Hessische Abendzeitung
Nummer 173
Fernsprecher 951 und 952.
Dienstag, 1. Juli 1913
Fernsprecher 951 und 952.
3. Jahrgang.
F. H.
war aber zu schwach und hatte einett sehr schwe-
Street!" an die Spitze einer aus Suffragetten und den rauheren männlichen Elementen des Ostens bestehenden Kolonne und zog im Sturmschritt nach den Amtswohnungen der Minister. Tie Polizei bildete zwar schnell eine Kette vor dem Eingang zur Downing-Street,
Eine Hitzewelle in Amerika.
Rewyork, 30. Juni. Die furchtbare Hitzewelle, die gegenwärtig über den Vereinigten Staaten lagert, hat den Tod zahlreicher Menschen im Gefolge gehabt. Im Zentrum und im Westen der Vereinigten Staaten, in Chieago, Cincinnati, Cleveland und Toronto wurden vierunddreitzig Personen vom Hitzschlag getötet. Hunderte liegen schwerkrank darnieder. Es ist vorderhand keine Abkühlung zu erwarten. Der Ernteschaden beziffert sich schon auf zwanzig Millionen Mart.
Wie weitere Depeschen aus Sofia melden, erhielt das bulgarische Hauptquartier gestern abend die Meldung, daß die Serben starke, - _ .. __________ , __________... . .. .
Infanterie- und Artilleriemassen bei Köprülü | reu Stand gegen die nach Tausenden zählende zusammenaezogen haben. Die zwischen Zla- Menge, die die PoliMenkoloimen zu durch.
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Straße s. Äerlmer Aertretungi 8V., Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Noritzplatz 12584.
brechen suchte. In dem tollen Gewühl sah m*» auch viele Frauen, die tatkräftig am Kampf teilnahmen. Schliesslich sprengten berittene Schutzleute heran und zerstreuten die Menge, wobei eine Anzahl Verhaftungen borge, nommen wurde. Ein Teil der abziehendcn Tumultuanten schlug mehrere in Zivilkleider« befindliche Polizisten nieder, die das Handelsamt bewacht hatten. Zwei von diesen Täter« wurde« verhaftet.
Ter in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" veröfientlichte Brief des Prinzen E r n st A u g u st an den Reichskanzler ist lediglich eine Bestätigung dessen, was sein Vater schon wiederholt erklärt hat. Prinz Ernst August und sein Vater stehen genau auf demselben Boden, wie die Deutsch-Hannoversche Partei.
Wir alle erstreben die Wiederherstel- lung des Königreichs Hannover auf friedlichem Wege durch einen freiwilligen Akt der Bnndesfürste«. Wir wissen, dass wir uns auf unser gesamtes königliches Haus der Welfen verlassen können!
Herr Störenberg, der das Göttinger Som- merfcst der Welfen durch diese interessanten Bekenntnisse einer unentwegten und unverzagten Seele verschönt, sprach als offizieller Red-
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ner vnb Beauftragter der Leitung der Welfen- parfts. In Hannover fand nämlich an demselben Tag, da man in Göttingen hinter som- merfestlich-perlenden Bechern saß, eine vertrauliche Sitzung des Direktoriums und des Ausschusses der Welfenpartei statt, und die Stimmführer der Welfensache im Reichstag, die zum Göttinger Sommerfest ihr Erscheinen zugesichert hatten, mußten deshalb, durch heil'gere Pflicht gefesselt, dem sommerlichen Meeting an der Leine fernbleiben. Der Herzog von Cumberland hat an einem der letzten Tage im Schloß zu Gmunden die Führer der Deutsch- Hannoverschen Pattei empfangen (wie man vernahm: Um mit den Getreuen die durch 2ie=; be, Verlobung und Hochzeit „veränderte Lage der Verhältnisse" zu beraten), hat mit ihnen sicherlich auch die schroffen Gegensätze zwischen der offiziellen Politik des Hauses Cumberland und der zwar weniger offiziellen, aber umso geschäftiger« Politik der Welfenpattei erörtert und hätte, wenn er als Chef des Hauses Cumberland über Welfensinn und Welfenfanatis- mus gebieten könnte, die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen dürfen, den Gmunden-Pilgern klar und bündig zu sagen, daß er die Umtriebe fanatisierter Sturmgesellen nicht billige und als Haupt des Welfenhauses dringend bitte, die sich vorbereitende Apotheose des Friedens zwischen Zollern und Cumberland fernerhin nicht durch üblen Lärm und sträfliche Ruhestörung zu gefährden.
