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Casseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Dienstag, 10. Zimt 1913

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Nummer 155

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Zum-Gewitter?

®ie Deckung der Heeres-Koste« ««d die Parteie«; Reichstags-Auflösung in Sicht?

Eta Privat-Telegramm mel­det «nS a«S Berlin: Die in den letzten Tagen durch die Presse gegaugeuen Gerüchte über die Möglichkeit einer Reichstags - Auflösung ent- sprechen den Tatsachen. Der Reichs­kanzler beharrt darauf, datz die Reichs- Vermögenssteuer als Deckung der Wehrvorlage für die verbündeten Re- gierungeu unannehmbar sei und bleibe. Zn Regierungskreisen ist man fest entschlösse«, falls eine Eini- gung der Parteie« über die Deckung der Wehrvorlag»-Kosten nicht zu« stände kommt, den Reichstag auf zu­löse« und a«S Land zu appelliere«. Also: Krisen - Zeit! Daß eS so und nicht anders kommen werde, war vorauszusehen und die Frage ist nur: Was tun, Herr Kanz­ler? Appell ans Land? Ein Würfelspiel mit hohem Verantwortungs-Einsatz, zweifelhaften Erfolg-Chancen und Effekt-Möglichkeiten, die sich im Augenblick nicht abschätzen lasten. Ver­mittler-Politik zwischen Rechts und Links? Eine Aufgabe der Undankbarkeit, die weder Lorbeer noch Gewinn verspricht. Und sonst? Ein Wirrwarr von Plänen und Ideen, kraus und bunt wie Lianen-Gerank am knorrigen Stamm: Weiter nichts! Kann man's dem Kanzler verargen, daß er, in Sonnenglui und Mittagschwüle diesem Chaos gegenüberstehend, am Gelingen des Werks verzweifelt und, die Stirne drohend runzelnd, dem .Reichstag der Unfruchtbarkeit' flucht? Indessen: Das Paria- mentarische Satyrspiel ist keine Komödie der Parteien-Laune, kein störender Zwischenakt im nationalen Hymnenspiel, sondern die durchaus natürliche und namrgemäße Entwicklung der­jenigen DerhälMiste, die wir, zusammenfas­send, das poliftsch-parlamentarische Milieu der Aera Bethmann Hollweg nennen dürfen. Und wenn der Kanzler kein Philosoph, sondern ein mit Hellem Auge ins Leben hineinschauender Manu der nüchternen Praxis reiner Vernunft wäre, würde er sich darüber nicht erregen, nicht zürnend um sich blicken, sondern aus den jedem Auge erkennbar gewordnen Tatsachen die selbst­verständliche Nutzanwendung ziehen. Das heißt (mit andern Worten): Wenn mit der aus der Blockmannschaft von einst, auS Konservativen, Zentrum und Polen gebildeten Mehrheit keine ersprießliche Arbeit zu leisten ist, geht's viel­leicht mit einer andern, deren Heerbann sich von Bastermann bis Payer reckt. Und wenn diepott- ftsche Aesthetik, eines seit der Jugend Tagen mit der Milch frommer DenkungSart genährten Kanzlers mehr ist als ein wesenloser Begriff, wird Herr von Bethmann Hollweg sich sagen müssen, daß es auch einem Manne seiner Unschuld-Vergangenheit weit eher ziemen darf, mit dem Gegner von gestern ein Geschäft zu machen, als vom Freund von ehegestern sich ins Joch der Abhängigkeit zwängen zu lasten.

