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Casseler Neueste Mrichtm

Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

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Stummer 188.

Fernsprecher 951 und 952.

Freitag, 18. Zuli 1913.

Fernsprecher 951 nnd 952.

3. Jahrgang.

Kampf oder Friede?

Der Kabinetts-Wechsel in Bulgarien und der Balkan-Krieg; der Türkenmarsch auf Adrianopel; Lüle Burgas von den Türken besetzt; die Rumänen rücken weiter vor; keine Intervention der Mächte; vor einer Entscheidungsschlacht?

Prinzen-Geplauder.

Das rätselhafte Balkaninterview mit einem Sachsen - Prinzen: Sturm im Wasserglas!

Die dem österreichischen Thronfolger nahestehende WienerReichsPost" tritt den angeblichen Aenfiernngen des Mitgliedes eines deutschen Königs­hauses über die Politik Sester- reichs-llngarns in einem Wies­badener Blatte scharf entgegen und e rklärt,man könne nicht gut annehmen, daß ein Prinz ans königlichem Hanse sich berechtigt halte, in so kritischer Zeit aufeigeneRechuungPoli- tik zu treibe« und einen verbün­deten Staat in einem Zeitnngsinter- view derart anfallen zu lassen. Das Interview s ei dirett ärgernisorregend.

Hoheit geruhten, zu plaudern. Ueber inter­nationale Politik, über die Groteske am Bal­kan, über die Franz Ferdinand- und Berchtold- Schnitzer der Wiener Ballplatz-Sphäre, über Habsburgs Verhängnis und des Dreibunds Gefährdung durch den »bösen Geist" der Wie­ner Hofburg-Politik. Man horchte auf: Wenn ein Prinz plaudert, pflegen hierzuland felbst die Phlegma-Männer hellhörig zu werden und voll Andacht zu lauschen. Der Prinz eines deutschen Königshauses, verwandt mit Bra- ganza und Habsburg, soll's gewesen sein. Also: Wittelsbach oder Wettin, Bayern oder Sach­sen! Im Baherland übt man die Tugend klugen Schweigens, pflegt nicht durch rasche Rede des Nächsten Ohr zu schärfen und meistert die Zunge mit vorbildlichem Ernst. Nimmt das Wort, wenn Ort und Stunde es gebieten, und spricht dann in deutschen Tönen, markig und stark (Prinz Ludwigs, des heutigen Re­genten, PetersburgerVasallen-Rede" gegen den Ueberschwang byzantinischer Bankettgefühle lebt noch unvergessen in der Erinnerung; von den Einen als deutschen Mannes Wort ge­schätzt, von den Andern als bajuvarisches Par- tikularisten-Gepolter wild befehdet). Die Prin. zen vom Hause Wittelsbach stehen, soweit nicht die Interessen des eignen Landes sie berühren, der Politik fern, beherrschen das Balkan- Problem vermutlich nicht besser und nicht schlech­ter, als andre Zettgenossen auch, denen das Schicksal keinen Diplomatenfrack und keinen Ex­zellenzenhut beschieden, und verzehren ihre Apanage in jener flugen Zurückgezogenheit von allen peinlichen und lieblichen Szenen auf dem Markt öffentlicher Meinung und international« Politik, die unbeteiligten Zuschauern ziemt. Bleibt also noch die andre Möglichkeit: Wettin!

