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IIKSU

Nr. 185

Weler Neueste Nachrichten

Dritter Jahrgang

22)

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Theodor Stremei

Kohlen - Handlung

Der saß wiederum vor der Leiche des Bru­ders, mit heißen, trockenen Augen. Als die bei­den Mädchen eintraten und der Schultheiß, und Tempel mit dem Sarge, da sprang er auf, und irres Feuer glühte aus seinen Augen, und er riß dem Toten den Degen aus den Fingern und stand nun vor den erstaunten Menschen und schrie: .Hinaus!... Hinaus! Ihr Räuber! Wollt Ihr mir das Le<-te noch nehmen, was ich besaß? Wollt Ihr mir auch noch den Toten rauben, daß ich nun ganz verlassen 6in?"

Er lieb den Degen klirrend zur Erde fallen, chlug die Hände vor das Antlitz, wankte zum Lehnstuhl und ließ sich hineinfallen und weinte wie ein Kind. Die Männer standen erschüttert da, doch keiner hatte für den Unseligen einen Trost. Für sie war er der Verräter. Selbst Gisela, die noch unter dem Eindrücke des un­säglichen Kummers ihres alten Vaters stand, dessen Herz durch die Abtrünnigkeit des Erstge­borenen gebrochen war, vermochte es nicht über sich zu gewinnen, sich an des Bruders Seite zu stellen. Nur Toinette ging zu ihm und sagte: Fassen Sie sich, Junker. Noch ist es Zeit, Ge­schehenes gut zu machen!" Aber er stieß sie von sich und wandte sich ab.

Unterdessen hatten die Burschen den Leich­nam Werners in den Sarg gelegt. Gisela neigte sich nochmals über das kalte Antlitz. Tann wurde der Deckel auf den Sarg geschla­gen. Gisela schauerte bei diesem dumpfen Klange zusammen, Pfarrer Tenipel umfing sie und führte sie an der linken Seite, während Toinette sie rechts stützte. So gingen sie lang­em dem Sarge nach, den die sechs Burschen hochgehoben hatten und auf ihren Schultern trugen.

Jahre 1909 gegen ihn verhängt worden war.

Mistelsky verstand es, die Verbüßung dieser Strafe bis jetzt hiuauszuschieben und verschie­dene Aerzte, darunter bekannte Autoritäten, zu täuschen, so daß ihm attestiert wurde, daß er nicht haftfähig sei. Eine neuerliche unvermutet vorgenommene Untersuchung durch den Ge­richtsarzt ergab, daß Mistelsky seine Krankheit simuliere und seinen angeblichen Krank­heitszustand durch Einnehmen geeigneter Mit­tel künstlich herbeifübre. Die Folge war, daß Mistelsky verhaftet und zur Verbüßung der Strafe in das Gefängnis abgeführt wurde. In der vorliegenden Strafsache wurde er beschul­digt, in einem Schreiben an die Universi­tät R o ch e st e r sich den TitelProfessor und Dr. of. mech. ther. der Universität Chicago (III.)" zugelegt zu haben und ferner, ohne approbiert zu sein, und ohne staatliche Genehmigung sich einen Titel beigelegt zu ha- bcn, durch den der Glaube erweckt wurde, er sei eine geprüfte Medizinalperson, indem er sich in dem Telephouverzeichnis alsProfessor" mit dem Zusatzelektrophysikalisches Licht- und Natnrheilinstitut. Brückenstraße 10 b" bezeich­nete. Von den: Verteidiger wurde bezüglich der ersten Beschuldigung geltend gemacht, daß hier eine Verurteilung überhaupt nicht ersolgen könne, da das Vergehen erst mit dem Eintreffen des Briefes in Rochester vollendet sei und nach amerikanischem Recht eine derartige Titelbei- legung nicht strafbar sei. Der Amtsanwalt be­antragte eine Geldstrafe von 150 Mark. Das Gericht hielt,es, wie der Vorsitzende aussührte für notwendig, den Angeklagten etwas schärfer anzufassen, da sein ganzes Treiben nur aus eine Täuschung des Publikums ange- legt fei. Der Angeklagte trachte schon seit Iah, ren danach, sich viele Titel zu verschaffen, um sich mit dem Glanze wissenschaftlicher Bildung zu umgeben und dem Publikuin Sand in die Augen zu streuen. Einem derartig gefährlichen Unfug könne nur mit empfindlichen Strafen entgegengetreten werden. Tas Urteil lautete deshalb auf zwei Wochen Haft und 30 0 Mark Geldstrafe. **

A«r den SerichtrsSlen.

