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MckrReuestk Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 1S5.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonnabend, 26. Zuli 1913.

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

asm

Mnlee-Ioodle.

Protektorat der Vereinigten Staate« über Mitt^amerikarAmerikanischeMacht-Pläne.

Depesche« aus San Jose (Costarica) melden r Ei» Kabeltelegramm aus Washington, datz Staatssekretär Bry­an das Protektorat der Vereinig­ten Staaten über die mittelamerika­nischen Staaten plane, hat hier große Aufregung verursacht. Die Proteste häufen sich, in der Presse sowohl wie In allen Kreisen des Publikums. Gestern abend wurde eine allgemeine Protest - Versammlnng einberufen.

Wahrend auf der greifenden Erde Europas die Völker sich im wilden Kampf zerfleischen, während die Diplomatie der alten Welt wie hypnotisiert in den Feuerbrand am Balkan starrt uno selbst das Werden neuer Zukunft im Fer­nen Osten nur mit flücht'gem Blicke streift, be­reiten sich jenseits des Atlantic Ereigniffc vor, deren Tragweite das Europäer-Auge noch ntchr abzuschätzen vermag. An dem Tag, der auf den Zinnen von Adrianopel die Türken­flagge als Siegerbanner sah, kam im Weißen Hause,in Washington ein Vertrag zustande, den kluge Staatsmann-Kunst als Wegbahner weitausgreisender amerikanischer Machtpolitik geformt, und der tatsächlich den Auftakt einer neuen Aera amerikanischer Staaten-Kon- lolidation unter Vorherrschaft der Ster­nenbanner-Union bedeutet. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat mit der Republik Nicaragua ein Abkommen getroffen, das der Union in der (den andern Kontrahenten scho­nenden) Form einer staatlich-wirtschastlichen Interessengemeinschaft das Protektorat und da­mit die Herrschaft über Nicaragua sichert. Da­mit hat die seit Roosevelts Tagen unverkenn­bar imperialistisch gestimmte Konsolidations- Politik der amerikanischen Staaten-Union in Mittelamerika einen festen Stützpunkt gewonnen und sich auf der Landenge zwischen dem Nor­den und dem Süden des Erdteils eine Einfluß­zone geschaffen, von der aus die Vormacht der Union ihre Kräfte, weiter ausgreifend, nutzbar machen kann. Daß eine umfassendere Expansion des Machtbereichs der Ijankee-Republik als näch­stes Ziel der Politik des Weißen Hauses in Aussicht genommen ist, beweist das Alarm-Sig­nal aus Costarica: Die Vereinigten Staaten erstreben, auf die vertraglich gesicherte Vorherr­schaft in Nicaragua sich stützend, das Protekto- rar über sämtliche fünf mittelamerikanische Staaten und die Abrundung der Machtgrenze der Union südwärts bis zum Golf von Pa­nama !

