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Ur. 1577-^lL JichrWG.

für sich ,«lässig. Sollte sie inbess« in zu großen Mengen erfolgen, so werden Erwä­gungen anzustellen sein, ob gegen sie im Wege der Verordnung oder durch andere Maßnah­men vorqegangen werden muß. Es folgt so­dann die

Zweite Lesung der Wehrvorlage.

Abgeordneter Noske (Sozialdemokrat): Wir lassen keinen Zweifel darüber, daß die von den bürgerlichen Parteien angenommene Ge­fahr für das Reich nicht besteht und nicht bestanden hat. Der deutsch-englische Ge­gensatz hat abgenommen. Von den siegreichen Balkanstaaten. die mit sich zu tun haben, ist nichts zu fürchten. Auch von Rußland droht keine Gefahr, denn es hat mit den revolutionären Strömungen im Innern zu rechnen. Daß Deutschland« Riistungcn Ge­genmatzregeln Hervorrufen mußten, war doch selbstverständlich. Wenn dies« Vorlage angenommen ist, wird man sehen, daß irgend eine Verbesserung der deutschen Machtstellung auch nicht zu verzeichnen ist. Von Frankreich Hst ein Angriff nicht zu befürchten. Tas fran­zösische Volk ist nur von Sorge wegen Zeines deutschen Angrifses erfüllt mnd ergreift nur deshalb Abwehrmaßregeln. '.Vereinbarungen über ein Flottenfeierjahr wären mit England sehr wohl möglich ge­wesen. Wir lehnen die Vorlage ab, weil wir damit dem Frieden dienen. Der Reichstag sollte die Beratung des Entwurfes iaussetzen, weil eine Gefahr für das Reich nicht besteht. Leider hat der Ausschuß nur drei Re­gimenter gestrichen und selbst diesen bescheide­nen Abstrich wollen di« Rationalliberalen rück­gängig machen. Die Mißhandlungen in unse­rem Heere kommen von der Nervosität, die durch

Einübung von Paradegriffe«

und anderen lleberslüssigkeiten hervorgerufen wird. Solche Tinge müssen beseitigt werden, dann kann man auch die Dienstzeit verkürzen. Das Haus hat sich im Verlaufe der mehrstün­digen Rede mehr und mehr geleert. Präsi­dent Dr. Kampfs und darnach Vizepräsident Dove müssen dem Redner mehrfach durch Glok- kenzeichen Ruhe verschaffen. Als Abgeordneter Noske die Frage aufwirft, ob die Abgeordne­ten, die dem Gründungsausschuß zu einer neuen Flugzeugfabttk angehören (von Böhlen- dorff-Kölpiu, Freiherr von Zedlitz und Graf Posadowskv) nicht ihr Amt mißbrau­chen, und dabei aus sozialdemokratischen Kreisen der Zwischenruf .Korruption!" ertönt, rügt Vizepräsident Dove diesen Zwi- fchenruf. Unter steigender Unaufmerksamkeit der Mehrheit des Hauses bespricht der Redner mannigfache Einzelheiten der Vorlage. Nach dreistündiger Rededauer fordert Abgeordneter Noske Demokratisierung des Heer­wesens und kommt dann zur Vermehrung des Offiziers- und Unteroffizierskorps, zum Militärboykott und zum Schmiergelderwcsen und behauptet dabei, auch Offiziere hät­ten sich von der Firma Krupp Schmier­gelder zahlen lassen. Gegen sechs Uhr erklärt der Redner: Auch mit den neu bewil­ligten Misteln wird die Heeresverwaltung nicht sparsam und geschäftstüchtig umgehen. Bezeichnenderweise ist das Gardeprinzip wichtiger als die ganze Heeresverstärkung. Den Opfern des Volkes stehen jedenfalls keine ge­nügenden Reformen gegenüber. Auch

die Kommandogewalt des Kaisers

ist nichts Unabänderliches. Nach sechs Uhr klingt laute Heiterkeit durch den Saal: Man glaubt, der Redner habe das letzte Manuskript­blatt zur Seite gelegt. In Wahrheit zieht er von der anderen Seite ein neues Manu- skriptbündel herauf und spricht über Munitionsverbrauch und Gewehrmodelle:

Es ist eine erfreuliche Erscheimtng, daß jetzt selbst die bürgerlichen Parteien trübe gestimmt werden über die Ungeheuerlich­keit neuer Rüstungen ohne zwingen­den Grund. Die Sozialdemokratie müßte aus ehrlosen Kerle« bestehen, wenn

Die flida Vrrdis.

