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Casseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 181.
Fernsprecher 951 mtb 952,
Donnerstag, 10. Juli 1913.
Fernsprecher 951 und 952.
3. Jahrgang.
Sie große Uebrnaschung.
Der neue Kriegsminister.
Nicht nur in militärischen Kreise«, sondern ganz allgemein hat die Ernennung des Generalmajors von Falkenhahn zum Staatsund Kriegsminister große lieber» .aschung hervorgerufen. Aus der Reichshauptstadt wird uns zu dem Politischen Ereignis geschrieben: In militärischen Kreisen hat die Ernennung deS Generalmajors von Falkenhahn zum Staats- und Kriegsminister eine große Ueber- raschung hervorgerufen, denn Herr von Heerin- gen War der dienstälteste General, der nunmehr von einem der jüngsten Generale abgelöst wird.
Generalleutnant v. Falkenhahn,
der. neue Kriegsminister.
Mit der Berufung von Falkenhayns zum Kriegsminister ist gleichzeitig seine Beförderung zum Generalleutnant erfolgt. Da von Falkenhahn erst seit dem 22. April 1912 Generalmajor war, so geschah seine abermalige Rangerhöhung außerordentlich früh, zumal jetzt erst die Generalmajors vom März 1911 zur Ernennung zum Generalleutnant anstehen. Ferner erregt es in militärischen Kreisen besonderes Aufsehen, daß der neue Staatssekretär für Deutschlands Heerwesen in seiner bisherigen Laufbahn dem Kriegsministerium überhaupt noch nicht angchörte. Da die meisten Amtsvorgänger von Falkenhahns vor lieber« nähme der Leitung des Kriegsministeriums schon längere Zeit in ihm tätig waren, so liegt eine Neuerung in der Gepflogenheit vor. Es wird sicherlich ein hohes Maß von Umsicht und Geschick für den neuen Kriegsminister erforderlich sein, wenn er sich sofort in den Verhältnissen des Ministeriums zurechtfinden und seine verantwortliche Tätigkeit ausüben soll.
Eine Schonzeit, wie sie sonst die Minister und selbst der Reichskanzler, um mit den Worten Caprivis zu reden, für sich in Anspruch nehmen können, wird von Falkenhahn nicht finden, denn mit den Vorbereitungen zur großen Heeresvermehrung im Herbste dieses Jahres muß unverzüglich begonnen werden, nachdem Reichstag und Bundesrat ihre Zustimmung erteilt haben. Der reine Verwaltungsdienst, dem der Kriegsminister fast den größten Teil seiner Amtsführung widmen muß, ist Herrn von Falkenhahn einigermaßen fremd. Auf seinen verschiedenen Posten im Generalstab hat er zwar Gelegenheit gefunden, sich mit Verwaltungssachen zu befassen, aber doch nicht in einem Umfang, tote ihn das Kriegsministerium erforderlich macht. Die Hauptschwierig- keit für den neuen Kriegsminister liegt in dem Umstande, daß auch alle hervorragenden Mitarbeiter des Herrn von Heeringen aus den von ihnen geleiteten Ministerialämtern verabschiedet werden. Die drei Direktoren im Kriegsministerium, Generalleutnant von Wandol, Generalleutnant von Staabs und Oberst Adams gehen gleichzeitig mit ihrem bisherigen Vorgesetzten in andere Felder militärischer Tätigkeit über, und ihre Nachfolger kommen ebenfalls nicht aus dem Kriegsministerium. In militärischen Kreisen herrscht die Ueberzeu- gung, daß mit diesem großen Schub der Personalwechsel in der obersten Militärverwaltung noch keineswegs beendet ist. Die einschneidende Umgestaltung des Kriegsministeriums muß schon deshalb einen starken Eindruck Hervorrufen, weil die gleichen Männer, die die großen Wehrvorlagen vorbereitet und im Reichstage schließlich mit Erfolg vertreten haben, nicht mit der Durchführung betraut werden. Mit einem Schlage sind sie von der Bildfläche verschwunden. Eine gewisse Verwunde- runa in dem höheren Ofsizierkorps und selbst
in politischen Kreisen ist also nicht verwunderlich, und die etwa vorhandenen Gründe zu den getroffenen Maßregeln werden überall lebhaft erörtert.
