Einzelbild herunterladen
 

Hessische Abendzeitung

Nummer 174

Mittwoch, 2. Juli 1913

Fernsprecher 951 «nd 952.

Fernsprecher 951 und 952.

3* Jahrgang.

In

hervor.

She vaffeler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der Av5,imementSpreiS beträgt monatlich 60 Pfg. bei freier Zustellung ins HauS. Bestellungen l0B5' jederzeit von der Geschäftsstelle ober den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redamon: Echlachchofstrabs 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bis 8 Uhr abenbä. Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bi« 8 Uhr abends. Berliner Vertrelung: SW Friedrtchstr. 16, Telephon: Amt Moritzplatz 12584

sen. Der Thronfolger kam im Separatzug, und es heißt, daß sein Kommen mit der geplanten AbdankungdeSKönigsim Zusammen­hang steht. König Peter erklärte nämlich, daß er seine Zustimmung zu einem Bruderkriege niemals geben würde. Nachdem dieser Krieg nun aber doch unabwendbar geworden, erhalt sich in Belgrad das Gerücht, daß Prinz AlexanderdenThronbesteigen solle Ein Thronwechsel in solchen kritischen Zeiten ist freilich wenig glaubwürdig, trotzdem wird die Nachricht darüber in Belgrad verbreitet, ohne von offizieller Seite dementiert zu werden. Selbst die offiziöse Preffe bringt die Nach­richt von der plötzlichen Rückkehr des Thron­folgers in einer sehr auffälligen Form. Auch Prinz Georg, der frühere Kronprinz, ist unver­mutet hier eingetroffen.

JnserttonSprels-: Di- s-chsg-spalten- gelte für einheimisch- Geschäfte 15 Pfg., für aus roärttge Inserats K Bf. Reklame,eil- für einheimisch« Geschäfte 40 Pf, für auswärtige' Geschäfte SO Pf. Einfache Beilagen für die Gesamtaustage werden mit 5 Mark pro Tausend be­rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgebung sind die Casseler Neuesten Nachrichten ein vorzüglicher JnsertlonSorgan. Geschäftsstelle: Kölnisch« Straße 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzplatz 12584.

bereiteten. Bassermann beantragte die Nachbe­willigung der gestrichenen drei Reiterre­gimenter. Zum Wort meldete sich nie­mand; noch nicht einmal ein Sozialdemokrat.

nach der Londoner Friedens-Apotheose eine treffliche Illustration europäisch-großmächtiger Versöhnungspolitik!

Es war vorauszusehen, daß am Bal­kan noch nicht der letzte Schuß gefallen sei. Die Gegensätze zwischen Bulgarien, Serbien, Grie­chenland und Rumänien haben in den letzten Wochen eine derartige Verschärfung erfahren, daß die Verhütung kriegerischen Konflikts nur möglich gewesen wäre, wenn ein einig-starkes, zu energischer Tat entschloffnes Europa die Zaunkönige am Balkan zu zügeln vermocht, wenn der Friedenswille der Großmächte aus­gereicht hätte, den gefährlichen Tatendrang der nach dem Siegesrausch ins Heldenmaß gereckten Männer in Sofia, Belgrad, Athen und Bukarest klug zu dämpfen. Am Londoner Friedenstisch sitzen feit Monden die Botschafter der sechs Großmächte versammelt, nach der kümmerlichen Sicherung des Türkenfriedens versunken in die Lösung des schicksalschweren Problems, dem Albanierland Grenze und Lebensform zu geben. Was derweil in den Balkanbergen sich ereignet, was in Serbien und Bulgarien sich an gefähr­lichem Zündstoff angehäust, scheint Auge und Ohr der Friedensengel sacht entgangen zu sein, denn zum Ende der letzten Woche, als man unterm Vorsitz Sir Edward Greys wieder ein­mal versammelt war zu nützlicher Tat, ersann erprobte Diplomaten-Taktik als einz'gen Aus­weg aus der Wirrsal Häufung den klugen Rat, das Friedensmänner-Kollegium auf unbe­stimmte Zeit zu vertagen. Dieser Polittk des Vogel Sttauß haben nun die Balkanier die wie ein Alarm-Signal über die Erde Europas dröhnende Antwort folgen lassen: Die Kanonen vor Jstip, Walandowa und Kotschani donnern die Kriegs-Ouvertüre!

