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Casseler Neueste Nachrichten

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Nummer 178

Fernsprecher 951 und 952.

Sonntag, 6. Juli 1913.

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

Zurück zur Front!

Rücktritt des Kriegsministers von Heeria» gen und das Handschreiben des Kaisers.

. Sie haben in dieser Bestim« ntung (der Ernennung zum General- Inspekteur) erneut einen Beweis meines Vertrauens «nd ein Zeichen meiner hohe« Anerkennung der ausgezeichneten Dienste zu erblicken, die Sie in de» verschiedensten Stel­lungen, insonderheit in der bisherigen schweren «nd verantwortungsvollen Stellung als Kriegsminifler, mir und der Armee geleistet haben. And Ich hoffe, dah Ihre reichen Dienster­fahrungen auf dem wichtigen Posten eines Armeeinspekteurs noch lange der Armee zugute kommen werden...!" (Aus dem gestrigen Hand sch reiben des Kaisers an den scheidenden Kriegsminister von Heeringen.)

Josias von Heeringen, der General, scheidet aus dem Amt des Kriegsministers mit einem Seufzer der Erleichterung, und die Sehn­sucht nach der Front, die auch den Vorgänger Karl von Einem, den man den Rotmaler nannte, aus dem Reich der Akten und Erlaffe trieb, führt ihn zurück ins muntre, tatfrohe Eoldatenleben, weit fort von Kabinett und Parlament, frei und unabhängig von Krittlern und Nörglern! Das Kriegsminister-Ami in Preußen und im Reich ist keine Ruhestätte für Müde, keine Heimstatt süßer Träume und kein Werkbcreich schwächlichen Durchschnitts: Der Exzellenzen-Stuhl steht mitten im Kreuzfeuer öffentlicher Kritik, der Kriegsminister ist Kämp­fer ohne Rast, und er darf nicht nur Soldat sein, sondern muß als Politiker, Taktiker und Debatter ebensogut seinen Mann stellen, wie auf dem Exerzierplatz und auf dem Kascrnen- hof. Herr von Heeringen, d?r nun der Kanzlei enteilt, ist Soldat; Soldat durch und durch; hat in vier Jahrzehnten untadliger Dienstleistung reiche Erfahrungen gesammelt und gilt (auch bei Denen, die die bärtge Exzellenz nicht be­wundern) als tüchtiger Kommandeur, als er­probter Spezialist in allen Fragen des militäri­schen Dienstbereichs und als gewissenhafter Offizier in höchst-verantwortlicher Stellung.

Kriegs-Depes chen.

Rur Sieger, keine Besiegte am Balkan; Griechenfieg bei Kilkitsch, Serbenfieg bei Kotschana; bulgarische Kriegs- «nd Siegesmeldungen; die rumänische Armee uuter den Waffen; schwere Anklagen gegen das bulgarische Heer.

Soll man den Berichten aus Belgrad und Athen wirklich vollen Glauben schen­ken, so muß man annehmen, daß die Serben und Griechen von Sieg zu Sieg förmlich tau­meln müssen. Es berührt nach alledem schon fast merkwürdig, daß überhaupt noch ein Bul­gare am Leben sein soll. Daß alle diese Kämpfe, so verlustreich sie auch gewesen fein mögen, nicht Schlachten in strategi­schem Sinne gewesen sind, ersieht man schon daraus, daß sie im Verhältnis zur Zahl der verfügbaren Truppen über viel zu weite Strei­ken Landes auseinandergezogen sind. Die Wahrscheinlichkeit spricht daher dafür, daß die Bulgaren auf dm Punkten, wo die Gegner sich über sie so bedeutende Siege zuschreiben, einem Kampfe ausweichen, um sich auf,einer vorteilhafteren Basis zur eigentlichen Schlacht zu sammeln. Wir verzeichnen die nachfolgenden, heute uns vorliegenden Draht- Meldungen:

Athen, 5. Juli.

