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Casseler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Freitag, 11. Juli 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 182

Belgrad, 10. Juli-

JnsertWuSpreg«-. Die sechSg-spaltene Zeil- für einheimisch- Geschäft- ISJßfg., MrauS. rodrtiae Inserate 25 Pf. Reklame,eile für einheimische Geschäft- 1» Pf, Mr allSwürttg« G-schäfteSa Pf. Einfach- Beilagen für vis Gesamtanslag- werden mit 5 Mart pro Laufend de- rechnet. Wegen ihrer dichten Berbreitung in der Restdenz und der llmg°bung sind dt° Laffsler Neuesten Nachrichten -in vorzüglicher Jnsertionsorgan. S-fchaftcht-lle: Kölnisch Straße 5. Berliner Vertretung: SW. Friedrichstraße IS. Telephon: Amt Morttzplatz 12581.

tetteS Ansehen auf der Balkanhalbinsel wie­der zu befestigen. Man kann heute schon in den Landen der Doppelmonarchie die Wahr­nehmung machen, dost die Begeisterung des fla- wischen Elements für die südslawische Sache einer gründlichen Ernüchterung gewichen ist. Auch die Tschechen, die mit einer unerhörten An­maßung gegen den österreichischen Staat auf­traten, werden kleinlaut. Trotz der Sprengung des Slawenbundes hat Oesterreich-Ungarn natürlich alle Ursache zur Wachsamkeit und muß darauf achten, daß Rumänien zu seinem Rechte kommt. In Bukarest scheint man erfreu­licherweise wieder einzusehen, daß das Gleich­gewicht auf dem Balkan dann böllig Verschoben werden müßte, wenn das von einem Hohenzol- lern regierte Königreich durch einen russischen und südflawischen Block umklammert würde. WaS KriegSwut und Diplomatie in nächsten Tagen und Wochen hervorbringen werden, ruht heute noch unter undurchdringlichem Schleier.

***

Kents vom Kriege.

Die allgemeine Lage.

Wirklich genaue Nachrichten über die Lage auf dem Balkan sind nach wie vor nicht zu er­halten, doch will eS scheinen, alS ob sich wah­rend der letzten Tage das KriegSglück wieder mehr von den Bulgaren gewendet habe. Die Bulgaren sollen sich in der Hauptfront und im Süden auf dem Rückzüge befinden. Der Armee deS GeneralleutantS Iwanow droht die Ge­fahr der Gefangennahme. Bulgarien sieht ein, (fj> wird nnS aus Wien gemeldet), daß es nicht in der Lage ist, mit seinen beiden Gegnern fer­tig zu werden. Um einen völligen Zusammen- bnich hintan zu Balten, soll Bulgarien die Ab­sicht haben, in allernächster Zeit die Interven­tion Oesterreichs und der übrigen Mächte zu er­bitten und um Zeit zu gewinnen, soll der Ober­kommandierende der Armee mit dem serbttckeir Oberkommando unter dem Vorwande der Be­stattung der Toten, Fortschafsung der Verwun­deten und Durchführung der sanitären Maß­nahmen gegen die Cholera einen mehrtägigen Waffenstillstand zu vereinbaren beabsichtigen. Nach einer Devesche auS Sofia soll auch die Stellung deS Ministeriums D a n e w durch die aus dem Kriegsschauplätze sich abspielenden Er­eignisse wieder ungünstiger geworden sein. ES macht sich eine Strömung geltend, die eine so­fortige Verständigung mit Rumänien anstrebt. Zunächst die folgenden Privat - Tele-

Politische Geheimnisse.

Der Webstichl der europäischen Diplomatie.

Das eigenartig sorglose Verhalten der Bulgaren den rumänische« Rüst­ungen gegenüber hat Gerüchte Her­vorgerufe», nach denen ein Geheim- vertrag zwischen Bulgarien und Ru­mänien besteht, der Rumänien ver­pflichtet, Bulgarien im Falle der Not ans Wnnsch Beistand z« leisten.

Wie dieMilitärische Rundschau" meldet, bestätigt sich die Nachricht, wonach in der Kriegslage eine für Bulgarien ungünstige Wen­dung elngetret-» ist. Der bisherige Oberkom­mandierende Sawow wurde von seinem Po­sten enthoben. Zum Oberkommandierenden auf dem ganzen Kriegsschauplatz wird General D>- m i t r i e w ernannt werd»». Auch die Nach­richt von der Einnahme von Grigala durch die Serben bestätigt sich. Bei Jstip sollen sich aroste Trupvenmengen gegenüber stehen und der Kampf feit gestern mit aller Verzweiflung geführt werden. Allerdings wird auch zugege­ben, dass bis jetzt noch keine Entscheidung her- beiaeführt werden konnte. Mit Spanm,ng wer­den alle Meldungen über die Vorzänge bei Jstip erwartet.

