MckrReuestk Nachrichten
Caffeler Abendzeitung
Dte Caffeler Neueste» Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abendS. Der AbonnementspreiS beträgt monatlich 50 Pfg, bet freier Zustellung ins Haus. Bestellungen werden jederzeit von der Eeschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaktion: Echlachthofstraße 28/30, Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bis 8 Uhr abends. Sprechstunden der Auskunft • Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bis 8 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW, Friedrichftr. 16, Telephon: Amt Moritzplatz 12584.
Hessische Abendzeitung
gnferttonspreife: Die fechsgespaltene Zeile für einheimische Geschäfte 15 Pfg., für aus. roärtige Inserate 25 Pf, Rekiamezeile für einheimische Geschäfte 40 Pf, für auswärtige Geschäfte 60 Pf. Einfache Beilagen für die Sesamtaustage werden mit 5 Mark pro Tausend beregnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgebung find di- Casseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliches Jnsertionsorgan. Geschäftsstelle: Kölnisch* Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzplatz 12584.
Nummer 1S5.
Fernsprecher 951 und 952.
Sonnabend, 26. Zuli 1913.
Fernsprecher 951 und 952.
3. Jahrgang.
asm
Mnlee-Ioodle.
Protektorat der Vereinigten Staate« über Mitt^amerikarAmerikanischeMacht-Pläne.
Depesche« aus San Jose (Costarica) melden r Ei» Kabeltelegramm aus Washington, datz Staatssekretär Bryan das Protektorat der Vereinigten Staaten über die mittelamerikanischen Staaten plane, hat hier große Aufregung verursacht. Die Proteste häufen sich, in der Presse sowohl wie In allen Kreisen des Publikums. Gestern abend wurde eine allgemeine Protest - Versammlnng einberufen.
Wahrend auf der greifenden Erde Europas die Völker sich im wilden Kampf zerfleischen, während die Diplomatie der alten Welt wie hypnotisiert in den Feuerbrand am Balkan starrt uno selbst das Werden neuer Zukunft im Fernen Osten nur mit flücht'gem Blicke streift, bereiten sich jenseits des Atlantic Ereigniffc vor, deren Tragweite das Europäer-Auge noch ntchr abzuschätzen vermag. An dem Tag, der auf den Zinnen von Adrianopel die Türkenflagge als Siegerbanner sah, kam im Weißen Hause,in Washington ein Vertrag zustande, den kluge Staatsmann-Kunst als Wegbahner weitausgreisender amerikanischer Machtpolitik geformt, und der tatsächlich den Auftakt einer neuen Aera amerikanischer Staaten-Kon- lolidation unter Vorherrschaft der Sternenbanner-Union bedeutet. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat mit der Republik Nicaragua ein Abkommen getroffen, das der Union in der (den andern Kontrahenten schonenden) Form einer staatlich-wirtschastlichen Interessengemeinschaft das Protektorat und damit die Herrschaft über Nicaragua sichert. Damit hat die seit Roosevelts Tagen unverkennbar imperialistisch gestimmte Konsolidations- Politik der amerikanischen Staaten-Union in Mittelamerika einen festen Stützpunkt gewonnen und sich auf der Landenge zwischen dem Norden und dem Süden des Erdteils eine Einflußzone geschaffen, von der aus die Vormacht der Union ihre Kräfte, weiter ausgreifend, nutzbar machen kann. Daß eine umfassendere Expansion des Machtbereichs der Ijankee-Republik als nächstes Ziel der Politik des Weißen Hauses in Aussicht genommen ist, beweist das Alarm-Signal aus Costarica: Die Vereinigten Staaten erstreben, auf die vertraglich gesicherte Vorherrschaft in Nicaragua sich stützend, das Protekto- rar über sämtliche fünf mittelamerikanische Staaten und die Abrundung der Machtgrenze der Union südwärts bis zum Golf von Panama !