Fräulein Preitzmann in der Titel­partie. Herr Decker als Radames.

Ist «s wahr, daß die Baukunst erstarrte Musik sei? Dann läßt es sich von der Archi- tettur des alten Aegypten sagen, deren große Formen so tief, so erhaben, so wahrhaftig emporragen, daß sie gleich einem Stück Welt­vernunft aus dem Zeitlichen in das Ewige zu hallen scheinen. Gleich unvergänglichen Wahrheiten! Eines erregt in Aida immer wieder unsere höchste Bewunderung. Nämlich wie sehr uns Verdi diese stillen, klaren Ewig­keitsformen uralter Vergangenheit wieder naherückt! Wie er sie uns naherückt durch den betäubend schwülen, zauberischen, phantastischen Rosenduft seiner Melodien, die in einem Rhythmus vorüberziehen, der nur in tro­pischer Sonnenglut empfangen sein kann ...! Aida sollte gestern zu einem zwiefachen Ab­schiedsabend werden. Doch Herr Branden- ., erger hatte noch in letzter Stunde abgesagt. So ist es leider nicht möglich, dem £ imitier noch einige Worte des Abschieds zu widmen. Dafür hörten wir Herrn Decker aus Düssel­dorf, der uns feit der letzten Meistersingerauf- sühmng kein Unbekannter mehr ist. Der Sän­ger löste den Radames ausgezeichnet, seine letchtansprechende. schön« Höhe liegt durchaus in der Richtung dieser Partte. Als gewandten Darsteller lernten wir Herrn Decker schon als Stolzing kennen, so daß er uns hier nicht mehr überraschte. In den Pattien der Amneris, des Amonasro, des Königs und des Oberpriesters, bewährten sich wieder Fräulttn Herper so­wie die Herren Wuzöl, Taubert uno ü trief. Ter Bote war eine recht beachtens­werte Leistung des Herrn K o r e l l.

Endlich die Aida, die zum ersten und leider auch zum letzten Male von Fräulein Preiß - mann gesungen wurde. I« letzter Stunde durfte die Künstlerin noch einen netten Erweis ihrer Vielseitigkeit geben, dadurch, daß sie zeigt«, wie sehr ihre Gesangskunst auch das Lyrische umspannt. Es soll hier nicht noch einmal die .Primadonnenftage" ausgerollt werde«, aber dgtz drei« KLustlerm ouur. ehe

eeffetet Wtitewe Nachricht«

sie diesem Kriegsmimster irgend etwas bewilligen würde, der uns ans eine Stufe mit Zuhältern und Dir­nen gestellt hat. (Lärm, Pfui, rufe der Sozialdemokraten, Vizepräsident Dr. Paasche ruft den Abgeordneten Antrick zur Ordnung, Lärm, fortgesetzte Pfuirnfe der Sozialdemokraten.) Wir werden das Volk an die Worte der Dirnen und Zu­hälter erinnern. (Lebhafte Pfuirufe der Sozialdemokraten.)

Mit den Resolutionen der Kommission ist dem Volke wenig gedient. Es verlangt eine gründ­liche Beseitigung aller Uebelstände. Wir drän­gen das Bürgertum Schritt auf Schritt zurück. Vor der Sozialdemokratie mutz schließlich auch die volksfeindlichste Regierung kapitulieren Wir dienen dem Frieden, wenn wir gegen den RWungswabnsinn ankämpfen. (Lang anhaltender Beifall der Sozialdemo­kraten.)

Kriegsminister von Heeringen:

In so vorgerückter Stunde kann ich auf diese viereinhalbstündige Rede nicht antwor­ten. Nur auf den «inen Punkt Will ich cin= gehen. Ich habe in der Kommission keines­wegs Sozialdemokraten und Zuhälter auf eine Stufe gestellt. Das kann nur krank­hafte Empfindlichkeit behaupten. Im übrigen bemerke ich: Die Armee ist sich der Ver­pflichtung, das Haupthindernis für die So­zialdemokraten zu sein, bewußt. (Lebhafter Beifall rechts.)

