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Caffeler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonntag, 13. Juli 1913

Nummer 184

Fernsprecher 951 und 952.

Meldungen vor.

Wie», 12. Juli.

DieSüdslawische Korrespondenz" meldet aus Belgrad: Wie wir von unterrichteter serbischer Seite erfahren, ist Ministerpräsident Pasitsch entschlossen, im Sinne neuerlich ge­äußerter russischer Wünsche, keine Forderun­gen aufzustellen, die es -er bulgarischen Re­gierung unmöglich machen würden, auf einen friedlichen Vergleich einzugehen. Pasitsch ist vielmehr der Ansicht, dass Serbien trotz seiner großen Militärischen Erfolge alle Mäßigung zeigen soll, um Bulgariens ohnehin schon schwierige Situation nicht noch zu verschär­fen. Das bulgarische Kabinett wird es als eine Hauptaufgabe in den kommenden Ver­handlungen anschen, mit Serbien zu einem neuen Abkommen zu gelangen, an das auch Montenegro angeschloffen wird.

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Man darf erwarten, daß die russische Inter­vention, zu der der Zar sicherlich gern bereit ist, von Erfolg begleitet sein wird. Rußland hat vor Monatsfrist deutlich gezeigt, daß der hier und da ausgetauchte Verdacht, es wolle selbst einen neuen Krieg, um dabei im Trüben zu fischen, unbegründet war. Aus den energi­schen Friedensforderungcn, die der Zar in der zweiten Juniwoche an die Herrscher der unein-- gen Balkanstaaten sandte und die leider ker­nen Erfolg hatten, ging hervor, daß der Zar selbst dringend den Frieden wünschte. An die-

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Ernste Stunden!

Das bulgarische Sedan. Ein Blick in die Zukunft. Die Haltung des Dreibundes. Die Bedingungen der Sieger. Rumänien und das Gleichgewicht auf dem Balkan. Ein Waffenstillstand.

An einen fremden Souverän war im -aufe des letzten Jahres mit vieler Kunst em frcmzo. sischer Brief politischen Inhalts abgefast wor den. der natürlich alle Instanzen durchPassiciNe ebe er dem Kaiser vorgelegt wurde. Dieser 'trich ihn von A bis Z durch, arbeitet Hn voll- tändig durch und verfaßte ihn in emem ctwas altväterischen, aber vorzüglichen Französisch, so- daß jedermann gestehen mußte, es war eine

Ueber seine Antrittsvisite beim Bürgermei­ster in Hamburg machte Herr dorr Kiderlen fol- aende Aufzeichnungen: ,15. Ium 1894. Emp­fang durch Bürgermeister V e r s m ann Nach­dem ick mich in meinen blauen Frack mit g^de- nen Knöpfen geworfen hatte, um am hellichten -r-aae wenigstens einem Kammerdiener unv nicht im schwarzen Frack einem Kellner zu glei­chen, kam gegen elf Uhr die Stacckskarosse des Camburger Senats mit großem Galabock und hinten ausstehendem Diener vorgefahren und der Staatssekretär mit tadellos weißen Hand­schuhen und den Worten: »Es ist mir der ehrenvolle Auftrag geworden. Eure Exzellenz zum Herrn Bürgermeister zu geleiten", trat ein. Ich fuhr nun mit ihm los, wurde bei Vers- mann von Senatsdienern empfangen, und trctt nun . . . ein großer Moment . . . vor das Staatsoberhaupt des Staates Hamburg. Nun kam aber der komischste Moment. Er guckte mich und ich ihn an und es wurde die Pau.e immer länger. Ta ging mir ein ^.alglicht aus. Er wartete auf eine Ansprache. Daran hatte ich nicht gedacht und natürlich vergessen, meine Anrede aüszusctzen. Ich raffte mich also zusam­men, spuckte mir in die Hände (nur in Gedan­ken) und begann sehr langsam, um Zeit zu ge­winnen: »Eure Magnifizenz, ich habe die Ehre das Schreiben zu überreichen, durch welches

festigungen. Ein starkes griechisches Korps nahm auf dem rechten Strumaufer Ausstellung und bot so Sicherheit gegen feindliche Opera­tionen vor der Sperre oder von Demirhiffar her. Eine griechische Division rückte auf die Höhen vor, zwei weitere Divisionen nahten von Doiran auf anderen Wegen, eine Division auf der Fahrstraße und eine auf den Bergsteigen. Die griechische Infanterie rückte gle-chwohl ste­tig vor und gelangte bis nahe an die feindlichen Stellungen. Gegen abend wurden der hohe Paß und die Stellung bei Ormanili erobert. Wäh­rend der Nacht setzte die griechische Infanterie ihren Vormarsch trotz des feindlichen Feuers fort. Am 8. Juli eroberte sie die Hauptaus- gänge des Gebirges bei Strumitza. Durch die Schlacht bei Strumitza ist die Armee des bul­garischen Generals Jwanoff völlig zersprengt und vernichtet worden.