*
Tas Staatengebilde Mitteleuropas ist seit Jahrhunderten der Brandherd ew'ger Revolutionen: Guatemala, Honduras, Salvador, Nicaragua und Costarica figurieren in der Geschickte der neuen Welt als Hexenkessel unge- bändigter Völker-Leidenschaften, und die staatliche und kulturelle Entwicklung der fünf Revii- bliken ist tausendfach gehemmt durch die Wirren und Operettenland-Revolutionen, die in Zeu- tral-Amerika ebenso zur Tagesordnung gehören, wie in der Franzosen-Republik die Kabalen und Intriguen gegen die Träger der Regierungsgewalt. Eine straffe staatliche Konsolidation der fünf Republiken unter der Kontrolle und Oberhoheit der Union würde also eine G e- f a h r beseitigen, die seit dem Werden der fünf Staatsgebilde unaufhörlich Amerika bedroht und Milliarden an Werten vernichtet hat. Vielleicht verwirklicht sich der kühne Traum der Z)an- kee-Sehnsucht. die Sternenbanner-Union auch auf der Erde Zentral-Amerikas zur unumschränkten Herrin auszurufen, nicht zwischen Abend und Morgen; vielleicht erwachsen der Verwirklichung der imperialistischen Idee noch nah' am Ziele Schwierigkeiten, und der Sieg erfordert Kampf oder Gewalt: Daß aber der Tag nicht mehr fern ist, der Guatemala, Honduras, Salvador, Nicaragua und Costarica der Herrfchaft der Union ausliefert und dem von Atlantic bis zum Stillen Ozean sich dehnenden Riesenreich der Aankee-Nepublik Zentral- Amerika angliedert, darf heut als natürliches Entwicklungsgesetz und als naturnotwendiges Geschehen nächster Zukunft gelten. Der imperialistische Gedanke, der im Weißen Haus in Washington seit Theddy Roosevelts Präsidentenlagen Motiv und Energiekrast der Union- Politik ist, wirkt tat-zeugend und entwicklungbestimmend sichtbar aus allen Gebieten, und der Traum Roosevelts, zwischen zwei Ozeanen ein R i e s e n r e i ch amerikanischer Einheit auf- zurichten, in dem die Union, Mexiko und die fiins Republiken Zentral-Amerikas Länder und Völker zusammenschweißen könnten, beginnt dem Reich der Träume zu entgleiten und (noch
Balkan-Wirrwarr!
Das türkische Problem «nd die Auffassung in Berlin; Eindringen der Türken in Bulgarien; Ratlosigkeit und Anarchie in Sofia; Bestürzung aus der Londoner Botschafter-Konferenz; Rumänien warnt die Türkei; die Friedensverhandlungen.
In ganz unverkennbarer Weise tritt das bulgarische Problem, wie man den Komplex der Fragen nennen kann, die mit dem Gegensatz zwischen Bulgarien und den übrigen Balkanstaaten sowie Rumänien Zusammenhängen, hinter das türkischeProblem zurück, das sich im wesentlichen um die Frage dreht, wie die europäischen Großmächte sich zu dem Vorgehen der Türkei in Thrazien verhalten werden. Das wird auch in den Berliner diplomatischen Kreisen offen zugegeben. In den diplomatischen Kreisen der Reichshaupt- siadi legt man der Veröffentlichung des jüngsten Telegrammwechsels zwischen König Carol von Rumänien und dem König Ferdinand von Bulgarien eine ganz besondere Bedeutung bei. Die Versickerung der „Fortdauer guter Beziehungen" zwischen den beiden Ländern deutet darauf hin, daß die Möglickkeit einer Verständigung beiderseits erkannt und gefordert wird, und in dieser Tatsacke darf man vielleicht ein beruhigendes Symptom erblicken. Inzwischen haben die Türken ihren Vormarsch in Bulgarien fortgesetzt. Die neuesten Depeschen berichten darüber:
Sofia, 25. Juli.
Die türkischen Truppen, die auf dem alte« bulgarischen Territorium vorrücken «nd auf ihrem Ange alles niederbrennen und nie- dermetzeln, haben das Dorf Ka- raptschaanfderStraße vonKKzülst- gatsch nach Jomboli erreicht. Längs der ganzen Grenze flieht die Bevölkerung in wilder Flucht iu das Annere des Landes.
London, 25. Juli.
Ans der gestrigen Konferenz der Botschafter wurden wieder keine formellen Vorschläge gemacht, wie man die Entscheidung der Mächte der Türkei gegenüber zur Durchführung bringen könne. Daß die Türken auf Philippopel zurückten, verursachte auf der Konferenz allgemeine Bestürzung und Anruhe.