Eine Berufung des Generalmajors von Falkenhahn wird dabei vielfach in erster Linie auf den Einfluß des Generalstabschefs von Moltke zurückgeführt, der ein vollkommenes Einvernehmen ztvischen dem Kriegsministerium und dem höchsten Vertrauensmann des obersten Kriegsherrn wünscht. Die Beziehungen von Moltkes und von Falkenhahns sollen von ausgezeichneter Art sein. Die Spatzen Pfiffen schon längst von den Dächern des Generalstabsgebäudes und des Kriegsministerimns, daß bedeutende Gegensätze zwischen den Generälen von Moltke und von Heeringen beständen. Man erinnert sich, daß vor Einbrinaung der neuen Wehrvorlagen außerordentlich scharfe und sachkundige Ausführungen in der Presse, die dem Kaiser unterbreitet zu werden Pflegen, erschienen, worin die sofortige Erhöhung der Wehrkraft des Reiches gefordert wurde. Bekanntlich hatte Kriegsminister von Heeringen noch bei Beratung der vorjährigen Militärvorlage in bündiger Form die Versicherung abgegeben, daß eine weitere Vergrößerung des Heeres in absehbarer Zeit überflüssig sein werde, weil die Rüstungen für alle Fälle genügten. Eine ganz andere Ansicht wurde beim Generalstab vertreten, und diese ist siegreich durchge- drungen. Für die Wünsche des Reichstages und des Volkes bezüglich der geforderten Gegenleistungen in anbetracht großer finanzieller Opfer ist Kriegsminister von Falkenhavn zunächst ein unbeschriebenes Blatt. Die Nation kommt ihm indes mit der Erwartung cntgegtn, daß er sich mit der Ergebenheit des Heeres auch das Vertrauen des Volkes erwerben wird. — Ein Bruder des jetzigen Kriegsministcrs hat den Kronprinzen in den Geschäften der inneren Verwaltung unterwiesen.
Set Mkanbtmd.
Die allgemeine Lage.
Politische Zeichendeuter wollen aus der Petersburger Meldung, daß Minister Ssasanow trotz der Lage auf dem Balkan in Urlaub gehe, schließen, daß die allgemeine politische Lage nicht allzugefährlich sein könne. Dieser optimistischen Auffassung könnte entgegengehalten werden, daß, einem Drahtbericht aus Paris zufolge, die russische Diplomatie eine Aktion vorbereitet, um sofort nach dem ersten entscheidenden Siege einer der kämpfenden Parteien dem Kriege Einhalt zu tun. Man befürchtet in Paris, daß die Situation auf dem Balkan für den Frieden Europas ernstliche Gefahren in sich schließt, es wird gesagt. daß Rußland von feiner Reschützerrolle der Balkanslaven trotz der letzten schweren Enttäuschung nicht abgehen und eine Zerschmetterung Bulgariens niemals zugeben werde. Andererseits spricht für die Ruhe Europas die Tatsache, daß Kaiser Wilhelm am heutiaeu Mittwoch nach feiner Rückkehr von der Fahrt mit dem Riesendamvfer „Imperator" die Reise nach Nordland antritt. Ueber die Situation in Bulgarien und den Fortgang der Mobilisierung in Rumänien liegen uns die folgenden P r i - vat-Telegramme vor:
Köln, 9. Juli.
Tie „Kölnische Zeitung" meldet aus Sofia: Seit mehreren Tagen werden keine amtlichen Berichte ausaeaeben. Das Ministerium verweigert jede Auskunft. Da auswärtige Post und Zeitungen seit fakt einer ganzen Woche fehlen, so kommen die schnellsten Nachrichten über Konstantinopel in drei Tagen. Aus diesen Zeitungen wird erst ersichtlich, daß eine geringe bulgarische Macht unter General Iwanow der griechischen Uebermacht bei La- hana und Kilkitsch nicht widerstehen konnte, und daß Doira und Serres in griechischen Händen bleiben.