Ein Waffenstillstand?

(Privat-Telegramm.)

Paris, 12. Juli.

Hier sind Gerüchte im Umlauf, daß Dank der russischen Mediation und einer österreichi­schen offiziösen Intervention ein Waffenstill­stand zwischen den Balkanmächten geschloffen worden ist. Wie derMatin" erfährt, sind die von Gricchcnländ und Serbien gestellten Bedin­gungen folgende: Tie beiden Regierungen werden sich bereit erklären, den Waffenstillstand abzuschlicßen, wenn Bulgarien die Grundlagen eines künftigen Friedens sofort annimmt. Die Basis dieses Friedens ist folgende: Das ganze Gebiet im Osten des Wardartales und nordöst­lich von Karasouli wird Bulgarien üuerlassen, das westlich vom Wardartal bis Gjevgelü ge­legene Gebiet wird serbisch und das südlich von Karasouli gelegene Gebiet fällt an Griechen­land. Dazu gehören Kawala, Drama und Ser­res. Die Griechen werden außerdem für ihre Landsleute unter bulgarischer Herrschaft beson­dere Garantien verlangen. Die Verhandlungen über diese Friedensbedingungen werden einer­seits in Sofia, andererseits in Paris mit dem früheren bulgarischen Ministerpräsidenten Geschow geführt, wie überhaupt der Knoten­punkt der diplomatischen Verhandlungen sich zurzeit in Paris befindet, Geschow und Is­wolski, unterstützt von Pichon, bereiten alle notwendigen Schritte vor, die in Athen, Bel­grad und Bukarest zur Klärung der Lage un­ternommen werden sollen.

ser Sachlage hat sich bis heute nichts geändert. Wenn auch die Politik des Petersburger Kabi­netts längere Zeit so dunkel war, daß man den russischen Willen zum Frieden mit wohlberech- tigtem Mißtrauen gegenüberstehen dürfte, so ist es doch beute unzweifelhaft, daß in Peters­burg dieselbe Sehnsucht nach einer endgültigen Beruhigung Europas herrscht, wie bei den Re­gierungen der anderen Großmächte. Wenn es "auch dem Zar nicht gelungen ist, den neuen Balkanbrand zu verhindern, so beweist doch Bulgariens Bitte um die russische Vermittlung, daß Bulgarien den Traum von der Selbstän­digkeit schnell ausgeträumt hat und den An­schluß an Petersburg wieder sucht. Wie die Dinge heute liegen, dürften russische Vorschläge, die einigermaßen mit den Interessen der feind­lichen Verbündeten in Einklang stehen, fraglos Zustimmung finden, vorausgesetzt, daß die rus­sische Intervention augenblicklich erfolgt, noch ehe etwa der serbische Sieg zu einer vollständi­gen Niederlage Bulgariens geführt hat. Dann wäre nämlich zu fürchten, daß den vereinigten Serben und Griechen ihr Erfolg zu sehr zu Kopf steigen könnte, als daß eine friedliche Ber-: embaruna auf einer für die Gesamtlage gün­stigen Basis noch möglich wäre.

