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Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitnng

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, 23. Juli 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 192

Ortes für die Waffenstillstandsverhandlungen

Lage:

liche

Köln, 22. Juli.

In Wiener diplomatischen Kreisen verlautet, daß die schrecklichen Niederlagen^der Bulaaren eine Abdankung des Königs entweder zur Folge gehabt haben oder haben werden. Es wird als auffallend bezeichnet, daß bei dem letzten Kronrat i«-Sofia nur der Kronprinz anwesend war. Bulgarien stehe vor einer Revolution des Volkes.

jenigen eines Teiles unsrer sogenanntenoffi­ziellen Wett" benutzen konnte: Das Resultat hätte vielleicht als Kultur-Dokument ge­schätzt werden dürfen!

Dom Balkankrieg zum Turnfest an der Pleiße! Auch hier war die Presse Echo und Träger der Begeisterung, die aus fünf Erd­teilen die Jünger Jahns zum Leipziger Jubi-

Eine mit der Umgebung des Hofes in Sofia inVerbindung stehendeKSlner Familie erbielt eine Mitteilung aus Sofia, daß die königliche Familie In ständiger Furcht lebe. Fanatiker könnten ihre bekannt gewordenen Ab­sichten ausfiihrrn und einen An­schlag gegen das Leben der Königs­familie unternehmen.

Bukarest, 22. Juli.

Die Antw ortnote der rumänischen Re­gierung auf das Friedensangebot der bulgarischen Regierung hat folgenden In­halt: Die rumänische Regierung nimmt das bulgarische Angebot betreffend die Abtretung von Turtukai, Tobritsch und Naltschik n n, ebenso die Zugeständnisse betreffend die Ru­mänen in Mazedonien. Von der Ansicht aus­gehend, daß der militärische Teil der Aktion von dem politischen zu trennen ist, schlägt sie d-'e Ernennuna eines höheren Offiziers zum Zwecke des Abschlusses eines Waffenstill­standes vor, der die Ernennung eines Frie­densdelegierten zu folgen hat. Tie Wabl des

ten ist entsetzlich. Es fehlt an dem Notwen­digsten, an Aerzten, Arzneien und Untcrkunfts- zelten. Die türkischen Truppen stießen gestern bei Lüle-Burgas aus schwachen Widerstand der Bulgaren. Ein bulgarischer Offizier itnb 135 Mann wurden gefangen genommen Aus­sagen von Flüchtlingen, die scharenweise ans Adrianopel kommen, berichten, daß Adria- nopel in Flammen stehe und von den Bulgaren geräumt worden sei, die die Stadt in Brand setzten.

Kriegsschrecken und Kriegsgreuel.

(Privat .Telegramm.)

Belgrad, 22. Juli.

Die aus deutschen, norwegischen und fran­zösischen Mitgliedern bestehende Aerztekom­mt s s 1 o n zur Untersuchung der den Bulgaren vorgeworfenen Grausamkeiten ist nach der Inspektion des Gebietes von Knjatschcwatz bis Saitschar hierher zurückgckchrt. Sie ließ Exhumierungen vornehmen und konstatierte unerhörte Akte von Grausamkeiten und Frauenschändungen an der Land­bevölkerung. Auch die Serben haben Grausam­keiten begangen: Alle bulgarischen Dörfer in der Umgebung von Tikwisch, jenseits des Wardar, sind von den Serben verbrannt, die Mäd­chen von den Serben entführt und viele g c - tötet worden.

Die Auffassung der Diplomaten.

(Privat-Telegramm.) «Petersburg, 22. Juli.

bischen Gebiete

über die Iletowska gedrängt

hatte. In der wärmczitterndcn Luft sieht jetzt alles friedlich ans, die Lust ist voll vom Gc- zirpe der Heimchen, dünne Rauchwölkchen er­beben sich aus den Häuschen eines Fleckens am Bergbange. An der Pforte eines Gartens steht eine Frau mit einem schmutzigen, blondlockigen Baby auf dem Arm und schwatzt mit ein paar Ochsenbirten, weiter aufwärts am Wege bläst ein staubbedeckter Soldat auf der Rohrflöte und geht friedlich neben dem Proviantwagen ein­her. Die Korn- und Maisfelder sind von We­gen durchfurcht, die die durchziehenden Trup- pen niedergetretcn haben, und Frauen und Knaben schneiden mit blanken Sicheln dre Halme ab. Männer sind nicht zu sehen: Dre jungen sind bei den kämpfenden Heeren, dre alten beim Train. Es ist kein Bild des Krre- ges, sondern man glaubt im Manöver zu sein. Von diesem freundlichen Flecken, Struba mit Namen, waren zwei serbische Regimenter aus- gezogen, um die Bulgaren zu verdrängen. Je. des ist dem Zuge der Berghänge gefolgt. Un. ter dem Kugelhagel, den die bulganichen Der. schan,ungen von den Bergbänaen gesandt ha. den, unter den Schrapnells, die die bulgarizchen Geschütze von den ferneren Höhen spieen, sind sie durch blumige Wiesen, durch leuchtende Kornfelder mit blauen und roten Flecken von

