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CMer Nemste NMichtm

Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Sonntag, 20. Juli 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 190

Fernsprecher 951 und 952.

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Nervosität überall!

Die Situation am Balkan «nd die europäischen Großmächte; neue Kämpfe bei Plewna «nd Bielogradosk; das Geheim-Archiv der bul- garischen Heeresleitnng entdeckt; Königin Eleonore von Bulgarien in Rieder-Oesterreich; keine Flucht des Bulgaren-Königs Ferdinand!

Befehl erfolgt ist. Verschiedene Berichte

Der Schwiegersohn.

Der Welfentraum und das Reich; Prinz Ernst August, Braunschweig «nd Haun oder.

Aus Berlin wird offiziös zu der Nachricht, daß neue Verhandlungen mit dem Prinzen Ernst August von Cumberland wegen endgültiger Verzichtleistung auf Hanno» ver eingeleitet seien, gemeldet: Eine Klärung der ganzen Ange­legenheit kann erst dann erfolgen, wenn der Bundesrat wieder zu­sammengetreten ist. Der Bundesrat hat in dieser Frage bisher weder etwas Neues beschloffen, noch über­haupt die Frage bis jetzt erörtert. Die Geschichte wird nun nachgerade paradox: Erst hieß es, der Fahneneid des Cumber- landers als Ziethen-Husar sei das uner­schütterliche Fundament der Versöhnung zwi­schen Welfen und Zollern, repräsentiere auch die gültige Formel des Verzichts auf Hannover und sei die natürliche Voraussetzung des »Frie­dens von Karlsruhe- gewesen. In den Klang der Hochzeits- und Feierglocken hinein dröhnte dann das Kriegsgeschrei der wilden Welfen- männer, die, der Apotheose der Liebe vorm Trau-Altar zumtrotz, die Fortsetzung des Kampfs um Hannover proklamierten und aus Gmunden die tröstliche Versicherung erhielten, daß »die Treue des Fürstenhauses nie wankend geworden". Nächste Folge: Veröffentlichung des Ernst August-Briefes an den Kanzler, geschrieben in den Tagen, da man in Berlin zur Hochzeit rüstete. Der Effekt lang verzöger­ter Veröffentlichung blieb aus; felbst die unge­fügen, Logik und Erkenntnis gewalttätig schraubenden Kommentare der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung verrnochten nicht, die Stimmung peinlichen Unbehagens zu scheuchen. In jenem Prinzenbrief stand keine Silbe, aus der normales Denkempfinden auch nur die A n - deutung eines Verzichts auf Hannover her­auszulesen vermochte, und man frag verwun­dert: Warum griff der Kanzler, durch den Kriegstanz der Welfen in unkluge Nervosität gepeitscht, zu diesem dürftigen Rüstzeug deut- scher Reichspolitik in einer Frage, deren Mit­telpunkt des Kaisers Schwiegersohn im roten Rock der Rathenower Husaren scharf markiert? Warum...? Wir vernahmen dann die tröst­liche Kunde, daß Ernst August den gen Mün­chen pilgernden Getreuen aus Hannover un­gnädig abgewinkt, den Empfang einer Depu­tation abgelehnt und damit in aller Form be­wiesen habe, daß er mit der wilden Jagd der Wendt, Scheele und Störenberg nach dem Phantom des Welfentraums nichts gemein ha­ben wolle. Pause! Ein paar Tage später Post aus Gmunden: Empfang der Welfenhäuptlinge beimAlten Herrn", erneute Versicherung uner- fchütterlicher Treue, Triumph in allen Tempeln welsischer Sehnsucht-Inbrunst und verlegnes Gewisper im deutsch-offiziösen Blätterwald. Trotzdem (programm-gemäß): Thronbesteigung des Schwiegersohns im Braunschweiger Land ultimo Oktober. Wenn die Blätter fallen (die Blätter der Hoffnung oder der Sorge) ...!