Bukarest, 9. Juli.
Die Mobilisierung der gesamten rumänischen Armee vollzieht sich in musterhafter Weise. Auf sämtlichen Stationen der Strecke Boduieni-Bukarest herrscht eine geradezu unheimliche Lebhaftigkeit. Die Einrückenden werden von der ganzen Bevölkerung der umliegenden Ortschaften begleitet und unter Mustk und enthusiastischen Ansprachen am Zuge verabschiedet. Tie Begeisterung für den Krieg mit Bulgarien ist dem Delirium nahe. Der Ausschank von geistigen Getränken wurde für die Dauer der Mnbilifiertma untersagt.
Der rumänische Minister des Innern hat umfassende Maßnahmen getroffen, damit die landtoirtschaftlichen Arbeiten durch die zurückgebliebenen Frauen, Greise und Kinder sowie durch die nicht eingezogenen Männer besorgt werden.
Der bulgarische Vormarsch.
(Privat « Telegramm.)
Wien, 9. Juli.
Der Korrespondent der „Reichspost" meldet aus Sofia, daß die Armee auf dem Vormarsche
über Ucsküb nach Kotschana vordringe. Unter ungeheuer blutigen Kämpfen wurde der Vormarsch vereitelt. Die serbische Armee ist im Nordwesten und Norden eingeschloffen. Die bulgarische Armee dringt jetzt weiter vor, trotzdem das Hochgebirge des Grenzgebietes große Schwierigkeiten bietet. Die Serben haben angesichts des bulgarischen Vormarsches die Eisenbahn bis Piros zerstört. Die Verbindung mit Ranga ist unterbrochen. Die Eisenbahnbrücken sind zersprengt worden. General Dimitriew erklärte, innerhalb vierundzwanzig Stunden werde die Entscheidung fallen. Heute schickte General Dimitriew seinen persönlichen Adjutanten zu mir, der erklärte, daß die serbisch-griechischen Nachrichten unwahr seien. Die Kriegslage in der Prigalitza ist auf dem Kulminationspunkt. Dort ist das Ende des großen Kampfes in kurzer Zeit zu erwarten. Große bulgarische Banden sind unter der Führung des bekannten Bandenführers Sandanski bei Ues- küb aufgetaucht.
Ein bedrängter General.
(P r i v a t - T e l e g r a m m.)
Sofia, 9. Juli.
Die bulgarischen Truppen fetzten die Offensive gegen Alexinas und Risch fort. Dem General Iwanow, der sich bisher gegen die fast dreifach überlegenen griechischen Streitkräfte in bewundernswerter Defensive hielt und der den Griechen jeden Fuß breit Boden strittig machte, wurde zur Unterstützung die zehnte Division, die bei Dimotika und mit ihren Vor- trupven bei Tschataldscha und Bulair stand, zur Verfügung gestellt Das Eintreffen dieser Truppen wird hier stündlich erwartet. Durch die Verstärkung des Generals Iwanow gift die schwierige Krise auf dem südlichen Schauplatze für überwunden. In hiesigen militärischen Kreisen wird die Situation des serbischen Zentrums als äußerst kritisch bezeichnet.
Vom mittleren Kriegsschauplatz.
(Privat-Telegram m.)
Wien, 9. Juli.
Wie die Militärische Rundschau erfährt, stößt auf dem mittleren Kriegsschauplatz die südliche Flügelgntvve Kowatschews bei Istip auf heftigen serbischen Widerstand. Dagegen befindet sich Kotschana in bulgarischem "MIM Die von Priztina zur Verstärkung herangezo- gene zweite serbische Dima-Division ist in Istip eingetroffen und hat diesen Ort in noch unbekannter Richtung vaffiert. Auf dem südlichen Kriegsschauplätze ist eine Division vo« Verstärkungen der aus dein Abschnitt Doira- Struma zurückgegangenen Tnippen Iwanows aus noch unbekannter Richtung im Anmarsch gemeldet. Infolge des Abbruches sämtlicher Struma-Brücken ist das Vorgehen der Struma- Armee in diesem Abschnitt zum Stillstand gekommen.
