CMer Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Casseler Abendzeitung
3. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952.
Freitag, 25. Juli 1913
Nummer 194
Fernsprecher 951 und 952.
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Königs-Depeschen.
Telegraphische Friedensbitte des Bnlgaren-Zaren; die Antwort ans Bukarest; An- stimmigkeiten unter den Verbündeten; Europa gegen die Türken; eine türkische Reserve-Armee bei Tschataldscha; neue Kämpfe bei Kirk-Kiltsse; Ruhe in Sofia!
Friedensvertrag festgelegten Grenze verlangt, hat die Pforte geantwortet, dass sie den Londoner Vertrag als hinfällig betrachte. Jedenfalls sind mit dieser Erklärung der Türkei auch die russischen Mobilisierungs- Maßnahmen in Zusammenhang zu bringen.
Sommernacht-Spuk?
Seneraldirektor Ballin als Kanzlerstürzer: PhantafieproduktoderKonkurrenzmanSver?
Zn der Angelegenheit des Telegramms des Direkors Maier von der Phönix-Transport-Gesellschaft an den Reichskanzler bezüglich politischer Zntriguen des Hapag-Direktors Ballin wird seitens der bayrische« Regierung eine offizielle Erklärung erfolgen, die die Mitteilungen des Direktors Maier als „t« allen Punkten ua- zutreffend" bezeichnet. Inzwischen hat auch Generaldirektor Ballin gegen HerruMaier Strafantrag gestellt.
Herr Friedrich Josef Maier, Direktor der Phönix-Transport-Gesellschaft in Rotterdam und Marktredwitz (Bayern), zurzeit Feriengast im Hotel Miramar« in Genua, hat vom sonnigen Süden aus den Kanzler in der Stille von Hohenfinow durch ein Telegramm heimgesucht, das, wenn es der Künder reiner Wahrheit wäre, selbst einen fo philosophischen Kops wie den des Herrn Theobald von Bethmann Holl- weg einigermaßen beunruhigen dürfte. Ein Berliner Blatt registrierte den Genueser Draht- Alarm des Herrn Friedrich Joses Maier unter der kurzen aber deutlichen Spitzmarke: „Blöd- ftnn*, und Herr Maier hat daraufhin beteuert, daß er den Uebeltäter, der diesen Frevel verbrochen, vor den Kadi laden werde. So weit ist nun die Sache: Zwei Prozesse (Ballin gegen Maier und Maier gegen den Vater der „Blödsinns-Kritik) werden, wenn der Themis talargeschmückte Jünger zur September-Mitte aus der Ferienstille heimkehren, die „Enthüllung* des Herrn Friedrich Josef Maier ins helle Licht des Tages rücken, und wir werden dann sehen, ob Herr Albert Ballin, der Kommandeur der Ha- pag-Flotte, wirklich der furchtweckende „schwarze Mann* ist, der (nach Herrn Maiers Miramara- Telegramm an den Kanzler) Minister und Reichskanzler stürzt und erhebt, mit Herrn von Hertling um das Schicksal des Jesuitengosetzes würfelt und grollenden Exzellenzen um das Linsengericht einer Verkehrs-Konzession die schleunige Beseitigung ungeliebter Killegen offeriert. Für diese drei Tatsachen, die den Radius feiner Vorstellungswelt voll ausfüllen, hat Herr Friedrich Josef Maier dem Kanzler vollgültigen Beweis angeboten, und man darf nun gespannt daraus sein, Welches Mäuslein schließlich dem wild kreißenden Berg der Friedrich Josef Maier-Phantasie entschlüpfen wird.