DerProfessor von Chicago".

Professor der Universität Chicago" nannte sich der Naturheilkundige Paul Mistelsky, der sich jetzt vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte zu verantworten hatte. Der aus dem Strafgefängnis vorgeführte angebliche Profes­sor der Universität Chicago hatte sich we­gen unbefugter Führung des Professorentitels und Gewerbevergehens zu verantworten. Der Angeklagte verbüßt zurzeit eine ihm wegen fahrlässiger Körperverletzung zuerkannte Ge­fängnisstrafe von sechs Monaten, die schon im

Linthardt duckte sich nieder, kroch an den Steinen hin wie ein Mörder und floh durch die grünenden Fluren von dannen. Er sah nicht nach den Blumen, die nach dem gestrigen schweren Tage scheu ihre Köpfchen hoben, er hörte nicht die Lerche, die wieder schüchtern ihr Lied versuchte, er sah nur die zerstampften Fel­der, die wüsten Hecken, die Blutlachen und ro­ten Flecke. Und immer und immer wieder sagte eine Stimme in seiner Seele: Du Warst nicht mit dabei! Während des Kampfes um Deutschlands Glanz und Freiheit, um Königs Thron und Deiner Brüder Glück saßest Du hin­ter Akten und Pandekten und suchtest nach Klauseln und Kammergerichtsentscheidungcn, die einen gleichen oder ähnlichen Fall betreffen, wie den Deinen, und die Dir zu Deinem Golde und zu Deinem Gute verhelfen sollen!

So schlich er heim. Verwünschte Oede! Der Mensch kann allein leben und bleiben, wenn er

Ich hatte Gelegenheit, im Städtischen Kran­kenhaus hier einige Fälle von

Bleichsucht und Blutarmut

c§P Der krummbeinige Gardefüsilier. Ein eigenartiger Fall von Gehorsamsverweige­rung gelangte vor dem Kriegsgericht der 1. Gardedivision zur Aburteilung. Die neunte Kompagnie des 3. Garderegiments übte eines Nachmittags an Turngeräten. Der Füsilier Ar- nold machte die Uebungen nicht nach Wunsch des Unteroffiziers Schmuggs. Er war bereits müde geworden, und Schmugge befahl ihm, btt Hockstellung einzunehmen. Arnold tat dies auch, und als er nach seinen Angaben etwa fünf Mi. nuten lang in Hockstellung war, fiel er hinten über. Er erklärte, er könne die Uebung nicht nach Wunsch machen. Darauf ging der Unter- offizier zum überwachenden Offizier, dem Leut­nant Grafen von Goertz, und meldete den Mann. Arnold wollte dem Offizier die Sache klarlegen, da er befürchtete, er werde bestraft. Dreimal befahl ihni dann der Leutnant,sich fortzuscheren", doch der Füsilier tat dies nicht, sondern machte immer wieder den Versuch, dem Leutnant die Sache klarzustellen. Darauf liess rhn der Graf absühren. Gegen Arnold wurde die Anklage wegen Gehorsamsverweigerung in zwei Fällen vor versammelter Mannschaft er­hoben. In der gestrigen Verhandlung vor dem Kriegsgericht erklärte der Angeschuldigte, es sei ihm unmöglich gewesen, die von dem Unteroffi­zier verlangte Uebung zu machen, weil er in­folge der vorhergegangenen Uebung zu müde dazu gewesen sei, und vor allem, weil er krum­me Beine habe. Auch für den Leutnant Grafen von Goertz dürfte dre Angelegenheit noch ein Nachspiel haben. Das Kriegsgericht kam im ersten Falle der Anklage gegen den Füsilier Arnold zu einem freisprechenden Urteil. Im zweiten Falle nahm es nur einfachen Ungehor­sam an und erkannte auf fünf Tage Mittel- arresi.

S3 Ein doppeltes Todesurteil für ein Mör- verpaar. Wie uns ein Privattelegramm meldet, verurteilte das Schwurgericht in K o - penhagen die Ehefrau Marie Koch und ihren Geliebten, den Hausverwalter Hansen, die den Klempnermeister Koch, den Ehemann der Angeklagten, ermordet hatten, zum Tode.