In Berliner diplomatischen Kreisen gibt man die Schwierigkeiten, die einem E i n g r e i- sen Europas in den Balkankrieg gegen« überstehen, offen zu. Die von Paris aus verbreitete Meldung, die Mächte seien von vornherein mit allen Schritten einverstanden, die Rußland Vorschlägen werde, um die Türkei zur Raison zu bringen, schießt weit über das Ziel hinaus. Es darf als sicher gelten, daß weder die Ausrollung der besonderen Fragen, noch ein Druck Rußlands auf die Türkei von der kleinasiatischen Seite her die Zustimmung sämtlicher Mächte finden wird. Nickt einmal eine Sonderdemonstration der russischen Schwarzmeerflotte erachtet man als eine Maßregel, die die unbedingte Zustimmung der Mächte finden würde, und von einer gemeinsamen Flottendemonstration der Mächte verspricht man sich erst recht keinen Erfolg. Die Verhandlungen über das türkische Problem zwischen den Mäckten dauern fort, man rechnet aber nicht mit einem baldigen Abschluß dieser Verhandlungen, da die Menge der zu beseitigenden Schwierigkeiten täglich größer wird.
*
Anarchie in Bulgariens Hauptstadt?
Bonn, 25. Juli. (Privat-Tele- gram m.) Ein in Sofia lebender Bonner hat über die Lage in Sofia folgende Mitteilungen hierher gelangen lassen: Die Zustände in der Stadt sind derart, daß für nichts mehr garantiert werden kann. Ohne blutige Zusammenstöße mit der machtlosen Polizei vergeht fast kein Tag. Militär muß häufig zum Schutz der bedrohten ausländischen Gesandtschaften ein« schreiten. Die Wutdes Volkes richtet sich besonders gegen Danew. Es wird versichert, daß, falls der Vormarsch der Serben auf Sofia zur Wirllichkeit werden sollte, der A u f - ritbr wie eine lodernde Flamme alle Ordnung vernichten werde.
Die Tragödie von Doksat.
(Amtliche griechische Meldung.)
Saloniki, 25. Juli.
Die amtlichen Untersuchungen über die Grausamkeiten der Bulgaren in Doksat ergaben, datz die Bulgaren die Stadt zerstörten, ehe sic sie vollständig verließen. Die Einwohner bildeten eine Bürgermiliz, «m die Angriffe der Komttatschis zurückzuschlagen. Nach einem vergeblichen Angriff fuhren die Bulgaren in der Nacht vom Sonnabend vier Feldgeschütze auf; während von den Ein wohncru viele nach Lawalla und in die Berne
flohen, schlotz sich ein Teil in die Häuser ein. Plötzlich erschien bulgarische Kavallerie, aus der anderen Seite drangen vierhundert Soldaten in die Stadt. Es begann ein Gemetzel. Frauen. Kinder und Greise wurden erbarmungslos h i n g e s ch l a ch t e t; alle in Doksat zurückgebliebenen Frauen wurden von Soldaten und Offizieren vergewaltigt, die Mütter mutzten ansehen, wie man ihre Kinder aus den Fenstern auf die Bajonette warf.
Eine Hilfsaktion für Bulgarien?
(Privat - Telegramm.)
Petersburg, 25. Juli.
Im Auswärtigen Amt wird heute a m t - l i ch bestätigt, datz zwischen R uß! a n d und Oesterreich ein volles ETnvernehmen bezüglich der Balkanfragen httrsche. Die österreichische Negierung habe an Rußland eine Note gerichtet, in der auf die Gefahren hingewiesen wird, die aus einer Fortsetzung des Balkan- IriegeS drohen. Rußland habe sich der österreichischen Auffassung angeschlossen. Beide Mächte beabsichtigen energische Vorstellungen bei den Balkauregierungen. Oesterreich spricht sich gegen eine Zerschmetterung Bulgariens und gegen den türkischen Vormarsch aus. Der Konstantinopeler Korrespondent eines- hiesigen maßgebenden Blattes berichtet, der türkische Großwesir habe ihm erklärt, alle Türken werden begeisterte Freunde Rußlands bleiben, falls Rußland neutral bleiben werde.
