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Casseler Abendzettung

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Hessische Abendzeitung

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Stummer 145.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 29. Mai 1913.

Fernsprecher 951 mib 952.

3. Jahrgang.

llrn eine Krone.

Dom Manuel der Verschwörer; das Nohalis- te«-Rendezvo«s: Ein Komplott der Liebe?

Londoa, 28. Mai. (Privat-Tel e- gramm). 3m Monat Juni wird in Lugano eine Geheim-Dersammlung der portugiesischen Monarchisten stattfinden, an der auch Exkönig Manuel teilnimmt. Wie von unter­richteter Seite mitgeteilt wird, solle« in dieser Versammlung alle Maß­nahmen für die zum Herbst geplante monarchistische Gegen-Revo­lution in Portugal beraten werden. Die Monarchisten entfalten seit einigen Monate« in ga«z Portugal eine ungemein rege Tätigkeit und verfüge« über eine« großen Anhang.

Die Zeiten ändern sich: Als über das Por- lugicsen-Ländchen der Sturm der Revolu­tion dahinbrauste und di« Garde der Repu­blik vorm Palais der Braganza erschien, ent­wich Manuel von Portugal schnell dem Bereich der Gefahr. Die Zigarette im Mund, geleitet von einem braven, auch im Unglück treuen Kammerdiener und einer fast noch treuern Riesendogge, schied er, der letzte Sproß eines ruhmreichen, im Wirbelsturm der Ge­schichte ost erprobten Geschlechts, von Thron und Heimat, von Land und Volk, und hinter ihm donnerten die Kanonenschlünde wie ein Wetterschlag neuer Zeit den Sieg und die Ge­burt der Republik durch die Gaue. Der Jüngling, der mtt der Zigarette im Mund, lächelnd und tändelnd einem Thron entfloh, um in der Verbannung ungekrönt des Daseins Freuden zu erjagen, war vielleicht für seinen Leichtsinn nicht voll verantwortlich zu machen, war noch ein halbes Kind und hatte Anspruch auf Nachsicht und Geduld. Der Witz der Zeit­geschichte hat ihm (da Gekrönte auch von der Historie ein Prädikat erheischen) den Ruhm des Zigarettenkönigs" gegönnt, und man würde sich vermutlich auch damit abgefunden haben, wenn Dom Manuel nicht im Exil auf einmal das Bewußtsein feinerMission" auf­gedämmert wäre, die der kaum dem Knaben­alter Entwachsne darin erblickt, Portugal von derGeißel der Republik" zu befteien und den Braganza-Thron auf den Trüm­mern des zerschlagnen Staatsgebilds neu zu errichten.

Ein Münchner Genoflenblatt, dem in unter­richteten Kreisen Beziehungen zu allerlei wis» senden Zirkeln der Isar-Gesellschaft nachgesaat werden, überraschte schon im letzten Herbst die Oeffentlichkett durch Mitteilungen über seltsame Kabalen und Ränke, die von München auS wider die Portugiesen-Republik gesponnen würden und in deren Mittelpunkt außer dem damals in Possenhofen im Bayerland weilen­den Exkönig Manuel die Witwe des Her­zogs Karl Theodor von Bayern, eine Prinzessin aus dem Hause Braganza, stehen sollte. Man las da von Versuchen, durch Auf­wendung beträchtlicher Geldmittel die monar­chische Agitation in Portugal zu fördern und Dom Manuel wieder auf den Thron zu brin­gen: Ein Plan, dessen eifrigste Unterstützung die bayrische Herzogswitwe aus dem Braganza- Haus als Familienpflicht und Gebot der Ge­schlechtstradition betrachte. Der Enthüllung folgte (tote zu erwarten stand) prompt das übliche Dementi, und man hätte sich bei diesem in unsrer Zeit natürlichen Gang der Dinge beruhigen können, wenn das Münchner Blatt, das die Eintracht des Isar-Zirkels so jäh ge­stört, nicht bündig erklärt hätte, das offiziöse Dementi sündige wider die Wahrheit, und die Wirklichkeit stehe zu den Versicherungen der amtlichen Stellen in krassem Widerspruch. In­zwischen hat sich denn auch mancherlei ereig­net, das dasIdyll von Possenhofen" dem Märchenreich entrückt: Dom Manuel ward (durch sorgende Tanienhand auf dem Weg der Liebe geleitet) glücklicher Bräutigam, und in Portugal zittern die Männer der Republik vorm drohenden Handstreich der Royalisten!