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Unterdessen hat sich auch Herr Ballin zum Wort gemeldet. Er hat zuerst, als der Draht di« Schauermär von Genua ins Privatkonto r der Hapag - Direktion trug, an einen Maier- Scherz gedacht, sich dann aber überzeugt, daß man von Genua nach Hohenfinow keine Sommerscherze auf eiligem Depeschenweg übermitteln läßt. Albert Ballin, des Kaisers Freund und Berater in mancher entfcheidungs-schweren Stunde, wittert in dem Krtegsruf des Phönix- Mannes aus Marktredwitz den Trompetenstoß einer F ü r st e n k o n z e rn - Jntrigue, und wenn diese Annahme zutrifit, würde die seltsame Affäre auch dann noch den Charakter einer volitischen Sensation behalten, wenn im Licht kritischer Prüfung von den Erzählungen des Herrn Friedrich Josef Maier nichts mehr zurückbliebe als das gilbende Blatt des Dcpe- schen-Formulars, das, bekritzelt mit der Hiobspost aus Genua, des Kanzlers Ferienruhe störte. Der „Fürsten-Krnzern* (der seinen Namen den iu ihm vereinten Millionen fürstlicher Großkapitalisten, der Fürstenberg, Pleß, Hohenlohe und andrer verdankt) führt seit Jahren einen scharfen Kampf um die Vorherrschaft in Jn- dustri«. Handel und Verkehr, und dieser Kamps hat zuweilen Formen angenommen, die, ethisch und ästhetisch gewertet, nicht mehr erfreulich genannt werden kann. Besteht zwischen diesen Vorgängen und der alarmierenden „Draht-Enthüllung* des Herrn Friedrich Josef Maier ein ursächlicher (wenn auch nur indirekter) Zusammenhang, und ist der temperamentvolle Herr Maier aus Marktredwitz nur das Sprachrohr bestimmter Interessen und Pläne? Das ist im Augenblick die Frage, deren Beantwortung wichtig dünkt.' Daß Herr Ballin mit dem Ministerpräsidenten vom Bayerland über Kanzler-Schicksal und Staatsaktionen wie über einen Roßtausch verhandelt haben könnte, ist etwas so Unfaßbares und Undenkbares, daß «an versucht sein könnte, zu wiederholen, was jener resolute Mann gesagt, den Herr Friedrich Josef Maier vor den Kadi schleppen will: „Blödsinn!* Aber w i r sagen's nicht; Wir fragen nur: Ein Sommernachts-Traum, Herr Maier...? F. H.
Bulgarien, der König und die Regierung bieten ein trauriges Bild gänzlichen Verfalls. Ein großes Volk ist auch groß im Untergang, und ein wahrhaft großer Herrscher weiß auch im tiefsten Unglück seine Würde zu wahren. Richt so das Volk der Bulgaren, nicht so Zar Ferdinand. Daß die bulgarische Regierung zum Frieden bereit ist, kann man ihr nicht zum Vorwurf machen: Sie muß den Frieden erstreben, um das Land vorm gänzlichen Untergang zu retten, aber die Art und Werse, wie dies geschieht, ist traurig und jammervoll. Am einundzwanzigsten Juli hat K ö - nig Ferdinand an den KönigderRu- m ä n e n eine drahtliche Friedensbitte gerichtet, die mehr ein Flehen, als eine Bitte ist:
Ferdinand an Karol.
Der lebhafte, tiefgefühlte Wunsch, der mich beseelt, der gegenwärtigen peinlichen Lage endgültig ein Ende zu setzen, drängt mich dazu, mich noch einmal in meinem Namen und im Namen meiner Regierung an Eure Majestät zu wenden, um Sie um den Abschluß des Friedens zu bitten. Indem wir so handeln, haben wir keineswegs die Absicht, die eventuell günstige Aufnahme, die Eure Majestät dieser Bitte gewähren würden, dazu zu benutzen, um den Kriegszustand mit Serbien und Griechenland fortzusetzen. Meine Regierung ist im Gexrnteil fest enfichlossen, mit diesen beiden Ländern rasch Frieden zu schließen. Ich und meine Regierung werden in diesem Akte Eurer Majestät eine glückliche Vorbedeutung für eine baldige und herzliche Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen unseren Völkern erblicken, die durch so viele Erinnerungen und gemeinsame Interessen geheiligt sind, die wir mit tiefem Bedauern einen Augenblick getrübt gesehen haben.