Daß Bulgarien mit seiner Kraft am Ende ist, wagt man nun selbst nicht mehr in Sofia in Abrede zu stellen. Der Krieg zwischen den Verbündeten ist damit so gut tote beendet und der Aufmarsch der rumänischen Truppen kann nur den Effekt haben, die Bulgaren zu einem Nachgeben in allen Punkten zu veranlas­sen. Die bulgarischen Truppen sind vollständig zersprengt und befinden sich auf dem eiligen Rückzug gegen die Grenze. Serben und Grie­chen sind militärisch die Herren in den Gebi^ ten, die sie beanspruchen. Zieht man auch noch in Betracht, daß man in Sofia von der Grenze her die feindlichen Geschütze dröhnen hörte, so toird man es begreiflich finden, daß nunmehr König Ferdinand bestrebt ist, dem Spiel em Ende zu machen, das er. allen seinen Berech­nungen entgegen, so glänzend verlor. ... Aber, wenn des Krieges Stürme zwischen den Ver­bündeten schweigen, was dann? Wird damit endlich Ruhe im europäischen Wctterwmkel Emkehr halten? ... In Berliner diplomatischen Kreisen siebt man nach der neuesten Wendung der Dinge durchaus nicht rosig in die Zukunft Man glaubt, daß zwar Serbien dem von Bul­garien in Petersburg eingeleiteten Schritte fol­gen werde, aber man bezweifelt, daß Griechen­land nachgiebig sein werde. Unter diesen Um­standen würde dann das Zustandekommen der Petersburger Konferenz für die nächste Zeit in keiner Weise gesichert fein. Es erscheint ausgeschlossen, daß diese Konferenz zu einer internationalen wird, der Dreibund durfte sich vielmehr, nachdem sich Oesterreich-Ungarn freie Hand Vor­behalten bat, an einer Konferenz zur Schlich­tung der Balkanstreitigkeiten nicht beteiligen. Daß er sich trotzdem ständig ans dem Laufenden hält, um seine Reckte im gegebenen Angenbl'.ck zu verteidigen, erscheint selbstverständlich. Man wird wohl in der Annahme nicht fehlgehen, daß es zunächst zwischen den Balkanstaaten zu einem riesigen Kuhhandel kommen wird, in dem jeder Staat an den andern mög­lichst große Anforderungen stellen wird, um nachher von seinen Forderungen nachzulassen.

Ueber die Situation auf dem Balkan liegen uns auch heute wieder zahlreiche Draht­

Athen, 12. Juli.

^ie schon gemeldete Schlacht bei den Päffen von^Pelaschircha ist als eine von weittragender Bedeutung anzusehen. Das Gebirge bas hun­dert Kilometer lang und sechzehnhundert Meter hoch ist. bildet eine Sperre zwischen dem Tal der Struma und dem südöstlichen Mazedonien. Nur eine Fahrstraße geht durch das Gebirge, und auch diese ist schwer zu besetzen. Außerdem führen noch einige sehr schwer gangbare Fuß­steige darüber. Die von KUkUfch und Lachana zurückweichende bulgarische Armee hatte sich ge­teilt. Ein Teil ging aus Demirhiffar zuruck. Ein anderer Teil nahm befestigte Stellungen in dem vorgenannten Gebirge ein. Diese Trup­pen. die von Jstip Verstärkung erhielten, lagen vierundzwanzig Bataillone stark m ihren Be­

gießen vor sich geht.

Was aber dann? Rumänien will em Macht­wort bei der Balkanverteilung mitsprechen und bei der Regelung der Grenzfragen mit da­bei fein. Seine Gebietsansprüche gehen auf das Land zwischen Turtukai und Naltschik am Schwarzen Meere, das hauptsächlich von Tür­ken und Rumänen bewohnt ist. Serbien fordert alles Gebiet westlich vom Wardar bis Gewgeft und einen beträchtlichen Landstrich noch östlich des Flusses. Es tauchen Gerüchte aus, daß eine Konferenz in Bukarest, die von Serbien vorgeschlagen ist, die Grenzfragen regeln soll. Dies wäre zu begrüßen, da hierdurch einer spä­teren Konferenz der Großmächte vorgearbeitet werden könnte. Ob das Ergebnis ein neuer Balkanbund mit Einschluß Rumäniens -st, bleibt aber fraglich. Rumänien hat zur Genüge in der letzten Zeit bewiesen, daß es nur ferne eigenen Interessen verfolgen undrumantfcke Politik" treiben will. Ein Balkanbund ^aber fährt immer im russisch-panslawistischen Fahr­wasser, und diese Richtung liegt der Moldau­monarchie durchaus ferne. Wenn daher auf dem Balkan der Waffenlärm auch bald verstummen dürfte, so besteht doch die Krisis immer nock fort, und die Ereignisse der nächsten Zeit sind keineswegs durchsichtig. Man kann erwarten, daß Rußland alles daran setzt, die Faden wie­der in seine Hand zu bekommen. Denn nut Genugtuung wird man in Petersburg festge­stellt haben, daß sich die bedrängten Slawen- briider immer wieder schutzsuchend an die Za­renbrust Wersen, tote es diesmal die Bulgaren getan. Damit aber besteht der grundsätzliche Gegensatz zur Donaumonarchie mit seiner in­ternationalen Gefahr auch weiterhin.

