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Casseler Abendzeitung

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Stummer 18S.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonnabend, 19* Juli 1913.

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

Schütte Lanz zerstört!

Der Lustkreuzer Schütte-Lanz vom Stnrm entführt und dann ge­strandet; ein Mann der Besatzung tödlich verunglückt, ein zweiter lebensgefährlich verletzt; die Strandung im Walde nach führerloser Fahrt; das Luftschiff gänzlich zerstört; Einzelheiten über die Katastrophe.

Der Kanonen-Kömg.

Die Krupp-Affäre vor dem Kriegsgericht: Sieben Zeug-Offiziere als Angeklagte!

Wie wir schon mitgeteilt habe«, findet in den nächsten Tage» vor dem Kriegsgericht in Berlin die Verhand­lung gegen fiebenZeug-Offiziere statt, die in die bekannte Krupp- Affäre verwickelt sind. Sie sollen an eine« Beamten der Firma Krupp gegen Geschenke und Vergünsti­gungen wichtige dienstliche Geheimnisse verraten haben. Run haben wir das Idyll: Sieben Zeug- Offiziere auf der Anklagebank des Kriegsge­richts, dringend verdächtig, der Versuchung lockenden Goldes erlegen zu sein und dienstliche Geheimnisse, dessen sorglichsteWahrung Gewissen und Diensteid geboten, um schnöden Mammon preisgegeben zu haben. Das Nach­spiel wird bald darauf vor der Strafkammer seinen Abschluß finden, wo Herr Brand, der mannigfach talentierte Berliner Vertreter des Essener Kanonen-Königs, sich wegen Bestechung und Begünstigung zu verantworten hat. Die Sieben im bunten Rock harren seit Monden in der engen Zelle des Untersuchungsgefängnisses der Schicksalstunde entgegen, die ihnen das Ur­teil sprechen wird: Angeklagt des Verrats mili­tärischer Geheimnisse, der passiven Bestechung, des Ungehorsams gegen Dienstbefehle und des fahrlässigen Landesverrats, wird die Gerech­tigkeit von ihnen harte Buße fordern müssen, denn sie haben sich des Amtes, das ihnen an­vertraut, unwürdig erwiesen, haben den Rock, den sie tragen, geschändet und Ruf und Ehre, Laufbahn und Dienstpflicht leichtfertig preis­gegeben. Als Carl Liebknecht im Reichshaus diesen Augiasstall dem Auge der Kritik erschloß, und den betriebsamen Manager Brand als des Unheils Seele brandmarkte, kam aus Essen die verlegne Schwichtigung, dieser seltsame Reprä­sentant der Millionen-Firma sei »ein unterge­ordneter Beamter", dessen »schmale Einkom­men-Bezüge" es gar nicht ermöglichten, sich als Meister der Bestechung zu produzieren. Nun, die Untersuchung hat die Essener »Korrektur" der peinlichen Affäre rücksichtslos umkorrigiert: Nach der Anklageschrift darf's als erwiesen gel­ten, daß Herr Brand an die sieben Sünder im bunten Rock Darlehen gegeben hat, daß er ihnen schnöden Mammon in blinkendem Golde dedizierte und mit den Vertrauten Bier- und Weinreisen durchs fidele Berlin unternahm, bei denen Herr Brand, des Kanonen-Königs Ber­liner Repräsentant, der freundliche Gastgeber war. Aus wessen Tasche rollten die Duka­ten, die auf diesem (nicht ungewöhnlichen, aber immerhin unerlaubten) Wege selbstlos und nächstenlieb geopfert wurden?