Hat der Herzog es getan? Und wenn er's wirklich getan: Wer autorisiert dann die Führer der Welfenpattei und den Herrn Störenberg, die seitens der Reichsregierung mit Ernst und Eifer erstrebte Krönung der Versöhnungspolitik offen zu verhöhnen und von dem in Berlin als „feierliches Wort" des Cumber- länder-Prinzen geschätzten Bries Ernst Augusts an de« Kanzler wie von einem Scherzattikel zu I sprechen, dem kundige Thebaner nicht eines I Pfennigs Wett beimessen? Und wenn Herr Störenberg beim Göttinger Sommerfest mit | Stentorstimme in die versammelte Gemeinde I der Gläubigen und Andächtigen hineinschreit: „Die Verwittlichung der Ideen der Welfenpartei ist auf dem Marsch" und „Wir wissen uns eins mit unserm Fürstenhaus": Wer gibt diesem offiziellen Wortführer der Welfenpattei das Recht, in diesen Tönen atzes Dasjenige als | Scherz und Spiel zu verspotten, das seitens I der Reichsregierung als sittlich-rechtliches Fundament der Versöhnung zwischen Zollern und Cumberland ernst und feierlich gewürdigt worden ist? Diesen Fragen die Antwort zu luden, ist für den Kanzler dringlichste Gewis- cuspflicht, denn mag es auch (nach seiner
Auffassung) eine „hannoversche Frage" nicht geben: Eine „welfische Frage" gibt es sicherlich, und wenn das Göttinger Welfen- Meettng mehr gewesen ist als ein Sommer- est von Fanatikern, dann hat es den Beweis erbracht, daß die welfische Agitatton beginnt, ich zu einem regelrechten Skandal auszuwachsen. Und das in einer Zeit, die die Neuvermählten vom Zollern- und Welfmhaus noch im Glück der Flitterwochen sieht . . .!
Londoner Svffragetten-Sonntag.
„Auf «ach Downing-Street!"
(Privat-Telegram m.)
London, 30. Juni.
Rach Schluß einer sonntäglichen Demost- stration auf dem Trafalgar-Square zur Wahrung der angeblich bedrohten Redefreiheit, an der die Suffragettenführettn Mrs. Pank- Hurst als Rednettn teilnahm, kam es gestern zu wüsten Szenen. Mrs. Pankhurst stellte sich mit dem Rufe „Aus nach Downing -
Das Satyrspiel am Balkan.
Die Entscheidung über Krieg nnd Frieden.
Wie uns ein Privat-Telegramm aus Wien meldet, rechnet man in dortigen politi- chen Kreisen damit, daß wahrscheinlich ohne Schiedsspruch eine Verständigung zwi- chen Serbien und Bulgarien noch im Lause dieser Woche zustande kommen wird. Die augenblickliche Stimmung am Balkan wird intrd. nachstehende Meldung gekennzeichnet:
Europäische Kriegs-Gefahr?
(Privat-Telegram m.)
Sofia, 30. Juni-
Die Nachricht aus Bukarest über eine M o- bilifierung Rumäniens hat hier überall überrascht und tiefen Eindruck Hervorgerufe«. Die leitenden Kreise sagen, dass dadurch der europäische Krieg heraufbeschworen werden würde. Heute veranstaltet die nationale Liga Stratzenumzüge, um gegen die Drangsalierung mazedonischer Bulgaren durch Serbien und Griechenland zu demonstrieren. Die politische Lage erscheint durch die drohende Haltung Rumäniens gänzlich unklar. Ma« ermattet mit höchster Spannung die heutige Erklärung Pa- fitschs, von der es abhängt, ob eine friedliche oder kriegerische Lösun« erfolge« wird.
6te Erdbeben in ItalienI
Erdstöße in Cosenza und Ost-Sizilien.