*

Nun heißes, im dritten Akt, es seien weder Beschlüsse gefaßt, noch Erörterungen gepflogen worden. Mit andern Worten: Die Thronbestei- llung in Braunschweig ist (immer noch) eine Räffel-Frage, und bis der Bundesrat ge­sprochen, muß die Sehnsucht sich gedulden. Nach mondelangem Gerann' und Geflüster endlich ein klarer Bescheid, eine Kunde, die nicht das Ohr des Rechtsempfindens schmerzt. Der durch die hannnoverschen Gaue polternde Kriegstanz der Welfen ist ein Schauspiel für die heil'ge Ein­falt; weiter nichts; auch die Cumberländer Fa- milien-Jntimitäten, die Gmundener Treu­schwur-Szenen und andre patriarchalisch-ver­klärte Momentbildchen jüngster Vergangenheit brauchen uns nicht zu erregen; wichtig und ent­scheidend ist allein die Frage: Genügt dem Bundesrat der Husaren-Eid des kaiserlichen Schwiegersohns, genügt der in Form undFloskel staatsmännisch-meisterlich umgrenzte, im Inhalt ebenso meisterhaft durchdachte Prinzenbrief an den Kanzler als Garantie bundesfürstlicher Treue, als Verzicht auf Hannover und als offne Absage an Welfentum und Wel­sentraum? Der Bundesrat entscheidet, nicht der Kaiser, und vor dem Bundesrat steht der Sproß des Welfenhauses als Anwärter auf den Thron eines deutschen Landes. Der Sproß des Wel­fenhauses: Nicht der Schwiegersohn des Deutschen Kaisers! Was man im Gmundener Schloß erbofft und ersehnt, entzieht sich dem Auge der Oeffentlichkeit; wenn man aber aus der Haltung der Welfenpartei auf die Stimmung im Hause Cumberland schlie­ßen darf, dann scheint ein Verricht auf Han-

Die gestern in Wien und London verbreite­ten Gerüchte über eine Flucht des Königs von Bulgarien nach Ungarn haben sich als un­zutreffend erwiesen: König Ferdinand befindet sich in Sofia und sogar die Nachricht über seine angebliche Erkrankung wird von der offiziösen bulgarischen Depeschen-Agentur sehr energisch demenllert. Dagegen trifft es zu, daß die Königin Eleonore von Bulgarien die Hauptstadt verlassen und sich nach Nieder-Oester­reich begeben hat, offenbar im Zusammenhang mit der'bedenklichen Lage in Bulgarien.

Bulgariens Königin außer Landes!

(Privat-Telegram m.)

Wien, 19. Juli-

Königin Eleonore von Bulgarien ist am Mittwoch vormittag in Oberholla­brunn in Riederösterreich eingetroffen und hat sich von dort aus zu Wagen nach dem Fürst Reußschen Schloß Ernstbrunn be­geben, wo sie seitdem weilt. Man bringt den Aufenthalt der bulgarischen Königin auf ei­nem österreichischen Schloß mit den unsi­cheren Verhältnissen, die gegenwär­tig in der bulgarischen Hauptstadt herrschen, in Zusammenhang.

Die Gerüchte über die Königs-Flucht.

(Privat-Telegram m.)

Wien, 19. Juli.

Die gestern verbreiteten Gerüchte über ei­ne Flucht des Königs Ferdinand von Bul­garien waren offenbar Börsenmanöver, denn auf den bulgarischen Bahnhöfen, die der Kö­nig hätte passieren müssen, wird überall die Auskunft erteilt, daß der König nicht einge­troffen sei. Auch wird das Gerücht von einer Flucht des Königs von ernster Seite als erfunden bezeichnet. Der König weile in Sofia und sei völlig gesund.

In der vergangenen Nacht wurde vom Wolsscken Depeschenbüro die Nachricht ausge- geben, daß die Meldung, Königin Eleonore von Bulgarien weile in Ernstbrunn, auf einem Irrtum beruhe. Man wird indessen annehmen dürfen, daß dieses Dementi lediglich aus po- liiischen Gründen c wissen worden ist. denn die Anwesenheit der .Königin in Nieder­österreich wird von verschiedenen Seiten über­einstimmend gemeldet und die heutigen Wiener Frühblätter bringen über den Aufenthalt der Königin ausführliche Berichte.

