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Caffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 196.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonntag, 27. Zutt 1913.

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

Europäische Gefahr?

Die Verschlechterung der Friedens-Ausfichte» am Balkan; Rußland Plant die Besetzung Armeniens; Peffimistische Anffaffung in Berlin; neue türkische Kriegsvorberettungen; Rumänien gegen die Türkei; Bulgarien am Ende seiner Kraft; rumänische Kavallerie vor Sofia!

8m Schatten des Todes.

Dor der Vollstreckung des Todesurteils gegen Sternickels Complizen: Folter und Qualen.

Wie ans Frankfurt a. Oder be­richtet wird, ist auf das Gnaden­gesuch für die Complizen des Raub­mörders Sternickel, die fugen d- lichen Verbrecher Kersteu und Schlie- wenz, noch immer keine Entscheidung erfolgt. Schliewenz und Kersten be­finden fich in dem entsetzlichsten Zu­stande, dessen ein Mensch fähig ist. Besonders Schliewenz ist unter den Qualen der monatelangen To­desangst völlig znsammengebrochen.

Hans H y a n, den weder Freund noch Feind schwachherziger Sentimentalität zeihen tarnt, hat uns vor ein paar Wochen erzählt, was lautre Menschlichkeit angesichts der düstren Tragödie der zwei Mordgenoffen Ster- nickels empfindet, hat den Blick in Kinderstube und Elternhaus der beiden Verbrecher gelenkt und aus Milieu und Lebensart der Welt, in der die von der strafenden Gerechtigkeit dem Schaffot Ueberantworteten ins Jünglingsalter reiften, Momentbilder gezeichnet, die in ihrer erschütternden Realistik wie eine furchtbare An­klage wider Staat und Gesellschaft wirkten. Hyan forderte für die beiden, vom Vcrbrecher- trieb Sternickels verführten und überlisteten Mordgenoffen des alten Zuchthäuslers Gnade, appellierte an das Menschlichkeits-Empfinden der Gerechtigkeit und ließ den Brief, den der achtzehnjährige, zum Tod' verurteilte Mörder Schliewenz aus der Kerkerzelle an seine Mut­ter gerichtet, als Dokument tief-innerlicher Reue in der Seele eines früh Gefallnen zu den Her­zen der menschlich Fühlenden sprechen. Was Hans Hyan fordert, ist das Gebot idealer Gerechtigkeit, die nicht in derSühne allein Ziel und Endzweck sieht, sondern Besserung und Veredlung des Schuldigen erstrebt. Und wenn das Recht nicht Rache und Gerechtigkeit nicht nur Vergeltung sein soll, muß Hhans Appell an die Menschlichkeit gehört werden. Ob er vernommen und gewürdigt wird? Wer weiß es? VierMonde sind seit dem Todesspruch der Richter von Frankfurt ins Land gezogen, und noch harren die zwei jugendlichen Ver­brecher, die ein verhängisvolles Schicksal mit dem in der Schule der Sünde ergrauten Maflen- mördcit Sternickel zusammengeführt, der Stunde, die über Tod und Leben entscheiden soll. Das Gnadengesuch, das sofort nach der Urteilvcrkündung an den Landesherrn gerichtet wurde, ist bisher unentschieden geblieben, hat vielleicht auf dem beschwerlichen Instanzenweg Hindernisse angetroffen, und lagert nun, wäh­rend der König als über Leben und Tod Ent­scheidender an des Nordlands felsigen Küsten weilt, in irgend einer Schreibtischlade, zurück­gestellt bis zu dem Tag. der die geschästsood- nungsmäßige Erledigung der Ferien-Eingänge bringt.