Daß mitten im Aktionsbereich der Kabalen eine Frau stehen soll, erhöht den psycholo­gischen Reiz der Affäre, denn Frauen pflegen bekanntlich in der Politik auf andern Wegen zum Ziel zu gelangen als die Männer, deren Künste und Liften sich bestenfalls in den Schli­chen der Kuliflen-Politik erschöpfen. Sicher ist jedenfalls, daß die Witwe Karl Theodors von Bayern, seit die Augenklinik ihres verstorbnen Gatten ihr keine Gelegenheit mehr zu frauen­hafter Betätigung bieten kann, sich andern Be­schäftigungen zugewandt hat, die man als spe­zifische Frauendomänen anzusehen pflegt. Nicht Revolution machen-, sondern ... Ehestis- r e n! Der Erfolg kann in diesem Falle der gleiche sein. Der junge Vetter aus Portugal soll im Herbst, wenn von den Bäumen sacht

das Laub zur Erde fällt, unter den Pantoffel gebracht werden, und damit wird die Sorge drängender, tote Dom Manuels Zukunftsich gestalten kann. Man toeiß: Die Ehe-Chancen des vom Schicksal Hartgeprüften waren nie besonders glänzend, auch damals nicht, als er noch den blutig glitzernden Goldreif der portu­giesischen Krone um die Stirne trug; dazu war der Thron der Braganza nicht sicher genug, und dazu war Dom Manuel auch zu sehr ein An­hänger des Boccaccio:Hab ich nur Deine Liebe, die Treue brauch' ich nicht" (Gaby Des- lis und die fleinen Mädels in Paris wissen da­von zu erzählen). Und als Dom Manuel vor zwei Jahren (er zählte grade zwanzig Lenze) in England anfragte, um sich gleich seinem Kö­niglichen Vetter von Spanien aus dem meer­umspülten Albion die Lebensgefährtin zu holen, mutzte er mit einem großmächtigen Korbe an des Tajo Strand zurückkchren. Und damals soll er in der Estttäuschung seine Augen und'seine Wünsche sogar zu eine» nordi­schen Kaisertochter erhoben haben.

Das war verwegen und rächte sich: Die por­tugiesische Monarchie hatte bis dahin ihre stärkste Stütze an Englands Freundeshand. Die hatte ztvar nicht immer leicht auf dem Lande gelastet, nun aber wurde sie ganz zurück­gezogen. Candido Röis warf seine Bomben auf den Königspalast, und Dom Manuel fühl­te sichnicht würdig, an der Spitze des Rests seiner Getreuen seinen Thron mit seinem Le­ben zu verteidigen": Er ging, Zigaretten rau­chend, von dannen! Enttäuschung macht auch Könige weise, und nach den bittren Erfahrun­gen auf frühem Brautfahrten bekehrte sich der Entthronte dann zurPolitik des Erreickba- ren", ward glücklicher Bräutigam einer Hohcn- zollern-Tochter und rückt im Herbst, wenn vorm Altar der Bund fürs Leben geschlossen wird, als Nahvertoandter wieder in den er­lauchten Kreis europäischer Dynastie- und Fa- milienpolitik ein, aus dem ihn einst Candida RSis Bomben vertrieben. Vorher noch, zum Jahreszeiten-Wechsel, wird in Lugano, auf der neutralen Erde des Schweizerlands, der Kongreß der Royalisten zusammentre- .ten, um unter Dom Manuels Vorsitz den Kampfplan wider die Portugiesen-Republik in allen Einzelheiten festzulegen. Man braucht die Braganza-Parade am Ufer des Luganer Sees politisch nicht zu überschätzen, an der Zu­kunft der Republik nicht zu verzweifeln: Trotzdem scheint die Gefahr einer monar­chistischen Gegen-Revolution in Por­tugal in nächste Nähe gerückt, die Propaganda der von lockenden Hoffnungen erfüllten, von blinkendem Gold bezauberten Royalisten lei­denschaftlicher und intensiver als je zu sein. Es geht um T h r o n und Krone: Hinter der Szene steht neben der Lustspiel-Figur derZi- garettenkönigs" der tatbereite Ehrgeiz einer klugen, mit Millionen operierenden Frau, und der entthronte Verschwörer wider die Republik ist der Bräutigam einer Zollerntochter! Wird das Rendezvous von Lugano nun eine K o - m ö d i e enden, oder ... eine Tragödie einleiten ...! F. H.