Schweren, schwankenden Schrittes gingen sie durch das Schloß. Als sie die Freitreppe herabgestiegen waren, schlossen sich die Dörfler, die sich auf dem Altan versammelt hatten, deut Zuge an. Kein Glöcklein ließ seine zagende Abschiedsstimme ertönen. Zerschellt und zer­borsten lagen die ehernen Zungen unter dem schütte des zerschossenen Kirchturmes. Sie, die vor zwanzig Jahren fröhlich gesungen hat­ten. als der Tote, der jetzt im hohen Sarge ruhte, leinen Einzug in die Welt hielt, sie wa- ren jetzt still und stumm. Der Krieg hatte ihre erzenen Stimmen schweigen gemacht.

Pfarrer Tempel hatte am Morgen vier­zehn Boten ausgesandt, nach allen Herren­gütern. die ehemals in treuer Freundschaft zum Schlosse Heivehorst gestanden hatten. Zweiund­zwanzig der Landjunker waren zur Beisetzung gebeten worden ... vier waren gekommen. O, wie sollte er, der Pfarrer, das dem Freiherrn betbringen?!

Was sollte er antworten, wenn der Freiherr fragte: Waren die von Doppeln da? Die Gra­ten Hanstein, die von Frohnau, die von Lärch, die von Stern, die von Dernbach und Siftenau, die Freiherrn Lämpke und die Ritter zu Lüb- benow und alle die anderen? Alle, alle fehlten, die seinerzeit den kleinen Werner mit aus der 2'auie gehoben hatten. Und der seelenstarke dtarrer Tempel erschauerte, wenn er an den Gang nach dem Begräbnis zu seinem alten Herrn dachte. Wer half ihnt in dieser schweren stunde? Rur Gisela, die selbst am Zusammen­bruche stand.

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weit und breit keine Seele um sich hat, aber wenn es um ihn lebt und pulst, packt ihn das Alleinsein wie höllischer Tod.

(Fortsetzung folgt.)

Aus einer Herzogs-Ehe.

Die erste Zivilkammer des Landgerichts München fällte (wie schon telegraphisch kurz berichtet), das Urteil, wonach die Ehe des Her­zogs Ludwig in Bayern mit Frau von Bar- tolf aus dem alleinigen Verschulden der Frau von Bartolf geschieden wird. Es schweben drei Klagen des Herzogs Ludwig in Bay­ern gegen seine Gattin Frau Antonie von Bar­tolf. Die erste Klage wurde dieser Tage vor der fünften Zivilkantmer des Landgerichts München verbandelt. Bei dieser Kammer war ein Rechtsstreit anhängig, in dem der Herzog Ludwig die Feststellung verlanat hatte, daß er nicht der Vater des von Frau Bartolf im Mo­nat Mai geborenen Kindes sei. Zur Verhand­lung über diesen Rechtsstreit war Frau von Bartolf selbst erschienen. Sie gab zu, daß das >m Monat Mai geborene Kind nicht das des Herzogs Ludwig fei. Das Gericht erließ dar­auf ein Urteil, wonach festgestellt wird, daß der Herzog Ludwig nicht der Vater des Kindes ist Dadurch war auch die

Ehescheidungsklage des Herzogs in der am Sonnabend Termin anstand, von vornherein entschieden, und das Gericht fällte denn auch das Urteil, daß die Ehe aus dem alleinigen Verschulden der Frau zu scheiden sei. Nun schwebt noch ein Prozeß

In Eile hatte er den Totenschrein machen müs­sen, denn tm Stüblein lag sein Junge, der im Fieber raste und Napoleon und seinen Krie­gern einen Ehrentitel nach dem andern zuleqte und die Zerstörer des Dorfkirchlcins als Lum­pen bezeichnete. Dazu kam der Feldscher um dem Jungen das zerstochene und zersplitterte Bein abzunehmen. Auch da mußte der Alte hilf­reich zur Hand gehen. Und zwischendurch schwang er Hammer und Hobel, und als gegen drei Uhr die wenigen ledigen Männer des Or­tes, die nicht mit im Felde standen, kamen, um den Sarg zu holen, da stand ein Prachtstück da mit einer Krone auf dem Deckel. Wahrlich, der Edeljunker brauchte sich des hölzernen, letzten Bettes nicht zu schämen!

Sie kamen ins Schloß und heischten vom Lazarett-Inspektor den Leichnam Werners von Altenlohe. Sie suchten und suchten und fanden ihn nicht. Und Gisela lehnte am Türpfosten des Ahnensaales und weinte um den Bruder, und als der Schultheiß kam und sagte:Wir finden den Toten nicht," fuhr sie zusammen.

