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Caffeler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Kernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, 4. Juni 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 150

turmhoch übersteigt. Manches schwält da in einem andern Licht, als es früher schien.

Das blitzartige Emporschnellen von Existen­zen, deren Namen gestern noch niemand kannte, zu einer Machtfülle, die ost die europäischer Herrscher weit übersteigt, das eiserne Sichdurch- setzen mancher Persönlichkeiten, das man gern auf das Konto überragender Energiekräfte setzt, die für uns eben den markantesten Bestandteil des Amerikanismus ausmachen, die wirklich oder scheinbar erfolglosen Kämpfe der Präsiden­ten und andrer Träger der Staatsgewalt gegen die menschenmordenden Trusts, mst einem Wort

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meinschast aufdecken wollte, ließen sie ermorden. Der Staatsanwalt war scharf auf der Spur der Polizei (die in Newyork eine kommunale Einrichtung ist), aber was bedeutete dieser Eine gegenüber der tausendköpfigen Hydra des Ver­brechertums, das mit den Besitzern von Spiel­höllen und Straßcnräubern Halbpart macht? Vielleicht auch, daß alles dies gar nicht Erschei­nungen sind, die sich nur auf Amerika beschrän­ken: Vielleicht stehen wir nur vor Teilerschei­nungen jenes seltsamen kulturellen Kreislaufs, der sich bei näherem Zusehen in irgend einer Form in allen Staaten kund­gibt. Ein paar Beispiele: Das kamorristisch durchwühlte Italien, belastet mit einer Kor­ruption, die an die Zeit der später« römischen Kaiser erinnert; Frankreich, in dem die Apachen ein mittelalterliches Räuberunwesen etablieren; En g lan d , in dem der höchste, ver- feinertste Luxus an so viel Qual, an so erbar­mungslos mit angesehenes hungerndes Elend streift, wie es kaum vor der großen stanzöflschen Revolutton im Volke herrschte! So müßte man fast verzweifeln am Fortschreiten der Mensch­heit überhaupt, wenn man sieht, wie trotz aller Humanitäts-Phrasen die kraflcsten Formen so­zialen Rückstands immer wieder brutal vors

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Sin König wird gesucht!

Ein Deutscher als König von Albanien? .

Wir haben schon vor einiger Zeit berichtet, i daß die ernsthafteste Kandidatur für den T h r o n v o n A l b a n i e n die des H e r z o g s von Urach (Württemberg) sei. Inzwischen ist durch den Friedensschluß am Balkan die Frage der Besetzung des albanischen Thrones dringlicher geworden und es schweben zurzeit Verhandlungen, die Angelegenheit ehestens der Erledigung entgegenzuführcn. Diesem ^weck galt auch ein Besuch, den am letzten Freitag der R e i ch s k a n z l e r von Bethmann Hollweg erhielt und über dessen politische Be­deutung in unterrichteten Kreisen fein Zwei­fel besteht. Es wird uns darüber berichtet:

Die Albanier beim Kanzler.

(Informationen unscrs W. L.-Mitarbeiters.) Berlin, 3. Juni.

Am Freitag nachmittag, als der Reichs­kanzler von der Besprechung der elsaß-loth­ringischen Interpellation aus dem Reichstag in die Wrlhelmstraße zurückkehrte, erwartete ihn ein interessanter Besuch. Albanien grüßte Deutschland: Das Königreich ohne König hatte zwei Deputierte in die deutsche Kaiser­stadt gesandt, um sich hier die Assistenz für den Kandidaten zu holen, dem die maßgebenden Bürger des Landes am liebsten den albanischen Purpur um die Schultern legen möchten. Das ist der HerzogvonUrach, Graf von Würt- tcmberg, ein naher Verwandter des württem- bergischeu Königshauses. Die albanischen De­legierten haben über diese Thronfolgefrage eine umfangreiche Denkschrift ausgearbei­tet, die bereits allen europäischen Kabinetten, die in der Frage mitzureden haben, vorliegt. Sie legt dar, daß Albanien baldigst in feste Hände kommen muß, da die ungeregelten Zu­stände nur die Keime neuer Wirrniffe in sich tragen. Alle Kandidaten, an die man bisher gedacht habe, haben aber entweder s e l b st abgelehnt oder sind von den beteiligten Groß­mächten als ungeeignet abgelehnt worden.