leicht gelingt es den Drahtziehern des ersten Balkankriegs, die an der Newa und an der Themse, fern vom Schutz, die Balkan-Puppen gängelten, die Gefahr einer Katastrophe abzu- wenden und den Kampf um die Beute der Bal­kanier ohne den Zwang eines zweiten Waffen- gangs zu schlichten; vielleicht: Daß dieser Krieg aber überhaupt möglich geworden, daß bei Jstip, Walandowa und Kotschani die Ka­nonen donnern, während in London die Bot. schafter-Konferenz der Sommer-R^e pflegt: Das ist das Typische dieser neuen Balkan- Groteske, das Charakteristikum europäischer Großmacht-Ohnmacht...! F. H.

ges ankündigen. Tie plötzliche Rückkehr des Thronfolgers Alexander aus UeSküb nach Bel-

Sie Kanonen donnern.

Die Ouvertüre des zweite« Balkankriegs; Kampfbeginn ohne jede Kriegserklärung.

Bei Jstip, Walandowa und Kotschani don­nern die Kanonen: Die Ouvertüre des Bru­derkriegs am Balkan hat begonnen! Wie der Funke unter der Asche sich im Sturm zur Feuerlohe entwickelt, ist dieser Krieg der Bal­kanier durch die Leidenschaften der Völker ent­facht worden, und der Beginn des ersten Akts dieses brüderlichen Kriegsspiels entspricht durch­aus dem politisch-kulturellen und sittlich-recht­lichen Milieu, das sich dem Europäer-Auge am Balkan als Staatsgebild-Wesen präsentiert. Als derheil'ge Kreuzzug" wider den Halbmond bröckelnder Türkenmacht in Manifesten und Proklamationen als Mission der Slaven-Volk­heit gepredigt wurde, stieg als erster Schild­träger der Balkanier Nikita von Montenegro mit dem Fähnlein der Getreuen von den Ber­gen nieder, bornierte bei Podgoritza dem Sul­tan der Türkei aus dem ehernen Munde der Kanonen grimmige Fehdekunde entgegen und überraschte das herbstlich-müde Europa durch das Schauspiel einer Kriegs-Premiere, wie sie in dieser Form grotesker Karikierung die Ge­schichte fast nicht kennt. Und nun Olt auch der aus Groll und Haß gehonte, von Kundigen längst als unvermeidlich erkannte Kampf un­ter den einstVerbündeten" begonnen, wie eine balkanische Räubergeschichte: Ohne Kriegs­erklärung, ohne Rücksichtnahme auf die durch Völkerrecht und Kulturgebot geheiligten Regeln internationalen Geschäftsverkehrs und ohne Erfüllung derjenigen Voraussetzungen, die im Konfliktsfall zwischen Kultur-Völkern beim Appell an Wehr und Waffen üblich und bräuch- lich sind. Bulgarien hat bei Jstip die Serben angegriffen und bei Elefterion haben die Grie­chen versucht, durch einen plötzlichen Angriff die Bulgaren zu überrumpeln: Ein paar Wochen

Wer begann den Krieg?

(Amtliche bulgarische Meldung.)

Sofia, 1. Juli.

Die bulgarische Regierung hat gestern die Vertreter Bulgariens in Belgrad und Athen be­auftragt, gegen die neuerlichen serbischen und griechischen Zwischenfälle und gegen die Zusammenziehung serbischer und griechischer Truppen zu protestieren. Aus die bulga­rische Verbalnote antwortete die serbische Regierung, daß die Behauptung der bulgari­schen Regierung, serbische und griechische Trup­pen hätten bei Elefthera und Zlatowo bulga­rische Truppen angegriffen, unwahr sei, weil unwiderlegliche Beweise vorlägen, daß die bul­garischen T ru p p e n in der Montag-Nacht in Aktion getreten seien und das Feuer eröffnet hätten. Die Antwort der serbischen Regierung erklärt weiter, daß unmöglich die serbischen und

Ein Thronwechsel in Serbien?

(Privat-Telegramm.)

Belgrad, 1. Juli.

Seit gestern herrscht in Belgrad riesige Auf­regung. Ununterbrochen erscheinen neue Extrablätter, die den Beginn des K r i e -

Ein Tag der Taten.

Die gestrige Schlutz-Sitzung im Reichstag.