Ta trat Toinette in schwarzem Gewände und mit verweinten Augen zu ihr.Wo ist Werner, Schwester?" fragte Gisela, und ihr war. als habe sie schon seit unendlichen Zeiten zu der Französin Schwester aesagt, und als mußte das so sein. Toinette nahm Gisela bei der Hand und führte sie nach dem Zimmer Llnthardts.

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um den Namen der nunmehr glücklich Ge­schiedenen. Herzog Ludwig will nämlich, daß der Frau von Bartolf der Adel genommen wer­de. Die Sache steht so, daß Herzog Ludwig die Frau von Bartolf, eine geborene Antonie Barth, heiratete, nachdem sie von dem verstorbe­nen Prinzregenten Luitpold unter dem Titel einer Baronin Bartolf in den Adel versetzt worden war. In Preußen ist die Abschiebung anrüchig gewordener Adeliger in den Bürger­stand nicht möglich, sondern wer adelig ist, bleibt adelig, und wenn er ins Zuchthaus kommt. In Bayern scheint die Sache anders zu liegen. Doch gibt cs eine Adelsmatrikel, und zum Adel gehört, wer in diese Matrikel einge­tragen ist. Wahrscheinlich gehört derjenige, der in der Matrikel gelöscht wird, wieder zum Bür- gertum, und auf Löschung seiner Gemahlin m der Adelsmatrikel scheint es der Herzog ab- gesehen zu haben.

Zweierlei harrt meiner: Verzweiflung und Wahnsinn oder ... Kapitulation. ..". Unweigerlich bin ich einer dieser beide» Möglichkeiten verfallen, wenn nichts mich rettet: Die Liebe. ... Wer gibt mir Liebe, teuerste Gräfin?!

Ter Tag graut, wieder einer der öden, schaurigen Tage, der mich an mein Zimmer bannt. Gestern ein Toter, der Bruder heute vielleicht wieder ein Toter, mein alter Vater. Dann wehe mir! Die Achtung vor ihm hielt meine Hasser ab, mich in Stücke zu reißen. Und mit diesem Briese geht auch meine letzte Stütze von hinnen, mein treuer Anatole. Und nun sehe ich zu, wie ich not­dürftig zu essen bekomme. Meine Heidehor- ster lassen mich kaltblütig verhungern Der Boden brennt mir unter den Füßen, Gräfin.

Ihr mutloser

Linthardt Altenlohe.

Er siegelte den Brief und entnahm einer Truhe einen Beutel mit Geld. Es war das letzte, was er hatte.Anatole, Du warst mir «in treuer Diener all die schweren Wochen Hier ist Dein Lohn!"

Wie, Herr?! ... Sie wollten mich "

-".sch kann Dich nicht schützen in den Zeiten bte vielleicht kommen werden. Sattele eines der Rosse, die wir mitbrachten. und reite, wie Du willst, nach Prag und bringe diesen Bries der Gräfin Storsch Pisek und erzähle, wie es mir geht. Hier, diesen Beutel Geld es sind knapp zwanzig Dukaten, ist Tein Lohn wenig genug für Deine Dienste, aber es ist mein letz­tes, was ich habe. Leb wohl!"

Zögernd ging der Diener. Aber an der Tür kehrte er nochmals um, haschte nach Linthardts Hand und fußte sie. Dann schlich er hinaus .Em treuer Mensch, vielleicht der treuste den rch je kannte!" '

Linthardt setzte sich wieder zur Leiche des Bruders und stützte seine Ellbogen auf die Knie und den Kopf in die Hände. Er versuchte mit Gewalt, sich das Antlitz ferner Prager Freun­din, die einst mehr für ihn werden sollte vor- »ustellen, aber es gelang ihm nicht. Immer und immer wieder sah er Toinette von Bour- gee vor sich, mit dem blassen, schönen Gesicht den großen, schwarzen Augen, die im Zorn er­glühten, als er ihr sagte, daß sie schön sei. Und so saß «r, dieses Antlitz in der Seele, Noch Stunde um Stunde und achtete nicht des auf- kchimmernden Tages.

*

(Nachdruck verboten.)

Linthardt wußte kein Wort des Trostes zu sagen. Seine Zunge schien ihm wie gelähmt. Er fuhr der Weinenden tröstend mit der Hand über das Haar, und als sie sich erhob, stützte er sie und geleitete sie zur Tür und den Korridor entlang bis zu ihrem Zimmer, und wortlos verabschiedete er sich von ihr.