Das griechische Hauptquartier hat an den Ministerpräsidenten telegraphiert: Nach leb­haftem Kampfe, der drei Tage gedauert hat, haben wir Kilkitsch erobert. Der Feind wird verfolgt und wir halten Fühlung mit ihm. Ter Geist unserer Truppen ist vorzüg­lich. Die Bulgaren flohen in wilder Un­ordnung gegen das östliche Warda-Ufer.

Belgrad, 5. Juli-

Amtlich wird mitgeteilt, daß gestern dir Schlacht bei K o t s ch a n a mit einem vollstän­digen Siege der Serben geendet hat. Die Bulgaren sollen in wilder Flucht begrif­fen sein. 32 Bataillone mit mehreren Gene­rälen und 1») Geschützen sind den Serben in die Hände gefallen. Die Entscheidungsschlacht ist in der Nähe von K ü st e n d i l zu erwarten. Die V c e l u st e sind auf beiden Seite« über­aus groß.

Sofia, 5. Juli.

Hier eingcgangene Depeschen melden, daß der Vorstoß der Serben in der Richtung nach

sierung Rumäniens ebenso gut einen Wink nach Belgrad und Athen wie nach So­fia bedeute. Zweifellos kann die Mobilisie­rung als eine letzte Aufforderung an Bulgarien gelten, sich den Wünschen Runläni- ens zu fügen, aber sie enthält auch für die Gegner Bulgariens einen deutlichen Finger­zeig, ihre kriegerischen Unternehmungen nicht gar zu weit auszudchncn. Moran erinnert an das Auftreten Oesterreich-Ungarns im serbisch- bulgarischen Kriege, wo die Donaumonarchie den vordringenden Bulgaren an einem be­stimmten Punkte Halt gebot. In diesem Sinne könne das mobile rumänische Heer eine Art Rückendeckung für Bulgarien bedeuten.

Die Schlacht^ber Kilkitsch.

(Amtliche griechische Meldung.)

Athen, 5. Juli.

Ein CommuniquS des K r i e g s Ministe­riums teilt mit: Gestern wurde der Kampf bei Kilkitsch in sehr heftigem Maße wieder ausgenommen. Die griechischen Divisionen erstürmten nacheinander die befestigten Stellungen des Feindes, der sich in seine befe­stigte Stellung sechs bis sieben Kilometer vor Kilkitsch zurttckzog. Der Angriff der feindli­chen Artillerie, die sich in gedeckten Stellungen befand, war sehr heftig. Aus dem äußersten linken Flügel eroberte eine griechische gemischte Abteilung nach schwerem Kampfe Gewghe- Ifi; der Feind floh in Unordnung gegen das östliche Wardarufcr. Während des Neber- gangs beschoß die griechische Gebirgsartillerie die Bulgaren. Auch zwischen Metzokovo und Arda wurde der Kampf fortgesetzt. Auf dem rechten Flügel besetzten die griechischen Trup­pen L h g o v a n i. Bei Lahana wurde eine bulgarische Kompagnie in Stärke von zweihun­dert Mann mit Offizieren von den griechischen Truppen eingeschlosscn. Während des Vorge­hens bei Lygovani erbeuteten die Griechen drei Schnellfeuergeschütze und drei Kruppkanonen.

Als Minister war er, dem eigentlichen Wur­zelboden seiner Kraft entrissen, eine Zufall-Er­scheinung, ein Mann am unrechten Platz, und es darf drum auch nicht wundern, daß er in dem etwas eckig-altpreußischen Milieu des Kabinetts Bethmann Hollweg niemals heimisch, niemalstoaim" und niemals froh geworden, und vom ersten bis zum letzten Tag des Mi­nisterseins die Sehnsucht im Herzen trug, erlöst zu werden von einer Bürde, die seine Achsel schmerzte.