Die begeisterten Rumänen.
(Privat-Telegram m.)
Bukarest, 9. Juli.
Als Majoreseo das königliche Schloß verließ, drängte eine zahlreiche Menschenmenge den Wagen des Ministerpräsidenten, hielt ihn auf und verlangte das königliche Dekret mit dex Unterschrift des Königs zu sehen. Mnjo- resco zeigte hierauf der Bevölkerung das Dekret, worauf diele in stürmische Hochrufe auf den König und den Krieg ausbrach.
Fn ernster Zeit.
Rumänien am Scheideweg.
Lange hat Rumänien, das sich jetzt rüstet fein Schwert in der Entscheidung über die Zukunft des Balkans in die Wagschale zu werfen, den Frieden genossen. Seit dem russisch-türkischen Krieg int Jahre 1877, der auch Rumänien in seinen Wirbel riß, hat das Land unbehelligt sich seiner zahlreichen inneren Aufgaben widmen können. Dieser letzte Krieg Rumäniens ist zu gleicher Zeit das ruhmreichste Kapitel in seiner Geschichte. Wer weiß, welchen Ausgang der russisch-türkische Krieg genommen haben würde, wäre nicht König Karol mit seinen Rumänen als Helfer in der Not in die Bresche gesprungen und hätte die Russen vor der Vernichtung bewahrt.
*
Wann wird Rumänien eingreifen?
Ueber die Frage, zu welchem Zeitpunkt mit einem Eingreifen Rumäniens in den Krieg zwischen den bisherigen Verbündeten zu rechnen ist, wird von diplomatischer Sette mitgeteilt: Man hat anfangs geglaubt, die rumänische Mobilisierung habe vor allem den .^weck, den rumänischen Forderungen in der SYltstria- Streitstage größeren Nachdruck zu verleihen. Heute schon darf man überzeugt sein, daß Rumäniens Absichten bei der Mobilisierung über diesen Zweck weit hinausgehen. Rumänien hat sich während der ganzen Balkanwirren der letzten Zeit im Hintergründe gehalten und nur die notwendigen Forderungen geltend gemacht. Es konnte sich damit bescheiden, solange die Entwicklung der Verhältnifle auf dem Balkan zu einer gleichmäßigen Verteilung der politischen Macht zu führen schien. Nun aber, wo es sich
direkt um die Frage des künftigen Ueberge- Wichts auf dem Balkan handelt, ist es für Rumänien Zeit, rechtzeitig zu zeigen, daß man es nicht als quantitö negligeables betrachten darf. Rumänien war bisher der größte und mächtigste der Balkanstaaten. Bei einem Siege Bulgariens in dem jetzigen Kriege würde Bulgarien ihm diesen Rang streitig machen. Es handelt sich für Rumänien jetzt um die künftige
Hegemonie auf dem Balkan, die es selbstverständlich nicht an Bulgarien abzutreten gesonnen ist. Aehnlich liegen die Ver- hältniffe im Hinblick auf Serbien. Auch ein zu mächtiges Erstarken Serbiens bedeutet für Rumänien eine beträchtliche Gefahr. Und im gegenwärtigen Augenblick läßt sich die nächste Zukunft wenig übersehen. Es war also für Rumänien eine selbstverständliche Forderung, daß man unverzüglich an die Mobilisation der Armee ging. Wie Rumänien sich stellen wird, ist jetzt noch ungewiß. Der Zeitpunkt für fein Eingreifen wird da sein, wenn der Steg im neuen Balkankriege entschieden ist. Dann ist es für Rumänien Zeit, ein deutliches Wort in der Frage der Zukunft des Balkans rnitzu- sprechen, und seine tüchtige und toohlgerüstete moderne Armee wird dafür sorgen, daß dieses Wort den nötigen Nachdruck erhält. Man darf in der Existenz Rumäniens die Garantie dafür erblicken, daß der weitere Verlauf der Dinge auf dem Balkan innerhalb der Grenzen bleiben wird, mit denen Europa zufrieden sein tarnt.