Herr Josias von Heeringen, der Kriegsmi­nister von gestern, hat als dringlichstes Ver­mächtnis an den Nachfolger im Amt den Wunsch hinterlassen, die Kriegsgerichts-Ver­handlung gegen die Sieben möge unter streng­stem Ausschluß der Oeffentlichkeit zuende ge­führt werden. Diesem (begreiflichen) Verlangen will man Rechnung tragen: Der Prozeß findet hinter dicht verschlossnen Türen statt und die Oeffentlichkeit wird vermutlich nie erfahren, wie emsig und geschäftig Herr Brand, der Ver­sucher, im Interesse seiner Firma tätig gewesen ist. Und doch wäre grade die Kenntnis dieser Praktiken eines mit der Wahrnehmung gehei­mer Geschäfte betrauten Krupp-Vertreters wich­tig für die Beurteilung der Frage, inwieweit die Millionen-Firma Krupp moralisch mit­schuldig ist an dieser Tragödie einiger Schwächlinge, die vom Glanz des Goldes in den Sumpf des Verhängnisses gelockt wur­den. Da vor der Strafkammer, auf deren Sün­derbank demnächst Herr Brand Platz zu nehmen hat, wahrscheinlich die gleichen Gründe des Oef- fentlichkeitausschlusses geltend gemacht werden, die die Kriegsgerichtsverhandlung hinter bei» schlossne Türen zwängen, so wird vermutlich der Schleier des Geheimnisses, der diese üble Af­färe allzulang borm Auge der Oeffentlichkeit verbarg, niemals ganz gelüftet werden, und man wird nur am Strafmaß des Gerichts av- zuschätzen vermögen, wie schwer die Sünde des Einzelnen auf der Wage der Gerechtigkeit ge­wogen. Möge nun indessen das Schicksal die Schuldigen hart oder schonend anfassen: Es ge­nügt für die moralische und sittliche Wertung der Dinge die Erkenntnis, daß zwi­schen den Verbrechen pflichtvergessner Heeres- Angehöriger und den Manipulationen -eines Krupv'schen Vertrauensmanns ursächliche und engste Zusammenhänge besteh-n, und daß der Dämon Gold es gewesen ist. der das AerhänguiL gewoben!

Das Militärluftschiff »Schütte-Lanz I", das auf seiner Rückfahrt von Königsberg i. Pr. nach Berlin in Schneidemühl eine Zwischen­landung vorgenommen hatte, um Gas nachzu­füllen, ist auf seinem dortigen Ankerplatz gestern vormittag durch den Nordweststurm von den Ankertrossen losgerissen und vom Winde entführt worden. Dabei stürzten zwei Mann des Schneidemühler Infanterie-Regi­ments Nr. 149, die mit etwa 250 anderen zum Halten des Lustkreuzers kommandiert waren, aus großer Höhe ab, wobei der «ine getötet und der andere lebensgefährlich verletzt wurde. Das führerlose Luftschiff selbst ist an­derthalb Stunde später bei Erpel, südöstlich von Schneidemühl, in den Baumkronen des Aus­flugsortes Schönblick gestrandet und dabei völ­lig zerstört worden.

Schneidemühl, 18. Juli.

Das Militär-LuftschiffSchütte-Lanz", das gestern vom Sturme von seinem hiesigen Ankerplatz entführt wurde, ist bei der Landung im Walde bei Erpel gänzlich zerstört worden. Das Luft­schiff wurde führerlos vom Sturm vor fich hergetrieben.

Schneidemühl, 18. Juli-

Das LuftschiffSchütte-Lanz^ liegt im Walde bei dem Dorfe Erpel an der Strecke Schneidemühl-Bromberg. Das Gerippe ist vollständig zerbrochen. Bei seinem Niedergang entwurzelte es zahlreiche Bäume und zerstörte ganze Telephonleitungen.

Das Luftschiff »Schütte-Lanz" kann auf eine ganze Reihe erfolgreicher Fahrten zu­rückblicken. Es besaß eine Läng« von 130 Me­tern, sein Inhalt betrug 20 000 Kubikmeter. Das Gerippe des Tragkörpers bestand aus leichtem, diagonal übereinandergelegtem und hochkant verwendetem Holz. Das Lustschiff verfügte über drei Gondeln. Die Passagiergondel in der Mitte bot achtzehn Personen Platz. In der Vordergondel befand sich der Führerraum mst den wissenschaftlichen Instrumenten. Die Gon­deln hingen im Gegensatz zu den Zeppelin-Luft­schiffen nicht fest an dem Gerüst, sondern lose an Drähten. Die erste Fahrt wurde am 17. Oktober 1911 unternommen. Tie Kosten des Baues wurden auf andorihalb Millio­nen Mark geschätzt.

Vom Sturm entführt!