Karol an Ferdinand.
Ich beeile mich, das Telegramm Eurer Majestät zu erwidern, indem ich Ihnen die Versicherung gebe, daß ich von dem- selben Wunsche beseelt bin, sobald als möglich einer Situation ein Ende zu setzen, die ich umsoutehr beklage, als sie einen Augenblick die guten Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zu trüben vermocht hat. die so viele Erinnerungen geheiligt ha- ben. Meine Regierung gab der Regierung Eurer Majestät die Bedingungen bekannt, die die Wiederherstellung vertrauensvoller Beziehungen zwischen unseren beiden Staaten gestatten, deren Aufrechterhaltung ich den größten Wert beimefle. Eure Majestät können überzeugt fein, daß die freundlichen Gefühle, die ich Ihnen seit langer Zeit entgcgengebracht habe, durch diese letzten Ereignisse, die uns durch d i e Umstände aufgedrängt worden sind, «ich beeinträchtigt werden konnten. Ich bin glücklich, von Eurer Majestät zu erfahren, daß Ihre Regierung fest entschlossen ist, den Kriegszustand mit Serbien und Griechenland zu beendigen und daß Sie bereits Ihre Delegierten designiert haben.
In der Berettschast zum Frieden, die die bulgarische Regierung seit der schweren Heimsuchung, die das Land betrofien, stets beteuert, bis zu den dringenden Telegrammen des Bulgarenzaren und seiner Regierung, an die Herrscher Europas und an die Kabinette von Wien, Petersburg, Berlin. Paris, London und Roni, aus deren jeder Zeile das Jammern und Flehen eines im Unglück Zusammengebrochenen klingt, der jede Haltung und jedes moralische Selbstbcwußfiein verloren hat: Bis dahin ist's ein weiter Weg! Daß er beschritten werden mußte, beweist, daß Bulgarien völlig zusammengebrochen ist und nur noch Gnade, keine Rettung erhofft!
Mobilisiert auch Rußland?
(Privat - Telegramm.)
Petersburg, 24. Juli.
Depeschen aus Odessa berichten, daß die Verwaltung der brßarabischen Bahn und der Donaubahn von der russische« Regie- rang die Weisung erhielt, Linien und Material bis auf weiteres zur ausschließlichen Verfügung der militärischen Behörden zu halten. Das Material soll für den Transport von Truppen verwendet werden. Weiter wird gemeldet, daß drei Divisionen der Kaukasuöarmee an der anatolischen Grenze zusammengezogen seien. Auf das Telegramm des bulagrischen Ministers des Aeußern, das die Einhaltung der durch den Londoner
Rußland gegen die Türken!
(Privat-Telegram m.)
Paris, 24. Juli.
Der Temps erfährt aus Petersburg, daß der russische Boffchafter in London den Auftrag erhielt, von der heute zusammentretenden Boffchafterkonferenz energische Maßnahmen zu verlangen, um die Türken zur R S u m u n g der von ihnen jenseits der Grenze von Enos-Midia okkupierten Gebiete z« veranlassen. In offizielle« Kreisen in Petersburg erklärt man aus daS entschiedenste, daß die Türke« nicht in Adrianopel breiben dürften, und daß man die notwendigen Mittel anwenden werde, um ste zum Verlassen der Stadt sowie Thraziens zu zwange«. Die Großmäckfte könnten nicht dulden, daß die Türkei in die Balkanfrage neue Schwierigkeiten hineintrage und de« Friedensabschluß gefährde.
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Depeschen vom Kriegsschauplatz.
(Privat-Telegramm.) Belgrad, 24. Juli.