Als er, der Kriegsminister im grauen Bart, als Einems Nachfolger zum ersten Mal im Reichs haus am Berliner Königsplatz er­schien (der Kontrast zwischen dem schneidig-ele­ganten Kavalleristen Einem und demKom­mandeur aus der Provinz" mit der Miene und dem Gebühren eines gereiften Verwaltungs­beamten sprang grell ins Auge), fühlte man: Dieser Soldat in der blanken Uniform des In­fanterie-Generals paßte nicht in den Rahmen der parlamentarischen Szenerie, stand Menschen und Dingen fremd gegenüber und erkannte selbst die Peinlichkeit der Lage, die er weder gewollt noch erstrebt. Das erste Reichstags. Debüt ließ auch die letzte, verschämte Hoffnung sacht entschwinden: Herr von Heeringen (von dem am Tag seiner Berufung geflüstert wurde, er sei einDemosthenes im Kriegerrock" und sein Eintritt ins Ministerium offenbare den Entschluß der höchsten Stelle, Karl von Einems weithin sichtbare parlamentarische Mißerfolge durch einen mit den Gaben der Rede, des Tem­peraments und der Ueberzeugungskrast Begna­deten wettmachen zu lassen) enttäuschte auf der ganzen Linie, von Kanitz bis Ledebour, und das Echo feiner Jungfern-Rede klang wie schrille Dissonanz durchs Land. Der neue Mann fand weder Ton noch Kontakt im parlamen­tarischen Geisterkampf; seine Stimme klang hart, wie ein Felddienst-Bcfehl, und seine Ar­gumentation war die des Vorgesetzten im Ver­kehr mit Untergebnen. Das verstimmte, verbit­terte und weckte Widerstand; die parlamen­tarische Situation des Kriegsministers wurde kritisch und in den Etatkämpfen kam es zu Zu­sammenstößen, die in einem parlamenta­risch regierten Land den Minister unrettbar aus dem Amt gedrängt hätten. Aber Herr Josias von Heeringen war Kriegsminister in Preußen!

Die feierliche Rüstungs-Apotheose im Reichs­tag, die Sicherung der neuen Hceres-Vorlage und die überraschend glückliche Lösung des Mil- liardcn-Problems verklären den Abschied des,

Küstcndil mit einer vol lständigenNie- derlage der Serben geendet hat. Die Serben wurden sogar nach erfolglosen hefti­gen Kämpfen bei Rise und Egri Palanca zum Zurückwcichen gezwungen. Zahlreiche Offi­ziere und serbische Mannschaften wurden ge­fangen genommen.

Bukarest, 5. Juli.

Im ganzen Lande sind alle Urlauber und Reservisten der Jahresklassen 1901 bis 1911 zu den Fahnen einbenffen. Die Ope­rationen und Transporte für die Mobili­sierung beginnen in der Nacht vom Sonn­abend auf Sonntag. Die Mobilisierung der Armee wird mit den aktiv dienenden Solda­ten dreizehn Kontingente von je 40 bis 45 000 Mann umfassen.

Nach diesen Depeschen haben also sowohl die Serben wie die Bulgaren und. Griechen gesiegt, und man fragt sich erstaunt, wer nun eigentlich der Besiegte ist. Die Wiener Reichspost veröfsemlicht in einer Extraaus­gabe eine Depesche ihres Privatkorresponden­ten Wagner in Sofia, in der ein großer bul­garischer Sieg am Owtsche Polje und der Rückzug der Serben auf Uesküb-Komanowo gemeldet werden. Die Schlacht am Owtsche- Polje wütete durch elf Stunden auf einer zehn Kilometer langen Front. Die Schlacht ent­schied nach neunstündigem Kampfe das Ein­treffen einer starken bulgarischen Kolonne von Norden, die die Serben auf dem linken Flügel angriff und mit Umgehung bedrohte, so daß die serbische Armee den Rückzug auf Uesküb antreten mußte. (Dieser Darstellung aus Sofia stehen allerdings die serbischen Kriegsbe­richte direkt entgegen, ebenso die Meldun­gen aus Athen.)

Berliner Juli-Stimmungen.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 5. Juli.