Ein starkes Erdbeben hat am Sonnabend in Cosenza in Süditalien nicht unbedeutenden Schaden verursacht. Auch mr Sizilien ist die Erderschütterung, wenn auch in geringerem Maße, verspürt worden. Noch sind die Folgen des Bebens nicht genau bekannt, aber auch bei der großen Katastrophe von Messina liefen anfangs nur dürftige Nachrichten ein. Wenn auch zu hoffen ist, daß das gestrige Erdbeben den Umfang jener Katastrophe nicht erreicht, so geht aus den bisher eingelaufenen Telegrammen doch hervor, daß bedeutender Schaden angerichtet wurde. Wir registrieren folgende Drahtmeldungen:
Rom, 30. Juni.
In der Provinz Calabrien und im östlichen Teil von Sizilien wurde« am Sonnabend vormittag mehrere heftige Erdstösse verspürt, die jedoch «ach de« bisherigen Nachrichten nur in einigen kleinen Gemeinden der Gegend von Cosenza grösseren Schaden anrichteten. Die Ottschaft Catanzaro ist vollkommen isoliert, da alle Drahtverbindungen mit dem Ort bei den Erdstößen vernichtet worden sind.
Rom, 30. Juni.
Die Gemeinde Roggiano Gravina wurde nach den bis jetzt hier vorliegenden Depeschen am schwerste« getroffen. Eine grössere Anzahl von Häuser« stürzte infolge der Erdstöße i« sich zusammen. Mehrere Personen wurden durch herabfallende Gesteiusmaffen schwer verletz». Auch aus den Gemeinden San Marco Argentano und Cervilati wird erheblicher Materialschaden gemeldet.
Rom, 30. Juni.
Die Erdstösse, die am Sonnabend sich ereignet haben, sind glimpflicher verlaufen als die ersten Nachrichten vermute« ließe«. Diese lautete« zunächst furchtbar. Man glaubte, die Schrecken des 28. Dezember 1908 hätten sich erneut. Es hieß, Catanzaro sei vollständig zerstött und die Toten zählten nach Tausenden. Es war aber glücklicherweise zum größte« Teil blinder Lärm. Die Erdstösse habe» zwar grosse« Schade« angerichtet, doch sind Menschenleben nicht zu beklagen.
Wie Privat-Depesche« aus Rom melden, wurden in der Stadt Cosenza selbst die Erdstöße gleichfalls verspütt, doch haben sie dott fast keinen Schaden verursacht. Von Rom
Ein Tag der Kampfe.
Die Reichstags-Sitzung vom 28. 3uuL
Am Bundesratstisch: Dr. Delbrück, von Heringen und Kühn. Der Antrag auf Vertagung des Reichstags bis zum 20. November wird ohne Erötterung angenommen. In dritter Lesung wird erledigt: Das Abkommen zur Vereinheitlichung des Wechselrechts, die Aen- derung des Schutzgebietsgesetzes, wobei die Inkraftsetzung des Gesetzes am ersten- August 1913 beschlossen wird, ferner das Gesetz betreffend Aenderung zweier Reichstags- wahlfteise. Es folgt die dritte Lesung der Heeresvorlage.