Staatssekretär Dr. Delbrück: Abgeordneter Noske hat unter anderem gesagt, während auf der einen Seite dem Volk« unerhörte Lasten zugemutet würden, stehe auf der anderen Seite das n n e i n g e l ö st e K ö n i g s w o r t. Wenn zu der preußischen Wahlrechtsreform der Landtag die Zustimmung versagt hat, so trägt die Verantwortung hier allein das preußische Staatsministerium, und ich muß Ver­wahrung dagegen einlegen, daß die Person des K ö ni g s v o n P r e u ß e n in die Debatte hineingezogen wurde. ' (Lachen der Sozial­demokraten.) Wir werden dafür sorgen, daß Preußen diejenigen verfassungsmäßigen Ein­richtungen erhält, die seinem Wohle entsprechen. (Lachen der Sozialdemokraten.)

Mzepräfident Dr. Paasche:

Abgeordneter Noske bat, wie das Steno­gramm ergibt, in der Tat von einem ver­pfändeten Königswort gesvrochen, daß nicht ein gelöst sei. Wegen dieser herab­setzenden Kritik des Königs von Preußen rufe ich den Abgeordneten Noske zur Ordnung. (Beifall rechts, Lachen der Sozialdemokraten.) Ich bitte, diefes Lachen zu unterlassen (Erneutes Gelächter der Sozialdemo­kraten.) Ich bedauere, daß i«h die Ordnung des Hauses nickt aufrecht erhalten kann. (An- dauernde Unruhe).

Generalmajor Wandel: Die Behauptung, Offiziere hätten von Krupp Schmiergelder angenommen, enffpricht nicht den Tatsachen. Wo Ungehörigkeiten vorgekommen sind, haben wir fofori eingegriffen. Persönlich bemerkt Abgeordneter

Graf von Posadowskh:

Abgeordneter Noske hat mitaeteift, ich sei Mitglied des Gründungsausschusses der Atlas werke. Mit dieser Gründung (stürmische Rufe Hört! Hört! im Zentrum und rechts) habe ich niemals etwas zu tun gehabt. (Erneutes Hört! Hört! rechts und im Zentrum.) Ich for­dere den Abgeordneten Noske auf, von demsel­ben Platze aus eine entsprechende Richtigstel­lung zu bringen. (Stürmischer Bei­fall rechts, Lärm der Sozialdemo­kraten, Zuruf des Abgeordneten Scheide- mann: Schauspielerei. Zurufe aller

Abgeordneten der Sozialdemokraten: 12 000 Mark, ®raf!) .

Vizepräsident Paasche rnst den Abgeord­neten Scheidemann zur Ordnung.)

Abgeock>neter Noske: Wenn mir ein Irr- tum unterlaufen ist, so nehme ich die Behaup­tung zurück. Eine Kränkung hat mit ferne ge­legen; den Irrtum bedauere ich.

Hierauf vertagt sich gegen 7 Uhr abends das Haus auf Mittwoch. Auf der Tagesord­nung steht die Fortsetzung der zweiten Lesung der Wehrvorlage.

Die Politik der Lager.

Wahlreform «nd Massenstreik.

(Privat - Telegramm.)

Berlin, 11. Juni.

In einer von zweitausend Personen besuch­ten öffentlichen Versammlung sprach gestern abend zu Wilmersdorf der sozialdemokratische Reiehsiagsabgeordnete Dr. Frank-Mann- Heim über das Thema:Wahlrechts Re­form u n d Massenstreik". Nach einer kur­zen Schilderung der innerpolittschen Zustände Preußens erklärte er, baß der Tag des Massenstreiks gekommen sein werde, wenn alle übrigen Mittel eine Beseitigung der unhaltbaren Mißstände nicht herbeizuftibren vermöchten. Was die Wahlrechts- und Ber- fafflmgs-Maffenstreiks der Arbeiter in Eng land, Belgien und Rußland, di« De­monstrationsstreiks der schwedischen, hollän­dischen und italienischen Arbeiter ver macht hätten, müsse auch dem preußischen Pro­letariat möglich sein, da in Preußen und Deutschland die besten Arbeiterorganisationen der Welt beständen. Wie sick das Bild bei An­wendung dieser letzten Waffe gestalten würde, lasse sich nicht vorausschen. Vielleicht wäre es möglich, daß einmal die gesamte preu­ßische Arbeiterschaft einige Tage gleich­zeitig auf die Straße ginge, um den Ernst ihres Willens zu zeigen und die herrschen­den Kreise zu warnen. Vielleicht ließ« sich auch nach Att des fliegenden Feierns der Mas­senstreik in der Weise durchführen, daß die ein­zelnen Landesieile nacheinander den Kampf proklamierten. Auf alle Fälle müsse der Kamps bis zum siegreichen Ende durchgehalten werden, selbst wenn er große Opfer fordere und zahlreiche Existenzen ver­nichte.