*

Tas Staatengebilde Mitteleuropas ist seit Jahrhunderten der Brandherd ew'ger Revo­lutionen: Guatemala, Honduras, Salva­dor, Nicaragua und Costarica figurieren in der Geschickte der neuen Welt als Hexenkessel unge- bändigter Völker-Leidenschaften, und die staat­liche und kulturelle Entwicklung der fünf Revii- bliken ist tausendfach gehemmt durch die Wirren und Operettenland-Revolutionen, die in Zeu- tral-Amerika ebenso zur Tagesordnung gehö­ren, wie in der Franzosen-Republik die Kabalen und Intriguen gegen die Träger der Regie­rungsgewalt. Eine straffe staatliche Konsolida­tion der fünf Republiken unter der Kontrolle und Oberhoheit der Union würde also eine G e- f a h r beseitigen, die seit dem Werden der fünf Staatsgebilde unaufhörlich Amerika bedroht und Milliarden an Werten vernichtet hat. Viel­leicht verwirklicht sich der kühne Traum der Z)an- kee-Sehnsucht. die Sternenbanner-Union auch auf der Erde Zentral-Amerikas zur unum­schränkten Herrin auszurufen, nicht zwischen Abend und Morgen; vielleicht erwachsen der Verwirklichung der imperialistischen Idee noch nah' am Ziele Schwierigkeiten, und der Sieg erfordert Kampf oder Gewalt: Daß aber der Tag nicht mehr fern ist, der Guatemala, Hondu­ras, Salvador, Nicaragua und Costarica der Herrfchaft der Union ausliefert und dem von Atlantic bis zum Stillen Ozean sich dehnenden Riesenreich der Aankee-Nepublik Zentral- Amerika angliedert, darf heut als natürliches Entwicklungsgesetz und als naturnotwendiges Geschehen nächster Zukunft gelten. Der imperia­listische Gedanke, der im Weißen Haus in Washington seit Theddy Roosevelts Präsiden­tenlagen Motiv und Energiekrast der Union- Politik ist, wirkt tat-zeugend und entwicklung­bestimmend sichtbar aus allen Gebieten, und der Traum Roosevelts, zwischen zwei Ozeanen ein R i e s e n r e i ch amerikanischer Einheit auf- zurichten, in dem die Union, Mexiko und die fiins Republiken Zentral-Amerikas Länder und Völker zusammenschweißen könnten, beginnt dem Reich der Träume zu entgleiten und (noch

Balkan-Wirrwarr!

Das türkische Problem «nd die Auffassung in Berlin; Eindringen der Türken in Bulgarien; Ratlosigkeit und Anarchie in Sofia; Bestürzung aus der Londoner Botschafter-Konferenz; Rumänien warnt die Türkei; die Friedensverhandlungen.

In ganz unverkennbarer Weise tritt das bulgarische Problem, wie man den Komplex der Fragen nennen kann, die mit dem Gegensatz zwischen Bulgarien und den übrigen Balkanstaaten sowie Rumänien Zusammenhän­gen, hinter das türkischeProblem zurück, das sich im wesentlichen um die Frage dreht, wie die europäischen Großmächte sich zu dem Vorgehen der Türkei in Thrazien verhal­ten werden. Das wird auch in den Berliner diplomatischen Kreisen offen zugegeben. In den diplomatischen Kreisen der Reichshaupt- siadi legt man der Veröffentlichung des jüngsten Telegrammwechsels zwischen König Carol von Rumänien und dem König Ferdinand von Bul­garien eine ganz besondere Bedeutung bei. Die Versickerung derFortdauer guter Beziehun­gen" zwischen den beiden Ländern deutet dar­auf hin, daß die Möglickkeit einer Verstän­digung beiderseits erkannt und gefordert wird, und in dieser Tatsacke darf man vielleicht ein beruhigendes Symptom erblicken. Inzwischen haben die Türken ihren Vor­marsch in Bulgarien fortgesetzt. Die neuesten Depeschen berichten darüber:

Sofia, 25. Juli.

Die türkischen Truppen, die auf dem alte« bulgarischen Terri­torium vorrücken «nd auf ihrem Ange alles niederbrennen und nie- dermetzeln, haben das Dorf Ka- raptschaanfderStraße vonKKzülst- gatsch nach Jomboli erreicht. Längs der ganzen Grenze flieht die Be­völkerung in wilder Flucht iu das Annere des Landes.

London, 25. Juli.

Ans der gestrigen Konferenz der Botschafter wurden wieder keine formellen Vorschläge gemacht, wie man die Entscheidung der Mächte der Türkei gegenüber zur Durch­führung bringen könne. Daß die Türken auf Philippopel zurückten, verursachte auf der Konferenz allge­meine Bestürzung und Anruhe.