Abgeordneter Scheideman«:
Wir wollen in letzter Stunde noch einmal feststellen, dass wir die Heeresvorlage immer bekämpft haben, und wir werde« auch in Zukunft den Geist der Vorlage, das jetzige Militärsystem, entschiede« bekämpfen. Das Erfurter Bluturteil, bei dem Familienväter wegen ihres Verhaftens auf Kontrollver- fammlungen zu Zuchthaus verurteilt wurden (Stürmische Pfuirufe der Sorialdemokra-
Norddeutsche Allgemeine Zeitung, die uns in des Frühlings hellsten Sonnentage« versicherte, eine hannoversche Frage „gebe es nicht und habe es nie gegeben", hat kurz nach der Sommer-Sonnenwende unwirsch erklärt, alle rosenroten Märchenträume Wer den Gmundener Kaiserbesuch seien eitel Fabelwerk, und für die nächsten Monde sei in den kaiserlichen Reise- Dispositionen das Ziel Gmunden nicht einmal erwähnt. Aufhorchen, Kopfschütteln, Rätselraten: „Erkläret uns, Graf Oerindur!" So plötzlich eine Wendung in Stimmungen und Plänen durch irgend eines peinlichen Zufalls unliebsame Fügung? S o gründlich u.td ties-ein- schnetdend der Umschwung, daß selbst der Besuch zärtlicher Verwandten in nebelhafte Fernen entschwand? Es scheint so, und es scheint ferner, daß hinter den Kulissen in den letzten Wochen Dinge sich ereignet haben, die (einen Monat nach dem Hochzeitsjubel!) die Welfenfrage plötzlich in einer andern, weit weniger strahlenden Belichtung zeigen. Ei« Pröbchen: Am gestrigen Regentag düstrer Sonnen-Abkehr waren in der Musenstadt Göttingen die Unentwegten der Welfenpartei versammelt, um beim Sommerfest hannoverscher Treue sich, stark und bieder, zu erbauen. Festredner des Tages war der Redakteur des Hannoverschen Welfenblattes, Störe «berg, der die Begeisterung der hinter funkelnden Bechern andächtig Lauschenden durch folgende Tiraden zur Höhe fanatischer Leidenschaftlichkeit entfachte:
Also sprach Störenberg...!
Auf dem gestrigen Oötttnget Sommerfest der Welfenpartei führte der Redner, Redakteur Störenberg, vom tosenden Beifall der Ber. sammlung umrauscht, wörtlich Folgendes auS:
Der Herzog und das ganze herzogliche Haus werden dem hannoverschen Volke auch fernerhin die Treue halten, das wissen wir! Man möchte gern glauben machen, mit der Deutsch-Hannoverschen Partei sei es aus, Grabgeläute möchte man erklingen lassen. Das ist nur der Ausfluss der Furcht der gegnerischen Parteien. Das Gegenteil von Grabgeläute ist der Fall: Die Verwirklichung der Ideen der Deutsch- Hannoverschen Partei ist auf dem Marsche!
Der von dem Prinzen Ernst August dem Könige von Preußen geleistete Fahneneid hat keinerlei staatsrechtliche B e d e u t u ng. Dem Herzog ErnstAu- gnst ist es in den letzten Wochen genau so ergangen, wie Iesus Christus: Als Jesus in Jerusalem einzog, streute man ihm Blumen auf den Weg und jubelte ihm Hosianna zu, und wenige Tage darauf kreuzigte man ihn!
und anderen füditalienischen Großstädten wurden sofort nach dem Einlaufen der ersten Nachrichten H i l f s z ü g e mit Aerzten, Verbandsmaterial und Lebensmitteln nach den am meisten bedrohten Orten gesandt, da nach der Katastrophe von Messina der Hilfs- und Rettungsdienst völlig neu organisiert und vorbildlich eingerichtet worden ist. Man schätzt den entstandenen Schaden auf mehrere Millionen Mark.
Casseler Neueste Nachrichten
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Sie Stürme vor dem ssnde.
Sonnabend-Sturm im Reichstag; Scheide- mann gegen den Reichskanzler, Herr v. Veth- mann Hollweg gegen die Sozialdemokratie.
Am Freitag lag Konfliktsschwüle über dem Reichstag und am Sonnabend kam die Ent. ladung. Auf der Tagesordnung stand die drit. te Beratung der Wehrvorlage, mit der man sich in zweiter Lesung bereits zehn Tage beschäftigt hatte, und auch bei der letzten Sitzung sollte es ohne Stürme nicht abgehen, Stür. me, wie sie selbst die zweite Sitzung nicht gesehen hatte. Den Reichsboten ist das Frühaufstehen anscheinend zur Gewohnheit geworden, denn auch am Sonnabend erschienen sie wieder recht pünktlich und zahlreich im Wallot. bau. Gleich bei der ersten Rede zur Wehrvorlage brach ein Gewitter los, wie es selten im Hohen Hause getobt. Der sozialdemökrattsche Exvizepräsident Scheidemann wurde vo« seinen Freunden vorgeschickt, um zum letzten Male die Vorlage in Grund und Boden z« verdammen und er zeigte sich seiner Aufgabe voll gewachsen. Mit der Rhetorik, die ihm selbst die Gegner nicht abstreiten können, fesselte er das Haus. Mit den schärfsten Worten, die die parlamentarische Hausordnung erlaubt, griff er die Reichsregierung an, die in der eu- ropäischen Rüstungsfrage geradezu ein Agent provocateur gewesen sei. Unter stürmischem Applaus seiner Parteifreunde, der durch den Lärm bei den Bürgerlichen allerdings vollkommen überdröhnt wurde, trat Scheidemann ab: Der Sturm hatte sich gelegt, um ... einen Orkan vorzubereiten. Am Regierungstisch erhob sich der Kanzler zur Entgegnung.