Rosa Luxemburg-Intermezzo.

Im Anschluß an die Berliner Massenstreik­versammlung erklärte Rosa Luxemburg: Wenn doch die Badenser ihren Frank auch ein­mal so energisch reden hörten. Rack einem sol­chen Vortrag, wie wir ihn eben hörten, wird Genosse Frank künftig in Baden keine Seiten- sprünge mehr machen können. (Kroße Un­ruhe.) Abgeordneter Dr. Weil-Metz wirft Frau Luxemburg kleinliche persönliche Ränke vor. (Beifall und Rufe:Unerhört!") Viele Zuhörer springen von den Stühlen auf und wollen sich n ach d e r h n e stü r - z e n. Dr. Weil: Es ist unerhört, Fragen inter­ner Natur in einer Versammlung in einem sol­chen Vortragsthema auftuwerfen. (Stürmi- scher Beifall und Widerspruch.) Das Aktionsbedürfnis unserer Pattei ist im Süden eben lebhafter wie im Norden. Aber für un­seren freien Süden sind andere Kampfmittel und andere Takttken erforderlich als in Preu­ßen. Jedenfalls sind wir auch im Süden der Ansicht, daß uns ein Massenstreik nicht erspart bleiben wird.

Die Bomben der Anarchisten.

Als gestern in Lissabon anläßlich der Eamoes-Feier, die unter großer Beteiligung der Bevölkerung begangen wurde, ein Zug von mehreren hundert Schulkindern mit Kränzen auf dem Wege zum Canto cs-Denkmäl auf dem Dom Pedro-Platz eintraf, wurde in die Volks-

Donnerstag, 12. Juni 1913.

menge eine Bombe geschleudert. ®hteH Person wurde getötet, zahlreiche ander« 1 v erw undet. Die Volksmenge jerftörte J einen Kiosk, in dem Anarchisten ihre Vct-' sammlüngon abzuhalten pflegen. Von der Polizei wurden mehrere Verhaftungen vorgk nommen. Der Urheber selbst ist am Bein ver. letzt worden. Man sand ihn ans dem Platz«. - Er erklärte, er hab« Selbstmord begehen tont- V len. Unter den Verwundeten befinden sich vierunddreitzig jugendliche Personen. Alle wurden ins Krankenhaus gebracht.

Brot oder Arbeit!^

Lissabon, 11. Juni. (Draht-Mc 1» dun g.) Man glaubt, daß di« Bombe, die während des gestttgen Fcstzuges explodierte, von einem Menschen geschleudert wurde, der an der Spitze einer Trupp« 'marschierst!, die eine schwarz« Fahne trug, die die Aufschttft hatte:Brot oder Arbeit!" Ti« Menge griff das Syndikatsgebäudc an, zerstörte dort dir Möbel und vettuchte das Haus in Brand zu stecken.

Krone und Parlament. Einer Parlamentär), scheu Korrespondenz zufolge, sollen zur Gala täfel anläßlich des Kaiser-Jubiläums die Präsidenten. Vizepräsidenten und Schrift­führer des Reichstags und des Land­tags (nach Abzug dreier sozialdemokratischer Schriftführer, die sich nicht beteiligen, im gan zen stebenunddreißig Herren) Einladun­gen erhalten haben.

Spionage und kein Ende! Gestern nachmit­tag ist (einem Privattelegramm aus Königs­berg zufolge) ein Oberleutnant des dortigen Kürassierregiments wegenmilitärischer Ver­fehlungen" in Haft genommen worden. Es heißt, daß es sich um einen Fall von Spionage handelt; doch wird über die Angelegenheit strengstes Stillschweigen bewahtt.

Da» Neueste aus Mel.

Die Weihe der Lenoir-Stiftung.

(Von unsrem Mitarbeiter.)