Der Herzog von Urach

ist Derjenige, der von allen Mächten am wenig­sten Widerstand zu erwarten hat und der auch persönlich unabhängig genug sei, um das Wag­nis zu unternehmen. Offenbar schätzt man in Albanien diesen Kandidaten auch wegen seiner hervorragenden militärischen Eigenschaften, die für das neue Königreich von ganz besonderem Belang sein können. Die albanischen Delegier­ten haben der deutschen Regierung die Unter­stützung dieser Kandidatur dringend nahegelegt und sind dann nach Wien gefahren, um dort ebenfalls für den Herzog von Urach Unterstüt­zung zu werben. Die deutsche Reichsregieruna steht der Kandidatur Urach sehr sympathisch gegenüber, denn ihre Verwirklichung würde dafür sorgen, daß deutsche Interessen bei der Teilung der Erde im Orient nicht ganz leer ausgehen: auch England wäre vielleicht be­reit, die Kandidatur als Kompensation für die Einbuße anderer Vorteile, mit der der Fort­schritt der Verständigungsverhandlungen zwi- scheu Berlin und London erkauft wird, zu un­terstützen und Oesterreich wäre die Kandidatur Urach sympathisch, weil es dadurch Deutschland noch enger an Oesterreich im Orient angeschlos- scn sähe.

durch einen Revolverschuß aufgedeckt wurde, erscheint der Fall fast kleinlich: Der Be­sitzer einer Spielhölle wird auf offner Straßei ermordet. Eine Reihe von Nebenerscheinungen macht die Affäre höchst auffällig. Die großen Zeitungen sind erheblich lauge, bevor der Männl ermordet wird, mit Anfragen bestürmt worden, ob der Mord schon geschehen sei. Es haben also offenbar Hunderte von Menschen schon vorher darum gewußt. Der Ort der Tat ist! von Polizeileuten förmlich umlagert gewesen, ohne daß einer von ihnen nur daran gedacht hat, den Mord zu verhindern. Schließlich wird festgestellt, daß der Mord ssas Werk einer selt­samen Kompagnie sei: Der Polizei selbst und des Newyorker Verbrechertums!

Diese beiden (Polizei und Verbrechertum), die in geordneten Staatswesen gewissermaßen die äußersten Antipoden der menschlichen Ge­sellschaft bilden (hier Jene, die sich tiefer al- alle redlichen Menschen, außerhalb aller Ord­nung gestellt haben, dort Jene, denen der täg­liche Kampf zur Hütung dieser Ordnung über­tragen ist, durch die das Beisammensein vieler^ Menschen erst zum staatlichen Gebilde wird): Diese Beiden sind in dem großen Newyork eins! So ineinander verwoben und verwandt, so eng verbunden durch Niedrigkeit und Ver­brechen, daß die Grenzlinie kaum noch zu ziehen ist. Ein zweideutiges Subjekt, das diese Ge-

reichs.

Lärm und Tumult-Szenen.

(Privat - Telegramm.)

Paris, 3. Juni-

Neue Redl-Enthüllungen.

(P r i v a t - T e l e g r a m m.)

Wien, 3. Juni.

In der Prager Dienstwohnung des General« stabsoberftcn Redl und im Gebäude des dor­tigen Korpskommandanten wurde ein Register über die Tätigkeit des verbrecherischen Offiziers

mit angesehen, ich will sie nicht noch einmal er­leben. Wenn wir uns schlagen müssen, bann wollen wir nicht die Besiegten sein, de Hsrisss sprach dann von den schwarzen Truppen, die die Hoffnung Frank­reichs seien.