Das LuftschiffSchütte-Lanz" sollte gestern auf dem alten Exerzierplatz bei Schneide- mühl, wo es verankert lag, eine Gas-Nach- füllung erhalten. Vom Schneidemühler Infan­terie-Regiment waren zur Dienstleistung etwa 250 Mann kommandiert, die den Lufttreuzcr ständig abwechselnd bewachen und festhalten mutzten. Plötzlich wurde (kurz vor elf Uhr) das Hinterteil des Schiffes von einer Rordwestböe erfatzt und etwa dreitzig Meter in die Höhe geworfen. Vor Schreck lie- tzen die meisten Soldaten los, und die in der Gondel beschäftigten Arbeiter sprangen heraus. Das Lufffchiff erhob sich nun mit grotzer Ge­schwindigkeit und ritz auch die in dem aufge­weichten Boden nicht sestsitzenden Verankerun­gen los. Zwei Soldaten aber, die an den Halte­tauen festhielten, wurden mit in die Höhe ge­rissen. Einer davon stürzte aus dreitzig Me­ter Höhe ab und wurde in hoffnungslosem Zu­stande ins Krankenhaus gebracht, der andere aber, der Musketier Raschle aus Zastrow, verlor scheinbar erst in etwa 200 Meter Höhe das Bewutztsein, worauf er ebenfalls herunter­fiel und mit vollständig zerschmetterten Gliedern tot liegen blieb. Das Luftschiff trieb nun führerlos als Freiballon vor dem Winde her, bis es bei Erpel strandete.

Vor der Katastrophe.

Das MilitärluftschifsSchütte-Lanz" war am Sonntag in Biesenthal zu einer Fernfahrt über Danzig nach Königsberg L Pr. ausgestiegen und aus Königsberg am letzten Dienstag um ein Uhr mittags in Schncidemühl eingetroffen, um eine Nachfüllung vorzunehmen. Der Lenkballon wurde auf dem großen, frei­liegenden Exerzierplatz des 149. Infanterie- Regiments verankert. Mannschaften des Regi­ments waren zur Bewachung des Lufffchiffes herangezogen worden. Der Lustkreuzer hatte auf der Fahtt einige Beschädigungen an der äutzeren Hülle erlitten. Da fich in der Nähe Schneidemühls keine Ballonhüllenfabrik befin­det und bif Beschaffung des Materials von Ber­lin aus zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte, ließ der Führer des Luftballons, Haupt­mann von Zech, ein Viettel der Hülle ab» schneiden, um die Weiterfahrt nach Berlin am

Dienstag abend anzutteten. Am Nachmittag jedoch zog ein schweres Gewitter auf, das den Lenkballon hin und her schüttelte, so daß die hintere Gondel umkippte. Hierbei wur­den verschiedene Instrumente und der Motor beschädigt, so daß der Führer fich gezwungen sah, einen Ingenieur von Mannheim zu erbit­ten, der am Donnerstag morgen in Schneide­mühl eintraf. Diese Verzögerung sollte dann für das Lufffchiff zum Verhängnis werden.

Die Sturmfahrt ohne Führer.

Das Wetter war gestern früh recht günstig, und die Weiterfahrt des Lufffchiffes war für den Nachmittag geplant, aber gegen elf Uhr setzte plötzlich ein heftiger Wind ein, der das Luftschiff hin und her warf. Um halb zwölf Uhr wurde das Luftschiff plötzlich von einer heftigen Böe erfatzt und hochgehoben. Die Soldaten waren nicht imstande, den Bal­lon, der von der Verankerung fortgerissen wurde, zu halten. Zwei der Soldaten wurden in di e Haltetaue verwickelt und von dem rasend schnell steigenden Lufffchiff in die Höhe gezogen. Der Soldat Kusig hatte die Geistesgegenwart, aus dreitzig Meter Höhe ab­zuspringen. Leider erlitt er bei dem Sturz er­hebliche Verletzungen. Der zweite Soldat, der Musketier Raschle von der ersten Kompagnie des 149. Infanterie-Regiments, wurde bis zu 200 Meter hochgeriffen und stürzte aus dieser Höhe ab. Er war sofort tot. Das Luft­schiff überflog führerlos die Stadt Schneidemühl und wurde später bei der Ort­schaft Königsglück auf den Wald niedergedrückt. Von einem Windstotz wurde jedoch per BsfiM von neuem ausgetrieben und erst bei dem Doffe Erpel ging er wieder nieder.