FSrstenbagen, 11. Juni-

Den Waisen-Kindern das Elternhaus er­setzen, sie zu rechtschaffenen, körperlich und gei- sttq gesunden Menschen erziehen: Das war Ge­orge Andre Lenoirs idealer Gedanke, als er sein gesamtes Millionen-Vermögen der Stadt Cassel, seiner Heimat, zur Verfügung stellte und auf der Höhe des bergumkränzten waldum- rauschten Fürstenhagen eine Waisenanstalt schuf, die seinen und seines Bruders Namen für immer der Welt verkündet. Bisher hat die Anstalt in aller Stille gewirtt, vier Jahre Waisenerziehung haben reiche Erfahrungen sammeln lassen, und jetzt erst tritt sie vor die Oefsentlichkeit und repräsentiett sich als geschlossenes Ganzes. Der stolze Bau, der ge­stern feine Weihe erhielt, stellt sich als eine groß­zügige Anlage dar mit einem architektonisch wirksamen Hauptgebäude, au das sich das linke Nebengebäude und der seit kurzem fertiggestellte rechte Anbau auschließt. Vor dem Hauptge bäude, unter einem gediegenen Tempel erhebt sich das Standbild des Mannes, dessen Lehre den Stifter am hellsten begeistert hat: Pesta­lozzi. Sechzig Kinder werden jetzt in der Anstalt erzogen. Sämtlich Mädchen mit sri- schen roten Backen, denen hier Vater und Mut­ter ersetzt wird. Im Sinne des Stifters wird sogar der Versuch gemacht, einen Ersatz für die Familie zu schaffen. Je zehn Mädchen bilden eine Familie, die Erzieherin ist für sie die Mutter; sie fchläft bei den Kindern, sorgt für ihr körperliches Wohl und wacht Über ihre Spiele, ihr Tun und Lassen.

Jede dieser Familien wohnt für sich in hellen freundlichen Räumen, die Kinder schlafen auf Roßhaarmatratzen und haben ihre eigenen Spinde, lieber sämtlichen Familien waltet dann der Hausvater, Pfarrer Pauk Engeln, mit der Hausmutter, seiner Gattin. So bildet wie­derum das ganze Waisenhaus eine große Fa

VrttLumLus timTwahrhaft acfchlossene tuns- Stiebet, die an der Antarktik-Eüredinou teil.

nehmen sollen, sind bereits hier cingetroffen. In kurzer Zeit dürste bereits die Ausreise be­ginnen. da die Vorbereitungen nahem beendet sind. Die Expedition sieht ihre Tätigkeit haupt­sächlich darin, der Wissenschaft neues wettvolles Forschunasmaterial über die Antarktis zur Ver ­fügung stellen zu können, lieber die Tauer der Forschungsreise ist noch nichts bekannt.

richtet uns ein Pttvat-Telegramm: Die kanadi­sche antarttische Expedition stellt sich jetzt hier zusammen. Steffensson, der Leiter der Expedi­tion, überwacht alle Vorbereitungen. Alle Mit-

ziett. Großen Zauber hatte auch die melodische Schwermut der Schicksalserfiillumg im Duett mit Radames. So ward die Aida Fräulein

man sie überhaupt richtig gehött batte, das bleibt als merkwürdige Tatsache bestehen. Auch in der uachweihnachtlichen Spielzeit vermochte sie nicht mehr genügend hervorzutreten, da sich das Opernvepettoire (dank der Gastspiele) ja nur in ganz bestimmten Grenzen bewegte. Nur eines hat Fräulein Preißmann immer wieder erwiesen, vielleicht das Beste: Daß ihre Kunst Persönlichkeit ist. Was batte sie als Wagner- söngerin zu geben? Von herber Schönheit war ihre Bttinbilde, von großer Verinner­lichung und mysttscher Sehnsucht ihr« Isolde, das Göttlich-Hobeitsvollc verschmolz mit dem Hingebungsvoll-Weiblichen in der Venus. Sie vermag Wagnersche Gestalten zu erleben, weil sie den Stil der Innerlichkeit hat. Ihrem Or­gan, das in der dunklen Färbung am schönsten klingt, eignet die edle Linie des vornehmen Wagnergesang«.

Doch ihr Gesangsstil weist sie keineswegs nur vorwärts in das nachwagnerische Musik brama oder in bi« zu gespitzt- Charakteristik eines Richard Sttauß hinein: Sie nimmt den Weg nicht minder gut rücktvätts, hinüber zu den melodischen Feinheiten der alten Meister, hinüber zu Mozart und Beethoven. 1t nb Verdi, dessen Komposiiionskunst ans der alt- italienischen Gesangsschule ruht, aber trotzdem hohe dramatische Ansprüche in sich ausgenom­men hat, weiß sie völlig zu beherrschen. Dra­matische Kraft und melodischer Wohlklang ein­ten sich wundervoll in dem Monolog, der den tragischen Konflikt zwischen Liebe und Pflicht in der Seele Aidas tief zum Ausdruck bringt. Souveräne Sicherheit beherrscht« auch die ge­sangstechnischen Schwierigkeiten, die der kurze Monolog des zweiten Astes bietet. Im dritten Ast lag mit Recht der Höhepunkt! Wie wech­selnde Lichter, wie schnelles Hell und Dunkel sprangen bft Uebergäng« von der Höhe zur Tiefe jäh zueinander über. Denn in diesem dritten Akt läßt Verdi alle Gefühlswallungen seiner Aida, wie in einem einzigen Punkte ge­sammelt, eigentümlich erstrahlen. Dies« Gefühl« wurden von dcc Künstlerin sehr sein diffe-en-

Sfis Schrorder-Stram-Drsms.

