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Hessische Abendzeitung
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Nummer 175
Donnerstag, 3. Juli 1913
Fernsprecher 951 und 952.
3. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952.
Balkan-Schlachten.
Sin Privat-Telegramm meldet uns aus Belgrad: entgegen den bulgarischen Nachrichten wird offiziell bekannt gegeben, daß die Bulgaren auf allen Linien unter großen Verlusten zurückgeschlagen worden sind. Die Bulgaren hatten zahlreiche Tote und Verwundete und ließen sehr viele Gefangene zurück. Jstip und Kotschana wurden nach blutigem Kampfe von den Serben besetzt.
FubMums-Gnade.
Die Geschichte zweier Begnadigungen.
Auf Grund der beim Regierungsjubiläum des Kaisers erlassenen Amnestie ist jetzt der Lokomotivführer Platten, dem (wie erinnerlich) die Schuld an dem Eisen- bahnunglück bei Müllheim (Baden) zugeschrieben wird, vom Großherzog von Baden begnadigt worden. Er ist bereits aus der Strafanstalt entlassen worden. Platten war von der Strafkammer in Freiburg zu einer Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt worden.
Die Jubiläums-Gnade hat also einen Mann aus der Keckerzelle erlöst, besten Verdammung zu langer Freiheitsstrafe allgemeines Mitleid mit dem Opfer geweckt. Der Lokomotiv-Führer Platten, in dem das Gericht den Urheber der Müllheimer Eisenbahn-Katastrophe erkannte, und dessen Schuld die sühne-heischende Gerechtigkeit mit zweieinhalb Jahren Gefängnis zu ahnden sich verpflichtet sah, ist nach eigner und einwandfreier Zeugen Beteuerung das Opfer unglücklicher Zufall- und Verhängnis- Veckettung geworden, hat weder dienstliche Pflicht, noch menschliches Gewissengebot verletzt und wurde trotzdem schuldig, wurde zum Träger der Verantwortung am Schreckensende von zwölf Menschenleben. Der Prozeß gegen den im Dienst Ergrauten war psychologisch vielleicht weit interessanter als rein-strafrechtlich: Man sah in dem forensischen Schauspiel, dessen Mittelpunkt ein Menschen-Schicksal war und in dessen düstrem Hintergrund die Schreckensszenen des Müllheimer Eisenbahn-Dramas gespenstisch aufleuchteten, einen braven, pflichtgetreuen, in jahrzehntelanger Dienstleistung von keines Tadels, keines Vorwurfs Hauch bemakelten Beamten um Ehre, Namen, Amt und Schicksal ringen; sah, wie die Kette unglückseliger Zufälligkeiten sich zur Schuldfessel der Gerechtigkeit schloß und empfand doch, als die Richter ihr Urteil gesprochen, daß der dem Kerker Ueberant- wortete kein Verbrecher war, kein Frevler am Leben des Nächsten und kein gewissenloser Sünder, der leichtsinnig und nachlässig mit Menschen-Schicksal gespielt. Trotzdem: Der Wille des Gesetzes sprach Platten schuldig; der Buchstabe des Rechts entschied gegen ihn, der sicher nie gewußt, in welcher Handlung, welcher Unterlassung seine Schuld sich oflenbart. Daß nun, nach ein paar Monden Kerkerhaft, die Jubiläums-Gnade ihn erlöst, stimmt versöhnlich und mildert die Härte eines Schicksals, das mehr grausam als gerecht gewesen.