Am Bundesratstisch: Der Reichskanzler, Delbrück, Kühn, von Heeringen und Dr. Liseo. Haus und Tribünen sind stark besetzt. Erster Gegenstand ist die Beratung des am Sonn­abend eingereichten Initiativantrages der Fort- schrittlichen Volkspartei, der eine Novelle zum Militär st rafgesetzbnch in sich schließt. Nach ihm sollen in sechs Paragraphen des Mi­litärstrafgesetzbuches (Vergehen wider die Dis­ziplin) int Falle mildernder Umstände Gefäng­nisstrafen ermöglicht werden. Der Kompromiß­antrag lautet:

DaS Militärstrafgesetzbuch wird dahin geändert: Als § 110a wird folgende Vor­schrift eingestellt: § 110a: Liegt in den Fäl­len der §§ 100, 106, 107, 110 ein minder- schwerer Fall vor, so kann die Strafe in den Fällen der 88 100 Abs. 1 und 106 bis auf sechs Monate Gefängnis, in den Fällen der 88 100 Abs. 2, 107 und 110 bis auf ein Jahr Gefängnis, ermäßigt werden. Im Absatz 2 des § 109 wird das Wort zwei durch das Worteinem" ersetzt. In der ersten Lesung wird das Wort nicht verlangt. Es findet sofort die zweite Lesung statt. Hier erklärt unter allgemeiner Spannung

Athen, 1. Juli.

hiesigen diplomatische« Kreisen wird die Lage am B a l k a n, wie sie durch die Eröffnung der Feindseligkeiten geschaffen wor­den ist, ernst, aber noch nicht hoff­nungslos beurteilt. In der Erklärung des serbischen Pressebüros, die bulgarischen Angriffe seien ein Beweis, daß Bulgarien ohne Kriegserklärung die Feindseligkeiten er- ottnet habe, wird vorläufig noch nicht der end­gültige Beginn der Feindseligkeiten erblickt. Man weist darauf hin, daß die Vertreter Ser­biens in den europäischen Hauptstädten gestern in ähnlichen Erklärungen die Verantwortung für alles Kommende auf Bulgarien geschoben haben. Die Haltung Rumäniens wird (wie man annimmt) nicht dadurch beeinflußt, wer zuerst mit dem Kampfe begonnen hat; die Hal­tung Rumäniens wird vielmehr von seinen eigenen Interessen diktiert. Rumänien wird im Falle eines serbisch-bulgarischen Konfliktes eingreifen, ganz gleichgültig, wer de» Krieg beginnt.

Bewilligung diesmal fast das ganze Zenttum und ungefähr die Hälfte des Freisinns. Die Konservativen brachen in Jubel aus, in dem sich Händeklatschen mischte. Dem Krtegs- mintster rötete sich vor Freude das von schneeweißem Bart umrahmte Antlitz. Er ver­beugte sich dankend, indes ihm der Reichskanz­ler vergnügt auf die Schulter klopfte. Gleich darauf wiederholte sich der Jubel, als in der gleichen Form kurzer Weise die ganze Mi litärvorlage endgültig angenom­men wurde. Nur die Sozialdemokraten stimmten dagegen, ferner die Polen und die Elsässer. Auf der Dundesratsestrade wurde Herr von Heeringen glückwünschend umdrängt; fein ganzes Gesicht strahlte, als ihm allen vor­an Herr von Bethmann die Hand schüttelte. Er hatte gut lachen: Noch nie ist eine Militärvor­lage f o glatt durchgegangen, Wie die nun glück­lich unter Dach und Fach gebrachte, die wett über eine Milliarde Opfer erfordert. . .! -n.

Zer Schlußakt im Reichstag. Der letzte Tag vor de« Sommerferre«; Er­ledigung einer inhaltschwere« Tagesord- «n«g i« 2 Stunden; Abschluß und Abschied.

Ende gut, alles gut! Wie rasch sich doch alles erledigt, wenn man nur will! Wie kurz und bündig sich die Redner zu sassen wissen, wenn es darauf ankommt! Eine inhaltsschwe- rere Tagesordnung als die gestrige hat der Reichstag selten erlebt. Nichtsdestoweniger war in knapp zwei Stunden der Sitzungssaal schon wieder leer und dem Regiment des Prä­sidenten Kaempsf das der Scheuerfrauen ge­folgt. Diesen rafchen Verlaus hatte man (we­nigstens in dem ersten Punkte) dem Reichs­kanzler zu danken. Am Sonnabend war be­kanntlich im Anschluß an den Erfurter Fall beschlossen worden, vor Toresschluß noch einen Antrag auf Einfügung mildernder Um - tände in die Meutereiparagraphen des Mi­litärstrafgesetzbuches zu beraten. Hätte die Re­gierung Schwierigkeiten gemacht, oder auch nur gestrichen, dann hätte sich eine Diskussion ähn­lich der in der Sonnabend-Sitzung entspannen. Da aber Herr von Bethmann unumwunden er­klärte, er erkenne die Berechtigung des Antra­ges an und werde ihn im Bundesrat vertre­ten, war ja jedes weitere Wort überflüssig, und in einer kleinen halben Stunde wurde die Vor­lage durch alle drei Lesungen hindurchhesör- dert. Im Handumdrehen war sie angenom­men, mit allen Stimmen sogar, gegen einzig und allein gegen diejenige des Konservativen Kreth, dem die Sozialdemokraten für diese Unentwcgtheit" eine regelrechte