Nach zweitägigem Kampf haben die Serben gestern die Bnlgaren bei Belgardschik g e s ch l a g e n und die Stadt genommen. Die serbische« Truppen eroberte« dreißig Geschütze. Bis herunter nach Dschumaja dauerte der Kampf an. Ueberall mußten neuerliche An- griffederBulgaren zurückgewiefe« werden. So griffe« zwei bulgarische Bataillone bei Pirot d'e serbischen Vorposten an und machte« Vorstöße nach Detschani und Kladenatz. Auch bei Tre« und Egripalanka kam es zu neuen Kämpfen. Südlich von Dschumaja drangeu die Bulgaren bis Zarewo Selo vor. Durch die Aufmerksamkeit der serbische« Posten gelang es jedoch, rechtzeitig Verstärkungen heranzuziehen und die Vorstöße des Feindes überall zurückzuweisen. *
Der Preis des Friedens.
(Meldung der Agence d’Athenes.)
Athe«, 24. Juli.
Die Friedens-Bedingungen der verbündeten Anneen werden bei der Konferenz in Bukarest verkündet werden. Man kann schon jetzt behaupten, daß die Bedingungen sich auf die Idee des Gleichgewichts auf dem Balkan stützen werden. Seitens Rumäniens besteht keine Gefahr, daß die Frage verwickelt werde, denn Rumänien ist in den Kampf eingetreten, von der Absicht geleitet, das Gleichgewicht auf dem Balkan zu erhalten. Wenn eine Gefahr der Verwicklung bestehe, so sei diese lediglich in der Intervention der Türkei zu suchen. Die Verbündeten wünschen, daß die Türkei die Abmachungen des Londoner Vertrages nicht verletze. Trotz des Vormarsches der Türken in Thrazien sind die Verbündeten keineswegs geneigt, auf der Konferenz in Bukarest der Türkei in Thrazien Gebiet einzuräumen.
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Die Reserven bei Tschataldscha.
(Privat - Telegramm.)
Wien, 24. Juli.
Die Südslavische Korrespondenz meldet aus Konstantinopel, daß an der Tschatald- schalinie eine türkische Reservearmee formiert werde. Seit zwei Tagen finden große Truppentransporte dahin statt. Der Zweck scheint die Sicherung Konstantinopels und die Verhütung des Zurückströmens der Truppen der ersten Armee zu sein. Von gut unterrichteter Seile verlautet ferner, daß die Großmächte in den letzten Tagen in Belgrad und Athen zur Mäßigung geraten und besonders die Annahme des Vorschlags Rumäniens empfohlen haben, in Risch nur über den Waffenstillstand und in Bukarest über den Frieden zu verhandeln. In der türkischen Hauptstadt die anläßlich der Berfaffungsfeier festlich geschmückt ist, herrscht Jubel über die Wiederbe- eroberung Adrianopels und allgemeine Kriegs- bcgeistrrung.
zwei Katastrophen.
Das Gruben-Anglück auf der Zeche CaroluS Magnus; der Brand von Dinghampton.
Zu dem Unglück auf der Zeche „Carolus Magnus* in Geilenkirchen (über das wir gestern telegraphisch berichteten) teilt die Gewerkschaft mit, daß die Vermutung, das Unglück könnte durch die Wirkung der letzttägigen Wolkenbrüche hervorgerufen sein, nicht zutrifst. Das Unglück entstand vielmehr dadurch, daß sich etwa sieben bis acht Ringe des provisorischen Ausbaues lösten und durch die stürzenden Massen die vierzehn auf der Sohle arbeitenden Leute neun Meter hoch verschüt- t e t wurden. Nur ein einziger Mann konnte sich retten, die übrigen sind von den Erd- massen erdrückt worden. Ueber das Unglück werden noch folgende Einzelheiten bekannt:
Vierzehn Opfer des Anglücks.
(Draht ° Meldungen.)
Aachen, 24. Juli.