Ein andrer Fall. Im Lande Anhalt hat Fürstengnade einen Mann vorm Zuchthaus bewahrt, den die Gerechtigkeit der Verleitung zum Meineid schuldig erkannt und der (wie in der Prozeßverhandlung erwiesen wurde) dieses Verbrechen aus gemeinen Motiven: Aus Habgier und Eigennutz begangen hatte. Der Herzogliche Oberamtmann, Landtagsabgeordnete ». Gutsbesitzer Meißner aus Jonitz, der einen in seinem Sold stehenden Bedienten aus Habgier und Eigennutz zur Abgabe falschen Zeugnisses verleitet, war der Erste, dem im Anhaltiner-Herzogtum die Jubiläums-Gnade erstrahlte: Noch am Tag des Amnestie-Er- lasses öffneten sich ihm, der in der Untersuchungshaft der Rechtskraftwerdung des Zuchtbaus-Urteils entgegenharrte, die Tore des Gefängnisses, und der eines gemeinen, aus niedrigen Motiven begangnen Verbrechens Ueber- führte ging heim, ein freier Mann, vor Sühne und Zuchthaus bewahrt durch Fürstengnade und Schicksalhuld. In dem Jubiläums-Amnestic- Erlaß aber hieß es, daß die Gnade des Fürstenwillens „vornehmlich solchen Personen zuteil werden solle, die zu ihren Straftaten durch Not, Leichtsinn, Unbesonnenheit oder Verführung veranlaßt worden seien." War der Oberamtmann Meißner aus Jonitz in N o t? War er ein Opfer entschuldbarer Unbesonnenheit, oder in die Fesseln verhängnisvoller Verführung verstrickt? War er, der Oberamtmann und Landtags-Abgeordnete, den Lockungen des Leichtsinns erlegen? Nein: Vor Gericht wurde erwiesen, daß er aus Habgier und niedrigem Eigennutz gehandelt. Und menschliches Rechtsempfinden fragt: Gabs im Anhalter Land keinen Würdiger», Mitleid-Wertern und Gnade-Bedürf- tigern als diesen Verbrecher aus Eigennutz und Habgier?
Als die Jubiläums-Amnestie bekannt gegeben wurde, vernahmen wir die tröstliche Kunde, daß in den Staatsanwaltschafts-Kanzleien Tag und Nacht gearbeitet werde, um „das Material zu ordnen" und „Vorschläge für die Ausdehnung der Gnadenakte zu ma- ien“. Der Wille der gnade-übenden Fürsten
Am Balkan hat nun der K c. m p f auf der ganzen Linie begonnen und die Nachricht, die Feindseligkeiten seien gestern unterbrochen worden, beruht auf einem Irrtum. Die Kämpfe wurden im Gegenteil gestern vormittag mit großer Heftigkeit fortgesetzt. Die serbischen Truppen rückten in der Richtung Jstip und Kotschana vor. Eine bulgarische Kompagnie wurde bei einem Angriff der ferbischen Truppen bei Trogerod von der serbischen Infanterie mit dem Bajonett zurückgeschlagen und umzingelt, worauf sie sich ergab. Wir erhalten darüber folgende Draht-Meldungen:
Belgrad, 2. Juli.
Die bulgarischen Stellungen bei Jstip wurden gestern von den serbischen Truppen mit dem Bajonett erstürmt und das zurückweichende bulgarische Heer noch zehn Kilometer weiter verfolgt. Ebenso soll Kölsch a n a erobert sein. Die Bulgaren wurden aus Gewgeli und Kripolak unter großen Verlusten vertrieben. Die serbische Regierung nahm de» ihr aufgedrungenen Kriegszustand an und wies das Oberkom- nrando an,selbständig vorzugehen.
Sofia, 2. Juli,
Der an die bulgarischen Truppen ergangene Befehl zur Einstellung der Operationen gegen die Serben wurde erneuert und ein Parlamentär an die Serben entsandt, um diesen vorzuschlagen, ebenfalls ihre Operationen einzustellen. Sollten die Serben diesen Vorschlag zurückweisen und wieder zum Angriff übergehen, so würden die bulgarischen Truppenkommandanten den Befehl erhalten, zur Offensive überzugehen.
Bukarest, 2. Juli.
Eine endgültige Entscheidung ist hier noch nicht getroffen worden, aber nach Auffassung der maßgebenden Kreise kann es nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, daß Rumänien sofort mobilisieren und in Bulgarien einrücken wird, sobald es feststeht, daß Serbien und Bulgarien sich im Kriegszustand befinden. Alle Vorbereitungen für eine kriegerische Attion sind getroffen und in der Do- brutscha stehen zwei Korps marschbereit.