Die Strandung im Walde.

Das LuftschiffSchütte-Lanz" liegt in einer tiefen Schonung an der Eisenbahnstrecke Schneidemühl-Bromberg, einen Kilometer vor dem Dorfe Erpel. Das Vorder- und Hinter­teil hat fich in die Erde gebohrt. Der mittlere Teil des Luftschiffs schwebt frei in der Luft. DasSchiffgiltalsvölligver- toten. Es ist dreimal geknickt. Fünfzig Bauern aus Erpel ergriffen unterwegs die Tauerwen des Luftfchiffes und verfuchten, es an zwei starke Fichten anzubinden. Die Fich­ten wurden aber von dem Lufffchiff heraus- geriffen und mit in die Lust genommen. Weiter entwurzelte das Luftschiff auf feinem Wege zahlreiche Bäume und befchädigte die Telephonleitungen. Wie es kam, daß sich nie­mand von den Bedienungsmannfchasten in der Gondel befand, ist bis zur Stunde noch unauf­geklärt. Der Meldung, daßdie in der Gondel befindlichen Personen in der Aufregung herausgesprungen feien", wird man, in dieser Fassung wenigstens, kaum Glauben schenken dürfen. Tenn ein folches Verhalten verstötzt gegen alle Gesetze der Luftfchiffahrt. Man wird, ehe man ein endgültiges Urteil hierüber fällen kann, erst das Ergebnis der Untersuchung abwarten müssen.

Die Ursache der Katastrophe.

Wie uns ein Privat-Telegramm meldet, befand sich in dem Moment, als die Katastrophe einsetzte, zufälligerweise nur ein M o n t e u r in der Maschinengondel. Die Wind- strömungen waren um diese Zeit ruhig und ga­ben der Fahrtleitung zu Bedenken keinen An­laß. Das Mafchineuperfonal war gerade mit dem Einbauen des vorgestern beschädigten Ben- zinzuführers beschäftigt. Die Westböe, die die Katastrophe herbeiführte, muß jedenfalls sehr kräftig gewesen sein, da sie den Bal­lon von der sicheren und guten Verankerung loszureißen imstande war. Die armdicken Taue rissen und die Mannschaften mußten die Taue loslaffeu. Es wird betont, daß fei­lens der Hilfsmannschasten alles getan wurde, was getan werden konnte. Sämtliche Leute wurden mit in die Höhe gehoben und ließen die Taue erst los, als der Befebl dazu gegeben wurde. Tas Lustfchiff erhob fich dann rafch in die Luft. Rur der Soldat Raschle konnte nicht mehr abspringen, da der Anker des Seiles fich in seinen Stiesel einge» graben hatte. Der Soldat besaß noch soviel Geiftesgegenwatt, sich aus den Anker zu sitzen. In der Höhe müssen ihn dann aber dsi Kräfte verlassen haben, und et stürzte aus beträcht­licher Höhe. Im Sturze fiel er aus einen Gat­tenzaun, wobei ihm die rechte Körperfeite förm­lich aufgei.ikfen wurde.