Die Rumänen in Plewna.

(Privat-Telegramm.)

Bukarest, 19. Juli.

Die Stadt Plewna, die aus dem Kriege von 1877 bekannt ist, wurde gestern von einer rumänischen Infanterie-Kolonne besetzt. Eine bulgarische Berpflegungskolonne wurde hierbei gefangen genommen. Eine weitere rumänische Kolonne ist bis Rwabza vorgedrun- gcn und bedroht die Umgebung von Sofia. Man sagt, daß die Griechen und Serben in der Umgebung von Küstendil sieg­reich gewesen seien und daß die Bulgaren sich immer mehr aus Sofia zurückzichen. Die Kämpfe sollen jetzt aufgehört haben, da beide kriegführende Parteien von den Anstrengungen der letzten Wochen völlig erschöpft seien.

Die Kampfe bei Bielogradosk.

(Privat-Telegram m.)

Saloniki, 19. Juli.

Die erste bulgarische Armee, die bei B i e. logradosk konzentriert war, ist auf dem rechten Flügel mit de« rumänischen Streitkräf­ten zusammengestoßen und in einen Kampf verwickelt worden. Wie es heißt, soll der ru­mänische Oberbefehlshaber vorgesehen haben, daß. für den Fall die Zurückwersung der bul­garische« Truppen sich nicht vollkommen durch­führen läßt, die Mitwirkung einer serbischen Kolonne möglich ist. Diese serbische Kolonne steht bereits in der Nähe versammelt, bereit, jeden Augenblick in de» Kampf einzugreifen. Die Lage der Bulgaren ist eine verzweifelte.

Das bulgarische Geheim-Archiv.

(Privat-Telegram m.)

Athen, 19. Juli.

Im Gouvernementsgebäude von Serres wurde gestern das Archiv des bulgarischen Oberkommandos unversehrt aufgefun- dcn. Aus diesen rsfizielle« Schriftstücken ergibt sich, daß der Angriff der Bulgaren und Grie- lben im Bautbeon-Gebirae aut stöberen

eines bulgarifchen Generals schildern die Schwäche« der griechische« Armee und melde« die angebliche Versenkung eines griechischen Kreuzers.

Balkanische Diplomaten-Pläne.

(Privat-Telegram m.)

Rom, 19. Juli.

Ein angesehener rumänischer Diplonmt, der von Brindisi die Heimreise angetrete« hat, erklärte de«, Vertreter der Tribuna, daß die rumänische Regierung bei den künftigen Ver­handlungen über die Neuaufteilung der von den verbündeten Balkanstaate« von der Türkei eroberten Gebiete Vorschlägen werde, Maze­donien vollkommene Autonomie zu geben. Ferner werde die rumänische Regie­rung verlangen, daß M o n a st i r dem neu zu bildende« Albanien einverleibt wird. Der Diplomat erklärte weiter, daß, falls Serbien und Griechenland mit diesem Vorschläge nicht einverstanden wären, es nicht ausgeschlossen sei, daß Rumänien mit Bulgarien vereint die Erfüllung dieser Bedingung etwa durchführen würde.

Kein Einmarsch in Sofia?

(Privat-Telegram m.)

Bukarest, 19. Juli.

Die Meldung, daß ein Einmarsch der rumänischen Truppen in Sofia stattfinden werde, ist guter Quelle zufolge unrichtig. Jedenfalls werden aber die rumänischen Trup­pen die Balkanpäfse besetzen. Der Ein­marsch in Sofia könnte Ereignisse zeitigen, hie durchaus nicht in den Absichten der rumänischen Regierung lägen und die Friedensvcrhandlun- ge« nur erschüttern würden. Ritmänie« hält daran fest, daß einer der Zwecke des Einrückrns in Bulgarien der Abschluß eines Waffen- stillstandeS ist. Solange dieser nicht einge­treten ist, könne von einer Einstellung des Vor­marsches n i ch t die Rede sein. Wie offiziös ge­meldet wird, sind die rumänische« Truppen ge­stern auf ihrem Vormarsch in W r a t f ch a an­gekommen.