2. Beilage.

Dienstag, 16. Juli 1913.

Sie Flammenzeichen rauchen

Roman aus dem Jahre 1813.

Von Max Karl Böttcher.

Als sie durch den Kirchhof über flippige krummer, und rauchendes Gebälk stiegen, um zur Herrschaftsgruft zu gelangen, schlich sich einer an den Schutthausen hin. Etzinger. der stelz,utz, sah i6n und ging zu ihm und sagte mit zorniger, nnterbrücfter Stimme:Junker, Euch mit bcm Krückstock nieder, wenn ^br die,e heilige Handlung durch Eure An- weienhett stört! Ein Verräter und Feigling ge­hört nicht an das Grab eines Helden!" Der ganze Zorn und Haß gegen Linthardt, das graugge Wchgeiühl um seinen Jungen, der nun gleich ihm selbst ein Krüppel war, während sich die,er Erbjunker in seinem Schlosse 9er- barq uns um schnöden Gutes Willen das Va- terland verleugnete, all das machte sich in die­len Worten Luft.

Ihre Zukunft!

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Als Linthardt in das Totengemach zurück- gekehrt war setzte er sich an den Schreibtisch und schrieb folgenden Brief:

Hochverehrte, teure Gräfin!

Edelste Freundin und Gönnerin'

Eine zwiespältige Seele eilt zu Ihnen, beste Freundin, Trost und Rat in größter Rot zu finden. Ja, die Not ist groß, die Not eines Mannes, der seine Grundsätze wanken fW- der dem Zuge der Menschlichkeit, den Ge,uhlen feines Herzens folgen möchte, der keine Kampfesnatur ist, denn das Kämpfen bereitet ihm Qual, spaltet seine Seele und raubt chm Ruhe Lag und Nacht

Der Aermste bin ich, liebste Freundin! Wie konnte, ich mich vermessen, mich mitten m das Wespennest zu setzen, um etwas zu verteidigen, was mir nicht gehört, um einen Kampf zu fuhren, zu dem Ueberzeugung nö­tig ist, Ueberzeugung, die ich wohl früher Hatte oder die ich mir einbildete, und die nun swck um Stück von mir weicht. Vom Vater verachtet und verstoßen, von der Schwester vielleicht auch, von den Freunden geächtet und geschmäht, von biederen, ehrlichen Män­nern, die mich früher liebten, gehaßt, und nun des einzigen Bruders beraubt, der jetzt tot, mit durchschossener Brust neben mir liegt ... so stehe ich hier und soll kämpfen um eine Sache, bte rechtlich, ich fühl's immer mehr, nicht haltbar ist.

Sommer.

öAie liegt er schwül auf jssu und Strauch And duftet stark und mild!

Mr da und dort bewegt ein hauch Sie Halme im Gefild.

Lum Slütenrauch der Khren grüßt herab die Sebeiilnft, Sie Wieseufläche Lampst, versüßt von wifder Kosen Duft.

Geruch ist alles Meer umher Darob ein Lräumen lauscht, nickt die £rdr schlummerschwer

Vom eignen Duft berauscht.

Johann Georg Fischer.

Der alte Freiherr war, als er mit Gisela unb bem Pfarrer in bcn Hof seines Schlosses trat, am Ende seiner Kräfte. Gisela hielt ein paar Krankenträger an, die mit leerer Bahre, «uf der soeben ein Toter gelegen hatte, aus bcm, schuppen zurückkehrten, und bat sie unter Versprechung hohen Lohnes, mit der Bahre 6ttn Vater beimzutragen. Pfarrer Tempel 10g fern Wams ans, wickelte es ziisammen und «dgte diesen weichen Knäirel dem Baron unter »en Stobf ... und nun zogen sie heim.

Am nächsten Vormittage wurden die Toten in grogen Gräbern, in die je fünfzig gelegt wurden, beerdigt. Pfarrer Tempel svrach den Siegen.^ Am Nachmittage wanderten die Dörf­ler in Festtagsgewändern nach dem Schlosse.

Etzinger, der Treue, hatte am Vormittage an einem Sarge eifrig gearbeitet, und trotz kurzen Zeit hatte er doch ein Stück herge- F- ebeln Junkers, der den Heldentod fürs Vaterland gestorben war, tvohl würdig.

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Die Patienten erholten sich merkwürdig schnell.

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