In Dresden weht (wie männiglich bekannt) andrer Wind als in München, aber der Politik pflegt man auch dort, wenn nicht grade Schiff­fahrtsabgaben oder bundesstaaten-schröpfende Reichssteuev-Pläne auf der Tagesordnung stehen, weit aus dem Weg zu gehen. Trotzdem wird versichert, daß einer der Prinzen des sächsischen Königshauses es gewesen sein soll, der dem Wiesbadner Mann der Feder das schaurig-süße Geheimnis der österreichischen Balkan-Tragödie ins Ohr geflüstert. Zuerst hieß es, Prinz Johann Georg, des Königs Bruder, habe sein Herz erleichtern wollen, und, von star­kem Gewissensdrang bestimmt, der Oefsentlich- kett enthüllt, was hinter den Kulissen offizieller Balkanpolitik an Gefahren lauere. Nun hören wir, daß Königliche Hoheit seit Wochen mit Fa­milie am grünen Strande Jerseys weilen, der vaterländischen Tagesmeinung weit entrückt sind und bei muntrem Golfspiel und Tennis ungehemmt die Ferien-Seligkeit genießen. Jer­seys Sommer-Idyll kann also den Posaunen­stoß erregenden Balkan-Alarms nicht erzau- bert haben. Durch Sorge geschärfter Späher­blick hat daraufhin den priesterlichen Prinzen Max von Sachsen, der im Schweizerland feit Jahren als Lehrer der Gottesgelahrtheit wirkt und dem höfischen Getriebe, der offiziellen Welt und der Kabalistik jeglicher Politik längst ent­rückt ist, »observiert", und es scheint, daß die Königliche Hoheit im dunklen Priestertalar nun tatsächlich als Urheber und Vertreter jener (et­was unklar geformten) Kritik gelten soll, die Franz Ferdinand von Oesterreich-Este, den ^energisch-impulsiven Gatten der interessan­ten Sophie Chotek, und den GrafenBerch- i o l d, Aehrenthals Nachfolger auf dem Dor­nenpfad österreichischer Ausland-Politik, der Sünde wider das deutsche Gewissen und des Frevels am heiligen Geist des Dreibund- Ideals zeiht.

Hoheit hat der Leitung der österreichischen Politik Mangel an Ehrlichkeit und Treue vorgeworfen, sie der Irreführung der öffentlichen Meinung West-Europas angeklagt und in ihr den eigentlichen Ur­heber des Wirrwarrs gm Balkan gebrand-

Mit dem Zusammenbruch der bulga­rischen Waffenmacht bricht auch das Karten­haus der äußeren Politik zusammen, das Dr. Danew aufzurichten versuchte. Er wollte seine Eisen in allen Feuern haben und verdarb es so mit Allen; er mischte sich in die militärischen Mionen und lähmte so die Stoßkraft des Heeres. Es war also nur natürlich, daß er, der reichste und bisher einflußreichste Mann Bulgariens nun endlich auch die Lehren aus seiner verfehlten Politik zog und die Leitung der hohen Politik fähigeren Händen überließ. Das ist inzwischen geschehen: Danew ist von seinem Amt als Ministerpräsident zurückge­treten.

Sofia- 17. Juli.

Ministerpräsident Dr. Danew hat gestern dem König seine Demission überreicht. Der König nahm daö Ent- laffnngsgesnch Danews an, da die all­gemeine politische Lage ein weiteres Verweilen Danews im Amt des leiten­den Staatsmannes untunlich er­scheinen läßt.

Sofia, 17. Juli.

Malinow wurde mit der Kabi- netSbildung beauftragt. Sr be­müht sich, ein Kompensations- Ministerium mit allen Parteichefs zu bilden. Das Programm seiner aus­wärtigen Polittk wird die Anleh­nung an andere Mächte, je nach Um­ständen, sein.

Wie ein weiterer eigener Drahtbericht aus Sofia meldet, verursacht der Rücktritt Da­news weder Ueberraschung noch die Besorgnis, daß ein neues Kabinett den unmittelbar bevor­stehenden Friedensverhandlungen Eintrag tun könnte. In politischen Kreisen erklärt man, König Ferdinand sei vollkommen Herr bet (Situation, es liege also kein Grund vor, daß an den bereits getroffenen Beschlüs­sen, sich den Großmächten vollständig zu unter­werfen, eine Aenderung getroffen werden könn­te. Nicht einmal dann, wenn ein General an die Spitze der Geschäfte trete, werde sich eine Aenderung in den Richtlinien der bulgarischen Politik zeigen.

Bulgariens Lageverzweifelt? Die Situatton nach dem Kabinetts-Wechsel (Draht-Meldung.)

Sofia, 17. Juli.