8«» einem W-ügsWoffe. Viktor Emanuel von Italien als Sammler. Der König auf der Reise. Ein Feind geräuschvoller Feste. Im Schloß am Meer.
Der König als Zeitungsleser.
Gar manches, was bisher in der Oeffent- lichkeit über den König von Italien gesagt und geschrieben wurde, bedarf der Richtigstellung. Daß er klein von Statur ist, Neigungen zur Demokratie zeigt, als vorzüglicher Gatte und Familienvater gilt, weiß man. Ja, man weiß fogar, daß der dritte König des geeinigten Italiens ein großer Numismatiker ist. Was man sich aber sonst über das Leben im Quirinal erzählt, ist ein seltsames Gemisch von Wahrheit und Dichtung, bei dem die Dichtung auf Kosten der Wahrheit am besten wegkommt. In der Regel glaubt man. der Thron der Savoyer sei Erfchütterungen ausgesetzt, der monarchische Gedanke wäre in Italien wurzellos geworden und die Regierung paktiere nur darum mit der Sozialdemokratie und liebäugele auch mit den unentwegten Republikanern, weil sie sich sonst den antimonarchischen Elementen auf Gnade und Ungnade ergeben müßte. Wer seit Jahren den politischen Strömungen in Italien sein größeres Interesse entgegengebracht hat. wird über solche grundfalsche Anschauunaeu lächeln.
Viktor Emanuel ist wie Kaiser Wilhelm ein höchst reiselustiger Herrscher, der bald hier, bald da weilt und das Auto fleißig benutzt. Aber die Reisen des italienischen Königs befchäftigen nur höchst selten die große Oeffentlichkeit. Am liebsten fährt der König unerkannt durch feine Lande. Er bevorzugt das Inkognito auf seinen Reisen. Und mancher Wirt, der seinen König bei Nacht beherbergt hatte, erfährt erst bei der Abfahrt oder oft noch später, wem er ein freundliches Geleit gegeben hat. König Viktor Emanuel der Dritte Pflegt durch kleine Listen feinem Inkognito eine größere Sicherheit zu geben. Die Einfachheit in feinem Auftreten kommt ihm dabei meisterhaft zu statten. Der König ist gleich seiner Gattin ein geschworener Feind geräuschvoller Empfänge und Festereien, soweit diese nicht zu den Regierungsnottoen- digkeiten und den Aufgaben seines Herrscher- tums gehören.
Man weiß in römischen Hofkreisen feltfame Dinge über die Abneigung des Königspaares gegen das Prunken zu erzählen, das-nun einmal eine notwendige Begleiterscheinung bei allen Hoftesten ist. Vor zwei Jahren hatten die Jubiläumsfeierlichketten und die zahlreichen Ausstellungsfeiern schwere Anforderungen an das Herrscherpaar gestellt. Der König fragte da mehr als einmal: „Was wird bloß das Volk sagen, wenn wir aus den Festen gar nicht mehr herauskommen!" Ihm ist Ruhe und Abgeschiedenheit Lebensbedürfnis. Am wohlsten fühlt er sich zu Hause in San Rossore, einem kleinen Schloß in der Nähe von Pisa, von dem aus das Meer leicht zu erreichen ist, wo für die Kinder Badegelegenheiten eingerichtet sind, oder auch in Raceoniai oben im Viemon- tesischen, von wo aus sich fchnell auf die Pirsch auf Alvenhöhen gehen läßt.
Außer den Regierungsgeschäften, denen der jetzige König mit größtem Pflichteifer nachgeht. so daß von einem Minister erklärt wurde: „Bei unserem König ruht kein Aftenstück länger als vierundzwanzig Stunden!" widmet Viftor Emanuel der Dritte den größten Teil des Tages der Lektüre von Zeitungen. Es dürfte wenige andere Herrscher geben, die mit gleichem Eifer tote er die Zeitungsnachrichten „verschlingen". Italienische (auch die Organe der äußersten Linken), französische und englische Blätter und Revuen lieft er selber, und zwar unausaeicknitiL». die deutschen läßt et