König Karo! an dsn Sultan.
(Draht - Meldungen.)
Bukarest, 25„ Jusß.,
Wie offiziell bekannt gegeben wird, hat König Carol unter Berufung auf seine dem türkischen Reiche stets bezeugte Sympathien und auf seine der Türkei in der Vergangenheit und zuletzt beim Abschluß des Friedens mit Italien geleisteten guten Dienste an den Sultan ein Telegramm gerichtet, worin er dessen Aufmerksamkeit auf die Enttäuschung lenkt, die die Türkei mit ihrer militärischen Aktion erleiden könnte, die sie in ein Gebiet führe, dessen Schicksal von Europa in der bestimmtesten Weise geregelt wurde. Von hervorragender Seite wird mitgeteilt, daß ein etwaiger Einmarsch der Serben und Griechen in Bulgarien wahrscheinlich eine internationale Intervention zur Folge haben würde.
Rußland gegen die Türken!
(Privat - Telegramm.)
Wien, 25. Juli.
Zu der Haltung Rußlands gegenüber der Türkei wird heute an hiesiger unterrichteter Stelle versichert, daß Rußland trotz aller Dementis Vorkehrungen gegen d i e Türkei treffe. Man hofft aber, daß die Türkei einem starken diplomatischen Druck Europas Folge leisten werde. Die Armenier entfalteten in Rußland eine lebhafte Agitation gegen die Türken und es sei sicher, datz Rußland gerne in Armenien einmarschieren möchte. Ob es sich aber dazu entschließen werde, wisse man noch nicht. Rußland werde abwarten, welche Folgen ein gemeinsamer Schrittder Mächte in Konstantinopel haben werde. Heute hier eingegangene Depeschen aus Sofia melden: Drei türkische Eskadronen sind gestern in Kizil Agatsch eingedrungen. Mustapha Pascha soll in Flammen stehen.
Russische Kriegsschiffe unterwegs.
(Privat-Telegramm.)
Odessa, 25. Juli-
Drei russische Tr up p en - Tra nsp o r t- schiffe verließen gestern mit Truppen an Bord den hiesigen Kriegshafen. Diese drei Schiffe haben als Bestimmungsort Bat« in Transkaukasien. Weitere Truppentransporte sind unterwegs. Es scheint demnach, als ob Rußland die Absicht hat, einen Teil der asiatischen Türkei zu besetzen und dadurch die Türkei zu veranlassen, ihren Vormarsch in Bulgarien einzustellen. Nach einer Meldung aus Konstantinopel sieht die türkische Regierung de« kommende« Ereignissen zuversichtlich entgegen, da man an die Möglichkeit einer militärischen Sonderaftion Europas nicht glaubt und eine internationale Flottendemonstration für unwahrscheinlich hält. Jedenfalls ist die Türkei entschlossen, sich nicht eintckücktern zu lassen.
undeutlich, aber bereits erkennbar) in Wirklich kcits-Formen sichtbar zu werden...! F. H.
Amerikas Eingreifen in Mexiko?
(Privat - Telegramm.)
Rewyork, 25. Juli.
Nachrichten aus Mexiko zufolge ist dit Lage dort sehr e r n st. Alles amerikanische Eigentum soll vernichtet sein. Die Regicrunx in Washington schwankt, ob sie den Rebellen den Waffenankauf gestatten soll oder nicht. Es finden lauge Konferenzen im Weißen Hause statt, die aber noch zu keinem Abschluß gekommen sind. Die Möglichkeit einer bewaffneten Intervention der Vereinigten Staaten in Mexiko wird als bestehend erachtet, und es heißt, daß die Regierung in Washington entschlossen sei, in diesem Falle mit aller Energie vorzugehen, um die Interessen der Union zu wahren. •
Streik der Achtzrhntausmd.
Bilder vom Werftarbeiter-Streik an der Wasserkante; Kapital und Arbeit im Kampf.