Die Geschichte kennt keine ähnliche Lage, wie diejenige ist, in der sich heute Bulgarien befindet. Es vetteidigt das im Kriege mit der Türkei Erworbene gegen feine früheren Verbün­deten. In sein eigenes, von Truppen entblößtes Land sind die Rumänen eingezogen, eS wird widerstandslos von einem Ende biS zum an­deren besetzt. Die Türken, die Besiegten von gestern, gehen vorläufig auf der Linie Mi- dia-Enos vor. Rußland, dessen Händen sich Bulgarien antiertraut, hat Bulgarien verlassen. Die Regierung stürzte unter der Wucht des Mißgeschicks, eine neue tritt heute an ihre Stelle. Wo wird sie Hilfe suchen, und wo kann sie diese finden? Bulgarien ist in Un­kenntnis dessen, was Europa dentt! Man hat aber in Sofia den Eindruck, daß nur von der Gesamtheit des europäischen Gewissens und der internationalen Moral Hilfe für dieses Land und dieses Volk kommen kann, das von Feinden und Mißgeschick erdrückt wird.

Die Gründe der Demisfiou Danews.

Depeschen aus Sofia zufolge, ist die un­mittelbare Ursache des Rückttittes des Kabi­netts Danew die.russische Weigerung, nach der Zurückweisung der vorgeschlagenen Be­dingungen für den Waffenstillstand noch weiter in dieser Sache zu vermitteln. Das neue Kabi­nett wird voraussichtlich aus allen libe­ralen Parteien gebildet, worüber zurzeit mtt dem König verhandelt wird. Die erste Ausgabe des neuen Kabinetts wird der Aus­gleich mit Rumänien sein.

Der Vormarsch der Turke«.

(Privat-Telegramm.)

Wien, 17. Juli.

Nach einer gestern abend hier cinactroffenen Meldung haben die Türken die Orte Bnnar- Hissar, Lüle-Burgas und Wisa besetzt und sollen auf dem Wege nach Kirkkilisse fein. Die bulgarische Regierung hat dagegen bei den Mächten Protest erhoben und man glaubt, daß

die Mächte in Konstantinopel vorstellig werden. Der Vormarsch der rumänischen Trup­pen dauert fort. Wie bestimmt verlautet, sol- lenWratza, Tscherwenbriag und Plewna schon besetzt sein. Eine weitere, aus Konstantino­pel hier eingegangene Meldung besagt, daß die Türkei bereits in den allernächsten Tagen einen endgültigen Frieden mit Serbien und Griechen­land unterzeichnen werde.

Vor 4>cr Entscheidungsschlacht?

(Privat-Telegramm.)

Kurnanowo, 17. Juli.

Das Hauptquartier der ersten serbischen Armee meldet unter dem 14. Juli abends: Bei­de gegnerischen Armeen marschieren zur Ent­scheidungsschlacht aus. Hierbei griff gestern nachmittag eine serbische Kolonne mit mehreren Gebirgsgeschützen die von den Bul­garen stark befestigte wichtige Position Dauti Kamik au und eroberte sie. Die Bulgaren flohen nach Dukat. Offiziell wird mitgeteilt, daß die rumänische Hauptarmee in der Nacht zum Mittwoch die D o n a u zu über­schreiten begonnen hat. Der Brückenschlag habe nur sieben Stunden gedauert. Die Ueberset- zung sämtlicher Truppen werde heute vollstän­dig durchgeführt sein. Sodann soll sogleich der weitere Vormarsch der Tetekolonnen auf S o - f i a erfolgen, sodaß die rumänische Armee in etwa acht Tagen vor Sofia erscheinen kann.

Neue Greuel der Bulgaren.

(Meldung der Agence dAthenes.)

Saloniki, 17. Juli.