würde, um diese Geräusche zu übertönen. Seltsamerweise wurden diese Klavierübungen meist nur dann vorgenommen, wenn der Generalstabsoberst zu Gaste war. Die Hausbewohner hatten den Eindruck, als ob die Schläge merkwürdige Aehulichkeit mit dem Ge­räusch einer jener neuen elektrisch betriebenen Kopiermaschinen auswiesen, die zur Vervielfältigung von Landkarten geeignet sind. Außer dem Generalstabsoberst wurde auch ziemlich häufig ein Herr in Zivil bei den beiden Frauen gesehen, der angab, in dem vornehmen »Hotel Imperial" zu wohnen.. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonmag voriger Woche erschoß sich be­kanntlich Oberst Redl, und am selben Tage verließen die beiden Frauen, ohne vorher ihre Abreise auch nur angedeutet zu ha­ben, ihre Wohnung. Vorher ließen sie die schiveren Koffer wieder in einem Lastautomo­bil sortschaffen, die Damen selbst verließen zu tyufe das Haus und sind seither nicht wie­der gesehen worden. Auf der Prager Po­lizeidirektion wird erklärt, daß man sich augen­blicklich mit der Aufhellung dieser geheimnis­vollen Geschichte beschäftigt, daß aber der be­treffende Generalstabsoberst, wenn es ein sol­cher gewesen ist, unter keinen Umständen der Oberst Redl gewesen sein kann.

Ioüar-ZuMpf!

Der Abschluß der Newyorker Polizeimord- Affäre: Polizeichef Waldo wird entlassen.

Depesche« aus New-York melden uns: Die Kommission des Staatsrates, die in der Angelegenheit des Polizei­mords an dem Spielsaal - Besitzer Rosenthal eine Untersuchung über das Verhalten der Polizei angestellt hatte, hat ihren Bericht jetzt fertig gestellt. In diesem Bericht wird die Entlassung des Polizeichefs Waldo gefordert, da allein dessen Unfähig­keit die sämtlichen Unregelmäßig­keiten ermöglicht habe. Der Bericht bestätigt, daß die Newyorker Polizei- Verwaltnng dienstlich und moralisch der Korruption verfallen sei.

Daß es so und nicht anders kommen werde, war vorauszusehen: Ein Sünder büßt und die j. andern deckt der Mantel der alles verzeihenden : Liebe. Amerikanische Sensationen sind wohl- , feil, und Das, was in Dollarika die Gemüter I erregt, läßt uns meist kühl. Aber auch das : typische Yankee-Milieu mit seinem üblen Niederschlag von Sumpf und Schande birgt ; Probleme und Entwicklungs-Symptome, die mit der kulturellen Entartung in der Sphäre ) des Erdostens manches gemein haben. In

Newyork ist auf offner Straße ein Mensch er- " schossen worden, und dieser Mord hat enthüllt, was Eingeweihte sicherlich längst wußten, was aber nun aller Welt offenbar wird: Daß die Millionenstadt am Hudson, daß vermutlich alle großen Städte Amerikas in einem Zustand ab­soluter Rechtlosigkeit leben! Es vollzieht sich etwas Aehnliches, wie damals, als Darwin das schöne, jahrtausend-alte Märchen vom .Gottesfrieden in der Natur- zerstörte und dar­auf hinwies, daß sich unausgesetzt und in den allergrausamsten Formen der Kampf ums Da­sein vollziehe. Wer der Ansicht ist,'daß dieses sich gigantisch entwickelnde, in seinem Fort­schreiten für unsre alten europäischen Begriffe kaum noch faßbare Amerika durch Recht und Ge­setz auf der graben Bahn der Entwicklung er­halten werde, der irrt weit: Unter der Ober­fläche des Alltags lauern das Verbrechen und die Rechtlosigkeit, unterstützt durch eine Korruption, die selbst unsre, durch russische Vorkommnisse geschulten Begriffe

Das Rendezvous von Zaribrod.

Depeschen aus Sofia zufolge hatten der serbische Ministerpräsident P a s ch i t s ch und der bulgarische Ministerpräsident Geschow in der Nacht auf Momag in Zaribrod eine Zu­sammenkunft, um ihre Ansichten über die Lage auszutauschen. Es wurde (wie die Agence Ha- vas meldet) eine prinzipielle Eini­gung dahin erzielt, daß die Ministerpräsiden­ten der vier verbündeten Staaten zusammentre­ten, um ein Einvernehmen über alle die Ver­bündeten berührenden Fragen herbeizuführen. Nach der Konferenz erklärte Geschow, er hoffe, daß es gelingen werde, alle Gegensätze aus- zugleicheu. _____________

Menbahn-UngMck in Belgien.