In Berliner diplomatischen Kreisen gibt man die Schwierigkeiten, die einem E i n g r e i- sen Europas in den Balkankrieg gegen« überstehen, offen zu. Die von Paris aus ver­breitete Meldung, die Mächte seien von vorn­herein mit allen Schritten einverstanden, die Rußland Vorschlägen werde, um die Türkei zur Raison zu bringen, schießt weit über das Ziel hinaus. Es darf als sicher gelten, daß weder die Ausrollung der besonderen Fragen, noch ein Druck Rußlands auf die Türkei von der kleinasiatischen Seite her die Zustimmung sämt­licher Mächte finden wird. Nickt einmal eine Sonderdemonstration der russischen Schwarzmeerflotte erachtet man als eine Maß­regel, die die unbedingte Zustimmung der Mäch­te finden würde, und von einer gemeinsamen Flottendemonstration der Mächte ver­spricht man sich erst recht keinen Erfolg. Die Verhandlungen über das türkische Problem zwischen den Mäckten dauern fort, man rechnet aber nicht mit einem baldigen Abschluß dieser Verhandlungen, da die Menge der zu beseiti­genden Schwierigkeiten täglich größer wird.

*

Anarchie in Bulgariens Hauptstadt?

Bonn, 25. Juli. (Privat-Tele- gram m.) Ein in Sofia lebender Bonner hat über die Lage in Sofia folgende Mitteilun­gen hierher gelangen lassen: Die Zustände in der Stadt sind derart, daß für nichts mehr garantiert werden kann. Ohne blutige Zusam­menstöße mit der machtlosen Polizei vergeht fast kein Tag. Militär muß häufig zum Schutz der bedrohten ausländischen Gesandtschaften ein« schreiten. Die Wutdes Volkes richtet sich besonders gegen Danew. Es wird versichert, daß, falls der Vormarsch der Serben auf So­fia zur Wirllichkeit werden sollte, der A u f - ritbr wie eine lodernde Flamme alle Ord­nung vernichten werde.

Die Tragödie von Doksat.

(Amtliche griechische Meldung.)

Saloniki, 25. Juli.

Die amtlichen Untersuchungen über die Grausamkeiten der Bulgaren in Doksat ergaben, datz die Bulgaren die Stadt zerstörten, ehe sic sie vollständig verließen. Die Einwohner bildeten eine Bürgermiliz, «m die Angriffe der Komttatschis zurückzuschlagen. Nach einem vergeblichen Angriff fuhren die Bulgaren in der Nacht vom Sonnabend vier Feldgeschütze auf; während von den Ein wohncru viele nach Lawalla und in die Berne

flohen, schlotz sich ein Teil in die Häuser ein. Plötzlich erschien bulgarische Kavallerie, aus der anderen Seite drangen vierhundert Solda­ten in die Stadt. Es begann ein Gemetzel. Frauen. Kinder und Greise wurden erbar­mungslos h i n g e s ch l a ch t e t; alle in Doksat zurückgebliebenen Frauen wurden von Solda­ten und Offizieren vergewaltigt, die Mütter mutzten ansehen, wie man ihre Kinder aus den Fenstern auf die Bajonette warf.

Eine Hilfsaktion für Bulgarien?

(Privat - Telegramm.)

Petersburg, 25. Juli.

Im Auswärtigen Amt wird heute a m t - l i ch bestätigt, datz zwischen R! a n d und Oesterreich ein volles ETnvernehmen bezüglich der Balkanfragen httrsche. Die öster­reichische Negierung habe an Rußland eine Note gerichtet, in der auf die Gefahren hingewiesen wird, die aus einer Fortsetzung des Balkan- IriegeS drohen. Rußland habe sich der öster­reichischen Auffassung angeschlossen. Beide Mächte beabsichtigen energische Vorstel­lungen bei den Balkauregierungen. Oester­reich spricht sich gegen eine Zerschmetterung Bulgariens und gegen den türkischen Vormarsch aus. Der Konstantinopeler Korrespondent eines- hiesigen maßgebenden Blattes berichtet, der türkische Großwesir habe ihm erklärt, alle Türken werden begeisterte Freunde Rußlands bleiben, falls Rußland neutral bleiben werde.

König Karo! an dsn Sultan.

(Draht - Meldungen.)