Weit mehr Beachtung als all die Meldun­gen, die heute über neue Zusammenstöße zwischen den Heeren der Balkanstaaten vorlie­gen, finden in maßgebenden Berliner politi­schen Kreisen zwei Tatsachen, die für die Ent- wicklmlg der Dinge auf dem Balkan entschei- dend sein dürften. In erster Linie ist das die jetzt zur Tatsache gewordene Mobilisie­rung der rumänischen Armee. Im Gegensatz zu der vielfach verbreiteten Annahme, daß dieser Schritt Rumäniens die äußerste Feindseligkeit gegenüber Bulgarien bedeute, ist tau in Berlin der Meinung, daß die Mobili­

Vor der Entscheidungs-Schlacht? (Privat-Telegram m.)

Sofia, 5. Juli.

Die serbische Driua-Division, die am süd­lichen Flügel der serbischen Hauptarmee bei Ko- prülü stand, wurde nach hier eingegangenen Depeschen unter schweren Verlusten ge­gen Uesküb zurückgeworfen. Damit sei die Umzingelung der serbischen Hauptarmee vollzogen. Eine weitere Depesche meldet, daß bei K o p r ü! ü mit großer Erbitterung ge­kämpft werde. Das Gros der serbischen Ar­mee war nicht imstande, die bulgarischen Stel­lungen zu erobern, wodurch die serbische Armee abgrhalten ist, die Offensive auf Küstendil zu beginnen. Run hat auch der südliche Flügel eine empfindliche Niederlage erlitten und die Besetzung Kopriilüs durch die Bulgaren steht bevor. Die Schlacht auf dem Schaffelde wütete elf Stunden lang. Erst ein überraschender An­griff bulgarischer Hilfskolonuen, die die Serben an ihrem linken Flügel angriffen, zwang die serbische Armee, den Rückzug in der Richtung auf Uesküb anzutreten. Durch diesen bulgari­schen Sieg sind die Serben genötigt, auf die Linie Uesküb-Kumanowo zurückzuweichen.

Kciegsgreuel der Bulgaren.

(Privat-Telegram m.)

Athen, 8. Juli.

Die hiesigen Blätter bringen lange Erzäh­lungen über .bulgarische Greueltaten: So sollen die Bulgaren bei Nigrita 500 grie- chische Familien «iedergemacht ha­ben. Die Blätter vergleiche« die bulgarische Armee mit dem Heer Attillas. Ferner wird bekannt, dah eine bulgarische Frau sich unter den Kriegsgefangenen befand, die angeblich ihre« Mann beerdigen wollte. Die Teilnehmer au der Beerdigung seien verkleidete bulgarische Komikatschis gewesen, und im Sarge hätten sich anstatt der Leiche des Bulgaren Bomben befunden, die man in das griechische Lager hineinbringe,l wollte. Zweihundert kretische Soldaten sind gestern in Athen angekommen und mit großem Jubel empfangen worden. Die heutigen Morgenblätter versichern übereinstim­mend, daß der bulgarische Gesandte, der dem geftrigen Empfang beim Minister des Aeußeren nicht mehr beiwohnte, noch im Laufe des heu­tigen Tages Athen verlassen werde und daß ihm seine Pässe bereits zuactzellt seien.

Kriegsministers wie spätes Abendrot den regen- dunklen Tag. Das Handschreiben des Kaisers an den Scheidenden gedenkt mit besondrer An­erkennung derausgezeichneten Dienste", die er insonderheit in der bisherigen schweren und verantwortungsvollen Stellung als Kriegs- Minister" der Krone und der Armee geleistet. Man darf annehmen, daß diese kaiserliche An­erkennung sich in erster Linie auf die Mitwir­kung des Kriegsministers bei der parlamentari­schen Erledigung der Heeres-Vorlage bezieht und also gewissermaßen die Begleit-Adresse zu dem Oelbild-Geschenk darstellt, das nach der Ver­abschiedung der Heeres-Vorlage Heim von Heeringen als kaiserliche Auszeichnung über­reicht wurde. Nun ist allerdings die Heeres- Vorlage (wenigstens soweit ihre parlamen­tarische Erledigung in Frage kommt) vollen­det worden, ohne daß für den Kriegsminister aus dem Kampf um Rüstung und Milliarde auch nur das winzigste Lorbeer-Reislein ent­sprossen wäre; im Gegenteil: Die Taktik Hee- ringens, ohne jede tatsächliche Fühlung mit Parlament und Oeffentlichkett, hat der Verab­schiedung der Vorlage Schwierigkeiten bereitet, die ein parlamentarisch g eschulter Minister nicht hätte aufkommen lassen dürfen, ohne sich selbst und sein Amt zu gefährden. Aber Herr von Heeringen war, als er auf dem Ministerstuhl saß, st e t s und nur Soldat, und nun, da er geschieden, erfreut durch kaiser­liche Anerkennung seiner Dienste bleibt für die nicht trauernd Hinterbliebenen wenigstens die eine Hoffnung, daß der im letzten Satz des kaiserlichen Handschreibens ausgedrückte Wunsch sich noch erfüllen möge ...! F. H.