DieSüdflavische Korrespondenz" meldet mla Uesküb: Die Situation der serbischen Ar­mee kann auf Grund der Angaben des Gene- ralstabes als günstig und als der bulgarischen Armee überlegen bezeichnet werden. Auf das Bestimmteste wird erflärt, das, die serbische Timok-Division nicht vernichtet und nicht zer- svrenat sei. und daß alle Details über große Zusammenstöße auf dem Owtsche Voltje unrich­tig sind Auch die Morawa-Division ist tntatt. ^ie <"yfer in den erbitterten Kämpfen sind zahlreich. Die Situation in der bulgarischen

3er neue Mm.

Kriegsmirsister und Parlamentarier.

Bei der Ernennung beS neuen Kriegsmini- fterS ist, wie von militärischer Seite geschrie­ben wird, die Frage, ob Generalleutnant von Falkenhayn ein guter Parlamentarier ist, von nickt zu unterschätzender Bedeutung Man weiß in militärischen Kreisen, daß der bis­herige KrieaSminister von Herringen fein Amt hauptsächlich aitS dem Grunde niederge- legt hat, weil er der parlamentarischen Kämpfe müde war und nickt daS Zeug zu einem parla- mentariscken Streiter in ssck fühlte. Er war auch im Parlament mehr Soldat alS Diplomat und sagte oft in der Erregung ein Wort daS er nachher in ruhigen Augenblicken der Hebet» legung zurückzunehmen gezwungen war. ES sei nur daran erinnert, wie er beim Lttett um die Garde die Annehmbarkeit der HsereSvor- lage in Frage stellte, und daß er im vorigen Jahre bei der Duelldebatte Anschauungen kund- tat, die einen großen Teil der ReichStagSabge- ordneten tief verstimmen mußten.

Natürlich wurden dadurch die Verhandlun­gen zwischen Kriegsminister und Parlament sehr erschwert und erreichten oft eine Scharfe, die einer günstigen Erledigung der Geschäfte nicht förderlich war. Darunter mußten mit der Zeit die militärischen Angelegenheiten tm Reichstag leiden. Bei der Wahl eines neuen KrieaSministerS mußte nun die Frage seiner parlamentarischen Fähigkeit von auSschlat^ gebender Bedeutung werden. Tatfachlich ist Generalleutnant von Falkenhahn an maß­gebenden Stellen alS ein Mann bekannt, der neben seinen soldatischen Vorzügen auck eine beträchtliche diplomatische Befä­higung auszuweisen bat. Im Cblnaseldzug wurde er nämlich dem Stabe beS Generalfeld- marschallS Grafen Waldersee in erster Recke anS dem Grunde zugeteili. weil ihn seine di­plomatische Befähigung, als den geeignetsten Mann erscheinen ließ Er wurde darum auch

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Armee ist sehr ungünstig. Ungefähr elstauseud Bulgaren sind in den letzten Tagen gefallen.

Die Arbeit der Diplomaten.

(Privat-Telegramm.)

Wie», 10. Juli.

Bo» angeblich unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß die bulgarisch-rumänischen Ver­handlungen über vermittelnde diplomatische Vorschläge nicht hinausgekommen sind. Wie es scheint, lattn sich das bulgarische Kabinett Danew zu keinem Entgegenkommen gegenüber de» rumänischen Forderungen entschließen. Die Mobilisierung Rumäniens wird nm Sonn­abend beendet fein. An diesem Tage wird Rumänien mit einem Ultimatum hervortreten, in dem die Forderungen namhaft gemacht werden. Bulgarien hat also zur Eröffnung von Verhandlungen nur eine Frist von wenigen Tagen. Ein hoher russischer Diplomat er- Närte einem Mitarbeiter desNeuen Wiener Tageblattes", daß für den Fall, daß der gegen­wärtige Krieg eilte Verschiebung des Bildes auf dem Balkan befürchten lasse, Rußland durch einen bedeutenden Schritt sofort eingrei­fen werde Rußland könne unter keinen Um­stände» dulden, daß Rumänien mehr als b»e früher beanspruchten Gebiete besetzt.

Ein Altimatum?

(Privat-Telegramm.)

Paris, 10. Juli.