Ja» Ende der Krieger?

Balkankonferenz in Bukarest oder Paris.

Wien, 12. Juli. (Privat-Te­legramm.) DieWiener Allgemeine Zeitung" erfährt, daß die Frage eines Zusanimentrittes eines europäischen Kongresses zur Lösung aller Balkanfra­gen, auch derjenigen, die auf der Londo­ner Botschafter-Reunion und der Pariser Finanz-Konferenz diskutiert werden, die europäischen Kabinette lebhaft beschäftige.

Der neue Balkankrieg naht dem Ende. Die Bulgaren, die auf allen Kriegsschauplätzen Nie- ,erlagen erlitten, haben (wie schon gestern ge­neidet) sich an Rußland gewandt und Vermitt- iung erbeten; die andern Großmächte wurden oon dies-m Schritt nur verständigt, und zum Leidwesen Oesterreich-Ungarns, hat man in So­fia die Dienste der immer so freundlich gesinn­ten Monarchie verschmäht. Im steten Wechsel­spiel des Einflusses auf der Balkanhalbinsel ist eben einmal Rußland wieder obenauf, und der wochenlange Aufenthalt G e s ch o w s in der österreichischen Hauptstadt hat umsonst Hoffnun­gen erweckt. Aber auch in Belgrad und in Athen ist man verstimmt, daß Bulgarien auf dem Umweg über Petersburg eine Verständi­gung erstrebt, und matt erachtet dies wieder als ein Zeichen bulgarischen Eigendünkels. Trotz­dem ist Serbien, das schwere Menschenverluste erlitten hat, verhandlungsbereit. Doch stellt man sich dort aus den Standpunkt, daß der frühere Bündnisvertrag null und nichtig wäre. Die serbischen Waffen haben gesprochen, das ganze strittige Gebiet in Mazedonien halten serbische Truppen besetzt, und so denkt man in Belgrad nicht daran, bedingungslos einen Waf­fenstillstand zu gewähren. Auch in A t Heu ge­lingt es wohl der Vermittlung, die Waffen zum Schweigen zu bringen. Allerdings wird dies mehr Arbeit kosten, denn die Griechen find durch die letzten glücklichen Ereignisse in un­geheuere Siegesbegeisterung versetzt. Es wird für Bulgarien ein Frieden der Selbstbeschet- dung werden müssen, in dem es für feine Po- litil gerechte Strafe bezahlt. In diesem Augen­blick erst tritt auch Rumänien enffcheidend auf den Plan. Seine Armee marschiert. So hat man wenigstens in Bukarest den Schein ver­mieden, für irgend einen der bulgarischen Geg­ner Partei ergreifen zu müssen. Man kann au- nehmen, daß Bulgarien keinerlei Widerstand lefften wird, und die Besetzung der Nordpro­vinz durch rumänische Truppen ohne Blutver-

Casseler Neueste NaWteu

Hessische Abendzeitung _______

Set Wtter Merlm.

Aus dem Tagebuch Kiderleu-Waechters. Vom alte« Kaiser Wilhelm, der sich «m alles kümmerte. Der Antrittsbesuch beim Bürgermeister von Hamburg. Komische

Situationen bei diesem Besuche.

Der bekannte Schriftsteller Georges, Meinow gibt in derVossischen Zeitung^ Aufzeichnun­gen des verstorbenen Staatssekretärs von K i derlen-Waechter bekannt. Unterbände- rem schreibt er zur Zeit des Regierungswech­sels im Jahre 1888 folgendes:Noch eimge Züge vom alten Kaiser, um Dir zu zeigen, tote et sich um alles kümmerte. Es wurde ihm ein Aktenstück vorgelegt, etwa vor etnem hal­ben Iahte, mit einet Anlage. Da schrieb et an den Rand: »Anlage fehlt" und daruntot.

