburg, 23. Juli.

Hier verlautet mit Bestimmtheit, daß Rußland demnächst Kriegs­schiffe nach Burgas entsenden wer­de, um die russischen Untertanen zu schütze« und die türttfche Besetzung der Stadt zu verhindern.

Saloniki, 28. Juli.

Der größte Teil der hier stati­onierten Kavalleriewird nach Ranthi und Dedeagatschabgehen. Die Grie­chen haben die ganze Küste von Cavilla bis Enos besetzt. Die tür­kischen Trupp enhaben fich gestern nach Thrazien zurückgezogen.

lieber bte Haltung ber Türkei bem Ver­langen der Großmächte gegenüber hat der tür­kische Groß wesir in einem Telegramm fol­gende Mitteilungen gemacht: »Ich habe dem Delegierten der Regierung erklärt, daß es be­hufs künftiger Hintanhaltung jedes Streitpunk­tes und aller Mißverständnisse zwischen Bul­garien und der Türkei notwendig sei, bte Grenzlinie, wie sie in unserer Mitteilung an die Mächte vom 19. Juli festgestellt ist, auzu- nehmen. Infolgedessen bat ich in Erwartung einer günstigen Antwort ben bulgarischen Dele­gierten, seiner Regierung bte Anschauung und Absichten der kaiserlichen Regierung bekannt zu geben. Da wir darauf keine Antwort er­hielten und unsere Truppen täglich Zeugen von Verwüstungen und Ausschreitun­gen jeglicher Art sind, die die versöhnlichen Dispositionen der türkischen Regierung illuso­risch machen, stellte sich die sofortige Be­setzung ber Maritzalinie als notwen­dig heraus. Im übrigen muß bie von uns ge­genüber den Mächten übernommene Verpflich­tung. die in unserem oben angeführten Schrei­ben bezeichnete Grenzlinie nicht zu überschrei­ten, einen hinlänglichen Beweis der Absichten ber Pforte und des aufrichtigen Wunsches darstellen, zwischen beiden Staaten ein Ein­vernehmen auf dauernder Grundlage her­zustellen . .

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