überläßt die rumänische Regierung den übrige» Kriegführenden. Die Friedensverhandlungen sollen in Rumänien stattfinden.

Die Kämpfe vor Adrianopel.

(Privat-Telegram m.)

Sofia, 22. Juli.

Enver Bei versuchte gestern, die Adria­nopel er Garnison mit einer Kavallerie Di­vision zu überrumpeln und in die Festung einzudringen. Es bestätigt sich indessen die Meldung nicht, daß Enver Bei bereits in Adrianopel eingedrungen sei. Von Dimotika her an der Spitze der Kavallerie-Division vor- rückend. wurde er von den Bulgaren ange­griffen und in einen blutigen Kampf ver­wickelt, der noch fortdauert. Dagegen sind die Türken in K i r k - K i l i s s e eingedrungcn und haben die Stadt besetzt. De» neuesten Mel­dungen zufolge sollen gestern am Spätabend die Türken Adrianopel geräumt haben, doch liegt eine Bestätigung der Nachricht nicht vor.

Die Cholera in Mazedonien!

(P r i v a t - T e l e g r a m m.)

AeSküb, 22. Juli.

Die Cholera hat sich nunmehr in ganz

Das Verhängnis Bulgariens er­füllt sich: Der Feind steht dicht vor den Toren Sofias, und Bulgarien sieht sich gedemütigt und ohnmächtig. In Sofia wie in MNz Bul­garien verbreitet diese Erkenntnis panischen Schrecken. Die bulgarische Regierung hat es lange versucht, wenigstens der Bevölkerung der Hauptstadt, die Wahrheit über das Unglück Bulgariens zu verheimlichen, aber einmal mußte die Katastrophe doch zur Kenntnis des Volkes kommen und Furcht und Zorn verbrei­ten. Man hat in Sofia auch alles versucht, das Ausland über die innere Lage Bulgariens zu täuschen. Der jetzige völlige Zusammen­bruch erst führt auch die amtlichen stellen in Sofia wieder zur Wahrheit zurück. So kann nun das Wiener Korrespondenz-Bureau aus der bulgarischen Hauptstadt melden, angesichts der verzweifelte» Lage Bulgariens herrsche ,n Sofia eine außerordentliche Aufregung: Man sei auf alle Eventualstäten gefaßt und wage nicht mehr, zu hoffen. Nachstehende D r a h t- Meldungen charakterisieren die augenblick-

was zu spüren.

Die Friedens-Verhandlungen in Risch.

Belgrad, 22. Juli. (Privat-Tele- gram m.> Nach einer Mitteilung von maßge­bender Seite werden die Frredensver- h andlungcn in Nisch erst d ann aufge­nommen werden, wenn zwischen den Verbün­deten ein Einvernehmen über die von ihnen zu entsendenden Delegierten erzielt sein wird.

Die Casseler Neueste» Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und »war abend». Der Abonn-m-ntSpreiS betrügt monaUtch 60 Psg. bei tretet Zustellung in« Hau«. Bestellungen werben jeder,eil von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei. Berlag und RevaMon: Schlachthosstraße 28/30. Sprechstunden der Redaltlon nur von 7 bi» 8 ugt abend». Sprechstunden der Au»kunst. Stelle- Jeden Mittwoch und FrUtag von - b>r 8 Uhr abend«. Berliner Vertretung: SW, «riedrtchftr. t«, Telephon: Amt Morihplatz 12584.

3m Mich der Schrecken.

Bilder von de« Schlachtfelder« des Balkans r Die Ernte des Todes und des Schicksals.