Vier Monate im Schatten des Todes, jeden Augenblick von der Angst durchzittert, daß der niederdämmernde Abend daS verfehlte Leben enden, der grauende Morgen den blutigen Ab­schluß des Dramas bringen werde: Läßt sich eine grausamere Folter, eine Hirn und Seele furchtbarer marternde Qual ersinnen, als dies dumpfe Harren zwischen Leben und Tod. diese Stunden, Tage und Monate eines unaufhör­lichen Kampfs zwischen Hoffnung und Ver­zweiflung, Reue und Trotz, Flehen und Fluchen? Der Moment der Todessühne auf dem Richtblock der Gerechtigkeit ist ein Nichts gegenüber der alle Nerven in wilde Fieber­schauer peitschenden, alle Empfindungen des Hirns verwirrenden Scelenpein mondelanger Todesangst in enger Kerkerzelle, wo jedes Schlüffelraffeln zum Künder des Abschieds vom Leben, jeder Schritt zum eilenden Träger des Verhängniffes werden kann. Und diese Folter, diese Höllenqual ununterbrochner Todesangst durchzittern' feit vier Monaten zwei eben den Kinderschuhen Entwachsnc, Knaben fast noch, deren Seelenleben noch nicht zu jener kalt­grausamen Härte erstarrt ist, die sich in dem Cynismus Sternickels offenbart. Jst's nicht ein Gebot menschlicher Gerechtigkeit, diese Qual zu enden und die beiden Unglücklichen dem Leben oder dem Tode zuzuführcn? Und ist's nicht grausam und hart, unmenschlich und ungerecht, zwei arme Sünder. Menschen wie wir, fühlend und empfindend wie wir, und mit aller Kraft des Hoffens an's Leben sich klammernd wie wir, Monde hindurch der Qual seelen- und hirnmarternDer Todesangst preiszugeben: Le­diglich. weil em Gnadengesuch im Zeitalter des Drahts und des elektrischen Funkens die Zeit einer Weltumsegluna «braucht, um vom

Die Situation am Balkan hat sich in den letzten beiden Tagen außerordentlich kritisch gestaltet, u-nd wie uns ein P ri v a t- Telegramm aus Berlin meldet, drängen nach der Auffaffung der dortigen diplomatischen Kreise die Ereignisse jetzt mit Gewalt der Ent­scheidung entgegen. Die Entwicklung ge- staltet sich Schritt für Schritt kriti scher und ist jetzt in eine Phase eingetreien, die unmög­lich länger andauern kann. Dem Einmarsch der Türken in altbulgarisches Gebiet ist die Weigerung Serbiens und Griechenlands ge. folgt, einen Waffenstillstand mit Bulgarien als Vorläufer der Friedensverhandlungen abzu- schließen, und während die Londoner Botschaf­terkonferenz nur die Gegensätze offensichtlicher werden läßt, die sich in einem gemeinsamen energischen Vorgehen der Großmächte gegen die Türkei wie gegen die Friedensfeindlichkeit der Gegner Bulgariens entgegenstellen, schickt Rumänien sich an, seinerseits sein Macht­wort und (wenn es sein muß) sein Schwert in die Wagschale zu werfen, um die gänzliche Vernichtung Bulgariens zu verhüten. Auch Rußland trifft Vorbereilungen, um das weitere Vordringen der Türken zu verhü­ten. Alles in allem: Eine Lage, wie sie kri­tischer und gefährlicher faft nicht aus­zudenken ist. Die nachstehenden Depeschen charakterisieren den Ernst der Situation:

Petersburg, 26. Juli.

Rußland will, wenn Flattendemo- stratio« und finanzieller Druck auf die Türkei, sowie die letzten diplo­matische» Mittel erschöpft sein sollte», znr temporäre« Besetzung Ar­meniens schreiten. Diese Maß­regel dürfte schließlich von England und Franlreich unterstützt werden.

. Bukarest, 26. Juli.

ES bestätigt fich, daß Griechenland und Serbien umkeinenPrei-die Einstellung der Feindseligkeiten zu- geben wollen. Man glaubt aber, daß die Verbündeten Sofia besetzen und dort den Frieden diktieren wollen. Die Lage in Sofia ist infolgedessen sehr kritisch.