Ein weiteres Privat-Telegramm berichtet uns aus Belgrad: Die serbische Regierung meldete den hiesigen Gesandten, sowie allen serbischen Gesandten im Ausland, Serbien befinde sich in einem ihm aufgedrungenen Kriegszustand. Der montenegrinische Premierminister General Wukotitsch ist gestern von Belgrad nach Uesküb aögereist. Er wird das Kommando über das montenegrinische Hilfskorps übernehmen. Der rumänische Gesandte Philaleti hatte eine lange Unterredung mit Pasitsch über das diplomatische und militärische Zusammengehen zwischen Rumänien und Serbien.
Die bulgarische Niederlage.
(Amtliche serbische Meldung.) Belgrad, 2. Juli.
Das amtliche serbische Preffebureau gibt über die Kämpfe, die sich bis gestern abspielten, folgenden Bericht heraus: Bulgarische T r u p p e n der regulären Armee in Stärke von 100 000 Mann überschritten am 30. Juni um zwei Uhr nachmittags die Demarkationslinie bei den Ortschaften Djevdjelia, Retli, Bukwi sowie bei den Flüssen Bereganica und Sletowa, wo die bulgarischen Angriffe de» ganzen Tag über andauerten. Obwohl nur die serbischen Truppen der Avantgarde beteiligt waren, die an Zahl den bulgarischen Truppen bei weitem unterlegen waren, hatten sie doch am Abend die Stellungen behauptet, die sic am Morgen innegehabt hatten. Zwanzig bulgarische Offiziere, achtundfünfzig Untcrosfiziere und über siebenhundert Mann wurden gefangen genommen. Unsere Verluste sind noch nicht bekannt. Die Bulgaren wurden bei den beiden genannten Flüssen zurückgetrieben.
Ein neues Knmanowv?
(Privat-Telegramm.)
Belgrad, 2. Juli.
Zwischen Serben und Bulgaren hat gestern eine neue Schlacht begonnen, von einem Umfange ähnlich derjenigen bei K u m a n o - w o. Tic Linie dehnt sich über 70 Kilometer aus. Beide Armeen sind je 100 000 Mann stark. Tie Hauptstellungb befand sich bei Jstip.
Die Bulgaren hatten ihren Angriff auf das sorgfältigste vorbereitet, dabei jedoch zu einem verabscheuungswürdigen Mittel gegriffen. Am 29. Juni hatten sie die serbischen Offiziere zu einem Bankett eingeladen unter dem Vorgeben, daß die beiderseitigen Regierungen das Schiedsgericht angenommen hätten. Sie begleiteten ihre Gäste dann noch eine Strecke Weges. Wenige Minuten später aber wurde der Befehl zum Angriff gegeben, bei dem sämtliche eingeladenen Offiziere fielen. Tie serbischen Truppen erholten sich aber schnell von der Ueberraschung und es entspann sich ein mörderischer Kampf. Die serbische Armee nahm im heldenmütigen Sturm die die Umgebung beherrschenden Höhen und machte zahlreiche Gefangene.
Die Kämpfe in Saloniki.
(Privat-Telegramm.)
Saloniki, 2. Juli.
Die Straßen, in denen gestern der nächtliche Kampf getobt hat, bieten ein Bild schrecklicher Verwüstung. Die Mauern der Häuser, in denen die bulgarischen Truppen sich aufhielten, zeigen die Spuren der Geschosse von Gewehren und Kanonen; besonders schwer hat die Hamidiehstratze gelitten. Um sechs Uhr ftüh ist gestern auf der bisher von den Bulgaren besetzt gehalten Hagia Sophia die griechische Fl a g g e gehißt worden. Etwa 500 Mann er gaben sich, während die übrigen 500 Mann der bulgarischen Besatzung den Heldentod starben. Die entwaffneten bulgarischen Soldaten wurden durch eine starke Eskorte abgeführt. Nach einer Meldung aus Uesküb wurde gestern K r u p i s ch t a von den serbischen Truppen nach einem blutigen Kampfe genommen. Die Schlacht war furchtbar mörderisch, und auf beiden Seiten wurden vieleTausendegr- tötet und verwundet. Zwei bulgarische Bataillone wurden von den Serben gefangen genommen.