parlamentarische Katzenmusik

Neuer Balkan-Krieg!

Der Beginn des Bruderkrieges am Balkan ohne Kriegserklärung; ' Kämpfe zwischen Bulgaren, Serben «nd Griechen; intensivste Kriegs- rüstungen in Serbien und Bulgarien; Rumänien greift in de« Bal- kankrieg aktiv ei«; Balka«kämpfe und Thronwechsel in Serbien?

Die Kämpfe am Balkan haben (Wie Wir schon unb eS wird ihr eminente Bedeutung beiaemef- geftern telegraphisch berichteten) in der Nacht fen. Der Thronfolger kam im Sevarattna nnv

Russische Flotten-Mobittsation.

(Privat « Telegramm.)

Sofia, 1. Juli.

Die Nachricht von der Mobilisierung der russischen Schwarzen - Meer - Flot- t e hat hier großes Aufsehen hervorgerufen. Die Mobilisierung wird von politischen Kreisen und der Presse lebhaft kommentiert. Die bul­garische Heeresverwaltung hat den bulgarischen Truppen strengen Befehl erteilt, sofort alle Operationen einzustellen und nur Angriffe, die von ferbischer oder griechischer Seite auf die bulgarischen Truppen gemacht werden sollten, zurückzuwcisen. Die Blätter veröffentlichten einen Apell der Bürgerfchaft an den König, in dem es heißt, daß die Bür­gerschaft an den Heerführer der Armee appellie­re und bitte, der König möge unverzüglich den Befehl erteilen, daß die bulgarische Armee in das mazedonische Vaterland einmarschie­re und die dort hausenden Räuber vertreibe, nm dem unterdrückten bulgarischen Volk seine Freiheit zu geben.

Griechenland will den Krieg!

(Privat-Telegramm.)

Athen, 1. Jutt.

Der griechische M i n i st e r des Aeußeren er­klärte heute früh dem hiesigen Korrespondenten der Frankfurter Zeitung: Nachdem Bulgarien alle versöhnlichen Schritte Griechenlands durch wiederholten Vertragsbruch und Ueberschrei- tung der vor kurzem festgesetzten provisorischen Grenzlinie beantwortet und jetzt den allge­meinen A ng r i f f begonnen hat, habe die griechische Regierung nicht umhin gekonnt, ihren mazedonischen Divisionen den Befehl zur Offensive zu erteilen Damit sei der Krieg ohne formelle Erklärung entfesselt. Tie Regierung habe in diesem Sinne in Sofia eine Erklärung abgegeben. Grie­chenland lehne dir Verantwortung für den Krieg, der zweifellos ernste Folgen haben werde, ab. Ter König ist gestern nachmittag eilig nach Saloniki abgcreist, nachdem er vorher mit dem Ministerrat eine Besprechung hatte. Wie aus Saloniki depeschiert wird, haben die Griechen die dort befindlichen bulgarischen Truppen in ihren Quartieren umzingelt und cnlwaftnet.