Mitten in die blutgetrünUen Schlachtfelder he« Bruderkriege» auf dem Balkan führt ein er­schütterndes Bild, da» Valentine W i l t a m » . der Mitarbeiter der LondonerDaily Mall*, entwirft. Er wellt gegenwärtig beim Hauptquartier der ersten serbischen Armee und datiert seinen Kriegsbericht vom 12. Juli au» der Nähe von Kumanowo. wo bekanntlich tn jenen Tagen erbitterte Kämpfe zwischen den Serben und Bulgaren stattfanden Wir entnehmen dem Bericht folgende Schilderungen:

Wenige Schritte von dem schlechten Wege, der sich in unregelmäßigen Krümmungen den langen, steilen Hang in die Höhe zieht, unter­bricht «in länglicher Fleck die Eintönigkeit des gelben Grases. Beim Näherkommen sah ich, daß der Grund und Boden hier aufge­wühlt ist: Große schwarze Erdklumpen stnd zu einem Hügel aufgeschüttet; an einem Ende erhebt sich ein Kreuz, das roh aus K isten- brettern zusammengenagelt ist. Eine un­geschickte Hand hat mit Bleistift zwei Buchstaben und eine römische Ziffer daraufgeschrieben, eine mißsarbiae Khakimütze drückt die gelben Blüten des Löwenzahns zu Boden: Ich habe das Schlachtfeld erreicht. Von einer klei­nen Steinmauer in der Nähe des moosbewach­senen Dorfbrunnens hatte ich die Positionen bei Diener beobachtet. Von hier batten im der Nacht des 29. Juni die Bulgarim das serbrsche Bataillon durch ihren arglistigen Vorstoß ver- drängt, von hier waten sie ins Tal der Bre- galnitza eingedrungcn, und zwei Tag« spater, am ersten Juli, war der lange gelbe Hang, der vor meinen Augen bis zu einer toten Basalt- spitze in die Höhe läuft, Zeuge des unwider­stehlichen Angriffs der Serben geworden, der in einer kurzen Woche die Bulgaren vom fer-

Seffentliche Meinung

Geheimrat Dr. Bücher über die deutsche Presse: Presse, Kultur und Geistesleben.

....die Presse eines ganzen Landes beansprucht täglich eine Fülle von Kenntnissen und Urteilskraft, von Schlagfertigkeit und Geistesgegen­wart, von Witz, Humor, Takt und Erfahrung, wie fie nur eine auf die freieste Grundlage gestellte Aus­lese zutage führen kann. Vielen ist die Presse eine Zuflucht aus der Enge eines öden Berufslebens, eine S ch u le für die politische Ausbildung geworden." (Geheimrat Dr- Bücher im soeben erschienenen Handbuch der Politik-)

Geheimrat Dr. Karl Bücher, der ge­feierte Staatswissenschastler der Leipziger Uni­versität, der diese Zeilen im (soeben erschie­nenen) Handbuch der Politik über die deutsche Presse niedergeschrieben, ist einer der nicht Allzu-Vielen, die das Wesen der Presse, ihre geistige Struktur, ihre berufliche Eigenart und das System ihrer Arbeit aus eigner Erfahrung kennen, die den Wert der Leistung geistig, kulturell und sozial abzu­schätzen vermögen und sich von der giftgcschwoll- nen Bismarck-Phrase über dieLeute des ver­fehlten Berufs" hinübergerettet haben auf den sichern Boden moderner Erkenntnis. Bücher singt der Presse kein überschwänglich Loblied; nein: Er sicht neben ihren Vorzügen auch ihre Schwächen, ihre Schattenseiten, und, übt an manchen Mängeln des Systems scharfe Kritik. Aber er wertet, vergleicht mit dem Unvoll- kommncn und Mißlichen tatsächliche Leistung und ernste Fortschrittsarbeit und kommt zu dem Resultat, daß die moderne Presse ein Kultur-Faktor von epochaler Bedeutung sei. ohne dessen Mitwirkung im ösfentlichen und geistigen Leben der Nation ein Zeitalter kul­turellen Ausstiegs gar nicht denkbar sei. Ein Vergleich dieses männlich-ernsten, auf Erfah­rung und Wissen gegründeten Urteils eines unsrer geschätztesten Gelehrten mit den kleinen, gallig-überhauchten Scherzen, die gelegentlich vom Amtmann-Stuhl aus über Wesen und