Schon bei der Budget-Kommission-Premiere begann's: Herr Erzberger zerpflückte den Wunschzettel des Kriegsministers wie die Rech- nung eines unbequemen Gläubigers, strich Re­gimenter und Bataillone und reduzierte die von der Regierung als dringlich geforderteu Stellen unterm Druck des Tribunen-GewissenS wie den Kostenplan eines spekulativen Unternehmers. Schon damals hieß es. man habe sich im Streife der Regierung zu vernehmlichem Murren er­mannt, und von Herrn von Heeringen hörte man, er habe den Kanzler zu bestimmen ver­sucht, grimmig zu blicken, und den um Erzber­ger und Kanitz Gescharten den -Ernst der Si­tuation' überzeugend zu demonstrieren. Es geschah auch: Im offiziösen Blätterwald erhob sich ein bescheiden Säuseln; man vernahm, das nationale Werk sei in Gefahr, vom Knickergeist des Parlaments erdrückt zu werden, und tief im Hintergrund der Kulisse wagte sogar eine Grabesstimme die Mahnung ans Gewissen mit dem Hinweis auf des Reichstags Schicksal- Stunde. Die Regie indessen war schwach, effett. arm und ohne Schwung, und als Echo klang, ein Menetekel, zur Wilhelmstratze die Hiobs- post: Richt Erzberger stehe als Rufer im Streit hinter der Szene, sondern Exzellenz von Hert- ling, der Ministerpräsident im Lande Bayern, dessen Einfluß auf die Politik des Reichstags- Zentrums immer noch stark genug ist, die Tak­tik zu bestimmen. Herr von Hertling war's, der den Tribunen Erzberger wider Heeringen auf den Kriegspfad schickte; Herr von Hettling war's, der die Zickzack-Politik seiner Pattei i« der Frage des Milliarden-Vroblems inauau-

ttett, und Hett von Hettling ist'S auch, der jetzt den Kollegen Theobald von Bethmann Hollweg vor die Alternative zwingt: Buße oder Strafe! Der ehemalige Bonner Professor der Welt­weisheit träumt, einmal zur Macht gelangt, von Idealen, die noch kein Auge schaut, und wenn ihm jetzt der Siegerlorbeer tointt, wenn der Kanzler, knirschend vielleicht und der Rot gehorchend, sich dem Machtgebot der alten Mehrheit unterwirft, feiert die Politik Hert- lings einen Triumph, wie ihn selbst das pro­duktive Hirn dieses (wirklich staaismänni- schen) Philosophen nicht köstlicher zu ersinnen vermöchte.

Um die Reichs -Vermögenssteuer gehi's. Der Kanzler sträubt sich gegen den Ge­danken mit dem ganzen Aufgebot jener zähen Energie, die seine Gegner Eigensinn zu nennen pflegen; sträubt sich dagegen aus tattischen und grundsätzlichen Erwägungen, und soll entschlos- feit sein, lieber den Reichstag heimzuschicken, als vom Pfad bethmännischer Tugend um Haa­resbreite abzuweichen. Die Rechte wird von Konflitts-Stimmung in immer hitzigere Erre­gung hineingepeitscht, das Zentrum, an­fänglich (vielleicht aus taktischen Gründen) ei­ner Vermittlung geneigt, ist abgeschwenkt und die parlamentarische Krise kann nicht mehr ver­deckt werden. Unterdessen hat Hett Erzberger in einem »Pression oder Staatsräson' über- schriebtien Artikel erklärt, daß das Zentrum nicht gesonnen ist, einem etwa drohenden Kon­flikt auszuweichen, im Gegenteil: Es werde den Konflift unter allen Umständen jeder Rücksicht­nahme auf die liberalen Forderungen vorzie- hen und im entscheidenden Moment nicht zö­gern, den aus der Sachlage sich ergebenden Konsequenzen Rechnung zu tragen. Das ist deutlich, klingt wie offne Kampfanfage und drängt den Kanzler zu einet Entscheidung. Wie: Das ist die Frage! Hett von Bethmann kann den Reichstag heimsenden, kann anS Volk appellieren und da- Schwergewicht einer zugkräftigen nationalen Wahlparole in die Wagschale werfen. Aber toer weiß, wie das Parlament, das unterm Druck der Kampf-Hoch­spannung endete, wiederkehrt? Wer bet. mag abzuschätzen, welche Gefahren ein Wahl­kampf herausbefchwören könnte, der wie kaum ein andrer je vorher von der parteilichen Machtfrage, von der Partei-Leiben, schäft und von der Mafsen-Ettegung de- einflußt sein würde? Daran denkt auch bet Kanzler. Und im Hinblick auf diese Zukunft- Möglichkeiten mag selbst bie dräuend gerun- zelte Stirn des ZeuS sich glätten, denn auch auf dem Olymp warS allzeit löblichtt Brauch, von zween Uebeln stets das kleinste auSzu- wählen. Keine Unruhe also: DaS Juni-Gewtt- ter kann sich noch verziehe«. . .1 F. H.