Dreißig Personen zumteil schwer verletzt!

Brüssel, 3. Juni. (Draht-Mel­dung.) Gestern nachmittag stieß auf der Sta­tion Dilbeck in der Nähe von Gent der P c r - sonenzug Brüssel-Courtvai mit einer ran- gierendei. Maschine zusammen. Dreißig Personen sind zum Teil schwer ver­letzt worden. Der Personenzug war völlig mit Gewerbetreibenden und Arbeitern besetzt.

Als in der gestrigen Kammer-Debatte der Deputierte Chautemps erNärte, Deutsch­land habe keineswegs die Absicht, einen Krieg zu beginnen, und die Furcht vor einem plötz­lichen Angriff sei völlig illusorisch, denn Deutschland könne nicht eher als nach sechs Ta- aen die Grenze überschreiten, begann im ganzen Aaufc tosender Lärm. Als Chautemps der Militärvenvaltung den Vorwurf der Sorg­losigkeit machte, erhob sich der in der Schlacht von St. Privat verstümmelte GeneralPau, und wandte sich erregt der Rednertribüne zu. Der Kriegsminister und der Minister des Innern Klotz hielten ihn indessen zurück. Zahl­reiche Abgeordnete verließen ihre Plätze, eilten zur Minikterbank und drückten dem General die | Hand, während die Linke ihm und dem Kriegs- I Minister mit den Fäusten drohte. Ter Kriegsminister rief, es sei ein Skandal und eine Schande, wie ein so verdienter General hier im Hause behandelt werde.

Schwarze: DieHoffnung Frankreichs!"

Der Deputierte de H s r i s s 4 sprach über die schwarze Armee Frankreichs: »Ich habe, j als ich Kind war, untere traurige Niederlage

Durch die Wucht des Zusammenstoßes wurde eine ganze Reihe Wagen dritter Klasse zertrüm­mert. Die Verletzungen von über zwanzig Passagieren sind so schwer, daß die Verunglück­ten kaum mit dem Leben davonkomme« werden. ____________

Seite Rrdl-Sensatioae».

Oberst Redl und die geheimnisvolle Russin; immer neue Enthüllungen in der Affäre.

Die österreichische Landesverrats - Affäre Redl gestaltet sich zu einem förmlichen Kri­minal - Roman, und die neuesten Enthül­lungen in der Angelegenheit entschleiern ge­heimnisvolle Zusammenhänge zwischen dem verbrecherischen Treiben des verräterischen Obersten und der Tätigkeit zweier Frauen, die offenbar seine Spionage - G e h il fin neu gewesen sind. In einem Hause in der Borschke- straße in Prag mietete sich im Januar dieses Jahres eine junge, anscheinend aus Ruß­land kommende Dame mit ihrer Begleiterin, einer Dänin, ein. Die beiden Frauen waren stets verschleiert. Man vermutete in ihnen zu­nächst Artistinnen, doch fiel es auf, daß sie an den Abenden fast immer in ihrer Wohnung waren. Diese beiden Damen haben offenbar mit Redl Rammelt gearbeitet. Es werden dar­über folgende Einzelheiten bekannt:

Frauen als Spioninnen.

(Draht-Meldungen.)

Prag, 3. Jutff.