Die Bulgaren haben vor ihrer Flucht aus Lahama und Demir Hiffar große Grau­samkeiten verübt. Ueber hundert Notabeln wurden durch Bajonettstiche getötet oder verwundet. Die Ausschreitungen der Bulgaren richteten sich auch gegen Frauen, Kinder unb Greise. Dem Erzbischof und drei Prie­stern wurden die Augen ausgestochen und die Arme abgeschmtten. Diese Grausam ketten sind von den regulären Soldaten des 2. und 21. Regiments sowie von bett Offizieren dieser Regimenter verübt worden. Rumä­nische Infanterie hat Baltschik, Dobriffch und Tuturkai besetzt. Rumänische Kavallerie vassierte gestern früh das Torf Rahore zwischen Tuturkai und Rustschuk. Die Rumänen stießen nirgends auf Widerstand. Ueberall flohen die Bulgaren in wilder Unordnung.

Friedenshoffen und Kriegsschrecken.

(Privat-Telegramm.)

Sofia, 17. Juli.

Bulgarien hat die russischen Vorschläge, die die Herbeiführung eines Waffenstill­standes bezwecken, restlos angenommen und man glaubt hier, daß nunmehr der Ab­schluß des Waffenstillstandes nahe bevorsteht. Die Ernennung bulgarischer Delegierter zu den FriedenSverhaudlungen tu Risch oder UeSIüb wird im Laufe des heutigen Ta­ges erfolgen. Wie aus UeSküb telegra­phiert wird, herrscht unter der dortigen Bevöl­kerung die größte Aufregung, da die C h o l e r a in erschreckendem Maße auftritt und durch die herrschende Hitze eine gewaltige Ausdehnung annimmt. Es fehlt an Aerzten, Krankenträgern unb Desiufektionsmaiertal. Die Lage ist sehr ernst und man befürchtet den Ausbruch ver­hängnisvoller Unruhen.

Neue Kampfe bei Küstendil!

(Privat-Telegramm.)

Belgrad, 17. Juli.

Dienstag abend besetzte eine Abteilung serbischer Truppen nach heftigem Kamps eine vom rechten bulgarischen Flügel vorge­schobene Stellung bei K ü st e n d i l. Der Feind erlitt außerordentlich große Verluste unb würbe in großer Unordnung zerstreut. Er ist auf der Flucht. Die türkischen Truppen setzen ihren Marsch fort. Die Eisenbahnzüge fahren bis Tschorlu. Ten letzten Meldungen zufolge bestätigt es sich, baß die Türken gestern abend «Ribia erobert haben. Die Bulga­ren ließen in Silivri zahlreiche Unterseeminen zurück, ebenso große Mengen von Munition nnb Kriegsmaterial. Der Rückzug bet Bul­garen artete schließlich ht roilbe Flucht aus. Türken sowohl wie Bulgaren haben schwere Verluste erlitten. Für heute oder morgen werden neue ß-nmyfe erwartet.

markt. Wenn Herr Müller oder Meyer etwas Derartiges sagt, reicht das Echo noch nicht bis zur nächsten Straßenecke: Nun aber, da ein Prinz gesprochen, dröhnt's durch den Blätter­wald wie ein Orkan, zittern in allen Gazetten- Spalten die Fieberschauer regen-sommerlicher Nervosität, und die Zeichendeuter und Saure­gurkenzeit-Propheten flüstern geheimnisvoll von einemStückchen Weltgeschichte", das aus der weltentrückten Stille eines prinzlichen Prie­sterheims feinen Ausgang nahm.Wettin ge­gen Habsburg",Franz Ferdinand gegen Franz Josef",Sophie Chotek gegen die Hof- burg-Tradittonen": Stoff zu einem zwölfbän­digen Roman über europäische Kulissen-Polttik und Weltgeschichte! Wir wissen nicht, ob Pchnz Mar von Sachsen, der, abgewandt vsn Welt und Oeffentlichkett, in Freiburg seinem Lehr­amt und feinen priesterlich-religiösen Idealen lebt, wirklich der Autor jener scharfen Kritik an den Grundsätzen und Zielen der österreichi­schen Auslandpolitik ist, die den Julisturm im deutsch-österreichischen Blätterwald entfesselt; ist er's aber, der das Alarm-Signal gegeben, dann ergibt sich für den unbefangnen Beurtei­ler der prinzlichen Krttik die Frage: Warum ersteht ausgerechnet in dem längst der Heimat­erde entwöhnten, durch keinerlei Bande mit Fa­milien- und Landespolitik verknüpften, ganz in seinem Lehr- und Priesteramt versunknen Prin­zen Max dem Hause Habsburg und seinem markantesten Repräsentanten, dem Thronfolger Franz Ferdinand, ein Ankläger, und warum klingt die Warner-Stimme aus dem Priester­heim, in dem der Friede wohnt, durchs deutsche Land?