PrZselsMMim Parlament. Sturmteig i« der französische« Kammer.

Die ftanzösische Deputiertenkammer verhandelte gestern über den von der Regierung geforderten Kredit von 235 Millionen Francs zur Deckung der Kosten, die aus der Zurückbe­haltung der dritten Jahresklasse unter den Fah neu erwachsen würden. Die Debatte verfte (wie es zu erwarten stand) außerordentlich stürmisch und schließlich kam es sogar zu einer regelrechten Prügelszene.

Exzellenz mit geballter Fasst!

(Draht- Meldung.)

Paris, 27. Mai-

Im Verlauf der gestrigen Kammerdebatte kritisierte der Abgeordnete Brousse den Mangel an Methode bei der Kriegsvermal- tung und besprach verschiedene mißbräuchliche Ausgaben. Die Patronen seien zu dop. pelten Preisen bezahlt worden. Als bei diesen Worten der Abgeordnete Rouanet dazwischenrief:Es ist ja Etienne, der sie fabriziert!" verließ der Kriegsmt- nister seinen Platz und stürzte siS mit et. hobener Faust auf Rouanet. Die Abge­ordneten drängten sich zwischen die beiden und verhinderten so eine wüste Schläge, rei. In der unbeschreiblichen Aufregung gingen die weiteren Ausführungen des Ab­geordneten Brousse, der Mißbräuche der Kriegsverwaltung erörterte, verloren. # Abgeordneter Brousse erklärte, im Luftschiff- und Kavalleriedienste herrsche finanzielle Unordnung. Der Kriegsminister wtder- teate die der Krieasverwaltuna aemachten Dor­

würfe der Hinterlist und des Mangels an Vor­aussicht; die Verwaltung verdiene Ver­trauen (Lebhafter Beifall.) Die Regierung tellte schließlich die Vertrauensfrage. Sie trug auch diesmal «inen Sieg davon, da die Kam­mer mit 386 gegen 165 Stimmen die verlangten Kredite von 235 Millionen Francs bewil­ligte. Das Resultat der Abstimmung wurde von der Mehrheit mit lautem Beifall ausge­nommen.

Sine Krise im Reichstag?

Schwierigkeiten bei der Heeres-Vorlage!

Wie wir in unserm gestrigen LeitartikelDie Tage der Rosen" bereits ausgeführt haben, ge­taktet sich die parlamentarisch« Erledigung der H e e r e s v o rli g e weit schwieriger, als vor­auszusehen War. Die herrschende Meinung hielt es bisher für durchaus notwendig, Wehr­und Deckungsvorlage unlöslich miteinander zu verbinden. Allmählich vollzieht sich indes- 'en ein Umschwung in dieser Ansicht, und es gewinnt den Anschein, daß es das Zentrum ist, das durch die Trennung der eigentlichen Wehrvorlage von der Deckungsvorlage Schwie­rigkeiten bereitet, deren Lösung vorderhand noch unklar scheint. Es baden gestern bereits darauf bezügliche Beratungen unter den Frak­tionen stattgefunden, über deren Resultat wir olgenden Bericht erhallen:

Hertling hinter der Szene?

(Von unserm parlamentarischen Mitarbeiter.) Berlin, 28. Mai.