Drei Ueberlebende der Expedition.

Nach mondelangen Irrfahrten und Leiden im Eise der Spitzbergen-Insel sind nun endlich drei Teilnehmer der Expedition des Leutnants Schroeder - Stranz, näm­lich Dr. Rüdiger, Rietschel und Rave, sicher ge­rettet, und man darf hoffen, daß sie die Folgen der entsetzlichen Strapazen überstehen werden. Schroeder-Stranz selbst wird bekanntlich noch vermißt, und es ist ziemlich sicher, daß er nicht mehr am Leben ist; zwei andere deutsche Mit­glieder der Expedition, Dr. Moeses und Dr. Dettmering, haben gleichsalls auf Lpltzbergen den Tod gesunden. Ueber die Ankunft der Ge­retteten in Tromsö wird uns berichtet:

Die Letzten der Expedition.

(Privat-Tclegram m.)

Kopenhagen, 11. Juni.

Aus Tromsö to'rb hierher gemeldet: Gestern ist aus Spitzbergen der Dampfer Ac tiv" eingetroffen. An Bord befanden sich die drei deutschen überlebenden Teilnehmer der Schroeder-Stranz-Expedition, der Kapitän Rietschel, Dr. Rüdiger und der Maler Rave. Kapitän Rietschel und Dr. Rüdiger wurden sofott in das Krankenhaus Tromsö gebracht, da sie infolge der ausgestandenen monate­langen Leiden gerade nicht bei bester Ge­sundheit sind und der sorgfältigsten Pflege bedürfen. Kapitän Rietschel mutz sich außer­dem einer Futzoperation unterziehen. Der Maler Rave besindtt sich bei bestem Wohl­sein; er wird voraussichtlich zuerst Vie Rück­reise nach Deutschland antreten.

Aus Victoria in Britisch-Columbien bc-

lerisch« Leistung! ... Aber: Rötung, Rötung, neidisches Schwert ...! B-er.

Wie Pearh den Nordpol entdeckt?.

(Von imserm Pr. M. ß.-M.tarb eiter.)

Paris, 11. Juni

Während seines Aufenthaltes in P a r i s er. klärte der Nordpolforscher Peary einem Pa riser Journalisten, warum seine letzten Entdek- kungsfahrt zum Nordpol gelang und gelin­gen mußte. Auf die Frage des Journalisten, ob er das Gelingen des Unternehmens, dem Glück oder dem Zufall zuschreibe, erwidette Pearv lebhaft:Es gibt hierbei keine Zufälle, fondern nur günstige Umstände, die man vor aussehen muß. Die Polarexpebitionen fpielen eigentlich zum großen Teil schon vor der Aus fahrt. Man muß vorbereitet fein. Ich war gw vorbereitet."Was war aber der Hauptfattoi Ihres Gelingens?" Auf diese Frage antwor­tete Peary:Meine Reisebegleiter, Eskimos Menschen und Hunde, und mein Plan, der auj Grund der Erfahrungen meiner ersten Reisen ausgearbeitet war. Ich hatte das Spiel, naw- bem ich vorher mehrere Pattien verloren hatte, endlich gelernt. Ich hatte nach bett Ursachen unserer Niederlagen geforscht. Aus meinen früheren Reisen hatte ich bedeutsame Lehren gewonnen: Zuerst, baß es am besten ist, wenn man hauptsächlich Eskimos, die an das Klima gewöhnt sind, und nur die unerläßliche Mm- destzahl von Weißen mitnimmt; bann, daß man sich an die Hundeschlitten, die zwar ein recht primitives, aber für jene Breiten das einzige vernünftige Verkehrsmittel sind, halten muß; endlich, daß es gut ist, wenn man sich, um nickt allzusehr mit Lebensmitteln belastet zu sein, möglichst weit im Norden mit Fleisch von Tie­ren der örtlichen Fauna versorgt. Ich war also für den Pol trainiert, bin bin meinen Plan« aeiolat und habe sie verwirklicht... Jf