Der scheidende Kriegsminister.

Freiherr Josias von Heeringen ist am 9. März 1850 in Cassel geboren, wo fein Vater, dessen Vorname gleichfalls Josias lau­tete, Chefpräsident der Verwalttrng des kurhesst- schen Fideikommisses war. Er trat 1867 in das Füsilier-Regiment Nr. 80 ein, machte den fran- zösischen Krieg als Leutnant mit, wurde 1880 Hauptmann im Generalstab, 1887 als Major zum Kriegsministerium kommandiert, 1895 Oberst und Kommandeur des 117. Infanterie- regiment, 1898 Generalmajor und Direktor deS Armeeverwaltungsdepartements im Kriegs­ministerium, 1901 Generalleutnant, 1903 Kom­mandeur der 22. Division, 1906 General der In­fanterie und Kommandeur des zweiten Armee­korps in Stettin. Im August 1909 wurde er dann zum Kriegsminister ernannt als Nachfol­ger Herrn von Einems, der damals zurücktrat und Kommandeur des siebenten Armeekorps in Münster i. W. wurde.

Zer Kaiser» Rordlaudfahrt.

Intimes von der Rordlandrelse des Kai­sers; die Kaiserfahrt «nd die Politik.

Nach Beendigung der Kieler Woche tritt der Deutsche Kaiser am achten Juli seine dies­jährige Nordlandreise an. Es gibt Skep­tiker, die allerdings im Augenblick bezweifeln, ob die Jacht des Kaisers in diesem Jahre wirk­lich die nordischen Gestade sehen wird Der neue Ausbruch des B alkan kri e g es könnte nach ihrer Meinung unter Umständen die Abwesen­heit des Kaisers von der Heimat als nicht er­wünscht erscheinen lassen. Wir erhalten dazu folgende MitteUungen aus unterrichteten po­litischen Kreisen:

Kaiser-Fahrt und Politik.

(Information unseres W. ^.-Mitarbeiters.)

Berlin, 5. Juli.

Die Befürchtungen wegen eines etwaigen Ausfalls oder einer Abkürzung der diesjährigen Nordlandfahrt des Kaisers wegen der neuen Balkankrise werden hier nicht ernst genommen, schon deshalb nicht, weil man im Augenblick an de« Berliner maßgebenden Stel­len, wo man genau über die finanzielle Situ­ation der Kriegsführenden unterrichtet ist, nicht an eine lange Dauer der neuen Balkanzwistigkeiten glaubt. Und ferner braucht man sich nur daran zu erinnern, daß vor zwei Jahren die politische Situation viel kriti­scher war und trotzdem die Nordlandreise kei­nen Auffchub erfuhr. Damals hatte eben die gefährliche Marokko-Diskussion zwischen Deutschland und Frankreich begonnen, damals waren wir an den Schwierigkeiten der äußeren Lage direkt beteiligt, kriegerische Ver­wicklungen standen (wie man aus späteren Aeußerungen des Herrn von Kiderlen weiß) durchaus im Bereiche der Möglichkeit und trotzdem wurde die Nordlandreise nicht auf- geschoben. So lange Wilhelm der Zweite Kai­ser ist, ist sie

in jedem Jahre unternommen worden; wenn sie nun zum ersten Male auS- fiele, würde das der ganzen Welt als bedroh- liches Svmptom einer allgemeinen Gefahr