Der Umschwung in den Anschauungen des Zentrums, nach der ersten Lesung der Wehrvorlage zunächst die Deckungs­vorlagen zu beraten, hat allgemein über­rascht. Roch am Sonnabend deuteten keiner­lei Anzeichen auf diesen Umschwung hin. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, soll der bayerische Ministerpräsident Freiherr von Hertling auf das Zentrum eingewirkt ha­ben, keine Ausgaben ohne Deckung zu bewilligen und sich auch gegen eine Reichs­vermögenssteuer auszusprechen. Wie es heißt, will das Zentrum von dieser Steuer nichts mehr wissen. Auch zwischen Zentrum und Konservativen hatten am Montag ver­trauliche Besprechungen stattgefunden, die an­scheinend dahin gegangen sind, zunächst die Dck- kungsvorlagen zu beraten. Die Fraktionen ha­ben sich zum Teil gestern mittag versammelt, um die neue Lage zu besprechen. Dem Anschein nach wird das Zentrum mit seinem Wunsche durchdringen, so daß heute zunächst die Dek- kungsvorschläge zur zweiten Beratung steben werden. DaS Plenum des Reichstags wird durch diesen Beschluß bald

zur Untätigkeit verdammt

sein. Wie die Dinge heute liegen, ist gar nicht abzusehen, tote sich eine Verständigung über die Deckungsvorschläge in kurzer Zeit an­bahnen lassen wird. Wenn die Budgetkom- misston im gleichen Tempo weiterarbeitet, so hat sie die zweite Lesung der Deckungsgesetze günsttgenfalls in drei Wochen erledigt. Für die Beratung der Vorlagen im Plenum bleibt so­mit die ungünstigste Zeit, der Juli, übrig. Wird die Wehrvorlage aber erst im Juli Gesetz,'so ist die Einführung der Neuformatio­nen zum ersten Oktober dieses Jahres völlig in Frage gestellt. Es wird vielfach die Befürch­tung ausgesprochen, daß nach endgiltiger Ver­abschiedung der Wehrvorlage die Beratung der Deckungsgesetze vor di« größten Schwierig­keiten gestellt sei. weil einmal das Interesse erlahmt sei und schließlich die Regierung den Wünschen des Reichstags nicht mehr in dem Matze nachkommen würde, als wenn die Wehr­vorlage noch nicht Gesetz sei. Ovttmisten glau­ben allerdings, daß die Deckungsgesetze in kur­zer Zeit in der Kommission zur Verabschiedung kommen würden, wenn die Regierung in inten­siverer Art als bisher auf eine Einigung der Parteien hinarbeiten würde.

Eine Mehrheit der Linken?

Berlin, 28. Mai. (Privat-Tele­gram m.) Tic nationalliberake Frak­tion des Reichstags hat gestern beschlossen, die schleunige endgültige Verabschiedung der Webr- vorlage zu fordern und die Deckungsvorlage in der Kommission sofort in Angriff zu nehmen. Ferner haben gestern zwischen National- liberalen, Freisinnigen und Sozi­aldemokraten vertrauliche Besprechungen stattgefunden, deren Resultat der Beschluß war, von den Deckungsvorlagen nur den Wehrbei­trag in der Kommission und im Plenum zur Verabschiedung zu bringen, alle anderen Steu- ervorlagen aber bis zum Herbst zurück­zustellen. Da die drei Parteien im Reichs­tag die Mehrheit darstellen, ist die Verwirkli­chung dieses Beschlusses gesichert.

Die Unsicherheit der Lage.

Berlin, 28. Mai. (Pri v at-T ele- gramm.) Bemerkenswert für die politische Lage ist, daß zurzeit noch überall Unsicher­heit besteh^ wie sich die Patteiverhältniffe ge­genüber den Wehrvorlaaen endgülttg entwickeln

werden. Die allgemeine Stimmung unter de« bürgerlichen Abgeordneten ist allerdings keines- Wegs pessimistisch. Man glaubt vielmehr sicher an das Gelingen des Werkes und hält schwere Konflikte für ausgeschlos- f en. Es hat auch bereits eine merkliche An­näherung unter den Fraktionen stattgefunden, die hoffen läßt, daß nicht nur die Heeresvorlage selbst glücklich verabschiedet wird, sondern auch der Wehrbeitrag seine Erledigung findet. Sämtliche Abgeordnete, einschließlich der Sozialdemokraten, sind im Prinzip mit dem Entwurf des Wehrbeitragcs einverstan­den, und es handelt sich nur noch darum, über die übrigen Fragen eine Verständigung hcrbci- znführcw,