läumsfcst zusammengcführt, und der Mißton, den langmähnige Kritiker-Hysterie, verbrochen vom jugendlichen Uebcrschwang cafshaus- seliger Jdealistik, in die brausenden Akkorde national-deutscher Sportbegeisterung hineinge- tragcn, darf die Erinnerung an die Weihe der estlichen Tage nicht trüben. Das Berliner Blatt, das den Fehl begangen, hat zur Ent­schuldung der Uebeltat versichert, daß die H a st der Arbeit, verursacht durch die nerven-mar- ternde Anstrengung der Kriegsberichterstattung, die zur Sichtung und Ordnung des Nachrichten- Materials Verpflichteten für eines Augenblicks Dauer der gebotnen Sorgfalt enttückt, und also das Versehen eines einzigen Moments die bedauerliche Echo-Wirkung undeutscher Ver­ständnislosigkeit verursacht habe. Wir sehen an diesem Beispiel, wie nahe im Getriebe der mo­dernen Tagespresse Ursache und Wirkung an­einandergrenzen, wie enorm die sittlich-per- sönlichc und rechtlich-allgemeine Verantwortung des Einzelnen in der Werkstatt öffentlicher Mei­nung ist und welches Maß von Takt und Sorgfalt, Wissen und Gewissenhaftigkeit das Amt des Mannes verlangt, den Bismarcks harte Größe der Masse derGescheiterten" zu­wies und den nach ihm Andre alsverbum­melten Gymnasiasten" gescholten. Die Presse braucht sich darüber nicht zu erregen: Ihr waren weder Fürsten noch Kanzler Gönner oder För­derer; im Gegenteil: Sie ist geworden, was sie ist, aus eigner Kraft, aus eignem Streben und aus eigner Energie, und wenn wir uns heut im zweiten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts, der grimmigen Speerwürfe von Riesen und Zwergen auf die Presse als die Trägerin öffentlicher Meinung erinnern, lächeln wir milde, und lassen uns an Karl Bücher ge­nügen, der kein König oder Kanzler, aber em Weiser und Gelehrter ist ...! F- H.

Die Nachricht von der Besetzung Adri­an o p e l s durch die Türken kam hier nicht mehr unerwartet. Sie erschwert natürlich die Lage erheblich, doch hofft man hier, die Pforte wolle nur ein Pfand für die kommenden Unterhandlungen erwerben. Rußland wird die g r ö s- t e n A n st r e n.g u n g e n machen, um die Türkei zur ückzu schieb en, doch glauben die hiesigen ausländischen Diplomaten so we­nig wie unterrichtete russische Kreise, daß die Regierung in Armenien oder anderswo selb­ständig vorgehen wird. Am liebsten möchte man eine gemeinsame Flottendemon­stration vor Konstantinopel herbeiführen. Wie die Oeffentlichkeit die Nachricht, die erst in spater Stunde bekannt werden dürfte, auf­nimmt. bleibt abzuwarten, doch ist von beson­deren flämischen Sympathien kaum mehr et-

^niertton«nrelfe- Dl« fedbägefpattene gelte für einheimisch- G-schgste 15 Psg.» für au«, wärttge Iw-rar- 25 Pf. Reklame,-u- für einheimische BefchMe »o Ps» dlr au»wLrt>gr iL-schüft-60 Vf. Einfache Beilagen für die Lefamiaullage werden nut - Mark pro Taufend de rechne,. W-g°n ihrer dichten «erdreliunz in der Restd-n, und der Umgebuug sind di« 2a feier Neuesten Nachrichten ein vorzügliche« Jnferiion»organ. Sefchäftsiielle: Kölnisch Straße 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16. Telephon: Amt Moritzplatz 125»:.

Mazedonien festgesetzt. Ganze Städte und Dörfer, die bereits unter den Schrecken des Krieges zu leiden hatten, sind jetzt von der Seuche entvölkert worden. In einer ein­zigen Stadt werden täglich dreihundert Todesfälle gezählt. Die Lage der Erkrank-

Sofia, 22. Juli.

Die königliche Familie befindet fich tatsächlich in ernster Gefahr nnd man befürchtet revolutionäre An­schläge gegen die Dynastie. Ans Grund aufgefangener Briefe wurden die Sicherheitsmaßnahmen bedeutend verschärft. Die Zugänge zum Schloß werden unter Bewachung gehalten; die Gärung im Volke ist allgemein.