Reue Greuel der Bulgaren.

(Privat-Telegramm)

Mailand, 19. Juli.

Der Sonderberichterstatter des Secolo tele­graphiert seinem Blatte aus Saloniki, er habe sich im Kraftwagen nach Demir Hiffar be­geben und von den dorttgen Einwohnern er­fahren, bulgarische Soldaten hätten im Bei­sein ihrer Offiziere dem Metropoliten und zwei Popen die Augen ausgerissen und die Hände abgeschnitten. Drei Frauen und zwei Kinder seien niederge- metzelt worden. In Saloniki werde die An­zahl der von den Bulgaren niedergemetzelten Mohammedaner auf zehntausend geschätzt. Von bulgarischer Seite werden auch die Griechen schrecklicher Gewalttaten beim Einzug in Kilkitsch beschuldigt. Die ganze Be- vötterung sei von den Griechen erbarmungslos niedergemacht worden.

Deutschland und Rumänien?

(Privat Telegramm.)

Paris, 19. Juli.

Das Echo de Paris erklärt in einem Wiener Telegramm, daß in dortigen diplomatischen Kreisen das anscheinend begründete Gerücht verbreitet ist, daß in den deutsch-österrei­chischen Beziehungen in den letzten Ta­gen eine gewisse Kühle eingctreten sei. Der Grund hierfür sei in der b u l g a r e «f r e u n d- li chen Politik Oesterreichs zu suchen, durch die Rumänien sich benachteiligt fühle. Die Wärme, mit der die österreichische Diploma­tie späterhin die rumänischen Ansprüche unter­stützte, wird daraus erftärt, daß entgegen der all­gemein verbreiteten Ansicht eine öesterreichisch- rumänische Militärkonvention niemals exi­stiert habe, daß aber ein Uebercinkommen dieser Art Deutschland mit Rumänien verbinde.

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Die Türken vor Adrianopel.

Nach einem Tckegramm aus Konstanti­nopel ist gestern die Vorhut der türkischen Aratee vor Adrianopel angekommen. Tas Gros des Heeres dürfte am Montag Adrianopel erreichen. Die Türken fanden aus ihrem Vormarsch keinerlei Widerstand.

notier der Gedankenwelt Gmundens so wett entrückt zu sein, wie die Sonne der Erde. Neber diese Erkenntnis kann weder die demosthenische Beredtsamkett diensteifriger Byzantinisten, noch die Tintenflut offiziöser Schwichtigung Hin­wegtäuschen, und eben aus dieser Erkenntnis heraus drängt die Frage: Warum mühen sich am Grünen Tisch die Schrift- und Verfassungs- Gelehtten um die Entdeckung der wölfischen Zickel-Quadratur, während ein einziges, in Form und Klang bestimmtes Wort des Rathe­nower Husaren-Rittmeisters genügen würde, das Dunkel lästiger und peinlicher Zweifel auf­zuhellen. Solange dieses Wort nichts ge­sprochen, wird der Kampf der Geister (der längst nicht mehr ein Kampf des Geistes ist) fort- dauern und Herr von Bethmann Hollweg steht, wenn der Herbst ins Land zieht und der Bun­desrat endlich zur »Klärung" fchreiten soll, tioim Bundesstaaten-Tribunal als Verteidiger eines Anspruchs, den nur ein Schein des Rechtes stützt: Ein Soldateneid und ein Prin- zen-Brief! Wäre es nicht nützlicher, vor der Klärung" Klarheit zu schaffen ...? F. H.

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Bayern winkt ab!

(Draht-Meldung.)

München, 19. Juli.