Die beiden Frauen, die offenbar beut Obersten Redl Helferinnen-Dtenste geleistet: haben, sind aus Prag spurlos verschwunden. Bald nachdem sie ihre Wohnung in der Borsch- kestraße in Prag bezogen hatten, begann bei ihnen ein österreichischer General» stabsoberst zu Verkehren, der immer in Uni­form tafh, nie lange in der Wohnung weilte und einmal seine Besuche häufig wiederholre, dann wieder plötzlich lange ausblieb. Nach einiger Zeft mieteten die Damen noch eine zweite, große, leerstehende, an ihre bisheri­ge Wohnung anstoßende Wohnung, die sie von ihrem Vorzimmer aus durchbrechen ließen. Sie bezahlten für diese Räume eine hohe Miete. Nun war es höchst auffällig, daß in die neue Wohnung, die aus sieben Räumen, bestand, nichts weiter als ein Klavier ein­gestellt wurde und zwei Betten, daß ferner an der Decke des Zimmers, in dem das Kla­vier untergebracht war, mehrere elektrisch« Drähte angebracht wurden, die bis znnr Fußboden reichten. Auf dem Klavier spielte die Russin fortwährend ein und dieselbe Cho- pin-Etüde. Vor einiger Zeit fuhr nachts ein Last - Automobil vor dem Haufe vor. von dem acht große fchwer bepackte Koffer, die anscheinend Eisenbestandteile enthielten, abgeladen wurden. Die Klavierübungen be­gannen meist um zehn Uhr abends und wur­den von eigentümlichen rhythmischen, gleichen Schlägen auf den Fußboden der Wohnung be=e gleitet, als ob

eine Maschine arbeitete

und als ob das Klavierspiel dazu getrieben

Wer Neueste Nachrichten

- Hessische Abendzeitung

Ange treten.

Nicht immer aber liegen die Ursachen dieser erschreckenden Reaktionsphasen so klar zu Tage, wie bei denen, die sich jetzt in Newyork enthüllt haben. Es liegt hier an der Gemeinsam­keit der Politik und der administrativen Ge­walt. Jeder neue Präsident der Union bringt seine neuen Beamten mit und gleichzeitig mit den Spitzen wechselt durch eine weitverzweigte Protektion der gesamte riesige Beamtenapparat. Aemter werden ergattert, erkauft und erschwin­delt, und Jeder sucht während der kurzen Zeit seiner Amtswirksamkeit sein Schäfchen auf diese oder jene Weise ins Trockne zu bringen. Eine Folge dieses Systems sind unter vielen andern dann die Polizeikommissare, von denen man gelegentlich der Rosenthal-Affäre gehört bat, daß sie sich nach verhältnismäßig ganz kurzer Tätigkeit als reiche Leute ins Privatleben zurückziehen. Es läßt sich natürlich nicht aus­denken, wieviel Ungerechtigkeit und Unterdriik- I fung an allen diesen .ersparten' Dollars hängt.

Die Korruption aber ist die eigentliche ameri­kanische M acht: Die Korruption ist die Nähr- mutter amerikanischer Politik und die Kor- rupiion ist auch die Hoffnung aller Derer, I die den Spuren eines Washington oder Lineoln zu folgen vorgeben, in Wirklichkeit aber freche Egoisten im Ringen um eignen Vorteil sind. Amerika ist stark und kann ein Geschwür am Staatskörper überdauern, ohne Schaden zu neh­men, aber der giftige Sumpf der Korruption, über dem stolz und hoch das Sternenbanner weht, verpestet eine Atmosphäre, in der Frech­heit und Knechtschaft, Idealismus und brutale Eigensucht, Gut und Böse wie in einem Un- trautgarten friedlich nebeneinander geb eiben!

,«... u:m««-Ust-E.»J Mme in der Kammer. heut der Name Amerika genannt wird: Steht Der Kampf um die drerzahrtg "ö das nicht vielleicht alles weit mehr auf dem In der französischen Depuftertenkammer be- Grunde der Niedertracht strupellos aus- gann gestern die Beratung des Regierungsent- genutzter Gewissenlosigkeit, als auf £lC,unb~toie man es

dem Boden menschlicher Energien, die uns ganz D^Sau ^d.clstgesetzt,^r fflm

unwahrscheinlich dünken? Der Fall Rosenthar Erregungs-Szenen und T u -

ist ebenso ein Symptom amerikanischer Entwick- malten, aI8 der Deputierte Chautemps lung, wie manches andre Ereignis, das unsrem Regierung den Vorwurf der Sorglosigkeit ' Auge unfaßbar scheint. An Dem gemessen, das machte und erklärte, das Gesetz spotte Frank-