(Von unserem Mitarbeiter in Hamburg.) Hamburg, 25. Juli-
Achtzehntausend Werftarbeiter streiken in Hamburg: Die siebentausend Arbeiter der Werft von Blohm und Voß, die den Imperator gebaut hat, die sechstausend Arbeiter des „Vulkan", der den noch größeren Dampfer „Vaterland" jüngst vom Stapel gelassen hat, und die rund fünftausend der kleineren Werften. Achtzehntausend: Das ist eine gewaltige Zahl. Eine Armee von Männern, deren harter Schritt die Luft schütter« macht, wenn sie früh vor Tag, die Blechkannen über der Schulter, truppweise aus den Elbvierteln zum Hasen kommen, um auf zahllosen Barkas- seu zu den Arbeitsstätten hinüber zu fahren. Werftarbeiterstreik: Das bedeutet Ruhe und Stille im Hafen! Sonst schwang fick das Dröhnen der Hämmer, das Klirren des Eisens, das Schreien der Kraue und das Knirschen der Ketten wie eine heiße, wirre und doch hinreißend rhythmische Musik über das ewig bewegte Wasser des Hafens. Und man sah im Geiste, wie aus den Helgen Eisengerippe wuchsen, wie um das tausendfach gegliederte, formenstrenge Gerippe sieh das harte Kleid der Stahlplatten. legte, tote Deck über Deck sich türmte. Rur Sonntags schwieg das alles. Und nun ist alle Tage Sonntag. Die unfertige« Schiffskörper liegen tote tote Massen in den Helgen. Kein Hammerschlagecho bricht sich hallend an den kalten Eisenwänden, kein Kran dreht sich knirschend an den Gelenken, kein langer, schriller Pfiff schneidet die Ruhepausen in dem ruhelosen Arbeitstag,
Die streikenden Arbeiter
stehen in Gruppen auf den Gassen am Hafen, sie sitzen abends in großen Versammlungen und lassen sich von heißen Rednern die Berechtigung ihrer Forderungen klipp und klar beweisen. Was sie fordern sind Pfennige, sind drei Stunden weniger Arbeit die Wache. Sieben Pfennige mehr soll ihnen die Arbeitsstunde bringen. Und statt 55 Arbeilftunden die Woche wollen sie nur 52. Sieben Pfennige: Das ist für den Haushalt des Arbeiters ein Plus von 3,64 Mark die Woche, ein Plus von 190 Mark im Jahre. Eine kleine Summe? Für den Arbeiterhaushalt ein kräftig spürbarer Zuschuß. Eine Niesensumme aber für die Werften. Rund 1 300 000 Mark hätte die Werft von Blohm und Voß ihren Arbeitern an Löhnen mehr zu zahlen. Daß eine solche Summe auch einen großen Etat ins Schwanken bringen kann, ist klar. So versteht man den heftigen Widerstand der Werften. Was sie bewilligen wollen, ist ein Plus von zwei Pfennigen die Stunde. Das bedeutet für den Arbeiter eine Mehreinnabme von rund einer Mark die Woche, van 54 Mark im Jahr. Für Blohm und Voß eine Mehrausgabe von 378000 Mark. So werden aus Pfennigen Summen. Tie Arbeiterforderungen treffen die Werften in einer Zeit, in der es mit der Geschäftslage nicht sonderlich gut bestellt ist. Sie sind freilich mit Aufträgen gut versehen, aber die Kontrakte sind (so heißt es) zu Preisen abgescklossen. die eine Erhöhung der Löhne nicht zulassen. Unter solchen Umständen sei es für die Werften vorteilhafter, ihre Betriebe selbst auf längere Zeit
völlig still zu lege«
als dauernde Mehrbelastungen von solchem Umfange auf sich zu nehmen. Die Preis- drückerei ist ein besonders hartes Kapitel für die Wersten. Auch der Staat läßt da arbeiten. wo er die Schisse am billigsten bekommt. Und selbstverständlich lassen erst recht alle Pri- vatrecder ihre Dampfer da konstruieren, wo man ihnen im Preise am weitesten entgegenkommt. Und datz die Wersten sich lieber mit relativ Heinen Gewinnen begnügen, als die Aufträge an die hart arbeitende Auslandskonkurrenz gehen zu lassen, ist schon aus nationalen Gründen zu begrüßen. Mitunter kommts auch vor, daß die Ausgaben der Werften für moderne Sckftfskolosse Leu Voranschlag weit