Der Grundsatz, daß Schweigen Gold und Reden nur Silber ist, findet nirgends sorg- liebere Beachtung, als im Verkehr der Dyna­stien untereinander. Diegekrönte Jnternatio- nalc" ist in Wirklichkeit nichts anders als eine einz'ge große Familie, und die aus dieser Tat­sache sich ergebenden Rücksichten werden auf bet steilen Höh', wo Fürsten steh'n" so gewissen­haft gewahtt, Wie nur irgend eine auf Fa- milien-Jnteresse unb Dhnasten-Solidarität ge­gründete Tradition. Wir sehen täglich und stündlich, daß auch Fürsten menschlich handeln unb menschlich irren, sehen im prunkenden Pa- last die gleichen Leidenschaften, die glei­chen Nichttgkeiten das Bild des Daseins for­men, die in der Armut Hütte den Kamps mit dem Leben bestimmen: Aber Fürstenkritik an fürstlichem Wandel, Fürsten-Urteil über Fürsten- Jrmng bringt nie bis zum Ohr ber drunten im Tal Harrenden, und wenn nun ein deutscher Königshaus-Sproß, ein naher Verwandter des vom Schicksal hartgeprüften Hauses Habsburg, die von Franz Ferdinands drängender Tat- Energie in jeder Regung stark beeinflußte Poli­ttk der Donau-Monarchie als Sünde wider Treu und Glauben brandmarkt und den Gatten der Gräfin Sophie Chotek von Chotkawa als Oesterreichs Verhängnis weithin sichtbar in den Mittelpuntt schroffster Krttik stellt, so darf das Ereignis sicherlich den Reiz des Seltnen und Neuartigen beanspruchen. Ihm in­dessen die Bedeutung eines historischen Inter­mezzos beimessen, oder das balkanische Prinzen- Geplauder als Fortissimo-Ouvrrtüre weltge­schichtlicher Zukunft-Ereignisse bestaunen, hieße mit Märchenfabeln gruselig machen. Und bas zwanzigste Jahrhunbert hat bas Gruseln ver­lernt. Trösten wir uns also: Der Sturm im Wasserglas wird vorübergehen, ohne die Sonne zu verfinstern ...! F. H.

Prinz Max, der Kritiker.

(Privat-Telegramm.)

Dresden, 17. Juli.

Nachforschungen in hiesigen politische« und diplomatischen Kreisen über die Aeußerungen eines deutschen Prinzen über die öster­reichisch-ungarische Politik haben ergeben, daß tatkachlich Prinz Max von Sachsen, der geistliche Bruder des Königs, der Urheber die­ser Aeußerungen ist, und es fragt sich demnach nur noch, ob diese Aeußerungen wort- und sinngetreu wiedergegeben worden sind. Indes­sen nimmt man hier an, baß der Prinz vermut­lich weniger aus politischen als vielmehr aus kirchlichen Interessen jene Aeußerun­gen getan habe. Prinz Max von Sachsen hat sich mit ber Politik außerordentlich wenig be­schäftigt, er ist mich, wenn man so sagen darf, einpolitisches Baby" und vollkommen uner­fahren in allen politischen Dinaen. Eine hohe diplomatische Persönlichkeit hat sich in die­sem Sinne sehr drastisch ausgesprochen.

Keine Demission Berchtolds!

Wien, 17 Juli. tP r i v a 11 el e a ra m m.) Die gestern hier in Budapest verbreiteten Ge­rüchte von ber Demission des Ministers des Aeußeren, Grasen Berchtolb, werden bser eneraueb dementiert. Ter Kaiser hat