Durch den Einsturz auf Zeche „CaroluS Magnus" wurden, wie jetzt feststeht, ein Steiger und dreizehn Arbeiter vollständig verschüttet, während ein einziger durch rechtzeitiges Emporklettern an einer Leiter dem Schicksal entrann. Der verschüttete Steiger war jung verheiratet und machte, da er erst seit einigen Tage« aus „Carolus Magnus" arbeitete, seine zweite Schicht. Von den verschütteten Arbeitern sind mehrere Familienväter. Es handelt sich bei dem Einsturz um leichten Sibwimm- fand, der hier häufig angetroffe« wird. Zudem war vor mehreren Wochen über die hiesige Gegend ein wolkenbruchartiger Regen niedergegangen und hatte die Schachtzimmerungen unterspült; der Schacht selbst war dadurch zum Teil unter Wasser gesetzt worden. Es ist bis heute früh nicht gelungen, die ver- fchütteten Bergleute aus dem cingestürzten Schacht zu befreien. Zweifellos sind alle tot, da noch große Erdmassen wiederholt nachgestürzt find. Bo« dem Schacht, der auf siebzig Meter abgetäust ist, sind siebenundsechzig Meter eingestürzt. Es liegen auf den Leichen in siebzig Meter Tiefe gewaltige Sandmassen, die nachgestürzt sind. Die Ber- gungsarbeitcn sind sehr schwierig und können nur mit größter Vorsicht ausgeführt werden. Der ganze Schacht mutz erst gesichert werden, ehe man an die Abtragung der Sandmaffeu gehen kann. Es wird deshalb noch einige Tage dauern, bis die Toten geborgen werden können.
Ein weiteres Unglück hat sich gestern in der österreichischen Pulverfabrik Möllersdorf bei Wien ereignet. Wie uns ein Privat-Tele- gramm meldet, entstand dort durch die Unvor- sichttgkeit eines Arbeiters eine schwere Explo- flott. Drei Personen wurden gelötet, sech zehn meist schwer versetzt. Drei der Verletzten ringen mit dem Tode. Ueber die Ursache des Unglücks steht noch nichts genaueres fest. Man nimmt daß, daß ein Lehrling, auf dessen Arbeitstisch die Explosion entstand, zu stark auf einen gefüllten Zünder geschlagen hat; andererseits wird angegeben, daß die Explosion durch Reibung von Zündmassen mit Fremd- körpem entstanden ist.
Das Binghamptorr-Drama.
Fünfundzwanzig Tote, fünfzig Verletzte!
(K a b e l - Me l d u n g e n.) Newyork, 24. Juli.
Nach den letzten Meldungen find bei dem Brandunglück in Binghampton wenigstens fünfundzwanzig Mädchen umge- kommen, fünfzig wurden schwer ver. letzt. Das Feuer brach untex der Vordertreppe aus, und in wenigen Sekunden waren Treppenhaus, Korridore, Arbeitsräume, wo Baum- wollschuitzel und anderes Zundermaterial auf- gehäust lagen, in Flammen gehüllt. Unter den 125 Arbeiterinnen entstand die größte Verwirrung; daS gesamte Innere des Gebäud-s glich einem Flammenmeer. Da ein Entkommen über die Treppen unmöglich schien, war die Rettungsleiter der Feuerwehr bald gedrängt voll. Zahlreiche Mädchen sprangen aus den Fenstern des vierten Stockwerkes und lieben zerschmettert am Boden liegen, andere verbrannten oder erstickten, eingekeilt aus dem Treppenabsatz. Der Zustand zahlreicher Verletzter ist hoffnungslos. Beim Brandausbruch war die Feuerwehr anderweitig beschäftigt und kam deshalb zu spät. Der Feueralarm ertönte rechtzettig, wurde jedoch anfangs
vo« den Mädchen nicht beachtet, da sie glaubten, daß eine Uebung der Feuerwehr vorgenommen werde, wie dies in den letzten Wochen mehrfach der Fall war. Erj» als Rauch in die Arbeitsräume drang, erkannten die Mädchen die Gefahr. 4$ine für chter liche Panik brach ans. Die Arbeiterinnen