Es verlautet hier, daß die bulgarische Re­gierung die von dem Konstantinopeler Kabi­nett ausgesprochene Forderung, den Grenzdi- strikt Midia-Enos zu neutralisieren, und die Wiederansiedelung türkischer Untertanen zu ge­statten, als ein verschleiertes Ultimatum be­trachtet und infolgedessen die Einberufung des zehnten und elften Jahrganges angeordnet hat. DerMatin" meldet, daß der französische Bot- fckafter in Sofia angewiesen wurde, die bulga­rische Regierung zu drängen, sich mit Serbien und Griechenland zn verständige» und die Feind­seligkeiten sofort einzustellen. DerMatin glaubt gleichzeitig versichern z» können, baß auch andere Mächte ihren Botschaftern einen ähnlichen Auftrag erteilt haben.'

Verztveiflungskämpfe?

(Privat-Telegramm.)

Wie», 10. Juli.

päterhin während seines Aufenthaltes in Oft- asieu mit allen diplomatischen Missionen be­traut die der Verkehr mit den Truppenführern der fiemben Mächte erforderlich machte. Zum Parlamentarier und Diplomaten befähigt ihn ernerhin noch seine kühle Ruhe und Ileber- legnug, mit der er allen neuen Fragen ltegen- übertritt und feine klare und schnellt Entichlutz- ähi gleit. , ..

Endlich kommt noch hinzu, daß er auch als gewandter Redner gilt, der es ebenso gut versteht, in liebenswürdiger Form seine Absichten und Gedanken zu verbergen, tote m energischer und klarer Weise zu vertreten Man wird also bei seinem Auftreten im Reichstage mit einem hervorragenden Parlamentarier zu rechnen haben, der allen Schwierigkeiten der ReichStagSverhandlungen sich gewachsen zeigen wird Wenn man diese ungewöhnlichen Fä­higkeiten beS neuen Kriegsministers überschaut, dann wird man auch begreifen, warum gerade er zum Kriegsminister auSersehen wurde, mit dessen Ernennung niemand gerechnet hatte.

gn tosender Feldschlacht.

Erinnerungen eines japanis chen Lent« nants. Die Fenertanfe. Rach Port Arthur. Die Musik des Schlachtfeldes. Vorwärts zum Sturm. Reiche Ernte des Todes.

Einen fesselnden Beitrag zur Pshchologie des Krieges und beS im Kampfe stehenden Soldaten liefert ein Werk beS japanischen Leutnants Tadeyoschi S a k u r a i, das, noch mit einem Vorwort beS verstorbenen Ge­nerals Rogi versehen, heute in Japan eines der meistgelesensten Bücher ist und von dem m diesen Tagen eine französische Uebersetzung er­scheint. In ihrer Gesamtheit sind diese Auf­zeichnungen beS japanischen Offiziers, feine Ct» innerungen an die Kämpfe gegen die Russm, ein interessantes Beispiel dafür, wie der Wille zum Sieg und eine freudige BerertschiM Zum Tode eine Vielheit von Menschen zu Leistun­gen befähigt, die den Mitwirkenden nui toie eine schöne und schlichte Selbstverständlichkeit erscheinen und allein dem Fernstehenden die Züge eines mitreißenden

nationale» Heroismus

enthüllen. Sakurais Regiment war schon einen Monat lang mobilisiert, ehe endlich von der alten Zitadelle baS lang und ungeduldig er­sehnte Signal ertönte, die drei Kanonenschüsse, die die Truppen in die Front riefen. Zwei Stunden später sind die Truppen , auf den TranSportdampsern eingeschifft, die Anker rasseln, und mit unbekanntem Ziele geht es hinaus aufs Meer. .Wenn eS nur gegen Port Arthur geht," baS ist bei einzige Gedanke, der alle diese kampfbegierigen jungen Meirichen erfüllt. Und fröhliche Spiele, heiterer Gesang 1 verkürzen die Reise, die alle dem Kampfe und viele dem Tode entgegenführt. Das Regiment l wird gegen Nanschang dirigiert, wo Oku den Russen bereits eine Schlacht liefert. Die tiefste : Depression bemächtigt sich aller, ais man zu spät kommt, um noch mitzukämpsen: Schon ist i der Sieg errungen.

Rach Port Arthur!