Der forensische Abschluß des weit über die Reichsgrenzen hinaus als panamistisch ernp- sundnen Skandals fällt in eine Zeit, in der die Parlamente feiern, und es ist also vorm Spät­herbst keine Möglichkeit gegeben, die Regierung zu befragen, was sie zu tun gedenkt, um (ei­nesteils) aus der schmerzlichen Erfahrung die gebotnen Konsequenzen zu ziehen, ander­seits aber auch, um Leuten vom Schlage des Herrn Brand neue Versucher-Triumphe unmög­lich zu machen. Herr von Heeringen hat, als er noch im Reichshaus am Tisch des Bundes­rats saß, am Tag der Enthüllungen und Aer- geinifie schwichtigend (und gewissermaßen ent­schuldigend) erklärt, das Reich brauche Krupp, sei dem Kauonen-König zu schuldigem Dank verpflichtet und erblicke in der engen Verbin­dung mit der Essener Kanonen- und Panzer- platten-Firma eine wichtige Garantie nationa­ler Weh r-S i ch e r h e i t. Mag fein, daß Dem so ist: Das Haus Krupp aber münzt den Dank, den ihm (nach Heeringens Zeugnis) das Vater­land der Deutschen schuldet, Jahr für Jahr m riesige Millioneu-Gewinue um, nutzt die selt­same Tatsache, daßdas Reich Krupp braucht", zu gewaltigen geschäftlichen Transaktionen und zieht aus derengen Verbindung" mit der Heeres- und Marine-Verwaltung Vorteile, die seinen nationalen Eifer strahlend vergolden. Leistung und Gegenleistung stehen also in einem Verhältnis zueinander, wie es für Krupp er* freulicher und einträglicher gar nicht gestaltet werden konnte. Und wenn nun in demun­tergeordneten" mitschmalem Einkommen" ver­pflichteten Beamten Brand Tatendrang und Ehrgeiz sich zu dem Entschluß verdichten, auf dem Weg der Bestechung und auf den Schleich­pfaden des Verbrechens dem Hause Krupp Gold und Lorbeer zu werben, so darf man fragen: Ziemt's sich, daß das Reich mit einem Unternehmen noch Geschäfte macht, dessen Be­amte Angehörige des Heeres zur Gefährdung der Reichssicherheit veranlassen? Im Krupp- Skandal darf nicht der Richter das letzte Wort sprechen: Das letzte Wort gebührt dem Kriegs Minister und dem Staatssekretär des Reichsmarine-Amts. Und wenn Falkenhayn und Tirpitz schweigen, wird der Reichstag reden (und handeln) müssen...!

F. H.

Bulgarien sieht um Hilfe!

Ei« Friedensgesuch des Königs Ferdinand; Bulgarien sieht am Ende seiner Kraft!

Dem bulgarischen Hilferuf an die Mächte gegen das Verrücken der Türken auf Adria- nopel ist jetzt eine direkt« Bitte des- ni g s Ferdinand an den König von Rumänien um Bekanntgabe der Friedensbedingungen ge­folgt. Bulgarien steht vor dem völligen Zusammenbrucki, und es ist sehr zweifel­haft, ob die Bemühungen der Mächte noch das Schlimmst« von Bulgarien abwenden können. Wir verzeichnen folgende Privat-Depeschen:

Sofia- 18. Juli.

König Ferdinand hat ein dringliches T e - legtamm an den König von Rumänien gerichtet zn dem Zweck, dem Vormarsch bet rumänischen Truppen in Bulgarien Ein­haltzutun und den Beginn der Verhand­lungen zur Beilegung des Konflik- tes zu ermöglichen.

Wien, 18. Juli.

Der bulgarische Gesandte Salabaffchew hat sich gestern an den Kaiser Franz Jo­sef mit der Bitte gewandt, auf Rumä­nien zugunsten Bulgariens einzuwir- ken. Tiefer Schritt erfolgt (wie verlautet) auch bei den anderen Höfen der Großmächte im Laufe des heutigen Tages.

Dieser Schritt der bulgarischen Regierung entspricht der Wendung, die nach Danews Rück­tritt in der äußeren bulgarischen Polittk «inzu- treten scheint, dem Programm des neuen Kabi­netts: Zunächst Frieden mit Rumänien! Rumänien verhält sich allerdings aLen bulgari­schen Beweisen der Friedensbereitschaft gegen­über äußerst ablehnend. Es läßt sein Heer immer weiter vorrücken und führt fein« ganzen Operationen, wie wenn es sich in Feindesland befände.

Ein Komplott gegen den König?

Wien, 18. Juli. (Privattelegramm.s Die Albanifche Korrespondenz gibt die Meldung eines jungtüttischen Blattes wieder, wonach die Ermordung des Königs Ferdinand von Bulgarien beschlossen fei. Revolutionäre haben angeblich den König zum Tode bet urteilt. Revolutionäre Proklamationen wer­den in ganz Bulgatten verbreitet, in denen die Einberufung der großen Sobranje und die Aus. rufung Bulgariens, zur Republik gefrrbert