Die von München aus verbreitete Meldung, daß der Bundesrat auf Betreiben Bay­erns zur Frage der Thronfolge in Braun­schweig eine ausdrückliche Verzichtleistung deS Prinzen Ernst August gefordert habe, wird von bayerischer Seite mit seltsamem Nachdruck de­mentiert. Die bayerische Regierung bestreitet, überhaupt etwas in der Angelegenheit unter­nommen zu haben. In diesem Sinne stellt die offiziöseBayrische Staatszeitung" zu der Mel­dung einer auswärtige« Zeitung, Bayern habe im Bundesrat eine Anregung hinsichtlich einer ausdrücklichen Verzichtleistung des Herzogs Ernst August z« Braunschweig imd Lüneburg gegeben, fest, daß diese Nachricht unrichtig ist. ______

Sie Schrecken der Krieger. Die Bulgarengreuel von Nigritta; die Stadl ein Trümmerhaufen; Mord und Verbrechen.

Kurze Telegramme au« Saloniki berichten bereit« von dem grauenvollen Schtckfal, da« bul- garifche Truppen der aufblühenden kleinen Stadt Nigritta bereiteten; alle vor dem Einrükken der Bulgaren nicht geflüchteten Einwohner der Stadt fönten niedergemetzelt fein und furchtbare Greuel- (jenen sollten sich abgespielt haben. Die Berichte unparteiischer Augenzeugen, die fetzt bekannt werden, übertreffen aber die schlimmsten Borfiellungen und geben ein erschütterndes Bild van dem barbarischen Schicksal, da« dieser sieben­tausend Einwohner zählenden Stadt und ihrer wehrlosen Bevöllerung soeben bereitet worden tfl.

König Konstantin von Griechenland rief den Kriegskorrespondenten des Londoner Daily Telegraph, Albert Trapman, und den Korrespondenten des Pariser Temps, de Jessen, telegraphisch an die U n g l ü ck s st ä t t e, da­mit die fremden Berichterstatter sich persönlich von dem Stande der Dinge überzeugen können. Bei ihrem Vormärsche hatte die gttechische Armee nur noch einen leichenbesäten Trümmer­haufen vorgefunden. Im Temps schildert de Jessen seine Eindrücke. Vor der Ankunft in Nigritta mußten die Korrespondenten das letzte Schlachtfeld durchqueren. Bei ihrer Flucht ha­ben die Bulgaren ihre Toten zurückgelassen. Ueberall liegen noch die Leichen umher, die zu bestatten die Griechen noch keine Zeit san­den; unter der glühenden Sonne schreitet die Verwesung schnell fort. Auf Schritt und Tcktt stößt man auf fockgeworfene Gegenstände, leere Patronentaschen, bulgarische Mützen, Tornister, blutige Kleidungsstücke, gebrochene Waffen, abgettssene Epauletten. Der schwache Nord­wind trägt eine Luft herbei, deren widerliche Gerüche alles verpesten und von weither die Krähen und Raben heranlocken. Nach andeck­halb Stunden taucht in der Ferne 9? ig ritt« auf. Am Mittwoch war es noch eine Stadt, in der das Leben und die Arbeit pulsten. Gestet« (berichtck de Jessen) war es nur noch ein Schei­terhaufen, auf dem Menschenleichen

die Trümmer und Aschenreste bedecken. Von 1450 Häusern stehen nur noch 49, auf der Straße fchreitet man über vom Feuer geschwärzte Steine, die noch beiß sind, die Luft ist von dem Veckvesungshauch halb verbrannter Menschen- und Tierleichen verpestck und in den Gäcken ist das Laub der Bäum« verbrannt oder geschwärzt. Was ist hier ge- schehen? Statt aller Antwort gebe ich nur die genaue Uebersetzung des Berichtes, den mir ein überlebender Zeuge gemacht hat, ein Tuchweber, Georgios Wlachos. Ehe er uns seine Mit­teilungen machte, beschwor er in Anwesenheit der Militärbehörden beim Kreuze und beim Leben seiner Kinder, daß er nichts als die reine Wahrheit aussagen wolle. Keiner der Anwesen­den legte ihm eine Frage vor. Am Montag abend (so begann er) in der Dämmerung war ich einer der letzten, die aus Nigritta flohen, als die Bulgaren sich näherten. Aber ein Kamerad und ick. wir wurden von den bulaack-