Wo bleibt da» Parlament?

Die Parlamente beim Kaiser.F«bilä«m.

Unter der Uebevschrift .Das Regte- rungs-Jubiläum und die Parla. mente* veröffentlicht die .Nationalliberale Korrespondenz', das offizielle Organ bei na« Sionallibevalen Partei, eine Beschwerde, bie anscheinenb von ber nationalliberalen Parteileitung aus gegeben scheint und die auf Tatsachen hinweist, die geeignet sind, starkes Beftemden zu erregen. Es heißt da:

Wer von dem Programm für bie Feier beS Regierungs. Jubiläums Kennt­nis genommen hat, wird sich verwundert fragen, welche Stellung bei diesen Festlich­keiten eigentlich der Reichs- und San- desverttetung zugewiesen ist. Das Programm enthält darüber nichts. Man sollte meinen, daß, wenn die Krone ein Re- gierungsjubiläum begeht, der andere Faktor der Gesetzgebung dabei ber ZunSchstbeieiligte sein müsse. Wir erinnern uns, daß, als in dem benachbarten Staate Dachsen das Jubi­läum des Hauses Wettin flefeitrt wurde, König Albert die Vollsverttetung zu sich einlud, weil er dieses Fest seines Hauses im Kreise seinergetreuen Stände' feiern wollte. In Preußen scheint ein derartiges Bedürfnis nicht zu bestehen. Wel­chen Eindruck ein solches Verfahren im Lande machen würde, brauchen wir wohl nicht weiter auszumalen. Jedenfalls ist es sehr bedauerlich, daß auch bei diesem freudigen Anlaß eine engere Fühlung zwi­schen Krone und Volksvertretung nicht ge­sucht wird.

Die nationallibttale Partei-Korrespondenz er­innert in diesen Darlegungen tatsächlich an eine .Unterlassungssünde', die zu mancher­lei Betrachtungen Anlaß gibt, denn schließlich "mb doch bie Parlamente in einem verfassungs- mäfcia verwaltete« Lande Einrichtungen, bie

nicht übersehen werden dürfen, Oder ist man in Berlin etwa andrer Ansicht ...?

Vor neuem Balkan Krieg?

3« Sofia herrscht strengster Kriegszustand!

Die Lage am Balkan gestaltet sich mit jedem Tage schwieriger und drohender. Wie De­peschen aus Belgrad melden, befürchtet man dort, daß der Rückttitt des bulgarischen Stabt, netts Geschow ernste Komplikationen herauf­beschwören werde, da die Kriegspartei unter General Sawow eifrig am Werke fei. Der griechische Minister -des Auswärtigen soll einem Zeitungskorrespondenten gegenüber er« klärt haben, daß die Anwesenheit Geschows im Kabinett bis jetzt die einzige Firiedens- garantie gewesen sei.

Das Kriegsfieber am Balkan.

(Privat-Telegramm.)

Sofia, 9. Juni.

Die griechischen Truppen unternahmen einen neuen Versuch, von Bulgarien besetzte Gebiete sortzunehmen. Außerdem werden täglich neue Verhaftungen von Bulgaren ge- meldet. Die Gefängnisse in Saloniki und Lett sind mit Bulgaren überfüllt. Man hält daher die Lage für unhaltbar und den A u s - bruch eines offenen Konfliktes für unvermeidlich. Die bulgarische BevAke- rung Mazedoniens wird seitens der Griechen >md Serben rücksichtslos verfolgt. Trotz bet vor kurzem abgeschlossnen griechisch-bulgarischen Verständigung über die Feststellung einer neu­tralen Zone haben griechische Truppen einen bulgarischen Ort besetzt. Die griechischen Be­hörden fahren fort, Bulgaren, deren einzige Schuld ist. daß sie Bulgaren sind, aus den be­setzten Gebieten zu verbannen. Eine Besserung ber Beziehungen unter den Verbündeten ist bisher nicht eingetreten, im Gegenteil, wenn