ßmova Mst feilte Rüstung. Weit über sieben Milliarden jährlicher Wehr­kosten in Europa; Deutschland: Zweite Stelle

Der bekannte englische Philanthrop Sir Max Wächter versendet soeben eine Bro­schüre:England, Deutschland und der Friede Europas", in der er neben anderm wertvollen Material folgende, ihm vom englischen Kriegs- ministerimn und vom Marineministerium zur Verfügung gestellte Ziffern über die Mehr­ausgaben Europas mitteilt:

Ausgaben Europas

für das Landheer:

Rußland 1060 000 000 Jt

Deutschland 940 000 000 JC

Frankreich 760 000 000 31

England 560 000 000 M

Oesterreich-Ungarn 460 000 000 M

Italien 340 000 000 31

Andere Mächte 700 000 000 M

Zusammen 4 820 000 000 M für die Marine:

England 900 000 000 31

Deutschland 460 000000 M

Frankreich 360 000 000 34

Rußland 360 000 000 34

Italien 180 000 000

Oesterreich-Ungar« 120 000 000 34

Andere Mächte 120 000 000

Zusammen 2500000 000 31

Siebe» Milliarden jedes Jahr!

Die W e h r l a st Europas beziffert sich nach dieser Zusammenstellung also im Jahre auf 7,320 Millionen Mark. Sir Max Wächter stellt die Frage: Was bedeutet diese Summe? und er antwortet darauf:Der Panamaka­nal wird, wenn vollendet, ungefähr 1600 Mil­lionen Mark kosten. Europa gibt also für seine Kriegsrüstungen jährlich mehr als viermal soviel aus, wie die Kosten des gewaltigsten und teuersten Jngenieurunternehmens der Welt betragen. Wenn wir den Wert von Handels­schiffen im Durchschnitt zu 300 Mark pro Tonne brutto ansetzen, so beträgt der Wert der ganzen englischen Handelsflotte von 10 000 Schiffen und von neun Millionen Tonnen brutto 5700 Millionen Mark, während der Wert aller Han­delsflotten der ganzen Welt, die 40 .Millionen Brutto-Tonnen umfassen, 12 000 Millionen Mark beträgt. Die europäischen Staa­ten geben, wie wir gesehen haben, für ihre Land- und Seerüstung 7320 Millionen Mark pro Jahr oder über 600 Millionen Mark pro Monat aus. Mithin geben sie alle zehn Mo­nate eine Summe aus, die dem Werte der ganzen Handelsmarine Englands gleichkommt, und alle zwanzig Monate einen Betrag, der ebenso groß ist, wie der Wert aller Handelsschiffe der ganzen Welt. Europa verwendet jedes Jahr bedeutend mehr für Rüstunaszwecke, als für Erziehung, Hygiene und alle anderen sozialen Zwecke zusam­men. Außerdem wachsen

die militärischen Ausgabe« der Völker von Jahr zu Jahr mit fortwährend gesteigerter Schnelligkeit. Dabei sind die Geld­verluste nicht die einzigen, die zu beklagen sind. Die gegenwärtige Organisation Europas führt auch zu einer enormen Verschwendung von menschlicher Energie und von menschlicher Arbeit. Mehr als vier Millionen der kräftigsten jungen Leute stehen in den Heeren und Marinen Europas unter Waffen, und mehr als eine Million Zivilisten sind fortwährend mit der Produftion von Kriegsschiffen, Waffen. Pulver und anderem Kriegsbedarf beschäftigt. Durcb diese Entzie­hung von fünf Millionen der besten Arbeiter und von einer Million Armeepferden werden die Völker Europas jährlich um eine Summe geschädigt, die mehrere tausend Milli­onen Mark beträgt ..." Genau dieselben Gedankengänge sind wiederholt auch von deut­scher Seite in den Parlamenten ausgeführt worden, und sie sprechen eine beredte Sprache. Man kann es daher verständlich finden, daß Mar Wächter ge^müber diesen erschreckenden Ziffern zu dem Vorschlag eines europäi­schen Staatenbundes nach Art des Schweizer Bundes kommt, wo auch jeder Kan­ton seine eigene Verfassung, seine eigene Regierung und sein eigenes Parlament hat.