Bei dem unermeßlichen Unglück, das über Bulgarien hercingcbrochcn ist, ist verständlich, wenn die bulgarische Regierung jetzt mit aller Gewalt auf Frieden d^ 'gt. Das Land ist auf Gnade und Ungnade r "i von allen ©eiten anstürmenven Siegern Pt gegeben, und tn Sofia kann man kaum noch etwas anderes tun, als sich bedingungslos unter dem barten Lose zu beugen. Der neue Ministerpräsident Radoslawa bat in der Sobranje, das Parla­ment möge sich vertagen, da die Regierung den Wortlaut der ministeriellen Erklärung noch nicht festlegen konnte. Inzwischen bat die bul­garische Regierung sich aber der ersten Bedin­gung der Gegner bereits unterwarfen: Nach einer in Bukarest eingetroffenen amtlichen De­pesche der bulgarischen Regierung nimmt biete la He Bedingungen Rumäniens an und betont insbesondere, daß Bulgarien gegen Serbien und Griechenland den Krieg nicht fortsetzt auch wenn es sich jetzt mit Rumänien verständigt. Eine Depesche gleichen Inhalts traf auch von König Ferdinand an König Ka­rol ein.

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Vor dem Kriege fliehend.

Der Führer der ersten bulgarischen Armee berichtet, daß in den letzten Kämpfen von Ser­ben kriegsgefangene Offiziere und Soldaten in der brutalsten Weise niedergcmetzelt wurden. Dreitausend Flüchtlinge aus Kilkitsch, Krivolak, Sttumitzo, zum größten Teil Frauen und Kinder, sind in Sofia angekommen; sie be­finden sich im Zustande äußerster Bedürftigkeit und sind der Gegenstand bei öffentlichen Wohl­fahrt. Etwa siebentausend Flücht­ling e sind auf dem Wege nach Sofia.

Die Antwort der Sieger.

(Draht-Meldung.)

Wert der Presse «rgrübelt werden und bald ein homerisches Gelächter, bald Nachsicht und Mit­leid wecken, ist grade in unfein Tagen nicht ohne Reiz, denn ein paar Ereignisse jüngster ; Vergangenheit haben uns Licht und Schatten - der modernen Presse dicht nebeneinander, ge­wissermaßen in unlöslicher Verbindung, gezeigt, und es lohnt sich, darüber ein paar Worte zu sagen. I

Balkankrieg und Deutsches Turn­fest: Die Verbindung ist vielleicht etwas ge­walttätig, aber unvermeidlich. Zuerst die Kriegs-Tragödie! Die internationale Presse wetteifert in dem Bemühen, dem Millionenheer ftiedlicher Leser die Ereignisse auf der blutge- tiäntten Walstatt des Völkerkampfs, wo Schwerter blitzen und Kanonen Tod und Ver­derben speien, mit der Schnelligkeit des elektri­schen Funkens und der Gewissenhaftigkeit der Photographen-Platte votts Auge zu zaubern: I Vor Adrianopel regt sich keine Jnfanteric-Ko- lonne, borniert keine Geschütz-Batterie, ohne daß im harrenden Europa ein paar Stunden später der Drahtbericht der Tageszeitung bas Ereig­nis registtiert. Die moderne Presse hat sich in den zwei Balkankriegen als Nachrichteu-Ueber-1 mittler auf der Höhe vollendeter Leistungs­fähigkeit gezeigt, und es darf vielleicht (grade im Hinblick auf die ungeheure Menge von Hirn- und Werkarbeit, von Geist und Energie, die hier im Dienst der Sache wirken) ein klei­nes Intermezzo registriert werden, das in man­cher Hinsicht charakteristisch ist und Karl Büchers Urteil über den Wert der Presse erst in feiner wirklichen Bedeutung zeigt. Ein aus der amtlichen Stufenleiter bis zur Höhe der dritten Rangklasse Emporgestiegner sprach an | einem der letzten Tage gelegentlich einer Unter­haltung mit dem Vertreter eines Blattes die klassischen Worte:Tja, Vcrehrtester, die ganze Balkaniade ist mir schließlich furchtbar gleich­gültig; mich interessiert eigentlich nur noch die Tatsache, daß die Schlachten und Kämpfe immer noch rechtzeitig vor Redaktions-Schluß statt­finden ...! Es ist schabe, daß Geheimrat Bücher diesen Ausspruch nicht mehr gu einer vergleichenden Analyse über die geistigen Qualitäten der modernen Tagespresse und die-