CMer Neueste Mchrichtm

Caffeler Abendzeitung

Lb's möglich f:n wird, den zur hellen Lohe entfachten Brand auf seinen Herd zu beschrän­ken, die Gefahr eines allgemeinen Balkan­kriegs zu bannen? Wer weiß es! Es handelt sich nicht nur um Bulgarien, Serbien und Hel­las: Im Hintergrund steht Rumänien, kampfgerüstet und jeden Augenblick zum aktiven Eingreifen ins Kriegsspiel bereit. In den europäischen Diplomatenslnben betrachtet man die Lage zwarnoch nicht als hoffnungslos", glaubt vielmehr immer noch an dieMöglich- fett einer friedlichen Lösung", aber man weiß: Der Optimismus der Diplomatie ist unsterblich, und genau so wie heut war die internationale Staatsmannschaft im letzten Herbst auch von der Möglichkeit friedlicher Lösung" im ersten Balkan-Konflikt überzeugt, opfette dem Götzen sfaius quo Hekatomben feierlicher Noten und träumte noch vom Sieg des Friedens, als schon der Morgen von Lüle Burgas und Kjrk-Kiliffe heraufdämmerte. Daß der zweite Ba'kan- Krieg begonnen, steht fest; daß er eine ernste Gefahr für Europa darstellt und daß sich aus den Kämpfen bei Jstip, Walandowa und Kot- Xt« VeUnä^a?'(5in^nleLeTßCfJ!:n aiegcnoer -ms ucsms i

n« mdaitotce Cnutclrt nicht leugnen. Viel-arad ruft ebenfalls crofte Erregung

griechischen Truppen (wie von bulgarischer Seite behauptet werde) schon vorgestern die Feindseligkeiten eröffnet haben könnten u. daß augenscheinlich die Bulgaren den Angriff von langer Hand vorbereitet hätten. Die Antwort der serbischen Regierung, die in die Form einer Verbalnote gefleidet ist, wurde I Auch' dienamentliche Abstimmung "wurde nicht dem bulgarischen Gesandten gestern übergeben. | verlangt. Die eifrige Propaganda der Ge­nerale'Wachs und Wenninger beim parlamen­tarischen Abend int Reichskanzlerpalais hat also ihre Früchte getragen. Mit der Rechten und den Nationalliberalen erhob sich für die

Sofia, 1. Juli.

Die bulgarischen Truppen wurden am Sonntag abend bei Prawifchta von den Griechen angegriffen. Sie eilten ihren vorgeschobenen Abteilungen zu Hilfe, entwik- kelten sich in Schlachtordnung und warfen sich unter Hurrarufen mit dem Bax.-»nett au1 die angreifenden Griechen, die ftuj in größter Unordnung z n r ü ck z o g e n und dabei den Ort Leftera in Brand steckten. Die Bulgaren verfolgten sic bis Kaleh Tschiftlik und mach­ten zahlreiche Gefangene. Auch gestern dau­erten die Kämpfe noch fort.

Athen, 1. Juli.

Der Angriff der bulgarischen Truppen scheint ohne ernste strategische Bedeutung zu sein. In zuständigen Kreisen wird erklärt, daß der bulgarische Angriff gegen die grie­chisch-serbische Front sich lange vorbe­reitete. Die griechische Regierung traf al­le notwendigen Maßregeln, um die Sicher­heit des eroberten Landes aufrecht zu erhal­ten. Eine amtliche Nachricht über die Kriegserklärung Bulgariens liegt je­doch nicht vor, sodaß bezüglich der Absichten Bulgariens völlige Ungewißheit herrscht.

Eine andere Darstellung der Ereianfsse bringt ein Privattelegramm aus So - f: a, in dem es heißt: Die Meldungen, daß so­wohl die Serben als auch die Griechen offenbar m vollem Einverständnis die bulgari­schen Stellungen im Defilse des Wardeiflusses bet ^sttp, Tschiftlik und Schemaltos mit bedeu­tenden Streitkräften angegriffen haben und daß dte Kampfe noch fortdauern, haben in Bulga- rufen^6 größte Erbitterung hervorge-

Ernst, nicht hoffnungslos?

(Privat-Telegramm.)

zum Montag bei Sletowo, wo schon vor Ta­gen und auck am Sonnabend gekämpft wurde, begonnen. In Belgrad bezeichnet man den bulgarischen Angriff als Krieg ohne Kriegserklärung und die Stimmung in Belgrad ist deshalb aufs äußerste erregt. Bul­garien seinerseits hat an feine Vertreter bei den Großmächten eine Mitteilung gesandt, in der es Griechenland und Serbien als Provo­kateure bezeichne.

Belgrad, 1. Juli.

In der Nacht zum Montag haben die Bulgaren einen Angriff auf die ganze Front der ferbischen Positionen gemacht. Insbesondere bei Jstip und Walandowo dauert der Kampf erbittert fort. Die Bulga­ren haben den Krieg ohne Kriegser­klärung begonnen. Hier herrscht darüber große Entrüstung. Allgemein wird ein rasches Vordringen verlangt und es gewinnt den Anschein, daß die Kriegs Partei völlig die Oberhand hat und der Krieg u n - vermeidlich ist.