die russische Diplomatie

nicht streng interveniert, wird der heutige Tag voraussichtlich eine neue Lage schaffen. In Sofia ist strengster Kriegszustand. In eingeweihten Streifen wird versichert, daß bie bulgarische Regierung sich mit bem Er­suchen an Rußland gewandt habe, Serbien zur Räumung der strittigen Zone und zur Ein. setzung deS Verwaltungskomitees über diese zu veranlassen. Rußland soll bann über bie strit­tige Zone allein das Schiedsrichteramt über­nehmen. Man beabsichtigt, bie Lösung ber KabinetiRrdse bis nach dem Eintreffen der Antwort auS Petersburg aufzuschieben. Die Zusammenkunft ber vier Ministerpräsidenten der Verbündete« ist verschoben worden und wirb erst ftattfinden, wenn daS neue bul­garische Kabinett gebildet fein wind. Die bul. garische Regierung stellte in Belgrad und Athen daS Ersuchen, Sorge zn tragen, daß wettere Zusammenstöße der Truppen ver­mieden werden.

Serble« z«m Krieg entschlösse«!

Belgrad, 9. Juni. (Privat-Tele­gramm.) Eine wichtige Wendung in dem Konflift der Verbündeten scheint unmittelbar bevorzustehen. Ministerpräsident Pasitsch berief gestern die Parteiführer zu einer Be­sprechung über die Lage in fein Kabinett. Sie kamen ber Aufforderung nach, und nachdem sie seine Auseinandersetzungen angehört, legten sie ihm übereinstimmend nahe, in dem Streit mit Bulgarien nicht länger abzuwarten, sondern, falls binnen zwei Tagen keine befrie­digende Erklärung aus Sofia erfolgt, sofort mit ber Annektion der eroberten Territorien vorzugehen.

GewalwolM in Ungarn!

Stefan Tisza als Ministerpräfident.

Das Unglaubliche ist Ereignis geworden: Kaiser Franz Josef hat als König von Ungarn den Abgeordnetenhaus-Präsidenten Grafen Stefan Tisza mit der Neubildung des Ka­binetts beauftragt. Nach seiner Ernennung äußerte sich Tisza: Wir werden den bisherigen Weg ruhig weiter gehen. Wir werden keinen Kampf provozieren, aber auch vor keinem Kampfe zurückweichen. Das ist deutlich! Depeschen aus Wien melden dazu:

Die Ernennung des Grafen TiSza zum ungarischen Ministttpräsidenten hat überall peinlichste Ueberraschung hervorge- rufen. Man ist der Ansicht, daß diese Er­nennung eine Verschärfung des Systems bedeutet und neue parlamentarische Kämpfe in Ungarn unausbleiblich find, da die Oppo­sition um keinen Preis mit bem Unter­drücker der parlamentarische« Freiheit arbei­ten will.

Man steht vor einem Rätsel. Die noch in aller Erinnerung stehendenGroßtaten' Tiszaz vom vorigen Jahre, die Verletzung des Parla­mentarismus und die brutale Vergewaltigung

der Opposition durch die Polizei und Soldaten stempeln seine Ernennung zu einer Provoka­tion alles Dessen, was in Ungarn an freiheit­licher Gesinnung und fortschrittlichem Streben lebt und gedeihen möchte. Sie ist ein Faust- fchlag ins Gesicht der Massen, die seit Jahren vergebens darauf warten, daß das Versprechen einer Halbwegs erträglichen Wahlreform endlich eingelöst werde.

Großfeuer in Kassel.

Feuersbrunst in der Federstahl-Industrie.

Im Fabrikgebäude der Aktienge­sellschaft für Federstahlindu. str ie in der Sedanstraße brach gestern Großfeuer aus, das im Südostflügel der Fabrik erheblichen Schaden an­gerichtet hat. Die gesamte Casseler Feuerwehr wurde aufgeboten. Ei« Arbeitssaal brannte vollkommen aus, in anderen richtete das Feuer eben­falls umfangreiche Verheerungen an.