Inzwischen hat auch Herr von I a g o w, der Staatssekretär des deutschen Auswärtigen Amts, gesprochen: Der Berliner Korrespondent der Turiner Stampa ist in der Lage, Acußerun- gen des Staatssekretärs über das Vorgehen der Türkei mitzuteilen. Herr von Jagow sagte danach angeblich. diedeutscheRegierung könne den Vorschlag einer Flottendemo n- st r a t i o n gegen die Türkei nur deshalb nicht unterstützen, weil eine Flottendemonstration unwirksam erscheine. Trotz des großen Inter­esses. das Deutschland nach wie vor für die Türkei hege, sei es aber weit davon entfernt, die Haltung der türkischen Militärpartei. na­mentlich die Enver Bevs, zu billigen. Deutsch­land sei der Ansicht, daß die Türkei sich mit einem Gebiet innerhalb der Grenze Enos-Midia begnügen müsse, und nicht durch weitergehende Forderungen die Ordnung der Dinge am Balkan in Frage stellen dürfe. An Versuchen, der Pforte dies auf diplomati­schem Wege begreiflich zu macken und die Räu­mung Adrianopels zu veranlassen, habe es nicht gefehlt. Wenn Gewaltmaßregeln bisher nicht ergriffen worden seien, so sei dies darauf zu- rückzuführen, daß man die Situation nicht ohne Not verschärfen wolle und weil man auch hoffe, daß die Friedensverhandlungen in Bukarest zu einem Ergebnis führen werden.

Eine neue Aktion der Großmächte!

Berlin, 26. Juli. (Privattelegramm.) Wie von diplomatischer Seite verlautet, werden die Aktionen der G r o ß ch 1 e bei der Pforte zunächst darin bestehen, daß die Botschaf­ter in Konstantinopel der türkischen Regierung erneut in einer Note den Entschluß der Groß­mächte Mitteilen und daran erinnern, daß das Londoner Friedensprotokoll auf­recht erhalten werden muß. Ueber die Frage, ob ein Kolleklivschrttt der Mächte vorgenommen werden soll, oder ob die Großmächte einzeln bei der Pforte vorgehen, findet gegenwärtig ein lebhafter Meinungsaustausch zwischen den ein­zelnen Kabinetten statt.

Rüstet die Türkei zum Krieg?

tPrivat-Telegramm.)

Konstantinopel, 26. Juli.

Die militärisckwn Maßnahme» der Türkei deuten darauf hin, daß man einen neuen Feldzug in großem Stil vorbereitet. Täglich treffen von alle» Seiten ununterbrochc»

Verstärkungen ein, und man ist entschlos­sen, eine Armee von 300 000 Mann aufzustellen. Alle verfügbaren Transportschiffe sind von dem Kriegsminister zum Transport der Truppen requiriert worden. Die Verwaltung trifft alle Vorkehrungen» um die Verpflegung der gewal­tigen Heeresmaffen zu sichern und läßt alle Transportmittel für den Krieg sicher stellen.

Auf dem Marsch nach Sofia.

(Privat-Telegram m.)

Köln, 26. Juli.

Der bulgarische Generalissimus ermächtigt den Sofioter Korrespondenten der Kölnischen Zeitung seinem Blatte mitzuteilen, daß die hartnäckigen Angriffe der Serben und Griechen bei Egripalanka und am Krosna- paß blutig abgewiesen wurden. Die Verluste der Verbündeten sind angeblich sehr hoch. Die Besorgnis, daß die bulgarischen Li­nien durchbrochen werden könnten, sei ganz un­begründet. Nach Ansicht des Generals liegen aber die Dinge so, daß bei weiterem siegreichen Vordringen der Bulgaren gegen die Serben und Griechen die Rumänen in Sofia ein rück en und dort Halt gebieten würden. Eine nachts hier eingegangene Depesche aus Konstantinopel meldet, daß das gesamte Land bis zur alten bulgarische» Grenze von den Türken b e s e tz t ist.

Die Türken in Bulgarien.

(Privat-Telegram m.)

Sofia, 26. Juli.