Herr von Bethrnann Holltveg hatte seinen guten Tag. Nicht in der ruhigen Weise, die man sonst bei ihm gewohnt ist, erwiderte er auf die Angriffe der Sozialisten, nein: Mit den schärfsten Ausdrücken ging er gegen die Sozialdemokratie, die mit ihrer „zersetzenden Kritik nur zerstören, aber nicht bessern wolle." Das war das Zeichen zu neuem Sturm. Die Rechte, die sich am Freitag in den Schmollwinkel zurückgezogen hatte, und die Oppositionsparteien applaudier, ten dem Reichskanzler stürmisch. Weiter wand- te sich der Kanzler in leidenschaftlich erregten Worten gegen die Unfruchtbarkeit der sozialde- mokratischen Politik. Mit der stärksten Stimme, die ihm zu Gebote steht, gelang es ihm, das Toben der Linken zu übertönen und einen warmen Appell an die bürgerlichen Parteien zu richten. Der Lärm auf der Linken ging ununterbrochen weiter, aber als der Reichskanzler geendet, brach im übrigen Hause ein Beifallssturm las, der alles andere übertönte. Minuten, lang dauerte es, bis Präsident Kämpff die Ruhe wiederhergestellt hatte und den Ausdruck „Fle- gelei!" rügen konnte. Wieder bestieg Scheide m a n n die Tribüne. Aber diesmal war er nicht mehr der gleiche Redner wie vorhin. Seine persönlichen Angriffe gegen den Reichskanzler fanden selbst bei seinen Parteigenossen nur den obligaten Beifall und ein Lachen auf der Rechten. Mit diesem wenig schönen Schluß endete, wie leider schon ost im Reichstag Bei anderen Gelegenheiten, die Generaldebatte über ein so wichtiges Werk: Nicht in ben weichen Akkorden süßer Feierabend-Klänge, sondern im brausenden Fortissimo einer Leidenschast-Erre. gung, wie sie selten das Parlamentshaus am Berliner Königsplatz durchzittett .. .! -r
Sommerfest-Famtlker.
Die „hannoversche Frage" und die Welfen; das Göttinger Sommerfest der Welfenpartei und der Fahneneid des Prinzen Ernst August.
Der Herr Reichskanzler hat durch die gute und wohltätige Norddeutsche Allgemeine Zeitung kund und zu wissen getan, daß es „eine Hanno Versche Frage nicht gibt". Er hat uns ferner versichert, daß durch den Fah « en - eid des Prinzen Ernst August von Cumberland volle Garantie gegeben sei gegen alle Bedenken und Befürchtungen, die bisher die Verwirklichung der Cumberländischen Thronansprüche in Braunschweig untunlich erscheinen ließen. Wir hörten von dem bevorstehenden Kaiserbesuch im Welfenschlotz zu Gmunden, vernahmen mit Befriedigung, daß der auf der Hochzeitsfahrt befindliche Kaiser-Schwiegersohn in München den Empfang einer wölfischen Inquisitoren-Deputation abgelehnt, und glaubten aus alldem schließen zu bürfen, daß dem vor ein paar Monden aufrichtig bejubelten Verlobungs-Frieden von Karlsruhe nun bald die feierliche Apotheose von Gmunden folgen werde. Indessen: Scho« Wilhelm Busch hat's ergründet, dqß eS manchmal anders kommt, als man zu hoffen sich vermaß. Dieselbe
towo und Jstip aufgestellten serbischm Truppen eröffneten gestern ein heftig es Feuer auf die bulgarischen Vortruppen. Die Bulgaren erwiderten das Feuer. Der Ausgang des Gefechtes ist noch nicht bekannt.