Um die Mittagsstunde verbreitete sich gestern in Cassel die Kunde von einem Großfeuer bei derFederstahlindustrie'. Das Ausrücken der Hauptfeuerwache und der Feuerwehr zwei in der Mauerstraße brachte die Bestätigung. Eine große Menschenmenge machte sich deshalb nach der Wolfhagerstraße und nach der Sedanstraße auf und beobachtete dort, von Schutzleuten in gemessener Entfernung gehalten, das aufregend« Schauspiel. Viel zu sehen gab es allerdings nicht, da der Kamps mit dem entfesselten Ele­ment sich meist im Innern des Gebäudes ab« fpielte. Unser an die Brandstelle entsandter s^M i t a r b e i t e r konnte über den Brand, der von besonderer Bedeutung ist, weil er ge­rade dieFederstahlindustrie' betroffen hat, de­ren Geschäftslage in der letzten Zeit die Oeffent- lichkeit intensiv beschäftigt hat, die nachstehen­den Einzelheiten feststellen: Gegen elf Uhr wurde das Feuer,das in derFederstahlindu­strie' entstanden war, bemerkt und nach weni­gen Minuten meldeten mehre're Melder zu glet. cher Zeit Großfeuer. Brandmeister Becker (der Branddireftor befindet sich gegenwärtig auf einer Dienernse) ließ sofort sowohl

die Hauptfenerwache

als auch die zweite Feuerwache in der Mauer­straße alarmieren und in kürzester Frist erschien die Wehr an der Brandstätte. Das Feuer hatte, als die Wehr eintraf, bereits einen gro­ßen Umfang angenommen und deshalb wurden noch sämtliche dienstfteien Mannschaften der Feuerwehr einberufen. Inzwischen ging die Wehr unter Brandmeister BeckerS Leitung energisch gegen die Flammen vor, die ihr ent­gegenschlugen. Das Vordringen in das bren­nende Innere wurde durch schwelenden Rauch empfindlich erschwert. Das Feuer war, wie sich augenblicklich feststellen ließ, im Keller deS süd­östlichen FlügelgebäudeS ausgekommen. Dort befindet sich die Haupttransforma­tion. Wie das Feuer hier entstanden ist, konn­te noch nicht einwandfrei aufgeHärt werden, wahrscheinlich liegt nach Feststellung ber Feuerwehr Selbstentzündung vor. An der Transformation entlang bahnten sich bann die Flammen einen Weg nach den oberen Stock­werken des Südostslüqels und bemächtigten sich vor allem des großen ArbeitssaaleS im zweiten Geschoß. Dieser brannte mit seiner maschinellen und sonstigen technischen Einrich-, tung vollkommen aus. Hier wurde

der größte Schade«

angerichtet. Auch in die Arbeitssäle de? erste« Stockwerks und in das dritte Geschoß fanden die Flammen Eingang. Dank dem energischeu und' tapferen Eingreifen der Wehr unter ihrer zielbewußten Leitung konnte hier größerer Schaden abgewendet werden. Der Weg zum Dachgeschoß wurde bann von der Feuerwehr erfolgreich abgeschnitten. Ebenso wurde ver­hindert, daß das Feuer auf weitere Gebäude­teile Übergriff. Längere Zeit sah der Brand äußttst gefahrvoll aus und eine starke Rauch­entwicklung erschwerte es, ein klares Bild über seinen Umfang zu erhalten. Der HauPl­an g r i f f der Feuerwehr gegen das Flammen­meer geschah über die beiden Treppenhäuser in den Seitenflügel hinein. Im Haupttreppenhau.» und von außerhalb des Gebäudes wurden über Leitern verschiedene Schläuche vorgenommen, um gleichzeitig die übrigen Fabrikgebäude vor dem Feuer zu schützen. Im'Ganzen arbeitete die Wehr mit fünf v-Rohren und mit fieben 6-Rohren Kurz-vor zwei Uhr war dann jede Gefahr beseitigt und die Feuerwehr konnte nach und nach den Schauplatz ihrer angestreng­ten Sonntagsarbeit verlassen. Der Schaden, der derFederstahlindusttie' durch den Brand entstand, beträgt viele tausend Mark, ist aber durch Versicherung gedeckt. Am Nachmittag und am Abend bildete das Feuer das Tagesgespräch in Cassel.

Die Folgen des BrandeS.

Bei dem Grotzseuer in der Fabrik bet Federstahlindustrie" ist durch di« Flammen sowohl als durch daS i« tass Feuer, meer aelchleuderte Wasser derart ar*Mt Scha-