Der Einfall der 1 ü rken droht, obwohl er nur von einer kleinen Abteilung regulärer Truppen, untermischt mit allerdings viel Irre­gulären, ausgeführt wird, ganzSüdostbul- g a r i e n in große Unruhe zu versetzen. Die Felder sind verlassen, die Ernte zum Teil verbrannt und die Dörfer bis 50 Kilo­meter ins Land hinein unbewohnt. Bul­garische Truppen sperren den weiteren Weg; von der Maritza bis Burgas aber ist das Land von bulgarischen Truppen entblößt. Man hat hier den Einfall der Türken nicht für möglich gehalten. In Anbetracht dessen, daß die bul­garischen Truppen unabkömmlich sind, taucht der Gedanke aus, Rumänien die Verteidigung des Landes anzuvertrauen, da Bulgarien allein dem Vordringen der Türken keinen genügenden Widerstand entgegensetze» kann.

Die Botschafter gegen die Krieger?

(Draht-Meldung.)

London, 26. Juli.

Wie in hiesigen diplomatischen Kreisen ver­lautet, dürsten die übertriebenen Forderungen Griechenlands in einem von der Botschaf­ter-Konferenz gefaßten Beschluß ihre Korrektur finden. Dieser Beschluß geht dahin, daß die Frage der Abgrenzung zwischen den Balkan­staaten eine europäische Angelegen­heit ist. Sollte also Griechenland seine For­derungen allzu hoch schrauben, so würde es sich der Gefahr aussetzen, daß die Mächte nach einer Ueberprüsung der Beschlüsse der Bukarester Friedenskonferenz den griechischen Gewinn herabfetzen. Es sei klar, daß eine vernünf­tige Politik darin bestehen müsse, fich mit dem Erreichbaren zu begnügen und die Buka­rester Beschlüsse in ständigem Kontakt mit Euro­pa so zu gestalten, daß fie von Europa gutgehei- tze« werden können.

Wir müffen nach Sofia!

(Privat-Telegramm.)

Paris, 26. Juli.

Der zur griechischen Armee entsandte Korre­spondent des Figaro traf gestern vormittag mit König Konstantin im Hauptquartier zu­sammen. Der erste Ausruf des über die Er­folge seiner Armee erfreuten Königs war: Nicht wahr, auf Derartiges war man in Europa nicht gefaßt?" Der König sprach mit Begeisterung von seiner Armee, die eine ganz andere sei, als die von 1897. In Worten tiefster Entrüstung sprach der König sodann von den bulgarischen Massakres. Es seien Dokumente beschlagnahmt worden, aus denen hervorgehe, datz das Blutvergießen von den Bulgaren vorbereitet gewesen sei. Die Deröfseutlichung dieser Dokumente werde in Europa unerhörtes Aufehen erregen. Der Kö­nig schloß:Ich führe Sic nach Sofia! Wir werden nach Sofia gehen! Wir müssennach Sofia gehen...!"

Landesherrn entschieden zu werden? Unerbitt­lich sei die Gerechtigkeit, hart und kalt: Aber sie sei nicht grausam, nicht quälend, und ihre schwere Pflicht werde nie entkleidet des Geists, den edle Menschlichkeit als Grundgebot des Rechts erkannt. Die Tragödie der zwei Sün­der, die seit vier Monden im Schatten des Todes zittern, ist eine schwere Anklage wider die Gerechtigkeit, und die Menschlichkeit erhebt sich zum Verteidiger der dem Tod Ueberant­worteten.,.! F. H.

Krupps Kornwalzen.

Die Vorgeschichte der Krupp-Enthüllungen; Gehetmakten und Geheimberichte nach Essen.