Bukarest, 25 Jusß.,

Wie offiziell bekannt gegeben wird, hat König Carol unter Berufung auf seine dem türkischen Reiche stets bezeugte Sympathien und auf seine der Türkei in der Vergangenheit und zuletzt beim Abschluß des Friedens mit Italien geleisteten guten Dienste an den Sul­tan ein Telegramm gerichtet, worin er dessen Aufmerksamkeit auf die Enttäuschung lenkt, die die Türkei mit ihrer militärischen Ak­tion erleiden könnte, die sie in ein Gebiet führe, dessen Schicksal von Europa in der be­stimmtesten Weise geregelt wurde. Von hervor­ragender Seite wird mitgeteilt, daß ein etwa­iger Einmarsch der Serben und Griechen in Bulgarien wahrscheinlich eine internati­onale Intervention zur Folge haben würde.

Rußland gegen die Türken!

(Privat - Telegramm.)

Wien, 25. Juli.

Zu der Haltung Rußlands gegenüber der Türkei wird heute an hiesiger unterrichteter Stelle versichert, daß Rußland trotz aller De­mentis Vorkehrungen gegen d i e Türkei treffe. Man hofft aber, daß die Türkei einem starken diplomatischen Druck Europas Folge leisten werde. Die Armenier entfalteten in Rußland eine lebhafte Agitation gegen die Türken und es sei sicher, datz Rußland gerne in Armenien einmarschieren möchte. Ob es sich aber dazu entschließen werde, wisse man noch nicht. Rußland werde abwarten, welche Fol­gen ein gemeinsamer Schrittder Mächte in Konstantinopel haben werde. Heute hier ein­gegangene Depeschen aus Sofia melden: Drei türkische Eskadronen sind gestern in Kizil Agatsch eingedrungen. Mustapha Pascha soll in Flammen stehen.

Russische Kriegsschiffe unterwegs.

(Privat-Telegramm.)

Odessa, 25. Juli-

Drei russische Tr up p en - Tra nsp o r t- schiffe verließen gestern mit Truppen an Bord den hiesigen Kriegshafen. Diese drei Schiffe haben als Bestimmungsort Bat« in Transkaukasien. Weitere Truppentransporte sind unterwegs. Es scheint demnach, als ob Rußland die Absicht hat, einen Teil der asiatischen Türkei zu besetzen und dadurch die Türkei zu veranlassen, ihren Vor­marsch in Bulgarien einzustellen. Nach einer Meldung aus Konstantinopel sieht die türkische Regierung de« kommende« Ereignissen zuversichtlich entgegen, da man an die Möglich­keit einer militärischen Sonderaftion Europas nicht glaubt und eine internationale Flotten­demonstration für unwahrscheinlich hält. Jedenfalls ist die Türkei entschlossen, sich nicht eintckücktern zu lassen.

undeutlich, aber bereits erkennbar) in Wirklich kcits-Formen sichtbar zu werden...! F. H.

Amerikas Eingreifen in Mexiko?

(Privat - Telegramm.)

Rewyork, 25. Juli.

Nachrichten aus Mexiko zufolge ist dit Lage dort sehr e r n st. Alles amerikanische Eigentum soll vernichtet sein. Die Regicrunx in Washington schwankt, ob sie den Rebellen den Waffenankauf gestatten soll oder nicht. Es finden lauge Konferenzen im Weißen Hause statt, die aber noch zu keinem Abschluß gekom­men sind. Die Möglichkeit einer bewaff­neten Intervention der Vereinigten Staaten in Mexiko wird als bestehend erachtet, und es heißt, daß die Regierung in Washington entschlossen sei, in diesem Falle mit aller Energie vorzugehen, um die Interessen der Union zu wahren.

Streik der Achtzrhntausmd.

Bilder vom Werftarbeiter-Streik an der Wasserkante; Kapital und Arbeit im Kampf.