Bulgarische Kriegsberichte.
(Meldung der Agence Bulgare.)
Sofia, 2. Juli.
Der Generalstab erhielt im Laufe der Nacht folgende Meldungen: Die Operationen gegen die Griechen sind bereits gestern im Laufe des Tages eingestellt worden, da die Griechen ihre Angriffe nicht mehr erneuert haben. Das Ergebnis der gestrigen Kämpfe war für die Griechen ungünstig, die nach einem heftigen Gegenangriff gänzlich geschlagen und auf dem rechten Ufer der Struma südlich vom Tachinc-See verfolgt wurden. Die Bulgaren haben sich in ihren neuen Stellungen verschanzt. Westlich von Doiran haben die Bulgaren eine serbisch-griechische Kolonne zurückgeschlagen, die sie dann verfolgten. Nach blutigem Kampfe haben sie Gewgeli genommen und sich dort verschanzt. Der an die bulgarischen Truppen ergangene Befehl, das Vorgehen gegen die Serben einzustellen, ist erneuert worden. Bei dieser Gelegenheit wurde ein Parlamentär entsandt, um den Serben vorzuschlagen, gleichfalls die Aktion einzustellen.
Die Schlacht bei Jstip.
(Privat-Telegramm.)
Belgrad, 2. Juli.
Während der gestrigen Kämpfe bei Jstip nahmen die Serben bei Ravutfcha nördlich von Jstip an der Straße nach Kotschana zwanzig bulgarische Offiziere, achtundsechzig Unteroffiziere und siebenhundert Mann gefangen. Seit Tagesgrauen gestern morgen dauerte dcr Kampf bis vier Uhr nachmittags mit «nge- minderter Heftigkeit fort. Da wurde plötzlich in den bulgarischen Linien eine weist e Fahne sichtbar. Zwei höhere bulgarische Offiziere kamen zu dem serbischen Truppen- führer und baten im Namen des bulgarischen Hauptquartiers, die Feindseligkeiten einzustellen. Es sei ein Einverständnis in diesem Sinne zwischen beiden Hauptquartieren erzielt worden. Ta es sich jedoch herausstellte, daß die Information falsch war und die Bulgaren, denen cs überall schlecht geht, nur nach einer Gelegenheit suchen, sich zu erholen, wurde das Ersuchen abgelehnt. Der Kampf wurde wieder aufgenommen und die Bulgaren zurückgeworfen.
war klar und bestimmt,. war menschlich-edel und gerecht: In erster Linie Gnade Denen, die durch menschliche Schwächen aus den Weg der Sünde gedrängt, durch Not oder Verführung Opfer der Schuld wurden! Die Kriminal-Statistik und dir Veröffentlichungen mcnschlich-fühlender und mensch- lich-tröstcnder Strafanstalts-Geistlicher erzählen uns Tragödien über Tragödien, die hinter düster-grauen Kerkermauern ihren katastrophalen Abschluß sanden; zeigen uns, wie in achtzig von hundert Fällen grade die Rot und der Leichtsinn, die Unbesonnenheit und die Verführung es waren, die den Weg zum Gefängnis und zum Zuchthaus bahnten, und wer mit Herz und Empfinden diese Statistik grausamen Schicksals liest, fühlt, auch wenn er unbedingter Anhänger des harten Grundsatzes „Fiat Justitia!“ ist, aufrichtiges Mitleid mit jenen unglücklichen Opfern der Not, des Leichtsinns, der Unbesonnenheit und der Verführung, die in enger Zelle die Sünde eines flücht'gcn Augenblicks mit harter Strafe büßen. Der Lokomo« tivftihrer Platten gehörte nicht zu ihnen: Er wurde ein Opfer unglücksel'ger Zufall-Verkettung und seine Begnadigung ist ein Tribut an die Gerechtigkeit menschlichen Empfindens. Auch der Oberamtmann Meißner gehört nicht zu ihnen: Ihn führten Habgier und Eigennutz auf die Bahn des Verbrechens, und die Fürstengnade, die ihn aus dem Zuchthaus errettetet, läßt jenen menschlich-idealen Hauch vermissen, der die Jubiläums-Amnestie in ihrer gerechten Rücksichtnahme auf die Opfer mensch- licher Schwäche so feierlich-ernst verklärte...!