Wenn der Julimond zur Neige geht, werden vor den Schranken des Berliner Kriegsgerichts die sieben Sünder in der Krupp-Affäre erscheinen, um sich gegen die Wucht einer vier­undzwanzig Seiten starken Anklageschrift zu verteidigen. Die Affäre, die so sorglich mit dem Mantel des Geheimnisses überdeckt wor­den, ist unterdessen näher ins Licht des Tages gerückt worden, und was man jetzt über die Einzelheiten der seltsamen Geschichte vernimmt, klingt doch bedeutend ernster als die Darstel­lung, die der Kriegsminister von Heeringen seinerzeit im Reichstag gab. Wir verzeichnen' darüber die nachstehenden Mitteilungen:

Krupp, Brand und Genoffen.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 26. Julk.

Ueber die Vorgeschichte der Krupp- Enthüllungen wird jetzt bekannt, datz am siebzehnten Ottober 1912 der Reichstags- abgeordnete Rechtsanwalt Dr. Liebknecht dem damaligen Kriegsminister von Heeri«-! gen die Abschriften von siebzehnKorn- walzen" übermittelte. AlsKornwalzen" wurden von den Beteiligten die geheimen Berichte des Berliner Büros der Firma . Krupp bezeichnet. Der Kriegstninister über­trug, nachdem er von den Abschriften Kennt­nis genommen hatte, die Verfolgung der An­gelegenheit der Berliner politifchen Polizei. Die Polizei Netz darauf das Haus des Berli- ner Büros der Firma Krupp in der Koch- stratze beobachten. Das Ergebnis war, daß zwanzig verdächtige Perfonen ermittelt wurden, die mit der Affäre direkt oder indirekt in Verbindung standen. Das Refultat dieser Untersuchung wurde dem Kriegsminister unterbreitet und es fand dann ein; Beratung statt, an der die Vorsitzenden der Artillerie-PrAÜngskommission und der Feldzeugmeister teilnahmen. Es wurde be­schlossen, die am schwersten verdächtigten sie­ben Personen sofort festzunehmen. In der gleiche» Stunde befchlagnahmte der Un- terfuchungsrichter beim Landgericht I in Ber­lin im Geheim schrank der Firma Krupp

nahezu tausendKornwalzen"

Ebenso wurde bei einem Angestellten des Ber­liner Büros, dem früheren Fcuerwcrksfeld- webel Brandt, eine Haussuchung vorge­nommen und in einer Kiste fand man Brief­schaften und Akten über geheimzuhaltende Einzelheiten. Brandt wurde verhaftet. Fast vier Monate dauerte die Untersuchung. Zehn Wochen nach Beendigung der Untersuchung trat der Reichstagsabgeordnete Liebknecht mit seinen Enthüllungen im Reichstag hervor. Er hatte bei der Erstattung der An­zeige dem Kriegsminister versprochen, vorläu­fig über die Affäre Stillfchweigen zu bewah­ren. Da aber gegen einen Herrn, der im Verdacht stand, Liebknecht das Material ge­liefert zu haben, eine Unterfuchung ein­geleitet wurde, hielt sich der Abgeordnete Liebknecht nicht mehr an fein Verfprechen ge­bunden und machte im Reichstage die bekann- teil Mitteilungen. Die Anllagefchrift, die die AufschriftG e h e i m" trägt, hat den Umfang von vierundzwanzig Seiten in Schreibma- schinenfchrift. Dem Vernehmen nach sollen die Akten Über die Krupp-Affäre den Vermerk tragen: Das Kriegsminister^um wünscht, daß die Verhandlungen im Interesse der Landesverteidigung unter Ausschluß der Oef f entli chkeit geführt werden."

Wie uns ein weiteres Privat-Tele- gramm meldet, werden bei der bevorstehenden Kriegsgerichts-Verhandlung eine große Anzahl von Offizieren aller Chargen, Mitglieder der Direktion der Firma Krupp, ehemalige Krupp­sche Direktoralmitglieder und eine Reihe ande­rer Sachverständiger vernommen werden. Die Sachverständigen, sämtlich höhere Militärs, werden sich in erster Linie darüber zu äußern haben, ob die in den Geheimakten enthaltenen Tatsacken als solche anzusehen sind, die im' Interesse der Landesverteidigung g eheim ge­halten werde» müssen. Die At.ftageschrift ist