Pardon, hat auf dem Boden gelegen. Bet einem Briefe an einen fremden Souverän, wo sogenannte Schlußfloskel mit eigener Hand schrieb, hatte et ein Wort ausgelassen und infolgedessen mußte das sanze Schnftstu noch einmal geschrieben werden Da schrieb er an den Rand:Ick werde doch recht vergeß lich; ich bin aber auch sehr alt und darum ver­zeihe ich mir das." In einer polttffchen Frage dritter Ordnung (ägyptische. Finanzen oder so etwas) wurde ihm ein Bericht vorgelegt Da schrieb er an den Rand: »Warum habe ich lau ge nichts mehr von der Sache gehoto? Man ab die Akten noch und fand auch, daß wtrNtch m bet Sache seit drei Monaten nichts etnge- nangen war. Man dachte Amt, der alte Herr " 9 die Sache spielte vor nicht ganz einem Fahre. . . habe da etwas vergessen und arbei­tete ihm ein Promemoria au§, das ungefähr "uf ein Jahr zurückgtiff. Das Dmg hatte fünfzehn Seiten Auf Seite dreizehn machte der Kai­ser einen Bleististstrich und schrieb: »Schr in­teressant, aber bis hierher bekannt.. Und rich­tig, nach den Akten des Auswärtigen Amtes war es genau die Stelle, über die dem Kaiser drei Monate vorher der letzte Bericht vorgelegt

Belgrad, 12. Juli.

Die hiesigen militätischen Kreise wollen von einem Abschlüsse beS Waffenstillstandes absolut nichts wiffen und bestehen auf der Besetzung Küstendils und auf dem Einzüge in Sofia. Eine Hauptbedingung der ser­bischen und rumänischen Regierung für den Abschluß des Friedens mit Bulgarien ist, daß dieses auch weiterhin im Balkanbund ver­bleibt, um es fester unter Kontrolle halten zu können.

Nach einer Depesche aus Paris hat der rumänische Gesandte dem Minister Pichon gegenüber erklärt, daß die Rumänen nicht zum Zwecke der Eroberung in Bulgarien einmar- schieit seien, sondern nur, um int Augenblicke der Regulierung das Gleichgewicht aus dem Balkan zu sichern.

Eine Schlacht im Gebirge.

(Privat-Telegramm.)

Das rumänische Heer. (Ptivat-Telegram m.)

Bukarest, 12. Juli-

Es scheint, daß in dem Operationsplane der rumänischen Armee einige Aenderungen etnge- treten sind, hervorgetufen durch technische Schwierigkeiten, die einen Versuch des Tonau- Uebetganges an der gemeinsamen Grenze zwi­cken Rumänien und Bttlgatien unausführbar machten. Man nimmt an, daß aus diesem Grunde sich die rumänische Armee in zwei Teile teilen wird. Die erste Gruppe wird di­rekt in Serbien eintreten, um die serbische Ar­mee zu verstärken. Die zweite Armee wird durch die Dobrudscha bringen, um den Süden dieser Provinz zu besetzen und dann den Bul­garen in den Rücken zu fallen. Der Enthu- iasmus der Bevölkerung ist witfltch Wunder­tat. Ueber sechshunderttausend Mann, Rekru­ten und Reserven, haben dem Aufrufe Folge geleistet. Gegen hunderttausend Mann mutz­ten zurücktreten, da die Regierung sie nicht ent« stellen konnte. Das rumänische Vock ist von dem Ernst der Situation vollkommen überzeugt und bereit, für das Land alle Opfer zu bringen. König Carol von Rumänien soll, wie die Daily Mail aus glaubwürdiger Quelle erfährt, durch Spezial-Kurier einen seht wichtigen, eigenhän­digen Brief des Zaren erhalten habe«

Anarchie in Sofia.

(Ptivat-Telegram m.)

Bukarest, 12. Juli.

AuS Sofia hier eingettoffene Nach­richten stellen die innere Lage Bulgariens in sehr ernstem Lichte dar. Sie sprechen von der Unzufriedenheit der bulgarischen Armee : @e= rächte sagen geradezu, daß in Sofia tatsächlich Anarchie herrsche. Die Bevölkerung wisse ab­solut noch nichts von der traurigen Lage des Landes. Die Stellung Danews sei unhaltbar geworden. Ihm allein wird die Schuld der Lage Bulgariens zugeschrieben. In oppositio­nellen Kreisen werden Stimmen tont, man solle das Kabinett Danew in den Anflagezustand versetzen. Eine andere Nachricht aus «-ofia besagt, daß ein allerdings mißglücktes Atten­tat auf Dauern verübt worden sei. Die meisten in Sofia erscheinenden Zeitungen sollen sus­pendiert worden fein.