(Von unserem Mitarbeiter in Hamburg.) Hamburg, 25. Juli-

Achtzehntausend Werftarbeiter strei­ken in Hamburg: Die siebentausend Arbeiter der Werft von Blohm und Voß, die den Im­perator gebaut hat, die sechstausend Arbeiter desVulkan", der den noch größeren Dampfer Vaterland" jüngst vom Stapel gelassen hat, und die rund fünftausend der kleineren Werf­ten. Achtzehntausend: Das ist eine ge­waltige Zahl. Eine Armee von Männern, deren harter Schritt die Luft schütter« macht, wenn sie früh vor Tag, die Blechkannen über der Schulter, truppweise aus den Elbvierteln zum Hasen kommen, um auf zahllosen Barkas- seu zu den Arbeitsstätten hinüber zu fahren. Werftarbeiterstreik: Das bedeutet Ruhe und Stille im Hafen! Sonst schwang fick das Dröhnen der Hämmer, das Klirren des Eisens, das Schreien der Kraue und das Knirschen der Ketten wie eine heiße, wirre und doch hin­reißend rhythmische Musik über das ewig be­wegte Wasser des Hafens. Und man sah im Geiste, wie aus den Helgen Eisengerippe wuch­sen, wie um das tausendfach gegliederte, for­menstrenge Gerippe sieh das harte Kleid der Stahlplatten. legte, tote Deck über Deck sich türmte. Rur Sonntags schwieg das alles. Und nun ist alle Tage Sonntag. Die unfertige« Schiffskörper liegen tote tote Massen in den Helgen. Kein Hammerschlagecho bricht sich hallend an den kalten Eisenwänden, kein Kran dreht sich knirschend an den Gelenken, kein lan­ger, schriller Pfiff schneidet die Ruhepausen in dem ruhelosen Arbeitstag,

Die streikenden Arbeiter

stehen in Gruppen auf den Gassen am Hafen, sie sitzen abends in großen Versammlungen und lassen sich von heißen Rednern die Berechtigung ihrer Forderungen klipp und klar beweisen. Was sie fordern sind Pfennige, sind drei Stunden weniger Arbeit die Wache. Sieben Pfennige mehr soll ihnen die Arbeitsstunde bringen. Und statt 55 Arbeilftunden die Woche wollen sie nur 52. Sieben Pfennige: Das ist für den Haushalt des Arbeiters ein Plus von 3,64 Mark die Woche, ein Plus von 190 Mark im Jahre. Eine kleine Summe? Für den Ar­beiterhaushalt ein kräftig spürbarer Zuschuß. Eine Niesensumme aber für die Werften. Rund 1 300 000 Mark hätte die Werft von Blohm und Voß ihren Arbeitern an Löhnen mehr zu zahlen. Daß eine solche Summe auch einen großen Etat ins Schwanken bringen kann, ist klar. So versteht man den heftigen Widerstand der Werften. Was sie bewilligen wollen, ist ein Plus von zwei Pfennigen die Stunde. Das bedeutet für den Arbeiter eine Mehreinnabme von rund einer Mark die Woche, van 54 Mark im Jahr. Für Blohm und Voß eine Mehr­ausgabe von 378000 Mark. So werden aus Pfennigen Summen. Tie Arbeiterforderungen treffen die Werften in einer Zeit, in der es mit der Geschäftslage nicht sonderlich gut bestellt ist. Sie sind freilich mit Aufträgen gut versehen, aber die Kontrakte sind (so heißt es) zu Prei­sen abgescklossen. die eine Erhöhung der Löhne nicht zulassen. Unter solchen Umständen sei es für die Werften vorteilhafter, ihre Betriebe selbst auf längere Zeit

völlig still zu lege«

als dauernde Mehrbelastungen von solchem Umfange auf sich zu nehmen. Die Preis- drückerei ist ein besonders hartes Kapitel für die Wersten. Auch der Staat läßt da ar­beiten. wo er die Schisse am billigsten bekommt. Und selbstverständlich lassen erst recht alle Pri- vatrecder ihre Dampfer da konstruieren, wo man ihnen im Preise am weitesten entgegen­kommt. Und datz die Wersten sich lieber mit relativ Heinen Gewinnen begnügen, als die Aufträge an die hart arbeitende Auslandskon­kurrenz gehen zu lassen, ist schon aus nationa­len Gründen zu begrüßen. Mitunter kommts auch vor, daß die Ausgaben der Werften für moderne Sckftfskolosse Leu Voranschlag weit