F. H.
W türkische Tragödien. Auf dem Konstantinopeler SulLan-Bajafid« Platz: Elfter und viernndzwanzigster Juni.
(Von unfeim H. von G. - Mitarbeiter.)
Konstantinopel, Ende Juni.
Kein Fremder, der nach Konstantinopel kommt, versäumt, den Sutan - Bajasid- Platz zu besuchen. Er ist einer der schönsten und stimmungsvollsten. Seinen Namen hat er von der stattlichen Bajastd- oder Taubenmoschee, in deren Hose und näheren Umgebung man das türkische Leben noch unverfälscht beobachten kann. In dem Schatten der hohen Platanen, die die Moschee wie mit einem grünen Rahmen umgeben, träumt sich's süß bei einer Tasse schwarzen Kaffees und einem gurgelnden Nargileh, und angenehm ist es, den muntern Tauben zuzuschauen, die in großen Scharen den Moscheenhof und den Platz Meßen. Auf der andern Seite schließt sich das mächtige Gebäude des Kriegsmini- steriums mft dem großen Exerzierplätze und dem wuchtigen Eingangstor an. Etwas seitwärts davon erhebt sich auf dem Exerzierplätze der schlanke Seraskeratsturm, ein Wahrzeichen Stambuls, weithin sichtbar, von dessen Spitze Tag und Nacht ein Feuerwächter Ausschau hält. Neben dem Kriegsministerium verschwindet säst das Finanzministerium, gleichfalls ein stattlicher Bau, aber nüchtern und trostlos wie die türkischen Finanzen selbst. Die beiden andern Seiten des Platzes werden von kleinen Holzhäusern gebildet, 7oie sie in Stambul zu Tausenden zu sehen sind. Aus dem Tore des Kriegsministeriums kam am elften Juni geger- halb elf Uhr früh der
Großwefir Mahmud Schewket in seinem Automobil gefahren und wollte sich nach der Hohen Pforte begeben, die nicht weit davon liegt. Bei der Einmündung der „Divan Jolu" (Straße des Divans) mußte das Automobil halten, weil die Straße durch Schutt und Baumaterial verfperrt War und auch eben ein Leichenzug vorüberzog. In demselben Augenblick kam ein Automobil an« gefahren, dessen Insassen auf den Großwestr etwa sechzehn Schüsse abseuerteu. Tödlich verletzt, wurde Mahmud Schewket ins Kriegsministerium zurückgebracht, wo er etne halbe Stunde später verschied. . .? Am Hier« undzwanzigsten Juni, sehr früh am Morgen, war der Bajasidplatz abermals der Schauplatz einer Tragödie. Auf der ungepflasterten Stelle vor dem Tore des Kriegsministeriums wurden in dieser Nacht zwölf Galgen im Halbkreise aufgestellt, jeder aus drei Brettern zusammengebunden. Nach drei Uhr früh wurde es lebendig. Militär marschiert» auf und bildete eine dichte Kette um die Nichtfiätte. Auch Hunderte von Neugierigen stellten sich trotz der frühen Stunde ein. Derwische und Hodschas sangen Totengebete. Da, ein Trompetenstoß, und aus dem Tore schritt seste« Schrittes, begleitet von drei Soldaten, eine stramme Gestalt im Totenhemd. Es ist Hauptmann Kiasim, einer der Anstifter der
Verschwörung gegen die Negierung, der jetzt seine Tat mit seinem Leben sühnt. Er hieß immer der „Palabradschi", weil er so gern „Palabres" machte, so gern schwätzte; wie um seinem Spitznamen Ehre zu machen, mußte er im Angesichte des Todes noch reden;