Und hier endlich winkt ihnen allen die Feuer« taufe, eine Feuertaufe, die an fürchterlichem Ingrimm des Ringens, die an Blut und To­desopfern in der Kriegsgeschichte nicht allzu­viel Gegenstücke aufweist. Die Nacht wird mar. chiert, und mit dem ersten Morgengrauen, faM noch in der Dunkelheit, setzt der erste Angriff gegen die auf steilem Hang verschanzten Rui- seri ein. Welches sind die Empfindungen die­ser Soldaten, die zum ersten Male ins Feuer kommen und zum ersten Male wirklich auf dem Schlachtfelde dem Tode ins Auge sehen?Er­greifend und herrlich sind diese Laute des Schlachtfeldes," so erzählt Sakurai,dieses matte Rascheln der Patronentaschen, die ge- öffnet und geschlossen werden, dieses Klirren und Rasseln der von dem Auswerfer forige- schleuderten leeren Patronenhülsen,, dieses zi­schende Pfeifen der Kugeln und dieses lang­gezogene dumpfe und dann wieder harte und scharfe Rollen und Bersten der Granaten, die rings um sich her Tod und Vernichtung speien. In der Leidensckast des Kampfes und in der Sehnsucht zum Siege scheinen all diese furcht­erregenden Geräusche auf die Kämpfer toie eine austteitschende und zugleich

seltsam beruhigende Musik

zu Wirken, der Blick wird klarer, das Bewußt­sein schärfer. Durch Feuer muß der Feind «r- schütteri werden, darum kommt es darauf an, ruhig und gelassen zu zielen. Mitten im Auf­ruhr der Schlacht summt dem Kämpfer der rhythmische Tonfall jenes japanischen Gedichts im Ohre, das den Soldaten in der Kunst des Schießens unterweist.Und drücke den Abzug so sanft wie in stiller Winternacht herabfinkt der weiße Schnee,' lautet die Anweisung: Und mitten im Kugelregen wird die poetische Mab- nung befolgt, bis endlich der Hauptmann auf» springt und vorwärts stürmt, die blitzende Klinge in der Rechten. Da wird mit einem Schlage aus der Ruhe des einzelnen wilde Er­regung, ein Höllengeheul geht von der vor- wärtsstürmenden Schar anS, was menschliche Lungen an wildem Schreien von sich gebe»

6 Mer Neutstk NllchiOtm

' Hessische Abendzeitung __________

Mit unglaublicher Todesverachtung und in höchster Leidenschaft stürzen sich die Kämpfer um die Türkenbeute täglich aufeinander. Unter den Linienregimentern und den Landsturmba­taillonen, die auf den Kriegsschauplatz abge­hen, soll noch größere Begeisterung herrschen, alS vor dem Kampfe wider baS OSmanentum. Die schönen Tage, in benen in Athen, in Bel grad und Sofia der Zug des Kreuzes wider den Halbmond in gleicher Weise gepredigt wurde, sind endgültig dahin. Die modernen Kreuzfahrer beweisen jetzt, welche Bewandnis es mit dem uneigennützigen Edelmut haue. Neid und Eifersucht flammen immer verhäng­nisvoller auf, und die KriegSwut artet in Kriegsgreuel aus. Ueber den Stand des all­gemeinen Kampfes erfährt man nur wenig Zuverlässiges. Die SiegeSnachrrchten auS den Hauptstädten der streitenden Reiche sind kaum der Druckerschwärze wert, denn gerade wie zu Beginn des Türkenkrieges werden die un­glaubwürdigsten Meldungen verbreitet.

Ueber die eigentlichen Ziele des gegenwär­tigen Kampfes wird namentlich von bulgari­scher Seite Schweigen und Zurückhaltung be­wahrt, denn in Sofia herrscht staatsmännischer Geist. DaS schier unbegreifliche, sorglose Ver­halten der bulgarischen Regierung gegenüber Rumänien hat bereits Gerüchte hervorgerufen, daß beide Staaten der Welt nur eine Ko­mödie Vorspielen, weil ein stilles Bündnis unter ihnen längst zum Abschluß gekommen fei Das Säbelrasseln Rumäniens stimmt int ganzen auch recht wenig mit seinen Taten überein, und die Gewohnheit der Bulgare nist es sonst nie genesen, sich mit fatalistischer Gleichgültigkeit dem Schicksal zu überlassen. Man stellt sich dem angedrohten Einmarsch oer Rumänen in bulgarisches Gebiet nicht mt_ gegen, und obwohl in Bukarest »ereitS bon einem Einzuge in Sofia Sefprochen wird, trifft man keine wahrnehmbaren Anstalten, einen unblutigen Vergleich zu schaffen. Verdächtig ist die bulgarische Gleichgültigkeit gegen dre von Rumänien nahe gerückte Katastrophe un­ter allen Umständen, aber man dar, mit «l- ckerbeit auS der merkwürdigen Lage schließen, daß die Verhandlungen der Diplomaten Nicht ruhen. Allem Anscheine nach stehen Wir vor ^^Die^Ankündigungen und die Ableugnungen russischer Probemobilmachungen an den west­lichen Grenzen sind genau so wie bei der Juszenesetzung des Krieges der Verbündeten gegen die Türkei. Was man tn Petersburg spinnt, erfährt man zum Teil nur durch pa­riser Auskünfte. Ssasanow verlangte von Oesterreich-Ungarn durch dre VermittelungdeS französischen Botschafters in Wien tatsächlich die Erklärung einer Nichteinmlschung ln ie Auseinandersetzungen der Balkanstaaten. jetzt auS Wien halbamtlich bekannt gegeben wird, holte sich Herr Domaine bei dem Grafen Beacht old einen regelrechten Korb Man hält zwar auch am BallhauSplatz an bei f rechterhaltung beS Friedens unter den Groß­mächten fest, aber eine Verpflichtung für e Nichteingreifen wsird weder für letzt noch fu spätere Zeiten übernommen. ES scheint, alS ob Graf Verchtold sich nicht zum Zweiten Mal durch die russischen Probemobilmachungen - schüchtern läßt, und daß er auch den mrt großer Ruhmredigkeit in Sicht gestellten Luftdread, noughtS keinen besonderen Wert beilegt, -c ater- chcnS Riesenluftslotte hat nämlich noch - manb gesehen, sie schwebt wahrscheinlich m den Wo-ken. Erstaunlich ist es, mit welcher Hart- näckigkeit Ssasanow auch jetzt noch an feinen Plänen mit derslawischen Sache festhalt, die durch die Ereignisse längst in Fetzen genffen wo,den sind. Während die Kanonen donnern und die M-chhinengewehre grausige Arbeit ver­richten, bemühen sich angeblich die russischen Gesandten in Belgrad und Sofia, die statten­den Heere und Staaten zu gemeinsamer Tätig­keit für die Zukunft zu verpflichten.

Der russisch-französische Plan, Oesterreich- Ungarn im Süden durch die verbündeten «la- wer-völker zu fesseln, um alsdann die europä- ifchc Abrechnung vornehmen zu können, ist über den Haufen geworfen. Zurzeit wirken die Da.- -anvölker nicht für Rußland, sondern sie geben SeSeneich - Ungarn Gelegenheit, fein erschut-

Der gemeldete Erfolg der Serben bei Jstip ist vollständig. Vorgestern hatte» die Bulgaren die serbische Grenze in der Richtung »ach Pirot überschritten und Knajevatz be­setzt. Die Serben konnte» diese Stadt je­doch wieder erobern. Amtlich wird die Ein­nahme der Stadt auch bestätigt und hinzu- gefügt, daß die bulgarischen Truppen voll­ständig vernichtet wurden. Die Bulgaren sind somit auf der ganzen Linie geschlagen, was auch in den offiziellen Berichten aus Sofia zugegeben wird.

Sofia, 10. Juli.

Hiesige politische Kreise hege» großen Optimismus. Die bisherigen Verluste aller vier kriegführenden Balkanstaaten werden auf 100 000 Mann oeschättt. Man hält es immer noch für wahrscheinlich, daß die Operationen infolge russischer Vermittlung unterbrochen werden, und daß eine gütliche Verständigung über die Austeilung der eroberten Gebiete gesucht werde» wird.

Auch die griechische Armee.scheint sick den Bulgaren gegenüber dauernd im Vorteil zu befinden. Im Belanka-Gebirge werden, wie es in einem Telegramm aus Athen heißt, die bulaarifen Truppen Sckritt für Schritt -urückgedrängt. Griechische Truppen, die von Doiran her auf Strumitza vorrücken, näherten sich den Schützengräben beS FeindeS bis nahezu auf zweihundert Meter. Ein heftiger Angriff bei Tagesanbruch zwang die Feinde, ihre Stellung unter großen Verlusten zu räume», worauf sie in halilofer Fluckt Gewehre, Mu­nition und AuSrüstunaSgegenstände fortwarfen. Die Griechen fetzten ihren Vormarsch fort und erreichten Kostarino, eine starke, hochgelegene Stellung von großer strategischer Wichtigkeit.

Die Lage der Bulgaren.

(Privat-Telegramm.)

Wie», 10. Juli.

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